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作者: 当前章节:15412 字 更新时间:2026-6-19 08:06

und gebe das Geh.rte weiter. Nur ich kann die Stimmen

h.ren. Und das, was ich h.re, ist die absolute Wahrheit.

Aber ich kann nicht beweisen, dass diese Botschaft die

Wahrheit ist. Alles, was ich tun kann, ist, Ihnen eine

Kostprobe meiner Gabe zu gew.hren..

Aomame biss sich leicht auf die Lippen und legte das

Handtuch ab. Was ist das für eine Gabe?, h.tte sie gern

gefragt. Aber sie hielt sich zurück. Die Sache begann sich

zu sehr in die L.nge zu ziehen. Und sie hatte noch etwas

Wichtiges zu erledigen.

.K.nnen Sie sich noch einmal auf den Bauch legen? Ich

würde zum Schluss gern noch Ihre Nackenmuskulatur

lockern., sagte sie.

Der Mann legte seinen riesigen K.rper wieder auf die

Matte und wandte Aomame seinen kr.ftigen Nacken zu.

.Auf alle F.lle haben Sie den Magic Touch., sagte er.

.Magic Touch?.

.Finger, von denen ungew.hnliche Kr.fte ausgehen.

Deren Empfinden so fein ist, dass sie spezielle Punkte am

menschlichen K.rper ertasten k.nnen. Diese besondere

Gabe besitzt nur eine sehr begrenzte Anzahl von

Menschen. Man kann sie nicht erlernen und nicht üben.

Ich bin auf einem anderen Gebiet mit etwas .hnlichem

ausgestattet. Aber für jede Gabe hat der Mensch einen Preis

zu zahlen..

.So habe ich das noch nie gesehen., sagte Aomame. .Ich

habe gelernt, trainiert und mir meine Technik selbst

angeeignet. Es ist nichts, das mir von jemandem gegeben

wurde..

.Ich will nicht streiten. Aber eins sollte man sich merken.

Gott gibt, und Gott nimmt. Auch wenn Sie nicht wissen,

was er Ihnen gegeben hat – Gott erinnert sich genau daran.

Er vergisst nichts. Mit den Gaben, die einem gew.hrt

wurden, sollte man m.glichst sorgsam umgehen..

Aomame betrachtete ihre zehn Finger. Sie legte sie an den

Nacken des Mannes und konzentrierte sich auf die

Fingerspitzen. Gott gibt, Gott nimmt.

.Gleich sind wir fertig. Jetzt kommt nur noch der letzte

Schliff., sagte sie mit rauer Stimme, w.hrend sie sich über

den Rücken des Mannes beugte.

Ihr war, als h.re sie fernes Donnergrollen. Sie hob das

Gesicht und blickte aus dem Fenster. Nichts zu sehen. Nur

der dunkle Himmel. Pl.tzlich ert.nte wieder das gleiche

Ger.usch. Es hallte dumpf in der Stille des Zimmers.

.Es f.ngt an zu regnen., sagte der Mann gleichmütig.

Aomame legte die Hand auf den Nacken des Mannes und

tastete nach dem bestimmten Punkt. Dazu musste sie sich

au.erordentlich stark konzentrieren. Sie schloss die Augen,

hielt den Atem an und lauschte auf den Fluss seines Blutes.

Ihre Fingerspitzen versuchten die Information aus der

Elastizit.t und W.rme der Haut herauszulesen. Es war nur

ein winziger Punkt. Bei manchen war er leicht zu finden,

bei anderen schwieriger. Bei dem Leader war Letzteres der

Fall. So schwierig, wie in einem stockdunklen Zimmer nach

einer Münze zu kramen, ohne dabei ein Ger.usch zu

verursachen. Dennoch hatte Aomame den Punkt bald

entdeckt. Sie legte ihre Fingerspitze darauf und pr.gte sich

die Stelle genau ein. Als würde sie eine Landkarte mit einer

Markierung versehen. Das war ihre besondere Gabe.

.Bitte, bewegen Sie sich jetzt nicht., wandte Aomame

sich an den auf dem Bauch liegenden Mann. Dann streckte

sie die Hand nach der Sporttasche neben sich aus und

nahm das Hartschalenetui mit dem kleinen Eispick heraus.

.Hier im Nacken haben Sie noch eine kleine Blockade.,

sagte sie in gelassenem Ton. .Ich kann sie nicht mit den

Fingern l.sen. Wenn ich sie entfernen kann, werden Ihre

Schmerzen stark nachlassen. Ich m.chte dort eine einfache

Akupunkturnadel setzen. Die Stelle ist empfindlich, aber

ich habe das schon .fter praktiziert, und es war kein Fehler.

Darf ich?.

Der Mann seufzte tief. .Ich gebe mich v.llig in Ihre

H.nde. Ich akzeptiere alles, was meine Schmerzen lindert..

Aomame nahm den Eispick aus dem Etui und entfernte

den Korken von seiner Spitze. Sie war wie immer von

t.dlicher Sch.rfe. Die Nadel in der linken Hand, tastete sie

mit dem Zeigefinger der rechten nach dem Punkt, den sie

nun schon kannte. Kein Zweifel. Da war er. Sie setzte die

Spitze der Nadel an und holte tief Luft. Gleich würde sie die

rechte Handfl.che wie einen Hammer auf den Griff fallen

lassen und die feine Spitze – pfftt! – in diesen Punkt

treiben. Und alles w.re vorbei.

Aber irgendetwas hielt sie zurück. Aus irgendeinem

Grund konnte Aomame ihre erhobene rechte Handfl.che

nicht senken. Gleich ist alles zu Ende, dachte sie. Mit nur

einer Bewegung kann ich diesen Mann ins Jenseits

bef.rdern. Dann mit eiskalter Miene aus dem Zimmer

gehen, mein Gesicht und meinen Namen .ndern und

jemand anders werden. Ich kann es. Ich habe keine Angst

und keine Gewissensbisse.

Dieser Mann hatte unzweifelhaft den Tod verdient. Er

würde seine sch.ndlichen Taten nur wiederholen. Dennoch

konnte sie es nicht. Ein vager, aber hartn.ckiger Zweifel

hatte sich eingestellt und lie. sie z.gern.

Du darfst die Sache nicht zu leicht nehmen, sagte ihr

Instinkt.

Es war nicht nur Einbildung. Sie wusste, dass hier etwas

nicht stimmte. Etwas war falsch. Verschiedene

widerstreitende Kr.fte und Faktoren prallten in Aomame

aufeinander. Im Halbdunkel verzerrte sich ihr Gesicht.

.Was ist los?., sagte der Mann. .Ich warte. Auf den

letzten Schliff..

Als er das sagte, erkannte Aomame endlich den Grund für

ihr Z.gern. Der Mann wei. Bescheid, dachte sie. Er wei.,

dass ich ihm jetzt etwas antun will.

.Halten Sie sich nicht zurück., sagte er heiter. .Alles in

Ordnung. Das, was Sie vorhaben, entspricht genau meinen

Wünschen..

Wieder donnerte es. Doch kein Blitz war zu sehen. Es

grollte nur wie fernes Geschützfeuer. Die Schlacht war noch

offen. Der Mann sprach weiter.

.Ihre Behandlung war perfekt. Sie beherrschen Ihr Metier

tadellos. Ich zolle Ihren F.higkeiten meinen reinsten

Respekt. Aber wie Sie schon sagten, letztlich ist das nicht

mehr als eine vorübergehende L.sung. Ich kann nur geheilt

werden, indem man das übel bei der Wurzel packt. In den

Keller geht und die Hauptsicherung herausdreht. Das

werden Sie jetzt für mich tun..

Aomame nahm die Nadel in die linke Hand, setzte ihm

die Spitze in den Nacken und erstarrte mit erhobener

rechter Hand. Sie konnte weder vor noch zurück.

.Wenn ich wollte, k.nnte ich Sie jederzeit an Ihrem

Vorhaben hindern. Ganz einfach., sagte der Mann.

.Bringen Sie bitte Ihre Rechte nach unten..

Aomame wollte die rechte Hand senken. Doch sie konnte

sie pl.tzlich nicht mehr bewegen. Sie ragte starr wie die

Hand einer steinernen Statue in die H.he.

.Ich will Sie nicht hindern, aber ich besitze die Macht

dazu. Sie dürfen Ihre Rechte nun wieder bewegen und

rechts wie links über mein Leben bestimmen..

Aomame spürte, dass sie wieder frei über ihre rechte

Hand verfügen konnte. Sie .ffnete und schloss sie ohne

jegliches Unbehagen. Vielleicht hatte er eine Art Hypnose

angewendet. Aber die Kraft war so au.erordentlich gro.

gewesen.

.Mir wurde besondere Macht verliehen. Doch im

Gegenzug haben sie alles M.gliche von mir gefordert. Ihre

Begierden wurden zu meinen Begierden. Diese Begierden

sind .u.erst grausam, und man kann sich ihnen nicht

widersetzen..

.Sie., sagte Aomame. .Sind das die Little People?.

.Sie wissen also von ihnen. Gut. Das kürzt die Sache ab..

.Ich kenne nur den Namen. Was sie sind, wei. ich nicht..

.Es gibt wohl niemanden, der genau wei., was die Little

People sind., sagte der Mann. .Das Einzige, was wir

wissen, ist, dass es sie gibt. Haben Sie mal Der goldene

Zweig von Frazer gelesen?.

.Nein..

.Ein hochinteressantes Buch. Man erf.hrt die

verschiedensten Dinge daraus. In einigen Gesellschaften

des Altertums war es Gesetz, den K.nig zu t.ten, sobald

seine Regierungszeit abgelaufen war. Sie dauerte zehn bis

zw.lf Jahre. War diese Zeit um, wurde er geschlachtet. Es

galt als notwendig für die Gemeinschaft, und auch der

K.nig selbst akzeptierte seinen Tod. Er musste grausam

und blutig sein. Dadurch wurde ihm gro.e Ehre zuteil.

Warum er get.tet werden musste? Zu jener Zeit war der

K.nig jemand, der in Vertretung seines Volkes .Stimmen

vernahm.. Solche Personen wurden von sich aus zu einem

Schaltkreis, der uns mit ihnen verband. Und dass derjenige,

der .Stimmen vernahm., nach einer gewissen Zeitspanne

get.tet werden musste, war eine für die Gemeinschaft

notwendige Tat. Sie diente dazu, das Gleichgewicht

zwischen den Kr.ften, die die Little People entwickelten,

und dem Bewusstsein der Menschen auf der Erde zu

erhalten. Herrschaft war in der Welt des Altertums

gleichbedeutend damit, die Stimmen der G.tter zu

vernehmen, ihren Willen zu kennen. Aber natürlich starb

diese Sitte irgendwann aus, die Monarchen wurden nicht

mehr get.tet, ihre Macht wurde weltlich und erblich. Und

sie h.rten keine Stimmen mehr..

W.hrend Aomame zuh.rte, .ffnete und schloss sie

unbewusst ihre nach oben gestreckte Rechte.

Der Mann fuhr fort. .Seit jeher hat man ihnen die

verschiedensten Namen gegeben, meist jedoch gar keinen.

Sie waren einfach da. Die Bezeichnung Little People ist

letztlich nicht mehr als ein Provisorium. Meine Tochter, die

damals erst zehn Jahre alt war, hat sie .die kleinen Leute.

genannt. Sie hatte sie mitgebracht. Ich habe den Namen

dann in Little People ge.ndert. Weil es sich leichter

spricht..

.Und Sie wurden K.nig..

Der Mann atmete stark durch die Nase ein und hielt kurz

den Atem an, ehe er ihn langsam ausstie.. .Nicht K.nig.

Ich wurde der, .der Stimmen h.rt...

.Und jetzt wollen Sie geschlachtet werden..

.Nein, zu schlachten brauchen Sie mich nicht. Immerhin

befinden wir uns im Jahre 1984 und mitten in einer

Gro.stadt. Es braucht nicht besonders blutig zu werden. Es

genügt mir, wenn Sie meinem Leben rasch ein Ende

setzen..

Aomame schüttelte den Kopf und lockerte ihre Muskeln.

Die Nadel war noch immer an dem Punkt im Nacken

aufgesetzt, aber in ihr regte sich nicht der geringste

Wunsch, den Mann zu t.ten.

.Sie haben mehrere kleine M.dchen vergewaltigt. Kinder,

die kaum zehn Jahre alt waren., sagte Aomame.

.Das ist richtig., sagte der Mann. .Nach allgemeiner

Vorstellung habe ich sie gegen ihren Willen dazu

gezwungen. In den Augen der irdischen Gerichtsbarkeit bin

ich ein Verbrecher. Ich habe mich k.rperlich mit

weiblichen Menschen vereinigt, die noch nicht

geschlechtsreif waren. Auch wenn ich es nicht wollte..

Aomame seufzte nur tief. Sie wusste nicht, wie sie das

emotionale Chaos, das in ihr wütete, zur Ruhe bringen

sollte. Ihr Gesicht verzerrte sich, die rechte und die linke

Hand schienen verschiedene Dinge anzustreben.

.Ich m.chte, dass Sie mich t.ten., sagte der Mann. .Ich

will nicht l.nger auf dieser Welt leben, ganz gleich unter

welchen Umst.nden. Ich bin ein Mensch, der eliminiert

werden sollte, um das Gleichgewicht der Welt zu erhalten..

.Gesetzt den Fall, ich t.te Sie, was ist dann?.

.Die Little People verlieren den, der die Stimmen h.rt. Es

gibt noch keinen Nachfolger für mich..

.Und das soll ich glauben?., schnaubte Aomame.

.Wissen Sie, was Sie sind? Ein perverser Typ, der sich eine

sch.ne Theorie zurechtgelegt hat, um seine Schweinereien

zu rechtfertigen. Die Little People hat es nie gegeben, auch

nicht die Stimme und die Gnade Gottes. Sie sind ein

windiger Scharlatan, der sich als Prophet und religi.ser

Führer aufspielt. Von Ihrer Sorte gibt es jede Menge auf der

Welt..

.Sehen Sie die Tischuhr?., sagte der Mann, ohne den

Kopf zu heben. .Dort rechts auf der Truhe..

Aomame blickte nach rechts. Dort stand eine etwa

hüfthohe geschwungene Truhe und auf ihr eine marmorne

Uhr. Sie sah schwer aus.

.Sehen Sie sie bitte an. Schauen Sie nicht weg..

Also drehte Aomame den Hals und starrte auf die Uhr. Sie

spürte an ihren Fingern, wie s.mtliche Muskeln des

Mannes hart wie Stein wurden. Sie strahlten eine

unglaublich starke Energie aus. Wie auf den Befehl dieser

Energie trennte sich die Uhr von der Oberfl.che der Truhe,

bis sie zu schweben schien. Sie hob sich um etwa fünf

Zentimeter in die Luft, entschloss sich mit leichtem Zittern,

als würde sie z.gern, für eine Position und schwebte dort

für etwa zehn Sekunden. Dann erschlafften die Muskeln

des Mannes, und die Uhr fiel mit einem dumpfen Aufschlag

auf die Truhe zurück. Als sei ihr pl.tzlich eingefallen, dass

auf der Erde Schwerkraft herrschte.

Der Mann atmete lange und ersch.pft aus.

.Selbst solche Kleinigkeiten erfordern eine Menge

Energie., sagte er, nachdem er die Luft ganz ausgesto.en

hatte. .So viel, dass es mich aufzehrt. Aber ich wollte, dass

Sie zumindest begreifen, dass ich kein windiger

Scharlatan bin..

Aomame gab keine Antwort. Durch tiefes Ein- und

Ausatmen gewann der Mann seine Kraft zurück. Die Uhr

tickte reglos, als sei nichts gewesen, weiter auf ihrer Truhe

vor sich hin. Sie war nur ein wenig verrutscht. Aomame

hatte den Sekundenzeiger im Blick behalten, w.hrend er

einmal das Zifferblatt umwanderte.

.Sie haben besondere F.higkeiten., sagte sie mit rauer

Stimme.

.Wie Sie sehen..

.In dem Roman Die Brüder Karamasow gibt es diese

Stelle von Christus und dem Teufel., sagte Aomame.

.Christus fastet in der Wüste, und der Teufel verlangt von

ihm, er solle ein Wunder wirken und Steine in Brot

verwandeln. Aber Christus gehorcht ihm nicht. Denn das

Wunder ist eine Versuchung des Teufels..

.Ich wei.. Auch ich habe Die Brüder Karamasow gelesen.

Sie haben natürlich recht. Eine gro.spurige Demonstration

wie diese eben ist kein Beweis. Aber die Zeit, die ich habe,

um Sie zu überzeugen, ist begrenzt. Also habe ich diesen

Versuch gewagt..

Aomame schwieg.

.Wenn es auf dieser Welt das absolut Gute nicht gibt,

gibt es auch das absolut B.se nicht., sagte der Mann. .Gut

und B.se sind keine festen, unver.nderlichen Gr..en,

sondern Aspekte, die st.ndig je nach Perspektive wechseln.

Was in einem Moment gut ist, kann im n.chsten b.se sein.

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