Natürlich war es keineswegs unangenehm, eine so
wundersch.ne, siebzehnj.hrige junge Frau im Arm zu
halten. Hin und wieder berührte ihr Ohr seine Wange. Ihr
warmer Atem streifte seinen Hals. Ihre Brüste waren im
Verh.ltnis zu ihrem schlanken K.rper beinahe erstaunlich
gro. und fest. Er spürte ihre kompakte Rundung
unmittelbar oberhalb seines Magens. Von ihrer Haut ging
ein bet.render Duft aus. Es war der besondere, lebendige
Duft, den nur ein im Wachstum begriffener K.rper
verstr.mt. Ein Duft von mit morgendlichem Tau benetzten,
voll erblühten Sommerblumen. In seiner Grundschulzeit
hatte er ihn h.ufig am Wegesrand gerochen, wenn er früh
am Morgen zur Radiogymnastik ging.
Ich sollte jetzt besser keine Erektion bekommen, dachte
Tengo. So wie sie lagen, würde Fukaeri es sofort merken.
Das konnte ihn in eine unangenehme Situation bringen.
Mit welchen Worten sollte er einem siebzehnj.hrigen
M.dchen erkl.ren, dass ein Mann hin und wieder
Erektionen hatte, selbst wenn er nicht direkt von Begierde
überw.ltigt war? Aber glücklicherweise hatte er im
Augenblick noch keine. Es kündigte sich auch keine an. Der
Gedanke an den Geruch der Sommerblumen hielt sie auf.
Ich muss an Dinge denken, die nichts mit Sex zu tun
haben, dachte Tengo.
Wieder malte er sich kurzzeitig die Begegnung von Sonny
und Cher mit dem Pythonp.rchen aus. Ob sie gemeinsame
Themen h.tten? Und wenn ja, welche? Vielleicht Gesang?
Als seine Einbildungskraft hinsichtlich der Arche im Sturm
ersch.pft war, ging er zum Multiplizieren dreistelliger
Zahlen über. Das hatte er beim Sex mit seiner .lteren
Freundin h.ufig getan, um den Zeitpunkt seiner
Ejakulation hinauszuz.gern. (Was das anbelangte, war sie
.u.erst strikt.) Tengo wusste nicht, ob und wie lange er mit
dieser Methode auch bei der Unterdrückung einer Erektion
Erfolg haben würde. Aber es war besser, als gar nichts zu
unternehmen. Er musste etwas tun.
.Es macht nichts, wenn er steif wird., sagte Fukaeri, als
habe sie ihn durchschaut.
.Es macht nichts?.
.Das ist nichts Schlimmes..
.Nichts Schlimmes., wiederholte Tengo ihre Worte. Sie
spricht wie eine Grundschülerin, die gerade Sexualkunde
hatte, dachte er. Ihr braucht euch nicht zu sch.men, wenn
ihr eine Erektion bekommt, das ist nichts Schlimmes. Aber
natürlich ist nicht jeder Zeitpunkt und jede Gelegenheit
richtig, ihr müsst schon unterscheiden.
.Hat die Reinigung schon begonnen?., fragte Tengo, um
das Thema zu wechseln.
Fukaeri antwortete nicht. Ihre hübschen kleinen Ohren
schienen noch immer bemüht, dem Krachen des Donners
etwas abzulauschen. Also beschloss er, nichts mehr zu
sagen. Er stellte das Multiplizieren von dreistelligen Zahlen
mit dreistelligen Zahlen ein. Wenn es Fukaeri nichts
ausmacht, dass ich hart werde, dann kann ich ja ruhig,
dachte er. Nichtsdestoweniger machte sein Penis keinerlei
Anstalten, sich aufzurichten. Im Moment lag er schlaff in
einem friedlichen tiefen Schlummer.
.Ich mag deinen Schwanz., hatte seine .ltere Freundin
gesagt. .Seine Form, seine Farbe und auch die Gr..e..
.Mir gef.llt er nicht so besonders., sagte Tengo.
.Warum denn nicht?., fragte sie, w.hrend sie seinen
nicht erigierten Penis wie ein schlafendes Haustier auf ihrer
Handfl.che wiegte.
.Ich wei. nicht., sagte Tengo. .Vielleicht weil ich ihn mir
nicht selbst ausgesucht habe..
.Du bist ein merkwürdiger Mensch., sagte sie. .Mit
merkwürdigen Gedanken..
Das war vor undenklichen Zeiten gewesen. Ein Ereignis,
das ihm so fern erschien wie Noahs Sintflut. In etwa.
Fukaeris warmer Atem berührte in einem regelm..igen
Rhythmus Tengos Hals. Im schwachen grünlichen Schein
des Elektroweckers und im Licht der immer wieder
aufleuchtenden Blitze konnte Tengo ihr Ohr sehen. Es sah
aus wie eine weiche, geheimnisvolle H.hle. W.re die junge
Frau seine Geliebte, würde er unabl.ssig ihre Ohren
küssen. Wenn sie miteinander schlafen würden und er in
ihr w.re, würde er sie mit den Lippen fassen, hineinbei.en,
sie lecken, hineinpusten und ihren Duft einsaugen. Nicht,
dass er das jetzt gern getan h.tte. Es handelte sich im
Grunde nur um eine situationsgebundene Vorstellung, die
auf der rein hypothetischen Annahme basierte, dass er dies
wahrscheinlich tun würde, wenn sie seine Geliebte w.re.
Nichts, wofür man sich aus moralischen Gründen sch.men
musste – wahrscheinlich.
Doch moralisch fragwürdig oder nicht, er h.tte lieber
nicht an solche Dinge denken sollen. Tengos Penis schien
aus seinem friedlichen Schlummer erwacht zu sein und
pochte gegen seinen Bauch. Er streckte sich, hob langsam
den Kopf und gewann zusehends an H.rte. Und bald
erreichte er eine vollendete Erektion, die sich unaufhaltsam
straffte wie die Kanvassegel einer Yacht, die sich in einer
günstigen Nordwestbrise bl.hen. Demzufolge drückte sich
sein versteifter Penis nun, ob es Tengo passte oder nicht,
gegen Fukaeris Hüfte. Innerlich stie. er einen tiefen
Seufzer aus. Seit dem Verschwinden seiner Freundin war
über ein Monat vergangen, und er hatte seither keinen Sex
gehabt. Vielleicht lag es daran. Er musste sofort wieder mit
dem Multiplizieren dreistelliger Zahlen beginnen.
.Machen Sie sich keine Gedanken., sagte Fukaeri. .Das
ist ganz normal..
.Danke., sagte Tengo. .Aber vielleicht sehen es die Little
People..
.Sie schauen nur, tun k.nnen sie nichts..
.Da bin ich froh., sagte Tengo erleichtert. .Aber
irgendwie st.rt mich die Vorstellung, gesehen zu werden..
Wieder spaltete ein Donnerschlag die Luft, bei dem fast
der alte Vorhang zerriss, und lie. die Fensterscheiben
heftig vibrieren. Es schien, als wollten sie wirklich das Glas
zerbrechen. Und vielleicht würde es schlie.lich auch
brechen. Es waren aluminiumgerahmte, ziemlich stabile
Fenster, aber wenn die extremen Erschütterungen
andauerten, würden sie vielleicht nicht standhalten.
Unentwegt schlugen riesige Tropfen unter lautem
Geprassel gegen die Scheiben, als würde jemand mit Schrot
auf Hirsche schie.en.
.Das Gewitter scheint überhaupt nicht weiterzuziehen.,
sagte Tengo. .Normalerweise h.lt ein Unwetter wie dieses
nicht so lange an..
Fukaeri schaute zur Decke. .Es bleibt eine Weile..
.Wie lange ist eine Weile?.
Fukaeri gab keine Antwort. Und Tengo mit seinen
unbeantworteten Fragen und seiner sinnlosen Erektion
hielt sie weiter verlegen im Arm.
.Wir gehen noch einmal in die Stadt der Katzen., sagte
Fukaeri. .Deshalb müssen wir einschlafen..
.Aber wie soll ich denn jetzt einschlafen? Bei diesem
Donner, und au.erdem ist es erst neun Uhr., sagte Tengo
verzagt.
Er reihte im Kopf mathematische Formeln aneinander.
Formeln für lange, komplizierte Aufgaben, deren L.sung er
bereits kannte. Die Herausforderung bestand darin, auf
schnellstem und kürzestem Weg dorthin zu gelangen.
Tengo lie. sein Gehirn auf Hochtouren arbeiten, die reinste
Schinderei. Dennoch lie. seine Erektion nicht nach. Im
Gegenteil, ihm war sogar, als würde sein Penis immer
h.rter.
.Doch, Sie k.nnen schlafen., sagte Fukaeri.
Sie hatte recht. Ungeachtet des unabl.ssig str.menden
Regens, der Donnerschl.ge, die das Geb.ude erzittern
lie.en, trotz seiner inneren Aufregung und
unkontrollierbaren Erektion war Tengo unversehens
eingeschlafen. Er h.tte es nicht für m.glich gehalten,
aber …
Alles ist in Aufruhr, dachte er vor dem Einschlafen. Er
musste den schnellsten L.sungsweg finden. Die Zeit war
begrenzt. Und der Platz auf dem Aufgabenblatt war auch
ziemlich knapp bemessen. Tschk, tschk, tschk, zerhackte
die Uhr gewissenhaft die Zeit.
Pl.tzlich war er nackt. Und auch Fukaeri war nackt.
Splitternackt. Ohne einen Fetzen Stoff am Leib. Ihre Brüste
glichen wunderbar vollkommenen Halbkugeln. Makellosen
Halbkugeln. Ihre Brustwarzen waren nicht sehr gro. und
noch weich, auf dem Weg zu künftiger Reife. Doch die
Brüste selbst waren gro. und bereits voll entwickelt. Und
aus irgendeinem Grund schienen sie nicht unter dem
Einfluss der Schwerkraft zu stehen. Beide Brustwarzen
zeigten hübsch nach oben. Wie frische Knospen einer
Rankenpflanze, die sich der Sonne entgegenrecken. Als
N.chstes bemerkte Tengo, dass sie kein Schamhaar hatte.
An der bewussten Stelle war nur glatte, nackte, wei.e Haut.
Die Bl.sse der Haut verst.rkte den Eindruck von
Schutzlosigkeit. Da Fukaeri die Beine gespreizt hatte,
konnte er ihr Geschlechtsteil sehen. Wie ihre Ohren wirkte
es, als sei es gerade erst geschaffen worden. Vielleicht war
das tats.chlich so. So ein frisch entstandenes Ohr und ein
frisch entstandenes weibliches Geschlechtsteil .hneln sich
sehr, dachte Tengo. Beide wirkten alert, dem Raum
zugewandt, als würden sie auf etwas lauschen. Wie zum
Beispiel leises fernes Glockengel.ut.
Er drehte sich auf den Rücken und schaute zur Decke.
Fukaeri machte Anstalten, auf ihn zu steigen. Sein Penis
war noch immer erigiert. Auch das Gewitter dauerte an.
Wie lange würde es noch so weiterdonnern? Müsste der
Himmel nicht allm.hlich bersten? Und wer sollte ihn dann
reparieren?
Ich bin eingeschlafen, erinnerte sich Tengo. Mit einer
Erektion. Und jetzt habe ich immer noch eine. Ob sie die
ganze Zeit gehalten hat? Oder dazwischen abgeebbt und
jetzt wieder neu entstanden ist? Sozusagen eine zweite
Amtszeit. Wie lange ich wohl geschlafen habe? Aber das ist
ja nun auch egal. Jedenfalls (ob ununterbrochen oder nicht)
habe ich eine Dauererektion, die nicht im Geringsten den
Eindruck macht, irgendwann nachzulassen. Weder Sonny
und Cher noch das Multiplizieren dreistelliger Zahlen oder
die kompliziertesten mathematischen Aufgaben k.nnen sie
abstellen.
.Macht nichts., sagte Fukaeri. Sie .ffnete die Beine und
drückte ihr gerade entstandenes Geschlechtsteil auf seinen
Bauch. Es schien sie nicht im Mindesten in Verlegenheit zu
bringen. .Hart werden ist nichts Schlimmes., sagte sie.
.Ich kann mich nicht bewegen., sagte Tengo. Es war
wirklich so. Er versuchte sich aufzurichten, konnte aber
nicht einen Finger heben. Dennoch war sein K.rper nicht
gefühllos. Er spürte Fukaeris Gewicht. Auch dass er eine
starke Erektion hatte. Aber sein K.rper war so schwer und
starr, als würde irgendetwas ihn fixieren.
.Du musst dich nicht bewegen., sagte Fukaeri.
.Doch, ich muss mich bewegen, schlie.lich ist das mein
K.rper., sagte Tengo.
Fukaeri erwiderte nichts.
Tengo war sich nicht einmal ganz sicher, ob das, was er
sagte, die Luft als regul.re T.ne in Schwingung versetzte.
Er hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass die Muskeln in
und um seinen Mund ihm gehorchten und Worte gebildet
wurden, obwohl sich das, was er sagen wollte, Fukaeri
irgendwie mitzuteilen schien. Dennoch hatte die
Kommunikation etwas von einem Ferngespr.ch bei
instabiler, schlechter Verbindung. Im Gegensatz zu ihm
besa. Fukaeri die F.higkeit, unn.tige Dinge nicht zu h.ren
und auszublenden.
.Keine Sorge., sagte Fukaeri und lie. ihren K.rper
langsam nach unten gleiten. Es war offensichtlich, was
diese Bewegung bedeutete. Aus ihren Augen leuchtete ein
get.ntes Licht, das er nie zuvor darin gesehen hatte.
Er h.tte nie gedacht, dass sein gro.er Penis, der eines
erwachsenen Mannes, in dieses kleine frischgebackene
Geschlechtsteil hineinpasste. Er war viel zu gro. und zu
hart. Es würde ihr sehr wehtun. Doch unversehens war er
schon ganz in Fukaeri hineingeglitten. Ohne Widerstand,
wie es schien. Fukaeri hatte dabei keine Miene verzogen.
Nur ihr Atem ging etwas schneller, und ihre Brüste wippten
für ein paar Sekunden ein wenig in einem anderen Takt.
Abgesehen davon war alles natürlich, selbstverst.ndlich
und Teil des Allt.glichen.
Fukaeri hatte Tengo tief in sich, Tengo war tief in Fukaeri,
und so verharrten sie eine Weile. Tengo konnte sich noch
immer nicht rühren, und Fukaeri sa. mit geschlossenen
Augen aufrecht wie ein Blitzableiter auf ihm und regte sich
nicht. Ihr Mund war halb ge.ffnet, und die Lippen schienen
sich leicht zu bewegen, als tasteten sie im Raum nach
Worten. Ansonsten bewegte sich nichts. Sie schien zu
warten, dass etwas geschah.
Tiefe Kraftlosigkeit hatte Tengo ergriffen. Es würde sicher
etwas geschehen, aber er hatte weder eine Ahnung, was,
noch die M.glichkeit, es mit seinem Willen zu
kontrollieren. Sein K.rper war nun fast ganz gefühllos. Er
konnte sich nicht rühren. Aber in seinem Penis hatte er
noch Gefühl. Nein, es war eher so etwas wie eine
Vorstellung. Was immer es war, es teilte ihm mit, dass er
eine perfekte Erektion hatte und sich in Fukaeri befand.
Sollten sie nicht lieber ein Kondom benutzen? Was, wenn
sie schwanger würde? Seine Freundin hatte es auch mit der
Verhütung immer sehr genau genommen. Und Tengo war
an strenge Vorsichtsma.nahmen gew.hnt.
Er versuchte mit aller Gewalt an etwas anderes zu denken,
aber im Grunde war er au.erstande, überhaupt zu denken.
Er befand sich mitten in einem Chaos, und in diesem Chaos
schien die Zeit stillzustehen. Aber die Zeit kann nicht
stillstehen, dachte er. Das ist theoretisch unm.glich.
Vermutlich war sie nur ins Schlingern geraten und verlief
nun ungleichm..ig. über l.ngere Zeitr.ume gesehen,
verstrich die Zeit stets in einer bestimmten
Geschwindigkeit. Daran bestand kein Zweifel. Handelte es
sich aber um einzeln herausgel.ste Abschnitte, konnte es
zu Unregelm..igkeiten kommen. In zeitlich begrenzten
losen Momenten wie diesem hatten der chronologische
Ablauf und die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen kaum
noch Gültigkeit.
.Tengo., sagte Fukaeri. Es war das erste Mal, dass sie ihn
beim Namen nannte. .Tengo., wiederholte sie. Als würde
sie die Aussprache einer fremdsprachlichen Vokabel üben.
Tengo fragte sich, warum sie pl.tzlich seinen Namen
benutzte. Dann beugte sie sich langsam vor, n.herte sich
seinem Gesicht und legte ihre Lippen auf seine. Sie .ffnete
sie halb und lie. ihre weiche Zunge in Tengos Mund