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作者: 当前章节:15366 字 更新时间:2026-6-19 08:06

gleiten. Eine wohlriechende Zunge. Sie forschte hartn.ckig

nach einem dort verborgenen geheimen Code, Worten, die

nicht zu Worten wurden. Tengos Zunge reagierte

unbewusst auf ihre Bewegungen. Wie zwei gerade aus dem

Winterschlaf erwachte junge Schlangen auf einer

Frühlingswiese, die einander züngelnd beschnupperten,

sich ineinander verflochten und gierig verschlangen.

Fukaeri streckte ihre rechte Hand aus und umschloss

Tengos linke. Sie drückte sie fest, und ihre kleinen N.gel

gruben sich in seine Handfl.che. Sie beendete den

leidenschaftlichen Kuss und richtete sich auf. .Mach die

Augen zu..

Tengo gehorchte. Als er die Augen geschlossen hatte,

befand er sich in einem halbdunklen Raum von gro.er

Tiefe. Extremer Tiefe. Er schien sich bis zum Mittelpunkt

der Erde zu erstrecken. Es herrschte ein diffuses Licht, das

ihn an eine Abendd.mmerung erinnerte. Die liebevolle,

wehmütige D.mmerung am Ende eines langen Tages.

Zahllose feine Teilchen schwebten in ihrem Schein.

Vielleicht war es Staub. Oder Blütenstaub. Oder

irgendetwas anderes. Kurz darauf begann der Raum zu

schrumpfen. Das Licht wurde heller, und seine Umgebung

nahm zunehmend sichtbare Gestalt an.

Unversehens war Tengo wieder zehn Jahre alt und stand

in dem alten Klassenzimmer. Alles war ganz real – die Zeit,

der Ort, sein zehnj.hriges Ich und das Licht. Er atmete die

authentische Luft mit ihrem Geruch nach gebeiztem Holz

und kreidegetr.nktem Tafelschwamm. Nur er und das

M.dchen waren noch im Raum. Kein anderes Kind war in

der N.he. Rasch und kühn nutzte sie die günstige

Gelegenheit. Vielleicht hatte sie schon die ganze Zeit auf

eine Chance wie diese gewartet. Jedenfalls stand sie

pl.tzlich vor ihm, streckte ihre rechte Hand aus und ergriff

seine linke. Dabei sah sie ihm die ganze Zeit direkt in die

Augen.

Sein Mund wurde trocken. Jede Feuchtigkeit schien

daraus verschwunden zu sein. Alles ging so schnell, dass er

keine Ahnung hatte, was er tun oder sagen sollte. Er stand

einfach da, seine Hand in der des M.dchens. Bald verspürte

er ein sanftes, aber intensives Pochen in der Lendengegend.

Es war ein ihm bisher unbekanntes Gefühl, das eine gewisse

.hnlichkeit mit fernem Meeresrauschen hatte. Zugleich

drangen auch reale Ger.usche durch das offene Fenster zu

ihm. Das Geschrei der spielenden Kinder, die dumpfen

Bolzt.ne vom Fu.ball, der Abschlag beim Baseball oder

Softball. Das schrille, emp.rte Kreischen eines M.dchens

aus den unteren Klassen und das unbeholfene Fiepen des

Blockfl.tenorchesters, das gerade das Lied von den

.Pflanzen im Garten. probte. Der normale Unterricht war

beendet.

Tengo h.tte den Druck ihrer Hand gern mit gleicher

St.rke erwidert. Aber er war nicht imstande dazu. Die Kraft

in ihrer Hand war zu gro.. Au.erdem konnte er sich nicht

mehr bewegen. Vermochte aus unerfindlichen Gründen

keinen Finger zu rühren. Er war wie gebannt.

Tengo hatte das Gefühl, dass die Zeit stillstand. Er

lauschte dem ruhigen Fluss seines eigenen Atems. Das

Meeresrauschen dauerte an. Unversehens verstummten alle

realen Ger.usche. Das Pochen in seinen Lenden ging in

eine andere, bestimmendere Form über, war nun von einer

gewissen Taubheit begleitet. Diese wurde zu einer Art

Puder, der sich in das rote warme Blut mischte und von

seinem Herzen durch die Blutbahnen gepumpt und

gründlich in seinem ganzen K.rper verteilt wurde. In seiner

Brust ballte sich etwas zu einer dichten kleinen Wolke

zusammen, die den Rhythmus seines Atems ver.nderte und

sein Herz h.mmern lie..

Tengo dachte, dass er den Sinn und Zweck dieses

Ereignisses sicher sp.ter einmal verstehen würde. Deshalb

musste er diesen Moment so genau und deutlich wie

m.glich in seinem Bewusstsein festhalten. Im Augenblick

war er nur ein zehnj.hriger Junge, der gut in Mathematik

war. Er stand an der Schwelle zu etwas Neuem, aber was

genau ihn erwartete, wusste er nicht. Er war unsicher,

ahnungslos, verst.rt und fürchtete sich nicht wenig. Das

war ihm sogar selbst klar. Auch das M.dchen erwartete

nicht, hier und jetzt verstanden zu werden. Alles, was sie

wollte, war, Tengo ihre Gefühle zu übermitteln. Sie hatte

sie in eine kleine solide Schachtel gepackt, die sie nun, in

Geschenkpapier gewickelt und mit einer Kordel verschnürt,

Tengo überreichte.

Du musst das P.ckchen nicht gleich .ffnen, erkl.rte sie

ihm wortlos. Mach es auf, wenn die Zeit dazu gekommen

ist. Vorl.ufig sollst du es einfach annehmen.

Sie wei. schon so vieles, dachte Tengo. Vieles, was er

nicht wusste. Auf diesem unbekannten Terrain hatte sie die

Führung inne. Es gab neue Regeln hier, neue Ziele und eine

neue Dynamik. Tengo wusste nichts. Sie wusste.

Wenig sp.ter gab die rechte Hand des M.dchens Tengos

linke wieder frei, und es lief wortlos und ohne sich

umzudrehen aus dem Klassenzimmer. Tengo blieb allein in

dem gro.en Raum zurück. Durch das ge.ffnete Fenster

ert.nten Kinderstimmen.

Im n.chsten Augenblick merkte Tengo, dass er

ejakulierte. Heftig und lange. Eine gro.e Menge

Samenflüssigkeit wurde aus ihm herausgeschleudert. Was

mache ich hier eigentlich, fragte sich Tengo verwirrt. Nach

Schulschluss in einem Klassenzimmer zu ejakulieren,

geh.rte sich ja nun wirklich nicht. Wie peinlich w.re es,

ertappt zu werden. Doch er war ja gar nicht mehr in seinem

Klassenzimmer. Unversehens war er wieder zu Hause und

ejakulierte in Fukaeris Geb.rmutter. Er wollte es nicht, aber

zurückhalten konnte er sich auch nicht. Die Situation war

ihm v.llig entglitten.

.Mach dir keine Sorgen., sagte Fukaeri kurz darauf mit

ihrer üblichen tonlosen Stimme. .Ich werde nicht

schwanger. Weil ich keine Periode habe..

Tengo .ffnete die Augen und sah sie an. Sie sa. noch auf

ihm und schaute auf ihn herunter. Ihre ideal geformten

Brüste hoben und senkten sich regelm..ig im Rhythmus

ihrer Atmung. Direkt vor seinen Augen.

War das die Reise in die Stadt der Katzen?, wollte Tengo

fragen. Was ist das überhaupt – die Stadt der Katzen? Er

wollte die Frage aussprechen, aber die Muskeln seines

Mundes versagten ihm den Dienst.

.Das war etwas, das getan werden musste., sagte Fukaeri,

als habe sie seine Gedanken gelesen. Ihre Antwort war kurz

und bündig, beantwortete jedoch nichts. Wie immer.

Tengo schloss wieder die Augen. Er war dort gewesen,

hatte ejakuliert und war wieder hierher zurückgekehrt. Es

war eine echte Ejakulation gewesen, auch das Sperma war

echt. Und wenn Fukaeri es sagte, hatte es wohl so sein

müssen. Das Gefühl von Taubheit war noch nicht von ihm

gewichen. Die Ejakulation hatte eine Mattigkeit

hinterlassen, die ihn umgab wie ein dünner Film.

Fukaeri verharrte lange in der gleichen Haltung und

nahm Tengos Samenflüssigkeit vollst.ndig in sich auf, wie

ein Insekt, das Nektar saugt. Buchst.blich bis zum letzten

Tropfen. Erst dann entlie. sie behutsam seinen Penis, stieg

wortlos aus dem Bett und ging ins Bad. Das Unwetter hatte

sich verzogen, ohne dass er es gemerkt hatte. Auch der

heftige Regen hatte aufgeh.rt. Die schwarzen Wolken, die

sich so hartn.ckig über seinem Haus gehalten hatten,

waren spurlos verschwunden. Es herrschte eine fast

unwirkliche Stille. Nur aus dem Bad war leise zu h.ren, wie

Fukaeri duschte. Den Blick an die Decke gerichtet, wartete

Tengo, dass sein ursprüngliches K.rpergefühl

zurückkehrte. Die Erektion bestand noch, doch ihre H.rte

schien, wie zu erwarten war, allm.hlich abzunehmen.

Mit einem Teil seines Herzens war Tengo noch in dem

Klassenzimmer seiner Grundschule. An seiner linken Hand

spürte er noch immer lebhaft den Druck der Finger des

M.dchens. Zwar konnte er die Hand nicht heben, um sie zu

betrachten, aber bestimmt hatten ihre N.gel rote Male

darin hinterlassen. Auch sein Herzschlag bewahrte noch

etwas von der erlebten Aufregung. Obwohl die kompakte

Wolke aus seiner Brust verschwunden war, meldete sich

stattdessen in einem imagin.ren Teil nahe seinem Herzen

ein angenehm dumpfer Schmerz.

Aomame, dachte Tengo. Ich muss Aomame wiedersehen.

Ich muss endlich anfangen, sie zu suchen. Es ist so

offensichtlich. Wieso bin ich nicht schon vorher darauf

gekommen? Sie hat mir dieses P.ckchen gegeben. Warum

habe ich es so vernachl.ssigt und nie ge.ffnet? Tengo

wollte den Kopf schütteln, aber es ging nicht. Sein K.rper

hatte sich noch nicht wieder von der L.hmung erholt.

Kurze Zeit sp.ter kehrte Fukaeri, in ein Badehandtuch

gewickelt, ins Schlafzimmer zurück und setzte sich auf die

Bettkante.

.Die Little People haben das Toben eingestellt., erkl.rte

sie wie ein abgebrühter, aufmerksamer

Frontberichterstatter. Und beschrieb mit dem Finger rasch

einen kleinen Kreis in der Luft. Es war ein sch.ner

vollendeter Kreis, wie ihn vielleicht ein italienischer

Renaissancemaler an die Wand einer Kirche gemalt h.tte.

Ein Kreis ohne Anfang und ohne Ende, der einen Moment

lang in der Luft schwebte. .Sie haben aufgeh.rt..

Mit diesen Worten nahm sie das Badehandtuch ab und

blieb, ohne Anstalten zu machen, sich etwas anzuziehen,

eine Weile nackt vor dem Bett stehen. Als würde sie ihren

noch feuchten K.rper in aller Ruhe ganz natürlich an der

reglosen Luft trocknen lassen. Mit ihren straffen Brüsten

und ihrem haarlosen Unterleib bot sie einen

wundersch.nen Anblick.

Schlie.lich bückte sie sich nach dem zu Boden gefallenen

Schlafanzug und zog ihn ohne Unterw.sche wieder an.

Kn.pfte ihn zu und verknotete die Schnur am Bauch.

Gedankenverloren schaute Tengo ihr im Halbdunkel zu, als

würde er ein Insekt bei der Metamorphose beobachten. Der

Pyjama war ihr viel zu gro., aber gerade deshalb stand er

ihr ausnehmend gut. Sie schlüpfte zu ihm in das schmale

Bett, rückte sich zurecht und legte den Kopf an seine

nackte Schulter, wo er ihr kleines Ohr spüren konnte. Ihr

warmer Atem streifte seinen Hals. W.hrenddessen wich

allm.hlich die L.hmung aus seinem K.rper, wie die Flut

sich zurückzieht, wenn es Zeit dazu ist.

Die Luft war noch feucht, aber nicht klebrig oder stickig.

Drau.en vor dem Fenster begannen Insekten zu zirpen.

Tengos Erektion war nun v.llig abgeebbt, und sein Penis

versank wieder in seinem friedlichen Schlummer. Die

Dinge hatten eine entsprechende Stufe erreicht, waren ins

Rollen gekommen, und der Kreis schien sich endlich

geschlossen zu haben. Ein vollkommener Kreis war in die

Luft gezeichnet worden. Die Tiere verlie.en die Arche und

breiteten sich auf der guten alten Erde aus. Jedes

P.rchen kehrte an seinen angestammten Ort zurück.

.Wir sollten schlafen., sagte sie. .Tief schlafen..

Tief schlafen, dachte Tengo. Schlafen und wieder

aufwachen. Wie die Welt wohl am n.chsten Morgen

aussehen würde?

.Das wei. niemand., las Fukaeri seine Gedanken.

KAPITEL 15

Aomame

Und jetzt beginnt die Geisterstunde

Aomame nahm eine Decke aus dem Schrank und deckte

den K.rper des gro.en Mannes zu. Noch einmal legte sie

die Finger an seinen Hals, um sich zu vergewissern, dass

sein Herz endgültig aufgeh.rt hatte zu schlagen. Der

Mensch, der für einige der .Leader. gewesen war, befand

sich bereits in einer anderen Welt. In welcher, wusste

Aomame nicht. Sicher war jedoch, dass es sich nicht um die

des Jahres 1Q84 handelte. Hier hatte er sich bereits in etwas

verwandelt, das man gemeinhin als Leiche bezeichnet. Mit

einem leichten Erschauern, als fr.stle ihn ein wenig, und

ohne den leisesten Ton von sich zu geben, hatte der Mann

die Grenze vom Leben zum Tod überschritten. Ohne dass

auch nur ein Tropfen Blut geflossen war. Nun lag er, von

allen Schmerzen befreit, b.uchlings auf der Yogamatte und

war tot. Wie immer hatte Aomame rasch und pr.zise

gearbeitet.

Aomame versenkte die Spitze ihres Eispicks wieder in

dem Korken, legte beides in das Hartschalenetui und

verstaute es in ihrer Sporttasche. Dann nahm sie die

Heckler & Koch aus dem Kunststoffbeutel und steckte sie

hinten in den Bund ihrer Trainingshose. Sie war geladen

und entsichert. Es beruhigte sie, die H.rte des Metalls in

ihrem Rücken zu spüren. Sie ging ans Fenster und zog die

dicken Vorh.nge zu. Es wurde wieder dunkel im Raum.

Sie nahm die Sporttasche und ging zur Tür. Die Hand am

Türknauf, drehte sie sich noch einmal um und warf einen

Blick auf die in der Dunkelheit liegende massige Gestalt des

Mannes. Er sah aus, als schliefe er. Genau wie zu Anfang.

Sie war die Einzige auf der Welt, die wusste, dass er tot war.

Nein, die Little People wussten es wahrscheinlich auch.

Deshalb hatten sie auch das Donnern aufgegeben.

S.mtliche Drohgeb.rden waren nun vergeblich, das

wussten sie. Der Mann, den sie zu ihrem Stellvertreter

auserkoren hatten, war aus dem Leben geschieden.

Aomame .ffnete die Tür und betrat, um sich blickend,

den erleuchteten Nebenraum. Behutsam schloss sie die Tür

hinter sich, tat, als wolle sie keinen L.rm machen. Der

Kahlkopf sa. auf dem Sofa und trank Kaffee. Auf dem Tisch

stand ein gro.es Tablett mit einer Kanne und ein paar

Sandwiches, die etwa zur H.lfte aufgegessen waren.

Offenbar hatte er sie beim Zimmerservice bestellt. Daneben

standen zwei noch unbenutzte Tassen. Sein Kollege mit

dem Pferdeschwanz sa. genau wie zuvor hoch aufgerichtet

auf dem Rokokostuhl an der Tür. Anscheinend hatten sich

die beiden die ganze Zeit kaum von der Stelle gerührt. Eine

Atmosph.re von Vorbehalt lag in der Luft.

Als Aomame eintrat, stellte der Kahle seine Tasse auf dem

Untersetzer ab und erhob sich.

.Ich bin fertig., sagte Aomame. .Er schl.ft jetzt. Ich habe

ziemlich lange gebraucht. Seine Muskulatur war voller

Blockaden. Lassen Sie ihn bitte jetzt schlafen..

.Er schl.ft?.

.Ganz tief., sagte Aomame.

Der Kahlkopf musterte Aomame, sah ihr forschend und

tief in die Augen. Anschlie.end senkte er seinen Blick

langsam auf seine Schuhspitzen, wie um zu überprüfen, ob

sich dort nichts ver.ndert hatte, dann schaute er wieder auf

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