★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★
小说下载尽在http://bbs.txtnovel.com--书香门第【yuyu不在家】整理
附:【本作品来自互联网,本人不做任何负责】内容版权归作者所有!
★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★☆★
Joanne K. RownlingHarry Potter
und der Feuerkelch Das Haus der Riddles
In Little Hangleton nannten sie es immer noch das »Riddle-Haus«, obwohl die Familie Riddle schon seit vielen Jahrennicht mehr dort wohnte. Das Haus stand auf einem Hügel mitBlick über das Dorf, einige Fenster waren mit Bretternvernagelt, das Dach war löchrig, und der Efeu rankte sichungezügelt an den Mauern entlang. Das einst schöne Anwe-sen der Riddles, das mit Abstand großzügigste und beein-druckendste Haus im ganzen Umkreis, war nun feucht, he-runtergekommen und menschenleer.
In Little Hangleton waren sich alle einig: das Haus warihnen »nicht geheuer«. Ein halbes Jahrhundert zuvor warhier etwas Merkwürdiges, etwas Entsetzliches geschehen,über das die Älteren im Dorf immer noch zu munkelnpflegten, wenn es sonst wenig zu klatschen und zu trat-schen gab. Sie hatten die Geschichte so oft aufgewärmt undan so vielen Stellen weitergestrickt, dass keiner mehr so rechtwusste, was nun in Wahrheit geschehen war. Doch werauch immer die Geschichte erzählte, sie begann un-weigerlich am selben Ort: Vor fünfzig Jahren – damalsführten die Riddles noch einen stattlichen Haushalt – war einHausmädchen bei Anbrach eines schönen Sommer-morgens in den Salon getreten und hatte alle drei Riddles totvorgefunden.
Schreiend war das Mädchen den Hügel hinab ins Dorf ge-stürzt und hatte die halbe Einwohnerschaft aus dem Schlafgerissen.
5
»Da oben liegen sie mit offenen Augen! Eiskalt! Und ha-ben noch ihre Abendgarderobe an!«
Die Polizei wurde gerufen und in ganz Little Hangletonbreitete sich eine Mischung aus ängstlicher Neugier und kaumverhohlener Erregung aus. Niemand gab sich sonder-liche Mühe so zu tun, als wäre er besonders traurig über denTod der Riddles, denn sie waren ausgesprochen unbeliebtgewesen. Mr und Mrs Riddle, die älteren Herrschaften, gal-ten als reich, hochnäsig und grob, und ihr erwachsener SohnTom hatte sie darin noch übertroffen. Die Menschen im Dorfwollten einzig und allein wissen, wer der Mörder war – dennnatürlich fielen drei offenbar gesunde Menschen nicht einesAbends einfach tot um.
Im Gehängten Mann, dem Dorfpub, ging es an diesemAbend hoch her; alles, was Beine hatte, war gekommen, umüber die Morde zu spekulieren. Und es hatte sich gelohnt, dieheimischen Kaminfeuer zu verlassen, denn plötzlich tauchtedie Köchin der Riddles in ihrer Mitte auf und ver-kündete dem schlagartig verstummten Publikum mit dra-matischer Geste, ein Mann namens Frank Bryce sei geradeverhaftet worden.
»Frank!«, riefen einige Gäste. »Unmöglich!«
Frank Bryce war der Gärtner der Riddles. Er war mit einemstocksteifen Bein und einer großen Abscheu vorMenschenansammlungen und Lärm aus dem Krieg zurück-gekehrt und hatte seither immer für die Riddles gearbeitet.An der Theke gab es jetzt Gedrängel, denn man wollte dieKöchin nicht auf dem Trockenen sitzen lassen und Genaue-res von ihr hören.
»Mir ist er immer schräg vorgekommen«, verkündete sienach dem vierten Glas Sherry den begierig lauschendenDörflern. »Irgendwie unfreundlich. Ich hab ihm mal 'neTasse Tee angeboten, aber das hat mir gereicht. Der wollte
6
nichts mit anderen zu tun haben, das hat man gleich ge-merkt.«
»Nun ja«, sagte eine Frau an der Bar, »der Krieg war 'neharte Zeit für Frank, er mag eben gern seine Ruhe. Das istnoch lange kein Grund –«
»Wer sonst hatte denn einen Schlüssel für die Hintertür?«,fauchte die Köchin zurück. »In der Gärtnerhütte hing immerein Zweitschlüssel, das hab ich selbst gesehen! Gestern Nachthat jedenfalls keiner die Tür aufgebrochen! Und die Fensterwurden auch nicht eingeschlagen! Frank musste bloß ins Her-renhaus schleichen, während wir alle schliefen ...!«
Die Dörfler wechselten viel sagende Blicke.
»Ich hab mir immer schon gedacht, der hat den bösen Blick,sag ich euch«, brummte ein Mann an der Bar.
»Der Krieg hat 'nen komischen Kauz aus ihm gemacht«,sagte der Wirt.
»Hab doch immer gesagt, ich will Frank lieber nicht in dieQuere kommen, stimmt's, Dot?«, sagte eine aufgeregte Frau inder Ecke.
»Übles Temperament«, erwiderte Dot und nickte eifrig.»Ich hab ihn schon als Kind gekannt ...«
Am nächsten Morgen zweifelte kaum noch jemand in LittleHangleton daran, dass Frank Bryce die Riddles ermor-det hatte. Doch drüben im benachbarten Städtchen GreatHangleton, im dunklen und schäbigen Polizeirevier, be-hauptete Frank hartnäckig, er sei unschuldig. Der einzigeMensch, den er an jenem Tag, als die Riddles getötet wur-den, in der Nähe ihres Hauses gesehen hatte, war ein Junge imTeenageralter, ein Fremder mit dunklen Haaren und blassemGesicht. Im Dorf jedoch hatte kein Mensch diesen Jungengesehen, und die Polizisten waren sich ziemlich si-cher, dass Frank ihn erfunden hatte.
Schließlich, als es für Frank schon bitterernst aussah, traf
7
der Untersuchungsbericht über die Leichen der Riddles ein,und mit einem Schlag änderte sich alles.
Die Polizisten hatten noch nie einen so merkwürdigenBefund gelesen. Ein Ärzteteam hatte die Leichen untersuchtund war zu dem Schluss gekommen, dass keiner der Riddlesvergiftet, erstochen, erschossen, erwürgt, erstickt oder (so-weit sie dies sagen konnten) überhaupt verletzt worden war.Tatsächlich, so hieß es in dem Bericht mit deutlicher Ver-blüffung weiter, schienen die Riddles alle bei bester Gesund-heit zu sein – abgesehen von der Tatsache, dass sie alle totwaren. Allerdings vermerkten die Ärzte, dass allen Toten dasEntsetzen ins Gesicht geschrieben stand – doch einer derratlosen Polizisten bemerkte dazu nur: Wer hat je von dreiMenschen gehört, die zu Tode geängstigt wurden?
Da ein Mord an den Riddles nicht zu beweisen war, musstedie Polizei Frank laufen lassen. Die Riddles wurden auf demFriedhof von Little Hangleton bestattet und noch eine ganzeZeit lang wurden die Gräber immer wieder von Neugierigenbesucht. Dass Frank Bryce in seine Hütte auf dem Anwesender Riddles zurückkehrte, überraschte dann alle, und es gabviel Gemunkel.
»Wenn ihr mich fragt, dann hat er sie umgebracht, ist mirdoch egal, was die Polizei sagt«, verkündete Dot im Gehäng-ten Mann. »Und wenn nur ein Funken Anstand in ihm steckte,dann würde er hier abhauen, wo ihm doch klar ist, dass er unsnichts vormachen kann.«
Doch Frank zog nicht weg. Er blieb, um den Garten für dienächste Familie, die ins Riddle-Haus einzog, zu besor-gen, und dann auch für die übernächste – denn keine Fami-lie blieb lange dort wohnen. Vielleicht hatte es etwas mitFrank zu tun, dass jeder neue Besitzer behauptete, dieses Hausverbreite eine düstere Stimmung. Und als keiner mehr dortwohnte, begann das Haus zu verfallen.
8
Der reiche Mann, dem das Riddle-Haus inzwischen ge-hörte, lebte nicht hier und nutzte es auch nicht; im Dorf hießes, er würde es aus »steuerlichen Gründen« unterhal-ten, doch keiner wusste so recht, was das heißen sollte. Derreiche Besitzer entlohnte Frank jedoch regelmäßig fürseine Arbeit im Garten. Frank war jetzt fast siebenundsieb-zig, er war auf einem Ohr taub und sein schlimmes Beinwar noch steifer geworden, doch bei schönem Wetterkonnte man ihn in den Blumenbeeten harken und schnip-peln sehen, auch wenn ihm das Unkraut allmählich die Beinehochkroch.
Doch Unkraut war nicht das Einzige, womit Frank sichherumärgern musste. Jungs aus dem Dorf kamen öfter he-rauf und warfen Steine durch die Fenster des Riddle-Hau-ses. Sie fuhren mit ihren Fahrrädern über den Rasen, denFrank so mühsam hegte und pflegte. Und wenn sie übermü-tig wurden, brachen sie auch schon mal ins Haus ein. Siewussten, dass der alte Frank sich mit Leib und Seele demganzen Anwesen verschrieben hatte, und sie lachten ihn aus,wenn er durch den Garten humpelte, mit seinem Stockfuchtelte und sie krächzend beschimpfte. Frank wiederumglaubte, die Jungen würden ihn belästigen, weil sie ihn, wieihre Eltern und Großeltern, für einen Mörder hielten. Sodachte sich Frank nichts weiter, als er in einer Augustnachterwachte und oben am alten Haus etwas recht Merkwürdi-ges sah. Die Jungs, so glaubte Frank, waren eben noch einenSchritt weiter gegangen, um ihn zu zermürben.
Geweckt hatte ihn sein schlimmes Bein; so stark hatte esnoch nie geschmerzt, selbst jetzt im Alter nicht. Er stand aufund humpelte nach unten in die Küche, um seine Wärmfla-sche aufzufüllen, mit der er seinem steifen Knie ein wenigLinderung verschaffen konnte. Er stand am Waschbecken undfüllte den Kessel, als sein Blick zum Herrenhaus hoch-
9
wanderte. In den oberen Fenstern glommen Lichter. Frank warnicht sonderlich überrascht. Die Jungs waren wieder mal insHaus eingebrochen, und nach dem flackernden Licht zuschließen hatten sie ein Feuer entfacht.
Frank hatte kein Telefon, und der Polizei vertraute er oh-nehin nicht mehr, seit sie ihn nach dem Tod der Riddles zumVerhör mitgenommen hatten. Er ließ den Kessel stehen, has-tete, so rasch sein schlimmes Bein es ihm erlaubte, nach obenund brauchte nicht lange, um sich anzuziehen und in dieKüche zurückzukehren. Er griff nach einem rostigen al-ten Schlüssel am Türhaken, packte seinen Stock und machtesich auf in die Nacht.
Die Tür des Riddle-Hauses war offenbar nicht aufgebro-chen worden und auch die Fensterscheiben waren noch ganz.Frank humpelte um das Haus herum zu einem Ein-gang, der fast völlig von Efeu verborgen war, zog den altenSchlüssel aus der Tasche, steckte ihn ins Schloss und öffnetelautlos die Tür.
Sie führte ihn in eine große, gewölbeartige Küche. Frankhatte sie seit Jahren nicht mehr betreten; zwar war es stock-dunkel, doch er wusste noch, wo die Tür zum Flur lag. Er tas-tete sich an der Wand lang, modriger Geruch stieg ihm indie Nase, und er spitzte die Ohren, um ja keine Schritte oderStimmen von oben zu überhören. Er gelangte in den Flur,wo es dank der großen Sprossenfenster zu beiden Seiten derHaustür ein wenig heller war, und betrat die Treppe. Erkonnte von Glück reden, denn die dicke Staubschicht aufden Steinstufen erstickte die Geräusche seiner Schritte undseines Stocks.
Oben auf dem Treppenabsatz wandte sich Frank nachrechts und sah sofort, wo die Eindringlinge steckten: ganzam Ende des Ganges stand eine Tür offen, ein flackerndesLicht fiel durch den Spalt und warf einen langen goldenen
10
Streifen auf den schwarzen Fußboden. Frank umklammertemit aller Kraft seinen Stock und schlich näher heran. Kurz vorder Tür konnte er ein schmales Stück von dem Zimmerdahinter einsehen.
Jetzt erkannte er, dass das Feuer im Kamin entfacht wor-den war. Das überraschte ihn. Er blieb stehen und lauschteangestrengt, denn drinnen begann ein Mann zu sprechen; seineStimme klang schüchtern und ängstlich.
»Es ist noch ein Rest in der Flasche, Herr, wenn Ihr nochhungrig seid.«
»Später«, sagte eine zweite Stimme. Auch sie war die einesMannes – doch klang sie merkwürdig hoch und kalt wie einjäher eisiger Windstoß. Etwas an dieser Stimme ließ diespärlichen Haare auf Franks Nacken zu Berge stehen. »Rückmich näher ans Feuer, Wurmschwanz.«
Frank wandte sein rechtes Ohr zur Tür hin, um mehr zuverstehen. Er hörte das Klirren einer Flasche, die auf etwasHartem abgestellt wurde, und dann das dumpfe Kratzen einesschweren Stuhls, der über den Boden gezogen wurde. Frankerhaschte einen kurzen Blick auf einen kleinen Mann, der mitdem Rücken zu ihm den Stuhl zum Kamin schob. Er trugeinen langen schwarzen Umhang und hatte einen kah-len Fleck am Hinterkopf. Dann war er nicht mehr zu sehen.»Wo ist Nagini?«, sagte die kalte Stimme. »Ich – ich weißnicht, Herr«, sagte die erste Stimme ner-vös. »Ich glaube, sie erkundet das Haus ...«
»Du wirst sie melken, bevor wir uns zurückziehen,Wurmschwanz«, sagte die zweite Stimme. »Ich brauche heuteAbend Nahrung. Die Reise hat mich sehr erschöpft.« Mitgerunzelter Stirn neigte Frank sein gutes Ohr noch ein wenignäher Richtung Tür und lauschte gebannt. Ein kurzesSchweigen trat ein und dann sprach erneut der Mann namensWurmschwanz.
11
»Herr, darf ich fragen, wie lange wir hier bleiben wer-den?«
»Eine Woche«, sagte die kalte Stimme. »Vielleicht länger.Hier lässt es sich einigermaßen aushaken und mit dem Plankönnen wir noch nicht fortfahren. Es wäre eine Dummheit,wenn wir loslegten, bevor die Quidditch-Weltmeisterschaftzu Ende ist.«
Frank steckte sich einen knochigen Finger ins Ohr undfing an zu quirlen. Er hatte das Wort »Quidditch« gehört,zweifellos, weil sich so viel Ohrenschmalz angesammelthatte, denn »Quidditch« war überhaupt kein Wort.
»Die ... die Quidditch-Weltmeisterschaft, Herr?«, fragteWurmschwanz. (Frank bohrte den Finger noch energischerins Ohr. ) »Verzeiht mir, aber – ich verstehe nicht – warumsollten wir warten, bis die Quidditch-Weltmeisterschaft vor-bei ist?«
»Weil zu ebendieser Stunde Zauberer aus aller HerrenLänder ins Land strömen, du Dummkopf, und alle Kleinkrä-mer aus dem Zaubereiministerium ausgeschwärmt sind, umnach ungewöhnlichen Vorkommnissen Ausschau zu haltenund jeden doppelt und dreifach zu überprüfen. Die habennur noch eins im Kopf, nämlich sicherzugehen, dass dieMuggel von allem nichts mitkriegen. Deshalb warten wirab.«
Frank gab es auf, sein Ohr zu putzen. Er hatte klar unddeutlich die Wörter »Zaubereiministerium«, »Zauberer« und»Muggel« gehört. Natürlich bedeuteten all diese Aus-drücke etwas Geheimes, und Frank fielen nur zwei Sorten vonLeuten ein, die eine Geheimsprache gebrauchten -Spione undVerbrecher. Frank umklammerte seinen Stock noch fester undspitzte die Ohren.
»Eure Lordschaft ist also immer noch entschlossen?«, sagteWurmschwanz leise.
12
»Natürlich bin ich entschlossen, Wurmschwanz.« In derkalten Stimme war jetzt eine leise Drohung zu spüren.Eine kurze Stille trat ein – und dann sprach Wurm-schwanz. Die Worte stolperten ihm hastig aus dem Mund, alsob er sich zwingen müsste, sie auszusprechen, bevor ihn derMut verließ.
»Es könnte auch ohne Harry Potter gehen, Herr.« Wiedertrat Schweigen ein, es hielt ein wenig länger an, und dann –»Ohne Harry Potter?«, hauchte die zweite Stimme kaumvernehmlich. »Ich verstehe ...«
»Herr, ich sage dies nicht aus Sorge um den Jungen!«, sagteWurmschwanz mit hoher, quiekender Stimme. »Der Jungebedeutet mir nichts, überhaupt nichts! Nur, wenn wir einenanderen Zauberer oder eine Hexe nehmen – irgend-jemanden -, könnten wir die Sache sehr viel schneller erle-digen! Wenn Ihr mir erlauben würdet, Euch für kurze Zeit zuverlassen – Ihr wisst, dass ich mich ganz wirksam tarnen kann-, dann könnte ich in zwei Tagen mit einer geeigneten Personzurück sein –«
»Ich könnte einen anderen Zauberer nehmen«, sagte diezweite Stimme leise, »das ist wahr ...«
»Es wäre das Beste, Herr«, sagte Wurmschwanz undklang dabei ausgesprochen erleichtert. »Harry Potter in dieHände zu bekommen wäre so schwierig, er ist sehr gut ge-schützt –«