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Cedric wusste noch nichts von den Drachen ... er war dereinzige Champion, der keine Ahnung hatte, denn sicherhatten Madame Maxime und Karkaroff es ihren Schützlin-gen Fleur und Krum gesagt ...
»Hermine, wir sehen uns dann im Gewächshaus«, sagteHarry, der Cedric mit den Augen gefolgt war und dann sei-nen Entschluss gefasst hatte. »Geh schon mal vor, ich kommdann nach.«
»Harry, du kommst zu spät, es läutet gleich –«
»Ich komm dann nach, okay?«
Harry hatte eben den Fuß der Marmortreppe erreicht, alsCedric schon oben angekommen war. Er war mit seinenFreunden aus der sechsten Klasse unterwegs, vor denen Harrynicht mit ihm reden wollte. Sie gehörten zu den Leu-ten, die ihm jedes Mal, wenn er in ihre Nähe gekommen war,Rita Kimmkorns Artikel um die Ohren gehauen hat-ten. Er folgte ihnen in einigem Abstand, bis er feststellte, dasssie zu dem Klassenzimmer gingen, in dem sie Zauber-kunst hatten. Das brachte ihn auf eine Idee. Er blieb in eini-ger Entfernung von ihnen stehen, zog den Zauberstab undzielte sorgfältig.
»Diffindo!«
Cedrics Tasche riss auf, Pergamentblätter, Federn und Bü-cher fielen zu Boden und ein paar Tintenfässer zerbrachen.»Ich mach das schon, danke«, sagte Cedric genervt, alsseine Freunde sich bückten, um ihm zu helfen. »Geht schonmal vor und sagt Flitwick, dass ich nachkomme ...«
Genau darauf hatte Harry gewartet. Er steckte den Zau-berstab wieder ein, wartete, bis Cedrics Freunde in ihr Klas-senzimmer gegangen waren, und rannte dann den Gangentlang, in dem jetzt außer ihm und Cedric keiner mehrwar.
»Hallo«, sagte Cedric und hob sein mit Tinte bespritztes
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Lehrbuch der Verwandlung für Fortgeschrittene auf. »MeineTasche ist gerade kaputtgegangen ... brandneu, stell dir vor ...«»Cedric«, sagte Harry, »in der ersten Aufgabe kommenDrachen.«
»Wie bitte?«, sagte Cedric und sah auf.
»Drachen«, sagte Harry hastig, denn er befürchtete, Pro-fessor Flitwick könnte herauskommen, um nachzusehen, woCedric abgeblieben war. »Sie haben vier, für jeden von unseinen, und wir müssen an ihnen vorbeikommen.«
Cedric starrte ihn an. Harry sah ein wenig von jener Furcht,die er selbst seit Samstagnacht spürte, in Cedrics grauenAugen aufflackern.
»Bist du dir ganz sicher?«, fragte Cedric mit gedämpfterStimme.
»Todsicher«, sagte Harry. »Ich hab sie gesehen.«
»Aber wie hast du das rausgekriegt? Wir dürfen es dochnicht wissen ...«
»Ist doch egal«, sagte Harry rasch – Hagrid würde Schwie-rigkeiten bekommen, wenn er die Wahrheit erzählte. »Aberich bin nicht der Einzige, der davon weiß. Fleur und Krumwerden es inzwischen auch wissen – Maxime und Karkaroffhaben die Drachen auch gesehen.«
Cedric richtete sich auf, die Arme voll tintenverschmier-ter Federn, Pergamentrollen und Bücher, die aufgerisseneTasche baumelte von seiner Schulter. Er starrte Harry an undein verwirrter, beinahe misstrauischer Ausdruck trat in seineAugen.
»Warum sagst du mir das?«, fragte er.
Harry sah ihn ungläubig an. Er war sich sicher, dass Cedricnicht gefragt hätte, wenn er die Drachen selbst gesehen hätte.Harry hätte es selbst seinem schlimmsten Feind nicht gegönnt,unvorbereitet diesen Drachen zu begegnen – na ja, vielleichtMalfoy oder Snape ...
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»Es ist einfach ... fair, oder?«, sagte er. »Jetzt wissen wir esalle ... wir haben die gleichen Chancen.«
Cedric stand immer noch da und sah ihn mit einer SpurMisstrauen an, als Harry hinter sich ein vertrautes Pochenhörte. Er wandte sich um und sah Mad-Eye Moody aus einemder umliegenden Klassenzimmer kommen.
»Komm mit, Potter«, knurrte er. »Diggory, du kannstgehen.«
Harry starrte Mad-Eye Moody gespannt an. Hatte er siezufällig belauscht?
»Ähm – Professor, ich sollte eigentlich in Kräuterkunde –«»Vergiss das mal, Potter. In mein Büro, bitte ...«
Harry folgte ihm voll dunkler Vorahnungen. Was, wennMoody wissen wollte, wie er von den Drachen erfahren hatte?Würde Moody zu Dumbledore gehen und Hagrid auffliegenlassen, oder würde er Harry nur in ein Frettchen verwandeln?Es wäre vielleicht einfacher, an einem Drachenvorbeizukommen, wenn er ein Frettchen war, überlegte Harrydumpf, er war dann kleiner und aus einer Höhe von fünfzehnMetern viel schwerer zu erkennen ...
Er folgte Moody ins Büro. Moody schloss die Tür hinterihnen und wandte sich dann Harry zu, das magische Auge undauch das normale scharf auf ihn gerichtet.
»Was du da gerade getan hast, war sehr anständig von dir,Potter«, sagte Moody leise.
Harry wusste nicht, was er sagen sollte; er hatte alles er-wartet, nur das nicht.
»Setz dich«, sagte Moody, Harry setzte sich und sah sich um.In diesem Büro hatte er schon die zwei Vorgänger Moo-dyserlebt. In Professor Lockharts Tagen waren die Wände mitstrahlenden, zwinkernden Bildern von Professor Lock-hart persönlich gepflastert gewesen. Zu Zeiten Lupins warman hier eher auf ein neues Exemplar eines faszinierenden
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schwarzen Geschöpfes gestoßen, das er für sie beschafft hatte,damit sie es im Unterricht untersuchen konnten. Nun jedochwar das Büro voll gestopft mit einer Reihe äu-ßerst merkwürdiger Gegenstände, die Moody, wie Harryvermutete, in seiner Zeit als Auror benutzt haben musste.Auf dem Schreibtisch stand etwas, das wie ein kaputtergroßer gläserner Kreisel aussah; Harry erkannte sofort, dass esein Spickoskop war, weil er selbst eins besaß, wenn auch einviel kleineres. Auf einem Tisch in der Ecke stand etwas, dasaussah wie eine extra verschnörkelte goldene Zimmer-antenne. Das Ding summte leise. An der Wand gegenüber vonHarry hing eine Art Spiegel, doch er spiegelte nichts.Schattenhafte Gestalten bewegten sich darin, keine davon warklar zu sehen.
»Gefallen dir meine Antiobskuranten?«, sagte Moody undbeobachtete Harry scharf.
»Was ist das denn?«, fragte Harry und deutete auf die ver-schnörkelte Fernsehantenne.
»Geheimnis-Detektor. Vibriert, wenn er Heimlichkeiten undLügen entdeckt ... hier ist er natürlich nutzlos, zu starkeÜberlagerungen, überall im Schloss erzählen sie ständig Lü-genmärchen, warum sie ihre Hausaufgaben nicht geschaffthaben. Das Ding summt ununterbrochen, seit ich hier bin. Undmein Spickoskop musste ich abstellen, weil es einfach nichtaufhören wollte zu pfeifen. Es ist hyperempfindlich und kriegtalles mit, was in einer Meile Umkreis passiert. Natürlichkönnte es auch mehr als Kinderkram aufspüren«, fügte erknurrig hinzu.
»Und wozu ist der Spiegel?«
»Das ist mein Feindglas. Siehst du sie da draußen miese-petrig rumhängen? Ich bin erst wirklich in Schwierigkeiten,wenn ich das Weiße in ihren Augen sehe. Dann öffne ichmeinen Koffer.«
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Er lachte kurz und knirschend, dann deutete er auf einengroßen Koffer unter dem Fenster. Er hatte sieben Schlüssel-löcher in einer Reihe. Harry überlegte, was wohl drin seinkönnte, bis ihn Moodys nächste Frage plötzlich aus seinenGedanken riss. »Soso ... hast also die Sache mit den Drachenrausgefunden?«
Harry zögerte. Genau davor hatte er sich gefürchtet -doch erhatte Cedric nicht gesagt und würde es bestimmt auch Moodynicht verraten, dass Hagrid die Regeln gebro-chen hatte.
»Ist schon gut«, sagte Moody, setzte sich und strecktegrunzend sein Holzbein aus. »Schummeln ist beim Trimagi-schen Turnier alte Tradition.«
»Ich hab nicht geschummelt«, sagte Harry scharf. »Es war –so was wie ein Zufall, dass ich es erfahren habe.«
Moody grinste. »Ich hab dir keinen Vorwurf gemacht,Junge. Ich hab Dumbledore von Anfang an gesagt, er könnevon mir aus noch so edel gesinnt sein, aber der alte Karkaroffund Maxime würden sicher mit gezinkten Karten spielen. Diewerden ihren Champions inzwischen alles gesagt ha-ben, was sie wissen. Die wollen gewinnen. Sie wollen Dum-bledore schlagen. Sie möchten beweisen, dass er auch nur einMensch ist.«
Moody lachte knirschend und sein magisches Augeschwamm so schnell umher, dass Harry vom Zusehen fastschwindelig wurde.
»Also ... hast du schon irgendeine Idee, wie du um deinenDrachen herumkommen kannst?«, fragte Moody.
»Nein«, sagte Harry.
»Nun denn, ich werd's dir sagen«, brummte Moody. »Ichwill ja niemanden begünstigen. Ich geb dir nur ein paar gute,allgemeine Ratschläge. Und der erste ist: Setz auf deineStärken.«
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»Ich hab keine«, platzte es aus Harry heraus, bevor er rich-tig überlegt hatte.
»Entschuldige mal«, knurrte Moody, »wenn ich sage, duhast Stärken, dann hast du auch welche. Denk nach. Worin bistdu am besten?«
Harry versuchte seine Gedanken zu sammeln. Ja, worin warer am besten? Nun, das war im Grunde einfach –
»Quidditch«, flüsterte er dumpf, »aber das hilft mir ja auchn ...«
»Stimmt«, sagte Moody und sah ihn mit seinem magi-schen Auge, das er kaum bewegte, durchdringend an. »Du bistein verdammt guter Flieger, wie ich höre.«
»Jaah, aber ...«, Harry starrte ihn an. »Ich darf keinen Be-sen benutzen, ich hab nur meinen Zauberstab –«
»Mein zweiter allgemeiner Ratschlag«, unterbrach ihnMoody mit erhobener Stimme, »verwende einen schlichtenkleinen Zauber, mit dem du bekommst, was du brauchst.«Harry sah ihn mit großen Augen an. Was meinte er da-mit?
»Komm schon, Junge ...«, flüsterte Moody. »Zähl zwei undzwei zusammen ... so schwierig ist es nicht ...«
Und der Groschen fiel. Am besten war er im Fliegen. Ermusste in der Luft an dem Drachen vorbeikommen. Dafürbrauchte er seinen Feuerblitz. Und für seinen Feuerblitzbrauchte er –
»Hermine«, flüsterte Harry, nachdem er drei Minuten späterins Gewächshaus gestürmt war und Professor Sprout imVorbeigehen rasch eine Entschuldigung zugemurmelt hatte.»Hermine, ich brauche deine Hilfe.«
»Was glaubst du eigentlich, worüber ich die ganze Zeitnachdenke?«, flüsterte sie mit großen, sorgenvollen Augenüber den zitternden Ginsterbusch hinweg, den sie geradebeschnitt.
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»Hermine, ich muss den Aufrufezauber richtig beherr-schen, und zwar bis morgen Nachmittag.«
Also übten sie. Sie gingen nicht zum Mittagessen, sondern inein freies Klassenzimmer, wo Harry mühsam versuchte, ver-schiedene Gegenstände durch den Raum auf sich zufliegen zulassen. Noch immer hatte er damit Schwierigkeiten. Je-des Mal verloren die Bücher und Federkiele auf halbem Wegdie Lust und fielen wie Steine zu Boden.
»Konzentrier dich, Harry, konzentrier dich ...«
»Was glaubst du eigentlich, was ich hier mache?«, sagteHarry zornig. »Mir schwirrt ständig ein ätzender Riesendra-che im Kopf rum, ich weiß auch nicht, wieso ... gut, nochmal ...«
Er wollte Wahrsagen schwänzen, um weiterzuüben, dochHermine weigerte sich strikt, Arithmantik sausen zu lassen,und ohne Hermine hatte es keinen Sinn. So musste er übereine Stunde lang Professor Trelawney über sich ergehen las-sen, die die meiste Zeit damit verbrachte, ihnen zu erklären,dass die gegenwärtige Position des Mars in Konstellation zuder des Saturn zur Folge habe, dass im Juli geborene Men-schen in großer Gefahr seien, eines plötzlichen und gewalt-samen Todes zu sterben.
»Schön, warum nicht«, rief Harry, dem der Geduldsfadenriss, »wenigstens zieht es sich dann nicht so ewig hin, ich willnicht lange leiden.«
Ron sah einen Moment lang aus, als wolle er lachen; es warsicher das erste Mal seit Tagen, dass er Harry in die Au-gen sah, doch Harry war immer noch so sauer auf ihn, dass esihn nicht rührte. Während der restlichen Stunde ver-suchte er mit dem Zauberstab unter dem Tisch kleine Ge-genstände zu sich heranzuziehen. Er schaffte es auch tat-sächlich, eine Fliege direkt in seine Hand summen zu lassen,
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doch er war sich nicht ganz sicher, ob das seiner Stärke imAufrufezaubern zu verdanken war – oder ob die Fliege ein-fach nur dumm war.
Nach Wahrsagen würgte er ein wenig vom Mittagessenhinunter, dann warf er sich und Hermine den Tarnurnhangüber, damit sie vor den Blicken der Lehrer sicher waren, undsie kehrten in das leere Klassenzimmer zurück. Bis nachMitternacht übten sie weiter und wären sogar noch längergeblieben, wenn Peeves nicht aufgetaucht wäre. Peevesverstand Harry absichtlich falsch, nämlich so, als wolle Harrynichts lieber als mit Gegenständen beworfen zu werden, undso machte er sich einen Spaß daraus, Stühle durchs Zimmer zuschleudern. Harry und Hermine ergrif-fen die Flucht, bevor der Lärm Filch auf den Plan rief, undliefen zurück in den Gemeinschaftsraum, der nun glück-licherweise leer war.
Um zwei Uhr morgens stand Harry am Kamin, inmitteneines Haufens von Büchern, Federn, umgestürzten Stühlen,einem alten Koboldsteinspiel und Nevilles Kröte Trevor. Erstin der letzten Stunde hatte er den Dreh rausgekriegt.»Schon besser, Harry, das wird schon«, sagte Hermine er-schöpft, aber zufrieden.
»Tja, jetzt wissen wir, was du das nächste Mal tun musst,wenn ich einen Zauber nicht beherrsche«, sagte Harry undwarf Hermine ein Runenwörterbuch zu, um den Aufrufe-zauber ein letztes Mal zu proben. »Du setzt mir einen Dra-chen vor die Nase. Fertig ...« Noch einmal hob er den Zau-berstab: »Accio Wörterbuch!«
Der schwere Wälzer flog aus Hermines Hand, flattertedurchs Zimmer und landete in Harrys Armen.
»Harry, ich glaube, du hast es raus!«, sagte Hermine er-leichtert.
»Morgen jedenfalls muss es klappen«, sagte Harry. »Der
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Feuerblitz ist dann viel weiter weg als die Sachen hier, näm-lich im Schloss, und ich bin draußen auf dem Gelände.«»Das spielt keine Rolle«, sagte Hermine zuversichtlich.»Wenn du dich wirklich ganz fest darauf konzentrierst, dannkommt er. Wir gehen jetzt lieber noch ein wenig schlafen ...du wirst es brauchen.«
Harry hatte an diesem Abend so angestrengt versucht, denAufrufezauber zu lernen, dass seine blinde Panik ein wenignachgelassen hatte. Am nächsten Morgen überkam sie ihnjedoch wieder mit ganzer Wucht. In der Schule herrschteeine sehr gespannte und aufgeregte Atmosphäre. Der Un-terricht sollte um die Mittagszeit enden, damit alle Schülerdie Möglichkeit hatten, hinunter zum Drachengehege zugehen – doch wussten sie natürlich noch nicht, was sie dorterwartete.
Harry fühlte sich merkwürdig fern von allen Menschen umihn herum, ob sie ihm nun viel Glück wünschten oder ihm imVorbeigehen nur zuzischten: »Wir bringen dir dann 'nePackung Taschentücher, Potter.« Seine Nervosität hatte sich sobreit gemacht, dass er fürchtete, schlicht und einfach den Kopfzu verlieren, wenn sie ihn zum Drachen hinaus-führen wollten und er dann auch noch versuchen würde, al-les in seiner Umgebung zu verhexen.
Die Zeit verging auf ganz eigenartige Weise. GroßeKlumpen auf einmal brachen von ihr ab; im einen Momentließ er sich zur ersten Stunde, Geschichte der Magie, nieder,und im nächsten schon zum Mittagessen ... und dann (wo warder Morgen geblieben? Die letzten drachenfreien Stun-den?) kam Professor McGonagall in der Großen Halle zu ihmherübergeeilt.
»Potter, die Champions müssenjetzt hinaus aufs Gelände.Sie müssen sich für die erste Aufgabe bereitmachen.«