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»Gut«, sagte Harry und stand auf. Seine Gabel fiel klir-rend auf den Teller.
»Viel Glück, Harry«, flüsterte Hermine. »Du schaffst esschon!«
»Ja«, sagte Harry mit einer Stimme, die er von sich gar nichtkannte.
Er ging mit Professor McGonagall hinaus. Auch sie schiennicht mehr sie selbst zu sein; tatsächlich sah sie fast so be-sorgt aus wie Hermine. Sie ging mit ihm die Steintreppehinunter, hinaus in den kalten Novembernachmittag, undlegte ihm die Hand auf die Schulter.
»Nur jetzt nicht die Nerven verlieren«, sagte sie, »einfachkühlen Kopf bewahren ... wir haben Zauberer, die bereitste-hen und eingreifen, wenn die Sache außer Kontrolle gerät ...Hauptsache, Sie geben Ihr Bestes, dann wird keiner schlechtvon Ihnen denken ... alles in Ordnung?«
»Ja«, hörte sich Harry sagen. »Mir geht's gut.«
Sie führte ihn am Waldrand entlang auf das Drachenge-hege zu, doch als sie die dichte Baumgruppe erreichten, vonder aus er die Drachen gesehen hatte, stellte Harry fest, dassnun ein Zelt, das zu ihrer Seite hin geöffnet war, die Sichtversperrte.
»Dort müssen Sie mit den anderen Champions rein«, sagteProfessor McGonagall mit recht zittriger Stimme, »undwarten, bis Sie dran sind, Potter. Mr Bagman erwartet Sie ... erwird das ... das Verfahren erklären ... viel Glück.«
»Danke«, sagte Harry mit tonloser, weit entfernterStimme. Sie verließ ihn am Zelteingang und Harry tratein.
Auf einem Holzschemel in der Ecke saß Fleur Delacour. Siewirkte nicht annähernd so gefasst wie sonst, eher bleich undeingeschüchtert. Viktor Krum blickte noch miesepet-riger drein als sonst, und Harry überlegte, ob dies seine Art
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war, Nerven zu zeigen. Cedric schritt im Zelt auf und ab undlächelte ihm kurz zu, und als Harry zurücklächelte, spürte er,dass sich seine Gesichtsmuskeln arg anstrengen mussten, ganzals ob sie vergessen hätten, wie Lächeln ging.
»Harry! Ach schön!«, sagte Bagman vergnügt und wandtesich ihm zu. »Komm rein, komm rein und fühl dich wie zuHause.«
Bagman sah unter all den blassgesichtigen Champions fastaus wie eine etwas zu knallig geratene Comicfigur. Heute truger wieder seinen alten Wespenumhang.
»Schön, jetzt, da wir alle hier sind, ist es Zeit, euch aufzu-klären!«, strahlte Bagman. »Wenn sich alle Zuschauer einge-funden haben, werde ich euch der Reihe nach diesen Beutelreichen«, er hielt ein kleines, purpurnes Seidensäckchen hochund schüttelte es, »aus dem ihr jeweils ein kleines Mo-dell dessen, mit dem ihr es zu tun bekommt, herauszieht. Esgibt verschiedene – ähm – Arten, versteht ihr. Und ich musseuch auch noch etwas anderes sagen ... hmh, ja ... eure Auf-gabe ist es, das goldene Ei zu holen!«
Harry sah sich um. Cedric hatte kurz genickt, um zu zei-gen, dass er Bagmans Worte verstanden hatte, und ging jetztwieder im Zelt auf und ab; er schien ein wenig grün ange-laufen zu sein. Fleur Delacour und Krum hatten überhauptnicht reagiert. Vielleicht fürchteten sie, sich übergeben zumüssen, wenn sie den Mund aufmachten; so jedenfalls fühltesich Harry. Doch sie hatten sich wenigstens freiwillig fürdieses Turnier gemeldet ...
Nur wenige Minuten waren vergangen, als sie auch schonHunderte und Aberhunderte von Füßen am Zelt vorbei-trampeln hörten, mit ihren aufgeregt redenden, lachenden,Witze reißenden Besitzern ... Harry fühlte sich der Menge sofremd, als würde es sich dabei um eine andere Gattungvon Lebewesen handeln. Und dann – Harry kam es vor, als
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ob nur eine Sekunde vergangen wäre – öffnete Bagman denBund seines purpurnen Seidensäckchens.
»Ladies first«, sagte er und hielt das Säckchen Fleur Dela-cour hin.
Sie steckte ihre zitternde Hand hinein und zog ein winzi-ges, aber tadelloses Modell eines Drachen heraus – des Wa-lisischen Grünlings. Er trug die Nummer »2« um den Hals.Und da Fleur nicht die Spur überrascht schien, wusste Harrynun, dass er Recht gehabt hatte: Madame Maxime hatte ihrerzählt, was kommen würde.
Dasselbe galt für Krum. Er zog den scharlachroten Chine-sischen Feuerball. Der kleine Drache trug die Nummer »3« umden Hals. Krum zuckte nicht einmal mit der Wimper undstarrte weiter stur zu Boden.
Cedric steckte die Hand in das Säckchen und zog denblaugrauen Schwedischen Kurzschnäuzler heraus, der die »l«um den Hals trug. Harry wusste, welcher noch übrig war,steckte die Hand in den Seidenbeutel und zog den UngarischenHornschwanz, die Nummer »4«, heraus. Er spannte die Flügel,als Harry ihn betrachtete, und zeigte seine winzigenFangzähne.
»Schön, das war's!«, sagte Bagman. »Mit den Drachen, dieihr gezogen habt, bekommt ihr es jetzt zu tun, und dieNummern geben an, in welcher Reihenfolge ihr antretet. Allesklar? Gut. Ich muss euch gleich allein lassen, weil ich dasTurnier kommentieren werde. Mr Diggory, Sie sind als Ersterdran, wenn Sie eine Pfeife hören, gehen Sie einfach hinaus insGehege, verstanden? Ach ... Harry ... könnte ich kurz mit dirsprechen? Draußen?«
»Ähm ... ja«, sagte Harry tonlos, stand auf und ging mitBagman aus dem Zelt, der ihn einige Schritte fort bis unter dieBäume führte und ihn dann mit väterlicher Miene an-sah.
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»Fühlst du dich wohl, Harry? Kann ich dir irgendwas be-sorgen?«
»Was?«, sagte Harry. »Ich – nein, nichts.«
»Hast du einen Plan?«, sagte Bagman und senkte ver-schwörerisch die Stimme. »Mir macht es nämlich nichts aus,dir ein paar Tipps zu geben, nur wenn du willst, versteht sich.«Dann fuhr er mit noch leiserer Stimme fort: »Hör mal, du bistder Außenseiter hier, Harry ... wenn ich dir irgend-wie helfen kann ...«
»Nein«, sagte Harry rasch, und er wusste genau, dass erunhöflich klang, »nein – ich – ich hab schon entschieden, wasich tun will, danke.«
»Niemand würde es erfahren, Harry«, sagte Bagman au-genzwinkernd.
»Nein, mir geht's gut«, sagte Harry und fragte sich gleich-zeitig, warum er den Leuten das ständig erzählte und ob ersich jemals schlechter gefühlt hatte. »Ich hab mir einen Plangemacht, ich –«
Von irgendwoher kam ein Pfiff.
»Meine Güte, ich muss mich beeilen!«, sagte Bagman er-schrocken und rannte davon.
Harry ging zum Zelt zurück und sah, wie Cedric, inzwi-schen noch grüner im Gesicht, herauskam. Harry wollte ihmim Vorbeigehen Glück wünschen, doch alles, was aus seinemMund kam, war ein heiseres Gurgeln.
Harry ging hinein zu Fleur und Krum. Sekunden späterhörten sie den Aufschrei der Menge. Cedric hatte also dasGehege betreten und stand nun dem lebendigen Vorbild sei-nes Modells von Angesicht zu Angesicht gegenüber ... Nurdazusitzen und zu lauschen war schlimmer, als Harry es sich jehätte vorstellen können. Die Menge kreischte ... schrie ...stöhnte wie ein einziges vielköpfiges Wesen, während Ced-ric was auch immer unternahm, um an dem Schwedischen
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Kurzschnäuzler vorbeizukommen. Krum stierte immer nochzu Boden. Fleur tat es nun Cedric gleich und schritt unablässigim Kreis durch das Zelt. Und Bagmans Kommen-tar machte alles noch viel, viel schlimmer ... furchtbare Bil-der nahmen in Harrys Kopf Gestalt an, während er lauschte:»Oooh, da hat er ihn knapp verfehlt, ganz knapp ... Er geht javolles Risiko, der Junge! ... clevere Finte – schade, dass esnichts genutzt hat!«
Und dann, nach ungefähr fünfzehn Minuten, hörte Harry dasohrenbetäubende Brüllen, das nur eines bedeuten konnte:Cedric war an seinem Drachen vorbeigekommen und hatte dasgoldene Ei geholt.
»Wirklich sehr gut!«, rief Bagman. »Und nun die Noten derJury!«
Doch er las die Noten nicht laut vor; Harry vermutete, dassdie Richter sie für das Publikum hochhielten.
»Einer ist durch, drei haben wir noch!«, rief Bagman, undwieder gellte der Pfiff. »Miss Delacour, bitte!«
Fleur zitterte am ganzen Leib, und als sie mit erhobenemKopf, den Zauberstab fest umklammert, aus dem Zelt ging,spürte Harry sogar ein wenig mehr Herzlichkeit für sie alsbisher. Er und Krum saßen sich jetzt allein gegenüber undvermieden es sorgfältig, sich in die Augen zu schauen.Die ganze Geschichte ging von vorn los ... »Oh, ich bin mirnicht sicher, ob das klug war!«, konnten sie Bagmanschadenfroh rufen hören. »Oh ... beinahe! Jetzt aber Vor-sicht ... du meine Güte, ich dachte schon, sie wäre erledigt!«Zehn Minuten später hörte Harry, wie die Menge erneut inBeifall ausbrach. Auch Fleur musste es geschafft haben. EinePause, während deren Fleurs Noten gezeigt wurden ... nochmehr Beifall ... und dann, zum dritten Mal, der Pfiff.»Und hier kommt Mr Krum!«, rief Bagman. Krum schlurftehinaus und ließ Harry allein zurück.
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Er spürte jetzt seinen Körper viel stärker als sonst; er warsich deutlich bewusst, dass sein Herz rasend pochte undseine Finger vor Angst zitterten ... doch zugleich schien eraußerhalb seiner selbst zu stehen, die Wände des Zeltes zusehen und die Menge zu hören, wie aus ganz, ganz weiterFerne ...
»Sehr gewagt!«, rief Bagman, und Harry hörte, wie derChinesische Feuerball einen grauenhaften, kreischendenSchrei ausstieß und die Menge auf einen Schlag den Atemanhielt. »Er hat ganz schön Nerven, muss man sagen – und –ja, er hat das Ei!«
Beifall durchzitterte die kalte Luft wie das Geräusch zer-brechenden Glases; Krum hatte es geschafft – jeden Augen-blick war Harry selbst dran.
Er stand auf und nahm verschwommen wahr, dass seineBeine aus Gummi zu bestehen schienen. Er wartete. Und dannhörte er den Pfiff. Als er hinausging, überschwemmte ihn diePanik wie eine eiskalte Welle. Er ging an den Bäu-men vorbei und durch eine Öffnung in der Umfriedung.Er sah alles vor sich wie in einem grellbunten Traum. Vielehundert Gesichter sahen von den Tribünen, die sie in-zwischen herbeigezaubert hatten, auf ihn herab. Und da wardas Hornschwanz-Weibchen, am anderen Ende der Koppel,gedrungen über ihrem Gelege kauernd, die Flügel halb ein-gezogen, die bösartigen gelben Augen auf ihn gerichtet –eine monströse, schuppige schwarze Echse, die mit ihremdornenbesetzten Schwanz auf den Boden peitschte und me-terlange Furchen in die Erde schlug. Die Zuschauer machteneinigen Lärm, doch ob sie ihn anfeuerten oder ausbuhten, eswar Harry nun gleich. Jetzt war es an der Zeit zu tun, was ertun musste ... ausschließlich und mit aller Kraft an das zudenken, was seine einzige Chance war ... Er hob den Zau-berstab.
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»Accio Feuerblitz!«, rief er.
Er wartete, und jede Faser seines Körpers hoffte, flehte ...vielleicht war es misslungen ... vielleicht kam er nicht ... er sahalles wie durch eine schimmernde, durchsichtige Mauer, durcheinen Hitzeschleier, der das Gehege und die Hun-derte von Gesichtern um ihn her merkwürdig verschwim-men ließ ...
Und dann hörte er ihn. Hinter ihm rauschte er durch dieLuft. Harry drehte sich um und sah den Feuerblitz amWaldrand entlang auf ihn zuschwirren, er schoss in das Ge-hege und kam in Hüfthöhe neben ihm zum Halt, bereit, vonHarry bestiegen zu werden. Die Menge tobte jetzt ... Bag-manrief irgendetwas ... doch es erreichte Harrys Ohren nicht ...Zuhören war unwichtig ...
Er schwang ein Bein über den Besen und stieß sich vomBoden ab. Und eine Sekunde später geschah etwas Wunder-sames ...
Als er in die Höhe schoss, als der Wind durch sein Haarblies und die Gesichter der Menge zu bloßen fleischfarbe-nen Stecknadelköpfen wurden und der Hornschwanz auf dieGröße eines Hundes schrumpfte, da wurde ihm klar, dass ernicht nur den Erdboden hinter sich gelassen hatte, sondernauch seine Angst ... er war wieder da, wo er hin-gehörte ...
Dies hier war nur ein Quidditch-Spiel, ganz einfach ... nurnoch ein Quidditch-Spiel, und der Hornschwanz war nichtsweiter als eine dieser gemeinen gegnerischen Mann-schaften ...
Er spähte hinunter auf das Gelege und sah das goldene Ei,das sich schimmernd von den zementfarbenen Eiern abhob,geborgen zwischen den Vorderbeinen des Drachen. »Gut«,sagte sich Harry, »Ablenkungstaktik ... los geht's ...«Er schoss senkrecht Richtung Erde. Der Kopf des Horn-
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Schwanzes folgte ihm; er wusste, was der Drache tun würde,und riss sich im letzten Augenblick aus dem Sturzflug; einFeuerstoß hatte die Luft verbrannt, genau dort, wo er gewe-sen wäre ... doch Harry war es gleich ... das war nichts an-deres als einem Klatscher auszuweichen ...
»Meine Güte, der kann fliegen!«, rief Bagman durch dasKreischen und Seufzen der Menge. »Sehen Sie das, MrKrum?«
Harry zog sich wie auf einer weiten Spirale nach oben; derHornschwanz folgte ihm mit den Augen, sein Kopf ro-tierte auf dem langen Hals – wenn er das durchhielt, würde esdem Drachen ganz schön schwindelig werden -, doch sollte eres besser nicht zu weit treiben, sonst würde das Biest wiederFeuer speien.
Harry stürzte sich genau in dem Moment in die Tiefe, alsder Hornschwanz das Maul aufriss, doch diesmal hatte erweniger Glück – er entging zwar den Flammen, doch derSchwanz peitschte nach ihm, und als er seitlich ausbrach,streifte ein langer Dorn seine Schulter und zerfetzte seinenUmhang.
Er spürte einen stechenden Schmerz, er hörte die Schreieund das Stöhnen der Menge, doch der Riss schien nicht be-sonders tief zu sein ... er schwirrte über dem Rücken desHornschwanzes herum, und da fiel ihm etwas ein ...
Der Hornschwanz schien offenbar nicht fliegen zu wol-len, das Drachenweibchen sorgte sich zu sehr um seine Brut.Es zuckte zwar und wand sich, spannte die Flügel und rolltesie wieder ein und verfolgte Harry unablässig mit den Furchterregenden gelben Augen, doch hatte es Angst, sich zu weitvon seinen Eiern zu entfernen ... aber genau dazu musste erden Drachen unbedingt bringen, oder er würde nie an dasGelege herankommen ... der Witz war, es ganz vorsichtig,ganz allmählich zu tun ...
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Er flog vor dem Kopf des Drachen hin und her, weit ge-nug entfernt, damit er kein Feuer spie, um ihn zu verjagen,doch immer noch als dräuende Gefahr, die er nicht aus denAugen lassen durfte. Den Kopf hin- und herschwenkendverfolgte er ihn mit den Augen, beobachtete ihn aus seinensenkrechten Pupillen, die Fangzähne gebleckt ...
Er stieg höher. Der Drache reckte den Hals, bis es nichtmehr ging, und noch immer schwenkte er den Kopf hin undher wie eine Schlange vor ihrem Beschwörer ...
Harry stieg noch ein paar Meter höher, und der Drachebrüllte wütend auf. Für ihn war er wie eine Fliege, eine Fliege,die er in rasendem Zorn totklatschen wollte; wieder schlug ermit dem Schwanz aus, doch jetzt konnte er ihn nicht mehrerreichen ... er spie einen Feuerball nach Harry, doch Harrywich ihm aus ... das Maul öffnete sich weit ...
»Komm schon«, zischte Harry und drehte Kreise über demDrachenkopf, um ihn noch weiter zu reizen, »komm nur,schnapp mich doch ... steh auf, mach schon ...«
Und dann bäumte sich der Drache auf, spannte endlich seinegroßen schwarzen ledrigen Flügel, lang wie die eines kleinenFlugzeugs – und Harry stürzte sich hinab. Bevor der Drachewusste, was Harry getan hatte oder wohin er ver-schwunden war, raste Harry, so schnell er konnte, auf die Erdeund auf die Eier zu, die jetzt nicht mehr von den klau-enbesetzten Pranken beschützt waren – er nahm die Händevom Feuerblitz – und packte das goldene Ei –