Dumbledore kauerte am Ufer, vertieft in ein Gespräch miteinem Wassermenschen, offenbar der Anführerin, einerbesonders wild und grimmig aussehenden Nixe. Dumble-dore machte genau jene Geräusche, die die Wassermen-schen von sich gaben, wenn sie an der Oberfläche waren;offensichtlich konnte er Meerisch sprechen. Schließlich
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richtete er sich auf, wandte sich seinen Richterkollegen zu undsagte: »Ich denke, wir sollten uns beraten, bevor wir die Notenvergeben.«
Die Richter scharten sich eng zusammen. Madam Pom-frey ging hinüber, um Ron aus Percys Klammergriff zu lö-sen; sie führte ihn zu Harry und den anderen, gab ihm eineDecke und ein wenig Aufpäppel-Trank, dann ging sie Fleurund ihre Schwester holen. Fleur hatte viele Schnittwunden aufGesicht und Armen und ihr Umhang war zerfetzt, doch esschien sie nicht zu kümmern, und sie gestattete MadamPomfrey nicht einmal, die Wunden zu reinigen.
»Kümmern Sie sisch um Gabrielle«, sagte sie und wandtesich Harry zu. »Du 'ast sie gerettet«, keuchte sie. »Obwohl sienischt deine Geisel war.«
»Ja-ah«, sagte Harry, der inzwischen zutiefst bereute,nicht alle drei Mädchen in Fesseln an der Statue gelassen zuhaben.
Fleur stürzte sich nun auch auf ihn und gab ihm einen Kuss.Hermine machte ein zorniges Gesicht, doch in diesemAugenblick dröhnte Ludo Bagmans magisch verstärkteStimme neben ihnen hinaus auf den See, sie zuckten zusam-men und die Menge auf der Tribüne wurde ganz still.»Meine Damen und Herren, wir haben unsere Entschei-dung getroffen. Seehäuptlingin Murcus hat uns genau ge-schildert, was auf dem Grund des Sees geschehen ist, und wirhaben daher beschlossen, die Champions bei fünfzigmöglichen Punkten wie folgt zu benoten ...
Miss Fleur Delacour hat zwar gezeigt, dass sie hervorra-gend mit dem Kopfblasenzauber umgehen kann, doch siewurde von Grindelohs angegriffen, als sie sich ihrem Zielnäherte, und hat es nicht geschafft, ihre Geisel zu befreien.Wir erteilen ihr fünfundzwanzig Punkte.«
Applaus von der Tribüne.
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»Isch 'ab eigentlisch keinen verdient«, krächzte Fleur undschüttelte ihren herrlichen Kopf.
»Mr Cedric Diggory, der ebenfalls den Kopfblasenzauberverwendet hat, kam als Erster mit seiner Geisel zurück, al-lerdings nach der gesetzten Zeit von einer Stunde.« Gewal-tiger Jubel von den Hufflepuffs im Publikum; Harry sah, wieCho Cedric einen glühenden Blick schenkte. »Deshalb gebenwir ihm siebenundvierzig Punkte.«
Harry wurde schwer ums Herz. Wenn Cedric die Zeitüberschritten hatte, was war dann erst mit ihm?
»Mr Viktor Krum hat eine unvollständige Verwandlungbenutzt, die dennoch sehr wirksam war, und ist als Zweitermit seiner Geisel zurückgekehrt. Wir geben ihm vierzigPunkte.«
Karkaroff klatschte besonders laut und mit überlegenemMienenspiel.
»Mr Harry Potter hat mit bester Wirkung Dianthuskrautgenommen«, fuhr Bagman fort. »Er kehrte als Letzter zu-rück und weit über dem Zeitlimit von einer Stunde. Wie unsdie Seehäuptlingin allerdings mitteilt, hat Mr Potter dieGeiseln als Erster erreicht, und die Verspätung bei seinerRückkehr war seiner Entschlossenheit geschuldet, alle Gei-seln, nicht nur die seine, in Sicherheit zu bringen.«
Ron und Hermine warfen Harry halb aufgebrachte, halbmitleidige Blicke zu.
»Die Mehrzahl der Richter« – und an dieser Stelle ver-setzte Bagman Karkaroff einen sehr bissigen Blick – »sind derÜberzeugung, dass dies moralisches Rückgrat beweist und mitder vollen Punktzahl belohnt werden sollte. Den-noch ... Mr Potters Ergebnis lautet fünfundvierzig Punkte.«Harrys Magen sprang ihm in die Kehle – jetzt war er mitCedric zusammen auf dem ersten Platz. Ron und Hermine, aufdem falschen Fuß erwischt, sahen Harry mit großen Au-
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gen an und begannen dann wie die anderen wild zu klat-schen.
»Da hast du es, Harry!«, rief Ron durch den Trubel. »Duwarst überhaupt nicht blöde – du hast moralisches Rückgratbewiesen!«
Auch Fleur klatschte begeistert, während Krum über-haupt nicht glücklich schien. Wieder versuchte er, Hermine inein Gespräch zu verwickeln, doch sie war zu sehr damitbeschäftigt, Harry zu bejubeln, um hinzuhören.
»Die dritte und letzte Runde des Turniers findet am vier-undzwanzigsten Juni bei Einbruch der Dunkelheit statt«, fuhrBagman fort. »Wir werden den Champions genau einenMonat vorher mitteilen, was auf sie zukommt. Dank an allefür die Unterstützung ihrer Champions.«
Es ist vorbei, dachte Harry benommen, und schon bug-sierte Madam Pomfrey die Champions und ihre Geiseln zu-rück ins Schloss, wo sie trockene Kleider anziehen sollten Eswar vorbei, er war durchgekommen ... er musste sich jetzt biszum vierundzwanzigsten Juni um gar nichts mehr sorgen ...Das nächste Mal, wenn ich nach Hogsmeade komme, sobeschloss er, als er die Steinstufen zum Schloss hochging, dasnächste Mal kaufe ich Dobby für jeden Tag des Jahres einPaar Socken.
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Tatzes Rückkehr
Der ganze Trubel nach der zweiten Runde, als alle unbe-dingt hören wollten, was denn genau auf dem Grund desSees geschehen war, hatte vor allem ein Gutes: Ron standwenigstens einmal gemeinsam mit Harry im Rampenlicht.Harry fiel auf, dass Ron seine Geschichte jedes Mal ein we-nig anders erzählte. Die erste Darstellung schien durchausnoch der Wahrheit zu entsprechen; sie stimmte jedenfallsmit dem überein, was Hermine berichtete: Dumbledorehatte in Professor McGonagalls Büro die Geiseln in einenZauberschlaf versetzt, nachdem er ihnen versichert hatte,ihnen würde nichts geschehen und sie würden erst wiederaufwachen, wenn sie an Land seien. Eine Woche später je-doch erzählte Ron die nervenzerfetzende Geschichteeiner Entführung, bei der er allein gegen fünfzig schwerbewaffnete Wassermenschen gekämpft habe, die ihn ersthätten zusammenschlagen müssen, um ihn fesseln zukönnen.
»Aber ich hatte meinen Zauberstab im Ärmel versteckt«,beteuerte er Padma Patil, die nun, da Ron so viel Beachtungfand, offenbar viel schärfer auf ihn war und jedes Mal, wennsie ihm im Korridor begegnete, unter großem Hallo unbe-dingt mit ihm sprechen wollte. »Diese Wasseridioten hätt ichjederzeit erledigen können.«
»Und wie bitte hättest du das angestellt, wolltest du sievielleicht anschnarchen?«, giftete Hermine. Sie hatte sichviele Sticheleien anhören müssen, weil sie es war, die Viktor
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Krum am meisten vermisste, und war in ziemlich gereizterStimmung.
Ron wurde rot um die Ohren und kehrte von Stund an zu derGeschichte mit dem Zauberschlaf zurück.
Anfang März wurde das Wetter trockener, aber wenn siedraußen auf dem Land waren, röteten ihnen furchtbareWinde die Hände und Gesichter. Ihre Briefe kamen verspä-tet an, denn die Stürme bliesen die Eulen aus ihren Flugbah-nen. Der Waldkauz, den Harry Sirius mit dem Datum desHogsmeade-Wochenendes geschickt hatte, tauchte einesFreitagmorgens beim Frühstück auf, und die Hälfte seinerFedern war in die falsche Richtung gebürstet; kaum hatteHarry Sirius' Antwort von seinem Bein gerissen, flatterte erwieder davon, offensichtlich aus Furcht, er würde gleichwieder in die Lüfte geschickt.
Sirius' Brief war fast so kurz wie sein voriger.
Komm Samstagnachmittag um zwei zu dem Gatter an derStraße, die aus Hogsmeade herausführt (an Derwisch undBanges vorbei). Bring so viel Essbares mit, wie du tragenkannst.
»Er ist doch nicht etwa wieder in Hogsmeade?«, sagte Ronungläubig.
»Sieht ganz danach aus«, meinte Hermine.
»Das kann er doch nicht machen«, sagte Harry mit ange-spannter Stimme. »Wenn sie ihn fassen ...«
»Bis hierher ist er jedenfalls durchgekommen«, sagte Ron.»Und in diesem Kaff wird sich jetzt wohl kein Dementormehr rumtreiben.«
Nachdenklich faltete Harry den Brief zusammen. Wenn erehrlich zu sich war, wollte er Sirius wirklich gern wiedersehen. In die letzte Doppelstunde an diesem Nachmittag –
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Zaubertränke – ging er jedenfalls viel besser gelaunt als sonst,wenn er die Treppen zu den Kerkern hinunterstieg.
Malfoy, Crabbe und Goyle standen vor der Klassenzim-mertür und hatten die Köpfe mit einigen Slytherin-Mäd-chen aus Pansy Parkinsons Bande zusammengesteckt. Siekicherten ausgelassen über etwas, das Harry nicht sehenkonnte. Als die drei näher kamen, lugte Pansys aufgeregtesMopsgesicht hinter Goyles breitem Rücken hervor.
»Da sind sie ja, da sind sie!«, giggelte sie, und die Slythe-rin-Traube stob auseinander. Harry sah, dass Pansy eine Illus-trierte in der Hand hielt – die Hexenwoche. Das bewegte Ti-telbild zeigte eine lockenhaarige Hexe, die zähneblitzendlächelte und mit dem Zauberstab auf einen großen Biskuit-kuchen deutete.
»Da steht was drin, das dich sicher interessieren wird,Granger!«, rief Pansy und warf die Illustrierte Hermine zu, diesie verdutzt auffing. In diesem Augenblick öffnete sich dieKerkertür und Snape winkte sie herein.
Harry, Ron und Hermine gingen wie immer schnur-stracks auf einen Tisch ganz hinten zu. Sobald Snape ihnenden Rücken gekehrt hatte, um die Zutaten des heutigen Tranksan die Tafel zu schreiben, blätterte Hermine unter dem Tischhastig das Heft durch. Im mittleren Teil fand sie schließlich,wonach sie suchten. Harry und Ron beugten sich tiefer überdie Seiten. Ein Farbfoto von Harry prangte über einem kurzenArtikel mit der Überschrift
Harry Potters stummes Herzeleid
Ein Junge wie kein anderer, könnte man meinen – doch auchein Junge, der die ganz gewöhnlichen Qualen des He-ranwachsenden durchleidet. Seit dem tragischen Ablebenseiner Eltern der Liebe beraubt, glaubte der vierzehnjährige
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Harry Potter, endlich Trost bei seiner festen Freundin inHogwarts, Hermine Granger, gefunden zu haben. Doch erahnte nicht, dass seine Seele in diesem ohnehin von persön-lichen Verlusten geprägten Leben bald erneut einen schwe-ren Schlag erleiden würde.
Miss Granger, ein äußerlich unscheinbares, aber ehrgeizi-ges Mädchen, hegt offenbar eine Vorliebe für berühmteZauberer, die Harry allein nicht befriedigen kann. Seit Vik-tor Krum, der bulgarische Sucher und Held der letztenQuidditch-Weltmeisterschaft, in Hogwarts weilt, spielt MissGranger mit den Gefühlen beider Jungen. Krum, der von dertückischen Miss Granger offensichtlich hingerissen ist, hat siebereits eingeladen, ihn während der Sommerferien inBulgarien zu besuchen, und versichert, er habe »solche Ge-fühle noch für kein anderes Mädchen empfunden«.
Allerdings sind es womöglich gar nicht die zweifelhaftennatürlichen Reize Miss Grangers, denen diese beiden un-glücklichen Jungen verfallen sind.
»Im Grunde ist sie hässlich«, meint Pansy Parkinson, einehübsche und lebhafte Viertklässlerin, »aber dass sie einenLiebestrank zusammenbraut, traue ich ihr durchaus zu, siehat ja ziemlich viel Grips. Ich bin sicher, damit schafftsie es.«
Natürlich sind Liebestränke in Hogwarts verboten undzweifellos sollte Albus Dumbledore diesen Behauptungennachgehen. In der Zwischenzeit können alle, die sich um dasWohl Harry Potters sorgen, nur hoffen, dass er sein Herz dasnächste Mal einer würdigeren Kandidatin schenkt.
Rita Kimmkorn»Ich hab's dir doch gesagt!«, zischelte Ron Hermine zu, diemit offenem Mund das Blatt anstarrte. »Ich hab dir doch ge-sagt, du sollst diese Rita Kimmkorn nicht ärgern! Jetzt hat
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sie dich auf dem Kieker und macht aus dir so eine – eine Le-bedame!«
Hermines verblüffte Miene löste sich in schnaubendesGelächter auf. »Lebedame?«, wiederholte sie, wandte sichRon zu und zitterte verhalten kichernd.
»So nennt es jedenfalls meine Mum«, murmelte Ron undwieder lief er um die Ohren herum rot an.
»Wenn das alles ist, was Rita zustande bringt, dann wird sieallmählich langweilig«, sagte Hermine und warf die He-xenwoche immer noch kichernd auf den leeren Stuhl neben ihr.»Das ist doch nichts als ein Haufen Müll.«
Sie sah hinüber zu den Slytherins, die gespannt beobach-teten, ob es ihnen gelungen war, sie und Harry mit dem Ar-tikel zu ärgern. Hermine schenkte ihnen ein herablassendesLächeln und einen lässigen Wink mit der Hand, dann pack-ten die drei die Zutaten aus, die sie für ihren Gripsschär-fungs-Trank brauchten.
»Eins ist schon komisch daran«, sagte Hermine zehn Mi-nuten später und hielt die Mörserkeule über eine SchaleSkarabäuskäfer. »Wie hat Rita Kimmkorn das nur rausge-funden ...?«
»Was rausgefunden?«, fragte Ron sofort. »Du hast dochnicht etwa Liebestränke gebraut?«
»Sei doch nicht albern«, zischte Hermine und begann ihreKäfer zu zerstampfen. »Nein, es ist nur ... wie hat sie erfah-ren, dass Viktor mich eingeladen hat, ihn im Sommer zu be-suchen?« Hermine lief bei diesen Worten scharlachrot an undvermied entschieden Rons Blick.
»Was?« Ron ließ seinen Stößel mit einem lauten Klonkfallen.
»Er hat mich gefragt, gleich nachdem er mich aus dem Seegezogen hatte«, murmelte Hermine. »Nachdem er seinenHaikopf losgeworden ist. Madam Pomfrey hat uns Decken
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gegeben, dann hat er mich von den Richtern weggezogen,damit sie nichts mitbekamen, und gefragt, ob ich im Som-mer schon was vorhätte und ob ich nicht Lust hätte –«»Und was hast du geantwortet?«, warf Ron ein und häm-merte, die Augen unverwandt auf Hermine gerichtet, guteine Armlänge von der Schale entfernt mit dem Stößel aufden Tisch.
»Und er hat wirklich gesagt, dass er noch nie solche Ge-fühle für jemanden empfunden hätte«, fuhr Hermine fort undwurde so rot, dass Harry die Hitze, die in ihr aufstieg, fastspüren konnte. »Aber wie könnte Rita Kimmkorn unsbelauscht haben? Sie war nicht da ... oder doch? Vielleicht hatsie einen Tarnumhang und hat sich aufs Gelände geschli-chen, um sich die zweite Runde anzusehen ...«
»Und was hast du geantwortet?«, wiederholte Ron und hiebmit dem Stößel so heftig auf den Tisch, dass eine Delle imHolz zurückblieb.
»Mich hat nur interessiert, ob es dir und Harry gut gehtund –«
»So faszinierend Ihr gesellschaftliches Leben zweifellos ist,Miss Granger«, sagte eine eisige Stimme direkt hinter ih-nen, »ich muss Sie doch ermahnen, es nicht im Unterrichtzu erörtern. Zehn Punkte Abzug für Gryffindor.«
Snape war zu ihrem Tisch herübergeglitten, während siegesprochen hatten. Die ganze Klasse drehte nun die Köpfeum; Malfoy nutzte die Gelegenheit und ließ POTTERSTINKT durch den Kerker zu Harry hinüberblitzen.»Ah ... und man liest auch noch Heftchen unter demTisch?«, setzte Snape hinzu und schnappte sich die Hexenwo-che. »Noch einmal zehn Punkte Abzug für Gryffindor ... oh,verstehe ...« Snapes schwarze Augen stürzten sich gierig aufRita Kimmkorns Artikel. »Potter muss natürlich erfahren,was die Presse über ihn schreibt ...«
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Der Kerker erzitterte unter dem Gelächter der Slytherinsund ein unangenehmes Lächeln kräuselte Snapes dünneLippen. Harry trieb es die Zornesröte ins Gesicht, als Snapeauch noch begann, den Artikel laut vorzulesen.
»Harry Potters stummes Herzeleid ... meine Güte, Potter, washast du nun wieder für ein Wehwehchen? Ein Junge wie keinanderer, könnte man meinen ...«