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作者:德- Karl May 当前章节:15437 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"So erlaubt, daß ich euch den Tabak reiche!"

Er brachte das lang entbehrte Kraut herbei. Allah il Allah, allüberall Allah! Es waren jene mir so wohl bekannten roten viereckigen Paketchen, in denen jener feine Tabak des Feuers harrt, der in Basiran an der Nordgrenze der persischen Wüste Lut gebaut wird. Im Nu waren die Pfeifen gestopft, und kaum stiegen die duftenden Ringel zur Decke empor, so erschien auch bereits die Frau mit dem Tranke von Mokka, der in den meisten Fällen gar nichts vom Mokka weiß, den wir aber auch bereits seit Wochen entbehrt hatten, so daß gar kein Zweifel darüber sein konnte, daß er uns munden werde. Mir war so wohl und weich zu Mute, daß ich nicht nur einen, sondern zehn und auch zwanzig Rappen angenommen hätte, wenn Mohammed Emin sie mir hätte schenken wollen, und daß ich mich ärgerte, heute so viel Zeit unnütz auf den Fang der Forellen verwendet zu haben. So aber ist der Mensch - immer und immer ein Sklave des Augenblickes!

Ich trank drei oder vier Täßchen Kaffee und trat dann mit brennender Pfeife hinaus in den Hof, um nach den Pferden zu sehen. Der Köhler erblickte die Pfeife, und aus der Stelle seines Bartwaldes, hinter der man es wagen konnte, den Mund zu vermuten, erscholl ein so unaussprechliches, sehnsüchtiges Grunzen, daß ich sofort zurückeilte, um auch für ihn ein wenig Basiran zu erbitten. Als ich ihm denselben brachte, steckte er ihn - in den Mund statt in die Pfeife. Er hatte einen andern Geschmack als wir.

Die Umfassungsmauer hatte mehr als Manneshöhe; unsere Pferde standen also vollständig sicher, sobald das große, starke Tor, das den einzigen Eingang bildete, geschlossen war. Das befriedigte mich, und ich kehrte in die Stube zurück, wo der Wirt sich bei den Gästen niedergelassen hatte, mit denen er sich auf Arabisch unterhielt.

Bald trug die Wirtin einige Papierlaternen herein, die ein angenehmes Halblicht verbreiteten, und dann brachte sie das Essen, das in lauter kaltem Geflügel bestand, zu dem wir flache Gerstenkuchen aßen.

"Diese Gegend scheint reich an Vögeln zu sein," bemerkte Mohammed.

"Sehr," antwortete Mamrahsch. "Der See ist nicht weit von hier."

"Welcher See?" fragte ich.

"Der Zeribar."

"Ah, der Zeribar, auf dessen Grunde die untergegangene Stadt der Sünde liegt, die aus lauter Gold gebaut war?"

"Ja, Herr. Hast du von ihr gehört?"

"Ihre Bewohner waren so gottlos, daß sie Allah und den Propheten verhöhnten; da sandte der Allkönnende ein Erdbeben, das die ganze Stadt verschlang."

"Du hast die Wahrheit gehört. An gewissen Tagen sieht man, wenn man den See befährt, beim Untergange der Sonne die goldenen Paläste und Minareh tief auf dem Grunde des Wassers leuchten, und wer ein Gottbegnadeter ist, der hört wohl auch die Stimme des Muezzin herauftönen: "Hai aal el sallah - ja, rüste dich zum Gebete!" Dann sieht man die Versunkenen zur Moschiah strömen, wo sie beten und Buße tun, bis ihre Sünde getilget ist."

"Hast auch du es gesehen und gehört?"

"Nein, aber der Vater meines Weibes hat es mir erzählt. Er fischte auf dem See und war Zeuge dessen, was er dann erzählte. Doch erlaubt, daß ich gehe, um das Tor zu schließen. Ihr werdet müde sein und euch nach Ruhe sehnen."

Er ging, und bald hörten wir das Tor in seinen Angeln knarren.

"Master, ein braver Kerl!" meinte Lindsay.

"Sicher. Er hat weder nach unsern Namen gefragt noch danach, woher wir kommen und wohin wir gehen. Das ist die echte, orientalische Gastfreundschaft."

"Werde ihm ein gutes Trinkgeld geben. Well!"

Nun kehrte der Wirt zurück und brachte uns Kissen und Decken zum Schlafen.

"Wohnen unter den Dschiaf in dieser Gegend auch Bebbeh?" fragte ich ihn.

"Nur wenige. Die Dschiaf und Bebbeh lieben einander nicht. Ihr aber werdet nicht viele Dschiaf finden, denn es hat sich ein Stamm der Bilba aus Persien heraufgezogen. Das sind die wildesten Räuber, die es gibt, und man vermutet, daß sie einen Ueberfall beabsichtigen. Darum sind die Dschiaf mit ihren Herden fortgegangen."

"Und du bleibst hier zurück?"

"Mein Herr hat es so befohlen."

"Aber die Räuber werden dir alles nehmen."

"Sie werden nur die Mauern finden, aber nichts darinnen."

"Dann wirst du ihrer Rache verfallen."

"Sie werden auch mich nicht finden. Der See ist von Schilf und Sumpf umgeben. Dort gibt es Verstecke, die kein Fremder aufzuspüren vermag. Jetzt aber erlaubt mir, mich zu entfernen, damit ich euch nicht eure Ruhe raube!"

"Bleibt die Türe hier offen?" fragte ich.

"Ja. Warum?"

"Wir sind gewohnt abwechselnd bei unseren Pferden zu wachen; daher wünschen wir, aus- und eingehen zu können."

"Ihr braucht nicht zu wachen; ich selbst werde euer Wächter sein."

"Deine Güte ist größer, als wir begehren; aber ich bitte dich, uns nicht die Zeit deines Schlafes zu opfern!"

"Ihr seid meine Gäste, und Allah gebietet mir, über euch zu wachen. Er schenke euch Ruhe und glückliche Träume!"

Ungestört genossen wir die Gastfreundschaft des freundlichen Dschiafkurden. Als wir am anderen Tage wieder aufbrachen, riet uns unser Wirt, ja nicht weiter nach Osten zu reiten, da wir dort auf die räuberischen Bilba stoßen könnten; er hielt es für das beste, den Djalah aufzusuchen und an dessen Ufer entlang die südliche Ebene zu gewinnen. Ich hatte eigentlich nicht recht Lust, diesem Rate zu folgen; denn ich dachte an die Bebbeh, auf die wir da stoßen konnten, wenn sie uns verfolgten. Aber dieser Plan erhielt das Wohlgefallen der beiden Haddedihn in dem Grade, daß ich mich endlich ihrer Meinung anschloß.

Nachdem wir Mamrahsch und seine Frau nach ihren Begriffen sehr reichlich beschenkt hatten, brachen wir auf. Eine Anzahl berittener Dschiaf gab uns auf Mamrahschs Anordnung das Geleite. Nach einigen Stunden erreichten wir das Tal, das zwischen den Höhen des Zagros und des Aroman liegt. Durch dieses Tal führt der berühmte Schamianweg, der die gerade Verbindung zwischen Sulimania und Kirmanschah bildet. An einem kleinen Flüßchen hielten wir an.

"Dies ist der Garranfluß," sagte der Anführer der Dschiaf. "Ihr habt nun den rechten Weg, denn ihr braucht nur diesem Wasser zu folgen, das in den Djalah fällt. Jetzt lebt wohl. Allah geleite euch!"

Er kehrte mit den Seinigen um, und wir waren nun wieder auf uns selbst angewiesen.

Am folgenden Tag erreichten wir den Djalah, der hinunter nach Bagdad führt. Wir ließen uns an seinem Ufer nieder, um Mittagsrast zu halten. Es war ein heller, sonniger Tag, den ich niemals vergessen werde. Rechts von uns rauschten die Fluten des Flusses; links stieg eine sanfte Höhe empor, bewachsen mit Ahornbäumen, Platanen, Kastanien und Kornelbäumen, und vor uns erhob sich allmählich ein schmaler Höhenrücken, dessen zerklüftete Felsenkrone wie die Ruine einer alten Ritterburg herniederglänzte.

Wir hatten uns von Mamrahsch einen kleinen Speisevorrat mitgenommen; dieser war jetzt zu Ende und so ergriff ich die Büchse, um zu sehen, ob ich irgend etwas Eßbares erlegen könne. Ich folgte dem erwähnten Höhenrücken wohl eine halbe Stunde lang, ohne ein Wild zu treffen, und wandte mich aus diesem Grunde wieder dem Tale zu. Ich hatte es noch nicht erreicht, als ich rechts vor mir einen Schuß fallen hörte, dem sofort ein zweiter folgte. Wer konnte hier geschossen haben? Ich beschleunigte meine Schritte, um die Gefährten zu erreichen. Als ich anlangte, fand ich nur den Engländer, Halef und Allo.

"Wo sind die Haddedihn?" fragte ich.

"Fleisch suchen," antwortete Lindsay. Auch er hatte die Schüsse gehört, meinte aber, daß die Haddedihn geschossen hätten. Wieder knallten zwei, drei Schüsse, und in kurzer Zeit darauf abermals einige.

"Um Gottes willen, schnell auf die Pferde!" rief ich. "Es gibt ein Unglück!"

Wir saßen auf und galoppierten vorwärts. Allo folgte etwas langsamer mit den Pferden der Haddedihn. Wieder krachten zwei Schüsse; dann hörten wir auch kurzen, scharfen Pistolenknall.

"Ein Kampf, wahrhaftig ein Kampf!" rief Lindsay.

Wir stürmten auf dem Wiesenrande, der den Fluß besäumte, dahin, bogen um eine Krümmung des Höhenzuges und sahen den Kampfplatz so nahe vor uns, daß wir sofort teilnehmen konnten.

Am Flusse lagen einige Kamele im Grase, und in ihrer Nähe weideten mehrere Pferde. Zu zählen wie viele Tiere es seien, hatte ich keine Zeit. Ich sah nur neben den Kamelen einen verhangenen Tachterwahn, rechts am Felsen sechs bis acht fremde Gestalten, die sich gegen eine Ueberzahl von Kurden verteidigten, und grad vor uns Amad el Ghandur, der mit dem Kolben sich gegen einen Haufen Feinde wehrte, die ihn umzingelt hatten. Hart daneben lag Mohammed Emin wie tot am Boden. Hier galt kein Fragen und kein Zagen. Ich sprengte mitten unter die Kurden hinein, nachdem ich die Büchse abgeschossen hatte.

"Da ist er, da ist er! Schont sein Pferd!" hörte ich eine Stimme rufen. Ich schaute mich um und erkannte - den Scheik Gasahl Gaboya. Er hatte sein letztes Wort gesprochen: - Halef ritt auf ihn ein und schoß ihn nieder. Nun gab es einen Kampf, dessen Einzelheiten ich nicht zu beschreiben vermag, da ich mich derselben selbst nicht einmal sofort nach Beendigung des Handgemenges zu erinnern vermochte. Der Anblick des toten Haddedihn hatte eine fürchterliche Wirkung auf uns ausgeübt. Wir wären vor Wut gegen tausend Lanzen angestürmt, wenn man sie uns entgegengestreckt hätte. Ich weiß nur, daß ich blutete, daß mein Pferd blutete, daß Schüsse knallten und die Blitze derselben an meinem Auge vorüberzuckten; daß ich Hiebe und Stöße parierte, und daß eine Gestalt an meiner Seite immer beschäftigt war, Streiche, die ich nicht bemerken konnte, von mir abzuwehren - der treue Halef. Dann bäumte sich mein Pferd gegen einen Stich, den es in den Hals erhielt - er hatte mir gegolten - es stieg hoch empor und überschlug sich; weiter sah, hörte und fühlte ich nichts.

Als ich erwachte, sah ich in das Auge meines kleinen Hadschi; es war voll Tränen.

"Hamdullillah - Allah sei Dank, er lebt! Er öffnet die Augen!" rief Halef ganz außer sich vor Entzücken. "Sihdi, hast du Schmerzen?"

Ich wollte antworten, konnte aber nicht. Ich war so matt, daß mir die Lider schwer wieder zufielen.

"Ia Allah, ïa jazik, ïa waï - o wehe, er stirbt!" hörte ich ihn noch jammern, dann wußte ich abermals nichts von mir.

Später war es mir wie im Traume. Ich hatte mit Drachen und Lindwürmern, gegen Riesen und Giganten zu kämpfen; aber plötzlich waren diese wilden, unheimlichen Gestalten verschwunden; ein süßer Duft wehte um mich her; leise Töne drangen wie Engelsstimmen an mein Ohr, und vier weiche, warme Hände waren um mich bemüht. War dies immer noch Traum, oder war es Wirklichkeit? Ich öffnete abermals die Augen.

Die jenseitigen Höhen der Berge erglühten im letzten Strahle der untergehenden Sonne und über das Tal breitete sich bereits ein Halbdunkel aus; noch aber war es hell genug, die Schönheit der zwei Frauenköpfe zu erkennen, die sich von beiden Seiten her über mich beugten.

"Dirigha, bija - o wehe, fort!" rief es in persischer Sprache; die Schleier fielen über die Angesichter, und die beiden Frauen flohen davon.

Ich versuchte, mich in sitzende Stellung zu bringen, und es gelang; dabei aber bemerkte ich, daß ich unterhalb des Schlüsselbeines verwundet war. Wie ich später erfuhr, hatte mich eine Lanze getroffen. Auch der ganze übrige Körper schmerzte mich. Es war mir, als ob ich gerädert worden sei. Die Wunde war sehr sorgfältig verbunden, und der Duft, den ich vorhin empfunden hatte, umwehte mich auch noch jetzt.

Da kam Halef herbei und sagte:

"Allah kerihm - Gott ist gnädig; er hat dir das Leben zurückgegeben; er sei gelobt in Ewigkeit!"

"Wie bist du davongekommen, Halef?" fragte ich matt.

"Sehr glücklich, Sihdi. Ich habe einen Schuß im Oberschenkel; die Kugel hat ein Loch gemacht und ist durchgegangen."

"Der Engländer?"

"Er hat einen Streifschuß am Kopfe, und es sind ihm zwei Finger der linken Hand abgeschnitten worden."

"Der arme Lindsay! Weiter!"

"Allo hat tüchtige Schläge erhalten, aber kein Blut verloren."

"Amad el Ghandur?"

"Er ist unverletzt, aber er redet nicht."

"Und sein Vater?"

"Ist tot. Allah gebe ihm das Paradies!"

Er schwieg und ich ebenso. Die Bestätigung des Todes meines alten Freundes erschütterte mich. Nach einer langen Pause erst fragte ich Halef:

"Wie steht es mit meinem Rappenhengste?"

"Seine Wunden sind schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Du weißt noch nicht, wie alles gekommen ist. Soll ich es dir erzählen?"

"Jetzt nicht. Ich will versuchen, zu den Andern zu gehen. Warum lag ich entfernt von ihnen?"

"Weil die Frauen des Persers dich verbinden wollten. Er muß ein sehr vornehmer und reicher Herr sein. Wir haben bereits ein Feuer angemacht, du wirst ihn bei demselben finden."

Das Aufstehen verursachte mir zwar einige Schmerzen, aber mit Halefs Hilfe gelang es, und auch das Gehen brachte ich fertig. Unweit des Ortes, wo ich gelegen hatte, brannte ein Feuer, zu dem mich Halef führte. Die lange Gestalt des Engländers kam mir entgegen.

"Behold, da seid Ihr ja, Master! Habt einen famosen Sturz getan, habt aber ganz verteufelt feste Rippen, wie es scheint. Wir hielten Eure Betäubung für Tod."

"Wie steht es mit Euch? Ihr habt den Kopf und die Hand verbunden?"

"Habe eine Schramme, grad an der Stelle, wo die Phrenologen den Verstand vermuten. Es sind etliche Haare und ein Stück Knochen weg; hat aber nichts zu sagen. Yes! Freilich sind auch zwei Finger fort; war grad nicht notwendig!"

Mit dem Engländer hatte sich eine zweite Gestalt vom Feuer erhoben. Es war ein Mann von stolzer Haltung und schönem ebenmäßigen Wuchs. Er trug lange und sehr weite, aus roter Seide gefertigte Sirdschame (* Pantalons.), ein weißseidenes Pirahan (** Hemd.) und ein bis unter das Knie reichendes, enges Alkalik (*** Westenartiges. Unterkleid.). Darüber hatte er noch ein dunkelblauseidenes Kaba († Rock.) an und ein fein wollenes Balapusch (†† Oberkleid.) von derselben Farbe. An einem feinen Kaschmir, der um die Hüften geschlungen war, hing ein kostbarer Säbel, neben dem die vergoldeten Griffe zweier Pistolen, eines Dolches und eines Kinschals (††† Krummes, messerartiges Schwert zum Kopfabschneiden.) funkelten. Seine Füße steckten in Saffian-Reitstiefeletten, und auf dem Kopfe trug er die bekannte persische Lammfellmütze, um die ein kostbarer, weiß und blau gestreifter Schal gewunden war.

Er trat auf mich zu, verbeugte sich und sprach:

"Mi newahet kjerdem tura - ich mache dir mein Kompliment!"

"Mi scheker kjerdem tura - ich danke dir!" antwortete ich unter einer ebenso höflichen Verbeugung.

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