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作者:德- Karl May 当前章节:15430 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Emir, neberd azmaï - Emir, du bist schlachtenkundig!"

"Mir, pahawani - Herr, du bist ein Held!"

"Puradarem tu - ich bin dein Bruder!"

"Wafaldarem tu - ich bin dein Freund!"

Wir reichten einander die Hände; dann hatte er die Höflichkeit, zu sagen:

"Deinen Namen habe ich bereits gehört. Nenne mich Hassan Ardschir-Mirza und betrachte mich als deinen Diener!"

Er hatte den Titel "Mirza", den in Persien ein Prinz zu führen pflegt; er war also jedenfalls eine bedeutende Persönlichkeit.

"Nimm du auch mich unter deinen Befehl!" antwortete ich ihm.

"Diese acht Männer sind mir untergeben; du wirst sie kennen lernen."

Er deutete dabei auf acht Gestalten, die respektvoll in der Nähe standen, und fuhr dann fort:

"Du bist der Herr des Lagers. Setze dich."

"Ich gehorche deinem Wunsche; erlaube mir aber vorher, meinen Freund zu trösten!"

Nicht weit vom Feuer lag die Leiche des Mohammed Emin. Bei ihr saß, uns den Rücken zukehrend, bewegungslos sein Sohn Amad. Ich trat zu ihm. Der alte Haddedihn war durch die Stirn geschossen, und sein langer, weißer Bart war rot gefärbt von dem Blute einer weit klaffenden Halswunde. Ich kniete bei ihm nieder, sprachlos vor Herzensweh. Dann nach längerer Zeit, als es mir gelungen war, meiner Bewegung Herr zu werden, legte ich Amad die Hand an den Arm.

"Amad el Ghandur, ich klage mit dir!"

Er antwortete nicht und regte sich nicht. Ich gab mir alle Mühe, ihn zu einer Aeußerung zu bringen, aber vergebens. Es war, als habe ihn der Schmerz in eine Statue verwandelt. Ich kehrte also zum Feuer zurück, um an der Seite des Persers Platz zu nehmen. Dabei wäre ich fast über den Kohlenbrenner gestolpert, welcher auf dem Bauche lag und leise klagte.

Ich untersuchte ihn: - er hatte nicht eine einzige Verletzung, aber es waren ihm einige Hiebe oder Stöße zuteil geworden, die ihm noch Schmerzen verursachen mochten. Es gelang mir leicht, ihn zu trösten.

Auch Hassan Ardschir-Mirza war unverwundet, aber seine Leute fand ich übel zugerichtet; doch ließ keiner von ihnen im geringsten merken, daß er Schmerzen leide.

"Emir," sagte er, als ich neben ihm Platz genommen hatte, "du kamst zur rechten Zeit; du bist unser aller Retter!"

"Es freut mich, dir gedient zu haben!"

"Ich werde dir berichten, wie es geschehen ist."

"Erlaube mir vorher, mich nach dem Nötigsten zu erkundigen! Die Kurden sind geflohen?"

"Ja; ich habe ihnen zwei meiner Diener nachgesendet, die sie beobachten sollen. Es waren über vierzig. Sie haben sehr viele Leute verloren, während wir nur einen einzigen beklagen, deinen Freund. Wohin geht euer Weg, Emir?"

"Nach den Weidegründen der Haddedihn jenseits des Tigris. Wir waren zu einem Umweg gezwungen."

"Der meinige führt nach Süden. Ich hörte, daß du in Bagdad gewesen bist?"

"Nur kurze Zeit."

"Kennst du den Weg dorthin?"

"Nein, doch ist er leicht zu finden."

"Auch der von Bagdad nach Kerbela?"

"Auch dieser. Willst du nach Kerbela?"

"Ja. Ich will das Grab Hosseïns besuchen."

Diese Nachricht erweckte meine Teilnahme im höchsten Grade. Er war ein Schiit; ich wünschte im stillen, die interessante Reise mit ihm machen zu können.

"Wie kommt es, daß du deinen Weg durch diese Berge nimmst?" fragte ich.

"Um den räuberischen Arabern zu entgehen, die an dem gewöhnlichen Pilgerpfade auf Beute lauern."

"So bist du dafür den Kurden in die Hände gefallen. Kommst du von Kirmanschah?"

"Von noch weiter her. Wir lagerten hier bereits seit gestern. Einer meiner Diener war in den Wald gegangen und sah von fern die Kurden kommen. Auch sie bemerkten ihn; sie eilten ihm nach und kamen so zu unserm Lager, das sie überfielen. Während des Kampfes, in dem wir unterliegen zu müssen glaubten, erschien der tapfere Greis, der dort an der Erde liegt. Er schoß sofort zwei Kurden nieder und stürzte sich in den Kampf. Dann kam sein Sohn, der gleich ihm tapfer ist; aber dennoch hätten wir unterliegen müssen, wenn nicht ihr noch erschienen wäret. Emir, dir gehört mein Leben und alles was ich habe! Laß deinen Weg so weit wie möglich mit dem meinigen gehen!"

"Ich wollte, daß es geschehen könnte. Aber wir haben einen Toten und sind verwundet. Er muß begraben werden, und wir müssen bleiben, weil sich das Wundfieber einstellen wird."

"Auch ich werde bleiben, denn meine Diener sind verwundet."

Da, mitten im Gespräche, fiel mir endlich ein, daß Dojan nicht zu sehen war. Ich fragte den Engländer nach dem Hunde, aber er konnte keine Auskunft geben. Halef hatte Dojan mitkämpfen sehen, doch wußte auch er nichts Näheres.

Die Diener des Persers brachten jetzt reichliche Speisevorräte herbei, mit denen am Feuer ein Mahl bereitet wurde. Nach dem Essen stand ich auf, um die Umgebung des Lagers zu rekognoszieren und nach Dojan zu suchen. Halef begleitete mich. Zunächst begaben wir uns zu den Pferden. Der arme Hengst lag an der Erde. Er hatte den bereits erwähnten Lanzenstich und einen ziemlich tiefen Streifschuß erhalten, war jedoch von Halef nach Kräften verbunden worden. In der Nähe lagerten die Kamele. Es waren ihrer fünf; sie wiederkäuten, und es war bereits zu dunkel, als daß ich sie hätte taxieren können. Neben ihnen lagen ihre Lasten, und in einiger Entfernung stand der Tachterwahn, die Wohnung der beiden Frauen, die entflohen waren, als ich die Augen geöffnet hatte.

"Du sahst mich stürzen, Halef. Wie ist es dann gegangen?"

"Ich dachte, du seiest tot, Sihdi, und das gab mir die Kräfte des Grimmes. Auch der Engländer wollte dich rächen, und so konnten sie nicht widerstehen. Der Perser ist ein sehr tapferer Mann, und seine Diener gleichen ihm."

"Habt ihr keine Beute gemacht?"

"Waffen und einige Pferde, die du in der Dunkelheit gar nicht bemerkt hast. Die Toten ließ der Perser in das Wasser werfen."

"Waren vielleicht auch Verwundete dabei?"

"Ich weiß es nicht. Nach dem Kampfe untersuchte ich dich und fühlte, daß dein Herz noch schlug. Ich wollte dich verbinden, aber der Perser erlaubte es nicht. Er ließ dich an den Ort tragen, an dem du erwachtest, und da verbanden dich die beiden Frauen."

"Was erfuhrst du über diese Frauen?"

"Die eine ist das Weib und die andere die Schwester des Persers. Sie haben eine alte Dienerin, die dort beim Tachterwahn kauert und immer Datteln kaut."

"Und der Perser selbst? Was ist er?"

"Ich weiß es nicht; der Diener sagt es nicht; es muß ihm verboten sein, den Stand seines Herrn zu verraten, und ich denke - - -"

"Halt!" unterbrach ich ihn. "Horche einmal!"

Wir hatten uns so weit vom Lager entfernt, daß das Geräusch desselben nicht mehr zu hören war; darum herrschte die tiefste Stille ringsumher. Während der letzten Worte Halefs nun war es mir, als ob ich einen mir sehr wohlbekannten Laut gehört hätte. Wir blieben lauschend stehen. Ja, wirklich, jetzt war der zornige Anschlag deutlich zu hören, mit dem der Windhund zu melden pflegte, daß er einen Feind gefaßt habe. Aber die Richtung, aus der dieser Ton kam, blieb ungewiß.

"Dojan!" rief ich laut. Auf diesen Ruf erhielt ich eine sehr deutliche Antwort; sie kam aus den Büschen, die den Abhang bedeckten. Wir klommen langsam empor. Zur sicheren Orientierung rief ich zuweilen den Hund, der dann stets antwortete. Zuletzt vernahmen wir das kurze, pfeifende Winseln, mit dem er seine Freude zu erkennen zu geben pflegte; das führte uns vollends zu ihm. Ein Kurde lag am Boden, und über ihm stand der wackere Hund, zum tödlichen Bisse bereit. Ich beugte mich nieder, um den Mann zu betrachten. Ich konnte seine Züge nicht erkennen, aber die Wärme seines Körpers bewies mir, daß er lebte, obgleich er es nicht wagte, sich zu rühren.

"Dojan, zurück!"

Der Hund gehorchte, und ich gebot dem Kurden, sich zu erheben. Er tat es unter einem schweren, tiefen Atemzuge, der mir bewies, daß er eine nicht gewöhnliche Angst auszustehen gehabt hatte. Ich stellte nun ein Verhör mit ihm an, und er nannte sich einen Kurden vom Stamme der Soran. Da ich wußte, daß die Soran Todfeinde der Bebbeh sind, so argwöhnte ich, er sei ein Bebbeh und gebe sich für einen Soran aus, um sich zu retten. Darum fragte ich:

"Wie kommst du hierher und in diese Lage, wenn du ein Soran bist?"

"Du scheinst ein Fremdling in diesem Lande zu sein," erwiderte er, "da du so fragen kannst. Die Soran waren groß und mächtig. Sie wohnten im Süden der Bulba, die aus den vier Stämmen der Rummok, Manzar, Piran und Namash bestehen, und hatten ihren Hauptort in Harir, der besten Residenz von Kurdistan. Aber Allah nahm die Hand von ihnen, so daß ihre Macht von ihnen ging, um sich ihren Feinden zuzuwenden. Ihr letztes Banner hatten sie in der Gegend von Keuy Sandschiak aufgeschlagen; da kamen die Bebbeh und rissen es zu Boden. Ihre Herden wurden geraubt, ihre Frauen und Mädchen fortgeführt und ihre Männer, Jünglinge und Knaben getötet. Nur wenige retteten sich, um sich in alle Welt zu zerstreuen oder in der Einsamkeit zu verbergen. Zu diesen letzteren gehöre ich. Ich wohne da oben zwischen den Felsen; mein Weib ist tot, meine Brüder und Kinder sind ermordet; ich habe nicht einmal ein Pferd, ich habe nur mein Messer und meine Flinte. Heute hörte ich Schüsse fallen und stieg hernieder, um dem Kampfe zuzuschauen. Ich sah meine Feinde, die Bebbeh, und griff zu meiner Flinte. Hinter den Bäumen versteckt, habe ich mehr als einen niedergeschossen; du kannst meine Kugeln noch in ihren Leibern finden. Ich tötete sie aus Haß und weil ich mir ein Pferd erkämpfen wollte. Da bemerkte dieser Hund die Blitze meines Gewehres und hielt mich für einen Feind. Er griff mich an. Das Messer war mir entfallen, und das Gewehr war noch nicht wieder geladen. Ich versuchte, ihn mit dem Laufe der Flinte von mir abzuhalten, und wich zurück; er aber warf mich endlich doch zu Boden. Ich sah, daß er mich zerreißen würde, wenn ich es wagte, eine Bewegung zu machen, und so blieb ich bis jetzt ruhig liegen. Es waren fürchterliche Stunden!"

Dieser Mann sprach die Wahrheit; das hörte ich; aber ich mußte dennoch vorsichtig sein.

"Willst du uns deine Wohnung zeigen?" fragte ich.

"Ja. Es ist eine Hütte aus Moos und Zweigen, mit einem Lager aus Gras und Blättern; weiter seht ihr nichts."

"Wo ist dein Gewehr?"

"Es muß hier in der Nähe liegen."

"Suche es!"

Er entfernte sich suchend, während wir beide stehen blieben.

"Sihdi," flüsterte Halef, "er wird entfliehen."

"Ja, wenn er ein Bebbeh ist. Ist er jedoch wirklich ein Soran, so wird er wiederkommen, und dann dürfen wir ihm vertrauen."

Wir brauchten nicht lange zu warten, so rief es von unten:

"Kommt herab, Herr! Ich habe beides gefunden, das Messer und auch die Flinte."

Wir stiegen zu ihm hinab. Er schien also doch ein ehrlicher Mann zu sein.

"Du wirst uns zum Lager begleiten," sagte ich.

"Gern, Herr!" antwortete er. "Aber mit dem Perser werde ich nicht reden können, denn ich spreche nur Kurdisch und die Sprache der Hagari (* Araber.)."

"Redest du das Arabische vollständig?"

"Ja, ich bin bis an das Meer hinuntergekommen und bis weit zum Phrat hinüber und kenne diese Gegenden und ihre Wege."

Ich freute mich dessen, denn es war sehr vorteilhaft für uns, diesen Mann gefunden zu haben. Sein Erscheinen erregte am Lagerfeuer Aufsehen; den meisten Eindruck aber machte es auf Amad el Ghandur, der sich bei dem Anblick des Kurden sofort aus seiner geistigen Erstarrung emporraffte.

Der junge Haddedihn-Scheik hielt den Soran-Kurden für einen Bebbeh und fuhr mit der Hand nach dem Dolch. Ich legte meine Hand auf seinen Arm und sagte ihm, der Fremde sei ein Feind der Bebbeh und stehe unter meinem Schutz.

"Ein Feind der Bebbeh! Kennst du sie und ihre Wege?" fragte er nun hastig den Soran-Kurden.

"Ich kenne sie," antwortete der Mann.

"So werde ich weiter mit dir reden."

Nach diesen Worten drehte sich Amad el Ghandur um und nahm wieder bei der Leiche Platz. Ich aber erklärte dem Perser das Zusammentreffen mit dem Soran-Kurden, und er war damit einverstanden, daß dieser Mann in unserm Lager bleiben dürfe.

Einige Zeit später kehrten die Nuker (* Reitknechte.) zurück und meldeten, daß die Bebbeh eine ziemliche Strecke gegen Süden geritten seien und sich dann auf einem Umweg rechts nach den Hügeln von Merivan zurückgewendet hätten. Wir durften nun wohl nichts mehr von ihnen befürchten, und die Perser begaben sich zur Ruhe, nachdem die nötigen Vorsichtsmaßregeln von ihnen und von uns gemeinschaftlich getroffen worden waren.

Ich suchte Amad el Ghandur auf und bat ihn, auch sich Ruhe zu gönnen.

"Ruhe?" antwortete er. "Emir, Ruhe hat nur einer: dieser Tote hier. Leider wird er nicht ruhen in den Grabstätten der Haddedihn, in die Erde gebettet von den Kindern seines Stammes, die ihn beweinen; er wird liegen in dieser fremden Erde, über der der Fluch Amad el Ghandurs schwebt. Er war ausgezogen, mich zur Heimat zu bringen. Glaubst du, daß ich diese Heimat wiedersehen werde, ohne seinen Tod zu rächen? Ich habe beide gesehen: den, der ihn stach, und auch den, der ihm die Kugel in die hohe Stirne trieb. Sie sind beide entkommen, aber ich kenne sie und werde sie zum Scheïtan senden!"

"Ich begreife deinen Zorn und verstehe deinen Schmerz; aber ich bitte dich, die Klarheit deines Auges zu bewahren. Du willst den Bebbeh nachreiten, um den Tod deines Vaters zu rächen. Hast du überlegt, was das heißt?"

"Die Thar, die Blutrache, gebietet es, und ich habe zu gehorchen. Du bist ein Christ, du begreifst uns nicht, Emir."

Er schwieg eine Weile, dann fragte er:

"Wirst du mich begleiten, Emir, zur Verfolgung der Bebbeh?"

Ich verneinte, und er senkte das Haupt mit den Worten:

"Ich wußte, daß Allah eine Erde erschaffen hat, auf der es keine wahre Freundschaft und Dankbarkeit gibt."

"Du hast wohl nur eine falsche Ansicht von Freundschaft und Dankbarkeit," erwiderte ich. "Denke zurück, so wirst du mir zugestehen, daß ich ein wahrer Freund deines Vaters gewesen bin, und dafür solltest du mir dankbar sein. Ich bin bereit, dich mit Gefahr meines eigenen Lebens nach den Weideplätzen der Schammar zu begleiten; aber eben als dein Freund muß ich dich abhalten, dich in eine Gefahr zu begeben, in der du notwendigerweise umkommen wirst."

"Ich sage noch einmal: du bist ein Christ und du redest und handelst wie ein solcher. Selbst Allah will, daß ich den Vater räche, denn er hat mir heut abend durch dich die Gelegenheit dazu gesendet. Jetzt bitte ich dich, mich allein zu lassen!"

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