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作者:德- Karl May 当前章节:15465 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Er schwieg, und ich antwortete sofort:

"Hassan Ardschir-Mirza (* Mirza heißt eigentlich "Sohn eines Herrn". Vor dem Namen bedeutet es einen gebildeten Herrn und ist ein Ehrentitel. Hinter dem Namen bedeutet aber Mirza einen Prinzen. Diesen Titel führen besonders die persischen Beglerbegs (Statthalter einer Provinz).), ich werde mit dir ziehen, solange als ich dir und den Deinigen nützlich sein kann."

Er reichte mir die Hand und sagte:

"Ich danke dir, Emir! Und deine Gefährten?"

"Sie gehen dahin, wohin ich gehe. Darf ich fragen, welches dein Ziel ist?"

"Hadramaut."

Hadramaut! Dieses Wort elektrisierte mich. Das unerforschte, gefährliche Hadramaut! Da war plötzlich alle Abspannung und aller Mißmut verschwunden, und ich erkundigte mich im lebhaftesten Tone:

"Wirst du dort erwartet?"

"Ja; ich habe einen Freund daselbst, den ich durch einen Boten von meiner Ankunft unterrichten ließ."

"Darf ich dich nach Hadramaut begleiten?" fragte ich nun. "So weit, Emir? Ein solches Opfer könnte ich vom besten Freunde nicht fordern."

"Es ist kein Opfer, das ich bringe; ich begleite dich gerne, wenn es dir genehm ist."

"So sei willkommen, Herr! Du sollst bei uns bleiben, so lange es dir gefällt. Jetzt aber muß ich dir noch mitteilen, daß ich vor der Reise nach Hadramaut erst Kerbela besuche."

"Kerbela? Ah, wir sind ja am Ende des Monates Dsu 'l hedsche, und der Moharrem bricht an. Am zehnten dieses Monates ist das große Pilgerfest in Kerbela."

"Ja; die Hadsch el mani jat (** Totenkarawane.) ist längst schon unterwegs, und auch ich ziehe nach Kerbela, um an der Leidensstätte Hosseïns meinen Vater zu begraben. Du siehst, daß es dir fast unmöglich sein wird, uns zu begleiten!"

"Warum unmöglich? Weil ich ein Christ bin, der nicht nach Kerbela gehen darf? Ich war bereits in Mekka, trotzdem nur der Moslem dort Zutritt hat."

"Man würde dich zerreißen, wenn du in Kerbela erkannt würdest!"

"Man hat mich in Mekka auch erkannt und dennoch nicht zerrissen!"

"Emir, du bist ein kühner Mann! Ich weiß, daß mein Vater in Allahs Händen ruht, ob seine Leiche nun in Teheran oder in Kerbela begraben liegt. Ich würde nie nach Kerbela, Nedschef (* Dort liegt der Kalif Ali begraben.) oder Mekka pilgern, denn Muhammed, Ali, Hassan und Hosseïn waren Menschen, wie wir es sind; aber ich habe den letzten Willen meines Vaters, der in Kerbela ruhen wollte, getreu zu erfüllen und werde mich aus diesem Grunde der Totenkarawane anschließen. Willst du an meiner Seite bleiben, so bin ich es nicht, der dich verraten würde; auch mein Haus wird schweigen; aber meine Diener teilen nicht meine Meinung über die Lehre des Propheten; sie würden die ersten sein, die dich töteten."

"Laß dies nur meine Sorge sein. Wo wirst du deine Kamele treffen?"

"Kennst du Ghadhim bei Bagdad?"

"Die Perserstadt? Ja; sie liegt am rechten Ufer des Tigris, Madhim gegenüber, und ist mit Bagdad durch eine Pferdebahn verbunden."

"Dort erwarten mich meine Kameltreiber, die auch die Leiche meines Vaters bei sich haben."

"So begleite ich dich zunächst bis dorthin, und das übrige wird sich finden. Aber, bist du in Ghadhim sicher?"

"Ich hoffe es. Zwar werde ich verfolgt, aber der Pascha von Bagdad würde mich nicht ausliefern."

"Traue keinem Türken; traue auch keinem Perser! Du bist so vorsichtig gewesen, durch Kurdistan zu gehen; warum willst du diese weise Vorsicht jetzt aufgeben? Du kannst Kerbela erreichen, auch ohne daß du dich der Leichenkarawane anschließest."

"Ich kenne keinen Weg."

"Ich werde dich führen."

"Kennst du die Pfade?"

"Nein, aber ich werde sie finden. Allah hat mir die Gabe verliehen, ohne Führer Orte zu finden, die ich noch nie betreten habe."

"Es geht dennoch nicht, Emir. Ich muß nach Ghadhim zu meinen Leuten."

"So gehe heimlich hin, und vermeide dann Bagdad und die Totenkarawane!"

"Herr, ich bin kein Feigling. Sollen meine Leute glauben, daß ich mich fürchte?"

"Gut, auch du bist kühn! Das freut mich, denn wir passen zusammen und reisen zusammen."

"Ich stimme bei, Emir, doch mache ich eine Bedingung. Ich bin reich, sehr reich; ich fordere, daß du alles, was du brauchst, nur allein von mir nimmst!"

"Dann bin ich dein Diener, der Lohn empfängt."

"Nein; du bist mein Gast, mein Bruder, dessen Liebe mir erlaubt, für ihn zu sorgen. Ich schwöre bei Allah, daß ich nicht mit dir reite, wenn du diese Bedingung nicht annimmst!"

"Du zwingst mich durch diesen Schwur, deinen Wunsch zu erfüllen. Du bist voll Güte und Vertrauen zu mir, obgleich du mich nicht kennst!"

"Du meinst, ich kenne dich nicht? Hast du uns nicht aus der Hand der Bebbeh errettet? Hat nicht Amad el Ghandur von dir erzählt? Wir werden beieinander bleiben, und ich werde für das wenige, das ich dir bieten kann, von dir Schätze erhalten, nach denen ich bisher vergebens gerungen habe, weil ich keinen fand, der sie besaß - Schätze des Geistes. Emir, ich bin kein gewöhnlicher Perser, aber ich kann mich nicht mit dir vergleichen. Ich weiß, daß in deinem Lande ein Knabe kenntnisreicher ist, als bei uns ein Mann; daß ihr in Gütern schwelgt, deren Namen wir nicht einmal kennen. Ich weiß, daß unser Land eine Einöde ist gegen das eurige, und daß der ärmste eurer Leute mehr Rechte besitzt, als der Wessir von Farsistan. Ich weiß noch vieles andere, und ich erkenne auch den Grund: ihr habt Mütter; ihr habt Frauen; wir aber haben keins von beiden. Gib uns gute Mütter, so werden unsere Kinder sich auch bald mit den euren messen können. Das Herz der Mutter ist der Boden, in dem der Geist des Kindes Wurzel schlägt. O Mohammed, ich hasse dich, denn du hast unseren Frauen die Seele genommen und sie zu Sklavinnen der Sinnenlust gemacht; du hast dadurch unsere Kraft gebrochen, unser Herz versteinert, unsere Länder verödet und alle jene, die dir folgen, um das wahre Glück betrogen!"

Er hatte sich erhoben und rief seine Anklage gegen den Propheten mit lauter Stimme aus. Ein Glück, daß keiner seiner Leute ihn zu hören vermochte! Erst nach einer beträchtlichen Pause wandte er sich wieder zu mir:

"Kennst du den Weg von hier nach Bagdad?"

"Ich bin ihn noch nie geritten, aber ich werde mich dessenungeachtet nicht verirren. Wir können zwei Richtungen einschlagen: die eine führt nach den Hamrin-Bergen im Südwest, und die andere bringt uns längs des Djalah bis hinab nach Ghadhim."

"Wie weit, denkst du, daß es von hier bis Ghadhim ist?"

"Auf dem ersteren Wege können wir in fünf, auf dem andern aber bereits in vier Tagen dort anlangen."

"Führen diese Wege durch bewohnte Gegenden?"

"Ja, und eben deshalb scheinen sie mir die besten zu sein."

"So gibt es also noch andere Wege?"

"Allerdings; aber wir müssen durch Strecken reiten, in denen nur die räuberischen Beduinen umherschweifen."

"Von welchem Stamme sind sie?"

"Es sind meist Dscherboa, über deren Grenzen zuweilen wohl auch einmal ein Trupp der Beni Lam herüberirrt."

"Fürchtest du sie?"

"Fürchten? Nein! Aber der Vorsichtige wählt unter zwei Wegen stets den ungefährlichen. Ich habe einen Paß des Großherrn bei mir, und dieser wird am Djalah und im Westen dieses Flusses respektiert, bei den Dscherboa aber nicht."

"Und dennoch möchte ich mich für den einsamen Weg entscheiden, da ich ein Flüchtling bin. So nahe der persischen Grenze, möchte ich mich von den Verfolgern doch nicht erreichen lassen."

"Vielleicht ist deine Ansicht die richtige; aber bedenke, daß der Weg durch die Steppe, deren Vegetation jetzt unter der Sonnenglut erstorben ist, für die Frauen sehr beschwerlich sein wird."

"Sie fürchten weder Hunger noch Durst, weder Hitze noch Frost; sie fürchten nur das Eine, daß ich ergriffen werde. Ich habe Wasserschläuche bei mir und Speisevorräte auf wenigstens acht Tage für uns alle."

"Und kannst du dich wirklich auf deine Leute verlassen?"

"Vollständig, Emir."

"Gut, so wollen wir durch das Gebiet der Dscherboa reiten; Allah wird uns schützen. Uebrigens werden wir, sobald wir die Ebene erreichen, sehr schnell vorwärts kommen, während deine Kamele das jetzige bergige Terrain nur mühevoll überwinden. So sind wir also einig und brauchen nur zu warten, bis unsere Wunden den Aufbruch erlauben."

"Nun erfülle mir eine Bitte," sagte er zaghaft. "Ich habe mich bei meinem Aufbruche mit allem Nötigen sehr reichlich versehen. Auf weiten Reisen verschwinden die Kleider vom Körper, und da ich wußte, daß ich bis Hadramaut keinen guten Bazar finden würde, so habe ich auch einen Vorrat an Gewändern mitgenommen. Eure Kleider sind nicht mehr euer würdig, und ich bitte dich, von mir zu nehmen, was ihr braucht!"

Dieser Vorschlag war mir ebenso willkommen als bedenklich. Hassan Ardschir-Mirza hatte recht: wir drei hätten uns in keinem zivilisierten Orte sehen lassen können, ohne für echte Vagabunden gehalten zu werden; aber ich wußte auch, daß der Engländer sich nichts schenken lassen würde, und sodann war es ja auch für mich ein Ehrenpunkt, die Freundschaft des Persers nicht gleich am ersten Tage in Anspruch zu nehmen. Uebrigens war es mir auch sehr gleichgültig, in meinem nichts weniger als hoffähigen Gewande von einem Araber gesehen zu werden. Ein echter Beduine taxiert den Mann nach seinem Pferde und nicht nach seinem Mantel, und in dieser Beziehung hatte ich die Ueberzeugung, den Neid eines jeden zu erregen. Höchstens konnte es einem Wüstensohne beikommen, mich für einen Pferdedieb zu halten, und dies war nach seiner Anschauung ja mehr eine Ehre als eine Schande für mich. Ich antwortete also dem Mirza:

"Ich danke dir! Ich weiß, wie gut du es mit uns meinst, aber ich bitte dich, uns erst in Ghadhim wieder über dieses Anerbieten sprechen zu lassen. Für die Dscherboa sind unsere Kleider noch gut genug, und für die wenigen Tage bis in die Nähe von Bagdad werden wir sie schon noch tragen können. Ich denke, daß wir - -"

Ich hielt inne, denn es war mir, als hätte ich in dem Maulbeergesträuch, das hinter den beiden Eichen stand, ein Geräusch gehört.

"Laß dich nicht stören, Emir; es war ein Tier, vielleicht ein Vogel, eine Tschelpiseh (* Eidechse.) oder Maïr-mar (** "Natterschlange", Ringelnatter.)," sagte der Mirza.

"Ich habe jede Art von Waldgeräusch studiert," antwortete ich; "dies war kein Tier, sondern ein Mensch."

Mit einigen langen Sprüngen umkreiste ich das Gesträuch und faßte einen Mann, der eben im Begriffe stand, zu entschlüpfen. Es war einer der persischen Diener.

"Was tust du hier?" fragte ich ihn.

Er antwortete nicht.

"Rede, sonst löse ich dir die Zunge!"

Jetzt öffnete er die Lippen, ließ aber nur ein unartikuliertes Stammeln vernehmen. Da trat der Mirza hinzu und sagte, als er den Mann erblickte:

"Saduk ist's? Er kann dir nicht antworten, er ist stumm."

"Aber was sucht er hier in dem Maulbeergesträuche?"

"Er wird es mir sagen; ich verstehe ihn."

Und zu dem Diener gewendet, fragte er denselben:

"Saduk, was hast du hier zu schaffen?"

Der Gefragte öffnete die Hand, in der er einige Kräuter und Wacholderbeeren hatte, und versuchte, sich durch Gebärden verständlich zu machen.

"Woher kamst du?"

Saduk zeigte nach rückwärts, dem Lager entgegengesetzt. "Wußtest du, daß wir uns hier befanden?"

Der Diener schüttelte mit dem Kopfe.

"Hast du gehört, was wir gesprochen haben?"

Dasselbe Zeichen erfolgte.

"So gehe, aber störe mich nie wieder!"

Saduk entfernte sich, und sein Herr erklärte mir:

"Saduk ist von Alwah beauftragt worden, Wacholderbeeren, wilden Lauch und andere Kräuter zu suchen, die bei der Zubereitung der Auerhühner gebraucht werden. Er ist nur ganz zufällig in unsere Nähe gekommen."

"Und hat uns belauscht," warf ich ein.

"Du hast ja gesehen, daß er dies verneinte."

"Ich glaube ihm nicht."

"O, er ist treu!"

"Sein Angesicht gefällt mir nicht. Ein Mensch mit winkeliger, gebrochener Kinnlade ist falsch; dies mag ein Vorurteil sein, aber ich habe es bisher immer bestätigt gefunden. Ist er stumm geboren?"

"Nein."

"Wodurch hat er denn die Sprache verloren?"

Der Mirza zögerte mit der Antwort, sagte aber dann doch:

"Er hat keine Zunge mehr."

"Ah! Und erst konnte er sprechen? So ist sie ihm herausgeschnitten worden?"

"Leider!" antwortete der Mirza zurückhaltend.

Ich dachte mit Schaudern an die glücklicherweise jetzt seltene Grausamkeit, ein durch die Zunge geschehenes Vergehen durch Herausschneiden oder gar Herausreißen dieses Gliedes zu bestrafen. Diese Unmenschlichkeit kam besonders im Orient und in den Sklavenstaaten Amerikas vor.

"Hassan Ardschir-Mirza," begann ich wieder, "ich sehe, daß du über diese Sache nicht gern sprechen möchtest; aber dieser Saduk gefällt mir nicht; ich könnte ihm niemals mein Vertrauen schenken, und seine Gegenwart während unseres Gespräches kommt mir verdächtig vor. Ich bin kein neugieriger Mann, aber ich habe die Gewohnheit, in gefährlichen Lagen auch dem gleichgültigsten Gegenstande meine Aufmerksamkeit zu schenken. Ich bitte dich, mir zu erzählen, wie er um seine Zunge gekommen ist."

"Ich habe ihn erprobt, Emir; er ist treu und ehrlich. Dennoch aber sollst du erfahren, was meinen Vater bewogen hat, ihn auf diese Weise zu bestrafen."

"Deinen Vater? Ah, das ist wichtig!"

"Du irrst, Emir! Dieser Saduk war in seiner Jugend Kmankasch (* Bogenschütze.) meines Vaters und hatte als solcher das Amt, der Ueberbringer seiner Befehle, Botschaften und sonstigen Sendungen zu sein. Als solcher verkehrte er viel in dem Hause des Muschtahed (** Wörtlich "Beweisführer" = Oberpriester, der in Persien noch über dem Scheik ul Islam steht.) und sah die Tochter desselben. Sie gefiel ihm, und er war ein schöner Mann. Er sprang über die Mauer des Gartens, als sie bei den Blumen stand, und wagte es, zu ihr von seiner Neigung zu sprechen. Der Muschtahed befand sich unbemerkt in der Nähe und ließ ihn festnehmen. Aus Rücksicht für meinen Vater wurde er nicht dem Urfgerichte übergeben, das ihn zum Tod verurteilt hätte; aber er hatte mit der Zunge gesündigt, und der Muschtahed drang darauf, daß mein Vater ihm die Zunge nehmen solle. Mein Vater hatte den Muschtahed sehr zu berücksichtigen, und so ließ er einen Maitschunigar (* Apotheker.) kommen, der zugleich ein berühmter Arzt war, und dem Bogenschützen die Zunge herausschneiden."

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