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作者:德- Karl May 当前章节:15486 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Wir aber bogen nun rechts in die Gebüsche ein, wo wir so schnell als möglich vorwärts drangen. Die zu durchlaufende Strecke betrug zehn Minuten, aber schon nach fünf Minuten erreichten wir unser Lager, ich schwitzend, und der Mirza heftig keuchend. Ein einziger Blick überzeugte mich, daß alles in Ordnung sei.

"Haltet euch still, es nahen Feinde!" befahl der Perser; dann sprangen wir zwischen die Büsche hindurch den Berg hinab, wo wir den ausgestellten Posten trafen. Wir brauchten hier kaum eine Minute zu warten, so erschienen die Verfolger. Uns gegenüber blieben sie halten.

"Das wäre ein schöner Platz zum Lagern," meinte der Susbaschi. "Was denkst du, Omram?"

"Der Tag neigt sich zu Ende, Herr," antwortete der Pendschahbaschi.

"Gut, bleiben wir hier! Wasser und Gras ist da!"

Das hatte ich nun allerdings nicht erwartet. Das war ja gefährlich für uns. Wir hatten zwar sonst alle Spuren vertilgt, aber an dem Platze, wo wir während der ersten Nacht gelagert hatten, war vom Feuer das Gras verzehrt und die Erde geschwärzt worden, und das hatten wir nicht ganz zu verbergen vermocht. Uebrigens bemerkte ich, daß dort, wo Saduk das Gras niedergestampft hatte, sich dasselbe zwar bereits so ziemlich, aber doch nicht ganz erhoben hatte.

"Allah 'l Allah! Was tun wir?" fragte Ardschir-Mirza.

"Zu dreien sind wir zu viel; wir können leicht entdeckt werden. Einer ist genug, und das will ich sein. Nehmt den Hund mit, geht zum Lager, und macht euch kampfbereit. Wenn ihr diesen Revolver knallen hört, so könnt ihr bleiben; hört ihr aber die Stimme dieses Stutzen, so bin ich in Gefahr, und ihr müßt mir zu Hilfe eilen. Dann mag Hadschi Halef Omar mir meine schwere Büchse mitbringen."

"Emir, ich kann dich in dieser Gefahr nicht verlassen!"

"Ich bin hier sicherer, als es die Deinigen dort oben sind. Gehe! Du hinderst mich!"

Er stieg mit seinem Diener und dem Hunde die Höhe empor, und ich blieb allein zurück. Das war mir lieb und viel bequemer, als wenn ich von einem Unerfahrenen belästigt worden wäre. Ich kam ja nur dann in Gefahr, wenn es dem Susbaschi einfiel, das Gebüsch durchsuchen zu lassen; aber dieser persische Rittmeister war kein Indianerhäuptling; das sah ich an der ganzen nachlässigen Art, wie er die Lagerung vor sich gehen ließ.

Die Pferde wurden abgesattelt und freigelassen. Sie rannten sofort zum Wasser und zerstreuten sich nach Belieben. Jedenfalls kannte ein jedes Pferd den Ruf seines Besitzers. Die Reiter warfen ihre Lanzen von sich, legten ihre Sachen ordnungslos auf den Boden und streckten sich dann da und dort im Grase aus. Nur der Pendschahbaschi ging das Terrain ab und kam auch an die Feuerstelle. Er bückte sich, um dieselbe zu untersuchen, und rief dann:

"Purtu we diwbad - Blitz und Sturm, was finde ich da!"

"Was?" fragte sein Vorgesetzter, indem er emporsprang.

"Hier war ein Feuer. Hier haben sie übernachtet."

"Hallejah (* Halleluja, Lobet den Herrn, Gott sei Dank!)! Wo?"

"Jadscha - hier!"

Der Susbaschi eilte hin, untersuchte den Ort und bestätigte die Richtigkeit der Wahrnehmung. Dann fragte er:

"Ist ein Zeichen gemacht?"

"Ich sehe keines," antwortete der Leutnant. "Es wird Saduk nicht möglich gewesen sein. Morgen werden wir es finden. Hier können auch wir ein Feuer machen. Nehmt Mehl und macht Brot!" -

Als ich diese Soldaten so sorglos wirtschaften sah, erkannte ich, daß uns vor ihnen nicht im mindesten bange zu sein brauchte. Sie machten sich ein riesiges Feuer an, mengten Mehl und Flußwasser zu einem dicken Brei, der in den Händen gequetscht, gedrückt und gerollt und dann auf den Lanzenspitzen über das Feuer gehalten wurde. Das war das Brot, das sie in noch halb rohem und in halb verbranntem Zustande zerrissen und heißhungrig verschlangen. Wie hätte diesen Vaterlandsverteidigern eine Portion Erbswurst gemundet!

Dies war ihre ganze Abendmahlzeit.

Als die Dämmerung hereinbrach, leierten sie ihr Gebet ab und rückten dann dem Feuer näher, um sich ihre Märchen aus »Tausend und eine Nacht« zum tausend und ersten Male zu erzählen. Ich sah ein, daß ich hier so ziemlich überflüssig sei, und schlich geräuschlos zum Lager hinauf. Dort brannte kein Feuer, ein jeder saß vollständig kampfbereit an seinem Platze. Saduk lag noch zwischen Halef und dem Engländer. Man hatte seine Fesseln verdoppelt und ihm auch einen Knebel gegeben.

"Wie steht es, Emir?" fragte der Mirza.

"Gut," antwortete ich.

"Sind sie fort?"

"Nein."

"Wie kann es dann gut stehen?"

"Weil diese Ihlats samt ihrem fürchterlichen Maktub Agha die größten Nadanan (* Dummköpfe.) sind, die ich gesehen habe. Wenn wir uns während der Nacht ruhig verhalten, so werden sie in der Frühe abziehen, ohne uns im geringsten zu belästigen. Halef, kannst du mit deinem Beine hinunter?"

"Ja, Sihdi."

"So übergebe ich sie dir, denn auf dich kann ich mich am besten verlassen. Du bleibst unten, bis ich dich ablöse."

"Wo wirst du mich suchen?"

"Sie haben ein Feuer, und grad oberhalb desselben steht eine alte, verkrüppelte Pinie. An ihrem Stamme werde ich dich treffen."

"Ich gehe schon, Sihdi. Die Flinte lasse ich hier; sie ist mir im Wege. Mein Messer ist scharf und spitz, und wenn einer dieser Dummköpfe es wagen wollte, heraufzusteigen, so soll er unten in der Dschehennah an Hadschi Halef Omar denken! Allahi, wallahi, tallahi, ich habe es gesagt!"

Er huschte leise fort. Sein Nachbar, der Engländer, faßte mich am Arme.

"Master, wo bleibt denn Euer Verstand? Ich sitze hier und verstehe kein Wort. Ich weiß, daß da unten ein Haufe Perser sitzt, aber weiter nichts. So rückt doch heraus mit der Sprache!"

Ich erklärte ihm in Kürze den ganzen Vorgang, und dennoch dauerte dem Mirza diese Auseinandersetzung zu lange. Er unterbrach mich mit der Frage:

"Emir, darf ich die Ihlats nicht einmal sehen?"

"Kannst du dich geräuschlos über Wurzeln und Laub, durch Aeste und Zweige bewegen?" lautete meine Gegenfrage.

"Ich glaube es und werde vorsichtig sein."

"Hast du gelernt, Husten und Niesen unbedingt zu unterdrücken?"

"Das ist unmöglich!"

"Es ist nicht unmöglich; es ist nicht einmal schwer, wenn man sich darin gehörig geübt hat. Aber wir wollen es wagen; vielleicht können wir sie belauschen und etwas Wichtiges hören. Wenn dir ein Reiz in die Kehle oder Nase kommt, so lege den Mund fest auf die Erde und bedecke den Kopf. Wer einen Andern beschleichen will, darf nie durch die Nase Atem holen; dann ist das Niesen ausgeschlossen. Wer in der Nähe eines Feindes husten muß, der huste mit eingehülltem Kopfe in die Erde hinein und ahme dabei, wenn es Nacht ist, den Ruf des Uhu nach. Ein echter, erfahrener Schekarji (* Jäger.) aber wird nie husten oder niesen. Komm!"

Ich schlich voran, und er folgte mir. Ich suchte ihm alles aus dem Wege zu räumen, was ihm hinderlich sein konnte, und so kamen wir seitwärts von Halefs Standpunkte glücklich unten am Saume des Gebüsches an, wo wir uns leicht im tiefen Schatten der Sträucher verbergen konnten. Nur zwölf Schritte von uns entfernt loderte das Feuer. Die beiden Offiziere saßen ganz in der Nähe desselben, und die Anderen bildeten einen Dreiviertelkreis um die Flamme. Hier und da fiel der flackernde Schein derselben auf die Gestalt eines der Pferde, die zerstreut in der Umgegend weideten oder bereits am Boden lagen.

Hassan Ardschir-Mirza sagte nicht das leiseste Wort; aber ich hörte es seinen Atemzügen an, daß er sich in Aufregung befand. Er war gewiß mutig und in der Führung der Waffen erfahren, aber seine jetzige Lage war eine solche, in der er sich noch nie befunden hatte. Auch mir hatte ja das Herz geklopft, als ich zum erstenmal einen Trupp Sioux belauschte, der ausgezogen war, um mich zu fangen. Jetzt freilich hatte mich die Erfahrung kühler gemacht.

Die Ihlats schienen überzeugt zu sein, sich ganz allein in dieser Gegend zu befinden; denn ihre Unterhaltung war eine so laute, daß man sie sicher jenseits des Flusses noch hören konnte. Eben, als wir unser Versteck erreicht hatten, fragte der Pendschahbaschi:

"Wirst du ihn lebendig ergreifen?"

"Wenn er sich lebendig fangen läßt, ja."

"Und ihn lebendig zurückbringen?"

"Ich bin kein Tor. Sagt einmal, ihr Männer, wollt ihr ihn tot oder lebendig haben?"

"Tot!" rief es im Kreise.

"Natürlich! Wir haben den Befehl, ihn zu verfolgen, und, wenn wir ihn nicht lebendig fangen, doch seinen Kopf zu bringen. Führen wir ihn lebendig zurück, so müssen wir auch alles, was er bei sich hat, übergeben. Bringen wir aber seinen Kopf, so werden wir nach allem andern nicht gefragt."

"Er soll all sein Geld und seine Kostbarkeiten aufgeladen haben," bemerkte der Leutnant.

"Ja, dieser Sohn eines verfluchten Serdar (* Obergeneral.) war sehr reich; er hat acht oder zehn Kamele mit seinen Schätzen bepackt; wir werden eine kostbare Beute machen und viel zu teilen haben."

"Doch sage, Susbaschi, was wirst du tun, wenn sich der Mirza unter den Schutz eines Scheiks oder eines türkischen Beamten begibt?"

"Ich werde nach diesem Schutz gar nicht fragen; aber dann dürfen wir nicht verraten, daß wir Perser sind; versteht ihr wohl? Uebrigens wird er gar nicht Zeit haben, sich unter einen solchen Schutz zu stellen, denn schon morgen oder übermorgen werden wir ihn ergreifen. Wir brechen mit der Morgenröte auf und werden, wie bisher, Zeichen finden, die uns ganz sicher und untrüglich leiten. Dieser Dummkopf Hassan Ardschir-Mirza glaubt, weil Saduk nicht reden kann, so könne er auch nicht schreiben. Die Zeichen, die er uns gemacht hat, sind gleichfalls eine deutliche Schrift. Jetzt legt euch um, ihr Hunde, denn wir haben nicht viel Zeit mehr zur Ruhe."

Sie folgten augenblicklich diesem Befehle, und mancher mochte bald träumen von dem Glanz der Schätze, von denen er erwartete, daß sie sich bald in seiner Hand befinden würden. Unser Lauschen hatte mir außer dem taktischen Nutzen auch noch einen andern gebracht: ich wußte nun, daß der Vater des Mirza ein Serdar gewesen war, und hielt es also für gewiß, daß Hassan Ardschir den Rang eines Generals bekleidet hatte. Es mußten bedeutende Personen sein, vor deren Rache er sich zur Flucht gewandt hatte.

Als die Ihlats sich in ihre Decken gehüllt hatten, machten wir uns leise davon.

"Emir," begann der Mirza, als wir aus der Hörweite waren, "ich habe diesen Susbaschi und diesen Pendschahbaschi mit vielen Wohltaten überhäuft. Diese beiden müssen sterben!"

"Sie sind deiner Beachtung gar nicht wert; sie sind Hunde, die man hinter dir hergehetzt hat; zürne nicht ihnen, sondern zürne ihren Herren!"

"Sie wollen mich ermorden, um meine Schätze zu erhalten."

"Sie wollen es, aber sie werden es nicht tun. Wir wollen in unserm Lager darüber sprechen. Schleiche dich nun allein zurück; ich werde bald nachkommen."

Er entfernte sich nur widerwillig. Als ich von seinen leisen Bewegungen nichts mehr vernahm, schlich ich mich hinüber zu Halef und gab ihm flüsternd die nötigen Verhaltungsmaßregeln. Dann machte ich einen Bogen um den Ruheplatz der Ihlats, so daß ich zur rechten Seite desselben den Saum der Sträucher und den Fluß erreichte, und schritt hierauf in südlicher Richtung weiter. Nach ungefähr zwei Minuten brach ich eine kleine Erle um, so daß ihr Gipfel nach Süden zeigte, und nach weiteren fünf und zehn Minuten tat ich zweimal ganz dasselbe. Bei dem letzten Zeichen machte der Fluß eine scharfe Biegung, die mir für meine Absichten sehr zustatten kam. Alsdann kehrte ich in unser Lager zurück.

Ich hatte zu meiner kleinen Exkursion doch eine halbe Stunde gebraucht und fand den Mirza bereits in Sorge um mich. Auch der Engländer fragte:

"Wo lauft Ihr herum, Sir? Sitze da wie ein Waisenknabe, um den sich niemand kümmert; habe diese Sache satt! Well!"

"Beruhigt Euch! Ihr werdet bald Beschäftigung erhalten."

"Schön! Gut! Schlagen wir die Kerls tot?"

"Nein; aber wir werden sie ein wenig an der Nase herumführen."

"Freut mich! Sollten dabei nur solche Nasen haben wie ich. Yes! Wer wird dabei sein?"

"Nur Ihr und ich, Sir."

"Desto besser. Wer allein arbeitet, hat auch die Ehre allein. Wann geht die Geschichte los?"

"Kurz vor Anbruch des Tages."

"Erst? Dann lege ich mich noch ein wenig auf das Ohr."

Er wickelte sich ein und war bald in Schlaf gesunken.

Hassan Ardschir-Mirza war begierig, sich mit mir beraten zu können, und dort an der Scheidewand sah ich drei weibliche Gestalten stehen, die die Sorge getrieben hatte, unsere Unterhaltung lieber direkt anzuhören, als sich später über dieselbe berichten zu lassen.

"Wo warst du jetzt, Emir?" fragte er.

"Ich wollte dir Zeit lassen, nachzudenken und dich zu beruhigen. Ein kluger Mann fragt nicht seinen Zorn, sondern seinen Verstand um Rat. Dein Zorn wird sich gelegt haben; nun sage, was du zu tun gedenkst."

"Ich werde diese Menschen mit meinen Leuten überfallen und töten!"

"Diese dreißig starken und gesunden Männer mit deinen Verwundeten?"

"Du und deine Begleiter, ihr werdet uns beistehen."

"Nein, das werden wir nicht tun. Ich bin kein Barbar, sondern ein Christ. Mein Glaube gestattet mir, mein Leben zu verteidigen, wenn es angegriffen wird; sonst aber gebietet es mir, das Leben meines Bruders zu achten. Das heilige Buch der Christen befiehlt: »Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und aus allen deinen Kräften, und deinen Nächsten, wie dich selbst!« Also muß mir das Leben meines Nächsten ebenso heilig sein, wie das meinige."

"Aber diese Männer sind ja nicht unsere Brüder, sondern unsere Feinde!"

"Sie sind dennoch unsere Brüder. Der Kuran der Christen sagt: »Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tuet wohl denen, die euch beleidigen und verfolgen; dann seid ihr Kinder eures Vaters im Himmel!« Ich muß diesem Befehle Gehorsam leisten, denn ich bin ein Christ."

"Aber dieser Befehl ist nicht klug, ist nicht vorteilhaft. Wenn du ihn befolgst, so mußt du ja in jeder Gefahr umkommen und in einem jeden Kampfe den kürzeren ziehen!"

"Im Gegenteile! In diesem Befehle liegt der Inbegriff der göttlichen Weisheit verborgen. Ich habe mich in mehr und größeren Gefahren befunden und bin viel öfters in der Lage gewesen, mich zu verteidigen, als tausend andere; aber ich lebe noch, ich habe stets gesiegt, denn Gott beschützt denjenigen, der ihm gehorsam ist."

"So willst du mir nicht helfen, Emir, trotzdem du mein Freund bist?"

"Ich bin dein Freund und werde es dir auch beweisen; aber ich frage dich: willst du, Hassan Ardschir-Mirza, ein feiger Meuchelmörder sein?"

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