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作者:德- Karl May 当前章节:15432 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Sir David!"

Er hörte mich sofort, sprang empor und zog das Messer.

"Wer da? Oh! Ah! All right! Ihr seid es, Master?"

"Yes! Wie geht es Euch?"

"Gut, vortrefflich! Sehr schön hier in Ghadhim!"

"Seht mich an, wie ich schwitze! Diese Sonnenglut ist höllisch."

"Well! Legt Euch her, und schlaft mit!"

"Wir haben anderes zu tun. Zunächst will ich aber endlich essen."

"Klatscht einmal in die Hände, so wird der Kerl gleich kommen."

"Habt Ihr's probiert?"

"Yes! Konnte ihn aber leider nicht verstehen. Verlangte Porter, da brachte er Mehlbrei; verlangte Sherry, da brachte er Datteln. Schauderhaft!"

"So will ich sehen, ob es mir besser gelingt."

Ich klatschte, und sogleich erschien jener dienstbare Geist, welcher vorher den Agha bedient hatte. Ich sagte ihm zunächst, daß ich an die Stelle des Mirza Selim Agha getreten sei.

"Herr, befiehl, wie ich dich nennen soll!" erwiderte er.

"Mich nennst du Emir, und dieser Mirza hier ist ein Bey. Sorge sofort für eine Mahlzeit."

"Was willst du essen, Emir?"

"Was du hast. Vergiß das frische Wasser nicht! Du bist also der Küchenmeister?"

"Ja, Emir. Ich hoffe, du wirst mit mir zufrieden sein."

"Wie wurdest du von dem Agha bezahlt?"

"Ich legte aus, was ich brauchte, und alle zwei Tage bezahlte er mich."

"Gut, so werden wir es dann auch halten. Jetzt gehe!"

In kurzer Zeit hatte ich eine Auswahl der hauptsächlichsten Nahrungs- und Genußmittel, welche Bagdad zu bieten vermag, und mein guter Lindsay-Bey langte noch einmal zu.

"Seid Ihr diesen Kerl los, Master, den Agha?" erkundigte er sich.

"Ja; er bleibt einstweilen bei seinem Herrn. Ich fürchte, er sinnt auf Rache."

"Pshaw! Feigling! Aber wißt Ihr, was wir nach dem Essen tun? Fahren mit der Pferdebahn nach Bagdad und kaufen uns Kleider."

"Ich tue mit, denn das ist sehr notwendig. Dabei kann ich gleich gewisse Erkundigungen einziehen, welche noch notwendiger sind. Ich suche nämlich nach einem Käufer für die Effekten des Mirza, von denen ich jetzt wieder einige Kamelladungen mitgebracht habe."

"Ah! Oh! Was ist's?"

"Herrliche Sachen, die um einen Spottpreis fortgehen sollen. Wäre ich ein reicher Mann, so kaufte ich alles."

"Nennt mir einiges!"

Ich nahm das persisch geschriebene Verzeichnis heraus und las es ihm vor.

"Oh! Ah!" rief er. "Was soll es kosten?"

Ich nannte ihm die Summe.

"Ist's so viel wert?"

"Unter Brüdern das Doppelte."

"Well! Gut! Schön! Braucht nicht zu suchen! Weiß selbst einen Mann, der es kauft!"

"Ihr? Wer ist es denn?"

"David Lindsay ist's! Yes!"

"Ist's möglich, Sir! Oh, da nehmt Ihr mir eine schwere Sorge ab! Aber wie steht es mit dem Gelde, Sir? Der Mirza will natürlich sogleich Bezahlung haben."

"Geld? Pshaw! Geld ist da! So viel hat David Lindsay-Bey!"

"Wie glücklich! Das also wäre abgemacht; nun aber kommt die andere Hälfte; ich meine nämlich diejenigen Gegenstände, welche bisher dem Agha anvertraut gewesen sind."

"Ist's viel?"

"Das muß sich erst finden. Ich habe ein Verzeichnis hier und werde morgen die Ballen öffnen, um ihren Wert zu taxieren oder taxieren zu lassen; dann erst kann ich wissen, welche Summe ich aus ihnen lösen will."

"Schöne Sachen, he?"

"Versteht sich! Seht, da sind zum Beispiel saracenische Kettenpanzer, drei Stück, eine kostbare Rarität für eine jede Sammlung; Schwerter aus Lahore-Stahl geschmiedet, noch kostbarer als die echten Damascener; viele Flaschen echtes Rosenöl, goldene und silberne Brokate, echte Teppiche, persische Schals aus Kermanwolle, ganze Ballen des seltensten Seidenzeuges und so weiter. Da gibt es Altertümer von fast unschätzbarem Werte. Wer diese Sachen kaufen und sie auf dem abendländischen Markte einzeln wieder losschlagen wollte, der würde ein sehr bedeutendes Geschäft machen."

"Geschäft! Oh! Ah! Fällt mir nicht ein! Kaufe alles für mich!"

"Alles, Sir? Auch die hier verzeichneten Gegenstände?"

"Yes!"

"Aber, Sir, bedenkt die ungeheure Summe!"

"Ungeheuer? Für Euch, aber für David Lindsay nicht. Wißt Ihr, wie viel ich habe?"

"Nein. Ich habe Euch noch nie nach Euren Verhältnissen gefragt."

"So seid auch still! Meine Verhältnisse sind gut, sehr gut! Yes!"

"Ich kann mir natürlich denken, daß Ihr Millionär seid, aber es gehört auch für einen Millionär Ueberlegung dazu, eine solche Summe auf einmal und für eine Liebhaberei auszugeben."

"Tut nichts! Der Wert ist da! Habe zwar nicht so viel Geld bei mir, um alles zu bezahlen, kenne aber Leute hier. Werde Papiere schreiben, David Lindsay darunter, und viel Geld bekommen. Well! Wollen morgen die Sachen ansehen."

"Gut. Ich werde sehr unparteiisch verfahren, denn Ihr seid ebenso mein Freund, wie der Mirza es ist. Ich werde Sachverständige kommen und von ihnen die Gegenstände schätzen lassen; dann können wir handeln."

"Well! Jetzt aber in die Stadt, damit wir neue Menschen werden!"

"Nehmt einen Tschibuk mit, Sir. Wir wollen ganz à la Muselmann den Markt besuchen."

Nachdem ich meinem Halef gesagt hatte, daß wir wohl noch vor Abend zurückkehren würden, suchten wir die Pferdebahn auf. Sie befand sich schon in sehr defektem Zustande. Die Fenster waren zerbrochen, die Kissen von den Sitzen verschwunden, und vor dem Wagen rasselten die Knochen zweier Klepper, welche man getrost als "wandelnde Skelette" hätte sehen lassen können. Doch wurde Bagdad ohne Unfall von uns erreicht.

Unser Weg war natürlich sofort nach dem Kleiderbazar, welchen wir als vollständig neue Menschen verließen. Ich hatte Lindsay nicht abhalten können, für mich zu bezahlen. Auch für Halef hatte er einen vollständigen Anzug gekauft und ihn einem jungen Araber zum Tragen anvertraut, der sich uns angeboten hatte, als er uns mit dem Paket aus dem Laden treten sah.

"Wohin nun, Master?" fragte Lindsay.

"Wein, Raki, Kaffeehaus!" antwortete ich.

Lindsay bestätigte seine Zustimmung mit einem freundlichen Schmunzeln, und nach einigem Suchen fanden wir das Gewünschte. Da es zu schwer war, den Araber damit zu bepacken, so gaben wir unsere Wohnung an und baten den Händler, alles dorthin zu schicken; dann suchten wir ein abgelegenes Kaffeehaus auf, um uns beim Dufte von Mokka und persischem Tabak rasieren und überhaupt verschönern zu lassen.

Unser Träger hatte gleich vorn an der Tür Platz genommen. Er trug nichts als einen Schurz um die Lenden, aber seine Haltung war die eines Königs. Er war ganz sicher ein frei geborener Beduine. Wie kam dieser Wüstensohn dazu, den Hammal (Packträger) zu machen? Seine Physiognomie interessierte mich so lebhaft, daß ich ihm winkte, an meiner Seite Platz zu nehmen.

Er tat es mit dem Anstande eines Mannes, der sich seines Wertes bewußt ist, und nahm die zweite Pfeife, die ich ihm reichen ließ. Nach einer Weile begann ich:

"Du bist kein Türke, du bist ein freier Ibn Arab. Darf ich dich fragen, wie du nach Bagdad gekommen bist?"

"Gelaufen und geritten," antwortete er.

"Warum trägst du die Lasten anderer?"

"Weil ich leben muß."

"Warum bliebst du nicht bei deinen Brüdern?"

"Die Thar (* Blutrache.) hat mich fortgetrieben."

"So wirst du von einem Rächer verfolgt?"

"Nein, sondern ich bin der Rächer."

"Und dein Feind ist nach Bagdad geflohen?"

"Ja. Ich suche und erwarte ihn hier bereits seit zwei Jahren."

Also einer Blutrache wegen erniedrigte sich dieser stolze Araber zum Knechtesdienste!

"Aus welchem Lande bist du gekommen?"

"Herr, warum fragst du so viel?"

"Weil ich alle Länder des Islam besuche und gern wissen will, ob ich auch deine Heimat kenne."

"Ich bin aus Kara, da wo der Wadi Montisch mit dem Wadi Qirbe zusammenfließt."

"Aus der Gegend der Ssayban im Belad Beni Yssa? Dort bin ich noch nicht gewesen; ich will jenes Land erst besuchen."

"Du wirst willkommen sein, wenn du ein treuer Sohn des Propheten bist."

"Gibt es noch andere aus deinem Lande hier?"

"Einen einzigen, und dieser will wieder heim."

"Wann wird er Bagdad verlassen?"

"Sobald er Gelegenheit findet. Auch ihn hatte eine Thar nach Dar es Sallam (** Haus des Heiles = Bagdad.) geführt."

"Würde er sich wohl bereit finden lassen, uns in seinem Lande als Führer zu dienen?"

"Nicht nur als Führer, sondern als Dachyl, der euch für alles verantwortlich ist."

"Kann ich mit ihm reden?"

"Heut nicht und morgen nicht, denn er ist nach Dokhala, von wo er erst den nächsten Tag zurückkehrt. Komm übermorgen des Abends in dieses Kaffeehaus, so werde ich ihn dir bringen."

"Ich werde euch erwarten. Da du bereits zwei Jahre lang in Bagdad bist, so wirst du die Stadt gut kennen?"

"Jedes Haus, Herr."

"Kennst du nicht ein Haus, in welchem man kühl und angenehm wohnen, in dem man bleiben oder gehen kann, ohne gestört und belästigt zu werden?"

"Ich kenne ein solches Haus."

"Wo liegt es?"

"Nicht weit von demjenigen, in welchem ich wohne, in den Palmengärten im Süden der Stadt."

"Wer ist der Herr desselben?"

"Es ist ein frommer Taleb, der einsam dort lebt und keinen Mieter stören würde."

"Ist es weit bis dahin?"

"Wenn du einen Esel nimmst, so geht es schnell."

"So gehe, und bestelle drei Esel, du wirst uns führen."

"Herr, du brauchst nur zwei, denn ich werde laufen."

Es dauerte gar nicht lange, so standen zwei Esel nebst ihren Treibern vor der Tür. Es waren Schimmel, wie man sie in Bagdad so häufig trifft.

Ich und der Engländer hatten uns bisher den Rücken zugewendet, da das Verschönerungsgeschäft, welches wir auszustehen hatten, es nicht anders erlaubte. Jetzt endlich war mein Barbier fertig, und auch derjenige des Engländers klatschte in die Hände, zum Zeichen, daß das große Werk beendet sei. Wir drehten uns zu gleicher Zeit einander zu, und wohl selten hat es zwei Gesichter gegeben, welche in solcher Disharmonie zu einander standen, als in diesem Augenblick die unsrigen. Während nämlich Lindsay einen Ruf der Ueberraschung ausstieß, konnte ich nicht anders, als ich mußte in ein lautes Lachen ausbrechen.

"Was gibt's denn zu lachen, Master?" erkundigte er sich.

"Laßt Euch den Spiegel geben!"

"Wie heißt denn Spiegel hier?"

"Ajna."

"Well!" und er wandte sich an den Barbier. "Pray, the Ajna!"

Der Mann hielt ihm den Spiegel vor das Gesicht, und nun war es ganz und gar unmöglich, ohne lautes Lachen das Mienenspiel des Gentleman zu sehen. Man denke sich ein langes, schmales, von der Sonne zusammengebratenes Gesicht, von dessen unterer Hälfte ein rötlicher Semmelbart herniedertropfte; den breiten Mund, der jetzt eine vor Erstaunen wohl dreifach vergrößerte Oeffnung besaß; die lange Nase, ebenso vergrößert durch die Aleppobeule, und darüber einen vollständig kahl geschorenen, weiß glänzenden Kopf, auf dessen Scheitelpunkte nur ein einziges Zöpfchen stehen geblieben war. Und dazu das so sehr beredte Mienenspiel! Selbst der Beduine konnte ein Lächeln nicht und ein Lachen kaum bezwingen.

"Thunder-storm! Abscheulich, teuflisch!" rief Sir David. "Wo ist mein Revolver? Ich erschieße den Kerl! Ich ersteche ihn, durch und durch!"

"Ereifert Euch nicht, Sir!" bat ich. "Dieser gute Mann hatte doch gar keine Ahnung davon, daß Ihr ein Englishman seid. Er hat Euch für einen Moslem gehalten und Euch also nur das Zöpfchen gelassen!"

"Well! Richtig! Aber diese Physiognomie! Schauderhaft!"

"Tröstet Euch, Sir. Der Turban wird alles verdecken, und ehe Ihr nach Old England zurückkehrt, ist Euch das Fell wieder gewachsen."

"Fell? Oho, Master! Aber warum seht denn Ihr so wohl aus, trotzdem man Euch auch nur den Zopf gelassen hat?"

"Das liegt in der Rasse, Sir. Dem Deutschen ist es überall zu wohl!"

"Yes! Richtig! Merke es grad jetzt an Euch. Was kostet die Geschichte?"

"Ich gebe zehn Piaster."

"Zehn Piaster? Seid Ihr toll? Einen Schluck schlechten Kaffees, zwei Züge stinkenden Tabaksrauchs und den Kopf verderben - zehn Piaster!"

"Bedenkt, daß wir wie Wilde aussahen, und - jetzt!"

"Yes! Wenn Euch jetzt die alte Alwah erblickt, tanzt sie vor Wonne Menuett! Nun fort von hier! Aber wohin?"

"Eine Wohnung mieten - in irgend einer Villa draußen vor der Stadt; dieser Beduine wird uns führen. Wir reiten die beiden weißen Esel da draußen."

"Well! Schön! Vorwärts!"

Wir verließen das Kaffeehaus und bestiegen die kleinen, aber sehr kräftigen und ausdauernden Tiere. Meine Beine schleiften beinahe am Boden, und der Engländer hatte seine spitzen Kniee grad unter die Achseln einquartiert. Voran rannte der Beduine, mit seinem Knüttel rechts und links schonungslos zuschlagend, wenn jemand in den Weg zu kommen drohte. Dann kamen wir beiden Reiter, auf den Eseln hockend wie der Affe auf dem Kamele, und hinterher die beiden Besitzer der Tiere, unter heiserem Geschrei immer den hinteren Teil der Esel mit dem Stocke bearbeitend. So sausten wir durch die Gassen und Gäßchen, bis die Straßen aufhörten und die Häuser seltener wurden. Vor einer hohen Mauer hielt der Beduine still, und wir stiegen ab. Wir standen vor einem schmalen Pförtchen, an das unser Führer mit einem Steine aus allen Kräften klopfte. Es dauerte sehr lange, bis geöffnet wurde; dann sahen wir zunächst eine lange, spitze Nase und darauf ein altes, fahles Gesicht erscheinen.

"Was wollt ihr?" fragte der Mann.

"Effendi, dieser Fremdling will mit dir reden," erklärte der Führer.

Ein Paar kleine, graue Augen hefteten sich auf mich, dann tat sich der zahnlose Mund auf, und eine zitternde Stimme sagte:

"Tritt herein, aber nur du allein!"

"Dieser Emir wird mitkommen," entgegnete ich, auf den Engländer deutend.

"Ja, aber nur er, weil er ein Emir ist."

Wir traten ein, und die Pforte schloß sich hinter uns. Die dürren Füße des Alten steckten in einem Paar riesiger Pantoffel; so schlurfte er uns voran durch prachtvolle Gartenanlagen, über denen die Fächer der Palmen wankten. Vor einem hübschen Häuschen hielt er still.

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