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作者:德- Karl May 当前章节:15581 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Was wollt ihr?" fragte er.

"Bist du der Besitzer dieses herrlichen Gartens, und hast du eine Wohnung zu vermieten?"

"Ja. Wollt ihr sie mieten?"

"Vielleicht. Wir müssen sie aber erst sehen!"

"So kommt! Burza z piorunami! Wo ist mein Schlüssel!"

Während er nun in allen Taschen seines Kaftan nach dem Schlüssel suchte, hatte ich Zeit, mich von dem Erstaunen zu erholen, welches ich darüber empfinden mußte, einen alten Türken polnisch fluchen zu hören. Endlich fand er den Vermißten in einer Masche des Fenstergitters stecken und öffnete die Tür.

"Tretet ein!"

Wir kamen in einen hübschen Flur, in dessen Hintergrunde eine Treppe aufwärts führte. Rechts und links gab es Türen. Der Alte öffnete rechts und schob uns in ein großes Zimmer. Im ersten Augenblick glaubte ich, dasselbe sei grün tapeziert, dann aber bemerkte ich, daß von hohen Gestellen ringsum

grüne Vorhänge herabhingen, und was diese Vorhänge verbargen, das konnte ich erraten, wenn ich den Blick auf die lange Tafel warf, welche die Mitte des Raumes einnahm: sie war mit Büchern ganz bedeckt, und grad mir gegenüber lag, aufgeschlagen und gar nicht zu verkennen - - eine alte Nürnberger Bilderbibel. Mit einem raschen Schritte stand ich dort und legte meine Hand darauf.

"Die Bibel!" rief ich deutsch. "Shakespeare, Montesquieu, Rousseau, Schiller, Lord Byron! Wie kommen die hierher!"

Das waren die Titel nur einiger unter den vielen Werken, welche ich hier liegen sah. Der Alte trat zurück, schlug die Hände zusammen und fragte:

"Was! Sie reden deutsch?"

"Wie Sie hören!"

"Sie sind ein Deutscher?"

"Allerdings. Und Sie?"

"Ich bin ein Pole. Und der andere Herr?"

"Ein Engländer. Mein Name ist - - -"

"Bitte, jetzt keinen Namen," unterbrach er mich. "Ehe wir uns nennen, wollen wir uns zuvor selbst kennen lernen."

Er klatschte nach orientalischer Sitte in die Hände, was er einige Male wiederholen mußte; dann öffnete sich endlich die Tür, und es erschien eine Gestalt, so dick und fettglänzend, wie ich noch selten eine gesehen hatte.

"Allah akbar, schon wieder!" stöhnte es zwischen den Wurstlippen hervor. "Was willst du, Effendi?"

"Kaffee und Tabak!"

"Für dich allein?"

"Für alle."

"Viel Bohnen?"

"Packe dich!"

"Wallahi, billahi, tallahi, ist das ein Effendi!"

Mit diesem Stoßseufzer watschelte das unbegreifliche Wesen wieder ab.

"Wer war dieses Ungetüm?" fragte ich, vielleicht etwas zudringlich.

"Mein Diener und Koch."

"O wehe!"

"Ja, er ißt und trinkt das meiste selbst; erst das übrige bekomme ich."

"Das ist fast mehr als fatal!"

"Ich bin es gewohnt. Er war schon mein Diener, als ich noch Offizier war. Sie sehen ihm sein Alter gar nicht an. Er ist nur um ein Jahr jünger als ich."

"Sie waren Offizier?"

"Im Dienste der Türkei."

"Und wohnen jetzt in diesem Hause allein?"

"Allein!"

Es war über dem alten Mann eine tiefe Schwermut ausgebreitet; er interessierte mich.

"Sprechen Sie vielleicht auch englisch?"

"Ich lernte es in meiner Jugend."

"So lassen Sie uns die Unterhaltung in dieser Sprache führen, damit sich mein Begleiter nicht langweilt!"

"Gern! Also Sie kommen wirklich, um sich mein Logis anzusehen? Wer hat zu ihnen von mir gesprochen?"

"Nicht von Ihnen, sondern von Ihrem Hause - der Araber, welcher uns bis zu Ihrer Pforte brachte. Er ist Ihr Nachbar."

"Ich kenne ihn nicht; ich bekümmere mich um keinen Menschen. Suchen Sie ein Logis für sich allein?"

"Nein. Wir gehören zu einer Reisegesellschaft, die aus vier Männern, zwei Damen und einer Dienerin besteht."

"Vier Männer - zwei Damen - - hm! Das klingt ein klein wenig romantisch!"

"Ist es auch. Sie werden die Erklärung erhalten, sobald wir uns die Wohnung besehen haben."

"Sie hat kaum Platz für so viele - da kommt der Kaffee!"

Der Dicke erschien wieder, kirschrot im Gesichte. Er balancierte auf den beiden fetten Händen einen großen Präsentierteller, auf dem drei Tassen dampften; daneben lag bei einem alten Tschibuk ein Häufchen Tabak, kaum genug, einmal zu stopfen.

"Hier," krächzte er, "hier ist Kaffee für alle!"

Wir hatten uns auf den Diwan niedergelassen und nahmen

ihm das Brett ab, da es ihm unmöglich war, sich zu uns niederzubeugen. Sein Herr hielt die Tasse zuerst an den Mund.

"Schmeckt's?" fragte der Dicke.

"Ja."

Der Engländer tat dasselbe.

"Schmeckt's?" fragte der Dicke.

"Fi!"

Lindsay sprudelte das Spülichtwasser wieder von sich, und was mich betraf, so setzte ich mein Täßchen ganz einfach wieder weg.

"Schmeckt's nicht?" fragte mich der Dicke.

"Koste ihn selbst!" antwortete ich.

"Maschallah, ich trinke keinen solchen!"

Nun griff unser Wirt zur Pfeife.

"Es ist ja noch Asche drin!" tadelte er.

"Ja, ich habe vorhin daraus geraucht!" antwortete der Dicke.

"So hast du sie wieder rein zu machen!"

"Gib her!"

Er riß seinem Herrn die Pfeife aus der Hand, klopfte die Asche vor der Tür aus und kam dann wieder zurück.

"Hier! Nun kannst du stopfen, Effendi!"

Der Alte gehorchte seinem Diener, mochte aber während des Stopfens sich doch erinnern, daß wir noch gar nichts genossen hatten. Aus diesem Grunde entschloß er sich, uns das Beste und Seltenste zu bieten, was er besaß, und befahl daher:

"Hier ist der Kellerschlüssel. Gehe hinunter!"

"Gut, Effendi. Was soll ich holen?"

"Den Wein."

"Den Wein? Allah kerihm! Herr, willst du deine Seele dem Teufel verkaufen? Willst du verdammt sein in den tiefsten Abgrund der Hölle hinunter? Trinke Kaffee oder Wasser! Beides erhält das Auge klar und die Seele fromm; wer aber Scharab (* Wein.) trinkt, der gerät in das tiefste Elend und Verderben!"

"Gehe!"

"Effendi, tue es doch wenigstens mir nicht an, dich in den Krallen des Scheïtan zu wissen!"

"Sei still und gehorche! Es sind noch drei Flaschen unten; diese bringst du alle!"

"So muß ich gehorchen; aber Allah wird mir verzeihen; ich bin unschuldig an deiner Verdammung."

Er schob sich zur Türe hinaus.

"Ein origineller Geist!" bemerkte ich.

"Aber treu, obgleich er die Vorräte nicht schont. Nur über den Wein hat er keine Macht; er erhält den Schlüssel nur dann, wenn ich Wein trinken will, und sobald er die Flasche bringt, muß er den Schlüssel wieder abgeben."

"Das ist eine sehr weise Einrichtung, aber - - -"

Ich durfte nicht weiter sprechen, denn der Dicke erschien bereits wieder, wie eine Lokomotive pustend. Er hatte je eine der Flaschen unter dem Arme und die dritte in der Rechten. Er bückte sich, so viel es ihm möglich war, und stellte die Flaschen vor die Füße seines Herrn. Ich mußte mich auf die Lippen beißen, um nicht in ein unartiges Gelächter auszubrechen: zwei Flaschen waren vollständig leer, und die dritte war nur kaum noch halb voll. Sein Herr schaute ihm ganz verdutzt in das Gesicht.

"Ist denn das der Wein?" fragte er.

"Die drei letzten Flaschen!"

"Sie sind ja leer?"

"Bom bosch - völlig leer!"

"Wer hat den Wein getrunken?"

"Ich, Effendi."

"Bist du verrückt! Mir und meinen werten Gästen jetzt auf einem Zuge zwei und eine halbe Flasche Wein auszutrinken!"

"Jetzt? Auf einem Zuge? O Effendi, das ist nicht wahr, da bin ich unschuldig. Ich habe den Wein gestern, vorgestern, ehegestern und auch schon vor ehegestern getrunken, denn ich wollte alle Tage ein Glas voll haben."

"Dieb, Spitzbube, Halunke! Wie bist du denn alle diese Tage in den Keller gekommen? Ich habe ja den Schlüssel Tag und Nacht in der Tasche! Oder hast du mir ihn des Nachts gestohlen, während ich schlief?"

"Allah 'l Allah! O dieser Effendi! Ich aber sage dir, daß ich auch hieran ganz unschuldig bin!"

"Aber wie kamst du in den verschlossenen Keller, während ich den Schlüssel doch stets in meiner Tasche hatte?"

"Effendi, gestehe, ob ich jemals ein Einbrecher gewesen bin! Der Keller war ja gar nicht zu. Ich habe ihn nie verschlossen, wenn du Wein darinnen hattest!"

"Trzaskawica! Gut, daß ich das erfahre!"

"Herr, das Fluchen in einer fremden Sprache macht es nicht besser. Du hast ja für dich und deine Gäste hier noch Wein genug!"

Der Alte nahm die Flasche und hielt sie gegen das Licht.

"Wie sieht denn dieser Wein aus, he?"

"Effendi, er wird dir nicht gefährlich sein! Es war nur noch ein halbes Gläschen darin, und weil dies für drei Männer nicht reicht, so habe ich Wasser dazu geschüttet!"

"Wasser? Oh! Da - da hast du dein Wasser!"

Er holte aus und warf die Flasche nach dem Kopfe des Dicken; dieser aber bückte sich schneller, als man es ihm hätte zutrauen mögen, und die Flasche flog über ihn hinweg und an die Tür, so daß sie in Scherben zersplitterte und ihren Inhalt auf den Boden ergoß. Da schlug der Diener bedauernd die fetten Hände zusammen und rief:

"Um Allahs willen, was tust du, Effendi! Nun ist das schöne Wasser fort, welches man recht gut als Wein trinken konnte! Und diese Scherben! Die mußt du selbst auflesen, denn ich kann mich unmöglich so weit bücken!"

Damit trampelte er zur Tür hinaus.

Das war eine Szene, die ich für unmöglich gehalten hätte, wenn ich nicht selbst Augenzeuge derselben gewesen wäre. Und was mich am meisten wunderte, das war, daß der Effendi bereits gleich nach dem verunglückten Wurfe seinen Gleichmut wiedergewonnen hatte. Diese so ganz ungewöhnliche und außerordentliche Nachsicht eines Herrn gegen einen dummdreisten, anmaßenden Diener mußte unbedingt eine tief liegende Ursache haben. Der Effendi war mir ein Rätsel, welches zu lösen ich mir bereits vorzunehmen begann.

"Verzeiht, ihr Herren," bat der Pole; "es soll so etwas nie wieder vorkommen. Vielleicht erzähle ich noch, warum ich mit diesem Manne so nachsichtig bin. Er hat mir große Dienste geleistet. Stopft euch eure Pfeifen!"

Ich zog meinen eigenen Tabak heraus und schüttete ihn auf das Brett, und als dann die Pfeifen dampften, sagte er:

"Nun kommt; ich werde euch die Wohnung zeigen!"

Er führte uns zum ersten Stock empor. Dieser bestand aus vier verschließbaren Stuben, welche alle einen Teppich in der Mitte und schmale Kissen an den Wänden hatten. Unter dem Dache gab es noch zwei kleine Räume, die auch verriegelt werden konnten. Das Logis gefiel mir, und ich fragte nach dem Preise.

"Hier gibt es keinen Preis," antwortete der Alte. "Wir müssen uns als Landsleute betrachten, und so ersuche ich Sie, in Beziehung auf die Wohnung mit den Ihrigen mein Gast zu sein."

"Ich weise Ihr freundliches Anerbieten um so weniger zurück, weil es mir ja zu jeder Stunde frei steht, den Vertrag zu brechen. Die Hauptsache für mich ist, von der Welt da draußen unbeachtet und ungestört zu sein."

"Das sind Sie hier in vollständigem Maße. Wie lange gedenken Sie in meinem Hause zu verweilen?"

"Nicht lange, leider; wenigstens vier Tage und höchstens zwei Wochen. Um mich Ihnen zu erklären, erlauben Sie mir vielleicht, Ihnen ein kleines Abenteuer zu erzählen?"

"Gewiß, nehmen wir Platz. Es sitzt sich hier oben ebenso gut wie unten, und unsere Pfeifen brennen ja noch."

Wir setzten uns, und ich erzählte ihm dann von unseren Verhältnissen und von der Begegnung mit Hassan Ardschir-Mirza so viel, als mir nötig dünkte. Er hörte mit der größten Aufmerksamkeit zu, und als ich geendet hatte, sprang er empor und rief:

"Herr, Sie können getrost zu mir ziehen, denn hier wird niemand sein, der Sie belästigt oder gar verrät. Wann werden Sie kommen?"

"Morgen in der Dämmerung. Aber einen Umstand hatte ich vergessen: wir haben mehrere Pferde und auch zwei Kamele; haben Sie Platz für diese Tiere?"

"Genug; Sie haben den Hof noch nicht gesehen, welcher hinter dem Hause liegt. Sein überdachter Teil reicht hin für Ihre Bedürfnisse. Nur eins erwarte ich, daß Sie nämlich für Ihre Bedienung selbst Sorge tragen."

"Das versteht sich ganz von selbst!"

"So sind wir also einig. Ich werde Ihre Aufrichtigkeit baldigst erwidern, indem ich Sie auch mit meinen Verhältnissen bekannt mache; doch nicht heut, denn Sie haben sich bereits erhoben, und ich sehe, daß Sie noch andere Geschäfte zu besorgen haben. Wenn Sie morgen kommen, so wenden Sie sich um die Gartenmauer herum; Sie werden auf der Seite, welche dem Pförtchen gegenüberliegt, ein breites Tor finden, an dem ich Sie erwarten will."

Wir verließen den Alten, zufrieden mit unserm Erfolge, und kehrten mit unsern vorigen Begleitern nach der Stadt zurück. - -

Am andern Abend zogen wir ein: Hassan Ardschir-Mirza in Frauenkleidern, um etwaige Beobachter irre zu führen. Seine früheren Diener waren abgelohnt worden, und nur Mirza Selim Agha blieb in seiner Nähe. An Stelle der Diener trat der Araber, welcher uns gestern geführt hatte.

Der Aufenthalt in unserer neuen Wohnung brachte uns ein Ereignis, welches ich trotz seiner interessanten Natur übergehe, da mir vielleicht später Gelegenheit wird, es zu erzählen. Nur muß ich bemerken, daß ich während meiner kurzen Streifereien durch Bagdad zweimal einer Gestalt begegnete, in welcher ich Saduk wiederzuerkennen glaubte.

Als ich mit dem Perser wieder auf seinen Zug nach Kerbela zu sprechen kam, mußte ich leider bemerken, daß er sich gegen meine Begleitung abweisend verhielt. Ich konnte ihm dies unmöglich verübeln; er war ein Schiit, und sein Glaube verbot ihm bei Todesstrafe, die heiligen Stätten an der Seite eines Ungläubigen zu besuchen. Das einzige Zugeständnis, welches er mir machte, bestand in der Erlaubnis, mit ihm bis nach Hilla reiten zu dürfen, wo wir uns bis auf weiteres trennen mußten, um uns dann in Bagdad wieder zusammen zu finden. Eigentlich war er gewillt, hier die beiden Frauen zurückzulassen; doch diese erklärten sich damit nicht einverstanden und wußten ihren Bitten eine solche Dringlichkeit zu geben, daß er sich endlich doch genötigt sah, denselben nachzugeben.

Somit war ich der Verpflichtung überhoben, die Rolle eines Beschützers der Frauen übernehmen zu müssen.

Schon jetzt passierten viele Pilger die Stadt Bagdad, um sich ohne Aufenthalt nach Westen zu wenden; aber erst am fünften Muharrem vernahmen wir die Kunde, daß sich die eigentliche Todeskarawane der Stadt nähere. Sofort stieg ich mit dem Engländer und meinem kleinen Halef zu Pferde, um den Anblick dieses Schauspieles zu genießen.

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