饭饭TXT > 海外名作 > 《Von Bagdad nach Stambul》作者:[德] Karl May【完结】 > Von Bagdad nach Stambul - Karl May.txt

第 31 页

作者:德- Karl May 当前章节:15663 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Genießen? - Nun, dieser Genuß war freilich ein höchst zweifelhafter! Der Schiit glaubt, daß ein jeder Moslem, dessen Leiche in Kerbela oder Nedschef Ali begraben wird, ohne alle weiteren Hindernisse sofort in das Paradies komme. Darum ist es der heißeste Wunsch eines jeden, an einem dieser beiden Orte begraben zu sein. Da der Transport der Leichen per Karawane ein sehr kostspieliger ist, so kann er nur von den Reichen ermöglicht werden; der Arme aber, wenn er an so heiliger Stelle begraben sein will, nimmt Abschied von den Seinen und bettelt sich durch weite Länderstrecken bis zu der Grabstelle Alis oder Hosseïns, um dort seinen Tod zu erwarten.

Jahr für Jahr schlagen Hunderttausende von Pilgern den Weg nach jenen Stätten ein, aber diese Zuzüge sind am stärksten, wenn der zehnte Muharrem, der Todestag Hosseïns, naht. Dann steigen die Leichenkarawanen der schiitischen Perser, Afghanen, Beludschen, Indier etc. vom iranischen Tafellande herab; von allen Seiten werden Tote herbeigeschleppt, und sogar auf Schiffen führt man sie auf dem Euphrat herbei. Die Leichen liegen oft schon monatelang vor dem Aufbruche bereit; der Weg der Karawane ist ein weiter und höchst langsamer; die Hitze des Südens brütet mit fürchterlicher Glut auf die Strecke hernieder, welche durchzogen werden muß, und so gehört keine übermäßige Anstrengung der Phantasie dazu, sich den entsetzlichen Geruch zu denken, den eine solche Karawane verbreitet. Die Toten liegen in leichten Särgen, welche in der Hitze zerspringen, oder sie sind in Filzdecken gehüllt, die von den Produkten der Verwesung zerstört oder doch durchdrungen werden; und so ist es denn kein Wunder, daß das hohläugige Gespenst der Pest auf hagerem Klepper jenen Todeszügen auf dem Fuße folgt. Wer ihnen begegnet, weicht weit zur Seite aus, und nur der Schakal und der Beduine schleichen herbei: der eine, angezogen von dem Geruche der Verwesung, und der andere, herbeigelockt von den Schätzen, welche die Karawane mit sich führt, um sie am Ende der Wallfahrt den Händen der Grabeshüter zu übergeben. Diamantenbesetzte Gefäße, perlenbesäte Stoffe, kostbare Waffen und Geräte, gewaltige Mengen vollwichtiger Goldstücke, unschätzbare Amulette etc¨ werden nach Kerbela und Nedschef Ali gebracht, wo sie in den unterirdischen Schatzkellern verschwinden. Diese Schätze werden, um die beduinischen Räuber zu täuschen, in sargähnlicher Verpackung verborgen, aber die Erfahrung hat die unternehmenden arabischen Stämme gelehrt, diese Vorsicht unnütz zu machen. Sie öffnen bei einem Ueberfalle sämtliche Särge und kommen so ganz sicher zu den Schätzen, welche sie suchen. Der Kampfplatz bietet danach ein wüstes Bild von gefällten Tieren, getöteten Menschen, zerstreuten Leichenresten und zerschmetterten Sargtrümmern, und der einsame Wanderer lenkt sein Pferd von ihnen ab, um dem Hauche der Pest und Ansteckung zu entgehen.

Es versteht sich ganz von selbst, daß die Todeskarawane während ihrer Reise keine eng bewohnte Stadt berühren darf. Früher durfte sie ihren Weg mitten durch Bagdad nehmen. Sie zog durch Schedt Omer, das östliche Tor, ein; kaum jedoch hatte sie im Westen die Stadt verlassen, so verbreitete sich der Pesthauch über die Kalifenstadt; die Seuche begann zu wüten, und Tausende fielen der mohammedanischen Gleichgültigkeit zum Opfer, die sich mit dem schlechten Troste behilft, daß »alles im Buche verzeichnet stehe«. In neuerer Zeit ist das anders geworden, und besonders hat der so viel bewunderte und ebensoviel angefochtene Midhat Pascha unter den alten Vorurteilen und Herkömmlichkeiten aufgeräumt. Die Leichenkarawane darf jetzt nur die nördliche Grenze des Stadtbezirks berühren, um dann auf der oberen Schiffbrücke über den Tigris zu gehen. Und dort war es, wo wir sie trafen.

Ein unerträglicher Pesthauch wehte uns entgegen, als wir uns der Stelle näherten. Der Kopf des langen Zuges war bereits angekommen und traf Anstalt, sich zu lagern. Eine hohe Fahne mit dem persischen Wappen (ein Löwe mit der hinter ihm aufsteigenden Sonne) war in die Erde gesteckt; sie sollte den Mittelpunkt des Lagers bilden. Die Fußgänger saßen auf der Erde; die Reiter hatten ihre Pferde und Kamele verlassen; aber die mit den Särgen beladenen Maultiere blieben bepackt, zum Zeichen, daß der Aufenthalt nur ein vorübergehender sein werde. Nach ihnen zog sich der lange, unabsehbare Zug wie eine Schnecke herbei, welche in gerader Richtung über den Boden kriecht. Es waren braune, von der Sonnenglut eingedörrte Gestalten, die in müder Haltung auf ihren Tieren hingen oder mit abgematteten Füßen sich über den Boden schoben; aber in ihren dunkeln Augen glühte der Fanatismus, und unbeirrt durch die zahlreich anwesenden Zuschauer sangen sie ihren monotonen Pilgergesang:

"Allah, hesti dschihandar,Allah, hestem asman pejwend,Hosseïn, hesti chun alud,Hosseïn, hestem eschk riz!" (* Persisch, zu deutsch: Allah: du bist weltbesitzend,Allah, ich bin den Himmel erreichend.Hosseïn, du bist blutbespritzt,Hosseïn, ich bin Tränen vergießend.)

Wir hatten uns so nahe an die Pilger herangemacht, daß wir unmittelbar bei ihnen hielten; aber je mehr ihrer herbei kamen, desto infernalischer wurde der Gestank, so daß Halef einen Zipfel seines Turbantuches löste, um damit die Nase zu verschließen. Einer der Perser bemerkte dies und trat herzu.

"Sak - Hund," rief er, "warum verhüllst du dir die Nase?"

Da Halef das Persische nicht verstand, so übernahm ich die Antwort:

"Glaubst du, die Ausdünstung dieser Leichen sei ein Geruch des Paradieses?"

Er sah mich verächtlich von der Seite an und meinte:

"Weißt du nicht, wie der Kuran sagt? Er sagt, daß die Gebeine der Gläubigen duften nach Amber, Gul, Semen, Musch, Naschew, und Nardjin (* Ambra, Rosen, Jasmin, Moschus, Wacholder und Lavendel.)."

"Diese Worte stehen nicht im Kuran, sondern in Ferid Eddin Attars Pendnameh; merke dir das! Warum übrigens habt ihr euch denn selbst die Nase und den Mund verhüllt?"

"Das sind die Andern, aber nicht ich!"

"So beklage dich zunächst über die Deinen, und dann erst magst du zu uns kommen! Jetzt haben wir nichts mit dir zu schaffen!"

"Mann, deine Rede ist stolz! Du bist ein Sunnit. Ihr habt Herzeleid gebracht über den echten Kalifen und seine Söhne. Allah verdamme euch bis in die finsterste Tiefe der Hölle hinein!"

Er wendete sich mit einer drohenden Handbewegung von uns ab, und ich hatte nun gleich ein Beispiel des unversöhnlichen Hasses, welcher - je länger, desto heller - zwischen Sunna und Schia lodert. Dieser Mann wagte es, uns in der unmittelbaren Nähe einer Bevölkerung von Tausenden von Sunniten zu beschimpfen; wie mußte es einem Manne ergehen, den man in Kerbela oder Nedschef Ali als Nichtschiit entdeckte! -

Ich hätte gern gewartet, bis das Ende des endlos scheinenden Zuges herangekommen wäre, doch die Vorsicht trieb mich von dannen. Ich hatte mir vorgenommen, falls die Hindernisse nicht ganz unüberwindlich seien, bis nach Kerbela zu gehen, und da war es nicht geraten, mich hier unter Sunniten zur Schau zu stellen. Meine Person konnte sehr leicht irgend einem auffällig werden, der mich später wieder erkannte. Daher ritten wir bald zurück. Der Engländer war gern einverstanden; er behauptete, den Geruch nicht länger aushalten zu können, und auch der sonst so tapfere Hadschi Halef Omar ergriff die Flucht vor den mephitischen Dünsten, welche den Lagerplatz der Perser unausstehlich machten.

Zu Hause angekommen, erfuhr ich von Hassan Ardschir-Mirza, daß er sich der Karawane nicht anschließen, sondern ihr erst morgen folgen werde. Er hatte diesen Entschluß bereits Mirza Selim Agha mitgeteilt, und dieser war dann ausgegangen, um gleichfalls die persische Karawane ankommen zu sehen.

Ich weiß nicht, warum dieser Gang des Agha mir verdächtig erscheinen wollte. Daß er die Absicht hegte, die Karawane in Augenschein zu nehmen, konnte ja doch gar nichts Beunruhigendes an sich haben; aber dennoch war es, als ob sich eine Art dunkler Besorgnis in mir regte. Sogar als wir uns zur Ruhe begaben, war der Mann noch nicht zurück. Auch Halef fehlte; er war nach dem Abendbrote in den Garten gegangen und noch nicht heimgekehrt. Erst gegen Mitternacht vernahm ich leise Schritte, welche an unserer Tür vorüberschlichen, und ungefähr zehn Minuten später wurde dieselbe fast unhörbar geöffnet, und es nahte sich jemand der Stelle, an der ich lag.

"Wer ist da?" fragte ich halblaut.

"Ich, Sihdi," hörte ich Halefs Stimme. "Steh auf, und komm mit mir!"

"Wohin denn?"

"Still jetzt! Es könnte uns jemand belauschen."

"Soll ich Waffen mitnehmen?"

"Nur die kleinen."

Ich steckte das Messer und die Revolver zu mir und folgte ihm mit nackten Füßen. Er schritt voran zum hinteren Tore, und erst dort zog ich die Schuhe an.

"Was gibt es, Halef?"

"Komm nur, Effendi! Wir müssen eilen, und ich kann dir alles ja recht gut im Gehen sagen."

Er öffnete und wir verließen den Garten, indem wir das Tor nur leicht anlehnten. Ich wunderte mich, als Halef sich nicht nach der Stadt zu, sondern nach südlicher Richtung wandte; doch folgte ich schweigend, bis er selbst begann:

"Herr, verzeihe, daß ich dich in deiner Ruhe störte! Aber ich traue diesem Selim Agha nichts Gutes zu."

"Was ist's mit ihm? Ich hörte ihn vorhin nach Hause kommen."

"Laß dir erzählen! Als wir vom Lager heimkehrten und ich die Pferde in den Stall brachte, traf ich dort den dicken Diener unsers Wirtes. Er war sehr ärgerlich und schimpfte wie ein Fennek (* Wüstenfuchs.), dem eine Eidechse entschlüpft ist."

"Worüber?"

"Ueber Mirza Selim Agha. Dieser hatte die Weisung hinterlassen, ihm das Tor offen zu lassen; er werde vielleicht spät nach Hause kommen. Ich liebe diesen Mirza nicht, denn er ist dir nicht gewogen, Sihdi. Der Diener hatte ihm nachgeblickt und gesehen, daß er nicht nach der Stadt ging, sondern sich nach Mittag wandte. Was wollte der Perser außerhalb der Stadt? Effendi, du verzeihst, daß ich neugierig wurde. Ich kehrte in das Haus zurück, sprach mein Gebet und aß mein Abendbrot; aber ich konnte den Agha nicht vergessen. Der Abend war so schön, und die Sterne leuchteten am Himmel; ich konnte auch tun, was der Agha tat: ich ging spazieren, und zwar in der gleichen Richtung wie er. Ich war ganz allein; ich dachte an dich, an Scheik Malek, den Großvater meines Weibes, an Hanneh, die Blume der Frauen, und merkte dabei gar nicht, daß ich mich schon sehr weit von unserer Wohnung entfernt hatte. Da aber stand ich an einer Mauer, sie war eingefallen, und ich stieg über das Geröll hinaus in das Freie. Dort ging ich langsam weiter, bis ich einen Ort erreichte, an dem ich Bäume und Kreuze bemerkte. Es war ein Mezaristan (** Kirchhof.) der Ungläubigen. Die Kreuze glänzten im Schimmer der Sterne, und ich schritt sehr leise hinzu, denn man darf die Seelen der Ungläubigen nicht durch laute Schritte erwecken; sie werden zornig und heften sich an die Fersen des Ruhestörers. Da sah ich Gestalten auf den Gräbern sitzen. Es waren keine Geister, denn sie rauchten ihre Tschibuks, und ich hörte sie sprechen und lachen. Es waren auch keine Männer aus der Stadt, denn sie trugen die Kleidung der Perser; nur einige Araber waren darunter, und weiterhin, wo sich keine Gräber befanden, hörte ich das Hufstampfen angebundener Pferde."

"Hast du gehört, wovon die Männer redeten?"

"Sie saßen sehr entfernt von mir, und ich vernahm nur, daß sie von einer großen Beute sprachen, welche sie machen wollten, und daß nur zwei Personen leben bleiben sollten. Ferner hörte ich eine gebieterische Stimme sagen, daß sie bis zum Morgengrauen hier in dem Friedhofe bleiben würden, und dann erhob sich ein Anderer, um Abschied von ihnen zu nehmen. Er kam nahe an mir vorüber, und ich erkannte den Agha. Ich folgte ihm bis an unser Haus; dann dachte ich, daß es wohl gut sein würde, zu wissen, wer die Männer sind, mit denen er gesprochen hat, und darum weckte ich dich."

"So glaubst du, daß sie sich noch auf dem Friedhofe befinden?"

"Ja, ich glaube es."

"Es wird der Friedhof der Engländer sein, den du meinst. Ich kenne ihn von meinem ersten Aufenthalte in Bagdad her; er liegt nicht weit vom blinden Tore, und es wird gar nicht schwer sein, unbemerkt an ihn heranzukommen."

Wir schritten leise und vorsichtig demselben zu und erreichten die Bresche, welche der Zahn der Zeit in die Umfassungsmauer genagt hatte. Hier ließ ich Halef zurück, damit er mir nötigenfalls den Rückzug decken könne, und ich ging vorsichtig dem Ziele entgegen. Der Friedhof der Engländer lag nun ganz nahe vor mir; kein Lüftchen regte sich, und kein Laut unterbrach die Stille der Nacht. Ich gelangte unbemerkt bis an den nach Norden gerichteten Eingang: er war geöffnet. Ich trat leise ein und hörte sofort seitwärts das Schnauben eines Pferdes. Das Tier gehörte sicher einem Beduinen, denn nur die im Freien lebenden Rosse haben jenen eigentümlichen, ängstlich zitternden Stoß durch die Nüstern, welcher als Warnung gelten soll. Dieses Schnauben konnte meine Anwesenheit verraten und mir also gefährlich werden; ich wandte mich darum schnell nach der andern Seite und kroch auf der Erde vorwärts.

Nach einer sehr kurzen Weile sah ich es hell durch die Büsche schimmern. Ich kannte dieses Weiß; es war die Farbe arabischer Burnusse. Ich schlich mich hinzu und zählte sechs Männer, welche schlafend am Boden lagen. Es waren Araber; ein Perser war nicht zu sehen. Halef konnte sich unmöglich geirrt haben. Entweder lagen die Perser weiter abwärts oder sie hatten den Friedhof ganz verlassen. Um mir Gewißheit zu holen, schlich ich weiter, kam aber ganz in die Nähe der Pferde, ohne weiter einen Menschen bemerkt zu haben. Obgleich ich jetzt von der anderen Seite kam, wurden die Tiere bei meiner Annäherung abermals unruhig, doch konnte mich dies nicht mehr beirren; ich mußte wissen, wie viele Pferde es waren. Ich zählte sieben. Dort lagen sechs Araber, wo war der siebente? Eben wollte ich mir diese Frage stellen, als ich auf Händen und Knien liegend, von einem Manne, der sich auf mich warf, vollends zu Boden gedrückt wurde. Das war der siebente; er hatte bei den Pferden Wache gestanden. Und dieser Mann war kein Schwächling; er lag zentnerschwer auf mir und brüllte mit einer wahren Löwenstimme die andern herbei.

Sollte ich es auf einen Kampf ankommen lassen? Sollte ich mich ruhig ergeben, um vielleicht zu erfahren, was diese Leute herbeigeführt hatte? Nein, keines von beidem! Ich schnellte mich empor und nach hinten wieder zur Erde nieder; dadurch kam der Angreifende unter meinen Rücken zu liegen. Diese Bewegung mußte ihm unerwartet gekommen, oder mochte er mit dem Kopfe zu kräftig aufgeschlagen sein - ich fühlte, daß seine Arme sich von mir lösten, sprang auf und eilte dem Ausgange zu. Aber unmittelbar hinter mir hörte ich die Schritte der Verfolger. Glücklicherweise trug ich nur leichte Kleidung und leichte Waffen; es gelang ihnen nicht, mich zu erreichen. An der Bresche des Walls angekommen, zog ich den Revolver und gab zwei Schüsse ab, natürlich nur in die Luft; und als auch Halef sein Pistol abschoß, verschwanden die weißen Gestalten schnell hinter mir. Einige Augenblicke später hörten wir sie davonreiten; der Friedhof war ihnen, wenn auch nicht in Hinsicht der dort ruhenden Toten, unheimlich geworden.

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页