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作者:德- Karl May 当前章节:16069 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Wir befanden uns in einer gefährlichen Gegend und durften uns vom Lager nicht entfernen. Bevor wir alle uns schlafen legten, wurde beschlossen, morgen in einem Eilritte die Karawane zu überholen, Hilla zu erreichen und am "Turm zu Babel" das Nachtlager aufzuschlagen. Dann wollte Hassan Ardschir die Leichenkarawane vorüberlassen, um sie später wieder zu erreichen, während wir Andern seine Rückkehr erwarten sollten.

Ich war sehr müde und fühlte einen dumpfen, bohrenden Schmerz im Kopfe, obgleich ich Kopfschmerzen sonst niemals ausgesetzt gewesen bin. Es war, als ob ein Fieber im Anzuge sei, und daher nahm ich eine Dose Chinoidin, welches ich mir nebst einigen andern auf der Reise notwendigen Medikamenten in Bagdad gekauft hatte. Ich konnte trotz der Müdigkeit lange keine Ruhe finden, und als ich endlich einschlief, wurde ich von häßlichen Traumbildern beunruhigt, welche mich immer wieder weckten. Einmal war es mir, als hörte ich den gedämpften Schritt eines Pferdes, aber ich lag noch halb im Schlummer und glaubte, es sei noch im Traume.

Endlich trieb mich die Unruhe vom Lager empor, und ich trat vor das Zelt. Der Tag begann zu grauen; im Osten lichtete sich bereits der Horizont, und in jenen Gegenden dauert es nur kurze Zeit bis zur vollen Helle. Ich musterte den Gesichtskreis und bemerkte nach Morgen hin einen Punkt, welcher sich schnell vergrößerte. Schon in zwei Minuten konnte ich einen Reiter erkennen, der sich uns schnell näherte. Es war - Mirza Selim Agha. Sein Pferd dampfte, als er absprang; er selbst aber schien sehr verlegen, als er mich bemerkte. Er grüßte kurz, hing sein Pferd an und wollte dann an mir vorüber.

"Wo warst du?" fragte ich ihn kurz, aber nicht unfreundlich.

"Was geht es dich an!" antwortete er.

"Sehr viel. Männer, welche in einer so schlimmen Gegend miteinander reisen, sind sich Auskunft schuldig."

"Ich habe mein Pferd geholt."

"Wo war es?"

"Es hatte sich losgerissen und war entflohen."

Ich trat hinzu und untersuchte den Strick.

"Diese Fessel hat keinen Riß erlitten!"

"Der Knoten hatte sich gelöst."

"Danke Allah, wenn der Knoten, den man einmal um deinen Hals legen wird, auch nicht besser hält!"

Ich wollte mich von ihm wenden, aber er trat hart an mich heran und fragte:

"Was sagst du? Wie meinst du das? Ich verstehe dich nicht."

"So denke darüber nach!"

"Halt, du darfst so nicht fortgehen; du mußt mir sagen, was du mit deinen Worten gewollt hast!"

"Ich wollte dich an den Kirchhof der Engländer in Bagdad erinnern."

Er verfärbte sich ein wenig, hatte sich aber so in der Gewalt, daß er in ruhigem Tone sagen konnte:

"Der Kirchhof der Engländer? Was geht er mich an? Ich bin kein Inglis. Du aber sprachst von einem Strick um meinen Hals. Ich habe mit dir nichts zu schaffen und werde es Hassan Ardschir-Mirza sagen. Dieser mag dich unterweisen, wie du mich zu behandeln hast."

"Sage es ihm oder sage es ihm nicht, das ist mir gleichgültig, denn ich werde dich auf alle Fälle so behandeln, wie du es verdienst."

Unsere laute Unterredung hatte die Schläfer geweckt. Die Vorbereitungen zum Aufbruche waren getroffen, und dann setzten wir im Kurierschritte unsere Reise fort. Ich sah während des Rittes Selim Agha sehr eifrig auf Hassan Ardschir einsprechen, und bald darauf blieb dieser bei mir zurück.

"Emir, erlaubst du mir, mit dir über Selim zu reden?" fragte er.

"Ja."

"Du liebst ihn nicht?"

"Nein."

"Aber du möchtest ihn doch nicht beleidigen!"

"Er hat die Beleidigung hingenommen, ohne sich zu verteidigen; ich habe ihm also kein Unrecht getan."

"Ist es ein Grund, aufgehangen zu werden, wenn einem sein Pferd fortläuft?"

"Nein. Aber ein Grund zum Gehängtwerden ist es, wenn einer fortreitet, um mit Leuten zu verkehren, welche seine Gefährten überfallen sollen."

"Emir, ich habe schon bemerkt, daß deine Seele krank und dein Leib müde ist; darum sieht dein Auge alles schwarz, und deine Rede ist bitter wie die Medizin der Aloë. Du wirst wieder gesund werden und deinen Irrtum erkennen, denn dein Urteil ist gerecht gewesen, so lange ich dich kenne. Selim ist mir treu gewesen seit vielen Jahren; er wird es bleiben, bis Allah ihn von der Erde beordert."

"Und sein Schleichen nach dem Kirchhofe der Engländer?"

"War ein Zufall; er hat es mir vorhin erzählt. Der Abend war so schön, und er ging spazieren; er kam zum Friedhofe, ohne zu wissen, daß sich Leute dort befanden. Es waren friedliche Wanderer, welche von Räubern erzählten und dabei allerdings auch von Beute sprachen. Ich habe dir bereits gesagt, daß mich dies nicht irre machen kann."

"Glaubst du wirklich, daß ihm heut sein Pferd entflohen ist?"

"Ich zweifle nicht daran."

"Und glaubst du, daß Selim Agha der Mann ist, ein entflohenes Pferd im Dunkeln zu finden?"

"Warum nicht?"

"Auch wenn es sehr weit entwichen ist? Das Tier war ganz mit Schaum und Schweiß bedeckt."

"Er hat es zur Strafe sehr scharf angestrengt. Ich bitte dich, ihn besser zu beurteilen, als bisher!"

"Das soll gern geschehen, wenn er sich bestrebt, weniger heimlich zu tun, als bisher."

"Ich werde es ihm befehlen. Du aber bedenke, daß der Mensch sich irrt; nur Allah allein ist allwissend!"

Mit dieser Ermahnung schloß er unsere Unterhaltung.

Was sollte ich tun, oder vielmehr, was konnte ich tun? Ich war vollständig überzeugt, daß dieser Selim irgend eine Spitzbüberei im Schilde führte; ich war überzeugt, daß er heut nacht mit den Männern zusammengekommen war, mit denen er im Friedhof der Engländer gesprochen hatte. Wie aber wollte ich das beweisen? Ich war matt; ich hatte das Gefühl, als ob meine Knochen marklos und hohl geworden seien, und als ob mein Kopf eine große Trommel sei, auf welcher dumpf gewirbelt würde; ich merkte, daß meine Willenskraft langsam schwand und ich gleichgültig gegen Dinge ward, die sonst meine ganze Tatkraft herausgefordert hätten. Daher nahm ich auch die Bitte Hassan Ardschirs, welche einer Zurechtweisung ähnlicher war als einer Anerkennung, gleichmütig hin und nahm mir nur vor, im Stillen so viel wie möglich auf der Hut zu sein.

Unsere Tiere trugen uns schnell über den ebenen Boden dahin. Die Pilger, an denen wir vorüber kamen, mehrten sich; die Odeurs sans parfum wurden immer unerträglicher, und noch am Vormittage sahen wir die lange Linie der Karawane am westlichen Horizonte auftauchen.

"Umreiten wir sie?" fragte ich.

"Ja," antwortete Hassan, und auf einen Wink von ihm bog der Führer zur Seite, um uns aus der Spur des Zuges zu bringen.

Bald befanden wir uns allein im freien Felde, und die Luft war reiner geworden, und wir atmeten sie mit Wonne ein. Der schnelle Ritt hätte mir gefallen können, wenn uns nicht so sehr viele Gräben und Kanäle den Weg versperrt hätten. Bei meinem Kopfschmerze verursachte mir das Passieren dieser Hindernisse nicht geringe Pein, und ich war froh, als wir gegen Mittag absaßen, um die größte Tageshitze vorübergehen zu lassen.

"Sihdi," sagte Halef, der mich immer beobachtet hatte, "dein Angesicht ist grau, und deine Augen haben einen Ring; ist dir sehr unwohl?"

"Nur Kopfschmerz. Gib mir Wasser aus dem Schlauche und die Essigflasche!"

"Ich wollte, ich könnte diesen Schmerz in meinen Kopf nehmen!"

Der gute Halef! Er ahnte nicht, was ihm selbst auch bevorstand. Wäre mein Rih nicht ein so ausgezeichnetes Pferd gewesen, so hätte ich den Ritt nicht aushalten können und mich vor der alten "Aloe" schämen müssen, die wie ein ungarischer Tzikos ritt, was ich dieser persischen Huldgöttin gar nie zugetraut hätte.

Endlich, am späten Nachmittag, sahen wir zu unserer rechten Hand die Ruine El Himaar vor uns auftauchen; sie liegt nur wenig über eine Meile von Hilla entfernt. Bald erschien der vor El Mudschellibeh stehende Höhenzug und südlicher die Amran-Ibn-Ali-Stätte; wir gelangten durch die am linken Euphratufer liegenden Gärten von Hilla und ritten über eine höchst unzuverlässige Schiffbrücke in das Städtchen. Dasselbe ist berüchtigt durch sein Ungeziefer, seine selbst für den Orient grenzenlose Unreinlichkeit und seine bis zur Tollheit fanatische Bevölkerung. Wir hielten uns nur so lange auf, als nötig war, um anderthalb Schock am Wege sitzende Bettler summarisch zu befriedigen, und eilten dann weiter, dem Birs Nimrud (* Turm des Nimrod.), dem babylonischen Turm zu, der dritthalb Wegstunden im Südwesten von Hilla liegt. Da diese Stadt ungefähr die Mitte des noch vorhandenen Ruinenfeldes einnimmt, so kann man sich eine Vorstellung von der ungeheuren Ausdehnung des alten Babel machen.

Die Sonne neigte sich dem Horizonte zu, als wir neben der Ruine Ibrahim Chalil den Birs Nimrud aufsteigen sahen, umgeben von Sumpf- und Wüstenland. Die Ruine des Turmes mag heut eine Höhe von höchstens fünfzig Meter haben, und auf ihr sieht man einen vereinzelten Pfeilerschaft, der etwas über zehn Meter hoch die Umgebung beherrscht. Er ist der einzige noch aufrechtstehende Rest der "Mutter der Städte", wie Babel genannt wurde, doch auch bereits durch einen tiefen Riß in der Mitte gespalten, und wieder mußte ich an Uhland denken:

"Nur eine hohe SäuleZeugt von verschwundner Pracht;Auch diese, schon geborsten,Kann stürzen über Nacht."

Wir machten am Fuße der Ruine halt, und während die Andern ihre Vorbereitung zum Abendimbiß trafen, stieg ich empor zur Plattform, um einen Blick auf die Umgebung zu werfen. Einsam stand ich hier oben; die Sonne hatte den Horizont erreicht, und ihre Strahlen nahmen Abschied von den Trümmern einer versunkenen Riesenstadt.

Was war dieses Babel gewesen?

Am Euphrat gelegen und von demselben in zwei Teile geschieden, hatte die Stadt nach Herodot einen Umfang von 480 Stadien, also von sechzehn Meilen. Sie wurde eingefaßt von einer 50 Ellen dicken und 200 Ellen hohen Mauer, die zur Verteidigung in gewissen Zwischenräumen mit Türmen versehen war und außerdem noch von einem breiten tiefen Wassergraben beschützt wurde. Hundert Tore von Erz führten durch diese Mauer in die Stadt, und von jedem dieser Tore ging eine gerade Straße nach dem gegenüberliegenden, so daß Babel also in ganz regelmäßige Vierecke eingeteilt war. Die drei bis vier Stock hohen Häuser waren von Backsteinen erbaut, die untereinander mit Erdharz verkittet wurden. Die Gebäude hatten prachtvolle Fassaden und wurden durch freie Räume voneinander getrennt. Das Häusermeer wurde von freien Plätzen und prachtvollen Gärten angenehm unterbrochen, in denen sich die zwei Millionen Einwohner lustwandelnd ergehen konnten.

Auch die beiden Seiten des Stromes waren von hohen, starken Mauern eingefaßt, durch deren eherne Wassertore, welche des Nachts geschlossen wurden, man gehen mußte, wenn man per Schiff von dem einen Ufer zu dem andern kommen wollte. Ueber den Fluß führte außerdem eine herrliche Brücke, welche eine Breite von 30 Fuß besaß und nach Strabo eine Stadie, nach Diodor aber eine Viertelstunde lang war. Ihr Dach konnte abgenommen werden. Um bei der Erbauung derselben den Strom abzuleiten, war im Westen der Stadt ein See von 12 Meilen Umfang und von 75 Fuß Tiefe ausgegraben worden, in welchen man den Euphrat leitete. Dieser See wurde auch später beibehalten; er hatte die Wasser der Ueberschwemmungen aufzunehmen und bildete ein ungeheures Reservoir, aus welchem man bei großer Dürre mittels Schleusen die Felder bewässerte.

An jedem Ende der Brücke stand ein großer Palast; beide waren durch einen unterirdischen Gang verbunden, der unter dem Euphrat hinlief, wie z¨B¨ der Tunnel unter der Themse. Die hervorragendsten Gebäude der Stadt waren: das alte Königsschloß, über eine Meile im Umfange, der neue Palast, mit dreifachen Mauern umgeben und zahllosen Bildhauerarbeiten geschmückt, und die hängenden Gärten der Semiramis. Diese bildeten ein Quadrat von 160 000 Quadratfuß Flächenraum und wurden von einer 22 Fuß dicken Mauer umgeben. Auf großen, gewölbten Bogen erhoben sich amphitheatralisch angelegte Terrassen, zu denen man auf 10 Fuß breiten Stufen gelangte. Die Plattformen dieser Terrassen waren mit 16 Fuß langen und 4 Fuß breiten Steinen belegt, um kein Wasser hindurch zu lassen; auf den Steinen war eine dicke Lage verkittetes Rohr, dann zwei Reihen gebrannter Ziegel, welche mit Harz gut verbunden waren, und dann hatte man das Ganze noch mit Blei bedeckt, auf dem man die beste Pflanzenerde so hoch aufgeschüttet hatte, daß die stärksten Bäume bequem Wurzel schlagen konnten. Auf der obersten Terrasse befand sich ein Brunnen, der das nötige Wasser in Fülle aus dem Euphrat sog und über die Gärten ergoß. In den Hallen einer jeden Terrasse hatte man prächtige, zur Nachtzeit illuminierte Gartensäle angebracht, in denen man den Duft der köstlichen Blumen und die herrlichste Aussicht auf die Stadt und deren Umgebung genießen konnte.

Das hervorragendste Gebäude Babels aber war der Baalsturm, von welchem uns die Bibel 1¨ Mos¨ 11 berichtet. Die heilige Schrift gibt keine genaue Höhe an; sie sagt nur: "dessen Spitze bis an den Himmel reicht". Die Talmudisten behaupten, der Turm sei 70 Meilen hoch gewesen; nach orientalischen Traditionen war er 10 000 Klafter, nach anderen Ueberlieferungen 25 000 Fuß hoch, und es soll eine Million Menschen zwölf Jahre lang daran gearbeitet haben. Das ist natürlich übertrieben. Die Wahrheit ist, daß sich allerdings mitten aus dem großen Tempel des Baal ein Turm erhoben hat, dessen Basis ungefähr tausend Schritte im Umfange hatte, während seine Höhe 6-800 Fuß betrug. Er bestand aus acht übereinander stehenden Abteilungen, von denen immer die höhere eine kleinere Grundfläche hatte, als diejenige, von welcher sie getragen wurde. Durch einen achtmal um den Turm führenden Stiegengang gelangte man auf die Höhe des Bauwerkes. Jede einzelne Abteilung enthielt große, gewölbte Hallen, Säle und Gemächer, deren Bildsäulen, Tische, Sessel, Gefäße und andere Gerätschaften von massivem Golde waren. Im untersten Stockwerke stand die Bildsäule des Baal, die tausend babylonische Talente wog, also einen Wert von mehreren Millionen Taler besaß. Das oberste Stockwerk trug ein Observatorium, auf dem die Astronomen und Sterndeuter ihre Beobachtungen machten. Xerxes beraubte den Turm aller Schätze, welche nach Diodorus 6300 Talente in Gold betragen haben sollen.

Hierzu sagt die morgenländische Mythe noch, daß sich in dem Bauwerke ein Brunnen befunden habe, der grad so tief gewesen sei, wie der Turm hoch war. In diesem Brunnen sind die gefallenen Engel Warud und Marud mit Ketten an den Füßen aufgehangen, und in seiner Tiefe liegt die Lösung aller Zauberei verborgen.

Das war Babel. Und jetzt - - -!

Hier am Birs Nimrud dachte ich mich in die Heimat, in die stille Stube zurück, mit der aufgeschlagenen Bibel vor mir. Wie oft hatte ich die Weissagung Jeremias gelesen, welche wie Posaunenschall über das von Gott gerichtete Sinear erklang! An den Wassern Babylons, am Ufer des Euphrat und an den Rändern der Seen und Kanäle saßen die heimatlosen Söhne Abrahams; ihre Psalter und Saitenspiele hingen stumm an den Weiden, und ihre Tränen flossen zum Zeichen der Buße ob ihrer Sünden. Und wenn eine der Harfen erklang, so ertönte sie vor Sehnsucht nach der Stadt, die das Heiligtum Jehovahs barg, und der Schluß des Klageliedes war: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von denen mir Hilfe kommt." Und der Herr erhörte das Gebet. Es erklang die gewaltige Stimme Jeromijahus aus Anathot, den wir Jeremias nennen, und das weinende Volk lauschte seinen Worten:

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