饭饭TXT > 海外名作 > 《Von Bagdad nach Stambul》作者:[德] Karl May【完结】 > Von Bagdad nach Stambul - Karl May.txt

第 36 页

作者:德- Karl May 当前章节:15589 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Ja; nehmt sie euch!" antwortete ich gleichmütig, indem ich liegen blieb.

"Wo ist der Andere, der noch fehlt?"

"Wo sind die vier, welche ihr gestern am Kanale Anana überfallen habt?" entgegnete ich.

"Das wirst du erfahren, wenn wir dein Tier und deine Waffen besitzen. Gib her! Aber sieh diese sechs Flinten auf dich gerichtet! Sobald du schießest, bist du verloren."

"Es fällt mir gar nicht ein, zu schießen. Was ihr verlangt, gebe ich euch gern, denn anstatt ich nur einen von euch töten könnte, werdet ihr alle verloren sein, sobald ihr mein Pferd oder mein anderes Eigentum anzurühren wagt."

Der Mann lachte.

"Diese Gewehre werden nicht lebendig werden gegen uns!"

"Versuche es! Hier nimm!"

Ich richtete mich mühsam empor, streckte ihm mit der Rechten zunächst eine der Pistolen entgegen, öffnete aber dabei vorn mit der Linken das Gewand, daß sie den Hals und die entblößte Brust sehen konnten. Sofort zog der Araber seinen Arm an sich und sprang mit der Gebärde des größten Schreckens zurück zu seinem Pferde.

"Liwahihallah - um Gottes willen!" rief er entsetzt, indem er mit einem wahren Panthersprunge in den Sattel voltigierte. "Er hat die Pest, den Tod, den Tod! Flieht, ihr Gläubigen; flieht schnell von dieser verfluchten Stätte, sonst ereilt euch das Verderben!"

Er sprengte in höchster Eile davon, und die Anderen folgten ihm mit gleicher Schnelligkeit.

Diese lieben Söhne des Propheten dachten in ihrem Entsetzen gar nicht an die Lehre des Kuran, daß alles im Buche verzeichnet sei und daß sie also durch ihre Flucht dem ihnen eventuell bestimmten Schicksale gar nicht entgehen könnten. Sie vergaßen sogar, mir vor ihrer so beschleunigten Abreise erst eine Kugel in den Kopf zu jagen dafür, daß sie nun mein Eigentum nicht nehmen durften.

Nach Verlauf von abermals einer halben Stunde kehrte Halef mit freudestrahlender Miene zurück. Meine Vermutung war richtig gewesen; er hatte einen kleinen Nahr, ein Flüßchen, gefunden, welches sein helles Wasser in den Euphrat sandte und dessen Ufer mit einigem Gebüsch bestanden waren. Ich erzählte ihm die Episode mit den Arabern, und er ärgerte sich, nicht dagewesen zu sein. Er schwur, daß er sie alle erschossen haben würde.

Bevor wir nun den Turm verließen, mußte den Toten eine Ruhestätte bereitet werden. Hierzu war die gefundene Hacke gut zu verwenden. Ich schleppte mich an die westliche Seite der Ruine. Halef trug die Leichen herbei und arbeitete dann eine tiefe, breite Höhlung in die Trümmerwand, was ihm bei der Lockerheit des Materials nicht schwer fiel; dann setzte er die Toten mit emporgerichtetem Oberkörper hinein und begann, die Oeffnung zu schließen, ohne daß der Perser nebst den drei Frauen von der Erde berührt wurde.

Ich saß während dieser Arbeit der Höhle gegenüber und prägte mir die Züge dieser teuren Personen ein. Da lehnte Benda an den Backsteinen Babylons; ihr reiches, aufgelöstes Haar hing auf den Boden nieder, und ihre Rechte hielt noch den Griff des Dolches umspannt, der ihr im erkalteten Herzen stak. Grad so war Mohammed Emin begraben worden, in der Höhle sitzend und das Gesicht nach West wendend, wo die Sonne über der Kaaba aufgeht, wie dereinst das Angesicht Gottes über dem Heiligtum des Paradieses leuchten wird. Sie waren dabei gewesen, und auch Hassan Ardschir-Mirza hatte eine Sure gebetet. Wer hätte ihnen damals weissagen können, daß sie alle vier das gleiche Schicksal haben sollten!

Als der Rand des Verschlusses die Angesichter der Abgeschiedenen erreichte, nahm Halef Abschied von ihnen. Auch ich wankte hin und kniete nieder.

"Allah il Allah, we Mohammed Rahsul Allah!" sprach der kleine Hadschi. "Sihdi, laß du mich heut das Gebet des Todes sprechen!"

Er tat es. Brauchte ich mich der Tränen zu schämen, welche mir über die Wangen rannen?

Dann gab ich allen ein christliches Gebet mit auf die letzte Reise. Sie hatten Kerbela, die Stadt der Trauer, nicht erreicht, sondern eine höhere Pilgerschaft angetreten, empor zur Stadt der Klarheit und Wahrheit, wo keine Irrtümer walten und Glück und Freude ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Nun wurde das Grab vollends geschlossen, und wir konnten aufbrechen. Ich drängte mein Leid mit Gewalt zurück zum Herzen und kroch in den Sattel. Doch im Abreiten wandte ich mich noch einmal zurück zu der Stelle, von der mir das Scheiden so schwer ward. O Mensch, du schönstes und auch stolzestes der irdischen Geschöpfe, wie bist du doch so gering und ohnmächtig, wenn die Brandung der Ewigkeit ihre Fluten über dich zusammenschlägt!

Wir ritten im langsamsten Schritte an der Ruine Ibrahim Chalil vorüber und überschritten die südliche Grenze des Ruinenfeldes, welches uns zur Linken liegen blieb. Ich mußte mir alle Mühe geben, um nicht aus dem Sattel zu fallen, und so verging über eine Stunde, ehe wir den Ort erreichten, welchen Halef vorher in kaum der Hälfte dieser Zeit gefunden hatte. Ich erblickte einen ziemlich starken Bach, welcher vom Westen kam und dessen Wasser die Klarheit und Frische einer Quelle hatte. Er schlängelte sich in zahlreichen Windungen dem Flusse zu und war zu beiden Seiten dicht mit Weidenarten und anderem Buschwerk eingesäumt. Ich fühlte mich nicht zur Beantwortung der Frage gestimmt, wie das Vorkommen eines solchen Wasserlaufes in einer so tristen Gegend zu erklären sei, lernte aber später noch andere Zuflüsse kennen, den Nahr Chawand, Nahr Hadrisch etc¨ und ließ mir auch erzählen, daß die Gegend westlich von hier keineswegs arm an Feuchtigkeit sei. Es gibt da ausgedehnte Sümpfe, in denen das Fieber brütet, und an den steilen Grenzhöhen sind wässerige Niederschläge keine große Seltenheit.

Zunächst richtete Halef für mich ein Lager her, über welches er zur Abhaltung der Sonnenstrahlen ein leichtes Dach baute; dann nahm ich ein Bad und streckte mich nachher auf das Blätterpolster nieder, welches mir als Krankenbett dienen sollte. Meine Zunge war dunkelrot und in der Mitte schwarz und rissig geworden; das Fieber schüttelte mich bald heiß und bald kalt; ich sah die Bewegungen des kleinen Hadschi wie durch einen dichten Nebel und hörte seine Stimme wie im Traume und mit der Klangfarbe, welche die Stimme eines Bauchredners hat. Dabei entwickelten sich die Petechien und die Geschwülste immer mehr, so daß ich gegen Abend in einem fieberfreien Augenblick Halef bat, einen kräftigen Einschnitt in den Karfunkel zu machen. Das war nicht ohne Gefahr, aber es gelang. Um nun über Nacht nicht in eine noch viel gefährlichere Schlafsucht zu fallen, gab ich die Weisung, mich munter zu rütteln und mit Wasser zu begießen, falls sich die gefürchtete Starrheit meiner bemächtigen sollte. So verging die Nacht, und der Morgen brach an. Ich fühlte mich etwas leichter, und Halef ging, um ein Wild zu schießen.

Er brachte schon nach kurzer Zeit einiges Geflügel, welches er am Spieße briet. Mir war es unmöglich, nur einen Bissen zu genießen, und auch er saß still und trüb dabei, ohne zu essen. Der Hund allein hielt seine Mahlzeit. Wie traurig war diese Lage am Phrat, dem »Flusse des Paradieses«! Todkrank, ohne andere Hilfe, als die wir uns selbst zu leisten vermochten, umweht vom Hauche der Pest, inmitten unzivilisierter, fanatischer Toren, gegen die wir keine andere wirklich hinlängliche Waffe hatten, als eben diese - Pest. Nach Hilla oder einem anderen Orte durften wir nicht; man hätte uns sofort umgebracht. Was wäre ich hier gewesen ohne den Beistand des wackeren Halef, der alles wagte, um mir seine Liebe und Treue zu beweisen!

Es war heut der vierte Tag der Krankheit, und ich hatte gehört, daß dieser Tag der entscheidende sei. Ich blieb dabei, Rettung vom Wasser und von der freien Luft zu erwarten, und obgleich mein Körper unter den Anstrengungen der letzten Zeit sehr gelitten hatte, glaubte ich, daß ich dem Reste meiner Kräfte mehr Vertrauen schenken dürfe, als irgend einer Arznei, über deren Anwendung und Wirkung ich nicht einmal im Klaren war.

Gegen Abend ließ das Fieber nach, und auch in dem Abszeß verminderte sich die Heftigkeit des Schmerzes. Ich schlief des Nachts einige Zeit recht erquicklich, und als ich am nächsten Morgen Halef die Zunge zeigte, welche wieder feucht zu werden begann, erklärte er, daß die schwarze Färbung derselben fast verschwunden sei. Jetzt begann ich auf Genesung zu hoffen, erschrak aber am Nachmittag nicht wenig, als der treue Diener nun selbst über Kopfweh, Schwindel und Frost zu klagen begann. Schon während der Nacht hatte ich die Gewißheit, daß ihn die Ansteckung ergriffen hatte. Ich sah ihn nach dem Wasser gehen, um mir einen Trunk zu holen; er taumelte.

"Halef, du fällst!" rief ich erschrocken.

"O, Sihdi, es dreht sich alles mit mir herum!"

"Du bist krank! Es ist die Pest!"

"Ich weiß es."

"Ach, ich habe dich angesteckt!"

"Allah hat es gewollt; es stand im Buche verzeichnet. Ich werde sterben; du aber wirst zu Hanneh gehen und sie trösten."

"Nein, du wirst nicht sterben; ich werde dich pflegen."

"Du?" fragte er kopfschüttelnd. "Du ringst ja selbst noch mit dem Tode, der dich nicht freigeben will!"

"Ich bin bereits auf dem Wege der Besserung; ich werde nicht weniger an dir tun, als was du an mir getan hast."

"O, Sihdi, was bin ich gegen dich! Laß mich hier liegen und sterben!"

Also so sehr hatte ihn die der Pest charakteristische Niedergeschlagenheit bereits ergriffen! Er hatte sich gewiß genug gewehrt, um mich so lange wie möglich über seinen Zustand in Unkenntnis zu erhalten. Jetzt gelang ihm dies nicht mehr, und einige Stunden später sprach er irre. Vielleicht hatte er schon mit mir den Stoff der Krankheit eingesogen, als wir in Bagdad das Nahen der Todeskarawane beobachteten, und nun entwickelte sich bei ihm die schwerste, die biliöse Form der Pest, in welcher alle Zufälle mit vermehrter Heftigkeit auftreten.

Ich konnte mich selbst nur mit äußerster Anstrengung auf kurze Zeit emporraffen, um ihm die Pflege zuteil werden zu lassen, deren ich selbst noch so sehr bedurfte. Es war eine Zeit, an welche ich mit Schauder zurückdenke, obgleich ich sie hier am besten übergehe.

Auch Halef wurde gerettet, doch befand er sich noch am zehnten Tage seiner Krankheit so schwach, daß ich ihn von Stelle zu Stelle heben mußte, und ich selbst konnte mit der schweren Büchse noch keinen sichern Schuß aus freier Hand tun. Es war bei alldem ein Glück, daß unser Schmerzenslager unentdeckt blieb. Als ich mich zum ersten Male im Wasser spiegelte, erschrak ich über den dicht bebarteten Totenkopf, welcher mir da entgegengrinste. Es war kein Wunder, daß Geier über uns ihre Kreise zogen und die Hyänen und Schakale, welche aus den Ruinen zur Tränke kamen, durch das Schilf schauten, um zu sehen, ob wir nicht bald zu verspeisen seien. Sie mußten stets in höchster Eile abziehen, denn Dojan der Windhund, war nicht sehr gastfreundlich gegen sie gesinnt.

Meinen ersten Ausgang unternahm ich zum Grabe der Perser, welches sich noch im unversehrten Zustande befand. Ich war zu Fuße herbeigekommen und saß wohl eine Stunde lang am Turme, und die lebensvollen Bilder der Abgeschiedenen standen vor meinem geistigen Auge. Da gab der Hund, den ich bei mir hatte, Laut. Ich wandte mich um und erblickte einen Trupp von acht Reitern mit einigen Falken und einer Koppel Hunde. Sie hatten mich schon bemerkt, und kamen nahe zu mir heran.

"Wer bist du?" fragte der Mann, welcher der Anführer zu sein schien.

"Ein Fremder."

"Was tust du hier?"

"Ich trauere um die Toten, die ich hier begraben habe."

Dabei deutete ich nach dem Grabe.

"Welcher Krankheit sind sie erlegen?"

"Sie wurden ermordet."

"Von wem?"

"Von persischen Männern."

"Ah! Von Persern und Zobeïde-Arabern! Wir haben davon gehört. Sie haben auch mehrere Männer getötet, welche sich am Kanale befanden."

Ich erschrak, denn hier konnte nur Lindsay mit seinen Leuten gemeint sein.

"Weißt du dies gewiß?"

"Ja. Wir gehören zum Stamme der Schat und geleiteten Pilger nach Kerbela. Da haben wir es gehört."

Das war jedenfalls eine Lüge. Die Schat wohnen weit im Süden und dürfen sich hier nur mit Gefahr erblicken lassen. Uebrigens sagte mir der Umstand, daß sie sich auf der Falkenjagd befanden, sehr deutlich, daß ihre Heimat in der Nähe sein müsse. Ich faßte also Mißtrauen und gab mir nur Mühe, dies nicht merken zu lassen.

Da trieb der Mann sein Pferd ganz zu mir heran und sagte:

"Was hast du für ein sonderbares Gewehr? Zeige es einmal her!"

Er streckte die Hand nach dem Stutzen aus, ich aber trat zurück und antwortete:

"Dieses Gewehr ist gefährlich für den, der es nicht anzufassen versteht!"

"So wirst du mir zeigen, wie es anzufassen ist!"

"Gern, wenn du absteigst und eine Strecke weiter mit mir gehst. Kein Mann gibt seine Flinte aus der Hand, wenn er nicht sicher ist, daß es ohne Gefahr geschehen kann."

"Her damit! Sie ist mein!"

Er streckte seine Hand abermals aus und nahm zu gleicher Zeit sein Pferd empor, um mich niederzureiten. Da aber tat Dojan einen Satz, faßte den Mann am Arme und riß ihn aus den Bügeln auf die Erde herab. Der Araber, welcher die Koppel hielt, stieß einen Schrei aus und ließ seine Hunde los, welche sich sofort auf Dojan stürzten.

"Ruft die Hunde zurück," gebot ich, das Gewehr erhebend.

Man folgte meinem Rufe nicht, und so drückte ich ab, drei, vier Male hintereinander. Jeder Schuß tötete einen Hund; dabei aber gab ich zu wenig acht auf den Anführer, dieser erhob sich, faßte mich und riß mich von hinten zu Boden. Ich war viel zu schwach zu einer nachhaltigen Gegenwehr; er übermannte mich trotz seines zerbissenen Armes und hielt mich fest, bis die Andern ihm beistanden, mich vollends unschädlich zu machen. Das Gewehr wurde mir entrissen, das Messer auch; dann band man mich und lehnte mich gegen einen Backsteinhaufen.

Unterdessen biß sich Dojan mit den drei unverletzt gebliebenen Hunden herum. Sein Fell war zerbissen; er blutete aus mehreren Wunden, aber er hielt wacker stand, seinen Gegnern nie die Kehle bietend. Da nahm einer der Araber seine alte Flinte empor, zielte und drückte los; die Kugel traf den wackeren Hund zwischen die Rippen; er brach tot zusammen und wurde von seinen halbwilden Feinden wörtlich in Stücke gerissen.

Ich hatte das Gefühl, als ob der teuerste Freund mir an der Seite erschossen worden sei. O, diese Schwäche! Wäre ich bei meiner früheren Kraft gewesen, was hätte ich mir aus diesem alten Strick gemacht, der meine Arme zusammenhielt!

"Bist du allein hier?" fragte jetzt der Anführer.

"Nein. Ich habe nur noch einen Gefährten," antwortete ich.

"Wo?"

"In der Nähe."

"Was tut ihr da?"

"Wir wurden unterwegs von der Pest überfallen und sind da liegen geblieben."

In dieser aufrichtigen Antwort bot sich mir die einzige Möglichkeit, diesen Leuten zu entkommen. Kaum hatte ich das letzte Wort gesprochen, so wichen sie mit lauten Schreckensrufen von mir zurück. Nur der Anführer blieb und meinte mit zornigem Lachen:

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页