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作者:德- Karl May 当前章节:15386 字 更新时间:2026-6-23 07:58

So sann und grübelte ich, doch dabei immer auf das rege Leben horchend, welches draußen auf dem Korridore zu herrschen begann. Da, nach langer Zeit wurde an meine Türe geklopft, und Jacub trat ein.

"Herr, bist du fertig zum Abendmahle?"

"Wie du befiehlst."

"So komm! Halef, dein Begleiter, ist bereits fort."

Er führte mich nicht nach dem Selamlik, wie ich erwartet hatte, sondern durch zwei Korridore nach der vorderen Seite des Hauses und öffnete daselbst eine Tür. Es war ein großes fast saalähnliches Zimmer, welches ich betrat. Von hundert Kerzen hell bestrahlt, glänzten ringsum schwarz eingestickte Kuransprüche von den seidenen Wänden. Ein Drittel des Raumes wurde durch einen eisernen Stab abgeschnitten, von dem quer über das Zimmer ein schwerer Samtvorhang niederhing. In ihm befanden sich drei Fuß über dem Boden zahlreiche Gucklöcher, was mich zu der Annahme veranlaßte, daß sich hinter ihm die Frauen niederlassen würden.

Es waren gegen zwanzig Herren anwesend, die sich bei unserem Eintritte erhoben, um mich mit der Hand zu begrüßen, während Jacub mir ihre Namen nannte. Zwei Söhne und drei Gehilfen von ihm waren dabei, auch Halef war bereits zugegen; er schien sich überhaupt mit würdiger Gewandtheit in seine gegenwärtige Lage zu finden.

Während der anfangs nicht recht fließenden Unterhaltung wurden wohlriechende Likörs getrunken, wobei die unvermeidliche Pfeife dampfte; dann aber ward ein Mahl aufgetragen, bei dessen Anblick sich mein guter Halef nicht ganz beherrschen konnte, sondern sich die sechzehn Haare seines Schnurrbartes mit beiden Händen unwillkürlich aus dem Munde strich. Es gab da außer den mir bereits bekannten Gerichten auch noch ein Mus von Tobba und Habb el Aas (* Indische Feige und Szalheïaner Myrte.), Salat von Sübbh el Belad, einer roten Wurzel, welche unserer Möhre ähnlich ist, gebratene Schürrsch el Mahrut (** Knoblauchpflanze.), eine scharf gebratene große Eidechsenart, welche mein Wirt Dobb nannte, deren Fleisch mir recht gut mundete. Auf weiten Reisen lernt man am leichtesten alte Vorurteile ablegen.

Nach dem Essen wurden die Platten und Gefäße entfernt, und dann - ward das Piano hereingetragen. Ein bittender Blick Jacubs sagte mir, was von mir gewünscht werde, und ich kam meiner Pflicht auch ohne Zögern nach. Nur eine Bedingung machte ich, auf deren Erfüllung ich aber auch streng bestand. Ich bat nämlich, den Vorhang zu entfernen. Jacub sah mich erschrocken an.

"Warum, Herr?" fragte er.

"Weil dieser Sammet den Schall meiner Töne so einsaugen wird, daß ihr nicht sehr viel Schönes hören werdet."

"Aber es sitzen Frauen dahinter!"

"Sie haben ihre Schleier!"

Erst nach einer längeren Unterredung mit seinen Gästen wagte er, den Vorhang zu beiden Seiten zurückzuschieben, und nun erblickte ich etliche dreißig weibliche Gestalten, welche auf weichen Matten am Boden hockten. Ich tat mein möglichstes, sie zu unterhalten, und sang ihnen auch eine Anzahl Lieder vor, deren Text ich während des Gesanges, so gut ich es vermochte, in das Arabische extemporierte.

Als ich aufhörte, führte mich Jacub an das kleine Gitterfenster, welches hinaus auf die "gerade Straße" ging. Da unten stand, so breit die Gasse war, eine Kopf an Kopf gedrängte Zuschauerschar. Was werden diese Moslemin gedacht haben, als sie mich singen hörten! Die Gäste meines Wirtes aber hielten mich keineswegs für verrückt, daß ich ihnen den "Ton meiner Kehle preisgab", was kein Altgläubiger tut; sie waren bereits aufgeklärt genug, um sich den Genuß mit zelotischen Skrupeln nicht zu verderben, und verließen gegen Mitternacht das Haus mit dem Vorsatze, es bald wieder zu besuchen. Was die Damen betrifft, so hatte ich etliche dreißig Nasenspitzen und einige sechzig Augen gesehen, sonst aber nichts - nicht einmal einen Fuß, der im Taktschlagen den Pantoffel verloren hätte, da beides, Füße und Pantoffel, bei der Art und Weise des orientalischen Sitzens von mir abgewendet war.

Jacub führte mich mit großer Höflichkeit auf mein Zimmer zurück und freute sich, als ich seinem Sohne erlaubte, mitzukommen. Dieser bedauerte, daß sein Gehilfe nicht auch da gewesen sei.

"Du hättest ihm eine große Freude bereitet," bemerkte er mir. "Er liebt die Musik und ist ein sehr kluger Mann. Er kann in der Sprache der Italiener, Franzosen und Engländer mit dir sprechen."

"Ist er aus Damaskus?" fragte ich, um den hingeworfenen Gesprächsgegenstand höflich aufzunehmen.

"Nein," antwortete Jacub. "Er ist aus Adrianopel und der Enkel meines Oheims. Sein Name ist Afrak Ben Hulam. Wir hatten ihn noch nie gesehen; er kam mit einem Briefe seines Vaters und mit einem Schreiben meines Bruders Maflei in Stambul bei mir an, um sein Geschäft noch weiter kennen zu lernen."

"Warum war er heut abend nicht zugegen?"

"Er war müd und fühlte sich nicht wohl," antwortete Schafei. "Als er von dem Feste zurückkehrte, sagte ich ihm, daß Kara Ben Nemsi Effendi angekommen sei und heut abend Musik machen werde; er wollte gern kommen, aber er war krank und sah blaß aus wie der Tod. Aber dennoch hat er die Musik gehört, denn er schläft nahe bei dem Zimmer, in welchem wir uns befanden."

Nach kurzem Aufenthalte bei mir verließen mich die beiden, und ich legte mich zur Ruhe. Wie anders schlief es sich auf diesen Polstern als da draußen im harten Sande oder auf feuchter, gifthauchender Erde!

Als ich am Morgen erwachte, hörte ich den Bulbul (* Nachtigall.) locken, der draußen vor meiner Fensteröffnung auf dem Zweige saß. Auch Halef war bereits munter, als ich in sein Gemach trat, trank Kaffee und aß Zuckergebäck dazu. Ich leistete ihm Gesellschaft, und dann gingen wir hinunter in den Hof, um an dem Bassin eine Pfeife zu rauchen. Vorher aber sah ich nach den Pferden. Sie standen auf Marmor und Weizenstroh und schmausten prächtige Datteln; ich sah, daß sie ebensowenig Veranlassung zur Beschwerde hatten, wie wir selbst.

Am Brunnen trat der junge Schafei zu uns, um sich zu verabschieden und zu einem Besuche im Bazar einzuladen. Er mußte den ganzen Tag dort zubringen, denn das Unwohlsein seines Vetters und Gehilfen hatte sich gesteigert, so daß dieser das Zimmer hüten mußte.

"Herr, ich weiß, daß du ein Hekim bist - -" sagte er.

"Wer sagte das?" unterbrach ich ihn.

"Du hast damals am Nile vielen Kranken geholfen; Isla hat es uns erzählt. Daher bat ich vorhin den Gehilfen, mit dir zu sprechen, aber er will es nicht tun; er sagte, daß diese Krankheit öfters erscheine, aber stets nach zwei Tagen wieder vorübergehe. Willst du nicht einmal nach ihm sehen?"

"Nein. Er wünscht es nicht, und ich bin auch kein wirklicher Hekim."

Als der junge Mann sich entfernt hatte, hörte ich einzelne Töne des Klaviers erklingen; es war eine leise forschende Hand, welche die Tasten niederdrückte, und bald darauf kam der Dschibuktschi und bat mich, hinauf zu kommen. Droben stand eine der beiden Töchter; sie kam mir mit bittender Gebärde entgegen:

"Effendi, verzeihe mir! Ich sehne mich, das Lied noch einmal zu hören, welches du gestern zuletzt gespielt hast."

"Du sollst es hören."

Sie setzte sich in einem Winkel nieder und lehnte den Kopf an die Wand. Ich aber spielte. Es war das herrliche Kirchenlied: "Hier liegt vor deiner Majestät im Staub die Christenschar." Ich spielte diese Melodie einigemal und sang dann auch mehrere Strophen des Liedes. Das Mädchen hielt die Augen geschlossen und die Lippen leise geöffnet, wie um die frommen, feierlichen Töne leichter in ihr Inneres dringen zu lassen.

"Soll ich noch etwas spielen?" fragte ich am Schlusse.

Sie erhob sich wieder und trat herbei.

"Nein, Effendi, denn diese Musik soll durch keine andere beeinträchtigt werden. Wer ist es bei euch, der solche Worte und Töne singen darf?"

"Sie werden von Männern, Frauen und Kindern in jedem Gotteshause der Christen gesungen. Und wer ein frommer Vater ist, singt mit den Seinen auch daheim solche Lieder."

"Herr, es muß schön bei euch sein! Ihr gewährt Freiheit euren Lieben. Eure Priester, welche euch erlauben, solche Lieder mit den Eurigen zu singen, müssen besser sein und freundlicher als die unserigen, welche behaupten, daß Allah dem Weibe keine Seele gegeben habe. Allah strafe sie und den Propheten für diese Lüge! Dir aber, Effendi, danke ich!"

Sie ging hinaus, und ich blickte ihr schweigend nach. Ja, der Orient schmachtet nach Erlösung aus schweren, tausendjährigen Banden. Wann wird sie ihm werden? -

Ich schloß das Instrument; ich konnte nicht weiter spielen, denn ein jeder Ton, welcher zu ihr drang, mußte den Eindruck des frommen Liedes verwischen, den sie sich bewahren wollte. Ich ging hinunter und ließ satteln, um mit Halef einige kleine Einkäufe zu machen.

Da wir nichts zu versäumen hatten, so beeilten wir uns nicht, machten einen Ritt der Wißbegierde durch die Gassen und drangen sogar in das enge, schmutzige Judenviertel ein. Da gab es genug Trümmer und Elend. Zwischen den Resten ehemaliger Prachtbauten klebten halbverfallene Butiken; die Männer gingen in abgeschabten, aus den Nähten reißenden Kaftanen, und die Kinder in Fetzen und Lumpen; die Frauen aber trugen über ihren verschossenen Prachtgewändern all ihren echten oder unechten Schmuck zur Schau. Ich glaube, grad so müssen sich die Frauen und Töchter der Juden auch damals getragen haben, als der Prophet (* Jesaias 3, 17-23.) ihnen verkündigte: "Der Herr wird den Scheitel der Töchter Zions kahl machen und ihnen ihr Geschmeide wegnehmen. In dieser Zeit wird der Herr den Schmuck an den kostbaren Schuhen fortnehmen, die Heftel und die Spangen, die Ketten und Armbänder, den Flitter, die Hauben, das Gebräme, die Schnuren, Bisamäpfel und Ohrenspangen, die Ringe und Haarbänder, die Feierkleider, die Mäntel, die Schleier, die Beutel, die Spiegel, die Koller, die Borten und die Kittel."

Als wir auf dem Rückwege an dem Bazar der Juwelenhändler und Goldarbeiter vorbeiritten, wollte ich bei Schafei absteigen, fand aber zu meinem Erstaunen das Gewölbe verschlossen. Zwei Khawassen hielten Wache dabei. Ich erkundigte mich bei ihnen nach dem Grunde, erhielt aber eine so grobe Antwort, daß ich schleunigst fortritt. Zu Hause angekommen, fand ich sämtliche Bewohner in der höchsten Aufregung. Schon unter dem Tore kam mir Schafei entgegen. Er wollte das Haus in größter Eile verlassen, hielt aber an, als er mich erblickte.

"Effendi, weißt du es schon?" rief er mich an.

"Was?"

"Daß wir bestohlen sind, entsetzlich bestohlen und betrogen!"

"Kein Wort!"

"So laß es dir von dem Vater erzählen! Ich muß fort."

"Wohin?"

"Allah 'l Allah, ich weiß es noch nicht."

Er wollte an mir vorüber, ich aber streckte die Hand nach ihm aus und hielt ihn fest. Das Ereignis hatte ihm die grad jetzt so nötige Ruhe des Urteils genommen, wie mir schien; einem unvorsichtigen Handeln mußte vorgebeugt werden.

"Bleib jetzt noch," bat ich.

"Laß mich! Ich muß ihm nach!"

"Wem? Dem Diebe? Wer ist es?"

"Frage den Vater!"

Er wollte sich mir entwinden, ich aber rutschte von meinem Esel herunter, nahm den Arm des Widerstrebenden kräftig unter den meinigen und so zwang ich ihn, mit mir zu gehen.

Er fügte sich meinem gewaltsamen Einschreiten und führte mich die Treppe empor in die Wohnung seines Vaters. Dieser stand, zum Ausgehen gerüstet, mitten in dem Raume und war beschäftigt, sich ein paar riesige Pistolen zu laden. Als er seinen Sohn erblickte, fuhr er zornig auf:

"Was willst du noch? Man darf keine Zeit verlieren, keine Minute! Gehe, eile! Auch ich werde gehen, und diesen Menschen erschießen, wo ich ihn nur immer finde!"

Um ihn standen die anderen Glieder seiner Familie, mit ihren Tränen und Klagen die Situation nur noch verschlimmernd. Ich hatte Mühe, sie zu beruhigen und Jacub dazu zu bringen, mir die Sache zu erklären. Afrak Ben Hulam, der kranke Gehilfe und Vetter aus Adrianopel, hatte, nachdem wir fortgeritten waren, das Haus verlassen und war zu Schafei in den Laden getreten mit der Botschaft, daß dieser augenblicklich eines großen Kaufes wegen zu seinem Vater kommen solle, der sich in dem großen Han Assad Pascha befinde. Schafei war auch wirklich gegangen, hatte aber nach langem Suchen und nach längerem Warten seinen Vater nicht getroffen. Darauf war er doch endlich nach Hause geeilt und hatte dort zu seinem Erstaunen den Gesuchten unter den Arkaden ruhen gefunden. Jacub hatte erklärt, dem Gehilfen die erwähnte Botschaft gar nicht aufgetragen zu haben. Infolgedessen kehrte Schafei zum Bazar zurück und fand ihn verschlossen. Er öffnete mit dem zweiten Schlüssel, welchen er stets bei sich trug, und sah beim ersten Blick, daß eine ganze Menge und unter ihnen just die größten der Kostbarkeiten verschwunden seien, mit ihnen natürlich Afrak Ben Hulam, der Gehilfe. Er eilte, den Vater zu benachrichtigen, hatte aber trotz seines Schreckens noch so viel Besonnenheit, die Tür wieder zu verschließen und zwei Khawassen als Wächter davor zu postieren. Seine Nachricht hatte natürlich das ganze Haus alarmiert, und als ich mit Halef kam, war er im Begriffe gewesen, wieder fort zu eilen; aber wohin zunächst, das wußte er selbst noch nicht. Auch Jacub wollte fort, um den Dieb vor allen Dingen zu erschießen; aber wo er ihn finden werde, das hatte er allerdings noch nicht gefragt.

"Ihr werdet euch mit eurer unbesonnenen Eile mehr schaden als nützen," meinte ich beschwichtigend. "Setzt euch nieder, und laßt uns ruhig beraten! Ein hastiger Renner ist nicht immer das schnellste Pferd."

Ich hatte einige Mühe, diese Ansicht durchzubringen, doch gelang es mir endlich.

"Wie groß ist der Wert, welcher entwendet wurde?" erkundigte ich mich.

"Das weiß ich noch nicht genau," antwortete Schafei, "aber es werden viele, viele Beutel (* Ein Beutel beträgt in Silber 500 und in Gold 30000 Piaster.) sein."

"Und du glaubst, daß wirklich nur Afrak der Dieb sein kann?"

"Nur er allein. Die Botschaft, welche er mir brachte, war erlogen, und nur er allein hatte die Schlüssel und wußte, wo das Wertvollste zu finden war."

"Gut, so haben wir es nur mit ihm allein zu tun! War er wirklich ein Verwandter von euch?"

"Ja. Wir hatten ihn zwar niemals gesehen, aber wir wußten, daß er kommen werde, und die Briefe, welche er brachte, waren echt."

"War er ein Juwelier, ein Goldarbeiter?"

"Ein sehr geschickter sogar."

"Kennt er eure Familien und alle ihre Verhältnisse?"

"Ja, obgleich er sich öfters irrte."

"Er war gestern auf dem Feste, und du sagtest, daß er sehr bleich gewesen sei. War er bereits bleich, als er kam, oder wurde er es erst, als er hörte, daß Kara Ben Nemsi euer Gast sei?"

Schafei blickte überrascht empor.

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