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作者:德- Karl May 当前章节:15616 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Bei Allah, was willst du damit sagen, Effendi? Ich glaube, er ist erst bleich geworden, als ich ihm von dir erzählte."

"Das bringt mich vielleicht auf seine Spur."

"Effendi, wenn dies wäre!"

"Er erschrak, als er von mir hörte; er kam nicht, als ich das Piano spielte; er schützte eine Krankheit vor, denn er konnte nicht fort, weil ich im Hofe saß und ihn gesehen hätte, und als ich mich dann entfernt hatte, ging auch er. Halef, weißt du, wer dieser Afrak Ben Hulam ist?"

"Wie kann ich das wissen!" antwortete der Hadschi, welcher uns bis hierher gefolgt war.

"Es ist kein anderer als Dawuhd Arafim, der sich auch Abrahim Mamur genannt hat. Schon gestern abend kam mir dieser Gedanke, aber er war so sehr unwahrscheinlich, daß ich es nicht glauben mochte. Jetzt aber bin ich beinahe davon überzeugt, daß es kein Anderer gewesen ist."

Meine Zuhörer waren stumm vor Schreck, und erst nach einer längeren Pause sagte Jacub mit energischem Kopfschütteln:

"Das ist ganz unmöglich, Effendi. Mein Verwandter hat sich niemals Dawuhd Arafim oder Abrahim Mamur genannt und ist auch niemals in Aegypten gewesen. Du hast gestern diesen Mamur hier wiedergesehen?"

"Ja. Ich vergaß, es zu erzählen, weil ich zu viel an die Musik denken mußte. Beschreibe mir deinen Verwandten und die Kleider, die er getragen hat, als er gestern zum Feste ritt!"

Dieser Aufforderung wurde mit der größten Genauigkeit nachgekommen; es stimmte, es war Abrahim Mamur und kein Anderer. Aber die beiden Kaufleute wollten dies nicht begreifen.

"Afrak Ben Hulam ist niemals in Aegypten gewesen," behaupteten sie wiederholt, "und wie käme ein Fremder zu den Briefen, welche er brachte!"

"Dies sind die beiden einzigen unklaren Punkte; aber wie nun, wenn dieser Abrahim dem wirklichen Afrak die Briefe abgenommen hätte?"

"Allah kerihm, dann hätte er ihn ja töten müssen, um sicher zu sein!"

"Das wird vielleicht noch aufzuklären sein: ich traue diesem Menschen alles zu. Wir müssen ihn finden; wir müssen ihn wieder haben! Aber nun seht ihr, daß die ruhige Ueberlegung doch besser ist, als eine unbesonnene Hast. Der Dieb hält sich entweder noch in Damaskus versteckt, oder er hat schleunigst die Stadt verlassen. Ihr müßt für den zweiten Fall gerüstet sein. Was würdest du tun, Jacub Afarah, wenn er bereits entwichen wäre?"

"Wüßte ich die Richtung, so würde ich ihn verfolgen, bis ich ihn fände, und wenn ich bis an das Ende der Welt gehen müßte!"

"So sende nun schnell Schafei zur Polizei. Er mag Anzeige erstatten, damit sofort die Tore besetzt und außerdem Streifwachen durch die Ghuta gesendet werden. Er mag ferner für dich einen Paß besorgen, welcher durch das ganze Reich des Großherrn Geltung hat, und eine Begleitung berittener Khawassen, auf deren Hilfe du dich verlassen kannst."

"Effendi, deine Rede ist besser als vorhin mein Zorn. Dein Auge ist schärfer als das meinige; willst du mir auch ferner beistehen?"

"Ja. Führe mich jetzt in die Stube, welche der Dieb bewohnt hat!"

Schafei eilte fort, und wir Andern suchten die Wohnung des falschen Afrak auf. Da zeigte es sich, daß er mit dem Vorsatze fortgegangen war, nicht wieder zurückzukehren; aber es ließ sich sonst nicht das Geringste entdecken, was irgend einen Fingerzeig geben konnte.

"Das war umsonst. Wir müssen versuchen, andere Spuren zu entdecken. Wir drei wollen uns teilen, um zu sehen, ob wir an den Toren der Stadt und bei den Führern und Tierverleihern eine Nachricht erhalten können."

Dieser Vorschlag wurde von Jacub und Halef mit Freude angenommen, und schon zwei Minuten später ritt ich auf dem Esel nach dem Gottestore. Mein Pferd hatte ich nicht nehmen wollen, da ich nicht wußte, ob seine Kräfte mir später nötiger sein würden. Meine Bemühungen waren übrigens ohne Erfolg. Ich fragte und forschte an allen Orten, wo ich eine Auskunft vermuten konnte; ich durchstreifte die Ghuta und traf da auch auf die bereits ausgesandten Patrouillen, fand aber nicht die mindeste Spur und kehrte drei Stunden nach Mittag schweißtriefend wieder heim. Jacub war bereits einige Male dagewesen, aber wieder fortgeritten; auch Halef hatte nichts Sicheres erfahren, doch brachte er mir wenigstens eine Hoffnung mit. Er hatte die nördliche Seite der Stadt übernommen gehabt und war da an dem Zelte vorüber gekommen, in welchem wir gestern gesessen hatten. Am Eingange des Zeltes stand die Sängerin, die ihn wieder erkannte und ihn zu sich winkte. Sie hatte gestern bemerkt, daß wir Mamurs wegen so plötzlich aufgebrochen waren, und sagte nun Halef, daß ich zu ihr kommen möge, wenn ich etwas über diesen Mann wissen wolle.

"Aber warum hat sie es nicht gleich dir gesagt, Halef?" fragte ich.

"Sihdi, sie kann nicht arabisch und ich ganz wenig das Türkische, welches sie redet; sie spricht es so, daß ich es nicht verstehe. Selbst das, was sie mir heute sagte, habe ich mehr erraten müssen."

"So reiten wir sofort hinaus zu ihr und nehmen unsere Pferde, weil die Esel müde sind."

Es war der letzte Tag des Festes, das fünf Tage dauerte.

Als wir nach einem schnellen Ritt das Zelt der Presnitzer erreichten, zeigte es sich nicht so sehr überfüllt, wie am Tage vorher. Die Musik machte grad eine Pause, und so kam es, daß ich sogleich mit dem Mädchen sprechen konnte. Vor Zuhörern brauchte ich keine Sorge zu haben, da unsere kurze Unterhaltung in deutscher Sprache geführt wurde.

"Warum rissen Sie gestern so schnell aus?" fragte mich die Sängerin.

"Weil ich dem Manne folgen wollte, welcher gleich nach seinem Eintritte das Zelt wieder verließ. Ich wollte wissen, wo er wohnt."

"Das sagt er niemand."

"Ah, das wissen Sie?"

"Ja. Er kam gestern bereits zum dritten Male in das Zelt. Dort, dicht neben uns, saß er neben einem Engländer, dem er auch nicht sagte, wo seine Wohnung sei."

"Sprach er englisch, oder redete der Engländer arabisch?"

"Sie sprachen englisch, und ich verstand jedes Wort. Der Gentleman hat ihn als Dolmetscher engagiert."

"Nicht möglich! Für hier oder für die Reise?"

"Für die Reise."

"Wohin?"

"Das weiß ich nicht; ich hörte nur, daß die erste Ortschaft Salehiëh heiße."

"Und wann wollten sie aufbrechen?"

"Sobald der Dolmetscher mit einem Handel fertig ist, wegen dessen er nach Damaskus kam. Ich glaube, er sprach von einem Olivenölgeschäft für Beirut."

Sonst wußte sie nichts. Ich dankte und gab ihr ein Geschenk.

Damit Jacub nicht ohne Nachricht bliebe, sandte ich Halef zu ihm; ich aber umritt die Stadt, um an das Gottestor zu gelangen, von wo aus der Weg nach Salehiëh führt, welches am westlichsten Rande der Ghuta liegt und eigentlich als eine Vorstadt von Damaskus betrachtet werden muß. Durch diesen Ort führt die Handelsstraße nach Beirut am mittelländischen Meere, nebst allen anderen Wegen, auf denen man die Ortschaften Palästinas erreicht.

Als ich dort anlangte, war bereits der Abend nahe. Es schien mir ungewiß, ob ich eine befriedigende Auskunft erlangen werde, da bei dem nach innen gerichteten Bau der orientalischen Häuser die Straßen nicht so unter Beobachtung stehen, wie bei uns im Abendlande. Da aber erblickte ich einige jener Unglücklichen, welche, von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen, doch nur von dem Mitleide derselben leben können: Aussätzige. Sie lagen, in Lumpen gehüllt, unweit der Straße und riefen mich schon von weitem an, ihnen eine Gabe zu reichen.

Ich ritt auf sie zu, sofort aber entflohen sie, da es ihnen verboten ist, einen gesunden Menschen in ihre Nähe zu lassen. Nur auf meine wiederholte Versicherung, daß ich ein Abendländer sei und mich vor ihrer Krankheit nicht fürchte, blieben sie endlich stehen; dennoch aber ließen sie mich nur bis zu einem Abstand von höchstens zwanzig Schritten heran.

"Was willst du von uns, Herr?" fragte der eine. "Lege deine Gabe auf den Boden nieder und entferne dich schnell!"

"Was für eine Gabe ist euch die liebste? Wünscht ihr Geld?"

"Nein. Wir können uns doch nichts kaufen, denn niemand würde das Geld von uns annehmen. Gib uns anderes: ein wenig Tabak, Brot, Fleisch oder sonst etwas zu essen."

"Warum seid ihr hier im Freien? Es gibt ja Hospitäler für Aussätzige in Damask."

"Sie sind gefüllt. Wir müssen warten, bis der Tod Platz für uns macht."

"Ich will mich bei euch nach etwas erkundigen. Könnt ihr mir Auskunft geben, so sollt ihr morgen früh Tabak für mehrere Wochen und auch noch anderes haben, was ihr brauchen könnt. Jetzt habe ich nichts bei mir."

"Was sollen wir dir sagen?"

"Wie lange befindet ihr euch hier an diesem Orte?"

"Seit mehreren Tagen."

"So habt ihr wohl alle Leute gesehen, welche hier vorübergekommen sind. Waren es viele?"

"Nein. Nach der Stadt kamen viele, des Festes wegen, dessen letzter Tag heut ist; aus der Stadt aber kam nur ein Maultierzug nach Ras Heya und Gazein, mehrere Leute, welche nach Hasbeya wollten, einige Arbeiter aus Zebedeni und gleich vor Mittag ein Inglis mit zwei Männern, die ihn begleiteten. "

"Woher wißt ihr, daß es ein Inglis war?"

"O, einen Inglis erkennt man sofort. Er war ganz grau gekleidet, hatte einen sehr hohen Hut auf, eine große Nase und zwei blaue Gläser auf derselben. Einer seiner Begleiter mußte ihm erklären, was wir von ihm wollten, und dann gab er uns ein wenig Tabak, einige kleine Brote und auch noch viele kleine Hölzchen, mit denen man Feuer machen kann."

"Beschreibt mir den Mann, der ihm als Dolmetscher diente!"

Es geschah, und die Beschreibung stimmte ganz genau auf den Gesuchten.

"Wohin ritten sie?"

"Wir wissen es nicht. Sie ritten auf der Beiruter Straße; aber die Kinder des alten Abu Medschach werden dir Auskunft geben können, denn dieser war ihr Führer. Er wohnt in dem Hause neben der großen Palme, welche du dort siehst."

"Ich danke euch! Ich werde morgen in aller Früh vorüberkommen und euch mitbringen, was ich euch versprochen habe."

"O Herr, deine Barmherzigkeit wird Gnade finden vor den Augen Allahs. Könntest du uns nicht einige Pfeifen mitbringen, wie sie für wenige Para zu kaufen sind?"

"Ihr sollt sie haben; ich verspreche es euch."

Nun ritt ich in Salehiëh ein und erfuhr im Hause des Führers, daß der Inglis nach dem Tale von Sebdani gewollt habe. Der alte Abu Medschach war nur bis dahin gemietet worden. Dies war jedenfalls eine vorsichtige Manipulation des Dolmetschers, welcher dadurch eine etwaige Nachforschung erschweren wollte. Doch wußte ich nun genug und kehrte nach Damaskus zurück.

Ich fand den Gastfreund in höchster Spannung meiner warten. Zwar waren seine Nachforschungen ohne Resultat geblieben, aber Halefs Bericht hatte ihm Hoffnung gebracht. Er besaß bereits einen Paß nebst einem Schreiben an sämtliche Polizeibehörden des ganzen Ejalet Damaskus, und überdies warteten zehn berittene und wohl bewaffnete Khawassen nur des Wortes, mit ihm aufbrechen zu sollen.

Ich berichtete alles, was ich in Erfahrung gebracht hatte. Da der Abend bereits hereingebrochen war, hielt ich es für besser, den Morgen abzuwarten; aber dies gab seine Ungeduld nicht zu. Er schickte nach einem Führer, welcher imstande war, auch während der Nacht den Weg zu finden. In seiner fieberhaften Unruhe konnte ihm nichts schnell genug getan werden, und ich hatte kaum meines Versprechens an die Aussätzigen gedacht, als er auch schnell selbst für die Erfüllung desselben sorgte.

So vergingen doch seit meiner Rückkehr einige Stunden, ehe wir reisefertig waren. Jacub hatte vorgezogen, Mietpferde zu nehmen, zwei derselben für sich und einen Diener und ein drittes für das notwendige Gepäck. Da er nicht sagen konnte, wohin der Ritt uns führen und wie lange Zeit er dauern werde, so hatte er sich auch mit einer größeren Summe Geldes versehen.

Unser Abschied nahm nicht viel Zeit in Anspruch. Der Vollmond hatte sich erhoben, als wir die "gerade Straße" hinabritten, dem "Gottestore" zu: voran der Führer neben dem Besitzer der Mietpferde, dann wir, nämlich Jacub und dessen Diener, Halef, ich und die Irländer, und hinter uns die Khawassen.

Die Torwache wurde gar nicht beachtet, rasch ritten wir an ihr vorüber. Draußen vor Salehiëh bog ich zur Seite, wo ich die Aussätzigen liegen sah. Unser Kommen weckte sie vom Schlafe, und sie waren höchlichst erfreut über das umfangreiche Paket, welches ich für sie auf den Boden niedergleiten ließ. Dann ging es weiter. Salehiëh lag hinter uns, und nun trabten wir an dem Gehänge empor, welches hinauf zum Kubbet en Nassr führt, jenem herrlichen Aussichtspunkt, den ich bereits erwähnt habe.

Dort oben am Grabe des mohammedanischen Heiligen wandte ich mich um und warf einen Blick hinab auf Damaskus, den letzten für jetzt. Da lag die Stadt, im Monde glänzend wie eine Wohnung von Geistern und Dschinnen, umgeben von dem dunklen Ringe der Ghuta. Rechts kam die Straße von Hauran, die mich herbeigeführt hatte, und ganz draußen führte der Karawanenweg nach Palmyra, welches mir verschlossen blieb. Ich hatte nicht geahnt, daß mein Aufenthalt in Damaskus ein so kurzer sein werde.

Hinter Kubbet en Nassr wendeten wir uns rechts gegen das Gehänge des Dschebel Rebach hin und erreichten den Engpaß Rabuh, von welchem es an den Wassern des Barrada nach Dümar ging, einem großen Dorfe, wo wir zum ersten Male Halt machten.

Mit Hilfe der Khawassen wurde der Vorsteher des Ortes geweckt, um Erkundigungen einzuziehen, und seinen Nachforschungen verdankten wir die Nachricht, daß am späten Nachmittag vier Reiter im Galoppe durch das Dorf geritten seien; unter ihnen ein grau gekleideter Inglis mit blauen Gläsern vor den Augen. Sie hatten den Weg nach Es Suk eingeschlagen, den auch wir ohne Verzug verfolgten.

Der Tag brach an, als wir über die Hochebene von El Dschedide ritten; dann kamen wir links von der Stelle vorüber, wo einst die Hauptstadt des alten Abilene lag; auf der anderen Seite erblickten wir den Berg, welcher Abels Grabstätte trägt. Nun folgten mehrere kleine Dörfer, deren Namen ich vergessen habe, und in einem derselben mußten wir anhalten, um unseren angegriffenen Pferden Ruhe zu gönnen.

Wir hatten jetzt eine Strecke zurückgelegt, welche eigentlich einen vollen Tagmarsch in Anspruch nahm. Wenn wir auch fernerhin den Tieren eine solche Anstrengung zumuteten, so war es sicher, daß sie uns nicht sehr weit tragen würden. Uebrigens erfuhren wir von den Leuten, welche herbei kamen, um uns freundschaftlich mit Früchten zu beschenken, daß sie die von uns gesuchten Reiter zwar nicht gesehen hätten, aber am späten Abend habe man hören können, daß ein kleiner Trupp den Ort passierte.

Nachdem die Pferde sich leidlich erholt hatten, brachen wir nach Es Suk auf, welches nicht sehr ferne lag, konnten hier aber nichts Gewisses erfahren. Hinter dem Orte kam uns ein einzelner Reiter entgegen. Es war ein alter, weißbärtiger Araber, den unser Führer freudig begrüßte und uns dann mit den Worten vorstellte:

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