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作者:德- Karl May 当前章节:15406 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Unter dem Rufe: "Hund, du entkommst mir nicht!" griff er nach mir.

Aber nur sein äußerster Finger streifte mich. Ich wußte jetzt, daß er einen Augenblick später genau dahin greifen werde, wo sein Finger mich gefühlt hatte; ich bückte mich, schnellte mich zur Seite und dann hinter ihm hinum.

"Ah, fort! Giaur, wo bist du? Mir entkommst du nicht!"

Jetzt nun, da er mich nach der andern Seite hin vermutete, konnte ich den Schnitt tun, welcher meine Füße frei machte; sodann schlich ich mich mehrere Schritte weiter fort. Es war gelungen, und ich holte tief, tief Atem. Aber was nun? Zunächst nur aus seiner Nähe, um zu überlegen!

Ich huschte eine ganze Strecke weiter fort und lehnte mich dann an die Mauer. Was sollte ich jetzt tun? Immer tiefer in den Gang hineinlaufen? Der Kodscha Pascha hatte ja von der großen Gefährlichkeit dieser Gänge gesprochen! Oder kurzweg mit dem Menschen ringen, um ihn zu überwältigen und zu zwingen, mir den richtigen Weg zu zeigen? Nein. Er hatte Schußwaffen; ich hätte ihn nicht überwältigen können, ohne ihn zu töten; und seine Leiche konnte mir ja nicht als Wegweiser dienen.

Es waren höchst unheimliche Minuten. Auch er beobachtete die größte Geräuschlosigkeit. Blieb er stehen? Kam er auf mich zu oder von mir ab? Er konnte jeden Augenblick auf mich stoßen. Ah pah, diese unterirdischen Gänge konnten ja nicht von einer gar so großen Ausdehnung sein! Ich tastete mich also in der bisher eingehaltenen Richtung weiter fort, den Boden stets erst mit dem Zehenteile der Schuhe sondierend, ehe ich den ganzen Fuß aufsetzte. So mochte ich fast gegen zweihundert kleine Schritte vorwärts gekommen sein, als die Luft feuchter und kühler zu werden schien. Jetzt galt es doppelte Vorsicht! Und wirklich, kaum fünf Schritte weiter hörte der Fußboden auf. Ich ließ mich nieder und tastete umher. Der Rand des Bodens bildete ein großes rundes Loch, welches die ganze Breite des Ganges einnahm. Das war jedenfalls ein Brunnen gewesen. Noch zur Stunde befand sich Wasser darinnen, wie die Feuchtigkeit der Luft bewies. Wer weiß, welche Tiefe er besaß! Wer da hinunterstürzte, kam nimmer wieder empor.

Dem Kreisausschnitte nach mußte die Brunnenöffnung einen Durchmesser von etwa drei Ellen haben. Ich hätte sie also wohl überspringen können, aber ich kannte die Beschaffenheit des gegenüber liegenden Randes nicht. Vielleicht befand sich der Brunnen hart am Ende des Ganges, und drüben war Mauer. Dann mußte der Sprung mein letzter werden.

Nach dieser Seite gab es also keine Rettung für mich; ich mußte umkehren. Das war nun freilich ein schlimmer Umstand! Der Feind schwieg. Lag er noch dort, wo ich ihn verlassen hatte, auf der Lauer, weil er wußte, daß ich gezwungen sei, zurückzugehen? Oder glaubte er noch immer, ich sei nach der andern Richtung entflohen? Oder war er einfach, um ganz sicher zu gehen, nach dem Ausgange geeilt, um diesen zu besetzen? Wie dem auch sein mochte, stehen bleiben konnte ich nicht. Ich nahm also das Messer zwischen die Zähne, legte mich nieder und kroch auf den Knieen und Handballen wieder zurück.

Gehen durfte ich nicht, aber beim Kriechen konnte ich mit den langsam und leise vorantastenden Fingerspitzen den Raum vor mir erst vorsichtig abfühlen, ehe ich den Körper folgen ließ.

So schob ich mich weiter, langsam, sehr langsam zwar, aber doch immer weiter und weiter. Ich hatte nun bereits über zweihundertmal gezählt, daß ich die Kniee fortgesetzt hatte, und mußte also schon über die Stelle hinaus sein, auf welcher ich gelegen hatte. Aber zu diesen zweihundert Schritten hatte ich sicher weit über eine Stunde gebraucht. Noch eine halbe Stunde verging, da hörte die Mauer auf, sowohl an der rechten wie auch an der linken Seite von mir; der Fußboden jedoch lief fort.

Was war das? Rechts und links gab es eine Ecke; folglich stieß der Gang, in welchem ich bisher gewesen war, auf einen andern Gang, und zwar in einem rechten Winkel. Setzte er sich drüben wieder fort? In diesem Falle bildeten die beiden Gänge hier einen Kreuzungspunkt, auf welchem sich Abrahim Mamur befand. Ich lauschte mit angestrengtestem Ohre, konnte aber nicht das leiseste Geräusch vernehmen. Zunächst mußte ich wissen, ob mein bisheriger Gang sich drüben fortsetzte; ich schob mich also in dieser Richtung weiter. Mein Atem ging ruhig, und mein Puls klopfte nicht anders als gewöhnlich; hier war die kälteste Ruhe und Besonnenheit nötig.

Ich gelangte drüben an und überzeugte mich, daß eine Fortsetzung des Ganges vorhanden sei. Welche Richtung sollte ich nun einschlagen? Geradeaus oder nach links? Die Luft war nach allen drei Richtungen hin unbeweglich und von gleicher Temperatur und Feuchtigkeit; auch die Finsternis war gleich dicht und undurchdringlich. Ich überlegte. Befand sich Abrahim hier, so stand er gewiß an derjenigen Seite, welche in das Freie führte; stand er aber nicht hier, so hatte er den Ausgang besetzt.

Vor dem neu aufgefundenen Gange war er nicht, denn dort hatte ich die Ecken der Seitenwände in den Händen gehabt. Es blieben also nur noch die beiden Seiten übrig. Ich wandte mich zunächst nach links. Nicht Zoll um Zoll, sondern Linie um Linie rückte ich vor; nach zehn Minuten wußte ich, daß er auch hier nicht war. Nun gab es nur noch die letzte Richtung, rechts, und ich schob mich dort hinüber.

Wohl bis an den Mittelpunkt der Kreuzung mochte ich gekommen sein, als es mir war, als ob ich ein leises, ganz leises, anhaltendes Geräusch vernehme. Ich strengte mein Gehör an und rückte noch einige Zolle weiter. Richtig! Das war das Ticken einer Taschenuhr, jedenfalls der meinigen, die er mir abgenommen hatte. Hier also endlich fand ich ihn, und hier war folglich die Richtung in das Freie. Wie aber hinaus gelangen? Konnte ich an ihm vorüber?

Um dies zu wissen, mußte ich zu erfahren suchen, welche Stellung er eingenommen hatte: ob er lag, saß oder stand. Ich wagte jetzt das Aeußerste und näherte mich immer mehr. Ihn packen, um mit ihm zu ringen, konnte ich nicht wagen, denn es verstand sich ganz von selbst, daß er jetzt das Messer nicht für zureichend halten konnte und sich mit einer Schießwaffe versehen hatte.

Meine Hände schoben sich so vorsichtig und leise vor, wie die Fühlhörner einer Schnecke. Das Ticken wurde vernehmlicher, und jetzt - pst! - jetzt war ich mit der Spitze des Mittelfingers an ein Stück Zeug gestoßen. Er befand sich also unmittelbar vor mir; er durfte nur die Hand ausstrecken, so hatte er mich. Und in dieser gefährlichen Nähe vergingen wohl abermals zehn Minuten, ehe ich wußte, daß er lag, und zwar quer über den Gang herüber.

Sollte ich über ihn hinwegsteigen? Sollte ich ihn durch eine List fortlocken? Ich wählte das erstere. Es war zwar das Gefährlichere, aber dafür auch das Sichere. Ein sorgfältiges Ausfühlen mit den Fingerspitzen brachte mir das Ergebnis, daß er die Füße übereinander geschlagen hatte. Das war mir lieber, als wenn er sie weit auseinander gespreizt gehabt hätte. Ich erhob mich langsam, trat ganz an ihn hinan und hob das eine Bein in die Höhe. Wenn er jetzt seine Stellung veränderte! Es war ein höchst kritischer Augenblick. Aber ich brachte das Bein glücklich hinüber und zog das andere nach.

Nun war das Schwierigste überwunden. Ich brauchte mich nicht mehr niederzulegen, sondern konnte mich aufrecht fortbewegen. Je mehr ich mich von ihm entfernte, desto sicherer konnte ich auftreten und desto schneller kam ich weiter. Nach kurzer Zeit tappte ich mich bereits im gewöhnlichen Gehschritt vorwärts und merkte auch, daß die Luft sich veränderte. Nach weiterer Zeit fühlte ich Stufen unter den Füßen. Ich stieg empor; es wurde heller und immer heller; ich kam an eine kleine Oeffnung, über welcher ein dichtes Wacholdergesträuch seinen aromatischen Duft verbreitete, und zwängte mich hinaus.

Gott sei Dank! Ich war befreit! Aber ich stand auf einer ganz anderen Seite des Sonnentempels. Jetzt war Eile notwendig, wenn wir den Mann fassen wollten, denn die Sonne stand bereits am Horizonte. Ich eilte also um den Tempel herum dem Orte zu, an welchem sich die Freunde befanden.

Als ich dort anlangte, wurde ich mit stürmischen Fragen begrüßt. Man hatte mich vermißt und gesucht, aber nicht gefunden. Jetzt war sogar der Kodscha Pascha gekommen, um seinen Beistand anzubieten, wenn man mich suchen wolle.

Ich erzählte mein seltsames Erlebnis und erregte dadurch ebenso große Bestürzung wie Freude.

"Allah sei Dank! Wir haben ihn!" rief Jacub. "Auf, laßt uns in den Gang gehen, ihn zu fangen!"

Die Anwesenden griffen alle zu ihren Waffen.

"Halt!" meinte der Kodscha Pascha. "Wartet, bis ich in die Stadt gegangen bin, um mehr Männer zu holen."

"Wir sind Männer genug!" rief Halef.

"Nein," antwortete der Kodscha. "Diese tiefen Gänge haben ihre Geheimnisse. Da gibt es Aus- und Eingänge, welche ihr nicht kennt. Wir brauchen wenigstens fünfzig Mann, um die Ruinen zu umstellen."

"Wir sind neun Männer; das ist genug!" behauptete Jacub. "Was sagst du dazu?"

Diese Frage war an mich gerichtet. Auch ich hielt es für das beste, schnell zu handeln; ebenso auch Lindsay, als ich ihm die Lage der Dinge erklärte. Und so wurde denn beschlossen, sofort an das Werk zu gehen.

"Aber wie steht es mit der Beleuchtung?" fragte ich.

"Ich hole Licht," sagte der Kodscha Pascha.

"In der Stadt? Das währt zu lange!"

"Nein, ganz in der Nähe. Da drüben in den Ruinen wohnt ein Panbukdschi (Baumwollenfärber.), der mehrere Lampen hat."

Er eilte fort, während wir den Feldzugsplan verabredeten.

Sowohl der Eingang, durch welchen ich getreten war, als auch der Ausgang, durch welchen ich den Gang verlassen hatte, mußte besetzt werden. Bei den Sachen mußte auch jemand bleiben; das erforderte wenigstens drei Personen. Am Ausgange genügte eine Person, da wir dort ja in die Tiefe stiegen und dem Gesuchten nach dieser Richtung die Flucht fast unmöglich machten; aber an der Doppelsäule, bei der ich eingetreten war, hielten wir zwei Personen für nötig. Dies waren mit dem einen, der, wo nicht gar zwei, bei unseren Effekten zu bleiben hatte, vier Personen. Es waren also die übrigen vier oder fünf, welche hinabsteigen und den Dieb bewältigen sollten.

Wie nun diese Rollen verteilen? Ich mußte jedenfalls mit hinab; da Halef ein guter Anschleicher war, so wählte ich diesen zum Begleiter, dazu den Kodscha Pascha, seiner amtlichen Eigenschaft wegen. Als vierter bot sich Lindsay an. Ich wies ihn ab, da ich wünschte, daß er bei den Sachen bleiben möge. Es galt ja, die Kostbarkeiten zu bewachen, um deren willen wir das alles unternommen hatten; aber er gab nicht nach, und die andern redeten mir zu, so daß ich einwilligen mußte.

Zurückbleiben mußte Jacub, weil die Pretiosen ihm gehörten, nebst Lindsays Diener. An die Doppelsäule sollten sich die beiden Irländer und an den Ausgang der Diener Jacubs stellen. Den Besitzer von Jacubs Mietpferden konnten wir nicht verwenden, weil er sich in der Stadt bei den Tieren befand.

So war denn die Einteilung getroffen. Ich steckte meine Pistolen zu mir, als einzige Waffen, welche ich nebst dem Messer mit mir nahm; Bill erhielt den Henrystutzen, und Fred meine Büchse; dann wurde einem jeden sein Posten übergeben. Es war seit meiner Rückkehr immerhin eine halbe Stunde vergangen, als ich wieder vor dem Wacholdergebüsche stand. Der Kodscha Pascha und Lindsay trugen die Lampen, allerdings noch unangezündet, und ich stieg mit Halef voran. Unten an den Stufen ließen wir alle unsere Fußbekleidungen zurück; dann schlichen wir vorwärts.

Ich führte Halef an der Hand. Er streifte drüben mit seiner ausgestreckten Rechten, und ich hüben mit meiner Linken die Wand, so daß uns nichts entgehen konnte. Unangenehm war es, daß bei dem Kodscha Pascha hinter uns sich zuweilen ein leises Knacken seiner Zehenknöchel hören ließ.

Wir erreichten die Kreuzung der zwei Gänge. Dort gab ich den zwei uns Nachfolgenden durch einen leisen Stoß das Zeichen, daß sie stehen bleiben sollten, und legte mich dann mit Halef auf den Boden, um zur Stelle zu kriechen, an welcher ich den Gesuchten gelassen hatte. Wir hatten es so ausgemacht, daß ein jeder von uns eine seiner jedenfalls bewaffneten Hände ergreifen solle, worauf die andern beiden herbeieilen müßten, um ihn zu binden.

Unter langsamen Bewegungen gelangten wir hin, aber - er war nicht mehr da. Was nun? Hatte er sich vor einen der andern drei Gänge gelegt? Wir untersuchten auch das und fanden, daß er nicht da sei. Er mußte in einem der drei Gänge sein, aber weiter hinten. Wir gingen zu den zwei Begleitern zurück, welche mit Spannung unsern Hilferuf erwartet hatten.

"Er ist nicht mehr hier," flüsterte ich halblaut. "Gehet eine Strecke zurück und brennt die Lampen an. Stellt euch aber davor, daß ihr Schein ja nicht in die andern Gänge leuchtet."

"Was tut Ihr nun, Master?" fragte Lindsay.

"Wir durchsuchen die drei Gänge."

"Ohne Lampe?"

"Ja. Das Licht würde uns gefährlich sein, da er dann ein sehr leichtes Zielen auf uns bekäme, gar nicht gerechnet, daß er uns schon von weitem bemerken müßte."

"Aber wenn ihr ihn trefft, und wir sind nicht da?"

"So werden wir uns behelfen müssen."

Nun ging es vorwärts, zunächst in den Gang hinein, in welchem ich den Brunnen gefunden hatte. Die ganze Breite des Ganges einnehmend, taten wir etwas über zweihundert Schritte, ohne zuvor zu probieren; dann aber mußten wir vorsichtig sein. Wir erreichten das Loch, ohne Abrahim angetroffen zu haben, und kehrten wieder um.

Nun ging es in den zweiten Gang. Hier mußten wir uns in acht nehmen, um nicht in Gefahr zu geraten. Wir schlichen also nur ganz langsam vorwärts, und es verging über eine Viertelstunde, ehe wir das Ende des Ganges erreichten. Wir standen vor der Grundmauer des Tempels und mußten abermals unverrichteter Sache umkehren.

Im letzten Gange, der uns übrig blieb, war dieselbe Vorsicht geboten. Er war viel länger als der vorige und endete in einem tiefen Loche, dessen Breite diejenige des Ganges war. Zum drittenmal kehrten wir um.

Die Gefährten vernahmen unsern Bericht mit Verwunderung.

"Er war da, folglich ist er noch da!" sagte Lindsay. "Yes!"

"Er kann auch den Gang während der Zeit, daß ich nicht da war, verlassen haben. Nehmt die Lampen. Wir wollen zunächst einmal in den Brunnen sehen!"

Wir schritten links hinüber und kamen an das Ende des Ganges. Der Brunnen war sehr tief; in seinem dunklen Schlunde war nichts als Finsternis zu sehen. Hier hinab konnte Abrahim nicht entwichen sein. Darum suchten wir nun den zuletzt durchforschten Gang auf. Als wir an das Loch kamen, sahen wir, daß es eine Treppenöffnung sei, deren erste Stufe aber so tief war, daß man sie von oben mit der Hand nicht erfassen konnte.

"Wollen wir hinab?" fragte der Kodscha mit einigem Grauen.

"Natürlich. Es ist der einzige Weg, auf welchem er entkommen sein kann."

"Aber wenn er von unten her auf uns schießt!"

"Du wirst hinter uns gehen. Gib mir dein Licht!"

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