饭饭TXT > 海外名作 > 《Von Bagdad nach Stambul》作者:[德] Karl May【完结】 > Von Bagdad nach Stambul - Karl May.txt

第 47 页

作者:德- Karl May 当前章节:15410 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Wir stiegen hinab; wohl zwanzig Stufen zählte ich. Dort gab es einen einzigen langen Gang, welcher sehr weit unter der Erde hinführte und dann mit einer ähnlichen Treppe endete, auf welcher wir emporstiegen. Droben standen wir wieder in einem Gange. Wir teilten uns jetzt nicht, sondern blieben beisammen und verfolgten den Gang.

Er führte zu einem eben solchen Kreuzungspunkt, wie die vier vorher durchforschten Bogengewölbe, und nun war guter Rat teuer. Sollten wir uns teilen oder beisammen bleiben? Wir entschieden uns für das erstere.

Lindsay und der Kodscha bewachten mit dem einen Lichte den Kreuzungspunkt, während ich nebst Halef mit der zweiten Lampe den nächsten Gang hinunterschritt. Auch er war sehr lang und wurde je länger desto breiter, zuletzt auch heller. Wir eilten vorwärts und erreichten das Tageslicht bei den beiden Doppelsäulen, hinter denen ich eingetreten war.

Aber wo waren die beiden Irländer, welche ich hierher postiert hatte?

"Sihdi, er ist hier durchgekommen, und sie haben ihn," sagte Halef.

"So wären sie nach dem andern Ausgange geeilt, um es uns zu melden. Komm, wir wollen nachsehen!"

Wir schritten schnell dem angegebenen Orte zu; auch er war unbewacht; der Diener Jacubs hatte seinen Posten ebenfalls verlassen.

"Sie haben ihn nach dem Loche gebracht, in welchem wir lagern, Sihdi," meinte Halef. "Komm, laß auch uns hingehen!"

"Zuvor holen wir den Engländer und den Kodscha Pascha."

Wir rannten zurück, wo wir hinter der Doppelsäule unsere brennende Lampe gelassen hatten, und eilten wieder in den Gang hinein, um die Zurückgebliebenen zu holen. Mit ihnen draußen angekommen, löschten wir die Lampen aus und gingen dem Lagerplatze zu. Vor dem Loche sahen wir bereits von weitem den englischen Diener unter lebhaften Gebärden mit den beiden Irländern sprechen. Der arabische Diener Jacubs aber stand dabei und verstand sie nicht. Als sie uns bemerkten, kamen sie auf uns zugesprungen.

"Sir, er ist fort!" rief Bill schon von weitem.

"Wer?"

"Master Jacub."

"Wohin denn?"

"Wo der andere hin ist."

"Welcher andere?"

"Den wir fangen wollten."

"Ich verstehe dich nicht. Ich denke, ihr habt ihn!"

"Wir? Nein. Zu uns ist er nicht gekommen. Aber wir dachten, Master Jacub hätte ihn, weil wir ihn schießen hörten, und darum eilten wir ihm zu Hilfe."

"Warum hat er denn geschossen?"

"Fragt den da!"

Er deutete auf Lindsays Diener, welcher bei Jacub Afarah zurückgeblieben war, und dieser berichtete uns ein ganz wunderbares und ebenso sehr ärgerliches Ereignis. Er hatte mit Jacub am Eingange des Loches gesessen und daran gedacht, daß wir diesen Abrahim Mamur nun bald bringen würden. Da hatte es plötzlich hinter ihnen zu prasseln angefangen, und als sie hinter sich blickten, hatten sie gesehen, daß der ganze zugeschüttete Hintergrund des Raumes im Zusammenstürzen sei. Sie hatten nichts anderes geglaubt, als daß die ganze riesige Ruine einbrechen werde, und waren schleunigst davongelaufen. Da aber der gefürchtete Zusammensturz nicht erfolgte, so kehrten sie langsam zurück und wollten eben eintreten, um den Schaden anzusehen, als aus dem Loche heraus ihnen ein - - Reiter entgegen kam; es war Abrahim Mamur. Sie wichen entsetzt zurück, und das benutzte er; er sprengte im Galoppe davon. Jacub aber hatte sich rasch wieder gesammelt, raffte die erste beste Flinte auf, zog ein zweites Pferd Lindsays aus dem Loche und ritt dem Flüchtlinge nach, als er ihm zwei Kugeln ohne Erfolg nachgeschickt hatte.

Das war ja ganz erstaunlich anzuhören! Fast fiel es mir zu schwer, es zu glauben; aber als wir in das Loch traten, ward uns der Beweis, daß der Erzähler die Wahrheit gesprochen hatte. Mein erster Blick fiel auf die Stelle, an welcher das Paket mit den Etuis sich befunden hatte; es war verschwunden. Zwei Pferde Lindsays fehlten, und zwar war sein eigenes gutes Reitpferd dabei.

"Ah! Oh! Weg!" rief Lindsay. "Ihm nach! Schnell! Yes!" Er griff nach dem dritten Pferde, ich faßte seinen Arm. "Aber wohin, Sir David?"

"Dem Kerl nach!"

"Wißt Ihr denn, wohin er ist?"

"No!"

"So seid so gut und bleibt hier, bis Jacub zurückkehrt. Von ihm werden wir das Nähere erfahren."

"Sihdi, was ist das?" sagte da Halef, indem er mir ein kleines, viereckiges Papierblatt entgegenhielt.

"Wo lag es?"

"Es klebte an dem Pferde."

Wirklich, das Papier war noch naß. Es war mit Speichel dem Pferde auf die Stirn geklebt worden und enthielt die türkischen Worte: "Dinle-dim, hop ischit-dim (* "Ich habe gehorcht und alles gehört.")." Das war stark! Hier in dem Loche selbst hatte Abrahim sicher keine Zeit gefunden, diese Worte zu schreiben; er mußte es bereits früher getan haben.

Und nun traten wir zur Hinterwand, wo uns denn sofort alles klar wurde. Dieser Gang war nämlich nicht von selbst eingebrochen gewesen, sondern mit Absicht verschüttet worden. Man hatte über seine ganze Breite Bretter empor gerichtet und an denselben den Schutt so natürlich wie möglich aufgetürmt. Unten am Boden war diese Masse wohl zehn Fuß, oben in der Nähe der Decke aber kaum einen Fuß dick gewesen, und dort mochten sich denn gar wohl einige Lücken befunden haben, durch welche man das ganze Loch überblicken und die darin Befindlichen belauschen konnte.

Von dieser Vorrichtung hatte Abrahim Mamur Kenntnis gehabt, vielleicht von seinem Vater her. Er hatte wohl bald bemerkt, daß ich ihm entkommen sei, und war dann in diesen Gang geeilt, um uns zuzuhören. Sobald sich nun die beiden Wächter der Schätze allein befanden, hatte er die obere dünne Schicht der Verschüttung durchbrochen, und die unüberlegte Flucht der zwei Männer hatte es ihm möglich gemacht, ohne Kampf mit den Kostbarkeiten und dem Pferde zu entkommen. Dieser Mensch war wirklich ein ganz gefährliches Subjekt!

Der Engländer stand bei seinen Pferden und sattelte.

"Diese Arbeit ist überflüssig," bemerkte ich ihm.

"O no, sehr notwendig sogar!"

"Ihr könnt ihm heut ja gar nicht folgen!"

"Werde ihm aber folgen!"

"Bei Nacht? Seht Ihr denn nicht, daß es dunkel wird?"

"Ah! Hm! Yes! Aber er wird entkommen!"

"Das wollen wir abwarten."

Da trat der Kodscha Pascha näher.

"Effendi, erlaubst du mir, euch einen Vorschlag zu machen?"

"Sprich!"

"Dieser Mensch ist sicher in das Gebirge entwischt, wohin ihr ihm nun nicht folgen könnt. Ich aber habe Leute, welche jeden Pfad kennen zwischen hier und dem Meere. Soll ich Boten senden?"

"Ja, Effendi, tue das; es wird dir reichlich belohnt werden."

"Wohin soll ich schicken?"

"In die Hafenstädte, wo er zu Schiffe entfliehen könnte."

"Also nach Tripoli, Beirut, Saïda, Zor und Akka?"

"Ja, nach diesen fünf Orten, denn der Dieb wird nicht im Lande bleiben. Mußt du diesen Boten Briefe mitgeben?"

"Ja."

"So eile, sie zu schreiben, und sende dann die Leute her, damit sie Reisegeld erhalten."

"Sie werden von mir bekommen, was sie bedürfen; ihr mögt es mir dann wieder erstatten. Sie würden von euch zu viel verlangen."

Der ehrliche Mann ging schleunigst in die Stadt. Wir blieben zurück und konnten nichts Besseres tun, als den Gang besichtigen, durch welchen Abrahim ausgebrochen war. Darum brannten wir die Lampen abermals an, ließen die Diener bei den Sachen zurück und kletterten über das Geröll.

Dieser Gang hatte dieselbe Länge wie derjenige, welchen wir vorhin zuletzt durchforscht hatten, und führte auf dieselbe Kreuzung, von welcher aus ich dann mit Halef nach der Doppelsäule gekommen war. Die Sache war höchst einfach, für uns aber nicht vorteilhaft gewesen.

Nach kaum einer Stunde erschien der Kodscha Pascha wieder und brachte vier Reiter mit. Er hatte sie bereits mit Proviant und Geld versehen; doch erhielt jeder von Lindsay noch ein Bakschisch, mit dem sie zufrieden sein konnten. Dann ritten sie ab.

Erst am späten Abend hörten wir draußen den Schritt eines müden Pferdes, und als wir vor den Eingang traten, erkannten wir den zurückkehrenden Jacub Afarah. Er stieg vom Pferde, ließ dasselbe laufen, trat ein und ließ sich stumm auf den Boden nieder. Wir richteten keine Frage an ihn, bis er selbst begann:

"Allah hat mich verlassen! Er hat meinen Verstand verwirrt!"

"Allah verläßt keinen braven Mann," tröstete ich ihn. "Wir werden den Dieb wieder fangen. Wir haben bereits Boten nach Tripoli, Beirut, Saïda, Zor und Akka geschickt."

"Ich danke euch! Aber das wäre nicht notwendig gewesen, wenn Allah mich nicht verlassen hätte. Ich hatte ihn ja bereits."

"Wo?"

"Droben, jenseits des Dorfes Dschead. Er hatte hier in der Hast ein schlechtes Pferd genommen; ich aber bestieg dasjenige des englischen Effendi. Das war besser als das seinige, und so kam ich ihm immer näher, obgleich er einen großen Vorsprung hatte. Wir jagten im Galopp nach Norden zu und brausten durch Dschead. Ich war ihm schon so nahe, daß ich ihn fast mit der Hand erreichen konnte - -"

"Hast du nicht geschossen?"

"Ich konnte nicht, weil ich die beiden Läufe bereits abgeschossen hatte. Ich fühlte mich doppelt stark in meinem Zorne; ich wollte ihn im Galopp ergreifen und vom Pferde reißen. Da kamen wir an viele Nußbäume, die am Wege standen. Er glitt vom Pferde, warf sich das Paket auf die Schulter und floh unter die Bäume. Zu Pferde konnte ich nicht folgen, darum sprang auch ich ab. Ich jagte ihn weit; aber er war ein schnellerer Läufer als ich. Er lief einen Bogen, und kehrte zu der Stelle zurück, an welcher die Pferde standen. Er erreichte sie eher als ich und stieg auf des Engländers Pferd, mir aber ließ er das schlechte."

"Das ist fatal! Nun konntest du ihn nicht einholen?"

"Ich versuchte es, aber es gelang nicht mehr, und es wurde Nacht. Ich kehrte also um, fragte im Dorfe nach dem Namen desselben und bin nun hier. Allah lasse einen jeden Stein, den er mir gestohlen hat, zu einem Stein der Trübsal für ihn werden!"

Der brave Mann war wirklich zu beklagen; sein Eigentum zum zweiten Male zu verlieren, welches er bereits in den Händen gehabt hatte! Ich hielt es für ziemlich sicher, daß Abrahim Mamur nach Tripoli reiten werde, weil er die Richtung über Dschead eingeschlagen hatte. Da wir ihm erst in der Frühe folgen konnten, so war es unmöglich, ihn zu erreichen, ehe er dort anlangte.

Zorniger vielleicht noch als Jacub war Lindsay. Daß dieser Spitzbube just sein bestes Pferd genommen hatte, erboste ihn im höchsten Grade.

"Ich lasse ihn hängen, well!" sagte er.

"Den, der Euer Pferd genommen hat?" fragte ich.

"Yes! Wen sonst?"

"So müßt Ihr unsern guten Jacub Afarah hängen lassen."

"Afarah? Den? Warum?"

"Er hat es genommen gehabt, aber dieser Spitzbube war so klug, es ihm abzujagen."

"Ah! Oh! Wie so? Erzählt!"

Ich berichtete ihm den eigentlichen Sachverhalt. Anstatt aber ihn zu besänftigen, hatte ich Oel ins Feuer gegossen. Er schnitt ein Gesicht, wie ich es noch niemals bei ihm gesehen hatte, und rief im höchsten Zorne:

"So ist es gewesen? Schrecklich! Entsetzlich! Hat das gute Pferd und kriegt ihn nicht! Läßt sich um dieses Pferd betrügen! Yes! Well!"

Jacub bemerkte an Lindsays Blicken, daß von ihm die Rede sei, und konnte sich denken, wovon wir sprachen.

"Ich werde ihm ein anderes kaufen," erklärte er.

"Was will er?" fragte der Engländer.

"Er will Euch ein anderes Pferd kaufen."

"Er! Mir! David Lindsay? Ein Pferd? Ah, immer besser! Erst ärgerte ich mich, daß der Spitzbube grad das beste hatte; nachher ärgerte ich mich, daß er's nicht gehabt hat, und nun ärgert es mich, daß man David Lindsay ein Pferd schenken will. Armseliges Land! Gehe fort; fahre nach Altengland! Hier gibt es keinen klugen Menschen mehr!"

Das schien mir auch so. Wir konnten nichts Klügeres tun, als uns niederlegen, um morgen in der Frühe zum Aufbruche gerüstet zu sein.

Lindsay bat den Kodscha Pascha, ihm einen Mann mit zwei Mietpferden zu besorgen, was dieser auch zusagte; dann suchten wir die Ruhe.

Es war ganz kurz nach Mitternacht, als wir durch einen Ruf geweckt wurden. Draußen stand der Kodscha mit dem bestellten Manne und mit den Tieren. Wir erhoben uns. Jacub belohnte den braven Beamten für seine Auslagen und Mühen, und dann brachen wir auf, nicht das freundlichste Andenken an Baalbek mitnehmend.

Es war während unserer kurzen Vorbereitungen doch schon ziemlich licht geworden, so daß wir bereits sehen konnten. Sobald wir die grüne Ebene Baalbeks hinter uns hatten, mußten wir durch eine weite, unfruchtbare Ebene, in welcher es aber einige hübsche Weinberge gab. Von der Einfriedigung dieser Weinberge blickten uns weiße Heckenrosen und Blutstropfen Christi entgegen. Dann erreichten wir das Dorf Dschead.

Hier erkundigten wir uns und hörten, daß gestern kein Fremder übernachtet habe, daß aber ein von Aïn Ata kommender Bewohner des Dorfes einem einsamen Reiter begegnet sei, welcher jedenfalls nach diesem Orte gewollt habe. In Aïn Ata erfuhren wir dann, daß dieser Reiter wirklich dort durchgeritten sei und sich einen Mann gemietet habe, der genau den kürzesten Weg nach Tripoli wisse.

Wir nahmen uns auch einen solchen Führer und folgten sofort. So ritten wir unter steten Erkundigungen nach dem Verfolgten den Ostabhang des Libanon hinan und den Westabhang wieder hinab, ohne Ruh und Rast, nur des Nachts uns ein wenig erholend. Ich hatte mir diese Reise über das berühmteste Gebirge der christlichen Erde ganz anders gedacht. Nicht einmal den berühmten Zedernwald konnte ich besuchen.

Endlich sahen wir das Mittelmeer in herrlicher Bläue uns entgegenschimmern, und unten am Fuße des Gebirges und am Gestade des Meeres lag Tripoli, welches die Araber Tarablus nennen. Die Stadt liegt etwas in das Land zurück, und nur die Vor- oder Hafenstadt El Mina hat sich an das Meer gelegt; zwischen beiden aber duften die herrlichsten Gärten und befestigen den Eindruck, welchen auch das Innere der Stadt auf den Beschauer macht.

Wir sahen, als wir der Stadt näher kamen, eine zierliche Goëlette den Hafen verlassen. Sollte es schon zu spät sein? Sollte sich Abrahim Mamur dort an Bord befinden? Wir strengten unsere Tiere an und brausten hinab, hinaus nach El Mina. Dort nahm ich mein Fernrohr und richtete es auf das Schiff. Es war noch nahe genug, um die Gesichtszüge der Männer zu erkennen, welche zurück nach dem Lande schauten. Ja, dort stand er an der Reeling; ich sah seine Züge genau und stampfte zornig den Boden mit den Füßen. Neben mir stand ein schmutziger türkischer Matrose.

"Was ist das für ein Schiff?" fragte ich.

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页