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作者:德- Karl May 当前章节:15521 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Ich teilte den beiden Andern von meinen Gedanken noch nichts mit und erfuhr von Omar, daß der Derwisch Ali Manach in der fünften Zelle, vom Eingang an gerechnet, wohne. Dann begab ich mich nach dem Kloster zurück. Ohne mich um die Anwesenden zu bekümmern, schritt ich durch den Hof grad auf die Klosterpforte zu und trat in den Vorraum. Die Tür zu dem Gange stand offen. Die Derwische befanden sich wieder in ihren Zellen. Ich schritt langsam den langen Gang hinab und wieder zurück, um mir die Gemächer und deren Insassen zu betrachten, und kein Mensch kümmerte sich um mich. In der fünften Zelle saß ein junger Derwisch, der vielleicht zwanzig und einige Jahre zählen mochte; er sah starr zum Fenster empor und ließ die neunundneunzig Kugeln seines Rosenkranzes durch die Finger gleiten.

"Sallam!" grüßte ich mit tiefer Stimme und würdevoller Haltung.

"Sallam aaleïkum!" antwortete er. "Was willst du?"

"Ich komme aus einer fernen Provinz und bin mit den Gebräuchen dieses Hauses unbekannt. Ich habe euren Tanz gesehen und möchte euch für die Erbauung danken, welche ihr mir bereitet habt. Darfst du eine Gabe nehmen?"

"Ich darf; gib her!"

"Wie groß muß sie sein?"

"Es wird jeder Para angenommen."

"So nimm!"

Ich gab ihm nach meinen nicht bedeutenden Mitteln, er aber schien zufrieden zu sein, denn er sagte:

"Ich danke dir! Soll dies für mich oder für den Orden sein?"

"Habe die Gnade und nimm es für dich!"

"So sag mir deinen Namen, damit ich weiß, wem ich zu danken habe."

"Der Prophet sagt, daß die Gabe aus einer verschwiegenen Hand einst doppelt angerechnet werde; erlaube mir darum, daß ich schweige, und sage mir dagegen deinen Namen, damit ich weiß, mit welchem frommen Sohne des Islam ich gesprochen habe."

"Mein Name ist Ali Manach Ben Barud el Amasat."

"Und welches ist der Ort, der deine Geburt gesehen hat?"

"Iskenderieh (* Skutari am See gleichen Namens.) ist meine Vaterstadt," antwortete er.

Das stimmte ja! Isla hatte mir schon in Aegypten erzählt, daß Barud el Amasat, der Senitza verkauft hatte, in Skutari gewohnt habe. Ich fragte weiter:

"Leben die Angehörigen deiner frommen Familie noch dort?"

"Nein," antwortete er.

Ich durfte nicht weiter fragen, sonst hätte ich seinen Verdacht erweckt; darum sprach ich noch eine Höflichkeitsformel aus und entfernte mich. Beim Kawehdschi hatten mich Isla und Omar mit Ungeduld erwartet.

"Was hast du erfahren?" fragte Isla.

"Er ist der Sohn jenes Barud el Amasat; er stammt aus Skutari, und wenn mich nicht alles trügt, so ist Hamd el Amasat, welcher sich Abu en Nassr nannte, sein Oheim."

"Effendi, so muß er uns sagen, wo sein Vater sich befindet!"

"Er muß? Wie willst du ihn zwingen?"

"Durch den Kadi."

"So wird er einen falschen Ort nennen, oder, wenn er den richtigen sagt, seinen Vater benachrichtigen. Nein, wir müssen vorsichtig sein. Zunächst will ich mir das Haus ansehen, in welchem er gestern gewesen ist. Ich werde sogleich mit Omar nach Baharive Keui gehen und dir dann vielleicht sagen können, was zu tun ist."

"Du sollst deinen Willen haben, Effendi; wir werden uns also jetzt trennen; dann aber bringst du Omar Ben Sadek mit, denn er soll bei mir wohnen und nicht mehr Hamal sein!"

Isla kehrte nach Hause zurück, und ich begab mich mit Omar an das Wasser, wo wir ein Kaik nahmen und im goldenen Horn aufwärts fuhren, um in Eyub zu landen. Von hier aus gingen wir zu Fuße nach Baharive Keui, welches der nordwestlichste Stadtteil von Konstantinopel ist. Es war ein beschwerlicher Weg durch Schmutz, Unrat und Häusertrümmer, bis wir in eine Art Sackgäßchen gelangten, in welches wir einbogen.

Omar zeigte mir das betreffende Haus nur so im Vorübergehen, damit unser Verhalten nicht auffällig wäre. Es war ein schmales, doch, wie es schien, sehr tiefes Gebäude mit vorspringendem Oberstock; die Tür war mit starkem Eisenblech beschlagen, und die ganze Fronte zeigte außer einem kleinen, viereckigen Loche neben dem Eingange die kahle, fest geschlossene Wand. Diese Bemerkungen machte ich im Vorbeischreiten. Das Nachbargebäude hatte auch ein Oberstockwerk und war ebenso schmal; an seiner Tür klebte ein schmutziger Papierfetzen, auf welchem die Worte: "Ararim bir Kiradschiji - ich suche einen Mietsmann" geschrieben standen.

Kurz entschlossen, hatte ich sofort den Türdrücker in der Hand und trat ein; Omar folgte mir ganz erstaunt darüber, was ich hier suchen wolle. Wir befanden uns in einem sehr engen finsteren Flur, in welchem wir forttappten, bis ich an eine dem Eingange gegenüber liegende Tür stieß; ich öffnete sie und trat in einen Hof, welcher, wie das ganze Haus, vielleicht acht Ellen Breite besaß, dafür aber eine wohl zehnfache Länge hatte. Die beiden Langseiten und die hintere Breitseite wurden von drei holzschuppenähnlichen Gebäuden gebildet, welche sich schon im letzten Stadium des Verfalles befanden. Rechts und links von der Hoftür führte je ein Eingang in die zwei Parterreseiten, die aber nur schmale Löcher sein konnten; zum Oberstocke kam man auf einer halbfaulen Holztreppe, der von den dreizehn Stufen, die sie ursprünglich besessen hatte, sechs verloren gegangen waren.

Der Hofraum bildete eine einzige große Schlammpfütze, die aber zur Zeit von der Sonne ausgetrocknet und in eine feste, brüchige Masse verwandelt worden war. In derselben klebte ein unförmlicher Holzklotz, dessen Bestimmung unmöglich zu erraten war, und auf diesem rätselhaften Klotz saß ein Ding, welches mir noch viel rätselhafter gewesen wäre, wenn es nicht einen alten, schmierigen Tschibuk geraucht hätte. Das Ding hatte nämlich Kugelform und war in einen viel zerrissenen Kaftan gewickelt; auf dieser Kugel lag ein früher vielleicht blau oder meinetwegen auch rot gewesener Turban, und zwischen Kugel und Turban stahl sich eine, wie es schien, menschliche Nase und der soeben erwähnte Tschibuk hervor. Die Nase war nicht viel kürzer als die Pfeife.

Bei unserm Anblick stieß das igelartig zusammengerollte Wesen ein Grunzen aus, das halb behaglich, halb aber auch feindselig klang, und traf Anstalt, sich aus dem Kaftan zu wickeln.

"Sallam!" grüßte ich.

"Ssssss - - hmmm!" zischte und brummte es als Antwort.

"Dieses Haus ist zu vermieten?"

In einem Nu kollerte die Gestalt von dem Klotz herunter und richtete sich dann nach menschlicher Weise auf.

"Ja, jawohl, allerdings, sofort zu vermieten! Schönes Haus, herrliches Haus, prächtige Wohnung, fast für einen Pascha zu gut, alles beinahe ganz neu! Wollen Sie sich das Haus ansehen, Hoheit?"

Das alles kam jetzt auf einmal so schnell und hastig heraus wie aus dem Speiteufel einer Schrotmühle. Man sah, als Abmieter waren wir dem Manne ebenso willkommen, wie wir ihm in jeder anderen Beziehung unwillkommen gewesen wären. Es war ein Jude, der jetzt in seiner ganzen patriarchalischen Glorie vor uns stand, denn alles an ihm schien auf ein paar tausend Jahre zurückzuweisen. Er war klein, sehr klein, aber desto dicker. Man sah an ihm nichts als ein Paar Strohpantoffel, den Kaftan, den Turban, die Nase und die Pfeife, aber das alles, außer der Nase natürlich, schien bereits zu Methusalems Zeiten in Gebrauch gewesen zu sein. Aus den Pantoffeln blickten alle zehn Zehen in rührender Eintracht hervor; der Kaftan war kein Zeug mehr, sondern nur noch Schmutz; der Turban hatte das Aussehen einer ungeheuren, runzeligen Backpflaume, und die Pfeife war nach und nach vorn so abgebissen worden, daß nur noch der Kopf übrig geblieben war, in welchen der glückliche Besitzer anstatt des Rohres einen hohlen Geierknochen gesteckt hatte; der war nicht so leicht durchzubeißen. Uebrigens hatte der Kaftan keine Aermel mehr, und die Aengstlichkeit, mit welcher ihn der Mann zusammengeschlagen und den Kragen emporgezogen hielt, ließ vermuten, daß er die einzige Bedeckung des Vermieters bilde.

Der Mann hatte mich »Sie« genannt; ich gab ihm natürlich dasselbe Prädikat:

"Sind Sie der Besitzer dieses Hauses?"

"Nein, aber Hoheit kann versichert sein, daß ich trotzdem nicht zu den armen, verkommenen -"

"Bitte," unterbrach ich ihn, "beantworten Sie mir meine Fragen so kurz wie möglich! Wem gehört das Haus?"

"Dem reichen Furundschi (* Bäcker.) Mohammad in Khassim Pascha; er hat es geerbt."

"Und was tun Sie hier?"

"Ich muß es bewachen und soll warten, ob ein Mieter kommt."

"Was bekommen Sie dafür?"

"Täglich einen Piaster und für einen halben Piaster Brot."

"Das Haus ist unbewohnt?"

"Ja; ich wohne hier nebenan."

"Wie viel Mietzins verlangt der Bäcker?"

"Für die Woche zehn Piaster, welche vorausbezahlt werden müssen."

"Zeigen Sie uns die Räume!"

Er öffnete zunächst die beiden Pforten der Parterreseiten; wir erblickten zwei kellerartige Höhlen, in denen sich nichts als Schmutz und Ungeziefer befand. Dann kletterten wir zur Treppe empor und gelangten in drei Stuben, von denen ich die erste einen Taubenschlag, die zweite einen Hühnerstall und die dritte eine Kaninchenhöhle hätte nennen mögen.

"Hier ist das Selamlik, hier die Wohnstube und hier das Harem," erklärte er mit solcher Gravität, als habe er uns ein fürstliches Palais zu zeigen.

"Gut! Was enthalten die Gebäude im Hofe?"

"Nichts. Sie sind für die Pferde und für die Dienerschaft."

"Und wie ist Ihr Name?"

"Ich bin Baruch Schebet Ben Baruch Chereb Ben Rabbi Baruch Mizchah; ich kaufe und verkaufe Brillanten, Schmuck und Altertümer, und wenn Sie einen Diener brauchen, so bin ich bereit, Ihnen täglich diese Zimmer auszufegen, die Kleider zu reinigen und alle Wege zu gehen."

"Sie haben ja einen recht kriegerischen Namen! Wo ist das Lager Ihrer Brillanten, Schmucksachen und Altertümer?"

"Hoheit, ich habe grad jetzt alles verkauft."

"So gehen Sie zu dem reichen Bäcker Mohammad und sagen Sie ihm, daß ich das Haus mieten werde. Hier sind für ihn zehn Piaster, welche er wöchentlich bekommen soll, und hier sind noch zehn für Sie selbst, damit Sie sich Tabak kaufen mögen."

"Hoheit, ich danke Ihnen," rief er erfreut; "Sie verstehen es, mit einem Manne zu verkehren, der nur in Brillanten und Altertümern Geschäfte macht! Aber Mohammad wird mich fragen, wer Sie sind. Was soll ich ihm antworten?"

"Zunächst nennen Sie mich nicht Hoheit! Mein Kleid ist zwar neu und ganz, doch ist es mein einziges. Ich bin ein sehr armer Jazidschi (* Schreiber.), der froh ist, wenn er jemand findet, für den er schreiben darf; und dieser mein Freund ist ein armer Hamal, der auch nur wenig Geld verdient. Wir werden hier zusammen wohnen, und vielleicht findet sich noch einer, damit der Mietzins dem einzelnen nicht zu teuer kommt. Ob Sie bei uns Beschäftigung finden, werden wir uns erst überlegen, denn wir müssen sparsam sein."

Ich sagte dies, weil wir wegen unserer gefährlichen Nachbarschaft so arm und gering wie möglich erscheinen mußten. Der Jude antwortete:

"O, Effendi, ich brauche nicht viel. Wenn Sie mir täglich zwei Piaster geben, so werde ich Ihnen alles tun und besorgen."

"Ich werde sehen, ob ich mir so viel verdiene, daß ich zwei Piaster geben kann. Wann können wir einziehen?"

"Sogleich, Effendi."

"Wir werden heut noch kommen, und ich hoffe, daß wir das Haus dann nicht verschlossen finden!"

"Ich werde sofort zu dem Bäcker eilen und Sie dann hier erwarten."

Somit war dieses Geschäft abgemacht, und wir verabschiedeten uns von unserem guten Baruch »Wurfspieß«, Sohn des Baruch >Säbel<, Sohn des Rabbi Baruch >Beinschiene<. Bei Isla angekommen, erzählte ich ihm nebst seinem Vater und Oheim unser Erlebnis, und als ich ihnen meine Vermutungen mitgeteilt hatte, willigten sie ein, daß ich mit Halef und Omar das Logis des Bäckers beziehe. Auch Lindsay wollte mitgehen, aber ich mußte ihn zurückweisen, da er mir nur schaden konnte. Er war darüber so erzürnt, daß er erklärte, allein und ohne mich nicht bei Maflei bleiben zu können, und zog auch wirklich am Nachmittag nach Pera.

Nachdem alles Nötige besprochen worden war, packten wir unsere Waffen zusammen und fuhren nach Baharive Keui; mein Pferd ließ ich natürlich zurück.

Der Jude erwartete uns in unserer neuen Wohnung. Er hatte sie von seinem Weibe nach Kräften reinigen lassen und freute sich königlich, als ich ihm darüber meine Zufriedenheit äußerte. Ich beauftragte ihn, Brot, Kaffee, Mehl, Eier, Tabak, einiges Geschirr und von einem Trödler drei gebrauchte Decken für uns zu besorgen, und als er sich entfernt hatte, konnten wir unbeobachtet unsere Gewehre auspacken. Sie kamen in dasjenige Zimmer, welches außer uns niemand betreten sollte.

Baruch kehrte bald zurück; sein Weib hatte ihm geholfen. Die Alte glich einer lebendig gewordenen Mumie und lud mich ein, heut zu ihr zum Abendbrote zu kommen. Ich nahm diese Einladung an, da mir die beiden Alten nützlich sein konnten und ich mir deshalb gern ihr Wohlwollen erwerben wollte. Daß mir dies bereits einigermaßen gelungen war, sollte ich schon eher als bei meinem Besuche sehen, denn sie brachten uns freiwillig einige Strohsäcke geschleppt, welche uns als Diwan dienen sollten. Diese Säcke schienen zwar aus lauter Rissen und Löchern zusammengesetzt zu sein, aber Baruch war ja arm, und man sah die Liebe; er hielt uns für mittellos und meinte es gut.

Als sich die beiden entfernt hatten, machten wir Licht und zündeten unsere Pfeifen an, denn es war unterdessen dunkel geworden. Isla hatte uns eine kleine Blendlaterne mitgegeben, welche uns gute Dienste leisten sollte. Wir besprachen, daß während meiner Abwesenheit Omar an der leise geöffneten Haustür Posto fassen solle, um die Passanten des Nachbarhauses möglichst zu beobachten; Halef sollte in den Hof gehen. Die beiden Häuser waren durch eine dünne Bretterwand voneinander getrennt, wenigstens auf der Hofseite, und wenn der kleine Hadschi sich in den Schuppen stellte, so war zu vermuten, daß er doch vielleicht etwas erlauschen könne.

Ich sah Baruch, welcher auf der andern Seite des Hauses wohnte, bereits auf mich warten. Die beiden Leute hatten ganz allein eine Hütte inne, die keinen Besitzer hatte, - ein Fall, der in Stambul nicht selten ist. Man konnte vermuten, daß unsere Einkäufe ihnen einen kleinen Gewinn abgeworfen hatten; sie befanden sich bei ausgezeichneter Laune und empfingen mich mit unterwürfiger Herzlichkeit. Mit unserem Erscheinen war vielleicht eine kleine Hoffnung über ihrem Elende aufgegangen. Die alte Jüdin zeigte eine größere Sauberkeit, als ich vermutet hatte, so daß ich das Wenige, welches mir vorgelegt wurde, so ziemlich mit Appetit genießen konnte, und als ich ihr ein Quantum Kaffee und dem Gemahl einen kleinen Vorrat von Tabak schenkte - beides hatte ich für sie mitgebracht -, so waren sie so entzückt, als hätten sie die wertvollste Gabe erhalten.

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