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作者:德- Karl May 当前章节:15594 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Habt ihr das Geld?" hörte ich den Türken fragen.

"Ja," antwortete der Wirt mit einem kurzen Lachen.

"So laßt mich los!"

"Noch nicht; frei wirst du erst am frühen Morgen sein. Ich will dir nur sagen, daß bald Leute hier in dieses Zimmer kommen werden; sie dürfen nicht wissen, daß du dich hier befindest; hereintreten werden sie allerdings nicht, aber sie sollen dich auch nicht hören. Darum werde ich dich jetzt anbinden und dir einen Knebel geben. Wenn du dich ganz und gar ruhig verhältst, wirst du freigelassen; machst du aber Lärm, so kommst du nur als Leiche aus diesem Hause!"

Der Türke bat, ihn doch frei zu lassen; er versprach, von dem heutigen Ereignisse zu keinem Menschen zu sprechen; es war vergebens. Er bat dann, ihn wenigstens nicht zu knebeln, da er sich vollständig still verhalten werde; auch dies half nichts. Aus dem ängstlichen Klange seiner Stimme war zu schließen, daß er die eigentliche Absicht des Griechen ahne; er wurde angebunden und geknebelt; dann entfernte sich der Wirt, nachdem er die Tür zugeriegelt hatte.

Jetzt galt es, schnell zu handeln, ehe die Leute kamen, von denen der Wirt gesprochen hatte. Es war ein Glück, daß ich fertig war. Ich steckte die Revolver und das Messer zu mir und kroch hinüber, nachdem die Bretter zur Seite geschoben waren. Die Gefährten folgten mir nicht, aber sie hielten sich bereit, mir beizuspringen, falls ich angegriffen werden sollte.

Ich zog den Riegel zurück und trat ein.

"Gib keinen Laut; ich will dich befreien!" sagte ich dem Gefangenen und betastete sogleich seine Fesseln. Es waren Stricke; ich zerschnitt sie und steckte sie zu mir. Der Knebel bestand in einem Tuche, welches - dick zusammengelegt - ihm vor den Mund und die Nase gebunden war; ich knüpfte es auf und steckte es ebenfalls ein.

"Maschallah," meinte der Mann, indem er sich schnell aufrichtete; "wer bist du, und wie - -"

"Still!" unterbrach ich ihn; "folge mir!"

Ich zog ihn hinaus, verriegelte die Tür wieder und schob ihn dann durch die von mir gemachte Oeffnung in unsere Wohnung hinüber.

"Hamdulillah, Gott sei Dank!" flüsterte Halef. "Ich hatte große Sorge um dich; aber es ist schneller gegangen, als ich dachte."

Ich antwortete nicht, sondern schraubte den an meinem kleinen Taschenmesser befindlichen Korkzieher in das mittlere der drei jenseitigen Bretter, stieß das große Dolchmesser in den Balken und hing die beiden Griffe aneinander; auf diese Weise waren die Bretter so befestigt, daß man drüben gar nicht merken konnte, daß sie geöffnet worden seien.

Jetzt hörten wir abermals Schritte. Man brachte einen Betrunkenen, der ganz einfach auf die Diele gelegt wurde, um seinen Rausch auszuschlafen. Nun war ich sicher, daß man die Kammer, in welche ich eingedrungen war, nicht mehr betreten werde, und ging mit den drei anderen in unsere andere Stube hinüber. Dort machten wir Licht und betrachteten unseren Gast.

Er war von mittlerer Figur, mochte das fünfzigste Jahr noch nicht erreicht haben und besaß recht intelligente Gesichtszüge.

"Sei willkommen!" begrüßte ich ihn. "Wir waren zufällig Zeuge des Vorfalles im Nachbarhause und hielten es für unsere Pflicht, dir beizustehen."

"So gehört ihr nicht zu jenen Schurken?" fragte er mißtrauisch.

"Nein."

"Ich wußte, daß man mir das Leben nehmen wollte, und dachte, du holtest mich, weil der Augenblick dazu gekommen sei. Wer seid ihr?"

"Ich bin ein Deutscher, und dies sind meine zwei Freunde, freie Araber aus der Sahara. Dieser Mann, Omar Ben Sadek, hat eine Blutrache gegen einen Feind, der in diesem Hause zu verkehren scheint; darum haben wir uns nebenan eingemietet, um es beobachten zu können. Wir wohnen erst seit heut hier, und Allah hat es gewollt, daß wir gleich am ersten Abend Gelegenheit finden, eine böse Tat zu verhindern. Dürfen wir erfahren, wer du bist?"

Er blickte finster vor sich nieder; dann schüttelte er den Kopf und antwortete:

"Laßt mich schweigen! Ich will nicht meinen Namen, den viele kennen, in dieser Angelegenheit öffentlich nennen lassen. Du bist ein Fremdling, und ich werde dir danken können, auch wenn du meinen Namen nicht erfährst."

"Ich achte deinen Willen und bitte dich zugleich, nicht von Dank zu sprechen. Hast du einen der Männer erkannt, welche da drüben sind?"

"Nein. Es sind viele Gäste da und auch viele, welche nicht bloß Gäste zu sein scheinen. Ich werde diese Höhle noch in dieser Stunde durchsuchen lassen!"

"Wird dir dies gelingen? Zwar bin ich überzeugt, daß dieser Grieche vor dem Morgen nicht erfährt, daß du entkommen bist; er wird also von der Polizei vollständig überrascht werden, wenn er nicht auch für gewöhnlich Wächter ausstellt; aber ich habe erfahren, daß viele Polizisten und Beamte, ja sogar Derwische dieses Haus besuchen, und darum ist es zweifelhaft, ob du deinen Zweck in gewünschter Weise erreichst."

"Polizei?" fragte er geringschätzig. "Ich habe allerdings in eine Stube geblickt, in welcher Khawassen saßen; ich kannte sie, aber sie bemerkten mich nicht. Nein, zur Polizei werde ich nicht gehen. Wisse, daß ich ein Zabit (* Offizier.) bin - der Rang ist Nebensache; ich werde meine Dschengdschiler (** Soldaten.) holen und mit dieser Spelunke kurzen Prozeß machen."

Das war mir lieb und unlieb zu gleicher Zeit. Wenn er die Gesellschaft aufhob, so war es wahrscheinlich, daß just die von uns Gesuchten nicht anwesend waren, und dann hatten wir sie von neuem zu suchen. Aber der Stein war einmal in Bewegung; ich mußte ihn rollen lassen. Darum antwortete ich:

"So erfülle mir die Bitte, mir die Gefangenen zu zeigen, welche du machen wirst. Ich möchte wissen, ob die Männer dabei sind, welche wir suchen."

"Du sollst alle sehen."

"Erlaube mir eine Bemerkung! Wer dieses Haus betreten will, der wird nach seinem Begehr gefragt und nur auf das Wort »En Nassr« eingelassen. Vielleicht wird dir dies von Nutzen sein."

"Ah, also dies war das Wort, welches mein Führer in das Loch neben der Tür hineinflüsterte! Aber," fuhr er in mißtrauischem Tone fort, "wie kommst du dazu, dies Wort zu wissen?"

Da er in diesem Tone zu mir sprach, konnte sein Rang kein geringer sein. Ich antwortete ruhig:

"Omar Ben Sadek hat gelauscht und es vernommen." Ich erzählte ihm das, was er zu wissen brauchte, und fuhr dann fort: "Es wird geraten sein, deine Truppen zu teilen. Die eine Hälfte kann sich mittels des Wortes Eingang durch die Tür verschaffen, und die andere Hälfte mag durch die Oeffnung eindringen, durch welche du entwichen bist. Das erstere darf jedoch nicht eher geschehen, als bis ihr euch bereits vor der Oeffnung befindet, denn es ist sehr zu vermuten, daß der Wächter, welcher die Tür öffnet, beim Anblicke der Soldaten einen Warnungsruf ausstößt, um seinen Genossen Zeit zur Flucht zu geben."

"Ich sehe, daß du es ehrlich meinst, und werde deinen Rat befolgen. Habt ihr keinen Fez bei euch? Diese Schurken haben das Haupt eines Gläubigen entblößt; das soll ihnen vergolten werden!"

"Ich werde dir den meinigen geben; auch diese Pistolen will ich dir leihen, damit du nicht unbewaffnet bist."

"Ich danke dir, Franke! Du sollst alles wieder haben. Seid wachsam; spätestens in einer Stunde kehre ich zurück."

Ich begleitete ihn bis vor die Tür, und er entfernte sich eilig, indem er sich auf der entgegengesetzten Seite der Gasse hielt.

"Sihdi," fragte mich Omar, als ich wieder zurückkehrte, "wird man Abu en Nassr, wenn er drüben ist, mir überlassen?"

"Ich weiß es nicht."

"Meine Rache geht doch vor!"

"Der Offizier wird vielleicht wenig danach fragen."

"So weiß ich, was ich zu tun habe. Erinnerst du dich des Schwures, den ich auf dem Schott Dscherid an der Stelle, in welcher mein Vater verschwunden war, ablegte? Siehe, ich habe das Haar und den Bart wachsen lassen bis zur jetzigen Stunde, und nun soll mir der Feind, den ich heut so nahe habe, nicht entgehen!"

Er ging hinaus in das »Selamlik« und setzte sich vor das lose Brett. Wehe Abu en Nassr, wenn er heut abend von dem Rächer gefunden wurde!

Ich löschte das Licht aus und folgte Omar mit Halef. Drüben mußten sich jetzt mehrere Personen befinden. Ich hörte ein vielfaches Schnarchen und ein Stöhnen, wie es beim Beginne der Opiumnarkose ausgestoßen zu werden pflegt. Wir verhielten uns schweigsam, und als drei Viertelstunden vergangen waren, ging ich hinunter zur Haustür, um den Offizier zu erwarten.

Es war doch weit über eine Stunde vergangen, als ich trotz der Dunkelheit eine lange Reihe von Gestalten auf der jenseitigen Zeile der Gasse lautlos sich nähern sah. Gewiß hatten dieselben schon vorher ihre Instruktion erhalten, denn während die hintere Abteilung drüben stehen blieb, wurde die vordere direkt auf den Eingang unseres Hauses zugeführt. An ihrer Spitze schritt der Offizier, noch immer in seiner vorigen Kleidung, aber mehr als hinreichend bewaffnet.

"Ah, du erwartest uns!" flüsterte er. "Hier hast du deine Pistolen und hier auch deinen Fez."

Er nahm beides aus den Händen des ihm Folgenden, der ein Hauptmann war. Während ich die Leute führte, deren gegen dreißig sein mochten, blieb er an der Tür stehen. Meine drei Stuben waren grad voll, als er als der hinterste eintrat. Trotz der schlechten Treppe war alles ohne auffälliges Geräusch abgelaufen.

"Mache Licht!" sagte er.

"Hast du die Tür unten verschlossen?" fragte ich ihn.

"Der Riegel ist vorgeschoben."

"Und eine Wache hingestellt?"

"Eine Wache?" lachte er. "Wozu?"

"Ich sagte dir bereits, daß ich erst seit heute hier wohne; ich kenne also das Terrain noch nicht genau und muß also auch den Fall im Auge behalten, daß diejenigen, welche du fangen willst, hier in den Hof hereinbrechen und sich durch meine Tür entfernen."

"Das laß nur meine Sorge sein," antwortete er überlegen; "ich weiß genau, was ich zu tun habe!"

Als das Licht brannte, setzte er es neben die Bretterwand und befahl, zu beginnen. Die vordersten der Soldaten erhoben die Gewehre, um die Wand mit den Kolben einzuschlagen. Dies war geradezu eine Dummheit zu nennen, denn ehe der erste hinübergelangte, waren die Insassen des Hauses gewarnt. Ein einziger kam auf klügere Weise hinüber; kaum war der erste Schlag gefallen, so schob er die Bretter zur Seite, riß meine beiden Messer aus dem Holze und kroch hindurch. Er war längst verschwunden, als der Offizier an der Spitze der Seinigen durch die Bresche drang.

Ich hatte erst den Gedanken gehabt, nun selbst die Tür zu besetzen, kam aber schnell davon zurück, als ich bedachte, ich sei ja nicht da, um die Fehler anderer zu verbessern. Ich drang also gleich hinter dem Offizier und neben dem Hauptmanne drüben ein. In dem Gemache lagen sechs oder sieben Betrunkene und vom Opium Berauschte. Wir sprangen über sie hinweg nach dem Nebenzimmer und sahen eben die letzte Gestalt hinter einer andern Tür verschwinden. Wir folgten.

Von unten tönte auch bereits wüster Lärm herauf; die Soldaten waren eingedrungen. Die Stube, in die wir kamen, hatte noch zwei Türen. Wir öffneten die eine und sahen ein Gemach vor uns, welches keinen andern Ausgang hatte; es war voll von Knaben und Mädchen, welche alle flehend am Boden knieten.

"Eine Wache an die Tür!" brüllte der Offizier.

Er sprang nach der andern Tür, und ich ihm nach. Da rannten wir mit Omar zusammen, welcher uns entgegenkam.

"Er ist nicht oben!" schnaubte er. "Ich muß hinunter!"

Die Blutrache hatte ihn, uns allen voran, bis an das äußerste Ende des oberen Stockwerkes getrieben.

"Wer ist oben?" fragte ihn der Offizier.

"Mehr als zwanzig Kerle, ganz hinten. Ich kenne keinen davon."

Er stieß uns beiseite und eilte nach unten. Wir aber rannten durch mehrere Räume, welche alle erleuchtet waren. Der Ueberfall war so plötzlich gekommen, daß man vor Schreck vergessen hatte, die Lichter auszulöschen. Später hörte ich, daß der Türwächter unten, als er die Soldaten erblickte, sofort ein Pistol abgeschossen hatte und im Dunkel des Hausganges verschwunden war. Wir im Nebenhause hatten unter dem Krachen der Kolbenschläge diesen Schuß nicht gehört, wohl aber war er von den Bewohnern des Hauses vernommen worden, die darauf, da der Schuß jedenfalls als ein Zeichen der höchsten Gefahr verabredet gewesen war, schleunigst die Flucht ergriffen. Dies war der Grund davon, daß wir bei unserer Ankunft bereits die vorderen Zimmer geleert fanden.

Endlich gelangten wir an die Tür des letzten Raumes. Sie war von innen verbarrikadiert. Während die Soldaten sich abmühten, sie mit ihren Kolben zu zertrümmern, vernahm man auch drinnen ein lautes Krachen. Die Tür war stark; sie widerstand zu lange; darum rannte ich durch die Räume alle zurück in unsere Wohnung, um meine Büchse zu holen, denn ich hatte nur die Revolver und Pistolen bei mir; die Messer hatte Omar an sich genommen.

Als ich mit dem Gewehre zurückkehrte, hatte die Tür immer erst nur einen kleinen Riß. Sie war so dauerhaft gearbeitet, jedenfalls weil der dahinter liegende Raum als letzter Zufluchtsort gegolten hatte und infolgedessen besser verwahrt worden war; auch die Mauer war nicht von Holz, sondern von Ziegeln aufgeführt.

"Hinweg!" gebot ich den Leuten. "Laßt mich machen!"

Mein Bärentöter war allerdings ein anderer Mauerbrecher als die leichten Tüfenks der großherrlichen Vaterlandsverteidiger. Schon der erste Stoß mit dem stark mit Eisen beschlagenen Kolben gab eine Bresche; noch drei wuchtige Hiebe, und die Tür lag in kleinen Trümmern, uns aber empfing in demselben Augenblick eine Salve von mehr als zehn Schießwaffen. Mehrere Soldaten stürzten nieder, ich aber, der ich wegen der Kolbenhiebe zur Seite an der Mauer gestanden hatte, blieb unversehrt. Eben sah ich, daß der Offizier mit erhobener Waffe in den Raum drang, und wollte ihm folgen, als ich horchend stehen blieb.

"Sihdi, Hilfe, schnell, schnell!" hörte ich trotz des Lärms die Stimme Halefs vom Hofe herauftönen.

Dies zeigte, daß der brave Hadschi sich in einer nicht gewöhnlichen Gefahr befinde. Natürlich mußte ich zu ihm. Wieder durch die Zimmerreihe nach unserm Wohnhause, durch dessen Stuben die Treppe hinab in den Hof: dieser Weg war zu lang; da konnten sie mir inzwischen den guten Halef erschlagen. Schon hörte ich seinen Ruf zum zweitenmal und dringender; ich sprang also an die Holzwand, welche an der Seite unseres Hofes stand, und stieß mit dem Kolben gleich einige Bretter hinaus.

"Halte aus, Halef! Ich komme!" rief ich hinab.

"Schnell, Sihdi, ich habe ihn!" tönte es wieder herauf.

Die alten morschen Bretter flogen hinab; drunten herrschte tiefe Finsternis, aber Schüsse blitzten, und wirre, wilde Flüche erschollen. Da gab es kein Zaudern; ich holte aus und sprang hinab, in das Dunkel hinein. Es war zwar nicht besonders hoch, aber ich kam doch sehr unsanft auf dem Boden an. Hurtig raffte ich mich auf.

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