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作者:德- Karl May 当前章节:15624 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Der Kanzler begleitete mich bis an die Tür. Noch standen wir daselbst, einige höfliche Worte wechselnd, als zwei Reiter an uns vorüber kamen. Ich beachtete sie nicht, aber der eine hielt sein Pferd an und dadurch wurde der Andere gezwungen, ein Gleiches zu tun. Der Kanzler trat mit einem Abschiedsgruße in das Haus zurück, und ich schickte mich an, den Platz zu verlassen, als ich den einen Reiter rufen hörte:

"Maschallah, ist es wahr? Emir!"

Galt dies mir? Ich wandte mich um. Die beiden Reiter waren Offiziere. Der eine von ihnen war - jener Mir Alai, dessen Boten ich heut so höflich empfangen hatte, und der andere, der in dem gleichen Range stand, war jener Adjutant, den ich bei den Dschesidi am Bade erwischt hatte, und der sich mir dann so dankbar erzeigte.

Ich trat hinzu, herzlich erfreut, den Mann wiederzusehen, und reichte ihm die Hand, die er mir freundlich schüttelte.

"Sallam, Effendi!" grüßte ich. "Erinnerst du dich noch der Worte, welche ich sprach, als wir schieden?"

"Was sagtest du?"

"Ich sagte: »Möge ich dich als Mir Alai wiedersehen!« Und Allah hat meinen Wunsch erfüllt. Aus dem Nasir Agassi ist der Kommandeur eines Regimentes geworden."

"Und weißt du, wem ich dies zu verdanken habe?"

"Nein."

"Dir, Emir. Die Dschesidi hatten sich bei dem Großherrn beschwert, und der Statthalter von Mossul wurde bestraft nebst vielen anderen. Der Anadoli Kasi Askeri kam und untersuchte die Angelegenheit; sein Urteil war gerecht, und da ich mich der Dschesidi um deinetwillen ein wenig angenommen hatte, wurde ich befördert. Erlaubst du mir, dich einmal zu besuchen?"

"Du sollst mir von Herzen willkommen sein! Aber leider ist es heut der letzte Tag, an welchem ich in Stambul bin. Morgen früh reise ich ab."

"Wohin?"

"Nach dem Abendlande. Ich habe das Morgenland besucht, um die Sitten und Gebräuche desselben kennen zu lernen, und werde den Bewohnern des Abendlandes sehr viel zu erzählen haben, was sie nicht für möglich halten."

Diese Worte waren mit einer kleinen Malice gegen seinen Begleiter gesprochen; er mochte den Stich fühlen, denn er sagte:

"Ich habe heute abermals nach dir geschickt, aber du warst ausgegangen. Erlaubst du, daß ich zu dir komme?"

Ah, der Umstand, daß der Andere so freundlich und achtungsvoll mit mir sprach, schien seine Wirkung zu haben! Ich antwortete kalt:

"Ich werde dich empfangen, obgleich die Zeit mir karg bemessen ist."

"Wann?"

"In einer Stunde; später nicht."

"Allah akbar, auch ihr kennt euch!" verwunderte sich Nasir. "Gut, so kommen wir zusammen!"

Er reichte mir die Hand zum Abschiede, worauf wir uns trennten. Ihm hätte ich am allerwenigsten zu begegnen vermutet. Es war wirklich, als ob mir hier in Konstantinopel eine Rekapitulation meiner Erlebnisse beschieden sei.

Auf dem Heimwege hatte ich Gelegenheit, mir noch einiges einzukaufen, was ich für die bevorstehende Reise brauchte. Ich war zwar überzeugt, daß mein Gastfreund alle bei dem Ritte entstehenden Kosten tragen werde, aber ich wollte mich doch nicht ganz und gar von seiner Dankbarkeit abhängig machen.

Als ich meinem Halef erzählte, daß ich Nasir Agassi begegnet sei, und daß derselbe mich besuchen werde, hatte er große Freude. Er begann sofort, die Pfeifen zu reinigen und noch manches andere vorzubereiten, was gar nicht notwendig war, und gab mir sogar höchst ernsthaft zu verstehen, daß der Mir Alai, dessen Jüsbaschi wir heute an der Türe hatten sitzen lassen, nun höflich zu behandeln sei, da er mit einem Freunde und Bekannten von uns komme.

Die Stunde war noch nicht vergangen, so traten die beiden Offiziere bei mir ein. Sie wurden herzlich empfangen und nach Möglichkeit bewirtet. Ich merkte es, daß sie von mir gesprochen hatten, denn das Benehmen des älteren war ein außerordentlich verbindliches. Das Gespräch drehte sich natürlich meist um unsere Erlebnisse bei den Teufelsanbetern. Ich erzählte auch mein Zusammentreffen mit dem Makretsch von Mossul und erfuhr, daß ihn die Soldaten wohlbehalten nach Mossul zurückgebracht hätten, worauf er dann verschwunden sei. Der Anadoli Kasi Askeri wußte sicher, in welchem Gefängnisse sich der abgesetzte Richter befand.

Als wir nahe am Scheiden waren, erinnerte sich der Andere daran, daß es nun an der Zeit sei, seine Angelegenheit zu regeln.

"Emir," fragte er, "ich habe gehört, daß man morgen etwas im »Bassiret« lesen wird. Kann dies nicht rückgängig gemacht werden?"

Ich zuckte die Achseln und antwortete langsam und nachdrücklich:

"Du bist mein Gast, Effendi, und ich bin gewohnt, allen Menschen, also auch meinen Gästen, die ihnen gebührende Ehre zu erweisen; aber erlaube mir, aufrichtig mit dir zu sein! Wenn ich nicht gewesen wäre, so lebtest du heute nicht mehr; was ich tat, das tat ich als Mensch und Christ, und ich fordere dafür keine Belohnung; doch hättest du das berücksichtigen sollen. Anstatt dessen aber behandeltest du mich gestern wie einen deiner Soldaten, und heute schickst du mir sogar diesen Jüsbaschi zu, welcher es wagt, mir befehlen zu wollen. Du darfst mir nicht zürnen, daß ich dies gerügt habe. Ich bin nicht gewohnt, behandelt zu werden wie ein Mann, der griechische Weinhäuser besucht, um sich ein Vergnügen zu machen; ich denke, daß ich gestern mehr als meine Schuldigkeit getan habe, und wenn du bereit bist, mir einen Wunsch zu erfüllen, so mag die ganze Angelegenheit vergessen sein."

"Sage diesen Wunsch!"

"Deine Rettung hast du eigentlich einem braven Juden zu verdanken. Er wohnte neben mir und hat mich auf die Oeffnung aufmerksam gemacht, durch welche ich dich aus der Taverne entführte. Du hast diese Spelunke in Brand stecken lassen, und ihm ist durch das Feuer sein ganzes Besitztum verloren gegangen. Wolltest du diesem armen Manne eine kleine Entschädigung geben, so würdest du ihn glücklich machen, und ich würde dich für einen Mann halten, dem ich ein freundliches Andenken widmen kann."

"Ein Jude ist er? Weißt du, Effendi, daß ein Moslem einen Juden verachtet, der eines andern Glaubens ist? Ich werde - -"

"Effendi!" unterbrach ich ihn mit stärkerer und sehr ernster Stimme, "bedenke, daß auch ich kein Moslem bin! Du selbst bist ein Inselgrieche und erst vor kurzer Zeit zur Lehre Muhammeds übergetreten. Wenn du den Christen verachtest, so bedauert er dich dafür, und was mich betrifft, so würde ich niemals das verachten und verleugnen, was ich so lange gewesen bin!"

"Emir, ich meinte ja nicht dich! Wo befindet sich der Jude?"

"Der Arme genießt die Gastfreundschaft dieses Hauses."

"Willst du ihn einmal rufen lassen?"

"Sogleich!"

Ich schickte Halef, und gleich darauf trat Baruch ein. Der Mir Alai maß ihn mit kaltem Auge und fragte, nur halb zu ihm gewendet:

"Deine Sachen sind dir gestern verbrannt?"

"Ja, Herr," antwortete Baruch demütig.

"Hier, nimm dafür. Kaufe dir andere!"

Er griff in seine Börse und reichte ihm etwas dar, was ich nicht erkennen konnte; aber an der Stellung seiner Finger bemerkte ich, daß es nicht sehr viel sein konnte. Der Jude bedankte sich und wollte sich entfernen; ich aber hielt ihn zurück.

"Halt, Baruch Schebet Ben Baruch Chereb. Zeige mir, was du empfangen hast! Der Effendi wird mir meine Neugierde verzeihen, denn ich will es ja nur sehen, um ihm mit dir danken zu können;"

Es waren zwei Goldstücke zu fünfzig und fünfundzwanzig Piaster, in Summa also fünfundsiebzig Piaster oder zwölf bis vierzehn Mark nach deutschem Gelde. Das war mehr als sparsam und auch mehr als geizig; das war lumpig. Ich konnte mir denken, daß der Mir Alai gestern, bevor er die Erlaubnis zum Plündern gab, alles im Hause vorgefundene Geld an sich genommen und jedenfalls auch die Taschen der Toten und Gefangenen durchsucht hatte. Zwar war es mir nicht aufgefallen, aber ich kannte die Art und Weise dieser Herren zur Genüge.

Deshalb fragte ich ihn jetzt:

"Du hast deine dreitausend Piaster wieder erlangt, Effendi?"

"Ja."

"Und diesem Manne, dem du sie verdankst und das Leben dazu, gibst du fünfundsiebzig für sein verbranntes Eigentum? Schenke ihm tausend, so scheiden wir als gute Freunde, und im »Bassiret« wird dein Name nicht genannt!"

"Tausend, Emir? Wo denkst du hin? Er ist ein Jude!"

"Ganz wie du willst! Baruch, gib ihm die fünfundsiebzig wieder! Wir werden nachher zum Kadi gehen, du als Kläger und ich als Zeuge. Wer dir dein Eigentum verbrannt hat, der muß es dir ersetzen, selbst wenn er ein Regiment kommandiert und mein Gast gewesen ist. Ich werde mich durch den Gesandten meines Herrschers beim Diwan erkundigen lassen, ob der Sultan seinen Offizieren erlaubt, die Straßen Stambuls niederzubrennen! "

Ich stand auf und gab das Verabschiedungszeichen, auch die beiden Gäste erhoben sich, und der Jude näherte sich dem Mir Alai, um ihm sein Geld zurückzugeben; dieser aber winkte ihn von sich ab und sagte mit unterdrücktem Grimme:

"Behalte es! Ich werde dir das Fehlende senden!"

"Tue dies bald, Effendi," bemerkte ich, "denn in einer Stunde gehen wir zum Richter!"

Das war eine keineswegs angenehme Szene, aber ich mache mir noch heut keine Vorwürfe darüber, daß ich den Weg der Nötigung betrat, um den Offizier für seine Arroganz zu bestrafen und dem armen Juden zu einer Entschädigung zu verhelfen. Tausend Piaster klingt allerdings wie eine große Summe, aber es sind doch nur im höchsten Falle zweihundert Mark; damit war dem braven Baruch geholfen, wenn es auch zu wenig war, um einen Handel mit »Juwelen und Altertümern« damit zu begründen.

Der Mir Alai verließ mit einem stolzen Kopfnicken das Zimmer; Nasir aber nahm den freundlichsten Abschied von mir.

"Emir," sagte er, "ich weiß, wie schwer es dir wird, mit einem Gaste so scharf zu sprechen; aber ich hätte es an deiner Stelle wenigstens ebenso gemacht. Er ist ein Günstling des Ferik Pascha, weiter nichts. Lebe wohl, und gedenke meiner, wie ich auch dein gedenken werde!"

Noch vor dem Verlaufe einer Stunde brachte ein Onbaschi (* Unteroffizier.) einen Beutel, der die an den tausend Piastern fehlende Summe enthielt. Baruch tanzte vor Freude, und seine Frau nannte mich den gütigsten Effendi der Welt und versprach, mich täglich in ihr Gebet einzuschließen. Das Glück der alten Leute söhnte mich mit meinem Bruch der Gastfreundschaft vollständig aus.

Am Abend waren wir alle vereint; es gab ein Abschiedsmahl, bei dem sich auch Senitza einfand. Sie als Christin durfte uns ihr Gesicht sehen lassen, wenn Isla ihr auch nicht erlaubte, unverschleiert auf die Straße zu gehen. Sie ging mit uns noch einmal ihre Erlebnisse durch: die Trauer, in der sie bei ihrer Gefangenschaft befangen gewesen war, und das Glück, als sie sich aus Abrahim Mamurs Gewalt gerettet sah.

Am Schlusse nahm Lindsay Abschied. Seine Nase war so ziemlich von ihrer Beule befreit, so daß er sich auch wieder in London zeigen konnte. Als er ging, begleitete ich ihn nach seiner Wohnung. Dort entkorkte er noch eine Flasche Wein und gab mir die Versicherung, daß er mich wie einen Bruder liebe.

"Bin mit Euch vollständig zufrieden," meinte er. "Nur eines ärgert mich."

"Was wäre das?"

"Habe mich von Euch herumschleppen lassen, ohne einen einzigen Fowling-Bull zu finden. Verdrießliche Geschichte! Yes!"

"Ich glaube, es gibt in England auch welche zu finden, die man gar nicht auszugraben braucht. Da laufen vielleicht genug John-Fowling-Bulls herum!"

"Soll das mir gelten?"

"Fällt mir gar nicht ein, Sir!"

"Habt Ihr Euch das mit dem Pferde überlegt?"

"Ja, ich verkaufe es nicht."

"So behaltet es. Aber Ihr müßt trotzdem einmal nach England kommen; in zwei Monaten bin ich daheim. Verstanden? Und nun noch eins! Ihr seid mein Führer gewesen, und ich habe Euch Euer Salair noch nicht bezahlt. Hier, nehmt!"

Er schob mir ein kleines Portefeuille zu.

"Macht keinen dummen Spaß, Sir!" sagte ich, es zurückschiebend. "Ich bin als Freund und Genosse mit Euch geritten, nicht aber als Euer Diener, den Ihr zu bezahlen habt."

"Aber Master, ich denke, daß -"

"Denkt, was Ihr wollt, aber nicht, daß ich Geld von Euch nehmen werde," unterbrach ich ihn. "Lebt wohl!"

"Werdet Ihr wohl gleich diese Brieftasche nehmen?"

"Adieu, farewell, Sir!"

Ich umarmte ihn schnell und eilte zur Tür hinaus, ohne auf sein Rufen zu achten, das hinter mir erscholl.

Den Abschied am andern Morgen von Maflei und Senitza kann ich übergehen. Als die Sonne sich im Osten erhob, hatten wir beinahe schon Tschatalsche erreicht, durch welches die Straße über Indschigis und Wisa nach Adrianopel führt.

- - -

Achtes Kapitel: In Edreneh

Adrianopel, welches die Türken Edreneh nennen, ist nach Konstantinopel die bedeutendste Stadt des osmanischen Reiches. Hier residierten die Sultane von Murad dem Ersten an bis zu Mohammed dem Zweiten, welcher im Jahre 1453 Konstantinopel eroberte und seine Residenz dorthin verlegte. Auch später war es ein Lieblingsaufenthalt vieler Sultane, von denen besonders Mohammed der Vierte gern hier verweilte.

Unter den mehr als vierzig Moscheen, welche die Stadt besitzt, ist die »Selimje«, die Selim der Zweite erbaute, berühmt. Sie ist noch größer als die Aja Sophia in Konstantinopel und verdankt ihre Entstehung dem berühmten Moshia-Architekten Sinan. Wie eine Oase in der Wüste liegt sie inmitten einer kläglichen Anhäufung von Holzhäusern, deren bunt bemalte Mauern und Wände aus tiefem Schmutz und Straßenkot auftauchen. Der imposante Kuppelbau dieser Moschee wird im Innern von acht gigantischen Pfeilern getragen und äußerlich von vier wunderbar schlanken Minarehs belebt, von denen ein jedes drei Balkone für die Muezzins besitzt. Im Innern erblickt man zwei Reihen Galerien, welche aus den kostbarsten Marmorarten zusammengesetzt sind und von 250 Fenstern erleuchtet werden. Zur Zeit des Ramasans brennen hier 12 000 Lichter.

Wir kamen von Kirkilissar und hatten die schlanken Minarehs der Selimje schon längst vor uns leuchten sehen. Von weitem bot uns Adrianopel einen prächtigen Anblick dar; als wir es aber erreicht hatten und durch seine Straßen ritten, ging es wie mit allen andern Städten des Orientes: sie verlieren in der Nähe ihre Schönheit und erfüllen niemals das, was sie aus der Ferne versprechen.

Hulam, den wir aufsuchen wollten, wohnte in der Nähe des Utsch Scherifeli, der Moschee Murads des Ersten, an deren terrassenförmigem, mit prächtigem Marmor gepflastertem Vorhofe wir vorüberritten. Die vierundzwanzig von siebzig Säulen getragenen Kuppeln wurden aus dem Schatz der Johanniter erbaut, welcher bei der Eroberung von Smyrna erbeutet wurde. Wir tauchten in eine sehr stark belebte Gasse und hielten vor einer mehrere Stockwerke hohen Mauer, durch welche ein jetzt verschlossenes Tor führte. Wir hatten in dieser Mauer die Straßenfront des Hauses zu erblicken, welches uns gastlich aufnehmen sollte.

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