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作者:德- Karl May 当前章节:15405 字 更新时间:2026-6-23 07:58

Ich schritt weiter, ohne mich nach ihm umzusehen; aber mein Ohr war geübt genug, sich von ihm nicht täuschen zu lassen. Ich hörte seine Schritte hinter mir; dann entfernten sie sich. Sie sollten leise sein, aber ich vernahm sie doch.

Als ich sie nicht mehr hörte, drehte ich mich rasch um und lief zurück. Richtig! Dort eilte er hinab und bog in eine andere Gasse ein. Ich folgte ihm nun, wo er mich nicht sehen konnte, und kam just zur rechten Zeit an die nächste Ecke, um zu sehen, daß er abermals um eine andere Ecke bog.

Natürlich stand ich einige Augenblicke später an derselben und bemerkte, daß er nach der Tscharschia Ali Pascha's einlenkte.

Tscharschia bedeutet Bazar und ist von dem slavonischen Wort tscharschit abzuleiten, welches "bezaubern" bedeutet. Es soll damit auf den Eindruck hingedeutet werden, welchen die Waren auf den Beschauer machen.

Der Mann dachte natürlich, daß ich im Gedränge des Bazars seine Spur sicher verlieren würde, wenn ich derselben noch immer folgen sollte. Mir aber war diese Wendung lieb; denn eben dieses Gedränge machte es mir möglich, ganz nahe an ihn heran zu kommen, ohne von ihm bemerkt zu werden.

Das geschah denn auch. Ich blieb hart hinter ihm, obgleich er seine Richtung wohl noch mehr als zehnmal änderte. Endlich - wir waren grad durch den Kleiderbazar gekommen - schritt er auf ein ganz in der Nähe befindliches Karawanserei zu, in dessen Tor er trat. Hier konnte er mir nicht entgehen, da ich annehmen mußte, daß das Serai keinen zweiten Ausgang habe.

Nun fragte es sich nur, ob er dort wohne oder durch seinen Eintritt einen anderen Zweck verfolge. Ich wurde, als ich stehen blieb, um ihn zu beobachten, von dem letzteren überzeugt. Er blieb nämlich hinter dem Tore stehen und rekognoszierte den vor ihm liegenden Platz sehr sorgfältig, jedenfalls nach mir.

Da kam mir ein Gedanke. Ich trat zu dem nächsten Händler.

"Sallam aaleïkum!"

"Aaleïkum!" antwortete der Mann höflich.

"Hast du ein blaues Turbantuch?" fragte ich.

"Ja, Effendi."

"Und einen Mahluta (* Mantel.)?"

"So viele du willst!"

"Ich habe Eile. Ich will mir beides nur leihen, aber nicht kaufen. Mache schnell und gib mir den Mantel und das Tuch! Hier ist meine Uhr; hier sind meine Waffen; dazu gebe ich dir meinen Kaftan und auch noch fünfhundert Piaster. Das alles wird genug sein, dir Sicherheit zu geben, daß ich wiederkomme."

Er blickte mich erstaunt an. So etwas war ihm wohl noch gar nicht begegnet.

"Effendi, warum tust du das?" fragte er.

Um nicht aufgehalten zu werden, mußte ich es ihm sagen.

"Ich verfolge einen Mann, der mich kennt, mich aber nicht mehr erkennen soll," antwortete ich. "Schnell, sonst entgeht er mir!"

"Allah 'l Allah! Du bist ein gizli Aramdschi (** "Geheimer Sucher", Geheimpolizist.)?" fragte er.

"Frage nicht, sondern eile!" gebot ich ihm. "Oder weißt du nicht, daß der Großherr Hilfe von dir fordert, wenn es gilt, einen flüchtigen Verbrecher zu ergreifen?"

Jetzt glaubte er fest, daß ich ein verkleideter Khawasse sei. Ich legte meinen Kaftan ab; er warf mir den Mantel über und wand mir das Tuch als Turban um den Kopf. Als ich ihm die erwähnten Gegenstände zum Pfand gegeben hatte und nun fertig war, trat ich an den Eingang, um dort zu warten.

Ich hatte den Armenier nicht aus den Augen gelassen. Er stand noch hinter dem Tore, um zu spähen. Der Gejindschi (* Kleiderhändler.) folgte mit seinem Auge der Richtung meines Blickes. Er bemerkte, auf wen meine Aufmerksamkeit gerichtet war, und fragte:

"Effendi, meinst du den Mann, der da drüben im Tore steht?"

"Ja."

"Er ist soeben hier vorüber gekommen?"

"Allerdings."

"Und hat mich gegrüßt?"

"Das habe ich nicht bemerkt. Du bist also ein Bekannter von ihm?"

"Ja. Ich habe Kleider von ihm gekauft. Du denkst, daß er ein Verbrecher sei?"

"Ich werde es erfahren. Wie heißt er?"

"Du bist ein Diener des Padischah, und darum will ich ehrlich mit dir sein. Sage, was du wissen willst!"

"Waren die Kleider, welche du von ihm gekauft hast, neu?"

"Nein."

"Er ist also kein Tarzi (** Schneider.)?"

"O nein. Ich habe großen Schaden gehabt. Die Kleider waren sehr billig, aber der größte Teil wurde mir wieder abgenommen, denn sie waren Männern, die man auf der Straße angefallen hatte, abgenommen worden."

"Bestrafte man diesen Menschen nicht?"

"Er ist hier fremd und war nicht zu finden. Und dann, als er wieder kam und man ihn ergriff, ließ man ihn um seines Geldes willen unbestraft gehen."

"Wer ist er?"

"Er kleidet sich wie ein Bulgare, aber er ist ein Armenier und heißt Manach el Barscha."

"Weißt du, wo er wohnt?"

"Er ist Einnehmer des Charadsch (* Kopfsteuer der Nichtmoslemim.) in Uskub. Viele Armenier haben die Steuern gepachtet."

"Und wo befindet er sich hier?"

"Wenn er in Edreneh ist, so wohnt er bald hier und bald dort, am meisten aber in dem Meham (** Gasthaus.) des Handschia (*** Bulgarischer Gastwirt.) Doxati."

"Wie finde ich diesen?"

"Er bewohnt das Haus gleich neben dem griechischen Metropoliten."

Auch diesen wußte ich nicht, aber ich durfte doch nicht zeigen, daß ich hier so sehr unbekannt sei. Uebrigens verließ grad jetzt der Armenier das Serai, und ich folgte ihm, nachdem ich dem Händler einen kurzen Gruß zugeworfen hatte.

Es war sicher ein sehr glücklicher Umstand, daß ich hier jemand gefunden hatte, der diesen Manach el Barscha so genau kannte. Wer weiß, wie lange ich sonst hätte suchen und fragen müssen, ehe ich mit meiner Erkundigung an die richtige und zuverlässige Quelle gekommen wäre!

Der Armenier wendete sich zwar noch einigemal um, aber es fiel ihm nicht ein, in mir den Mann zu vermuten, der ihn verfolgt und mit dem er sogar gesprochen hatte. Ich brauchte mich also nicht mehr so sehr in acht zu nehmen, wie vorher, und sah endlich, daß er in ein Haus trat, welches allerdings ein Gasthaus zu sein schien.

In der Nähe hatte ein Kastanienhändler seinen Platz. Ich kaufte ihm eine Handvoll seiner Früchte ab und erkundigte mich bei ihm:

"Weißt du, wer in dem großen Hause wohnt, hier zur Linken?"

"Der griechische Metropolit, Effendi."

"Und wer hier daneben?"

"Ein bulgarischer Gastwirt. Er heißt Doxati. Willst du vielleicht bei ihm wohnen? Es ist billig und bequem bei ihm."

"Nein. Ich suche den Gastwirt Marato."

"Den kenne ich nicht."

Damit meine Erkundigung nicht auffallen sollte, hatte ich den ersten besten Namen, der mir einfiel, genannt. Ich ging fort, denn für jetzt wußte ich genug. Was nun zu tun war, mußte sich ja finden. Es galt, dafür zu sorgen, daß der Gefangene nicht entfliehen könne. Zu erfahren, in welcher Beziehung dieser Manach el Barscha zu ihm stehe, war jedenfalls nicht leicht; aber es mußte doch auf irgend eine Weise versucht werden.

Ich merkte mir das Gasthaus des bulgarischen Wirtes genau, um es, falls dies notwendig werden sollte, selbst am Abend finden zu können, und kehrte zu Hulam zurück, dessen Wohnung zu verfehlen gar nicht schwer gewesen wäre.

Man hatte längst auf mich gewartet. Der Ausgang der Gerichtsverhandlung war allen unlieb, und sodann hatten sie sich meine so schnelle Entfernung nicht erklären können.

"Sihdi," meinte mein kleiner Hadschi Halef Omar, "ich sage dir, daß ich große Sorge um dich gehabt habe!"

"Sorge um mich? Warum?"

"Warum? So fragst du?" sagte er ganz erstaunt. "Weißt du denn noch immer nicht, daß ich dein Freund und Beschützer bin?"

"Das weiß ich allerdings, mein guter Halef."

"Nun, als Freund hast du mir zu sagen, wohin du gehst, und als Beschützer hast du mich sogar mitzunehmen."

"Ich konnte dich nicht gebrauchen."

"Mich nicht gebrauchen?" sagte Halef, indem er ganz energisch an seinen dreizehn Schnurrbarthaaren herumzupfte. "Du hast mich gebrauchen können in der Sahar, in Aegypt, am Tigris, bei den Teufelsanbetern, in Kurdistan, in den Ruinen, deren Name mir nicht sogleich einfällt, in Stambul und überall; hier aber willst du mich nicht gebrauchen können? Das glaube ich nicht! Weißt du, daß es hier ebenso gefährlich ist, als in der Sahar oder im Tal der Stufen, wo wir die vielen Feinde gefangen nahmen?"

"Warum?"

"Weil man hier seine Feinde vor lauter Menschen nicht sehen kann. Oder glaubst du etwa, ich wisse nicht, daß du dich eines neuen Feindes wegen entfernt hast?"

"Woher kommt dir dieser Gedanke?"

"Ich folge stets deinen Augen und sehe, was sie tun."

"Nun, was haben sie getan?"

"Sie haben beim Kadi einen Bulgaren beobachtet, der aber kein Bulgare war. Als dieser ging, bist du schleunigst aufgebrochen."

"Wahrhaftig, Halef, du hast ganz recht beobachtet!" sagte ich.

"O, Sihdi," meinte er stolz, "weißt du noch, als wir durch das Wadi Tarfaui ritten und du die Darb (* Spur, Fährte.) der Mörder beobachtetest?"

"Ja, das weiß ich noch."

"Da lachte ich dich aus, daß du im Sande lesen wolltest. Ich war damals das, was der Türke ahmak (** Dumm.) nennt; aber ich hielt mich dennoch für außerordentlich klug."

"Ah, du hast unterdessen von mir gelernt! Nicht wahr?"

Er wurde einigermaßen verlegen. Er wollte doch nicht so geradezu gestehen, daß ein »Beschützer« von dem Beschützten gelernt habe, und konnte es auch nicht ganz und gar verneinen. Darum antwortete er, um sich wenigstens nicht zu auffällig eine Blöße zu geben:

"Wir haben uns gegenseitig unterrichtet, Sihdi. Was du konntest, das habe ich von dir gelernt, und was ich wußte, das hast du von mir angenommen. Auf diese Weise sind wir klüger geworden, so klug, daß beide, Allah und der Prophet, ihre Freude an uns haben. Wärest du nicht ein Christ, sondern ein Gläubiger, so würde diese Freude tausendfach größer sein."

"Was du da sagst, muß einer sorgfältigen Prüfung unterworfen werden. Wir wollen gleich heute einmal sehen, ob du wirklich so klug bist, wie du denkst!"

Seine kleinen Augen blitzten beinahe zornig auf.

"Sihdi," sagte er, "willst du mich etwa beleidigen? Ich bin dir ein treuer Diener gewesen, seit ich dich kenne. Ich habe dich beschützt in allen Gefahren des Leibes und der Seele. Ich bin dein Freund und dein Gönner, denn ich habe dich so lieb, daß ich gar nicht weiß, wem mein Herz mehr gehöre, dir oder meiner Hanneh, der Blume der Frauen. Ich habe mit dir gehungert und gedürstet, geschwitzt und gefroren; ich habe mit dir und für dich gekämpft; kein Feind hat meinen Rücken zu sehen bekommen, denn es wäre mir eine Schande gewesen, dich zu verlassen. Und nun willst du sehen, ob ich klug bin! Für dies alles hast du nichts als eine Beleidigung? Sihdi, ein Fußtritt hätte mir nicht weher getan, als dieses Wort!"

Der brave Mensch meinte es ernst. In seinen Augen bemerkte ich einen feuchten Schimmer. Es war natürlich weder meine Absicht gewesen, ihn zu kränken, noch ihn zu beleidigen; darum legte ich ihm beruhigend die Hand auf die Schulter und antwortete:

"So habe ich es nicht gemeint, mein guter Halef. Ich wollte nur sagen, daß es eben jetzt eine Gelegenheit gibt, deine Klugheit zu betätigen."

Das stimmte ihn sofort um.

"Sage mir diese Gelegenheit, Sihdi," meinte er, "und du wirst sehen, daß ich deines Vertrauens würdig bin!"

"Es handelt sich um den Mann, welchen ich während des Verhörs beobachtet hatte. Er scheint mir ein - -"

"Ein Bekannter des Gefangenen zu sein!" fiel Halef ein, um mir zu beweisen, daß er nicht nur meine Gedanken erraten, sondern auch scharf nachgedacht habe.

"Allerdings," antwortete ich.

"Vielleicht hat er die Absicht, ihm von Nutzen zu sein!"

"Daran zweifle ich gar nicht. Dieser Barud el Amasat kann sein Heil nur in der Flucht finden. Wer ihn retten will, muß es ihm ermöglichen, zu entkommen. Der Fremde warf ihm beruhigende und ermunternde Blicke zu, und das hat er sicherlich nicht ohne eine ganz besondere Absicht getan."

"Du bist ihm nachgegangen, um seine Wohnung zu erfahren?"

"Ja. Auch seinen Stand und Namen weiß ich bereits."

"Was ist er?"

"Er heißt Manach el Barscha, ist Steuereinnehmer in Uskub und logiert bei dem Handschia Doxati hier."

"W'Allah! Ich ahne, in welcher Weise ich meine Klugheit betätigen soll!"

"Hättest du das wirklich erraten?"

"Ja. Ich soll diesen Manach el Barscha bewachen."

"Ganz recht!"

"Das kann ich aber nur dann, wenn ich auch bei Doxati wohne."

"Du wirst hinreiten, sobald es dunkel ist. Ich werde mitgehen, um dir das Haus zu zeigen."

Da trat Osco, der Montenegriner, vor und sagte:

"Auch ich werde wachen, Sihdi!"

"Ah! Wo?"

"Vor dem Zindan (* Gefängnis.), in welchem sich der Gefangene befindet."

"Denkst du, daß dies nötig sein wird?"

"Es ist mir ganz gleich, ob es nötig ist oder nicht. Er hat meine Tochter als Sklavin verkauft und mir vieles und großes Herzeleid bereitet. Er ist meiner Rache verfallen. Du bist ein Christ. Du sagst, die Rache sei Gottes, und ich habe dir deinen Willen getan, indem ich Barud el Amasat den Händen des Kadi überlassen habe. Will er sich denselben entziehen, so habe ich darüber zu wachen, daß er nicht auch mir entgehe. Ich verlasse euch und werde es euch sofort melden, wenn ich etwas Wichtiges beobachte."

Nach diesen Worten entfernte er sich, ohne im mindesten auf unsere Bemerkungen zu hören.

Jetzt packte Halef seine Habseligkeiten zusammen und setzte sich auf sein Pferd. Er wollte sich den Anschein geben, als ob er erst jetzt in Adrianopel ankomme. Ich geleitete ihn zu Fuß bis in die Nähe der Handschia und wartete, bis er in das Tor derselben eingeritten war. Dann begab ich mich nach dem Bazar zurück, um meine Kleidung wieder einzutauschen.

Als ich Hulams Haus wieder erreichte, war es unterdessen dunkel geworden. Er machte uns den Vorschlag, ein Bad zu besuchen, wo es guten Kaffee, Karaschekler (** Chinesische Schattenspiele.) und ausgezeichnetes Aïswasperwerdesi (*** Berühmte Adrianopeler Gelées.) gäbe. Wir erfüllten seinen Wunsch.

Ueber die türkischen Bäder wird so viel geschrieben, daß eine Bemerkung hier überflüssig wäre. Die Schattenspiele, welche wir nach dem Bade in Augenschein nahmen, konnten nicht Anspruch auf Lob machen. Die Gelees mochten wirklich ausgezeichnet sein, sie waren aber nicht nach meinem Geschmack.

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