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作者:德- Karl May 当前章节:10571 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Allah sei mit euch und lasse euch den Fang gelingen!"

"Ja, Allah mag helfen; doch verzichte ich trotzdem nicht auf deine Hilfe."

"Ich soll euch helfen? Wie meinst du das?"

"Hast du mir nicht einen Verhaftsbefehl und sechs Khawassen versprochen?"

"Ja. Sie sollten bei Tagesanbruch vor der Türe Hulams halten. Aber noch vorher erfuhr ich, daß du verunglückt seist. Brauchst du alle sechs?"

"Nein; drei genügen."

"Sie sollen in zwei Stunden bei dir sein. Aber, wirst auch du das Wort halten, welches du mir gegeben hast?"

"Ich halte es so, wie du das deinige."

"So lebe wohl! Allah lasse dich gesund und lebendig das Land deiner Väter erreichen!"

Er ging. Seit ich mich geweigert hatte, ihm das Geld zu geben, war er ein ganz anderer geworden. Seine Untergebenen waren auch verschwunden. Nur der Sohn kniete neben seinem Vater und klagte laut um ihn. Letzterer lag in den letzten Zügen. Ich zog meinen Beutel heraus, zählte das Geld ab, welches Ali Manach gehört hatte, und gab es dem Khawassen. Er warf mir trotz seiner augenblicklichen Trauer einen ganz erstaunten Blick zu und fragte mich:

"Das soll mir gehören, Effendi?"

"Ja, es ist dein. Laß deinen Vater damit begraben. Sage aber dem Kadi nichts!"

"Herr, ich danke dir! Deine Güte träufelt Balsam in die Wunde, welche Allah mir geschlagen hat. Mein Vater hat seinem Rufe gehorchen müssen. Ich bin arm. Nun aber kann ich ihm an seinem Grabe einen Stein mit dem Turban setzen lassen, damit die Besucher des Mezarchane (* Friedhof.) sehen, daß da ein gläubiger Sohn des Propheten begraben liegt."

So hatte ich, der Christ, ohne es zu beabsichtigen, dem toten Moslem zu einem Denksteine verholfen. Ob das Geld des »Tanzenden« wohl besser angewendet gewesen wäre, wenn ich es dem Kadi aufgezählt hätte? -

Wir hatten Hulams Wohnung noch nicht erreicht, so begegneten uns zwei Khawassen, welche Ali Manachs Pferd abgeholt hatten.

So war also geschehen, was wir gestern abend für unmöglich gehalten hätten. Ich hatte gefragt: "Soll Ali Manach denn nicht bestraft werden?" Die Gerechtigkeit hatte nicht nötig gehabt, ihn in Stambul aufzusuchen; er selbst war ihr in die Hände gelaufen. Wir freilich hatten durch dieses Ereignis den ganzen Vormittag eingebüßt. Es galt, dieses Versäumnis womöglich nachzuholen.

Es wurde Kriegsrat gehalten. Zunächst warf Hulam die Frage auf, welcher Art wohl die Leute gewesen sein mochten, die in dem Hause, in welchem der Derwisch den Tod gefunden hatte, verkehrt hatten. Er glaubte, daß sie mit den Nassrs in Konstantinopel in Verbindung gestanden hätten. Dies war allerdings nicht unwahrscheinlich; doch hielt ich sie zugleich für solche Leute, von denen der Bewohner der Halbinsel sagt, daß sie »in die Berge gegangen seien«.

Jetzt hatte ich erst Zeit, den Zettel vorzunehmen, den ich bis jetzt noch nicht entziffert hatte.

"Kannst du die Zeilen lesen, Effendi?" fragte Isla.

Ich gab mir alle Mühe, mußte jedoch mit »Nein« antworten. Der Zettel ging aus einer Hand in die andere, vergeblich. Niemand vermochte ihn zu lesen. Die einzelnen Buchstaben waren ziemlich deutlich geschrieben; aber sie bildeten Wörter, welche mir und den Anderen vollständig fremd und unverständlich waren.

Ich buchstabierte die kürzesten dieser Wörter zusammen - sie hatten keinen Sinn. Da zeigte sich mein guter Halef als der Klügste von uns allen.

"Effendi," sagte er; "von wem wird der Zettel sein?"

"Wohl jedenfalls von Hamd el Amasat."

"Nun, dieser Mann hat alle Ursache, das, was er schreibt, geheim zu halten. Denkst du nicht, daß die Schrift eine geheime ist?"

"Hm! Du kannst recht haben. Hamd el Amasat mußte den Umstand mitberechnen, daß der Zettel möglicherweise in falsche Hände gelangen konnte. Die Schrift ist nicht geheim; aber wie es scheint, ist die Zusammenstellung der Buchstaben eine ungewöhnliche. »Sa ila ni«; das verstehe ich nicht. >Al<, das ist ein Wort; >nach< aber ist kein orientalisches - - ah, wenn man es umdreht, wird >Chan< daraus!"

"Vielleicht ist auch alles verkehrt geschrieben!" sagte Hulam. "Du hast »ila« gelesen. Umgedreht würde es >Ali< lauten."

"Richtig!" antwortete ich. "Das ist ein Name und zugleich ein serbisches Wort, welches »aber« bedeutet. >Ni< heißt umgekehrt >in<; das ist rumänisch und bedeutet >sehr<."

"Lies einmal alle drei Zeilen von links nach rechts, anstatt von rechts nach links!" sagte Isla.

Ich tat es; aber es erforderte dennoch große Mühe, ehe es mir gelang, die Buchstaben anders zu gruppieren, so daß zusammenhängende Worte entstanden. Das Resultat bestand in dem Satze:

"In pripeh beste la karanorman chan ali sa panajir menelikde."

Das war jedenfalls ein mit Absicht gebrauchtes Gemisch von Rumänisch, Serbisch und Türkisch und lautete:

"Sehr schnell Nachricht in Karanorman-Chan; aber nach dem Jahrmarkt in Menelik."

"Das ist richtig; das muß richtig sein!" rief Hulam aus. "In einigen Tagen ist Markt in Menelik."

"Und Karanorman-Chan?" fragte ich. "Wer kennt diesen Ort? Wo mag er liegen?"

Niemand kannte ihn. Das Wort bedeutet zu Deutsch »Finsterwaldhaus« oder >Schwarzwaldhaus<. Der Ort war also jedenfalls klein und lag im Walde, im tiefen Forste. Aber in welcher Gegend?

Es wurden zehnerlei Vorschläge gemacht, um eine Art und Weise zu entdecken, sich über die Lage dieses geheimnisvollen Ortes zu unterrichten; aber keiner schien zum Ziele zu führen.

"Strengen wir uns jetzt nicht zu sehr an," sagte ich. "Die Hauptsache ist, daß die Nachricht erst nach dem Jahrmarkt von Menelik nach Karanorman-Chan gebracht werden soll. Das Wort »sa« bedeutet >nach< und >hinter<; ich schließe daraus, daß der Empfänger des Briefes erst den Jahrmarkt besuchen soll, bevor er nach Karanorman-Chan geht. Und nach Menelik geht ja wohl der Weg, welchen die drei Reiter gestern abend eingeschlagen haben. Nicht?"

"Ja," antwortete Hulam, "du hast recht, Effendi. Dieser Barud el Amasat ist nach Menelik. Dort wird man ihn sicher treffen. "

"So wollen wir keine Zeit verlieren und möglichst schnell aufbrechen. Zugleich aber wird es nötig sein, einen Boten nach Iskenderiëh zu Henri Galingré zu senden, um ihn zu warnen."

"Das werde ich besorgen. Aber ehe ihr aufbrecht, nehmt ihr ein Mahl bei mir ein, und ferner muß ich die Erlaubnis haben, für euch zu sorgen!"

Es läßt sich in kurzen Worten sagen, daß wir in zwei Stunden reisefertig im Hofe hielten. Wir waren vier Personen: Osco, Omar, Halef und ich. Die andern mußten zurückbleiben.

"Effendi," fragte Isla, "für wie lange Zeit wirst du Abschied nehmen?"

"Ich weiß es nicht. Erreichen wir die Gesuchten bald, so kehre ich zurück, um Barud el Amasat nach Edreneh zu bringen. Entgehen sie uns längere Zeit, so ist es möglich, daß wir uns niemals wiedersehen."

"Das wolle Allah nicht! Und wenn du jetzt in deine Heimat gehst, so mußt du einmal wieder nach Stambul kommen, damit wir dein Angesicht wiedersehen. Deinen Hadschi Halef Omar aber sendest du uns jetzt schon zurück!"

"Ich gehe dahin, wohin mein Effendi geht!" meinte Halef. "Ich werde erst dann von ihm scheiden, wenn er mich von sich jagt."

Da wurden die drei Khawassen eingelassen, welche der Kadi schickte. Ich hätte beinahe laut aufgelacht, als ich sie erblickte. Sie saßen auf Kleppern, von denen keiner hundert Piaster wert war, staken bis über die Ohren in Waffen, hatten dabei aber das friedfertigste Aussehen von der Welt.

Der eine kam herbeigeritten, blickte mich forschend an und erkundigte sich:

"Effendi, bist du es, der Kara Ben Nemsi heißt?"

"Ja," antwortete ich.

"Ich habe den Befehl erhalten, uns bei dir zu melden. Ich bin nämlich der Khawass-baschi."

Er war also der Oberste von den dreien.

"Hast du den Verhaftsbefehl bei dir?" fragte ich.

"Ja, Effendi."

"Könnt ihr gut reiten?"

"Wir reiten wie der Teufel. Du wirst Mühe haben, Schritt mit uns zu halten."

"Das freut mich. Hat euch der Kadi aufgeschrieben, wie viel ihr täglich zu bekommen habt?"

"Ja. Du hast für die Person täglich zehn Piaster zu bezahlen. Hier ist das Schreiben."

Die Notiz lautete wirklich auf zehn Piaster pro Tag und Person. Das war ja ganz anders, als es der Kadi mit mir vereinbart hatte! Eigentlich hätte ich ihm die drei Helden, welche wie der Teufel ritten, zurückschicken sollen; aber ein Blick auf sie belehrte mich, daß ich sie wohl gar nicht ewig zu besolden haben werde. Der Khawass-baschi hing auf dem Pferde wie eine Fledermaus an der Dachrinne, und die beiden andern schienen ganz nach demselben Muster gebildet zu sein.

"Wißt ihr denn, um was es sich handelt?" fragte ich sie.

"Natürlich!" antwortete der Anführer unserer Trabanten. "Wir sollen drei Kerls ergreifen, die ihr nicht zu fangen vermögt, und euch dann mit ihnen nach Edreneh transportieren."

Das war eine höchst wunderbare Art und Weise, sich auszudrücken; aber doch gestehe ich, daß die drei ganz nach meinem Geschmack waren. Ich ahnte Spaßhaftes. Halef aber schien sich gewaltig zu ärgern, daß der Kadi es gewagt hatte, uns diese Art Begleiter zu schicken.

Nun ging es ans Abschiednehmen. Es geschah das in der bilderreichen morgenländischen Weise, aber in vollster, aufrichtigster Herzlichkeit. Wir wußten nicht, ob wir uns wiedersehen würden oder nicht; daher war es ein Scheiden aufs Ungewisse, kein schweres Ade fürs ganze Leben, doch auch kein leichtes, oberflächliches Valet für nur kurze Zeit.

Es ist wahr, ich ließ liebe Freunde zurück; aber der Liebste, mein Hadschi, blieb doch bei mir; das milderte den Trübsinn jener Stimmung, welcher sich kein Scheidender erwehren kann.

Ich hatte geglaubt, Edreneh in der Richtung nach Filibe verlassen zu können; nun aber ging es anders, nach Westen zu, an der Arda hin, größeren Anstrengungen und Gefahren entgegen, als wir ahnten. - - -

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