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作者:德- Karl May 当前章节:15418 字 更新时间:2026-6-23 07:58

"Welcher ist der andere Franke?" fragte der Anführer.

Ich deutete auf Lindsay und antwortete:

"Dieser!"

Ueber die ernsten Züge der Kurden glitt eine Art von Lächeln, und der Sprecher meinte:

"Ich glaube, daß er ein Franke und ein Christ ist, denn er hat die Nase eines Khansir (* Schwein.), die man Rüssel nennt."

Das war denn doch mehr, als ich ihm erlauben durfte.

"Diese Art von Nasen habe ich in Alep und Diarbekr bei vielen Gläubigen gesehen," antwortete ich.

Er fuhr empor:

"Schweig, Giaur!"

Ich ließ mein Pferd einen Schritt vortreten.

"Höre, Mann, du sagtest vorhin, daß du lesen könnest. Hast du vielleicht auch den Kuran gelesen?"

"Was geht es dich an!"

"Ich frage allerdings nicht viel nach dem Buche des Propheten, denn ich bin ein Christ; du aber bist ein Moslem und solltest tun, was Mohammed befiehlt! Hat er nicht gesagt: »Wer einen Feind ehrt, den lieben die Tapferen; wer aber einen Feind schändet, den lieben die Feiglinge!« Du hast deine Lehre von dem Propheten erhalten und denkst, du hättest die richtige; wir haben die unserige von Isa Ben Marryam erhalten und glauben, daß sie die richtige sei; wir haben also beide das Recht, uns Giaurs zu nennen. Du hast es getan, ich aber nicht; denn es ist nicht fein und schön, einen Menschen ärgern zu wollen. Wer seinen Mitmenschen in den Staub tritt, der beschmutzt sich selbst. Merke dir das, Bebbeh!"

Er blieb vor Erstaunen über meine vermeintliche Kühnheit eine ganze Weile wortlos; dann aber riß er zornig den Dolch aus dem Gürtel.

"Mensch, willst du, du, du mir Lehren geben? Du, ein Christ, den Allah und der Prophet verdammen mögen! Soll ich dich zerreißen, wie man einen Lappen zerreißt? Ich war bereit, euch ziehen zu lassen; nun aber gebiete ich euch: Macht euch von hinnen, ihr Unreinen! Euren Abstand sollt ihr wieder erhalten; dann aber möge euch der Scheïtan in die Dschehenna führen!"

Ich sah, daß dies seinen vier Männern aus dem Herzen gesprochen war; aber ich sah auch, daß die Blicke der beiden Haddedihn und Halefs mit zorniger Erwartung auf mir hafteten. Auch der Engländer beobachtete mich scharf, um sein Tun ganz nach dem meinigen zu richten. Da er von der Unterhaltung nichts verstand, so mußte ich ihn aufmerksam machen:

"Sir, wenn ich schieße, so schießt auch, aber nur auf die Pferde!"

"Yes! Schön! Prachtvoll!" antwortete er.

Nun erklärte ich dem Bebbeh in ruhigem Tone:

"Gut, wir werden reiten; vorher aber muß ich dir eins erst sagen: Glaube nicht, daß wir um Frieden gebeten haben, weil wir uns vor euch fürchten! Wir lieben nur deshalb den Frieden, weil wir nicht das Blut von Menschen vergießen wollen. Du hast es anders gewollt; so siehe nun, was die Folgen sind!"

"Ihr? Euch nicht fürchten?" höhnte er. "Hast du nicht hier dich vor uns in den Staub gesetzt und um Barmherzigkeit gebeten, Giaur?"

"Sage dieses Wort nicht noch einmal, Bebbeh, sonst kommt es über dich wie der Blitz über den Baum! Ich wollte den Frieden haben, um euretwillen, und ich will euch beweisen, daß wir euch verachten. Wir wollen nicht einen Vorsprung von euch geschenkt haben, sondern der Kampf mag sofort beginnen. Kommt heran!"

"So sei es!" rief er und griff nach seinem Dolch. In demselben Augenblick aber schoß mein Pferd mit einem langen Satze an dem seinigen vorüber; ich ergriff ihn beim Arm und riß ihn vom Pferde. Vier Schüsse krachten - noch zwei, und als ich den Rappen rasch wandte, sah ich die Pferde der Bebbeh sich mit ihren Reitern am Boden wälzen.

"Fort! Schnell!"

Wir jagten vorwärts. Ich riß den Bebbeh zu mir empor und gab ihm einige saftige Ohrfeigen mit den Worten: "Das ist für den »Giaur«!" Dann ließ ich ihn fallen. Er kam hart neben den Hufen des Pferdes, doch ohne von ihnen verletzt zu werden, zur Erde nieder. Das alles war so schnell geschehen, daß erst jetzt die Bebbeh unter einem lauten Wutgeheul ihre Pferde in Bewegung setzten.

"Habe ich recht oder unrecht gehandelt?" fragte ich die Haddedihn während des Reitens.

"Emir," antwortete Mohammed Emin, "du hast recht gehandelt; der Mann hat nicht nur dich, sondern auch uns beleidigt. Er darf kein Krieger mehr sein, denn er ist von einem Christen in das Gesicht geschlagen worden. Das ist schlimmer als der Tod und wird fürchterlich gerächt. Hüte dich, jemals in die Hände der Bebbeh zu fallen; du müßtest unter entsetzlichen Martern sterben!"

In zehn Minuten hatten die Bebbeh wieder zwei Abteilungen gebildet; nur war die vordere jetzt weniger zahlreich, da fünf ihrer Pferde erschossen waren. Ich wartete noch eine Weile, bis der Abstand zwischen ihnen sich noch mehr vergrößert hatte, und gebot dann Halt. Die sechs vordersten Reiter hätten uns den ganzen Tag nicht aus den Augen verloren, denn ihre Pferde waren ausgezeichnet. Darum mußten wir diese Tiere erschießen. Dies erklärte ich den Haddedihn, stieg vom Pferde und ergriff die Büchse.

"Schießen?" fragte Lindsay, der diese Anstalt beobachtete.

"Ja. Die Pferde weg."

"Yes! Interessant! Viel Geld wert!"

Ich bat noch, nicht eher loszudrücken, als bis jeder sicher sei, nicht den Mann, sondern das Pferd zu treffen.

Die Verfolger kamen herbeigesaust und befanden sich bereits in Schußweite, als sie unsere Absicht zu ahnen begannen. Anstatt zerstreut abzuschwenken, hielten sie an.

"Fire!" kommandierte Master Lindsay.

Obgleich die Araber das englische Wort nicht verstanden, wußten sie doch, was es zu bedeuten habe. Wir drückten ab, ich und Lindsay noch einmal, und bemerkten sofort, daß kein Fehlschuß gefallen war: - die sechs Pferde bildeten mit ihren Reitern auf dem Boden einen Knäuel, dessen Entwirrung abzuwarten, es uns leider an der nötigen Zeit gebrach.

Nun stiegen wir wieder zu Pferde. Bald blieben die Verfolger weit zurück, und nach einer Weile befanden wir uns allein auf der Ebene.

Diese erreichte jedoch sehr bald ihr Ende. Es erhoben sich Berge vor uns, und auch von den Seiten traten Höhen zu uns heran. Wir hielten unwillkürlich die Pferde an, ohne uns irgend ein Zeichen dazu gegeben zu haben.

"Wohin?" fragte Mohammed.

"Hm!" brummte ich.

Ich war noch nie im Leben so unsicher über die einzuhaltende Richtung gewesen, wie jetzt.

"Ueberlege, Emir!" sagte Amad. "Wir haben jetzt Zeit. Unsere Pferde mögen sich verschnaufen."

"Ebenso leicht könnte ich sagen, ihr sollt überlegen," antwortete ich. "Ich weiß nicht genau, in welcher Gegend wir uns befinden, aber ich denke, daß im Süden von uns Nweizgieh, Merwa, Beytosch und Deira liegen. Diese Richtung würde uns nach Sulimania bringen - -"

"Dahin gehen wir nicht!" unterbrach mich Mohammed Emin.

"So haben wir uns für den Paß zu entschließen, von dem wir gestern abend sprachen. Wir können unsere gegenwärtige Richtung beibehalten, bis wir den Fluß Berozieh erreichen, den wir eine Tagreise lang aufwärts verfolgen müssen, um hinter Banna in die Berge zu kommen."

"Ich stimme bei," sagte Mohammed.

"Dieser Fluß hat für uns auch den Vorteil, daß er Persien von dem Ejalet scheidet, und wir können also die Ufer wechseln, je nachdem es unsere Sicherheit erfordert."

Wir ritten nun weiter gegen Süden. Die Gegend stieg aus der Ebene immer mehr zur Höhe; Berge und Täler wechselten in immer größerem Gegensatze. Am späten Nachmittag befanden wir uns mitten im Gebirge und kamen, kurz vor Sonnenuntergang, auf einer einsamen, dicht bewaldeten Höhe zu einer kleinen Hütte, aus deren Dachöffnung Rauch emporstieg.

"Hier wohnt jemand, Sihdi," meinte Halef.

"Jedenfalls ein Mensch, der uns nichts schaden kann. Ich werde mir ihn ansehen; bleibt bis dahin hier halten!"

Ich stieg ab und schritt auf das Häuschen zu. Es war aus Steinen erbaut, deren Ritzen man mit Moos verstopft hatte. Das Dach wurde von einer mehrfachen Lage dichter Zweige gebildet, und die Türöffnung war so niedrig, daß kaum ein Kind aufrecht eintreten konnte.

Als meine Schritte im Innern des primitiven Bauwerkes zu hören waren, erschien an der Tür der Kopf eines Tieres, das ich für einen Bären hielt; bald aber überzeugte mich die Stimme dieses zottigen Geschöpfes, daß ich es mit einem Hund zu tun habe. Dann erklang von innen ein scharfer Pfiff, und an Stelle dieses Kopfes erschien ein zweiter, den ich beim ersten Anblick ebensowenig zu klassifizieren vermochte. Ich sah nämlich weiter nichts als Haare, die verworrener gar nicht gedacht werden konnten, und eine tiefschwarze, breite Nase und zwei funkelnde Aeuglein, die denen eines zornigen Schakals glichen.

"Ivari 'l ker - guten Abend," grüßte ich.

Ein tiefes Brummen antwortete.

"Wohnst du allein hier?"

Das Brummen stieg noch um einige Töne tiefer.

"Gibt es noch andere Häuser hier in der Nähe?"

Jetzt wurde das Brummen wahrhaft fürchterlich; ich glaube, die Stimme dieses Geschöpfes reichte wenigstens bis zum großen C herab. Dann kam die Spitze eines Spießes zum Vorschein - sie ward immer weiter hervorgeschoben, bis sie sich grad vor meiner Brust befand.

"Komm heraus!" bat ich im höflichsten Tone.

Wahrhaftig, das Brummen stieg noch eine kleine Terz tiefer, also Contra-A, und die Spitze der Waffe zielte grad auf meine Kehle. Das war mir denn doch zu ordnungswidrig. Ich faßte also den Spieß und zog. Der rätselhafte Bewohner der Hütte hielt seine Waffe fest, und da er mir nicht gewachsen war, so zog ich ihn aus der Türe: erst das Haargestrüpp mit der schwarz glänzenden Nase, dann zwei Hände von ganz derselben Farbe und mit breiten Krallen; hierauf folgte ein zerlöcherter Sack, ähnlich denen, worin unsere Kohlenhändler ihre Ware aufzubewahren pflegen, dann zwei schmierige Lederfutterale, parallel miteinander, und endlich zwei Gegenstände, über die ein anderer sicher im unklaren geblieben wäre, die ich als Scharfsinnigster der Scharfsinnigen infolge ihrer Umrisse sofort als die Stiefel erkannte, die der Koloß von Rhodus einmal getragen haben mußte.

Sobald diese Stiefel die Tür passiert hatten, richtete sich das Wesen vor mir empor, und nun hatte auch der Hund Platz genug, sich in ganzer Figur zu zeigen. Auch bei ihm sah man nur einen jedem Gleichnis spottenden Haarfilz, eine schwarze Nase und zwei Augen, und beide Kreaturen schienen sich mehr vor mir zu fürchten, als ich vor ihnen.

"Wer bist du?" fragte ich jetzt im barschesten Tone.

"Allo (* Kurdische Zusammenziehung des Namens Allahverdi.)!" brummte es, aber es waren doch menschliche Laute.

"Was bist du?"

"Kümürdar (** Köhler.)."

Ah, das war also die einfache Erklärung der schwarzen Nase und der dito Hände; aber diese Nägel brauchte er sich doch nicht wachsen zu lassen. Ich merkte, daß ihm meine Barschheit imponierte. Er war ganz zusammengeknickt, und auch sein Hund zog den Schwanz ein.

"Gibt es hier noch Leute?" erkundigte ich mich weiter.

"Nein."

"Wie lange muß man gehen, um zu Menschen zu kommen?"

"Mehr als einen Tag."

"Für wen brennst du die Kohlen?"

"Für den Herrn, der Eisen macht."

"Wo wohnt er?"

"In Banna."

"Du bist ein Kurde?"

"Ja."

"Bist du ein Dschiaf?"

"Nein."

"Ein Bebbeh?"

"Nein."

Aber bei diesem Worte spuckte er mit einem sehr feindseligen Räuspern aus. Diese ästhetische Anstrengung erregte, wie ich leider gestehen muß, unter den gegenwärtigen Umständen meine innerste Sympathie.

"Zu welchem Stamme gehörst du denn?"

"Ich bin ein Bannah."

"Blick einmal da hinüber, Allo! Siehst du die vier Reiter?"

Er kratzte sich die langen Haarzotteln aus dem Gesicht, um seinen Augen einen größeren Spielraum zu geben, und richtete den Blick nach der von mir angedeuteten Richtung. Trotz des Kohlenüberzuges, hinter dem sich seine eigentliche kurdische Oberhaut verbarg, sah ich doch, daß ein tiefer Schreck über seine Physiognomie zuckte.

"Sind es Kurden?" fragte er besorgt.

Ah, jetzt hatte ich ihn doch so weit, daß er freiwillig redete. Als ich seine Frage verneinte, fuhr er fort:

"Was sind sie denn?"

"Wir sind drei Araber und zwei Christen."

Er blickte mich groß an.

"Christen! Was ist das?"

"Das werde ich dir später erklären, denn wir werden diese Nacht bei dir bleiben."

Jetzt erschrak er noch viel mehr als vorher.

"Herr, tut dies nicht!"

"Warum nicht?"

"Es wohnen böse Geister im Gebirge!"

"Das ist uns lieb, denn wir wollen gerne einmal Geister sehen."

"Es regnet auch zuweilen!"

"Das Wasser wird dir gar nichts schaden."

"Dabei donnert es manchmal!"

"Das gehört dazu."

"Es sind Bären hier."

"Wir essen gerne den Schinken derselben."

"Es kommen oft Räuber in die Berge!"

"Die schießen wir tot."

Endlich, als er bemerkte, daß keine Ausrede verfing, kam er mit der Wahrheit zum Vorschein; er sagte in bittendem Tone:

"Herr, ich fürchte mich vor euch!"

"Das hast du nicht nötig. Wir sind keine Räuber und Mörder. Wir wollen hier an deinem Hause schlafen und werden morgen weiter ziehen. Dafür, daß du es erlaubst, sollst du einen silbernen Piaster erhalten."

"Einen silbernen? Einen ganzen?" fragte er erstaunt.

"Ja, oder auch zwei, wenn du freundlich bist."

"Herr, ich bin sehr freundlich!"

Bei dieser Versicherung lachte alles an dem Kerl: die Augen, der Mund, den ich erst jetzt bemerkte, die Nase und die Hände, welche ganz vergnügt zusammenklappten. Es war wirklich außerordentlich, was dieser edle Bannahkurde für einen Bartwuchs besaß. Ich hatte so etwas fast noch gar nicht gesehen. Er hätte getrost mit der Pastrana reisen können. Seine Freude schien auch seinen Hund anzustecken, denn dieser zog den Schwanz behutsam hervor und versuchte ein verschämtes Wedeln, wobei er mit der Pfote spielend nach meinem Dojan langte, der ihn aber so wenig zu bemerken schien, wie der Großmogul einen Kaminkehrerjungen.

"Bist du in den Bergen gut bekannt?" setzte ich meine Erkundigung fort.

"Ja, überall!"

"Kennst du den Berozieh-Fluß?"

"Ja, er ist die Grenze."

"Wie weit läufst du bis zu ihm?"

"Einen halben Tag."

"Kennst du Banna?"

"Ich bin des Jahres zweimal dort."

Er kannte auch Amehdabad und Bayendereh.

"Aber wo Bistan liegt, das weißt du nicht?" hob ich wieder an.

"Ich weiß es sehr genau, denn mein Bruder ist dort."

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