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作者:法-Jules Verne 当前章节:15610 字 更新时间:2026-6-22 20:51

Es kam den drei Freunden vor, als sproßten in dieser Lage ihnen die Ideen im Gehirn wie die Blätter bei der ersten Frühlingswärme. Sie fühlten sich wie stark belaubt.

Mitten unter diesen Fragen und Antworten, die an diesem Morgen sich kreuzten, stellte Nicholl eine Frage, die nicht sogleich gelöst wurde.

»Eine Reise zum Mond«, sagte er, »ist jedenfalls eine hübsche Sache, aber wie kommen wir wieder zurück?«

Seine Kameraden sahen ihn mit Ueberraschung an. Man hätte denken können, dieser mögliche Fall komme jetzt zum erstenmale ihnen in den Sinn.

»Was meinen Sie damit, Nicholl«, fragte Barbicane ernst.

– Daß man, fügte Michel bei, ehe man in ein Land kommt, schon nach der Rückkehr fragt, scheint mir nicht an der Zeit.

– Ich sag's nicht, um zurückzuweichen, entgegnete Nicholl, sondern ich wiederhole meine Frage mit den Worten: Wie werden wir zurückkehren?

– Das weiß ich nicht, erwiderte Barbicane.

– Und ich, sagte Michel, wäre gar nicht hingegangen, hätte ich gewußt, wie wieder heim zu kommen.

– Das heißt eine Antwort, rief Nicholl aus.

– Ich billige Michel's Aeußerung, sagte Barbicane, und ich füge hinzu, daß die Frage für jetzt kein Interesse hat. Später, wenn wir für angemessen halten, zurück zu kehren, werden wir darüber berathen. Ist die Columbiade nicht mehr da, so wird das Projectil stets da sein.

– Gut gesagt! Eine Kugel ohne Flinte!

– Die Flinte, erwiderte Barbicane, kann man verfertigen. Das Pulver läßt sich fabriciren! Auf dem Mond kann es weder an Metallen, noch an Salpeter, noch an Kohlen fehlen. Uebrigens braucht man für die Rückkehr nur die Anziehungskraft des Mondes zu überwinden, und nur achttausend Lieues zu steigen, um blos in Folge der Schwerkraft auf den Erdball zu fallen.

– Genug, sagte Michel lebhaft, kein Wort mehr von Rückkehr! Wir haben schon zu viel davon gesprochen. Mit unseren vormaligen Collegen auf der Erde zu verkehren, wird so schwer nicht sein.

– Und wie?

– Vermittelst der aus den Kratern des Mondes geschleuderten Boliden.

– Richtig getroffen, Michel, erwiderte Barbicane, als sei er davon überzeugt. Laplace hat berechnet, es sei nur eine fünfmal stärkere Kraft, wie die unserer Kanonen erforderlich, um einen Boliden von dem Mond zur Erde zu schleudern. Nun giebt's aber keinen Vulkan, der nicht eine stärkere Kraft besäße.

– Hurrah! rief Michel. Diese Boliden sind bequeme Briefboten, und die nichts kosten! Wir können die Postverwaltung auslachen! Aber, ich meine ...

– Was meinst Du?

– Eine kostbare Idee! Warum haben wir nicht einen Draht an unser Projectil befestigt? Dann könnten wir Telegramme mit den Erdbewohnern wechseln!

– Tausend Teufel! versetzte Nicholl. Und Du bringst das Gewicht eines Drahtes von sechsundachtzigtausend Lieues nicht in Anschlag?

– Nein! Man hätte die Ladung der Columbiade dreimal stärker gemacht! Ja viermal! fünfmal! rief Michel mit einer heftigen Betonung.

– Es erhebt sich nur ein kleiner Einwand gegen Dein Project, erwiderte Barbicane; während der Bewegung unseres Erdballs um ihre Achse hätte sich der Draht um sie herum gelegt, gleich der Kette um eine Winde, und das hätte uns unvermeidlich auf die Erde zurückgezogen.

– Bei den neununddreißig Sternen der Union! Da habe ich also heute nur unpraktische Ideen! Ideen, unseres J.T. Maston würdig! Aber ich denke, wenn wir nicht auf die Erde zurück kommen, ist Maston im Stande uns zu besuchen!

– Ja, versetzte Barbicane, der würdige und muthige Kamerad wird gewiß kommen. Uebrigens ist's auch eine sehr leichte Sache. Ist nicht die Columbiade noch im Boden Florida's? Giebt's nicht Baumwolle und Stickstoff genug, um Schießbaumwolle zu verfertigen? Kommt nicht der Mond wieder in den Zenith Florida's? und zwar in achtzehn Jahren gerade wieder in dieselbe Stellung?

– Ja, wiederholte Michel, ja, Maston wird kommen, und unsere Freunde Elphistone, Blomsberry, alle Mitglieder des Gun-Clubs werden mitkommen, und werden uns willkommen sein! Und später richtet man Projectilzüge zwischen der Erde und dem Mond ein: »Hurrah für J.T. Maston!«

Wenn der ehrenwerthe J.T. Maston nicht die zu sei nen Ehren erschallten Hurrahs hören konnte, so hat's ihm doch in den Ohren geklingelt. Was trieb er damals? Ohne Zweifel war er auf dem Posten zu Longs Peak, um das nicht sichtbare Projectil aufzusuchen. Dachte er an seine theuren Kameraden, so blieben diese nicht hinter ihm zurück, und widmeten ihm in Folge einer ganz besonderen Steigerung ihre besten Gedanken.

Aber woher kam diese Aufgeregtheit bei den Bewohnern des Projectils, welche sichtbar größer ward? Ihre Nüchternheit konnte man nicht in Zweifel ziehen. War diese seltsame Steigerung des Gehirns der außerordentlichen Lage, worin sie sich befanden, zuzuschreiben, der Nähe des Nachtgestirns, von welchem sie nur noch einige Stunden entfernt waren, einer stillen Einwirkung des Mondes auf ihre Nerven? Ihr Angesicht war roth, als befänden sie sich vor einem Schmelzofen; ihr Athmen wurde lebhafter, ihre Lungen spielten wie ein Blaseblag; ihre Augen glänzten von außerordentlichem Feuer; ihre Stimme schallte fürchterlich laut; ihre Worte platzten heraus, wie die Pfropfen einer Champagnerflasche; ihre Bewegungen wurden unruhiger und verwirrt. Und, sonderbar, Keiner von ihnen merkte diese maßlose Steigerung ihres Geistes.

»Jetzt«, sagte Nicholl in barschem Ton, »jetzt, da ich nicht weiß, ob wir wieder zurückkommen, möcht' ich wissen, was wir auf dem Mond vorhaben.«

– Was wir dort vorhaben? erwiderte Barbicane und stampfte mit dem Fuß, als wär' er in einem Waffensaal, das weiß ich nicht!

– Du weißt's nicht! rief Michel heulend, daß es laut im Projectil widerhallte.

– Nein, ich hab' nicht einmal eine Idee davon! entgegnete Barbicane, indem er den gleichen Ton anstimmte.

– Aber ich weiß es, ich, erwiderte Michel.

– Dann sprich's heraus, schrie Nicholl, der seinen Zorn nicht länger zurückhalten konnte.

– Das sag ich, wann mir's beliebt, rief Michel und faßte dabei seinen Kameraden beim Arme.

– Das muß Dir belieben, sagte Barbicane mit feurigem Blick und drohender Faust. Du hast uns zu dieser fürchterlichen Reise fortgerissen, und wir wollen wissen, warum!

– Ja! sagte der Kapitän, jetzt, da ich nicht weiß, wohin ich gehe, will ich wissen warum!

– Warum? schrie Michel, und sprang einen Meter hoch, warum? Um im Namen der Vereinigten Staaten den Mond in Besitz zu nehmen! um ihnen einen vierzigsten Staat hinzuzufügen! Um die Mondlandschaften zu cultiviren, zu bevölkern, alle Wunderwerke der Kunst, Wissenschaft und Industrie dahin zu verpflanzen! Um die Seleniten zu civilisiren, sofern sie nicht civilisirter als wir sind, und bei ihnen eine Republik einzuführen, wenn sie noch nicht eine solche haben!

– Und wenn es keine Seleniten giebt, entgegnete Nicholl, der in seiner unerklärlichen Trunkenheit sehr widerwärtig wurde.

– Wer sagt, daß es keine Seleniten giebt? schrie Michel mit drohendem Ton.

– Ich! brüllte Nicholl.

– Kapitän, sagte Michel, sage nicht zum zweitenmal so ein unverschämtes Wort, oder ich versetze Dir eins durch die Zähne in den Rachen hinein!

Die beiden Gegner waren schon im Begriff, aufeinander loszustürzen, und die unzusammenhängenden Streitreden drohten in eine Schlacht auszuarten, als Barbicane mit einem fürchterlichen Sprung sich dazwischen warf.

»Halt, Unglückselige«, sagte er, indem er seine Kameraden auseinander riß, »wenn's keine Seleniten giebt, so brauchen wir keine!«

– Ja, rief Michel, der nicht darauf bestand, wir können sie entbehren. Wir haben mit den Seleniten nichts zu schaffen! Nieder mit den Seleniten!

– Uns gehört die Herrschaft über den Mond, sagte Nicholl.

– Uns Dreien, errichten wir eine Republik!

– Ich werde Congreß sein, schrie Michel.

– Und ich Senat, versetzte Nicholl.

– Und Barbicane Präsident, brüllte Michel.

– Kein von der Nation ernannter Präsident, erwiderte Barbicane.

– Nun denn! Ein vom Congreß ernannter Präsident, rief Michel, und als Congreß erwähle ich Dich einstimmig!

– Hurrah! Hurrah! dem Präsidenten Barbicane! schrie Nicholl.

– Hip! Hip! Hip! rief Michel Ardan.

Darauf stimmten Präsident und Senat das populäre Yankee doodle an, während der Congreß sie mit der schwungvollen Marseillaise begleitete.

Darauf begannen sie einen Rundtanz mit unsinnigen Bewegungen und tollen Sprüngen, machten Purzelbäume wie Clowns. Diana tanzte mit, heulte mit, sprang bis zur Decke empor. Man vernahm unerklärliche Flügelschläge, seltsam tönende Hahnrufe. Fünf bis sechs Stück Geflügel flatterten umher, und stießen wie tolle Fledermäuse wider die Wände ...

Die drei Reisekameraden aber, deren Lungen durch eine unbegreifliche Einwirkung in Unordnung geriethen, sanken, mehr als berauscht, mit glühenden Athmungswerkzeugen, bewegungslos zu Boden.

--

Achtes Capitel

78114 Meilen

Was war vorgegangen? Woher kam diese seltsame Berauschung, welche verderbliche Folgen haben konnte? Eine bloße Unachtsamkeit Michel's war schuld, und glücklicher Weise konnte Nicholl noch zeitig abhelfen.

Nach einer wirklichen. Ohnmacht von einigen Minuten kam der Kapitän zuerst wieder zur Besinnung, zum Besitz seines Verstandes.

Obwohl er zwei Stunden zuvor gefrühstückt hatte, empfand er einen fürchterlichen Hunger, der ihn peinigte, als habe er seit einigen Tagen nichts gegessen. Sein Magen war, wie das Gehirn und alle Nerven im höchsten Grad überreizt.

Er stand also auf und begehrte von Michel ein nachträgliches Frühstück. Michel, der noch nicht bei Sinnen war, antwortete nicht. Nun wollte Nicholl einige Tassen Thee bereiten, um das Verschlingen von einem Dutzend Sandwichs zu erleichtern. Um sich dafür Feuer zu machen, rieb er hastig ein Zündhölzlein.

Wie erstaunte er, als er den Schwefel außerordentlich glänzend brennen sah, daß seine Augen es fast nicht aushalten konnten. Aus dem Hahnen des Gases, welches er anzündete, strömte eine Flamme, wie ein elektrischer Lichtstrom.

Jetzt ging dem Kapitän ein Licht auf. Dieser starke Lichtglanz, die in ihm vorgegangenen physiologischen Störungen, die Ueberreizung aller seiner geistigen und sittlichen Kraft, Alles ward ihm verständlich.

»Der Sauerstoff«! rief er aus.

Er besichtigte den Luftbereitungs-Apparat, und gewahrte wie dem Hahnen reichlich das farblose, geschmacklose, geruchlose Gas entströmte, welches zwar äußerst belebend ist, aber in unvermischtem Zustand die bedenklichsten Störungen des Organismus herbeiführt. Aus Unachtsamkeit hatte Michel den Hahnen zu weit offen gelassen!

Nicholl hemmte rasch das Ausströmen das Sauerstoffs, womit die Atmosphäre gesättigt war, so daß der Tod der Reisenden nicht durch Ohnmacht, sondern durch Verbrennen erfolgt wäre.

Eine Stunde hernach, als die Luft weniger von Sauerstoff überladen war, konnten die Lungen wieder regelmäßig ihre Function verrichten. Allmälig kamen die drei Freunde aus ihrem Rausch wieder zu sich; aber sie mußten diesen Gasrausch ausschlafen, wie ein Betrunkener seinen Weinrausch.

Als Michel hörte, wie sehr er diesen Zwischenfall verschuldet hatte, ließ er sich dadurch nicht aus der Fassung bringen. Diese unversehene Trunkenheit beseitigte die langweilige Einförmigkeit der Reise. Zwar hatte man sich in diesem Zustand manche Beleidigungen gesagt, aber sie waren rasch wieder vergessen.

»Sodann«, fügte der lustige Franzose bei, »bin ich nicht böse, etwas von diesem Gas, das in den Kopf steigt, genossen zu haben. Wissen Sie, meine Freunde, es ließe sich eine merkwürdige Anstalt gründen, Sauerstoffcabinette, worin Leute von abgeschwächtem Organismus auf einige Stunden könnten zu einem thätigeren Leben gesteigert werden! Denken Sie sich einmal Versammlungen, worin die Luft mit diesem heroischen Fluidum gesättigt wäre, Theater, worin die Administration dasselbe in großer Dosis verwendet, welche Leidenschaft in der Seele der Schauspieler und Zuschauer, welches Feuer, welcher Enthusiasmus würde dadurch erzeugt! Und wenn man, statt einer bloßen Versammlung, ein ganzes Volk damit sättigen könnte, welche Belebung der Thätigkeit in seinen Verrichtungen, welche Lebensergänzung würde erfolgen. Aus einer durch Erschöpfung herabgekommenen Nation könnte man vielleicht eine kräftige und große Nation machen, und ich kenne mehr wie einen Staat unseres alten Europas, welcher im Interesse seiner Gesundheit sich einer Sauerstoffcur unterziehen sollte!«

Michel sprach und steigerte sich dergestalt, daß man meinen konnte, der Hahnen sei immer noch zu weit offen. Aber mit einem einzigen Worte hemmte Barbicane seinen Enthusiasmus.

»Das ist alles gut, Freund Michel«, sprach er zu ihm, »aber willst Du uns nicht sagen, woher das Geflügel kam, das sich in unser Concert mischte?«

– Dies Geflügel?

– Ja.

In der That spazierten ein halb Dutzend Hennen sammt einen prachtvollen Hahn umher, flatterten und gackerten.

»Ach! Die Tölpel!« rief Michel. »Der Sauerstoff hat sie in Aufruhr gebracht!«

– Aber was willst Du denn mit dem Geflügel anfangen? fragte Barbicane.

– Sie auf dem Mond acclimatisiren, wahrhaftig!

– Weshalb hast Du sie denn versteckt?

– Ein Possenstreich, mein würdiger Präsident, ein bloßer Scherz, der kläglich scheiterte! Ich wollte sie auf dem Mondland im Stillen frei lassen, ohne Ihnen ein Wörtchen zu sagen! Nicht wahr, Sie wären erstaunt gewesen, daß solch irdisches Geflügel auf den Gefilden des Mondes nach Körnern scharrt!

– Ach, was bist Du ewig ein Gamin! erwiderte Barbicane, bei Dir bedarf's keines Sauerstoffs, um den Kopf zu steigern! Du bis stets, was wir in der Gasbenebelung waren: stets ein Narr!

– So! wer sagt denn, daß wir damals nicht gescheit gewesen, entgegnete Michel Ardan.

Nach dieser philosophischen Betrachtung stellten die drei Freunde die Ordnung im Projectil wieder her. Hennen und Hahn wurden wieder eingesperrt. Aber während sie dieses vornahmen, kam Barbicane und seinen Genossen eine neue Erscheinung sehr auffallend zum Bewußtsein.

Seit dem Moment, da sie von der Erde abgefahren waren, hatten sie selbst, die Kugel sammt den darin enthaltenen Gegenständen, beständig und in zunehmendem Verhältniß an Schwere abgenommen. Konnten sie diese Abnahme für das Projectil nicht constatiren, so mußte doch ein Zeitpunkt kommen, wo diese Wirkung in Beziehung auf sie selbst und für die Geräthe oder Instrumente, deren sie sich bedienten, merkbar wurde.

Es versteht sich, daß eine Wage die Abnahme nicht angezeigt haben würde, weil das zum Abwiegen eines Gegenstands bestimmte Gewicht gerade ebensoviel an Schwere verloren haben würde, als der Gegenstand selbst; aber eine Schnellwage mit einer Feder, deren Spannkraft von der Anziehungskraft unabhängig ist, hätte dieses Schwinden genau anzugeben vermocht.

Bekanntlich steht die Anziehungskraft, sonst Schwere genannt, im gleichen Verhältniß der Massen, und im umgekehrten des Quadrats der Entfernungen. Daraus folgt nun: Wäre die Erde allein in dem Raum gewesen, und die anderen Himmelskörper plötzlich zu Nichte geworden, so würde das Projectil nach Newton's Gesetz um so viel mehr, als es sich von der Erde entfernte, an Gewicht verloren haben, doch ohne dasselbe jemals ganz zu verlieren, denn die Anziehungskraft der Erde würde sich stets, bei jeder Entfernung, fühlbar gemacht haben.

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