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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15451 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»Tausendeins! Hörst du mich sprechen?«

Keine Antwort! Hawsken warf einen ängstlichen Blick nach der Tür und machte ein Gesicht, als habe er eine Dummheit begangen.

»Tausendeins! Du wirst mir gehorchen, ich befehle es dir!«

»Ich gehorche dir,« murmelte jetzt der Schläfer dumpf.

»Steh auf!«

Der Japaner stand mit geschlossenen Augen von der Pritsche auf.

»Setze dich!«

Der Hypnotisierte setzte sich auf den Rand der Pritsche.

»Tausendzwei!!«

Jetzt zuckte der zweite Schläfer zusammen.

»Tausendzwei! Du wirst mir gehorchen, ich befehle es dir!«

»Ich gehorche dir.«

Und so ging es weiter, bis alle sieben Japaner auf ihren Pritschen saßen. Es war ihnen auch schon ein gemeinsames Stichwort suggeriert worden, auf welches sie alle zusammen reagierten, und durch dieses wurden sie zum Essen kommandiert wie eine Reihe Soldaten. Also sie wurden nicht etwa von fremder Hand gespeist, sondern sie selbst aßen, nur, daß alles nach Kommando geschah, wenn es auch durchaus keinen automatischen Eindruck machte. So etwas kann man ja bei jeder Vorstellung über Hypnotik sehen, und wer da glaubt, das Medium des Hypnotiseurs stelle sich nur so und esse die rohe Kartoffel mit Hochgenuß als einen Pfirsich, weil es dafür bezahlt wird, dem ist eben nicht zu helfen.

Diese sieben Japaner aber bekamen keine rohen Kartoffeln zu essen, sondern gekochte, und dazu noch Reis und Hammelbraten mit Curry, was sie auch im wachen Zustande nicht verschmäht hätten - wenn sie nicht den Tod der leckersten Gefangenkost vorzogen.

Hawsken schien es sehr eilig zu haben; er sah beständig nach der Taschenuhr, und kaum hatte einer der Japaner seine Teller geleert, als ihm durch das persönlich geltende Stichwort befohlen wurde, sich zu entkleiden, immer weiter und weiter, bis er völlig nackt dastand.

Der Hypnotiseur besah sich den nackten Menschen von hinten und von vorn und machte sich Notizen. Jedes Muttermal, jede Narbe am Körper wurde gewissenhaft verzeichnet.

Unterdessen waren schon andre Vorbereitungen getroffen worden. Arbeiter hatten einen Meßapparat hereingebracht, wie er zum Messen der Körperlänge von Rekruten gebraucht wird, der Japaner mußte sich darunterstellen, dann maß ihm ein andrer mit der Schusterlade die Länge seiner Füße, ein dritter die der Hände, ein vierter nahm das Maß des Brustumfanges und der einzelnen Glieder.

Es ging also noch viel genauer zu als bei einer Rekrutenaushebung, und so wurden alle sieben Japaner behandelt.

»Der Master kommt!« ging es da flüsternd von Mund zu Mund.

Er kam, der Herr und König, jetzt wirklich unnahbar wie ein Tyrann auftretend! Aber das war nur scheinbar. Das kam nur daher, weil er seine ganze Aufmerksamkeit auf die sieben nackten Japaner richtete, deshalb für seine Untergebenen gar keinen Blick hatte; wie wenig sich diese aber daraus machten, sah man aus ihrem ungezwungenen Verhalten auch bei Anwesenheit des Gebieters.

Hinter Nobody schritt ein junger Araber in orientalischem Kostüm. Er trug mit gewisser Feierlichkeit ein Tischchen, das aus lauter kleinen Kästen und Schubfächern zusammengesetzt zu sein schien. Dann kam noch ein andrer Mann, ein Neger, welcher einen großen Wandspiegel trug. Die beiden, der Braune und der Schwarze, waren sich voll und ganz bewußt, was für wichtige Dinge ihnen anvertraut waren.

Nobody schritt die Reihe der nackten Japaner ab, jeden einzelnen von oben bis unten mit durchbohrenden Blicken musternd, und schenkte dann dieselbe Aufmerksamkeit ihrer Rückseite. »Was meinen Sie, Mr. Hawsken, wen soll ich wählen?« wandte er sich nach seiner Untersuchung an den Sekretär.

»Diesen hier, tausendsechs, denn seine Gesichtsbildung ist der Ihren am ähnlichsten, auch Größe und Schultermaß stimmen fast ganz genau, und der Schnurrbart wird Sie doch nicht stören.«

»Aber die Füße, lieber Hawsken, die Füße!! Meine Latschen sind ja drei Meter länger als die des Mannes!«

Dabei hatte Nobody selbst sehr kleine Füße. Allerdings ist die ganze japanische, wie die malaiische Rasse durch besonders zierliche Füße ausgezeichnet.

Der Größenunterschied brauchte jedoch nur ein auffallender, wenn auch noch so geringer zu sein, so genügte das für Nobody, um den vorgeschlagenen Mann als unbrauchbar für seinen Zweck zu verwerfen.

»Der dort scheint mir geeigneter. Was für eine Nummer ist das?«

»Tausendvier. Der ist aber bedeutend dicker.«

»Voller, wollen wir sagen. Schadet nichts, ich bin im strapaziösen Dienste des gelben Drachen etwas abgemagert.«

»Dabei aber nicht so breitschultrig.«

»Arbeit macht breite Schultern.«

»Die Stirn tritt stark vor.«

»Die habe ich mir eingerannt. - Jawohl, den nehme ich! Eine Hauptsache ist, daß er gerade solche große Latschen und Pfoten hat wie ich, und daß er bartlos ist, ist mir auch sehr angenehm.«

Es waren nur zwei bartlose Japaner vorhanden, der eine fast noch ein Kind, der andre ein junger Mann, vielleicht, nach unsern Begriffen geschätzt, zwischen zwanzig und dreißig.

Nach Hawskens Angaben wäre es ein dicker, aber dabei schmalschultriger und womöglich noch engbrüstiger Mensch mit einem Wasserkopfe gewesen, und Nobody gab ihm auch noch Elefantenfüße und Bärentatzen.

Natürlich handelte es sich hierbei nur um feine Unterschiede im Gegensatz zu Nobodys Proportionen. In Wirklichkeit war es ein Mann vom harmonischsten Körperbau, vom vollendetsten Ebenmaß, und dieses Gesicht war tatsächlich schön und edel zu nennen, die Nase stolz gebogen, die Backenknochen so wenig hervortretend, daß man kaum den Mongolen erkannte. Aber wenn wir auch schon öfters hervorgehoben haben, daß auch Nobody edle, aristokratische Züge besaß, so war es trotzdem ein vollkommen andres Gesicht, so verschieden wie Schwarz und Weiß. Der eine war eben ein Mongole, der andre ein Germane.

»Mr. Hawsken, lassen Sie die andern sich wieder anziehen!«

Der betreffende Japaner, welcher hier die Nummer tausendvier erhalten hatte, mußte stehnbleiben. Nobody trat zurück, ging um ihn herum und musterte ihn so von allen Seiten aufs eingehendste. Dann riß er aus seinem Notizblock ein Blatt, schrieb etwas darauf und gab es dem jungen Araber, den wir schon einmal kennen gelernt haben, damals an Bord der Wetterhexe[>Wetterhexe<], wo er seinem Herrn beim Umkleiden behilflich sein mußte. Hassan lief davon.

Jetzt wiederholte Nobody die Manipulation, die wir ihn schon einmal bei der hypnotisierten Marguérite haben machen sehen; er griff dem Japaner in den Nacken, gar nicht so sanft. Wie Nobody damals seinem Freunde erklärt hatte, erzeugte er dadurch eine besondere Art von Starrkrampf. Freilich war dazu wohl ein besondrer Griff nötig.

Ein augenblicklicher Erfolg desselben war jedoch nicht zu bemerken.

»Du hast mir zu gehorchen, verstehst du?!« sagte Nobody im schärfsten Tone.

»Ich gehorche dir,« murmelte der Hypnotisierte.

»Oeffne deine Augen!«

Langsam schoben sich die Lider hinauf, aber von den Augen war nur das Weiße zu sehen.

»Blicke mich an!«

Da kehrten die Augen in ihre natürliche Stellung zurück.

Der Japaner mußte nach einem Fenster marschieren, wobei Nobody ihn immer scharf beobachtete, er brachte ihn in das beste Licht, und Nobody studierte so lange des Hypnotisierten Züge, bis der Araber zurückkam.

Er brachte ein Paket, dem Nobody zwei vollständige japanische Kostüme entnahm, die Kleidung eines Vornehmen, eins genau wie das andre.

Das eine Kostüm legte er handbereit auf einen Stuhl neben dem Japaner.

»Du bist ja nackt! Kleide dich an!«

Der Hypnotisierte gehorchte, und er bedurfte durchaus keiner weitern Kommandos, brauchte auf nichts aufmerksam gemacht zu werden, er legte ganz sachgemäß ein Kleidungsstück nach dem andern an. Auch von schwerfälligen Bewegungen, wie sie die Hypnotisierten sonst zeigen, war gar nichts zu bemerken. Es war eben wiederum eine andre Art der Hypnose. Ein uneingeweihter Zuschauer hätte den Mann überhaupt gar nicht für hypnotisiert gehalten.

»Zieh dich wieder aus!«

Der Japaner tat es.

»Zieh dich wieder an!«

Und so mußte sich der Hypnotisierte noch zweimal an- und wieder ausziehen, von Nobody immer scharf beobachtet.

Jetzt entkleidete sich dieser schnell selbst und legte dafür das zweite japanische Kostüm an. Aber das tat er in ganz eigentümlicher Weise. Er stand dabei vor dem Spiegel, der an die Wand gelehnt worden war, blickte immer hinein, auch schon, während er die gelbseidenen Beinkleider anzog, hielt inne, zog die Hosen wieder aus, wieder an, stockte, fing wieder von vorn an, ebenso wollte er mit den andern Kleidungsstücken nicht fertig werden, und am meisten Arbeit hatte er mit einem ärmellosen Jäckchen. Das zog er wohl ein halbes Dutzendmal an und wieder aus.

»War's so richtig, Mr. Hawsken?«

»Da wage ich wirklich kein Urteil abzugeben.«

»Das sollten Sie aber eigentlich. Herr Hammer, Sie haben doch zugesehen, wie sich der Japaner anzog.«

»Ja.«

»Zog ich mich mit genau denselben Bewegungen an wie der Japaner?«

»Nee, bei dem ging's ein bißchen fixer,« lautete die treuherzige Antwort.

»Tausendvier! Zieh dich aus!«

Der Japaner tat es, doch ließ es Nobody diesmal nur bis zu der ärmellosen Jacke kommen, diese mußte jener aber auch gleich dreimal hintereinander aus- und wiederanziehen.

»Jetzt habe ich seine eigentümliche Bewegung dabei heraus,« sagte Nobody, als er, immer in den Spiegel blickend, die Weste endgültig anlegte.

Der Japaner mußte sich setzen, so daß ihm das Licht voll ins Gesicht fiel; Nobody setzte sich ihm gegenüber; zwischen beide wurde das Tischchen gestellt. Ein Druck, und an der Platte richtete sich ein Spiegelchen auf. Nobody strich sich mit den Fingern durch die blonden Locken.

»Hassan! Abschneiden! So kurz wie der dort. Schnell!«

Da mußten gar viele Locken fallen, denn der Japaner trug sein schwarzes Borstenhaar sehr kurz.

»Was?!« rief Hawsken erschrocken, als der Araber aus seinem Kaftan schon eine lange Schere gezogen hatte. »Ihr Haar wollen Sie deshalb abschneiden lassen? Kann es denn nicht wie immer eine Perücke tun?«

»Nein. In diesem Falle nicht. Das hier wird für die Dauer. Wenn ich aus diesem Hanswurstkostüm wieder heraus bin, kann man mir wieder Zöpfe flechten.«

Während die Schere klapperte, war Nobody nicht untätig. Er blickte über den Spiegel hinweg den Japaner an und begann dabei sein Gesicht mit den Händen zu massieren. Dann öffnete er verschiedene Kästchen des Tischchens und arbeitete mit Puderquaste und Farbepinsel.

»Schwarz,« sagte er, als er über die Schulter dem Friseur ein Fläschchen reichte, mit dessen Inhalt sein Haar eingesalbt wurde.

Es ging sehr schnell. Nach zehn Minuten war die ganze Toilette beendet. Nobody stand auf.

Nobody? Unter den im Zimmer befindlichen Männern war kein einziger, der den Verwandlungskünstler nicht schon mehrmals bei seinen Maskierungen, wenn er Toilette machte, beobachtet hätte, August Hammer ja nicht ausgeschlossen, und doch war das Staunen jedesmal das gleiche, immer wieder mochte man so etwas gar nicht für möglich halten.

Dort stand ganz genau derselbe Japaner, der dort auf dem Stuhle saß - ganz genau derselbe! Der Ausdruck, daß sie sich ähnelten wie ein Ei dem andern, hätte ihnen noch gar nicht genügt. Nein, das waren eben vollkommen dieselben.

Nur Nobody selbst fand noch etwas an der Ähnlichkeit auszusetzen. Der Japaner mußte sich neben ihm vor den Spiegel stellen, Nobody verglich lange, massierte seine Lippen und die Nase, dann faßte er mit den Fingerspitzen die Haut neben seinen Augen; hüben und drüben entstanden Fältchen, er nahm die Hände zurück, und die Fältchen blieben stehn.

Hierauf untersuchte er die Finger des Japaners, griff zur Schere und verschnitt jenem die sehr langen Fingernägel.

Noch eine Generalmusterung - endlich war er zufrieden. - -

In einem Gemach, welches halb einem Damenboudoir, halb einem Künstleratelier glich, saß Gabriele und arbeitete mit dem Modellierholz an einem zum menschlichen Kopfe bestimmten Tonklumpen.

Es klopfte, und nach ihrem >Herein< trat Hawsken ein.

»Der Master bittet, Ihnen eine Ueberraschung bereiten zu dürfen,« war die höfliche Anmeldung für den Gatten.

»Er soll nur hereinkommen,« lautete die weniger zeremonielle Antwort, und Gabriele fing gleich von vornherein zu lachen an; denn sie kannte doch ihren Mann! Und in Ueberraschungen war der groß. Wenn Nobody auf der Insel weilte, so war es überhaupt manchmal, als wenn er nichts weiter als Unsinn im Kopfe hätte, und wenn er sich dann ausgetobt hatte und mit ernsthafter Miene sagte: >jetzt will ich erst ein Viertelstündchen regieren< - so klang das erst recht urkomisch aus seinem Munde.

Es sollte hiermit auch angedeutet werden, wie ahnungslos Gabriele war.

Der Sekretär ging wieder zur Tür und öffnete sie weit.

»Tausendvier!« rief er im Kommandotone. »Komm herein!«

In gleichem Takt marschierten zwei junge, pompös gekleidete Japaner herein, einer wie der andre, die siamesischen Zwillinge, nur daß sie nicht zusammengewachsen waren.

»Halt!« kommandierte Hawsken, und die beiden standen wie die Soldaten.

»Missis möchten sagen, wer von den beiden Nobody ist.«

Gabriele lachte immer noch, als sie zur Prüfung schritt. Zuerst wollte sie sich auf ihren Künstlerblick verlassen, aber der ließ sie im Stich.

»Wirklich, ich finde auch nicht den geringsten Unterschied,« begann sie jetzt zu staunen. »Ich könnte ja untersuchen, wer von den beiden eine Perücke hat, aber das will ich nicht, ich will nur ...«

Sie trat vor die beiden hin und verglich ihre Hände. Die des einen waren etwas schmäler und länger als die des andern. Wir brauchen nicht zu wissen, wem diese angehörten, Gabriele mußte doch die Hand ihres Mannes kennen, und sie war ihrer Sache sicher.

»Hier, das ist der Mann meiner Wahl!«

»Soooo?« ließ sich da plötzlich der andre Japaner vernehmen. »Ich denke, der bin ich?«

Die junge Frau hatte trotz aller ihrer Kenntnis falsch gewählt, und während sie ganz verblüfft dastand, die Hand des einen Japaners noch in der ihren, ging der andre lachend auf sie zu und schloß sie in seine Arme.

»Nein, Gabriele, zwischen uns gibt es keinen Unterschied; du konntest nur raten, und du hast zufälligerweise falsch geraten!«

Er machte gegen den Sekretär eine leichte Verbeugung, dieser ging.

Der echte Japaner war steif in der Stube stehn geblieben.

»Tausendvier!« kommandierte Nobody. »Komm hierher, setze dich hierhin!«

Der Japaner gehorchte. Er bewegte sich zwar ganz natürlich, aber ... der Blick der Bildhauerin mochte doch noch etwas andres erkennen, dieses Kommandieren war ja überhaupt auffällig.

Mit scheuen, sogar ängstlichen Augen blickte sie nach dem Manne.

»Der ist wohl hypnotisiert?« fragte sie leise.

»Gewiß, alle sieben befinden sich in hypnotischem Schlafe. Auch in den festesten Ketten würden sie sich noch den Kopf einzurennen wissen.«

»Ach, bitte, Alfred, laß ihn doch nicht hier bei mir, ich ...«

Nobody warf einen Blick auf Gabriele, die plötzlich sehr bleich geworden war, sprang schnell nach der Tür und rief Hawsken zurück. Dieser hatte den Hypnotisierten bald wieder hinausbugstert.

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