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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15386 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Von der sittlichen Moral dieser merkwürdigen Verhältnisse wollen wir lieber nicht sprechen. Ländlich, sittlich. Gott sei mir Sünder gnädig! Besser offen als in der Heimlichkeit! Aber von der nationalökonomischen Bedeutung dieses Verhältnisses wollen wir sprechen.

Kinder sind ein Segen des Himmels. Dieses Bibelwort ist und bleibt wahr - trotz aller verdammenswürdigen Zeitungsannoncen. Die Juden erkennen die Wahrheit dieses Spruches noch heute an; wollten die Christen ihnen doch hierin nachahmen! Alle Ausgaben, welche die Eltern für ihre Kinder haben, sind Ersparnisse, welche dereinst den Eltern tausendfache Zinsen bringen - und dabei brauchen sie die Kinder nicht auf hohe Schulen zu schicken, brauchen ihnen nicht Klavierunterricht geben zu lassen - vorausgesetzt wird aber, daß sie die Kinder zu liebevollem Gehorsam und zur geschwisterlichen Eintracht zu erziehen verstehn. Und je mehr solcher Kinder, desto fester, desto unerschütterlicher steht solch eine Familie da. Aus einer derartigen Gemeinschaft, in der alle fest und treu zusammenhalten, kommt jeder einzelne vorwärts im Leben, und die ganze Familie selbst, und je zahlreicher die Familie, desto weiter bringt sie es!

Man schaue daraufhin nur einmal um sich! Es ist nicht nötig, deswegen aufs Land zu gehn, wie da ein paar Bauernfamilien, welche alle den Namen des armen Holzhackers tragen, von dem sie abstammen, nach und nach das ganze Dorf aufkaufen, bis sie zuletzt den Rittergutsbesitzer hinausschmeißen. Es ist auch nicht nötig, deswegen nach den fünf Brüdern Rothschild zu blicken.

Und was von der Familie gilt, das gilt vom ganzen Volke.

Landwirtschaft, Bergbau und Industrie machen ein Volk wohlhabend - aber Kinderreichtum ist die Kraft des Volkes! Und dieser Kinderreichtum, dieser Stolz, möglichst viel Nachkommen zu haben, die in Gehorsam und zur glühendsten Vaterlandsliebe erzogen werden, das ist es, was Japan zu einem furchtbaren Gegner macht, der sich nicht niederringen läßt - und die hiermit verbundene Expansionsfähigkeit des japanischen Volkes ist es, die uns Abendländern dereinst gefährlich werden kann. Der Gegensatz zu Japan in dieser Hinsicht ist Frankreich. Die absichtliche Kinderarmut ist Frankreichs Unglück, ist sein Niedergang, kann noch sein Verderben werden. - -

Einige Boote hatten sich bei der ruhigen See sehr weit hinausgewagt, und es drohte ihnen ja auch gar keine Gefahr.

Ein solches, durch die vergoldeten Verzierungen wie durch die reiche Tracht der beiden Ruderer als das Privatboot eines Vornehmen gekennzeichnet, hatte sich durch Unachtsamkeit der letztern zu weit dem großen Dampfer genähert, es kam in das Bereich des von der Schraube aufgewühlten Kielwassers, wurde von dem Koloß wie von einem Magneten angezogen, die Ruderknechte wollten es absetzen, sprangen gleichzeitig nach einer Seite, ein einziger gellender Schrei, und das Boot war gekentert!

Der Schrei fand ein Echo an Deck des Dampfers. Außer den zwei Männern und einer Frau fünfzehn Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren in dem von der Schraube aufgewühlten Kielwasser - schon der Gedanke daran war entsetzlich, noch entsetzlicher der Anblick; auch der gefühlloseste Matrose erstarrte im ersten Augenblick vor Schreck, um dann laut aufzuschreien.

Doch sollte es noch gut ablaufen, dank der Besonnenheit und Kühnheit der Zuschauer. Gleichzeitig mit dem gellenden Schrei hatte auf der Kommandobrücke der Signalapparat geklingelt, die Maschine stoppte im Moment, es konnte kein Mensch in die sich noch drehende Schraube hineingeraten sein.

In die erstarrten Matrosen kam Leben; schnell ließen sich diejenigen, welche gute Schwimmer waren, von den andern an ihren Gürteln Seile befestigen, so sprangen sie hinab, die meisten der Kinder waren noch nicht untergesunken, andre eben erst im Untersinken begriffen, paarweise wurden sie an nachgeworfenen Tauen festgebunden und so hinaufgezogen, und die beiden japanischen Schiffer halfen auch brav mit.

Nobody hatte in seiner Kabine gesessen, als der furchtbare Schrei sein Ohr traf, und das nachfolgende Kindergezeter sagte ihm alles.

Wie er an Deck gestürzt kam, sah er viele kleine Kinder, mit denen man sich beschäftigte, während sich im Wasser nur noch einige Matrosen befanden, welche zu tauchen suchten, woran sie aber durch die Seile gehindert wurden.

Der Dampfer, der zuletzt nur ganz langsam gefahren, war mit vorsichtigen Schraubenumdrehungen wieder etwas zurückgegangen.

»Wie viele Kinder sind gerettet?« war Nobodys erste Frage.

»Eins - zwei - drei - dreizehn,« wurde gezählt.

»Wie viele waren es?«

»Die Muschi fehlt,« jammerte einer der japanischen Ruderer, »und sie hatte zwei Kinder im Arm, sie ist gesunken ...«

Der Mann wollte sich wieder über die Bordwand stürzen, Nobody hielt ihn mit Gewalt zurück. »Fort dort unten!« schrie er hinab. »Wenn sie gleich gesunken ist, so muß es auf einer andern Stelle geschehen sein!«

Die Matrosen gehorchten, ließen von ihren fruchtlosen Bemühungen ab. Der an der Bordwand stehende Nobody war gleichzeitig mit dreierlei beschäftigt. Er ließ sich von dem Steuermann beschreiben, an welcher Stelle das Boot gekentert sein mochte, beobachtete die weitere Umgebung dieser Stelle mit starren Augen und entledigte sich gleichzeitig seines Rockes und seiner Stiefel.

Da quoll in einer beträchtlichen Entfernung vom Schiff eine Luftblase empor, zu groß, als daß sie aus der Lunge eines Menschen kommen konnte, es war die von den Frauenkleidern gefangene Luft, und mit einem weiten Hechtsprung über die Bordwand war Nobody im Wasser verschwunden.

Die Sekunden verstrichen. Das Unglück war von den andern Booten gesehen worden, sie eilten herbei, bildeten um den Ort, da man das Auftauchen erwartete, einen weiten Halbkreis, wurden von den Matrosen gewarnt, weiter heranzukommen, und die Männer und Frauen und Kinder blickten in ängstlichem Schweigen auf die glatte Wasserfläche.

Und die Sekunden verstrichen. Es wurde eine halbe Minute daraus. Eine halbe Minute? Nein, für die Zuschauer war schon längst die Ewigkeit angebrochen!

Da kräuselte sich die glatte Wasserfläche; der schwarze Kopf eines Japaners hob sich zuerst empor; tief holte er Atem, dann folgte der Kopf einer jungen Japanerin, dann erschienen ab und zu zwei kleine Köpfe, die aber immer wieder unter dem Wasser verschwanden - doch noch ehe ein Boot zu Hilfen kommen konnte, hatte an Bord des Dampfers ein Matrose geschickt ein Seil geschleudert, Nobody hatte es sofort in seiner Hand und auch schon um das Gelenk gewickelt. Er wurde nach dem Dampfer gezogen. Dadurch kamen auch die Köpfe der beiden kleinen Kinder, welche die bewußtlose Frau krampfhaft in ihren Armen hielt, in jedem eins, über Wasser. Vom Dampfer waren Fallreeps ausgeworfen worden, Strickleitern mit hölzernen Sprossen; an diesen kletterten die Matrosen wie die Katzen hinab, nahmen Frau und Kinder in Empfang und beförderten sie mit vereinten Kräften hinauf; Nobody folgte langsam nach.

»Kata Nogi banzai!!« erscholl es da aus einem Boote.

Und >Kata Nogi banzai, banzai, banzai!!!< erklang es hundertstimmig aus Männer-, Frauen- und Kinderkehlen nach, und enthusiastisch wurden Filzkappen und seidene Tücher geschwenkt; jubelnd klatschten die Kinder in die Hände. »Banzai, banzai, banzai!!!«

Er war erkannt worden, der Baron Nogi, dem der japanische Hurraruf galt, der Liebling des Mikado, der Liebling der ganzen Hauptstadt.

Konnte Nobody mehr verlangen? Nicht einmal das Bad hatte ihm etwas von seiner Maske abgewaschen.

Aber es sollte noch ganz anders kommen.

Die ersten aus dem Wasser gezogenen Kinder hatten sich wieder erholt, eben beugte sich Nobody über die junge, schöne Frau, die er dem nassen Tode entrissen hatte, und die zwar ohnmächtig war, bei der aber keine Wiederbelebungsversuche gemacht zu werden brauchten, als sich den Banzai-Rufen noch andre Laute beimengten.

»Papa, Papa!!« erscholl es jauchzend, und plötzlich wimmelte es um ihn herum von kleinen Geschöpfen in nassen Seidengewändern, plötzlich umklammerten einige Dutzend Aermchen seine Beine, die Händchen packten zu, was sie nur fassen konnten.

»Papa, Papa, mein guter Papa!!«

Diese japanischen Kinder sagten wirklich >Papa<.

Denn ob Deutscher oder Spanier, ob Eskimo oder Botokude oder Buschneger, ob Tunguse oder Kalmücke oder Japaner - der Kinder erstes Lallen ist überall ein gleiches, es gibt kein einziges Volk auf der Erde, bei welchem der Vater nicht Papa und die Mutter nicht Mama genannt wird.

Für die Namen der Eltern wenigstens ist von den Kindern die internationale Weltsprache erfunden worden!

»Papa, mein guter Papa!!«

Dann stürzten sie zu der bewußtlosen Frau, nannten sie Mama, küßten sie zärtlich und hingen sich von neuem an den Mann, den sie für ihren Vater hielten.

»So wecke doch die Mama auf! Sie freut sich doch so sehr, daß du wieder da bist! Sie hat uns nur immer von dir erzählt. Sie hatte schon solche Angst, weil du gar so lange ausbliebst ...«

Da kam es dem Manne zum Bewußtsein, daß er Baron Nogis Frau und Kinder gerettet hatte ... doch nein, das wußte er schon lange, dazu hatte es nur des ersten >Papa< bedurft ... nein, seine Kinder, seine eignen waren es, die er dem Tode entrissen hatte, seine eigne Frau... . Nobody wußte nicht, was plötzlich in ihm vorging - es stieg ihm so siedendheiß zum Herzen empor - und noch höher hinauf - aus seinen Augen kam etwas Nasses, das sich mit den Salzwassertropfen verwischte ...

Da schlug die junge, schöne, jetzt so blasse Frau, der man sanft die Kinder aus dem Arme genommen hatte, die Augen auf, sie sah den Mann, sie lächelte verklärt, und verlangend streckte sie die Arme nach ihm aus. »Kata Nogi, Sayadamona,« flüsterte sie glücklich und spitzte den kleinen Mund zum Kuß.

Sayadamona - ich sehe dich wieder, ich habe dich wieder - aber in einem Worte geschrieben - eine Art von Vergißmeinnicht - und ihr Name selbst war Sayadamona!

Und Nobody? Er wäre ein abscheulicher Barbar gewesen, hätte er gezögert. Ja, jetzt erst wäre er zum Lügner geworden, hätte er es nicht getan!

Während die Kinder den vermeintlichen Vater mit Liebkosungen überhäuften, die sich vorzüglich auf seine Beine erstreckten, und während von den Booten, wo man wußte, daß Kata Nogi seine eigne Frau und seine Kinder gerettet hatte, noch immer die Banzai-Rufe erschollen, beugte sich Nobody überquellenden Herzens über die junge Frau, schloß sie in seine Arme und küßte sie, küßte sie immer wieder - und Gabriele hätte dabeisein können, es waren Küsse der reinen Menschenliebe.

»Meine Sayadamona, meine Muschi!« - -

Sie hatte sich nur noch nach den Kindern erkundigt, und als sie erfahren, daß alle gerettet, und nachdem sie sich nochmals überzeugt hatte, daß dies wirklich ihr schon vermißter Gatte sei, war sie mit einem glücklichen Seufzer wieder in eine wohltätige Ohnmacht gefallen.

Man legte sie in des Kapitäns Bett, weil dieses an Bord des Schiffes das einzige war. Sonst gab es nur Kojen, in die man hineinkriechen muß.

Die neue Ohnmacht währte nur kurze Zeit, und als Sayadamona erwachte, saß ihr vermeintlicher Gatte neben ihr.

Wieder alles ein Glück und eine Seligkeit, als sie nur seine Hand ergreifen durfte, um sie mit Innigkeit an ihre Lippen zu pressen!

»Wo bist du nur so lange gewesen? Ach, was ich für Angst ausgestanden habe! Ist euch ein Unglück zugestoßen?«

Noboby erzählte - dasselbe, was er dem Kapitän über den Untergang der Jacht berichtet. Wenn Sayadamona bei dem Tod der vielen Offiziere, darunter sogar der Neffe des Mikado, ganz ruhig blieb, so war das keine Herzenskälte, sondern die anerzogene Teilnahmlosigkeit der Japanerinnen gegen alles, was nicht die Familie betrifft, in der sie ganz aufgeht - und wenn sie dennoch Schreck zeigte, so war dies nur der Gedanke, daß dadurch ihrem allein zurückkehrenden Manne Unannehmlichkeiten erwachsen könnten.

Nobody wußte sie zu beruhigen. Jetzt berichtete sie ihm, daß es den andern fünf Frauen und neun Kindern zu Hause gut ginge, wie sich alle nach dem Vater sehnten, dann legte sie sich in die Kissen zurück und schloß die Augen.

»Küsse mich!«

Wie leicht wäre es dem Manne geworden, dies zu umgehn, ohne sie deshalb zurückzustoßen. Er hätte einfach von einem Gelübde gesprochen, welches er den Göttern abgelegt, wenn sie ihn aus dem Schiffbruche retteten - von einem Gelübde, nicht eher seine Frau wieder zu umarmen und zu küssen, als bis alle >weißen Teufel< aus Japan hinausgetrieben worden wären - oder sonst etwas Aehnliches - das hatte sich Nobody ja auch vorgenommen, hatte es Gabriele gesagt - aber wäre diese anwesend gewesen, sie selbst hätte sicherlich verlangt, daß er diese junge Frau, die ihn für ihren Gatten hielt, küßte, denn es wäre eine zu fürchterliche Grausamkeit gewesen, jetzt dieser armen Frau einen Wunsch zu versagen.

Ja, Nobody hatte ein gewisses Anrecht auf sie bekommen, die er gerettet, und wäre der wirkliche Baron Nogi jetzt, als er sie geküßt hatte, in die Kabine getreten, er hätte ihm frei ins Auge blicken können.

Die Liebesszene sollte auch nicht allzu lange dauern.

»Was ist das?« stutzte Nobody plötzlich, als er zufällig einen Blick durch das runde Fensterchen geworfen hatte, auch schon durch Kommandos und durch das Laufen der Matrosen an Deck aufmerksam gemacht. »Wir gehn ja zurück?!«

Er eilte an Deck. Der Dampfer hatte gewendet, fuhr zurück, der Kapitän fluchte wieder einmal wie ein Haiducke.

»Warum dampfen wir denn zurück, anstatt in den Hafen einzulaufen?«

»Die Halunken haben mir zusignalisiert, daß ich auf Reede gehen soll, ich darf nicht in den Hafen, und dagegen ist nichts zu machen.«

»Weshalb dürfen Sie denn nicht in den Hafen?«

»Das zu sagen haben die großnasigen Japaner nicht nötig. Aber ich weiß schon, warum. In Waisin munkelte man etwas von der Pest, man hatte tote Ratten gefunden. Nun mag unterdessen die Pest dort wirklich ausgebrochen sein, und da ist ein Schiff natürlich pestverdächtig. Daß mich auch der Teufel reiten mußte, erst noch einmal in Waisin anzulegen, um ein paar Faß Stockfische mitzunehmen. Jetzt kann ich für acht Tage in Quarantäne liegen.«

Der Kapitän schimpfte weiter wie ein Rohrsperling, als aber die japanischen Sanitätsbeamten kamen, war er gegen sie von äußerster Liebenswürdigkeit. Denn in deren Macht stand es, die achttägige Quarantäne auf drei Tage abzukürzen oder sie auch auf acht Wochen zu verlängern.

Als sie den Passagier sahen, welcher des Steuermanns Sommeranzug trug, nahmen sofort alle Beamten militärische Haltung an, und als die Pflicht erledigt war, näherte sich der erste von ihnen, der Offizierrang einnahm, dem vermeintlichen Baron Nogi und gratulierte ihm mit respektvoller Kameradschaftlichkeit zu dem Glück, daß es gerade der heimkehrende Vater gewesen war, der Gattin und Kinder gerettet hatte. Denn die zurückgekehrten Boote hatten unterdessen schon alles erzählt.

Nobody kannte nicht einmal die Namen der Beamten, wußte sich aber geschickt abzufinden. Im übrigen ging es nicht anders zu, als zwischen europäischen Offizieren, wie die Beamten ja auch solche Uniformen trugen.

»Darf ich den Herrn Baron fragen, wie die Segelpartie ausgefallen ist?«

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