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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15362 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Nobody hätte es gern erst an vorgesetzter Stelle gemeldet, aber da er es schon dem Kapitän erzählt, war es zu spät.

Er berichtete mit kurzen Worten; der Schreck der Beamten war grenzenlos, und sie brauchten diesen jetzt nicht zu verbergen, im Gegenteil, sie mußten ihrem Entsetzen möglichsten Ausdruck geben, denn durch den Tod des Prinzen, kam auch die geheiligte Person des Mikado mit in Betracht, sein Leid war das Leid aller Japaner.

Die Beamten hatten noch an Bord zu tun, und Baron Nogi wurde von einem Matrosen zu seiner Gattin berufen, welche plötzlich zu sterben meinte.

Das weiter hinausgefahrene Schiff war in die bewegte See gekommen, schaukelte stark, und Sayadamona war von der Seekrankheit gepackt worden, zum ersten Male in ihrem Leben, und da war es begreiflich, daß sie gleich zu sterben meinte. Auch die Kinder fühlten sich mehr oder weniger unwohl.

Hier waren tröstende Worte vergebens, Nobody begab sich wieder an Deck und fragte den Sanitätsbeamten, ob er mit Frau und Kindern gleich sein großes Boot zur Fahrt an Land benutzen könne.

Dem Beamten schien diese Frage, die schon mehr Wunsch war, sehr unangenehm zu sein, bis er offen sagte, daß überhaupt niemand das pestverdächtige Schiff verlassen dürfe.

»Sie, Herr Baron, als Passagier erst recht nicht, auch wenn Sie nur unterwegs aufgenommen worden sind. Sie sind schon drei Tage an Bord.«

»Aber meine Frau, meine Kinder - die sind doch eben erst an Bord gekommen, für sie kann die Quarantäne doch nicht gelten!«

»Ich werde tun, was in meinen Kräften steht, und das sofort.«

Der Sanitätsbeamte, der auch seemännisch ausgebildet war, ließ mit Flaggen nach der Seewarte signalisieren, daß sich an Bord des >Stag< die Frau und fünfzehn Kinder des Baron Nogi befänden, ob diese die Quarantäne brechen und das Land betreten dürften.

Da auch auf der Seewarte der Unfall schon bekannt geworden war, konnte die Meldung sehr abgekürzt werden, wiederholte Verstandenzeichen forderten dazu auf.

Ferner meldete der Sanitätsbeamte, daß die Baronin Nogi ganz bedenklich erkrankt sei, ein längerer Aufenthalt auf dem Schiffe sei lebensgefährlich, von der eigentlichen Ursache, der Seekrankheit, sprach er gar nicht, da der Sanitätsbeamte aber zugleich Arzt war, war seine Aussage kompetent. Auf alle Kinder zugleich konnte er diese kleine Unwahrheit aus Gefälligkeit zu dem Baron freilich nicht ausdehnen.

»Warten!« hieß es auf dem Turme der Seewarte.

Man mußte ziemlich lange warten, ehe die Antwort kam.

»Frau Nogi an Land.«

»Die Kinder auch?« ließ der Beamte nochmals fragen.

»Nein. Schluß!«

Sayadamona wurde in das Boot gebracht. Die Seekranke befand sich in einem derartigen Zustande, daß sie die Trennung von Gatten und Kindern gar nicht empfand. Sie wollte sterben. Sobald sie das Land betrat, würde das vorbei sein, aber dann war es zu spät, und an Bord des pestverdächtigen Schiffes durfte sie auch nicht wieder. Doch schließlich war es ja nur eine vorübergehende Trennung, über die man später lachen würde.

Nobody aber empfand das Dazwischenkommen der Seekrankheit mit der unfreiwilligen Trennung aus leicht begreiflichen Gründen als eine große Wohltat.

Das erste Wiedersehen war vorüber, und traf er dann mit seiner Frau zusammen, in seinem eignen Hause, so konnte er ihr viel eher etwas von einem Gelübde oder dergleichen vorerzählen.

Auch daß er sich nun einige Tage mit den Kindern allein befand, war sehr günstig. Die konnte er leicht über alle Hausverhältnisse ausfragen.

Der Abend war angebrochen, wieder ruhige See bringend. In der Nacht wurde Nobody durch ein Klopfen an seine Kabinentür geweckt.

Ein Offizier sei gekommen und wünsche den Herrn Baron zu sprechen, er warte in der Kajüte.

Schnell kleidete sich Nobody an. Jetzt mußte er jedenfalls Bericht erstatten.

Der junge Offizier, der mitten in der Nacht, in Begleitung zweier Sanitätsbeamten die weite Ruderfahrt gemacht hatte, roch schon von weitem nach Karbol, man hatte ihn schon desinfiziert, ehe er das pestverdächtige Schiff betrat.

»Baron Nogi?« fragte er kurz.

Dem Detektiv fiel sofort etwas auf. Dieser Offizier trug die Uniform eines in Tokio stationierten Regiments. Sollte er da den Baron Nogi, den Adjutanten des Generalfeldmarschalls, nicht kennen, daß er sich erst davon überzeugen mußte, ob es wirklich der Baron Nogi war?

Es konnte ja sein, daß er erst seit einigen Tagen in Tokio war. Dann hätte Nobody es wagen können, ihn erst nach dem Namen zu fragen, ihn als neuen Kameraden zu begrüßen. Nein, der Detektiv wußte ganz bestimmt, daß dieser Offizier, ihn schon kannte, diese Kürze war Instruktion, er sah sogar den mißtrauischen Blick, der auf ihm ruhte.

Was lag hier vor? Gleichgültig, Baron Nogi ließ sich nicht beirren.

»Bin ich! Was gibt's?«

»Auf Befehl des kommandierenden Generals: Sie sollen den Bericht aufsetzen!«

»Welchen Bericht?«

»Ueber die Segelpartie mit der Jacht, über den Schiffbruch.«

»Ist das dem kommandierenden General schon bekannt?«

»Auf Befehl des kommandierenden Generals: Sie sollen diesen Bericht aufsetzen!« wiederholte der junge Offizier in schneidendem Tone.

»Jetzt sofort?«

»Jetzt sofort! Ich warte hier und nehme ihn gleich mit.«

Gut, konnte geschehen! Nobody ließ sich Papier und Feder besorgen und begann zu schreiben. Die Formalitäten kannte er. Aber daß der junge Offizier inzwischen in der Kajüte auf und ab ging und manchmal dem Schreibenden über die Schulter blickte, das gehörte sich auch nicht. Doch Noboby achtete nicht darauf.

Nach einer Stunde war der ausführliche Bericht fertig, der Offizier nahm ihn mit sich, und der Pseudo-Baron ging wieder in seine Kabine, entkleidete sich, legte sich zur Koje und schlief im nächsten Augenblick wieder den Schlaf des Gerechten.

Was hätte es auch für einen Zweck gehabt, über das merkwürdig schroffe Verhalten des Offiziers sich den Kopf, zu zerbrechen? Mensch, ärgere dich nicht! Nobody würde den Grund schon noch früh genug erfahren.

Am nächsten Morgen sehen wir an Bord des auf Reede ankernden Schiffes eine reizende Szene. Schnell war der Anfall von Seekrankheit vorübergegangen, die fünfzehn Kinder waren wieder mobil, und da es draußen etwas regnete, mußte ihnen die große Kajüte als Tummelplatz dienen.

In Tokio war ein europäischer Zirkus mit Menagerie gewesen, die Kinder hatten ihn besucht, sie wollten >wilde Tiere< spielen.

Papa Nobody war der Raubtierbändiger, sperrte sie zwischen Stühle ein und fütterte die heulenden, knurrenden, fauchenden, kratzenden und beißenden Bestien mit Zucker und Biskuits, trieb die Löwen und Tiger und Bären in einen Käfig zusammen, ließ sie über den Stock und durch den Reifen springen, auf dem Schwebebaume balancieren und auch ab und zu in seine Waden beißen.

Dann kam die Zirkusvorstellung daran. Am meisten hatte den kleinen Japanern das stehende Reiten auf ungesatteltem Pferde imponiert, und das ungesattelte Pferd war Papa Nogi, alias Nobody. Also er galoppierte auf Händen und Knien wiehernd im Kreise herum, und die kleinen Kunstreiter und Kunstreiterinnen machten auf seinem Rücken die schwierigsten Sachen. Die festgeschraubten Tische zeigten sich zum Stafettenreiten wie geschaffen, das ungesattelte Pferd galoppierte unten hindurch, und die auf dem Tische stehenden Künstler sprangen ihm auf den Rücken, daß Nobody die Rippen krachten.

Die japanischen Kinder werden so zum Gehorsam erzogen, daß es auch die vornehmste Japanerin für eine Schande hält, beim Spazierenführen der ganzen Bande eine Gouvernante oder sonst eine beaufsichtigende Person mitzunehmen. Die Kinder müssen der Mutter auf einen Augenwink gehorchen.

Ferner dürfte bekannt sein, daß die Japaner Meister im Ringen sind, es wird, wie das Fechten mit blanken Waffen, mit Leidenschaft ausgeübt, in England und Nordamerika gibt es auch viele japanische Lehrer der Ringkunst. Dieses Ringen ist ein ganz andres als das bei uns übliche; ein professioneller Ringkämpfer würde die Herausforderung eines Japaners gar nicht annehmen, weil es sich dabei nur um hinterlistige Kniffe handelt, was jedoch zu entschuldigen ist, da diese Kampfesweise als Verteidigung in der Notwehr betrachtet wird, und wirklich fabelhaft ist es, wie solch ein kleiner, zierlicher Japaner den größten und stärksten Kerl mit einem einzigen Ruck und Zuck zu Falle bringt. In diese Geheimnisse werden in Japan schon die kleinen Knaben eingeweiht, aber sonst sind sich prügelnde Kinder in Japan genau so unbekannt wie in China.

Hier aber zeigte es sich, daß es nur der Gelegenheit bedurfte, um aus den unnatürlich artigen japanischen Kindern genau solche wilde, unbändige Jungen und Mädels zu machen, wie man sie sonst in aller Welt findet.

Als so ein kleiner Strolch gar zu sehr über den Strang haute, zögerte Papa Nobody nicht lange, legte das Kerlchen übers Knie und verwackelte ihm den Hintern, daß es Zeter und Mordio schrie.

Da hatte Papa Nobody aber etwas Schönes angerichtet!

»Mich auch! Mich auch einmal!!« erklang es jubelnd im Chor, und es half alles nichts, der gute Papa mußte einen nach dem andern übers Knie legen und ihn auspochen, die Jungen wie die Mädels, freilich nicht gar zu derb, aber Nobody rann doch der Schweiß von der Stirn, und wer recht artig war, durfte noch einmal drankommen.

Die japanischen Kinder kannten das >Uebersknielegen< noch nicht, und das machte ihnen nun ein Teufelsvergnügen, besonders, daß sie dabei so recht nach Herzenslust brüllen konnten. Eigentlich hätte Nobody das gar nicht tun dürfen, dadurch hätte er sich verraten können, denn das war eben nicht japanisch.

»Papa, das hast du wohl auf der einsamen Insel gelernt, wo du die Vogeleier gegessen hast?«

Jawohl, und Papa Nogi hatte als Schiffbrüchiger auf der weltverlassenen Vogelklippe für seine Kinder auch noch ein andres Spielchen ausgegrübelt. Er hatte auf der Vogelklippe eben geniale Gedanken gehabt. Da man nun einmal beim Hauen war, wurde das edle >Schinkenklopfen< arrangiert.

Nobody setzte sich auf einen Stuhl, ein Kind legte den Kopf in seinen Schoß, die andern vierzehn Kinder stellten sich im Halbkreise herum, nacheinander schlug jeder den Betreffenden auf sein Hinterteil, bis das Opfer erriet, wer ihn geschlagen hatte, worauf nun dieser eine mehr oder minder große Portion Prügel über sich ergehn lassen mußte. Ach, war das ein Jubel! Und Papa Nogi lachte, daß ihm die Tränen über die Backen kollerten.

Als das edle Spielchen im besten Gange war, wurde es leider unterbrochen.

»Es sind ein paar Herren gekommen, die Sie sprechen wollen,« meldete ein Matrose.

Nobody beschwichtigte die Kinder und begab sich hinaus. In dem Vorraum zur Kajüte standen ein nobel gekleideter Herr und zwei handfeste Männer, lauter Japaner.

»Was wünschen Sie?«

»Sind Sie Baron Nogi, Leutnant im ersten Garderegiment?«

»Der bin ich.«

»Im Namen des Mikado: Sie sind verhaftet!«

Der Herr zog ein Pergament hervor, welches er jenem ausgebreitet zum Lesen hinhielt. Die japanische Schrift legitimierte den Inhaber als Kaiserlichen Kriminalkommissar, welcher beauftragt war, den an Bord des englischen Dampfers >Stag< befindlichen Baron Kata Nogi zu verhaften und ins Untersuchungsgefängnis abzuliefern.

Unserm Nobody war das überhaupt höchst gleichgültig, das versprach ihm nur ein interessantes Abenteuer, das nicht in seiner Berechnung gelegen hatte, so etwas liebte er ja, und als Japaner durfte er keine Unruhe zeigen.

Fragen aber war ihm gestattet. »Weshalb?«

»Dies zu erklären halte ich nicht für nötig, auch wenn ich es wüßte.«

»Ist in Ihrer Begleitung ein Offizier?«

»Nein.«

»Ich bin Offizier, ich kann nur von einem Offizier verhaftet werden.«

»Aber nicht, wenn es sich um eine kriminelle Verhaftung handelt. Ich verhafte Sie auf Kaiserlichen Befehl. Wollen Sie mir folgen?«

»Ich gehorche dem Kaiserlichen Befehl. Lassen Sie mich nur noch einmal zu meinen Kindern gehn.«

Die Beamten warteten draußen, während Nobody in die Kajüte ging und den Kindern sagte, er wolle nur die Mama holen, käme gleich wieder.

In seiner Kabine hatte er nichts mehr zu tun, bekam auch den Kapitän nicht wieder zu sehen. Bei dem Steuermann bedankte er sich, sagte, es würde alles in Ordnung gebracht, dann folgte er den Männern ins Boot, in welchem sich auch ein Sanitätsbeamter befand, der zur Begleitung nach dem pestverdächtigen Schiffe unerläßlich war.

Während der Ueberfahrt nach dem Lande hing Nobody keinen Grübeleien nach. Er würde es ja sehr bald erfahren, warum er, noch dazu auf solch brüske Weise, wie ein Verbrecher, verhaftet worden war.

Zuerst wurde er nach einer Sanitätsstation gebracht, wo er ein desinfizierendes Bad nehmen mußte. Die ihn bedienenden Japaner waren gegen den Baron Nogi von aufmerksamster Unterwürfigkeit; er erhielt einen neuen Anzug, in dem sich jeder Gentleman sehen lassen konnte, und als er sich dem Kriminalkommissar wieder zur Verfügung stellte, wurde die Fahrt in einem geschlossenen Zweispänner mit zugezogenen Fenstergardinen fortgesetzt. Den Kommissar über sein Schicksal zu befragen, mußte Baron Nogi und überhaupt ein Japaner unter seiner Würde halten.

Der Wagen hielt vor einem großen Gebäude; eine Zelle nahm den Untersuchungsgefangenen auf.

»Wann komme ich vor den Richter?« fragte er den Beamten, der ihn begleitet hatte.

»Spätestens innerhalb 24 Stunden, doch kann ich Ihnen sagen, daß die richterliche Untersuchungskommission sofort zusammentritt.«

»Ich komme doch vor ein Militärgericht?«

»Nein, vor das bürgerliche.«

Das war es, was Nobody am meisten frappierte. Er hatte seinen Urlaub nur um einige Tage überschritten. Deswegen wollte er sich verantworten, aber das ging doch nur seine vorgesetzte Militärbehörde etwas an. Was konnte er dafür, daß jene Offiziere und der Neffe des Mikado ihren Tod bei der Segelpartie gefunden hatten? Da konnte doch immer wieder nur ein Militärgericht von ihm Rechenschaft fordern. Oder hatte der wirkliche Baron Nogi etwas auf dem Kerbholz, was ihn vor den Staatsanwalt brachte? Nobody zweifelte daran.

Jedenfalls nahm Nobody diesen unberechneten Zwischenfall durchaus nicht tragisch, ganz im Gegenteil, er wollte sich schon durchhelfen, und wenn er nun einmal die Rolle des wegen irgend etwas angeklagten Baron Nogi spielte, so wollte er diesen herausbeißen, daß jener seine Freude an ihm gehabt hätte.

Er brauchte nicht lange zu warten, so öffnete sich wieder die Zellentür, Nobody wurde von zwei Männern in die Mitte genommen und nach Passieren einiger Korridore in einen Saal geführt.

Hinter Tischen saßen einige alte Japaner in Nationaltracht, die zur Seite auf Stühlen Sitzenden trugen entweder militärische Uniformen oder moderne Kleidung. Die Galerien waren leer, das Publikum hatte zu dieser Voruntersuchung also keinen Zutritt. Es ging alles sehr schnell. Der mittelste Richter blätterte noch einmal in seinen Akten und erhob sich.

»Wie heißen Sie?«

»Baron Kata Nogi.«

»Was sind Sie?«

»Leutnant im Kaiserlichen Gardedragonerregiment.«

»Lebt Ihr Vater noch?«

»Ja.«

«Was ist er?«

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