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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15502 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»Schatzkämmerer am Hofe des Mikado.«

»Haben Sie dies geschrieben?«

Nobody bekam den Bericht zu lesen, den er diese Nacht geschrieben hatte.

»Ja.«

»Gut. Wir sind nicht mehr im unklaren, wer Sie sein wollen. Sie sind verhaftet worden und stehn vor dem Untersuchungsrichter, weil behauptet worden ist, daß Sie gar nicht dieser Baron Kata Nogi sind.«

Au weh!! Das hätte freilich nicht kommen dürfen! Jetzt konnte er nur gleich die ganze Komödie aufgeben.

Die brauchten ja nur zu verlangen, er solle die Einrichtung seines Wohnzimmers beschreiben, oder wie die Fassade seines Hauses aussah. Das konnte er schon nicht. Auf so etwas war Nobody nicht geeicht. Aber er beschloß im Augenblick, erst einmal die beleidigte Unschuld zu spielen. Vor allen Dingen wollte er erfahren, wie man auf den Verdacht gekommen war, daß er nicht der echte Baron Nogi sei, wo ihn doch sogar Frau und Kinder als solchen anerkannt und er sich bisher noch nicht die geringste Blöße gegeben hatte.

So war sein grenzenlos erstauntes Gesicht ganz der Situation entsprechend.

»Was?! Ich - wäre - nicht - der - Baron Nogi?!«

»Eine große Aehnlichkeit, nichts weiter. Ich gestehe, daß auch ich Sie für den Baron Nogi halten könnte.«

»Na, ich werde doch am besten wissen, wer ich bin, hahaha!«

»Mäßigen Sie sich, Sie stehn vor dem Richter.«

Nobody wurde wieder ernst.

»Wer wagt denn zu behaupten, daß ich nicht der Baron Nogi wäre?«

»Zunächst die Sanitätsbeamten, welche Sie gestern zuerst an Bord des englischen Dampfers sahen.«

»Gerade diese haben mich zuerst als Baron Nogi begrüßt.«

»Ja, wie sollten sie aber auch gleich auf den Verdacht kommen, daß sich ein andrer für Baron Nogi ausgeben könnte? Sie haben den Argwohn erst hinterher gefaßt.«

»Was für einen Argwohn?«

»Daß Sie nicht der Baron Nogi sind.«

»Ja, aber worauf fußt dieser Argwohn?«

»Das werden Sie gleich dann erfahren.«

»Ich berufe mich auf das Zeugnis meiner Kinder und meiner Frau, welche mich als Vater und Gatten erkannt haben.«

»Gerade die Frau Baronin Nogi ist die Hauptklägerin, daß Sie nicht ihr Gatte sein können.«

Jetzt wurde Nobody doch äußerst betroffen, und er verlieh seinem ersten Gedanken lauten Ausdruck. »Hier wird eine Intrige gegen mich gesponnen!!« rief er mit schallender Stimme.

»Sie stehn hier vor dem unparteiischen Richter,« war die würdevolle Ermahnung. »Außerdem ist diese Handschrift hier, die wirklich von Ihnen stammt, gar nicht die des Barons Nogi.«

Oho! Nobody wußte ganz bestimmt, daß die beiden Handschriften niemand, auch nicht der geübteste Sachverständige voneinander unterscheiden konnte.

»Baron Monio Nogi!« rief der Richter.

Einer derjenigen im Kreise Sitzenden, welche japanische Kostüme trugen, ein würdiger Greis, erhob sich.

»Angeklagter, kennen Sie diesen Mann?« wendete sich der Richter zuvor wieder an den in der Box Stehenden.

Nobody stutzte. Was sollte das? War dieser japanische Richter wirklich so dumm, daß er erst einen Mann mit Namen aufrief und hinterher den, welchen er greifen wollte, fragte, wer das sei?

Oder war es eine Falle? Gleichgültig, Nobody beschloß, mit Absicht hineinzugehn, um sich dann wieder herauszuhelfen.

»Das ist mein Vater. - Vater, bin ich dein Sohn, oder bin ich es nicht?«

Der Alte musterte ihn, dann schüttelte er das graue Haupt.

»Er sieht meinem Sohne wohl sehr ähnlich, aber er ist es nicht, ich höre es gleich an der Stimme.«

Jetzt wurde Nobody wirklich ganz perplex. So war dies also tatsächlich sein Vater? Und der Richter hatte ihn erst darauf aufmerksam gemacht? Er wußte gar nicht mehr, was er davon denken sollte.

Offiziere und Zivilisten wurden aufgerufen, sie betrachteten den Untersuchungsgefangenen von allen Seiten und gaben dann einstimmig dasselbe Urteil wie der alte Schatzkämmerer ab, daß jener dem Baron Kata Nogi wohl sehr ähnlich sehe, daß aber doch ein gewisser Unterschied vorhanden sei. Nein, das wäre der Baron Kata Nogi nicht.

»Ich berufe mich auf das Zeugnis meiner Frau, daß ich es doch bin!« beharrte Nobody trotzig.

Eine Seitentür öffnete sich, eine Japanerin ward hereingeführt - Sayadamona. Sie sah sehr bleich aus, mit der größten Angst hafteten ihre Augen an dem Manne, der in der Box stand.

»Sayadamona,« begann Nobody sofort, »ich, der ich gestern dich und zwei unsrer Kinder gerettet habe, ich frage dich ...«

»Ruhe!« gebot der Richter. »Sayadamona Nogi, erkennst du in diesem Mann deinen Gatten, den Baron Kata Nogi?«

Lange blieb die Antwort aus, immer ängstlicher blickte die junge Frau den ihr bezeichneten Mann an.

»Nun?«

»Nein!!« kam es da gellend von ihren Lippen, und gleichzeitig brach sie zusammen, sie mußte hinausgetragen werden.

Und sie hält mich dennoch für ihren Gatten, sagte sich Nobody, ich weiß es ganz bestimmt, es ist ihr befohlen worden, mich zu verleugnen, und ebenso sind alle andern überzeugt, daß ich wirklich der Baron Nogi bin, sie zeugen wider ihr besseres Wissen gegen mich. Was in aller Welt ist das nur für eine Intrige, die man gegen mich oder vielmehr gegen Baron Nogi vorhat?

»Der Unterschied in der Handschrift hätte auch schon genügt, um zu beweisen, daß Sie nicht Baron Kata Nogi sind,« fuhr der Richter fort.

»Na, wer soll ich denn da eigentlich sein?« nahm Nobody jetzt zum Spott seine Zuflucht.

»Sie sind der Mann, welcher in der letzten Minute, ehe Baron Nogis Jacht in See ging, noch an Bord kam und die Fahrt mitmachte.«

»Das ist mir ganz neu.«

»Leugnen Sie es nicht, Sie sind erkannt worden.«

»Von wem?«

»Von zwei Matrosen.«

»Und als wen haben die mich denn erkannt? Wer soll ich denn eigentlich sein?«

Da hob der Richter seinen Arm gegen den Angeklagte und sagte, jedes Wort betonend: »Sie - sind - der - amerikanische Detektiv - Nobody!«

Bombenelement! Nobody glaubte wirklich, er höre eine Bombe platzen. Noch lieber aber hätte er geglaubt, daß er nur träume.

Wie konnten die wissen, daß ...

Da sah er über die Schulter des Richters plötzlich einen Kopf mit einem pfiffigen Gesicht auftauchen, dieser Kopf nickte ihm nochmals energisch zu - und Nobody ließ seine Blicke im Kreise umherwandern, überall bemerkte er ein leises Augenblinzeln, auch von andern wurden die Köpfe ganz heimlich bejahend bewegt ...

Da ging Nobody eine Ahnung auf.

»Gestehn Sie, daß Sie dieser Nobody sind?« fragte der Richter.

»Ja denn, ich gestehe es!«

»Führt den Angeklagten wieder in seine Zelle zurück!« -

Nobody war wieder in seiner Zelle und mit seinen Gedanken allein. Rastlos wanderte er auf und ab, und es ward ihm schwer, in diese auf ihn einstürmenden Gedanken Ordnung zu schaffen - viel schwerer als ihm eine Flucht von hier werden würde.

Sollte er abwarten, wie sich das noch weiter entwickeln würde, oder sollte er sich noch heute nacht den Weg zur Freiheit bahnen?

Dazu mußte er erst das Gitterfenster untersuchen, aber da die Zellentür ein Fensterchen besaß, durch welches er jeden Augenblick beobachtet werden konnte, so wollte er erst den Anbruch der Dunkelheit abwarten.

Die Dunkelheit brach an - da kam der Schließer und brachte eine brennende Petroleumlampe. Das war fatal.

»Ich brauche keine ...«

Nobody verstummte. Dem Schließer war noch ein andrer Mann in die Zelle gefolgt, ein alter Japaner in Nationaltracht. Nobody erkannte ihn sofort wieder: das war der alte Baron Monio Nogi! Dann kam vielleicht jetzt unter vier Augen auch die Lösung der Rätsel. Oder wollte der Alte nur Näheres über das Schicksal seines Sohnes erfahren, den er für tot hielt?

Der Schließer hatte die Lampe auf den Tisch gesetzt und war wieder gegangen. Baron Monio blickte sich zuerst einmal nach dem Fensterchen um.

»Wir sind hier ganz ungestört; bei Todesstrafe darf uns niemand beobachten oder gar belauschen.«

Dann schlich er zu Nobody hin und klopfte ihm mit freundlichem Lächeln auf die Schulter.

»Sehr gut gemacht, mein Sohn, das hast du sehr gut gemacht.«

War das wieder eine jener Fallen, in denen die Japaner so groß sind?

Nein, Nobody konnte dem Menschen durch das Auge ins Herz blicken, und in dem Herzen dieses alten Mannes las er nur väterlichen Stolz auf seinen Sohn.

Trotzdem konnte er ja die Probe machen, auch er konnte eine Falle stellen.

Mit einer abwehrenden Handbewegung trat er zurück.

»Nennen Sie mich nicht Ihren Sohn! Ich bin ein Gefangener, Sie sind ein freier Mann.«

Der Alte tat etwas erstaunt.

»I, sei doch nicht so komisch,« sagte er dann beschwichtigend. »Freilich ist ein furchtbarer Fehler begangen worden, durch welchen du schwer gedemütigt wurdest, und wodurch alles hätte mißglücken können, aber deine Klugheit und rasche Fassungsgabe hat ja alles wieder gutgemacht.«

Nobody horchte hoch auf, und jetzt konnte er auch fragen:

»Was für ein Fehler?«

»Es war doch Leutnant Timitti, welcher heute nacht zu dir kam und dir den schriftlichen Bericht abforderte?«

»Jawohl, es war Leutnant Timitti,« bestätigte Nobody dreist.

»Es hatte aber Leutnant Dimodi sein sollen, der war beauftragt, dich in alles einzuweihen, verstehst du? Es war eine Namensverwechslung, und wie die Verwechslung sonst zustande kam, will ich dir später erklären. Anstatt daß dich nun Leutnant Dimodi in alles einweihte, hat dich Leutnant Timitti schon für den Betrüger gehalten, der sich für den Baron Kata Nogi ausgibt, hihihi.«

Der Alte kicherte vor sich hin, und Nobody ging jetzt eine Ahnung auf, daß er sein Spiel doch noch nicht verloren hatte.

»Aahh so!« sagte er langgedehnt, obgleich er in Wirklichkeit noch gar nichts wußte, und dann durfte er hinzusetzen: »Ja, in was sollte mich denn Leutnant Dimodi eigentlich einweihen?«

»Nun, daß du dich eben für einen falschen Baron Nogi ausgeben sollst, und daß du ... nein, ich verstehe schon, du kannst noch von gar nichts wissen. Hier, setz dich her, ich will dir ausführlich erzählen.«

Sie setzten sich, und Nobody war nicht wenig gespannt auf das, was er nun zu hören bekommen würde. Die Sache schien ja immer verwickelter zu werden.

»Es war dir doch schon im Vertrauen mitgeteilt worden, daß du nächstens in geheimer Mission nach Petersburg gehn solltest,« begann der Alte.

»Jawohl, wenigstens im Vertrauen wurde es mir gesagt.«

»Oberst Kaluno hatte es dir verraten.«

»Ganz richtig, Oberst Kaluno. Wie geht es dem eigentlich?«

»Der ist doch schon seit drei Monaten tot!!« rief der Alte erstaunt.

»Ach so - ja - ich dachte an den andern! Nun, und?«

»Unterdessen hat es sich etwas geändert, oder aber, wir haben alles erst jetzt richtig erfahren. Im russischen Kriegsministerium zu Petersburg ist der Plan ausgearbeitet worden, wie Rußland die Mandschurei besetzen will und sich bei Einmischung von andern Mächten diesen gegenüber verhalten wird, speziell zu Japan. Daß dieser Plan mit Erwägung aller Kriegseventualitäten fix und fertig ausgearbeitet im geheimen Kabinett liegt, wissen wir hier bestimmt. Jetzt handelt es sich darum, in diesen Kriegsplan Einblick zu nehmen, ihn womöglich zu kopieren. Hierzu warst du von vornherein ausersehen. Kein Mensch in Japan kann diese Aufgabe so gut lösen wie du. Aus einem ganz besondern Grunde! Aber gerade bei dir ist ein Hindernis vorhanden. Kennst du die Gräfin Anita Urlewsky?«

Wenn die Frage so gestellt wurde, durfte Nobody getrost verneinen.

»Anita Urlewsky, eine geborene Italienerin, ist die geschiedene Frau des Grafen Urlewsky. Sie hat überhaupt eine dunkle Vergangenheit hinter sich, sie ist eine Abenteurerin gewesen und ist es schließlich noch heute. Das hindert aber nicht, daß das Haus des ebenso schönen wie geistvollen und nicht minder kapriziösen Weibes der Mittelpunkt der schöngeistigen und besonders auch der politischen Welt Petersburgs ist. Dies kommt mit daher, weil sie die ausgehaltene Maitresse des verwitweten Grafen Alexei Petrof ist, des russischen Kolonialministers. Obgleich dieser ganz genau weiß, daß ihm die Gräfin Anita durchaus nicht treu ist - es ist stadtbekannt, daß sie sich jedem Abenteurer hingibt - liegt er doch wie ein Sklave zu ihren Füßen. Außerdem vertraut er ihr vollkommen, sie ist so gut wie seine Sekretärin, seine Mitarbeiterin, und in die tiefsten politischen Geheimnisse eingeweiht. Verstehst du nun, um was es sich handelt? Der mußt du den Kopf verdrehen, daß sie dir den geheimen Kriegsplan ausliefert.«

Hui, dachte Nobody, ist denn der Baron Nogi als solch ein gefährlicher Don Juan bekannt? Davon hat er mir in der Hypnose gar nichts verraten.

»Nein, ich verstehe nicht so ganz,« entgegnete er jetzt. »Du gibst mir von dieser Frau ein unklares Bild. Du sagst, es sei stadtbekannt, daß sie sich jedem Abenteurer hingibt, und in demselben Atemzuge sagst du auch, sie sei die Vertraute eines Ministers, von dem sie in die tiefsten Geheimnisse eingeweiht würde. Wie reimt sich das zusammen? Dem würde die Regierung doch bald einen Dämpfer aufsetzen.«

»Und ich könnte dem entgegnen: das liegt eben in den russischen Verhältnissen. Alles ist von oben bis unten bis ins Mark verfault, und der Beamte, der am meisten stiehlt, tut seine Pflicht am besten. In diesem Falle trifft das aber gar nicht zu. Die Gräfin ist ein ganz rätselhaftes Weib. Sie ist eine Sphinx. Du wirst sie ja noch genau kennen lernen, und an höherer Stelle wirst du auch noch nähere Offenbarungen erhalten. Ja, wohl schwärmt sie für Exzentrizitäten aller Art, jeder Abenteurer ist ihr willkommen, je toller, desto besser, aber ... sie ist dem Manne, der sie aushält und der sich ihr anvertraut, treu. Das heißt, nicht in bezug auf die Liebe - über solche veraltete Ansichten ist die Gräfin Urlewsky erhaben - aber in bezug auf die Geheimhaltung dessen, was man ihr anvertraut. Da ist sie treu wie Gold. Ein ganz außergewöhnliches Weib, diese Urlewsky! Wer sich ihr anvertraut, den verrät sie nicht, da läßt sie lieber ihr Leben. Hierfür hat sie auch schon einen Beweis geliefert.«

»Sie war bereit, ihr Leben zu opfern?«

»Mehr noch, wenigstens für eine Frau, welche weiß, daß sie schön ist und bewundert werden will. Der kleine Finger an ihrer linken Hand ist verkrüppelt. Es war im letzten russisch-türkischen Kriege. Sie war damals fast noch ein Kind. Da fiel sie bei der Belagerung einer Festung den Feinden in die Hände. Sie sollte das Losungswort sagen, welches das Festungstor öffnete. Ein türkischer Offizier setzte ihr die Pistole vor die Stirn. Ein Wort konnte sie retten. Da legte die kleine Anita ihre Hand auf eine glühende Ofenplatte, neben der sie stand, und während ihre Hand fast briet, schaute sie lächelnd den Türken an, der ihr mit der Pistole drohte. Davon ist ihr der verkrüppelte Finger geblieben.«

»Großartig, einfach großartig!!« rief Nobody und sah dabei ganz verklärt aus. »Und was sagte der türkische Offizier?«

»Was der sagte? >Schade, daß du kein Türke bist!< Und mit Ehrenbezeugungen überschüttet, ward Anita zurück in die belagerte Festung gebracht.«

Den Kriegsplan werde ich den Japanern verschaffen, sagte sich Nobody sofort, aber nicht durch die Vermittlung dieses heldenhaften Weibes, die soll meinetwegen keinen Treubruch begehn. Kaufen werde ich sie mir trotzdem, die muß mir gehören, koste sie, was sie wolle, die muß mit nach meiner Insel.

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