饭饭TXT > 海外名作 > 《Detektiv Nobody Teil 3》作者:[德]Robert Kraft【完结】 > Detektiv Nobody Teil 3 - Robert Kraft.txt

第 22 页

作者:德-Robert Kraft 当前章节:15515 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»Gut, jetzt weiß ich, mit wem ich es zu tun haben werde, und diese exzentrische Gräfin gefällt mir immer mehr. Ja, da allerdings werde auch ich als ein verwegner Abenteurer auftreten.«

»Aber nicht als Japaner!«

»Nicht als Japaner?« wiederholte Nobody verwundert.

»Das wäre zu gefährlich. Die Russen werden stets mißtrauisch gegen einen Japaner sein.«

»Als was denn aber sonst?«

»Nun, du bist doch oft genug für einen Franzosen gehalten worden. Wenn sie dich in französischer Uniform sahen, wollten es Fremde gar nicht glauben, daß du ein Japaner seist. Das ist es ja, wovon ich schon oft genug zu dir gesprochen habe. Wir aus der Kaste der Samurais haben eine außerordentliche Aehnlichkeit mit den Südfranzosen. Laß dir einen Knebelbart stehn, wie ihn alle die weißen Teufel tragen, wenn sie recht keck aussehen wollen, und mit deinem vollendeten Französisch kannst du dich getrost für einen echten Franzosen ausgeben.«

»Dann werde ich also als französischer Abenteurer auftreten, und ein Glück ist es, daß ich auch das Russische beherrsche.« Denn das hatte Nobody aus dem Baron heraushypnotisiert; solche Sachen mußte er unbedingt wissen.

»Sonst hätte man dich wohl auch nicht für solch eine Mission ausgewählt,« lachte der Alte. »Nun aber,« fuhr er ernst fort, »berichte mir zunächst über eure Fahrt auf dem >Drachenkopf<. Was ist da Furchtbares passiert? Haben denn nur wirklich alle Samurais ihren Tod gefunden? Berichte mir, ich werde es dann gleich weitermelden, es warten genug mit namenloser Spannung auf deinen wahren Bericht.«

Das konnte geschehen. Nobody hatte Zeit genug gehabt, um sich darauf vorzubereiten. Die Wahrheit erzählte er natürlich nicht, sondern die alte Geschichte, nur mit einer Variation und mit andern Namen.

Eben nicht die Segeljacht, sondern jener Dampfer, der >Drachenkopf<, welcher die vornehmen Geheimbündler aufgenommen hatte, um mit dem Piratenkapitän die Inseln der chinesischen Seeräuber zu inspizieren, war das Opfer eines Sturmes und der Brandung in unbekannter Gegend geworden, und außer Baron Nogi war kein Mann dem Tode entgangen. Nur dieser hatte sich auf eine Vogelklippe gerettet, war von dem englischen Dampfer aufgenommen worden.

Diese Schilderung war vollkommen glaubwürdig. Der alte Japaner war furchtbar erschüttert. Eine lange Pause trat ein.

»Wie gesagt,« nahm er dann wieder das Wort, »ich kann dir nur mitteilen, was ich so ungefähr gehört habe; ich soll dich nur vorbereiten. Von höherer Stelle wirst du ausführliche Instruktionen für deine Mission erhalten.«

»Instruktionen, wie ich mich der Gräfin zu nähern habe, um von ihr den Kriegsplan zu bekommen?«

Der Alte hatte das Unbehagen herausgehört.

»Mißverstehe mich doch nicht! Wie kann man dir deswegen Instruktionen erteilen? Du mußt doch noch Bestimmteres erfahren. Nein, sonst wird man dir vollkommen freie Hand lassen.«

»Wie lange habe ich Zeit, um den Kriegsplan zu kopieren?«

»Zehn Jahre.«

»Wie lange?«

»Zwanzig Jahre. Ich will damit sagen, daß die Zeit gar keine Rolle spielt, wenn du den Plan nur drei Monate eher bringst, als es zum Kriege zwischen Rußland und Japan kommt, wozu ja aber vorläufig gar kein Grund vorhanden ist. Da müssen die Russen erst die Mandschurei besetzen.«

»Und wenn ich nun meine Aufgabe gelöst habe?«

»Kommst du natürlich als Baron Kata Nogi zurück, und ich denke, der Baron Nogi wird in dem zukünftigen Kriege gegen die Russen noch eine Hauptrolle spielen.«

»Wo soll ich da inzwischen gewesen sein?«

»Das wird sich schon finden. Auch der wirkliche Nogi ist eben dem Schiffbruch entgangen, auch er hat sich auf eine einsame Insel gerettet; er braucht nicht darauf geblieben zu sein, er ist etwa von einem Schmugglerschiffe, das seine Geheimnisse zu wahren hat, aufgenommen worden, konnte nicht wieder herunter, ist irgendwo im Auslande abgesetzt worden, bis ihm endlich die Flucht und die Rückkehr in seine Heimat gelangen. Da findet sich doch stets ein Ausweg. Dann wirst du natürlich mit allen Ehren empfangen. Oder dann kann es ja auch bekannt werden, daß du es gewesen bist, der mit der Entwendung des russischen Kriegsplanes seinem Vaterlande einen unschätzbaren Dienst erwiesen hat.«

Famos, sagte sich Nobody, das paßt ja alles in die Pläne, die ich mit meinen gefangenen Japanern vorhabe!

In Gedanken versunken, malte der alte Japaner mit der Fingerspitze Kreise auf den Tisch, und sofort erriet Nobody diese Gedanken, denn es war kein Zufall, daß der Alte solche Zeichen malte, es war vielmehr eine Unvorsichtigkeit. Diese Kreise bildeten mit ein Erkennungszeichen der Geheimbündler des gelben Drachens. Hierüber hatte sich Nobody von dem hypnotisierten Japaner zur Genüge orientieren lassen, hierüber hatte er auch aus den Papieren des gesunkenen Dampfers einen tiefen Einblick gewonnen.

»Du weißt doch, daß in sechs Tagen Neumond ist,« begann da der Schatzkämmerer wieder.

»Ja, das weiß ich.«

Nobody wußte auch, was jener meinte, aber er wollte ihn lieber selbst sprechen lassen, um ja keinen Fehler zu begehn.

»Da müssen wir im Drachennest sein. Kommst du mit?«

»Vorläufig sitzt im Drachennest noch ein andrer,« lautete die etwas spöttische Antwort. Denn mit dem >Drachennest< war nichts andres als die heilige Insel, die Perleninsel gemeint.

»Hast du auf dem Drachenkopfe etwas davon gehört?«

»Nein. Was?«

»Was wir vorhaben.«

»Nein.«

»Was für Vorbereitungen an der Küste von Formosa schon seit langem getroffen werden.«

»Nein, ich habe nichts darüber vernommen. Was für Vorbereitungen sind das?«

»So höre denn!«

Der Alte begann zu erzählen, und Nobody bekam allerdings etwas zu hören! Es gehörte seine ganze Selbstbeherrschung dazu, um nicht zu erschrecken, um sich nicht zu verraten.

Der alte Japaner hatte sich in Eifer geredet, zuletzt sprang er wie ein Jüngling auf, und wenn er auch mit vorsichtig gedämpfter Stimme sprach, so glühten seine Augen doch in unheimlichem Feuer, und drohend hatte er die Hand erhoben.

»Ihr Maß ist voll! Nicht lange mehr sollen die frechen Eindringlinge sich im Drachenneste wärmen können! Sie sollen den gelben Drachen kennen lernen! Und noch andre sollen ihn sehen! Ganz China soll davon erzählen, wie ein feuerspeiender Drache über das Land und über das Meer gegangen ist, und wie sein Feuer die weißen Teufel verzehrt hat, welche es gewagt haben, in die Höhle des gelben Drachen zu dringen! Dann gehört das uralte Heiligtum wieder uns.«

Von der ungewohnten Aufregung erschöpft, hatte sich der Alte wieder gesetzt, er rang nach Fassung. Nobody ließ ihm nur kurze Zeit dazu.

»Und wie ist es mit mir? Ich habe keine Lust, hier lange gefangen zu sitzen.«

»Du mußt ausbrechen.«

»Dazu brauche ich vor allen Dingen Feilen.«

»Die habe ich dir schon mitgebracht.«

Der alte Japaner blickte einmal vorsichtig nach dem Fensterchen, dann brachte er unter seinem Kaftan ein kleines Päckchen zum Vorschein und ließ es dem Sohne in die Hand gleiten. »Uhrfedersägen und Feilen, alles was du brauchst. Morgen erfährst du, wann du ausbrechen kannst.«

»Weshalb erst morgen?«

»Es müssen doch erst Vorbereitungen getroffen werden, sonst würden die Posten dich erschießen.«

»So müssen sie eingeweiht werden?«

»Natürlich.«

»Das ist gefährlich. Es wäre besser, es würde niemand weiter ins Vertrauen gezogen.«

»Das ist auch nicht nötig. Wenigstens sind es nur solche vom gelben Drachen. Es wird dafür gesorgt, daß morgen nacht nur Drachenbrüder Wache stehn; wir haben ja auch unter den gewöhnlichen Soldaten genug Anhänger zu unsrer Verfügung. Die müssen aber erst instruiert werden.«

»Wie ist hier die Oertlichkeit beschaffen?«

Der Vater konnte ihm das erklären. Das Haupthindernis war eine sechs Meter hohe Mauer. Niemand hätte sie übersteigen können, ohne von den zahlreichen Wachtposten bemerkt und von ihnen festgehalten, im Notfalle erschossen zu werden. »Doch ich muß jetzt gehn, morgen werden wir das Nähere besprechen, auch ob du noch einmal vor ein öffentliches Gericht kommen sollst, wo du alles ausführlich gestehst, so daß es das Publikum hört, damit es von deiner Schuld überzeugt ist.«

»Ist das unbedingt nötig?«

»Nein, nicht unbedingt. Deine Flucht wäre schon Beweis genug, daß du nicht der echte Baron Nogi sein kannst.«

Der Vater verabschiedete sich; zärtlich küßte er den Sohn, seinen Stolz.

Nobody war allein. Er blies die Lampe aus und lauschte. Nichts war zu hören. Der Korridor war erleuchtet, aber das durch das Fensterchen hereinfallende Licht genügte nicht, um den Raum zu erhellen.

»Ihr allmächtigen Götter,« erklang es da leise in der finstern Zelle, »ihr seid dem Manne, welcher nichts mehr zu verlieren hat, stets gnädig gewesen, und deshalb bete ich euch an, die ihr das Schicksal des Menschen in eurer Hand habt. So seid auch diesmal mit mir, daß es mir gelingt, meine Freunde noch rechtzeitig vor dem sichern Untergange zu retten!«

Nobody konnte während dieses Gebetes nicht auf den Knien gelegen haben, er mußte gehandelt haben, denn schon im nächsten Augenblick erscholl in der finstern Zelle ein leises, knirschendes Geräusch.

Der Gefangene hatte den Tisch an das Fenster gerückt und war schon dabei, die Eisenstäbe durchzusägen.

Die Sägen und Feilen waren gut, japanische Arbeit, und der alte Schatzkämmerer hatte an alles gedacht, auch ein Fläschchen mit Oel war in dem Paket gewesen.

Nobody wollte also nicht bis morgen warten. Er hatte einen triftigen Grund dazu, schon heute nacht seine Freiheit wiederzuerlangen. Was schadete es auch? Ob morgen oder heute, durch seine Flucht gab er den Beweis, daß er ein Betrüger war, und das war es ja, was man haben wollte; in der heutigen Nacht konnte er sogar einen noch viel überzeugenderen Beweis geben. Denn dort unten patrouillierten Wachtposten mit scharfgeladenen Gewehren auf und ab, und sie waren noch nicht instruiert, wohl viel Lärm zu machen, aber auf einen Flüchtling, welcher dort durch das Fenster kommen würde, nicht zu schießen, sie sollten ihm vielleicht gar noch über die Mauer helfen.

Die starken Eisenstäbe waren durchgefeilt. Die letzte Sichel des Mondes, der aber manchmal hinter einer Wolke verschwand, beleuchtete ab und zu einen geräumigen Hof, der von einer sehr hohen Mauer umschlossen war.

An der Innenseite dieser Mauer patrouillierten die Wachtposten, zwar einer vom andern weit entfernt, aber doch so, daß auf einer Seite des Gebäudes niemals nur ein einziger Soldat war.

Jetzt trat der Mond wieder hinter eine dunkle Wolke, und da hing Nobody schon außerhalb des Fensters, welches sich in der ersten Etage befand, und man hatte dem Gefangenen wohl mit Absicht eine der am niedrigsten gelegenen Zellen gegeben, morgen würde man ihn auch mit Stricken versehen haben, um sich hinablassen zu können.

Doch Nobody bedurfte ihrer nicht.

Ahnungslos wandelte ein japanischer Soldat die Mauer entlang. Da vernahm er einen dumpfen Fall. Erschrocken fuhr der Mann empor. Schon sah er etwas mit großen Sätzen auf sich zukommen; aber noch ehe er daran denken konnte, sein Gewehr herabzureißen, stand dieses Etwas schon mit dem Sprunge eines Panthers auf seinen Schultern - doch nur für einen Moment, die Schultern dienten nur als Sprungbrett - der Soldat fühlte kaum den Absprung - und mit einem mächtigen Satze war Nobody über die Mauer hinweg.

Es war das Kunststück eines Akrobaten oder eines Clowns gewesen, wie man es nur im Zirkus zu sehen bekommt.

Der japanische Soldat dachte noch immer nicht an sein Gewehr, nicht einmal daran, einen Schrei auszustoßen. Er stand wie vom Donner gerührt da und glaubte, nur eine Vision gehabt zu haben.

Nobody war auf der andern Seite zwar zusammengebrochen, schnellte aber wie eine Sprungfeder wieder empor und eilte weiter, ohne den Kopf zu verlieren.

Hinter ihm wurde es laut, Stimmen schrien, ein Gewehr krachte, jetzt donnerte auch ein Alarmschuß.

Was machte es? Das war noch hinter der Mauer; und kam er nur um die Ecke, so wollte Nobody in Sicherheit sein. Es wäre gar nicht nötig gewesen, daß von gewisser Seite schon Maßregeln getroffen wurden, den entsprungenen Gefangenen nicht wieder zu ergreifen.

Es war erst die neunte Abendstunde, und die Straßen, in denen sich Nobody bereits befand, waren noch sehr belebt; aber in dem Manne, der sich sorglos unter die Menge mischte, hätte niemand einen soeben dem Kerker Entsprungenen vermutet. Das war ja auch kein Japaner, sondern ein Europäer, dem Gesicht mit dem hervortretenden Kinn nach ganz sicher ein Engländer, und der graue Sommeranzug des Steuermanns war nicht auffallend, einen solchen trugen andre auch.

Lange hielt sich Nobody freilich nicht damit auf, so gemächlich durch die Straßen zu bummeln. Er bog in ein Seitengäßchen ein, und jetzt beflügelte er seinen Schritt. Bald hatte er den Hafen erreicht.

An einer Quaitreppe lag ein elegantes Boot, zwei Matrosen saßen darin und schienen auf jemanden zu warten.

Nobody stieg die Treppe hinab.

»Ist Lord Roger an Bord?«

»Nein, an Land.«

»Wo befindet er sich da?«

»Im englischen Klub.«

»Einer von euch rudert mich zur >Sunbeam<, der andre holt den Lord, er soll sofort an Bord seiner Jacht kommen.«

Nobody war schon ins Boot gesprungen. Den beiden Matrosen kam das natürlich etwas spanisch vor, sie kannten den Herrn ja gar nicht.

»Wer sind Sie denn?«

»Gehn Sie zu Lord Roger und sagen Sie ihm nur das Wort >Labyrinth<, dann weiß er, wer ich bin, und er wird sofort kommen! Er soll zur Ueberfahrt nach seiner Jacht ein andres Boot benutzen.«

»Labyrinth, schön, ich werde es mir merken!«

Der eine Matrose sprang davon, der andre ruderte den ihm fremden Mann nach der stattlichen Jacht, welche in der Mitte des Hafens lag.

Als eine Viertelstunde später Lord Hannibal sein Schiff erblickte, sah er aus dem Schornstein eine feurige Garbe auflodern, dort wurde mit Macht unter den Kesseln geheizt, ohne daß der Eigentümer der Jacht hierzu Befehl erteilt hätte. Aber der Lord wußte nun schon, wer jener fremde Herr war, von dem ihm der Matrose erzählt hatte, und wieder fünf Minuten später steuerte die >Sunbeam< mit Volldampf zum Hafen von Tokio hinaus.

Die finsterste Nacht lagerte über der kleinen Felseninsel, auf welcher am Tage die vom Meeresgrunde losgerissenen Muscheln nach Perlen durchsucht wurden. Kein Licht brannte. Auch die im Hafen liegenden Fahrzeuge hatten keine Lampen angesteckt. Es war dies Befehl des Masters, welcher nicht wollte, daß vorüberkommende chinesische Dschonken - denn andre Fahrzeuge würden diese seichten Gewässer wohl kaum aufsuchen - auf diese Felseninsel aufmerksam gemacht würden.

Auch keine Wache war ausgestellt. Die zahlreichen Hunde genügten, und wenn sie sich jetzt auch zum Schütze vor dem kalten Ostwinde, welcher von Formosa herüberwehte, hinter Felsblöcke gelegt hatten, so ließen sie ihre Pflicht doch nicht außer acht.

Wehe dem Chinesen, welcher, die ihm gewährte Freiheit mißbrauchend, es gewagt hätte, die ihm angewiesene Schlafstelle zu verlassen, um an den Strand zu schleichen, denn in diesem Falle konnte er nur an Flucht denken, und sobald er sich des Nachts außerhalb der Felsenkammer zeigte, wäre er von den Bluthunden augenblicklich in Stücke zerrissen worden.

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页