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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15493 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Er wendete sich der Tür zu.

»Du gehst wirklich?« keuchte es hinter ihm.

Nobody antwortete nicht.

In das wie eine Bildsäule dastehende Mädchen kam plötzlich Leben, eine blitzschnelle Handbewegung, der man nicht mit den Augen folgen konnte, und von ihr aus zuckte durch die Luft eine blaue Flamme zu Nobody hin.

»So lebe wohl!«

Doch auch er machte eine blitzschnelle Handbewegung und - hatte ein Stilett am Griff gefangen, das sonst sicher nicht sein Herz verfehlt hätte.

Ohne ein Wort zu sagen, schleuderte er Mercedes die Waffe vor die Füße, verbeugte sich kalt und verließ das Gemach.

Nobody hatte die Pläne des Indian Bill vollkommen durchschaut. Es wäre ihm daher ein leichtes gewesen, dieselben zu durchkreuzen und den zu verhaften, den der Colonel als Dieb der Zeichnung ausfindig gemacht hatte.

Doch das lag nicht in Nobodys Art, daß er sozusagen einen Weg betrat, den ein andrer bereits vor ihm gegangen war. Nur das Neue, das Romantisch-Abenteuerliche reizte ihn, dabei mußte es selbstverständlich einen realistischen Hintergrund haben, das Verbrechen oder das Geheimnis, was zu erforschen war.

Der vorliegenden Aufgabe aber brachte Nobody ein um so größeres Interesse entgegen, als dieselbe ihm keineswegs einen leichten Sieg über den Gegner versprach, sondern vielmehr einen aufregenden Kampf, eine Verfolgung über Ozeane und durch Länder, bis endlich die Ueberrumplung des Gauners erfolgen konnte, der in so überaus raffinierter Weise eine Doppelexistenz führte.

Indian Bill seinerseits hätte kein echter Westmann sein müssen, hätte er den Ruhm und die Genugtuung, den Dieb aufgespürt und gefangen zu haben, einem andern überlassen wollen. Am wenigsten sollte Cutting Knife oder Nobody, wie er sich jetzt nannte, ihm zuvorkommen.

Mit aller Vorsicht und Gewandtheit, die der Colonel sich im steten Kampfe mit feindlichen Rothäuten erworben hatte, schlich er sich nachts nach der Hürde an der Rückseite der Arena, wo sein Lieblingspferd Sunbeam, der Sonnenstrahl, stand. Ein kaum hörbarer Ruf aus Bills Munde genügte, das edle Tier zu ihm zu locken. Eine Minute später war es gesattelt und gezäumt, dann ein kurzer Befehl - es setzte über die hölzerne Umzäunung und jagte in langgestrecktem Galopp quer über die Niederung dem Flusse zu.

Indian Bill hatte sich genau orientiert. Er wußte, daß die Villa des Mannes, den er gefangennehmen wollte, einen parkähnlichen Garten besaß, der bis an den Strom reichte. Darum lenkte er Sunbeam dem Ufer desselben zu und machte etwas oberhalb der Besitzung Halt.

Die Nacht war mondlos und sehr dunkel, aber die Falkenaugen des Westmannes durchdrangen die Finsternis - nur die Elbe, die hier allerdings sehr breit war, trennte Bill noch von seinem Ziele.

Da drüben in dem reizend gelegenen, architektonisch schönen Hause wohnte der, der sich einst in San Francisco für Jean Matelas, einen Schauspieler aus Südfrankreich ausgegeben und das Vertrauen des Obersten erschlichen hatte, um dann bei erster Gelegenheit den Diebstahl des Planes über die Lage der Goldminen auszuführen.

Jetzt nannte sich der Elende Fred Overkamp und betrieb einen ausgedehnten Großhandel mit Kaffee, galt in Hamburg nicht nur für reich, sondern auch für einen tadellosen Ehrenmann.

Nobody selbst hatte festgestellt, daß kein Mensch, am wenigsten die Hamburger Polizei es für möglich gehalten hätte, daß dieser angesehene Herr ein Betrüger, ein Abenteurer, ein Hochstapler sein könnte. Ohne klare Beweise - und diese fehlten Indian Bill - war seine Verhaftung vollkommen ausgeschlossen.

Ein Westmann freilich pfeift auf die Polizei, er hilft sich selbst, und der Colonel kümmerte sich verteufelt wenig darum, daß in Europa andre Anschauungen in dieser Hinsicht herrschten als in Amerika.

Die Gegend, wo Indian Bill mit seinem Pferde hielt, war ganz einsam. Das Ufer fiel sanft ab, und das einzige vernehmbare Geräusch war das leise Rauschen und Gurgeln, mit dem der Strom seine gewaltigen Wassermassen dem nahen Meere zuführte.

Der Reiter klopfte leicht den Hals des Pferdes und raunte ihm halblaute Schmeichelworte zu. Dann lenkte er es in den Strom.

Als die Fluten die Sohlen seiner hohen Stiefel netzen wollten, machte er sich aus den Steigbügeln frei, eine Bewegung, und er stand aufrecht im Sattel.

Das Pferd begann zu schwimmen. Sicher wie auf festem Boden hielt sich Indian Bill auf dem schwankenden Rücken, das Tier am Zügel lenkend und es mit Worten anfeuernd. Nur bis an die Knöchel umspülte ihn das Wasser.

Mitten im Strome wurde das Tier von der Strömung ergriffen und fortgerissen, jedoch fort und fort feuerte der kühne Reiter es an, und das Pferd, ein vortrefflicher Schwimmer, bot alle seine Kräfte auf, der Strömung Herr zu werden.

»Schäme dich, Sunbeam!« zürnte sein Herr. »Du hast doch schon Ströme durchschwommen, in welchen der größte Stein fortgerissen wird, ohne auf den Grund zu kommen, und läßt dich von diesem Bach überwältigen!? Schwimme, Sunbeam, strenge dich an, greife aus! Ich bin es, den du hinüberträgst!«

Das Tier pustete und schnob mit weit vorgestrecktem Halse, die Nüstern fast im Wasser, und nach einigen Minuten hatte es die Strömung hinter sich und steuerte, überhäuft von Lob und Schmeichelworten, wieder dem Ziele zu, das sein auf ihm stehender Reiter angab.

Wer dieses Kunststück gesehen hätte, würde seinen Augen nicht getraut oder gemeint haben, ein Geist schritte über den Strom. Er würde sich bekreuzigt haben und davongeflohen sein.

Das Pferd erreichte, zitternd vor Anstrengung, das Ufer.

Indian Bill sprang ab, vollkommen trocken, streichelte das Tier lobend und führte es am Zügel weiter. Sie erreichten die Hinterpforte des Parkes. Der Colonel öffnete und trat sofort Abseits von der zum Hause führenden Allee unter die Bäume, wo eine undurchdringliche Finsternis herrschte.

Hier redete er dem Pferde noch einmal freundlich zu und ließ es dann allein, ohne es festzubinden oder auch nur die Zügel über einen Zweig zu hängen.

Dann schritt er allein weiter durch den Park, und die Lichter, welche ihm bald zwischen den Zweigen entgegenblitzten, waren die erleuchteten Fenster der Villa Overkamp.

Indian Bill umschlich die Mauer, die den Hof umgab.

An einer Stelle blieb er stehn, löste von den Hüften einen langen, ledernen Riemen, einen Lasso, wickelte die Schlinge um den Kopf und ließ sie fahren.

Sie flog über die Mauer, ein Ruck, und sie saß fest.

Es war kein Zufall gewesen, daß sich die Schlinge an einem Aste eines im Hofe stehenden Baumes verfangen hatte. Der Colonel hatte diesen Ast trotz der tiefsten Nacht gesehen und nach ihm die Schlinge geschleudert.

Er besann sich keinen Augenblick, duckte sich zusammen, schnellte empor, griff hoch, stemmte die Füße gegen die Mauer, griff weiter, schwebte über spitzen Glasscherben, mit denen die Brüstung bestreut war, und stand schneller drüben im Hofe, als sich dies erzählen läßt.

Da ließ sich ein drohendes Knurren vernehmen. Indian Bill wußte, daß das Haus durch einen Hund bewacht wurde, und hatte sich darauf gefaßt gemacht, von diesem angegriffen zu werden.

Blitzschnell zog er ein Messer, nahm die Klinge zwischen die Zähne und erwartete so den Angreifer. Eine riesige Dogge sprang auf ihn zu, um ihn an der Kehle zu packen. Doch es gelang ihr nicht. Noch ehe die furchtbaren Zähne ihn berührten, hatte Indian Bill die gewaltigen Pranken des Tieres mit beiden Händen gefaßt und hielt es von sich fern.

So standen sie sich gegenüber, Auge in Auge. Nicht lange dauerte es, da stieß der Hund ein klägliches Winseln aus, mehr hervorgerufen durch den glühenden Blick des Menschen, als durch die Kraft der Faust, welche die Pranken zu zermalmen drohte, und besiegt sank er zu den Füßen des Mannes nieder.

»Es hätte mir leid getan, das schöne Tier zu töten,« murmelte Bill, das Messer zwischen den Zähnen hervornehmend, wo es handbereit gewesen war, sich mit tödlichem Stoß ins Herz des Hundes zu graben.

Ohne sich um das Tier noch zu kümmern, das ihn jetzt als seinen Herrn betrachtete, erstieg der Colonel mit der größten Leichtigkeit den starken Baum, löste die Schlinge vom Ast, wickelte sich den Lasso wieder um die Hüfte, sprang herab, ohne dabei ein Geräusch zu verursachen. Er blieb erst eine Minute lauschend stehn, musterte die Hinterfront des Hauses und begab sich dann nach der Seite, wo er die Fenster erleuchtet gesehen hatte.

Es waren drei in der ersten Etage.

»Es sind noch Personen wach,« dachte Indian Bill, »und zwar befinden sie sich in diesem Zimmer, wenn es nicht zwei sind. Die Diener schlafen unten, also kann es nur die Herrschaft sein. Ich werde mich überzeugen, ob er da ist, und finde ich ihn, dann wehe ihm!«

Er warf einen Blick hinauf und hatte seinen Plan gefaßt. Die Mauer war nur scheinbar glatt; wenn man sie genauer betrachtete, so fand man, daß zwischen den Fenstern der ersten Etage und denen des Parterres eine hervortretende Verzierung hinlief. Ein andrer Mensch als Indian Bill hätte freilich nicht daran gedacht, daß es möglich sei, mittels solcher unbedeutender Stützpunkte die Wand zu erklettern.

Der Colonel aber schwang sich zuerst auf den Sims des Parterrefensters, konnte so den hervortretenden Stein ergreifen, welcher das Fenster nach oben deckte, schnellte empor, sein Knie kam auf diesen Stein zu liegen, und ehe er rückwärts überfiel, hatte er mit zwei Fingern eine der Verzierungen erfaßt. Hielt sie nicht, so stürzte er zurück, aber der Steinschmuck brach nicht, und ebensowenig lösten sich Bills eiserne Finger von ihm ab. Langsam, Zoll für Zoll, zog er sich so hoch, bis er auch das zweite Knie auf den Sims legen konnte, preßte sich an die Mauer, erfaßte mit beiden Händen die hervortretenden Blumen der steinernen Verzierung, stellte erst einen Fuß auf den Sims, dann den zweiten, und als er jetzt die Sohle des obern Fensters fassen konnte, war das Unternehmen geglückt.

Das Fenster war nicht verhangen, er konnte in den dahinterliegenden Raum hineinsehen. Vorsichtig tat er es, das Auge eben an die Scheibe bringend.

Ein leiser Ruf der Enttäuschung entschlüpfte seinen Lippen. Er hatte andres zu sehen gehofft. Dieses große Zimmer besaß drei Fenster, es war also das einzige, in welchem sich ein Mensch noch wach befinden konnte.

Von dem Licht der Hängelampe hell beleuchtet, saß eine junge Frau auf dem Sofa und las in einem Buche.

Sie war jung und von hübschen, zarten Zügen, sah aber sehr blaß aus, was durch die schwarze Kleidung noch mehr hervortrat.

Sonst war niemand im Zimmer, wie sich Bill mit einem Blick überzeugte.

Doch bald kam er zu der Ansicht, daß noch jemand erscheinen würde.

Was hätte die einsame, junge Frau wach halten sollen? Die Lektüre des Buches war sicher nicht so interessant, sie die Mitternachtsstunde vergessen zu machen, denn oft blickte sie ungeduldig auf und nach der Wanduhr, und dann glaubte der Beobachter stets, von ihren halbgeöffneten Lippen einen leisen Seufzer der Sehnsucht zu vernehmen.

Offenbar erwartete sie jemanden, und wer konnte das anders sein, als einer, der öfter hier ein- und ausging, wenn nicht der Besitzer selbst?

Indian Bill kannte die junge Frau nicht. Er war überhaupt höchlichst erstaunt, eine solche, dem ganzen Aeußern nach eine Dame, hier vorzufinden. Daß Villa Overkamp eine solche beherberge, war in der ganzen Stadt keinem Menschen bekannt; der Colonel hatte sorgfältige Erkundigungen darüber eingezogen. Als er zum Fenster emporkletterte, hatte er geglaubt, den Besitzer der Villa in dem erleuchteten Zimmer zu sehen.

Die Frau schlug das Buch zu und lehnte sich müde zurück. Dann wendete sie sich halb um und drückte auf einen an der Wand befindlichen Knopf.

»Sie klingelt einem Diener,« dachte Indian Bill, »also ist doch noch jemand im Hause wach, und er muß sich in einem Gemach aufhalten, dessen Fenster nur nach einem innen gelegenen Hofe gehn oder das gar keine Fenster besitzt, es sei denn, er habe sich im Dunkeln aufgehalten.«

Ein alter Mann trat ein. »Sie wünschen, Frau Matelas?«

Es hätte nicht viel gefehlt, so wäre Indian Bill herabgestürzt.

Die Wirkung, die die Nennung dieses Namens auf ihn ausübte, war zu mächtig.

Schnell beherrschte er sich, mit angehaltnem Atem lauschte er, ohne seinen Kopf am Fenster sehen zu lassen.

»Bitte, bringe mir ein Glas Wasser!«

Der Alte ging und kam bald mit dem Gewünschten zurück.

Sie trank einen Schluck und setzte das Glas hin.

»Er bleibt so lange fort,« sagte sie niedergeschlagen.

»Der Zug kommt erst kurz nach Mitternacht an, gnädige Frau, und wenn sich Herr Matelas auch noch so beeilen würde, er könnte doch noch nicht hiersein.«

Die junge Frau schien etwas getröstet.

»Ist drüben gedeckt?«

»Alles in Ordnung, gnädige Frau. Wollen Sie etwas genießen?«

»O nein, er muß ja jeden Augenblick kommen, und sicher wird er Hunger haben. Bleibe jetzt bei mir, Daniel, ich bin so einsam.«

»Wie Sie wünschen!« Der Alte setzte sich, fühlte sich aber, wie man ihm ansah, gar nicht recht behaglich.

»Es ist schrecklich für eine Frau,« begann seine Herrin nach einer Pause, »wenn der Mann immer so reisen muß.«

»Ja, freilich, gnädige Frau, aber wenn es das Geschäft so mit sich bringt, da ist nichts dagegen zu machen. Ich glaube, Herr Matelas wird nach seiner Rückkunft länger hierbleiben.«

»Ich will es hoffen. Ach, ich bin so schrecklich vereinsamt, seit meine Kinder -«

Tränen erstickten ihre Stimme, sie führte das Taschentuch vor die Augen.

Auch der Diener sprach nicht mehr. Stumm saß er da und betrachtete mitleidig die junge, schöne, blasse Frau.

Da klingelte es.

Noch schneller als der Alte sprang sie auf; jetzt strahlte ihr Antlitz vor Glück.

»Er kommt!« jubelte sie.

Der Diener eilte hinaus, während sie, die Hand auf die wogende Brust gedrückt, regungslos in der Mitte der Stube stand, als müsse sie sich auf den kommenden freudigen Moment vorbereiten.

Ein Mann trat eilig herein, warf hastig Mantel und Hut ab und umschlang die Frau.

Wieder war der Lauscher starr vor Staunen.

Er hörte nicht die Koseworte, die bei diesem Wiedersehen gesprochen wurden, er betrachtete nur den Mann.

Das war er, der Gesuchte! Bill hatte sich nicht getäuscht.

Eine Hand des Mannes lag auf dem Rücken des Weibes, an dieser konnte der Colonel sogar die Narbe sehen, wie eine solche auch Matelas an derselben Stelle hatte, und zwar ganz ebenso aussehend.

Der Mann, in dem der Lauscher den Dieb des Planes erkannt zu haben glaubte, führte die junge Frau ins Nebenzimmer, aus dem ein Lichtschein hervordrang.

Der Diener hatte die Lampe angezündet.

Schnell duckte sich Bill, der sich schon emporgerichtet hatte und das Fensterkreuz untersuchte, wieder zusammen, denn Matelas war nochmals zurückgekommen, wobei er die Tür hinter sich zugemacht hatte.

»Einen Augenblick, ich will es mir nur etwas bequemer machen,« hatte er in das andre Zimmer gerufen.

Er wollte den Rock ausziehen, zögerte aber noch.

»Das ist ja erstickend heiß hier,« murmelte er, trat an das Fenster, unter dem sich der Lauscher befand, und öffnete die Flügel.

In diesem Augenblick legten sich zwei Hände auf seine Schultern, Indian Bill benutzte diese als Stütze und schwang sich leicht ins Zimmer.

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