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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15380 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»Gestern waren's gerade vierzehn Tage.«

»Gibt's denn noch mehr hier?«

»O ja, ich denke, in der Flußniederung.«

Des Jägers Augen leuchteten auf.

»So laßt Euch doch nicht so zum Reden zwingen, Mann, erzählt mir, wie Ihr ihn geschossen habt!«

Der Wirt leerte ein neues Glas, setzte sich in Positur und räusperte sich.

»Das will ich Euch wohl erzählen,« begann er. »Ihr müßt nämlich wissen, ich bin aus Thüringen zu Hause, bei Gera. Da habe ich einen Verwandten in Pforten, das liegt auch bei Gera, man hat höchstens eine halbe Stunde zu gehn, auf einer wunderhübschen Chaussee, da sind Bäume, die hat der Fürst alle ganz komisch beschneiden lassen. Heinrich Pohl, hieß der Gärtner, der das tat, ich weiß gar nicht mehr, ob er noch lebt; was nämlich sein Bruder ist, mit dem habe ich mich manchmal geschrieben; aber der ist nun auch vor Jahrer viere gestorben; er hat sich einmal überhoben, wie er Weizensäcke aufladen tat. Da ist er in die Klinik nach Jena gekommen bein Professor Karg, dem seiner Frau die Oelmühle gehörte, die vor Jahrer sechse abgebrannt ist. Ja, da hatten die mit der Brandversicherung einen langen Prozeß, aber bezahlen mußte sie doch zuletzt ...«

»He, Gottlieb, Ihr wolltet mir doch erzählen, wie Ihr den Panther geschossen habt.«

»Ja freilich, ich komme ja gleich darauf. Was also nun mein Onkel in Pforten bei Gera ist, der hatte ein schönes Gut und einen Hof mit vier Pferden und Stücker achtzehn Kühen, und wenn sein Schwiegervater starb, hatte er auch noch was Schönes zu erwarten. Seine Frau war nämlich die Tochter vom alten Schmied in Pforten, der auch brauen durfte, aber zuletzt hatten sie's ihm verboten. Das kam nämlich so -«

Adolf Müller sprang auf, daß der Stuhl umfiel.

»Nun hab' ich's aber mit Eurem verfluchten Onkel aus Pforten bei Gera satt! Wollt Ihr mich eigentlich foppen?«

»Foppen? Nee. Erzählen will ich's Euch.«

»Wo habt Ihr denn den Panther geschossen?«

»Dort an der Flußniederung, wo die letzte Farm aufhört, da wohnt nämlich auch ein Deutscher, ich glaube, 's ist ein Sachse, der hat einen Sohn, der hat auch noch meinen Onkel aus Pforten bei Gera gekannt. Wie der nämlich ...«

»Vor vierzehn Tagen?«

»Vor vierzehn Tagen? Nee, mein Onkel ist ja schon seit Jahrer fünfe tot.«

»Gott steh mir bei, seid Ihr aber hart gesotten!«

»Ja, was wollt Ihr denn eigentlich von mir?«

»Wissen, wie Ihr den Panther aufgespürt habt,« schrie der Kleine wütend, »ich bin nämlich auch ein Pantherjäger.«

»Na ja, ich will's Euch ja auch erzählen, Ihr laßt mich ja aber nicht zu Worte kommen ...«

»Als nämlich mein Onkel aus Pforten bei Gera,« lachte eine fremde Stimme, »wissen's schon. Guten Tag!«

Es kam wieder ein Gast, ein großer, starker Mann im Reiseanzug, überhaupt anständig aussehend, mit schwarzem Vollbart.

Er hatte die Unterredung von außen durch das Fenster mit angehört.

»Wann kommt der nach San Francisco gehende Pacificzug hier vorbei?«

»Morgen früh um zehn Uhr.«

»O weh, so spät erst?«

»Wollt Ihr mit?«

»Natürlich, darum frage ich.«

»Wo kommt Ihr denn her?«

»Ihr seid furchtbar neugierig, Wirt.«

»Wo habt Ihr denn Euer Gepäck?«

»Habe keins. Ein Glas Whisky und Wasser!«

Der Fremde setzte sich und trank, die beiden andern ebenfalls.

»Wo habt Ihr denn das Pantherfell her?« fragte der Schwarze. »Habt Ihr das Tier wirklich selbst geschossen?«

»Freilich habe ich es selbst geschossen, es steht doch daran.«

»Na, das macht die Wahrheit noch nicht aus.«

»Denkt Ihr, ich lüge?«

Der Wirt sagte das nicht beleidigt, er kam überhaupt nie aus seiner Ruhe.

»Ich denke, hier gibt es gar keine Panther mehr?«

»Jawohl, da hängt ein Fell davon.«

»Sie sind Pantherjäger?« wandte sich der Fremde an Adolf Müller.

»Unten in Karolina gab's viele,« sagte dieser leichthin. »Sechzig Stück habe ich dort wenigstens erlegt.«

»Sechzig Stück? Donnerwetter, das ist viel!«

»Waren Sie schon in Südkarolina?«

»Nein, so weit hinunter bin ich noch nicht gekommen.«

»Ja, da müssen Sie hin. Meine Farm lag mitten im Walde; zuerst glaubte ich immer, es donnere in der Nacht, und wenn ich nachsah, waren's die Panther, die den Lärm machten. Da nahm ich natürlich immer meine Büchse und räumte unter ihnen auf.«

»In Südkarolina soll es auch viel Schlangen geben,« meinte der Wirt.

»Und was für welche!« bestätigte Müller. »Ich habe einmal eine Riesenschlange erlegt von vierzig Fuß Länge und drei Fuß Dicke. Sie hatte gerade einen Ochsen verschluckt, einen langhörnigen, und da wurde es mir nicht allzu schwer, sie zu töten.«

»Einen ganzen, großen Ochsen auf einmal?« staunte der Wirt, wenigstens äußerte sich sein Staunen stets dadurch, daß er seine Augen weit aufriß.

»Das ist für eine Riesenschlange weiter gar nichts. Einen Menschen verschluckt sie wie eine Pille.«

»Was wurde denn aber aus den Hörnern? Die stehn doch bald drei Meter auseinander. Die hat sie wohl vorher abgebissen?«

»Unsinn, die guckten vorn aus dem Maule. Es sah närrisch aus, das Vieh, eine gehörnte Schlange. Gerade die Hörner machten es mir leicht, sie zu fangen, sie konnte nicht durch die Büsche kriechen.«

»Ob wohl ein Mensch gleich tot ist, wenn ihn so eine Riesenschlange verschluckt?«

»Das kommt ganz darauf an. Ich habe unten in Karolina einmal eine Riesenschlange erlegt, und als ich ihr den Magen aufschnitt, was sprang da heraus? Ein Indianer frisch und munter! Zwei Tage hatte er daringesteckt, und nur ein Arm war schon etwas verdaut. Wir schüttelten uns die Hand und rauchten zusammen eine Friedenspfeife. Der Kerl lebt jetzt noch da unten.«

Der Wirt schlug mit der Faust auf den Tisch.

»Gottssakkerlot, was nicht alles in der Welt passiert, und unsereins hat keine Ahnung davon! Nun denkt man, man ist in Amerika - jawohl, gar nichts weiß man. Auf der Landkarte sieht's auch freilich kleiner aus, als es in Wirklichkeit ist.«

»Gibt's denn auch viele giftige Schlangen unten?« fragte der bärtige Fremde, dem Kleinen mit den Augen zublinzelnd.

»Besonders Klapperschlangen die schwere Menge.«

»Haben sie denn wirklich eine Klapper hinten am Schwanze?«

»Ja, und wenn sie beißen wollen, klappern sie erst. Das soll so viel heißen wie: Achtung, ich beiße!«

»Das ist aber hübsch von den Tieren.«

»'s ist so eine Angewohnheit, aus Höflichkeit tun sie's nicht. Es gibt zweierlei Arten, eine, die weniger giftig ist, und eine, die ganz furchtbar giftig ist. Wen sie beißt, der ist sofort tot, auf der Stelle. Mich hat einmal eine gebissen - na, ich danke!«

»Von den furchtbar giftigen?«

»Jawohl.«

»Hört, Ihr könnt aber schwindeln!«

»Was? Ich?« zürnte der Kleine. »Wenn ich sage, es hat mich eine Schlange gebissen, dann hat mich eine gebissen!«

»Wenn's nur kein Floh war. Ihr selbst habt ja eben gesagt, wen eine von den giftigen Klapperschlangen beißt, der ist auf der Stelle tot, und Ihr lebt ja noch. Mich macht Ihr nicht dumm. Was mein Onkel in Pforten bei Gera war ...«

»Wer hat denn gesagt, daß sie mich ins Fleisch gebissen hat?«

»Wo denn sonst hin? In die Haare?«

»Nein, in die Stiefel. Das war meine Rettung.«

»Ach so, das ist etwas andres!«

»Ja, aber nun denkt Euch! Zu Hause ziehe ich die Stiefel aus und stelle sie weg. Wie ich sie nach drei Tagen wieder anziehen will, da fallen sie mir in den Händen auseinander, das Leder war morsch wie Zunder geworden, nur durch den Schlangenbiß. So giftig sind diese Viehcher.«

»So etwas kann ich auch erzählen,« ließ sich jetzt der bärtige Fremde vernehmen. »Ich war nämlich längere Zeit in Indien, als englischer Soldat, wißt Ihr, wo die gefährlichen Brillenschlangen sind ...«

»Ja, die Brillenschlangen sind noch viel giftiger als die Klapperschlangen,« stimmte Müller bei.

»Haben sie denn Brillen auf der Nase, daß sie so heißen?« fragte der Wirt.

»Freilich, wenigstens einen durchsichtigen Stein klemmen sie sich ins Auge, daß sie besser sehen können.«

»Nee, so etwas lebt doch nicht. Wie klug die Tiere aber doch manchmal auch sind! Gerade wie die Menschen. Na, was war denn nun mit der Brillenschlange?«

»Ja, da beißt mich einmal eine in meinen Waffenrock. Das hatte nichts weiter zu bedeuten. Am Abend hatten wir Appell; ich putze also meine Messingknöpfe noch einmal, und wie wir angetreten sind, da - sind die Knöpfe ganz grün angelaufen. Ich bekomme eine Strafwache. Dann putze ich meine Knöpfe wieder, und eine Stunde später sind sie wieder dick mit Grünspan bedeckt.«

»Da hat Euch einer Heringslake draufgeschmiert,« lachte der pfiffige Wirt.

»Unsinn, was ganz andres war es. Der oberste Knopf fiel zuerst ab, dann ein zweiter, das Futter fing an zu riechen, es ging wie Zunder heraus, dann lief der ganze Waffenrock, eigentlich grau, nach und nach in verschiedenen Farben an, zuerst wurde er blau, dann gelb, dann rot, immer dunkler, und als er schwarz war, da zerfiel er in Asche - alles nur durch das Schlangengift.«

Der Wirt schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

»Nee, aber so was! Ich war auch einmal in einer Schlangenbude, in Gera auf der Vogelwiese, mein Onkel aus Pforten bei Gera nahm mich mit hin, aber so was gab's da nicht.«

Sie kamen dann auf Taschenspielerkunststücke zu sprechen, und es zeigte sich, daß der Schwarzbärtige auf diesem Gebiete Meister war.

Er ließ sich zwar nicht dazu bewegen, eine Erklärung zu geben, dagegen führte er noch mehr Kunststücke aus, eines immer wunderbarer als das andre, so daß die beiden vor Staunen Mund und Nase aufsperrten.

»Woher könnt Ihr denn das?«

Der Bärtige zuckte lächelnd die Schultern.

»Geschwindigkeit ist keine Hexerei, aber macht es mir erst einmal nach.«

»Ich glaube, Ihr seid wirklich ein Taschenspieler,« sagte der Wirt.

Der Fremde horchte hoch auf.

»Wie kommt Ihr auf den Gedanken?«

»Ich dachte nur so, weil Ihr solches Zeug könnt.«

»Ich hielt Euch eher für einen Schauspieler,« meinte Müller.

»Unsinn!« lachte der Fremde rauh.

»Na, was Feines seid Ihr.«

»Ich reise zu meinem Vergnügen.«

Da kamen Matrosen und Heizer von einem Dampfer, der gelandet hatte, um Holz einzunehmen, schnell einen Schluck zu trinken.

Der Wirt wollte ihnen erzählen, was der Fremde da ihnen vormachen könnte, aber sie achteten nicht darauf, hatten keine Zeit.

»Habt Ihr's schon gehört, Wirt? Cutting Knife ist wieder aufgetaucht, oben am Karryhock hat ihn ein Farmer erkannt.«

»Wer ist denn das?«

»Was? Das wißt Ihr nicht? Der berühmte Jäger, der vor einigen Jahren in den westlichen Staaten so viel von sich reden machte!«

»Ah so, der. Wo hat denn der bisher gesteckt?«

»Ja, was weiß ich!«

Der Fremde war bei der Nennung des Namens Cutting Knife zusammengezuckt, als wenn er ein böses Gewissen hätte.

»Wo ist denn das, Karryhock?« mischte er sich ein.

»120 Meilen stromaufwärts von hier.«

»Wer will ihn dort gesehen haben?«

»Der Farmer Black, der auch Holz für die Dampfboote schlägt. Gestern abend sprach ein Mann bei ihm vor, und weil nun Black lange in den Weststaaten gelebt und Cutting Knife oft dort zu Gesicht bekommen hat, erkannte er ihn sofort wieder, sagte es ihm auf den Kopf zu, und Cutting Knife leugnete auch nicht lange.«

»So, so! Was will denn der dort oben?«

»Wer kann's sagen? Der läßt sich nicht in seine Karten blicken.«

Der Fremde im Vollbart zog die Uhr.

»Ihr fahrt nach St. Louis?«

»Ja, flußabwärts.«

»Wann seid Ihr dort?«

»Spätestens 10 Uhr abends.«

»Ich denke, der Pacificzug geht um diese Zeit durch St. Louis?«

»Neun Uhr vierzig. Wenn wir kein Malheur unterwegs haben, treffen wir ihn immer noch. Jedenfalls ist unser Dampfer der letzte, der Anschluß hat.«

»Wußtet Ihr denn das nicht?« wendete der Fremde sich entrüstet an den Wirt.

»Freilich wußte ich das!«

»Und Ihr hättet mich bis morgen früh hier warten lassen?«

»Na, Ihr habt mich ja gar nicht gefragt.«

»Wollt Ihr mit?« rief einer der Dampfermatrosen. »Dann beeilt Euch!«

Der Schwarzbärtige war sofort bereit, hing seine Tasche um und begleitete die Leute zum Dampfer, der eben das erste Abfahrtssignal gab.

Der Bahnbeamte sah den Fremden und kam ihm nach.

»Sir, Sie wollen mit dem Dampfer fort?« fragte er.

»Ja. Sie haben doch nichts dagegen?«

»Sie haben aber schon die Fahrt nach San Francisco bezahlt.«

»Das ist meine Sache. Behalten Sie das Geld. Ich fahre lieber mit der Konkurrenzlinie.«

Der Beamte konnte nichts darauf erwidern, er wandte sich ab und telegraphierte vorläufig, daß der Zug wegen eines aufzunehmenden Passagiers nicht in St. Joseph halten sollte.

Der Wirt freilich schüttelte bedenklich den Kopf, als er hörte, daß der Fremde bereits die kostspielige Fahrt nach San Francisco bezahlt habe und nun, um einige Stunden zu sparen, mit der Konkurrenzlinie fuhr.

Nordamerika wird nämlich von mehreren Pacificlinien durchquert, die sich gegenseitig arge Konkurrenz machen, und zwar unterbieten sie sich an den Endstationen immer. Der Fahrpreis schwankt fortwährend. Steigt man aber in der Mitte der Linie auf, so zahlt man bis zur Endstation nicht nur den vollen, sondern sogar einen höhern Preis als für die ganze Fahrt. Denn, sagt sich die Bahndirektion, jetzt muß er unsern Zug benutzen, er kann nicht zur Konkurrenzbahn hinüberlaufen. Nur wo Stromverkehr ist, treten Ausnahmen ein; nicht immer aber liegen die Bahnen so nahe, wie zwischen St. Joseph und St. Louis, wo auch schon wieder die Konkurrenz in Frage kommt.

In Deutschland und in andern Ländern würde man ein solches Geschäftsprinzip als Schwindel bezeichnen, der Yankee läßt es sich gefallen.

Bemerkungen über diese sonderbare, schnelle Abreise des Fremden austauschend, blieben Müller und der Wirt noch einige Zeit zusammen, bis sich erstrer verabschiedete, um nach seiner Farm zurückzugehn.

Die Mittagssonne brannte noch immer in voller Wut auf die Erde hernieder, und der Wirt wäre bald wieder in Schlaf gesunken, wenn nicht ein neuer Gast gekommen wäre.

Auch er trug, wie es bei allen reisenden Fremden in diesen Gegenden nicht anders sein konnte, dauerhafte Jagdkleidung und Waffen. Es war ein noch junger Mann.

Der redselige Wirt fragte gleich, woher er käme und wie er hieße und was er denn hier wolle.

Fred Jenkins hieße er, wie ein Engländer sah er auch aus - er käme mit einem Dampfer von oben, sei aber ausgestiegen, um sich die Wasserfälle zu besehen, und nun wolle er mit dem Pacificzug weiter.

»Habt Ihr schon die Fahrkarte?«

»Nein, noch nicht. Der Pacific fährt doch erst morgen früh vorüber.«

»Ja, daß es aber Euch nicht so geht, wie dem Fremden vorhin. Der hatte auch schon bezahlt und wollte mit. Als jedoch ein paar Matrosen von einem Dampfer kommen, und er hört, er kann noch heute nacht von St. Louis gleich nach San Francisco, kriegt er plötzlich die Idee, da mitzufahren. Da hat er natürlich doppelt bezahlen müssen; das Geld bekommt er hier nicht wieder heraus.«

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