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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15532 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»Er hatte es vielleicht eilig.«

»Bah, die paar Stunden Unterschied machen es auch nicht aus.«

»Nun, für einen Geschäftsmann doch manchmal.«

»Ich glaube eher, es war so ein Hokuspokusmacher.«

»Was meint Ihr damit?«

»Daß er ein Taschenspieler war. Sie hätten nur sehen sollen, was der uns alles vorgemacht hat!«

Der thüringsche Gottlieb begann weitschweifig zu erzählen, während Fred Jenkins stutzte und ungeduldig mit den Fingern auf dem Tisch trommelte.

»Wie sah der Fremde denn aus?« unterbrach er endlich den Wirt.

Dieser gab eine eingehende Schilderung des Schwarzbärtigen und erwähnte auch, daß die Matrosen von Cutting Knife gesprochen hätten.

»Was sagten die Leute?« fragte Fred Jenkins. »Man hätte Cutting Knife am Karryhock gesehen?«

»Jawohl!«

»Und darum schlug der Fremde einen andern Weg ein?«

»Das hat er mir nicht gesagt.«

»Es ist gut! Wann geht der nächste Dampfer nach St. Louis?«

»Es kommen immerwährend welche vorbei, man braucht ihnen nur unten an der Holzstation mit der Flagge zu winken, dann stoppen sie.«

»Was für ein Boot war das, mit dem der Fremde fuhr?«

»Ein Passagierschnelldampfer, der >Hurikon<. Ihr wollt wohl auch nach St. Louis?«

»Ja doch, Mann. Wann geht der nächste Schnelldampfer nach St. Louis?«

»Heute spät abends. Nun hört doch alles auf, will der auch dorthin mit einem Male!«

»Jetzt ist es zwei Uhr,« setzte der Wirt hinzu, »um drei kommt auch noch ein kleiner Schnelldampfer vorüber, mit dem könnt Ihr aber nicht nach St. Louis fahren.«

»Warum nicht?«

»Sehr einfach, weil er nur bis nach Jefferson fährt.«

»Ah, das ist gut. Hier Eure Zeche!« Der junge Mann warf einen Dollar auf den Tisch, hing sich die Büchse um und stürmte davon, dem Stromufer zu, den Wirt in seinem Staunen zurücklassend.

Hätte der thüringsche Gottlieb sich von den Matrosen das Aussehen des berühmten Cutting Knife beschreiben lassen, dann wäre er keine Minute im Zweifel gewesen, daß er denselben vor sich habe.

Jedenfalls aber wußte nun Nobody, der sich ja unter der Maske des kühnen Westmannes verbarg, daß er auf der richtigen Fährte war.

Seine Kombinationen stimmten mit den Tatsachen überein. Der schwarzbärtige Fremde war Jean Matelas, der sich auf dem Wege befand, mit Hilfe des gestohlenen Planes die Goldminen im Sakramentotale aufzusuchen und auszubeuten. Der Betrüger konnte unmöglich wissen, daß Cutting Knife identisch sei mit dem berühmtesten aller Detektivs, wohl aber hatte er gehört, daß der Westmann in der Arena Indian Bills aufgetaucht war und glaubte nun, daß Cutting Knife von diesem zur Verfolgung ihm nachgeschickt sei.

Selbstverständlich wäre es Nobody ein leichtes gewesen, sich auf dem Wege zum Strome ein andres Aussehen zu geben und Cutting Knife wieder verschwinden zu lassen, aber er hatte seine Gründe, dies nicht zu tun.

Jean Matelas konnte ihm auf keinen Fall mehr für immer entschlüpfen. - -

Am Ufer des Mississippi hausen in gewissen Entfernungen voneinander Ansiedler, die Holz fällen, es in Klötze spalten, diese aufstapeln und an Dampfer verkaufen, wenn solche Verlangen äußern, Brennmaterial einzunehmen. Zugleich setzen diese Holzhauer auch Passagiere an Bord von vorüberfahrenden Dampfern. Eine solche Station war auch hier.

Der Holzhauer hatte eben gute Geschäfte gemacht, seine Stapel verkauft und war daher redselig. Er bot Jenkins, der an Bord des nächsten Dampfers nach Jefferson wollte, seine Whiskyflasche an, trank selbst und erzählte lange Geschichten von Flußpiraten, die früher den Mississippi unsicher gemacht hatten.

Mit Vorliebe legten sie künstliche Snaks, das sind Baumstämme, die mit dem einen Ende im Stromgrund stecken, mit dem andern Ende nach oben stehn, zum Teil aber noch unter dem Wasser liegen, die gefährlichsten von allen Hindernissen, vielen Fahrzeugen Verderben bereitend. Flußpiraten schaffen an ihnen zugänglichen Stellen künstlich solche Hindernisse und bereichern sich an den Trümmern und an der Ladung der Boote, die dort scheitern.

Der Meinung des alten geschwätzigen Holzfällers nach trieben solche Flußpiraten immer noch ihr Unwesen am Mississippi, denn sonst konnten nicht so viele Schiffe, besonders Dampfer, welche die Post an Bord hatten, untergehn. Der Vater der Ströme ist ja gewaltig lang und sehr breit. Unzählige Inseln liegen in ihm verstreut, und seine Ufer sind noch an vielen Stellen von Urwald bedeckt, der den Räubern ausgezeichnete Schlupfwinkel bietet.

Nobody oder, wie wir ihn weiter nennen wollen, Fred Jenkins hörte diese Erzählung ruhig an. Endlich sah er nach der Uhr, und da tauchte auch in der Ferne die Rauchfahne des erwarteten Dampfers auf.

Der Holzhauer hißte am Maste seiner Hütte eine Flagge und machte das Boot klar, in dem der Westmann bereits saß.

»Wann passiert der >Hurikon< Jefferson?« fragte er.

»Um fünf Uhr.«

»Und dieser?«

»Nach sechs Uhr.«

»Wie heißt der Kapitän?«

»Gärtner.«

»Ein Deutscher?«

»Nein, ein echter Yankee; er hat Haare auf den Zähnen.«

Desto besser! Wenn es ein Yankee war, so ließ er sich auch auf ein Geschäft ein, das Cutting Knife mit ihm vorhatte.

Der Dampfer pfiff - ein Zeichen, daß er die Flagge bemerkt habe, und fuhr langsamer. Das Boot setzte ab. Nach zehn Minuten war Fred Jenkins an Bord.

Das Deck war bei dem schönen Wetter dicht mit Passagieren besetzt, die den Ankömmling neugierig musterten. Dieser mußte, um den Fahrpreis zu entrichten, sofort zum Kapitän, einem ernsten Mann mit kalten Augen und scharfen Zügen, dem man den Yankee sofort ansah.

In der Kajüte befand sich außerdem noch ein Herr, ein schöner, hochgewachsener Mann von vielleicht vierzig Jahren, eine ungemein anziehende Erscheinung. Das Gesicht war offen und ehrlich, die Augen blickten klar und kühn - alles an ihm war Ruhe, Kraft und Ueberlegenheit.

»Kann ich Sie allein sprechen, Kapitän?« fragte Jenkins.

Der Mann musterte ihn scharf.

»Mein Freund, Mister Patterson, Sheriff von Jefferson,« stellte er dann den andern Herrn vor. »Ich brauche vor ihm keine Heimlichkeiten zu haben.«

Als Sheriff bezeichnet man in kleinen amerikanischen Städten den Bürgermeister, dem auch Polizeibefugnisse zustehn.

»Ah, der Sheriff von Jefferson, das ist etwas andres! Dann spreche ich gleich offen. Kapitän, ich möchte gleichzeitig mit dem vor Ihnen fahrenden Dampfer in St. Louis eintreffen.«

»Das ist nicht möglich, ich fahre nur bis Jefferson.«

»Ich komme für jeden Schaden auf, den Sie erleiden.«

»Ich folge meinen Instruktionen.«

»Wie lange bleiben Sie in Jefferson liegen?«

»Einen Tag zum Aus- und Einladen.«

»Benutzen Sie diesen Tag, den Dampfer bis nach St. Louis einzuholen. Ich zahle Ihnen, so viel Sie wollen.«

»Nein, und wenn Sie mir den Dampfer abkaufen,« sagte der Kapitän entschieden.

»Könnten Sie den >Hurikon< bis nach Jefferson einholen?«

»Ja. Ich habe eine neue Maschine bekommen, fahre nur mit dreiviertel Kraft.«

»Well, so holen Sie ihn ein, ich zahle Ihnen eine Prämie von 1000 Dollar.«

»Nein.«

»Aber warum denn nur nicht?«

»Mir sind die Passagiere übergeben worden ...«

»Wenn Sie aber nicht einmal mit voller Kraft fahren!«

»Ich gehe meiner Vorschrift nach, damit basta!«

»Sind Sie ein Amerikaner?«

»Das ist es eben, ich bin kein Yankee, ich bin ein Deutscher,« entgegnete Gärtner wider Erwarten.

»Oho, das ist beleidigend für mich!« lächelte der Sheriff. »Warum wollen Sie den Dampfer eigentlich einholen?« fragte er Jenkins.

Der Kapitän verließ die Kajüte.

»Es ist ein Mann an Bord, dessen ich mich bemächtigen will.«

»Sie wollen ihn auf eigne Faust dingfest machen?«

»So ist es.«

»Ich verstehe. Doch wenn der Mann sich wirklich an Bord des >Hurikon< befindet, dann überlassen Sie seine Festnahme doch mir - ich telegraphiere einfach nach Jefferson -«

»Danke sehr!« lehnte Jenkins ab. »Ich führe gern selbst aus, was ich mir vorgenommen habe!«

Der Sheriff antwortete nicht, schaute aber den Sprecher mit eigentümlich durchbohrenden Blicken an, zog ein Zeitungsblatt aus der Tasche, schlug es auseinander, reichte es Jenkins, indem er auf ein Porträt deutete.

»Kennen Sie den?«

Nobody sah sich abgebildet als Cutting Knife, und darunter stand, daß der berühmte Westmann in Hamburg bei der Truppe Indian Bills aufgetaucht sei. Ohne eine Miene zu verziehen, gab der angebliche Jenkins die Zeitung zurück.

»Ich bin es!«

»Sie verfolgen den Dieb, der dem Obersten den Plan über die Lage der Goldfelder gestohlen hat?«

»Ja!«

»Vermutet er Sie an Bord dieses Dampfers?«

»Schwerlich!«

»Gut! Ich weiß, daß es Ihnen schwer fällt, einen andern handelnd für sich eingreifen zu lassen, hier aber müssen Sie mir dies schon einmal gestatten!«

Jenkins verbeugte sich schweigend. Der Sheriff entfernte sich und begab sich zum Kapitän, unterhandelte mit demselben einige Zeit, dann ertönten Klingelsignale - die Heizer eilten an die Feuer.

Patterson kehrte zurück. Er hatte keine Ahnung von den Gedanken, die inzwischen das Hirn des Detektivs durchkreuzt hatten, und am allerwenigsten vermochte er den wahren Grund zu erraten, der Nobody bewogen hatte, einmal einen andern für sich handeln zu lassen, vielmehr ihn, ohne daß er es merkte, als Werkzeug zu benutzen.

»Alles in Ordnung!« sagte der Sheriff. »Der Kapitän garantiert, vier Meilen vor Jefferson den Dampfer eingeholt zu haben. Er hält Wort, und wenn sie sich dort an die Ventile hingen. Der >Hurikon< ist ein alter Kasten, macht seine letzten Fahrten. Feuerung haben wir genug. Kommen Sie, ich stelle Sie meiner Familie vor. Sie sind ein Freund von mir, den ich in New-York kennen gelernt habe.«

Jenkins wurden zwei Damen vorgestellt. Die eine, die Gattin Pattersons, war eine Frau von dreißig bis fünfunddreißig Jahren, eine imposante Erscheinung, auf deren Antlitz Anmut und geistiger Adel thronten. Die etwa zwanzigjährige Miß Patterson, des Sheriffs Schwester, war ein reizender Lockenkopf.

Mit mütterlichem Wohlwollen bot die Missis dem Freunde ihres Gatten die Hand, das junge Mädchen fragte gleich, wie es jetzt in New-York aussehe, wo sie in Pension gewesen, und bald war ein lebhaftes Gespräch im Gange über die Annehmlichkeiten, die eine große Stadt und eine kleine Stadt böten.

Aus dem Schlot des Fahrzeuges wirbelte eine mächtige Dampfwolke empor, er spritzte einen Feuerregen aus, das Schiff erzitterte plötzlich in allen Fugen.

»Was ist das?« fragte Missis Patterson besorgt. »Wir werden uns doch nicht in eine Wettfahrt einlassen?«

»Habe keine Angst,« lachte der Sheriff, eine Orange schälend und sie mit der Schwester teilend, »Kapitän Gärtner ist kein gewinnsüchtiger Yankee, sein Ehrgeiz geht auch nicht so weit, daß er das Leben der Passagiere und sein eignes aufs Spiel setzt; er probiert nur einmal die volle Kraft der neuen Maschine. Eine Kesselexplosion ist nicht zu befürchten.«

»O, eine solche Katastrophe ist entsetzlich. Ich habe einmal als Zuschauer vom Lande aus eine mitangesehen.«

Missis Patterson schauerte zusammen und verhüllte sich die Augen mit dem Spitzentuche. »Auf dem Mississippi sollen derartige Dampferexplosionen öfter vorkommen.«

»Immer infolge von Wettfahrten. Das ist die Konkurrenz. Den Dampfer, der einmal überholt worden ist, benutzt kein Mensch mehr.«

»Ein grauenhafter Eigensinn unsrer Nation.«

»Sind Sie New-Yorker?« fragte Miß Patterson.

»Jawohl, Miß.«

»Ach, mein schönes New-York! Kennen Sie Jefferson?«

»Nein.«

»Möchten Sie es nie kennen lernen!«

»Wie? Fühlst du dich unglücklich bei uns?« fragte die Gattin des Sheriffs.

»Bei euch nicht, das wäre unmöglich,« entgegnete Miß Patterson lebhaft, zärtlich den Arm um die Schwägerin schlingend. »Ich muß mich nur erst an das Leben in einer solchen Kleinstadt gewöhnen - die Umgebung gefällt mir ja, aber -«

»Das rohe Schiffsvolk weniger, meinst du,« unterbrach sie der Bruder. »Freilich, Gentlemen mit Glacéhandschuhen sind die Leute nicht. Man muß sie eben entsprechend behandeln. Wer mit ihnen umzugehn weiß, wird auch ganz gut mit ihnen auskommen.«

Patterson entfernte sich für einen Augenblick.

Mit vor Stolz leuchtenden Augen blickte ihm die Gattin nach.

»Wenn Sie nur wüßten, Sir,« wendete sie sich an den vermeintlichen Jenkins, »was für eine schwere Stellung er hat. Oft hat man ihn von Jefferson fortlocken wollen, er hat die glänzendsten Stellen angeboten bekommen - er ist Advokat - hat sie aber alle ausgeschlagen. Er mag sich eben nicht von der Stadt, in der er geboren ist, trennen. Uebrigens könnte auch kein andrer als er in Jefferson Sheriff sein. Denken Sie sich! Vor zwei Jahren wurde er als General-Sheriff nach St. Louis versetzt, doch kaum war er fort, da brach in Jefferson Mord und Totschlag aus; kein andrer Sheriff konnte die Menge im Zaum halten, man wechselte beständig, die Bürger reichten Petition nach Petition ein, sie forderten ihren alten Sheriff zurück, und zuletzt mußte man ihnen willfahren. So kamen wir wieder nach Jefferson. Man hat meinen Gatten auf den Schultern nach unsrer alten Wohnung zurückgetragen. Wissen Sie, was für eine Bedeutung Jefferson als Stadt hat?«

Jenkins wußte es.

Jefferson am Mississippi, nicht zu verwechseln mit Jefferson-City am Missouri, ist zwar nur eine kleine Stadt, aber Zentrale des Fell- und Pelzhandels für die Staaten Iowa, Illinois, Missouri, Arkansas, selbst noch für Kentucky und andre. Es besitzt einen großen Hafen, denn hier kommen die Mississippischiffer zusammen und laden aus, meist Felle, verkaufen ihre Boote und ziehen in Dampfern als Passagiere wieder stromaufwärts. Aber auch Expeditionen von Trappern reisen direkt hierher, ihre Jagdbeute zu verhandeln.

Schon längst hätte Jefferson aufgehört, solch eine Zentrale zu sein, denn das nahe St. Louis wäre ein viel besserer Handelsmarkt, wenn diese Leute nicht zäh am Althergebrachten hingen.

Die Trapper sind schon ungeschliffene Menschen, aber nun erst die Stromschiffer! Das sind alles baumlange und baumstarke Burschen, so kupferbraun gebrannt wie die Indianer, mit ebensolchen Fähigkeiten ausgerüstet, die mit der Büchse ebensogut umzugehn wissen wie ihre Kollegen zu Lande, die Trapper, und denen das mächtige Bowiemesser immer handbereit ist.

Ihr Hauptvergnügen ist, einen Liter Whisky mit einem Male auszutrinken, nach den Klängen einer womöglich verstimmten Violine zu tanzen, zu singen und zu würfeln. Wenn die Schiffer und die Trapper in Jefferson zusammenkamen und Geld in den Fingern hatten, kam es oft zu blutigen Raufereien. Da mußte freilich ein Sheriff dazwischensein, der nicht nur eine eiserne Faust und Kaltblütigkeit besaß, sondern auch allgemein beliebt war.

Ueber dieses Jefferson herrschte Patterson wie ein König, oder vielmehr eben wie ein Sheriff über eine kleine amerikanische Stadt. Wenn es galt, seine Autorität zu wahren, durfte er jeden niederschießen, ohne sich deswegen verantworten zu müssen; wenn er einen verurteilte, und er fürchtete Selbstbefreiung oder einen Aufruhr, weil das Volk mit dem Gefangenen sympathisierte, so rief er die Geschworenen zusammen und ließ den Schuldigen hängen, ohne zuvor die oberste Gerichtsbehörde des Staates davon in Kenntnis zu setzen.

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