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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15422 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»O nein. Nicht allen behagt das idyllische, aber eintönige Leben dort. Viele Burschen und Mädchen wandern aus, suchen anderswo Arbeit, wollen auch einmal tanzen und mit andern Menschen lustig sein.«

»Ist denn das Auswandern erlaubt?«

»Warum nicht? Ah so, Sie denken an Geheimnisse! Nein, damit ist's nichts. Es ist ein friedliches Völkchen, das auf der Insel lebt. Es ernährt sich vom Fischfang. Was sie mehr erbeuten, tauschen sie gegen andre Bedürfnisse in Jefferson aus. Den Waldbestand rühren sie nicht mehr an, mit Ausnahme zum Bedarf der eignen Feuerung. Viele arbeiten auch auswärts und kehren täglich oder die Woche einmal nach der Heimat zurück; viele sind auch Stromschiffer.«

»Immerhin kann eine solche Ansiedlung ohne Aufsicht gefährlich werden.«

»Wieso?«

»Indem sie zum Asyl für Verbrecher, zum Räuberlager wird.«

»Aber ich bitte Sie,« lachte Patterson, »etwas Unschuldigeres gibt es gar nicht. Außerdem ist ja auch noch der Sheriff von Jefferson da, das bin ich jetzt.«

»Wie sieht es denn auf der Insel aus?«

»Armselig genug. Ein kleines Dorf mitten im Walde. Kinder und Hunde in Menge. Es ist ja nichts weiter, als daß die dort Gebornen das Privilegium haben, keinen Menschen auf die Insel zu lassen.«

»Kann man nicht aufgenommen werden?«

»Dazu hat bis jetzt noch niemand Lust geäußert.«

»Auch kein Zeitungsreporter?«

»Ich glaube, sie nehmen überhaupt keinen Fremden auf.«

»Und wer ausgewandert ist -?«

»Der hat dort natürlich auch das Heimatsrecht. Möglich, daß es verjährt. Eigne Gesetze werden sie schon haben.«

»Man sagt,« meinte Mary, »die Bewohner der Freundschaftsinsel erkennen jeden der Ihren an einem geheimen Zeichen.«

»Leere Redensarten! Oder warum sollte es nicht so sein?«

»Wenn nun ein Schiffbrüchiger dort angetrieben würde?«

»Den würden sie einfach aufnehmen und in einem Boote nach Jefferson bringen. Denken Sie sich nur nichts Geheimnisvolles bei der Geschichte, Mister Jenkins!«

»Wie werden Sie nach der Insel gebracht?«

»Ein Boot mit vier Mann holt mich ab.«

Nur so ganz nebenbei erwähnte Patterson noch, daß die Bewohner der Insel auch das Recht für sich in Anspruch nähmen, angetriebene Güter von gescheiterten Flußschiffen für sich zu behalten. Dann trennte man sich.

Mr. Jenkins blieb allein im Garten zurück. Er schlenderte, scheinbar die Blumen auf den Beeten betrachtend, in den wohlgepflegten Gängen auf und nieder, dabei aber weilten seine Gedanken ausschließlich bei dem, was er über die Freundschaftsinsel gehört hatte.

»Der Sheriff wird von den Schiffern verehrt, diese rohe Bande hat Respekt vor ihm. Das tut sie vielleicht, weil er kräftig, kühn und energisch ist - vielleicht auch aus einem andern Grunde - und trifft der zu, dann kann sich Jefferson allerdings zu seinem Sheriff gratulieren. He, Nobody, wie wäre es, wenn du einmal eine Fahrt nach der privilegierten Insel machtest? Allerdings, ist sie eine Zufluchtsstätte für verbrecherisches Gesindel, dann -«

Er brach ab und trat unwillkürlich hinter ein dichtes Buschwerk.

Sheriff Patterson kam vom Hause her und ging an seinem Besucher vorüber, ohne ihn zu bemerken.

»Mos jumoth! Des Todes sollen sie sein - die Ehebrecher,« hörte Nobody seinen Gastfreund vor sich hinmurmeln. »Verflucht bis in alle Ewigkeit!«

»All right,« nickte Nobody, als jener vorüber war, »hier muß ich eingreifen, so ungern ich es tue.«

6. Die Freundschaftsinsel

Aus dem Walde unterhalb Jeffersons trat ein hochgewachsener, breitschultriger Mann in der üblichen Tracht der Stromschiffer - hohe Stiefel, derbe Beinkleider, eine gestrickte Wolljacke und eine ebensolche Mütze.

Das Gesicht des Mannes ähnelte denen seiner Genossen, wie diese ihm, denn jeder Beruf prägt seinen Vertretern bestimmte Linien auf, an denen man sie erkennt. Hier der Mann aber verriet in jedem Zuge seines wettergebräunten Gesichtes den rohen und ungebildeten Stromschiffer, dem es bei einer Rauferei nicht auf einen Messerstich, auf einen Revolverschuß ankommt.

Schwerfällig stampfte er durch das niedere Gestrüpp, das hier das Ufer des Mississippi umsäumte. Umständlich band er ein kleines zweiriemiges Boot von der Baumwurzel los, an der es festgemacht war. Dann wälzte er, ehe er einstieg, das Priemchen aus der rechten in die linke Backe, spie den braunen Tabaksaft in weitem Bogen in das trübe Wasser, spuckte einmal in die mit hornigen Schwielen bedeckten kräftigen Hände, erfaßte die Riemen, setzte sich schwerfällig auf der Ducht zurecht. Jetzt senkte er die Riemen in die Fluten, und sofort war das Phlegma verschwunden. Der Mann war eben ganz der Flußschiffer, der sich auf dem Lande vorkommt wie eine Ente, die auch nicht darauf gehört, sondern sich nur in ihrem Element, im Wasser wohlfühlt.

»So, werter Sheriff von Jefferson,« murmelte er halblaut vor sich hin, »heute wirst du die Freundschaftsinsel betreten - als Regierungsvertreter - niemand darf ja sonst darauf - ich kalkuliere aber, mir wird auch niemand den Zutritt verwehren. Bin verdammt neugierig, was für Geheimnisse ich zu sehen bekommen werde.«

Und nach einer Pause setzte er hinzu:

»Wenn Patterson wüßte, daß er den Nobody in seinem Hause hat, würde er wohl etwas vorsichtiger sein, aber ich kann ihm nicht helfen. Der Mann kommt mir vor wie ein ausgewachsener Schurke. Er betrügt sicherlich die meisten derer, die ihm vertrauen, und das soll um der prächtigen Weiber willen ein Ende nehmen. Das Schicksal hat mich wieder einmal einen Weg geführt, den ich nicht zu betreten gedachte. Ha, was wohl Freund Roger sagen würde, wenn er den Nobody als Missisippischiffer sehen könnte!«

Nach diesem kurzen Selbstgespräch, für das er mitten im Strome keinen Lauscher zu fürchten brauchte, senkte Nobody den linken Riemen tief in die Flut und trieb so dem mit dichtem Urwald bestandenen Ufer zu.

Unmittelbar an demselben entlang ließ er dann das Boot mit der Strömung treiben. Er hielt erst an, als er unter den überhängenden Zweigen eine Art Landungsbrücke bemerkte - in den Strom gerammte Pfähle mit einem Brett darüber. Rasch schaute er stromauf und stromab, niemand war zu sehen.

Im nächsten Augenblick rauschte es in den Zweigen. Sie bogen sich auseinander und wieder zusammen. Das Boot mit Nobody war verschwunden. Es konnte selbst von der Landungsstelle aus nicht gesehen werden, trotzdem es unmittelbar daneben lag. Nobody selbst hatte sich auf dem Boden des Fahrzeuges ausgestreckt, unter den Duchten, den beiden Sitzbänken.

So verharrte er regungslos.

Er wartete auf das Boot, das den Sheriff Patterson nach der Freundschaftsinsel bringen sollte. Er sollte freilich ganz andre Dinge erleben, als er vermutet hatte. Nach wenigen Minuten ertönten Schritte. Vorsichtig hob der Lauscher den Kopf. Erstaunen prägte sich in den rohen Zügen aus. -

Auf der Landungsbrücke am Ufer des Mississippi stand ein bildschöner Knabe von vielleicht zwölf Jahren, der seine Negerabstammung nicht verleugnen konnte, eben durch seine Schönheit und durch seine wunderbar zarte, gelblich weiße Haut. Er war ein Quadrone, das heißt der Urenkel einer Negerin und eines Weißen; immer wieder hatte sich das farbige Blut mit weißem vermengt.

Alle Quadronen sind schön, besonders die weiblichen.3

Er trug einen kleidsamen Jockeianzug, das Käppchen keck auf dem lockigen Kopf, an den Füßen fransenbesetzte, gelbe Reitstiefelchen, aber ohne Sporen.

Ueber ihm wölbte sich das Laubdach einer Eiche und schützte ihn vor der sengenden Mittagssonne.

Unmutig schlug er mit der Reitgerte Blätter ab, zog manchmal einen kuvertierten Brief unter der Bluse hervor, betrachtete ihn, steckte ihn wieder ein und stampfte vor Ungeduld mit den Füßen.

Einmal schob er den Brief mit auffallender Hast wieder unter die Bluse.

»Hierher, Kastor!« rief er mit heller Stimme. »Elender Nigger, wie lange hast du mich warten lassen!«

Ein Boot schoß heran. Der Ruderer war ein riesiger, herkulischer Neger mit mächtigem Wollschädel. Die Leinwandjacke hatte er abgelegt, er ließ sich die Sonne direkt auf die schwarze, wie Samt glänzende Haut brennen und schien sich dabei sehr wohl zu fühlen. Ein Hemd trug er nicht.

Geschickt lenkte er das Boot ans Ufer.

»Geduld, junger Herr, ist eine Tugend, in der sich jeder üben muß,« spottete er.

Der Quadrone sprang ein.

»Behalte deine Weisheitslehren für dich!«

»Das sagt Massa, nicht ich. Sachte, Pedro, mit solchen Sprüngen kommt man nicht weit, da kippt man um.«

»Du sollst mich nicht Pedro nennen, für dich bin ich der junge Herr.«

»Setzen Sie sich, junger Herr, bitte sehr, junger Herr, nehmen Sie's nicht übel, junger Herr, Sie können ins Wasser fallen, junger Herr.«

Der Quadrone zog dem Spötter ein paar Hiebe mit der Reitgerte über den nackten Rücken.

»Da, nimm erst das für deinen Hohn. Außerdem sag' ich's der Herrin, du - Nigger, elender.«

Ein böser Blick schoß aus den Augen des Gezüchtigten auf den Quadronen, die riesigen Muskeln spannten sich, aber er beherrschte sich. Er griff wieder zum Hohn.

»Nun, nun, junger Herr, mein Urenkel kann auch einmal so ein hübsches Kind werden wie Ihr.«

Pedro drohte ihm mit der Reitpeitsche.

»Wahre deine Zunge, Halunke!«

Beide verfielen in Schweigen. Dem Neger gefiel es, sich in der Sonnenglut auszuarbeiten, der Quadrone drehte sich Zigaretten und rauchte.

Sein Blick fiel auf eine eiserne, lange Kette, die im Boote lag.

»Was ist denn das?«

»Das ist meine Sklavenkette, die ich zerbrochen habe!«

»Du kannst sie als Uhrkette tragen.«

»Warum nicht, wenn Ihr mir eine Uhr schenken wollt?«

Der Quadrone zog aus Prahlerei eine prachtvolle goldene Uhr aus der Bluse und sah nach der Zeit.

»Rudere schneller, fauler Schlingel!« herrschte er dann den Neger an. »Denkst du, ich will verbraten?«

»O, es wird Euch schon bald genug kühl werden,« grinste der Riese.

»Wie meinst du?«

»In der Veranda bei der Senora, meine ich. Ob Ihr die Kette da wohl tragen könnt?«

»Sklavenketten? Bah!«

»Werdet's lernen!«

Er tat ein paar mächtige Ruderschläge, die das Boot dicht ans Ufer trieben, gerade auf ein Gebüsch zu, das seine Zweige weit übers Wasser hing.

»Du spritzt mich ja ganz voll!«

»Werdet noch nässer werden!«

Das Boot schoß unter die Zweige.

»Hund, was machst du denn, ich bin ja -«

Das Fahrzeug war in dem Dickicht verschwunden, der Quadrone brach mitten im Satz ab.

Zehn Minuten blieb das Boot in dem Versteck. Ketten rasselten, ein Gurgeln erscholl.

Dann kam es wieder zum Vorschein - die Kette war nicht mehr darin - - und auch nicht mehr der Knabe.

Kastor ließ einen scheuen Blick umherschweifen. Niemand war zu sehen, nichts regte sich. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrachtete den Brief, den er in der Hand hielt - denselben Brief, den vorhin der Quadrone gehabt hatte.

Jetzt war ein frischer Blutfleck daran. Der Neger feuchtete den Daumen an, suchte den Flecken wegzuwischen und machte ihn nur noch häßlicher.

Kopfschüttelnd wendete er den Brief hin und her, faltete ihn dann zusammen und steckte ihn in die Tasche der baumwollnen Hose.

»Na, Massa ist es ganz egal, ob ein Stempel darauf ist oder nicht.«

Er ruderte zurück nach derselben Stelle, wo vorhin der Quadrone gestanden hatte, machte das Boot fest, stieg aus und warf sich in dem Schatten der Eiche nieder. Hier blieb er drei Stunden liegen, anscheinend schlafend. Dann stand er auf und ruderte denselben Weg zurück, verließ das Ufer und kämpfte gegen die Strömung an, auf eine Insel zu.

Lautlos hatte Nobody in seinem Versteck verharrt. Nur manchmal hob er den Kopf, um nach dem schlafenden Neger zu spähen, und erst als er diesen mit dem Boote in einer Bucht der Insel verschwinden sah, richtete er sich ganz auf.

»Ei verflucht!« brummte er vor sich hin. »Alfred, hier gibt's mehr Arbeit für dich, als du erwartet hast. - Armer Junge,« setzte er dann bedauernd hinzu, »hast deinen Hochmut teuer bezahlen müssen. Ich will aber deinen Tod wenigstens rächen!«

Sonderbar! Woher konnte Nobody denn nur wissen, daß der Quadrone tot war? Dann mußte Kastor ihn ja ermordet haben!

Langsam verließ Nobody das Boot und wand sich durch das Unterholz. Bald erreichte er den Pfad, der an der Landungsbrücke endete, er verfolgte ihn aufwärts, immer im Schütze der Büsche bleibend. So erreichte er nach kurzer Wanderung eine Anhöhe, auf der mehrere Gebäude standen.

»Hier ist Pedro gewesen. Wollen sehen, wen er besucht hat.«

Die Farm lag ganz einsam, bot aber einen saubern, wohlgepflegten Anblick, und als Nobody sich durch eine Zuckerrohrpflanzung geschlichen hatte, bemerkte er inmitten eines Rosenbeetes den Eigentümer der Besitzung, einen Mann von vielleicht fünfzig Jahren, der aber älter aussah. Sein Gesicht wies zahlreiche Falten auf, und seine Augen hatten einen träumerischen Ausdruck.

Anscheinend okulierte der Mann Rosen.

Leise wendete Nobody sich ab, schlich sich durch die Zuckerpflanzung zurück und kam in ein Baumwollenfeld. Hier fand er, was er suchte.

Zwei Knechte waren bei der Arbeit. Sie unterhielten sich, ohne den Lauscher zu bemerken.

»Hast du's gesehen, Bob, wie die Missis den Spanier mit verliebten Augen anfunkelt?« fragte der eine.

»Na und ob! 'S ist ein Teufelsweib, sitzt jetzt gewiß wieder mit dem Diego zusammen, und der Alte ist wie blind!« entgegnete der mit Bob Angeredete.

»Man täte ein gutes Werk, Billy, wenn man ihm den Star stäche!« setzte er dann hinzu.

»Wozu? Er ist ja zufrieden!«

»Aber seine Frau wüstet doch geradezu mit dem Gelde. Ich möchte wissen, woher sie alle die feinen Kleider hat.«

»Esel!« knurrte Billy verächtlich. »Hast du denn nicht gemerkt, daß sie nach der Insel fährt?«

»Aaah!« machte Bob. »Deswegen kommt auch der Junge so oft her. Ein verdammt hochnäsiger Bursche!«

Weiter hörte Nobody nichts. Er schlich bereits dem Hause zu. Dicht an demselben stand eine Laube, von blühendem Rankenwerk vollkommen überwuchert. Zusammengeduckt erreichte Nobody dieselbe und verschwand darin.

Nun konnte er sich aufrichten. Er spähte durch ein offenstehendes Fenster in ein sauber ausgestattetes Zimmer. Auf dem Sofa lag ein Mann, in dem man sofort den Spanier, zumindest den Südländer, erkannte.

Es war Diego, von dem die Knechte sich unterhalten hatten.

Ein junges, hübsches Weib trat ein, einen selbstgebacknen Kuchen auf einer Platte tragend, den sie auf den Tisch stellte und zerteilte. Sie bediente den Gast.

»Nun laßt einmal die Grillen fahren,« scherzte sie, »setzt ein fröhliches Gesicht auf, eßt und trinkt! Was wollt Ihr trinken?«

»Was Ihr habt,« war die einsilbige Antwort.

Sie brachte Fruchtwein und zwei Gläser.

»Habt keine Angst, daß den mein Alter selbst gezogen und gekeltert hat - denn seiner ist ungenießbar. Soll ich Euch Gesellschaft leisten?«

»Wenn Ihr wünscht.«

»Nein, ob Ihr es wünscht,« lachte sie.

»Mir ist es recht.«

»Puh, seid Ihr aber grob. Na wartet, dann sollt Ihr mir aber einmal beichten.«

Sie verließ die Stube, um die Mehlspuren von ihren Kleidern zu entfernen.

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