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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15367 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Diego aß von dem Kuchen, schob dann den Teller zurück und blickte durch das Fenster, durch welches man gerade eine große Insel im Mississippi sehen konnte.

Das Haus schien außer den beiden ganz menschenleer zu sein.

Da trat die Frau wieder ein und setzte sich unmittelbar neben dem Spanier aufs Sofa. Er merkte es gar nicht, so war er in Gedanken versunken.

»Nun, wie gefall' ich Euch?« fragte sie.

Verwundert blickte er auf und sah sie zerstreut an.

»Sehr gut, Missis,« murmelte er.

»So, wirklich? Das ist die erste Schmeichelei, die Ihr mir sagt. Sonst sind die Männer nicht so karg mit solchen mir gegenüber.«

»Ich bin eben anders als die übrigen Männer.«

»Das kommt mir auch so vor. Sagt, Diego, warum seid Ihr denn immer so traurig?«

»Ich habe Grund dazu.«

»Wollt Ihr Euch mir nicht anvertrauen?«

Sie legte dabei ihre Hand auf seine Schulter, aber auch das schien er nicht zu merken.

»Habt Ihr eine unglückliche Liebe?« fragte sie weiter, als er schwieg.

»Ich habe noch nie ein Weib geliebt.«

»O, o, wollt Ihr mir das etwa weismachen?«

»Ich sage es Euch.«

»Gefalle ich Euch nicht?«

»Sehr gut,« murmelte er wieder, wußte aber wohl gar nicht, was er gefragt worden war.

»Und das sagt Ihr so kalt, seht mich dabei gar nicht an?«

Was er geistesabwesend flüsterte, verstand sie nicht.

»Wißt Ihr auch, Diego, daß Ihr ein schöner Mann seid?« fuhr das Weib fort, in dem sich die Schlange regte.

»Nein.«

»Ja, das seid Ihr. Ihr gefallt mir, ich gestehe es. Gefalle ich Euch auch?«

Er musterte sie zum ersten Male mit eigentümlichem Gesichtsausdruck.

»Was sagtet Ihr, Missis Tanner?«

»Ob ich Euch gefalle, fragte ich.«

Sie hatte plötzlich seine Hand erfaßt, legte seinen Arm um ihre Taille und rückte dicht an ihn heran.

Diego erschrak.

»Missis, was tut Ihr?« flüsterte er bestürzt. »Ich glaube - Ihr Gatte ist ja dort - er kann uns sehen.«

»Bah, der sieht nichts andres als seine Bäume, und wenn man ihn mit der Nase draufdrückte. Sagt, Diego, könntet Ihr mich lieben?«

Hastig wollte er sich von ihr freimachen und aufstehn, sie aber hielt ihn mit kräftigem Arm fest. Ein girrendes Lachen tönte an sein Ohr.

»Und ich will wissen, warum du so traurig bist, ich will dich aufheitern.«

»Missis Tanner, ich beschwöre Euch ...«

»Jenny heiße ich für dich. Bist du verheiratet?«

»Nein doch - laßt mich ...«

»Du hast wirklich noch kein Weib geliebt?«

»Doch - aber unglücklich - laßt mich ...«

»Ich lasse dich nicht - ich will dich trösten - kannst du mich nicht lieben?«

Ehe er es sich versah, hatte sie seinen Kopf in beide Hände genommen und küßte ihn wiederholt auf den Mund.

Da sprang er auf, so heftig und sich dabei losreißend, daß sie zurückgeschleudert wurde. Mit purpurrotem Gesicht eilte er hinaus.

Sprachlos vor Staunen schaute ihm Jenny nach. Dann ordnete sie ihr zerzaustes Haar.

»So etwas ist mir denn doch noch nicht passiert,« murmelte sie. »Der ist ja schlimmer als der keusche Joseph. Was ist denn das eigentlich für ein Mann? Der Stockfisch!«

Nobody hatte genug gesehen. Leise, wie er gekommen, entfernte er sich und schlich sich wieder hinunter an den Strom.

Dort stieg er ins Boot und wartete, bis die Nacht hereinbrach, dann lenkte er das Fahrzeug unter den Büschen hervor und ließ sich treiben, bis er unter jenem Dickicht wieder verschwand, in das der Neger Kastor sein Boot gerudert hatte.

Etwa zehn Minuten blieb Nobody dort; als er wieder erschien, war keinerlei Erregung an ihm zu bemerken, trotzdem er einen schrecklichen Fund gemacht hatte.

Der Neger war unterdes an der Insel gelandet.

»Wo kommst du denn her, Kastor?« rief eine Stimme von oben, als er ausstieg.

Der Rufer saß im Wipfel eines großen Baumes, hatte sich dort oben mittels eines Brettes einen recht bequemen Sitz gemacht.

»Hab' für die Herrin etwas besorgt,« war die brummige Antwort.

Kastor schlug einen schmalen Weg ein, der durch den sonst schier undurchdringlichen Wald führte.

Dann lichtete sich dieser, ein Hüttendorf zeigte sich auf der Waldblöße.

Die Männer, die dort hausten, waren Stromschiffer, so aussehend wie überall am Mississippi. Sie flickten Netze oder rauchten und würfelten, Frauen arbeiteten, Kinder spielten, Hunde trieben sich umher.

»Kommt der Kapitän heute nacht?« wurde Kastor im Vorbeigehn von einem Manne gefragt.

»Weiß nicht,« knurrte der Neger.

Er ging durch das Dorf und auf ein großes Dickicht zu. Ein mannsbreiter Weg führte hinein. Es war nur eine Umzäunung, und zwar umgab sie ein hübsches, sogar stattliches, wenn auch niedriges Holzhäuschen.

Kastor streichelte die mächtige Dogge, die ihn freudig begrüßte, trat in ein Vorzimmer und durch dieses nach kurzem Anklopfen in ein zweites, größeres.

Es ist die Freundschaftsinsel, auf der wir uns befinden.

Wie wäre aber der erstaunt gewesen, der glaubte, hier in das Innere einer Fischerhütte zu treten! In diesem Zimmer atmete alles Pracht und Reichtum, den raffiniertesten Luxus, jeder Gegenstand war ein Kunstwerk von Gold, Silber, Ebenholz, Alabaster oder Seide. Die kostbarsten, chinesischen Gewebe verhüllten die Holzwände, Smyrna-Teppiche deckten den Estrich. Palmen und andre tropische Topfpflanzen, deren Erdbehälter aber unbezahlbare Vasen waren, gaben dem Ganzen zudem noch ein exotisches Aussehen.

Auf dem rotseidenen Polster eines Diwans lag ein junges, blendend schönes Weib, unverkennbar eine Spanierin, in einer Toilette, mit der sich eine Fürstin hätte sehen lassen können, verschwenderisch mit Perlen und Juwelen geschmückt. Weiß wie der Hals, Busen und der volle Arm, schimmerte es auch durch die seidenen, durchbrochenen Strümpfe.

Sie fächelte sich mit einem Straußenfederfächer Kühlung zu; matt stützte sie den mit schweren, bläulichschwarzen Flechten gezierten Kopf auf die Hand.

Beim Anklopfen hatte sie sich mit einer hastigen Bewegung etwas erhoben. Doch gleich sank sie wieder zurück.

»Ach so, er kann es ja noch nicht sein,« murmelte sie.

Kastor verneigte sich tief und blieb stehn, die Anrede erwartend.

»Ist Pedro da?«

»Nein, Herrin. Länger als drei Stunden hat Kastor auf ihn gewartet - er kam nicht.«

Wieder fuhr sie empor, ihre Augen öffneten sich erschrocken.

»Wie? Er ist nicht gekommen?«

»Nein, Herrin.«

»Ja, wo bleibt er denn?«

»Kastor weiß es nicht, Herrin.«

Ein mißtrauischer Blick traf ihn.

»Wo mag er sein?«

»Vielleicht auf der Plantage geblieben.«

»Er muß ja noch kommen, ich brauche es - warum bist du nicht dortgeblieben?«

»Ich habe Dienst, Herrin.«

»Ach so. Schicke jemanden anders hin!«

»Wir werden alle gebraucht.«

Drohend runzelte sie die Stirn.

»Schweig, schwarzer Hund! Sieh erst nach, ob jemand frei ist. Schick den Kerl fort, der faul auf der Bärenhaut liegt.«

»James hat eine Kopfwunde - -«

»Gehorche, sage ich dir! Ich will, daß er hinrudert, er braucht nicht mit dem Kopf zu rudern, Pedro muß noch kommen. Ich will es!«

Ein Fächerstab zerbrach unter ihren schlanken Fingern.

»Wir gehorchen.«

»Geh!«

Der Neger entfernte sich.

»Halt! Weißt du, ob Charles - - ob der Kapitän heute abend kommt?«

»Kastor weiß nichts.«

»Tölpel! Marsch fort! Aus meinen Augen, räudiger Hund!«

Der Neger verließ das Zimmer und begab sich ins Dorf.

Es war finster geworden. Einige neue Stromschiffer waren angekommen, darunter auch der Wächter, der abgelöst worden war. In einer der Hütten war ein Zechgelage veranstaltet worden. Keiner der Männer hatte eine Ahnung von dem, was mittlerweile am Strome sich ereignet hatte.

»He, holla, was für ein Boot ist das?« rief dort der auf dem Baume postierte Mann, als Nobodys Kahn in die Bucht trieb.

Ein heiseres Grunzen, wie Betrunkene es ausstoßen, antwortete.

»Goddam!« fluchte der Wächter. »Sag, wer du bist, oder ich schlage dir den Schädel ein!«

»Oho!« gröhlte Nobody, der aus dem Boote heraustorkelte, um im nächsten Augenblick mit aller Wucht gegen einen Baum zu rennen. So kräftig war der Anprall, daß der Mann zu Boden geschleudert wurde und regungslos liegen blieb.

Ein wilder Fluch erklang. Dann kletterte der Wächter von seinem luftigen Sitze hernieder und näherte sich dem Betrunkenen, beugte sich über ihn und suchte in der Dunkelheit das Gesicht zu erkennen. Sofort klammerten sich zwei Hände mit eiserner Gewalt um den Hals des Ueberraschten.

Er wollte einen Hilfeschrei, einen Warnungsruf ausstoßen, aber er kam nicht dazu. Seine Füße wühlten den Erdboden auf, dann ging ein Zucken durch seinen Leib. Er streckte sich und lag wie tot da.

Nobody lauschte eine kleine Weile, dann brachte er eine Taschenlaterne hervor, brannte die Kerze darin an und leuchtete dem Betäubten ins Antlitz.

»Der hat genug für diese Nacht, hinein mit ihm in die Büsche!«

Nobody nahm den Platz des Wächters ein.

Lange brauchte er nicht zu warten, da näherten sich Schritte.

»Holla, Jimmy!« rief eine rauhe Stimme.

»Holla!« gab Nobody genau in der Redeweise dessen zurück, dessen Aussehen er angenommen, dessen Kleidung er angelegt hatte.

»Was Neues vorgefallen?«

»Nichts!«

»Der Kapitän bleibt lange aus heute!«

»Verdammt lange!«

»Na, komm runter! Der lange John hat Whisky spendiert, wollte, ich hätte im Lager bleiben können.«

Nobody kletterte zur Erde, der andre nahm seinen Posten ein, und nach wenigen Minuten saß der verwegene Detektiv als Jimmy im Kreise der Stromschiffer, beteiligte sich an ihren rohen Späßen, rauchte und trank.

Da kam der Neger vom Hause her.

»He, hallo, Kastor, du mußt eins singen und tanzen.«

Der Neger nahm die gereichte Whiskyflasche, ließ den Schnaps die Kehle hinablaufen, als wenn es Wasser wäre, und war gleich bereit, seine Kunst zu zeigen.

Die Männer gruppierten sich auf Kisten und Fässern im Kreise. Kastor, der sehr heiterer Laune war, begann mit heiserer Stimme eins jener sinn- und endlosen Niggerlieder zu singen, zwischen deren Versen getanzt wird.

»Der Master ging auf den Waschbärfang

O ho o!

Und jedesmal nach jedem Sang,

Da tanze ich Jim Crow.«

Der Tanz bestand darin, daß die Füße in mehreren Variationen gesenkt und gehoben wurden, bald die Zehen, bald die Fersen den Boden berührten, wobei der Oberkörper unbeweglich blieb.

Solchen Niggertänzern sehen nicht etwa nur Stromschiffer zu, nein, auch das gewählteste, englische oder amerikanische Publikum, im Variététheater nämlich, nach jedem dieser geistreichen Verse und nach jedem Tanz bricht es in rasenden Beifall aus, und der Deutsche fragt sich dann, ob die Zuschauer oder die >Künstler< verrückt sind.

Auch die Stromschiffer klaschten wie toll und heulten vor Entzücken.

»Der Master liebt den Whisky sehr,

O ho o!

Und wenn ich nicht kann singen mehr,

Da tanze ich Jim Crow.«

brüllte Kastor, tanzte und trank zur Erfrischung einen Schluck Schnaps. So ging es weiter, vielleicht bis zum fünfzigsten Vers, dann schlugen die Schiffer ein andres, noch lärmenderes Vergnügen vor.

Drüben lag das schöne Weib in Balltoilette auf dem Diwan und seufzte, seufzte schmachtend nur einen Namen: »Charles!«

Den Lärm hörte sie nicht.

Die Dämmerung brach an. Sie lag und seufzte.

Ein Mann, ein Stromschiffer trat ein.

»Der Kapitän kommt heute nacht,« meldete er.

Wie eine Feder schnellte sie auf.

»Er kommt, er kommt!« jubelte sie. »Charles kommt! Wann? Hast du ihn gesprochen? Wann kommt er? Wann, wann, wann? Schnell doch nur!«

»In einer halben Stunde.«

»Gut, gut. Hier - hier,« ihr Auge irrte umher, »nimm das hier, es ist nicht genug für deine Botschaft - nimm es.«

Sie nahm eine Börse von einem Tischchen und warf sie ihm zu.

»War nicht nötig! Danke, Senora!«

»Halt, warte! Hast du Pedro nicht gesehen?«

»Pedro? Den hat doch Kastor abgeholt.«

Es war zu dunkel, so entging es dem Manne, wie die Züge der Frau plötzlich erstarrten, ihre Augen Blitze schossen.

»So? Hat er ihn abgeholt?« fragte sie gleichgültig.

»Jawohl, ich habe gesehen, wie Pedro zu ihm ins Boot stieg.«

»Wo?«

»Da, wo er ihn immer abholt.«

»Wann?«

»Um die zweite Stunde mag es gewesen sein.«

»Sie fuhren zusammen?«

»Natürlich, beide. Dann kam mir das Boot aus den Augen.«

»Es ist gut.«

Der Mann ging.

Die Spanierin preßte die Hand auf den Busen und atmete tief und schwer. Dann ergriff sie eine große Hundepeitsche, raffte die Schleppe auf und begab sich hinaus, dorthin, von wo ihr wüster Lärm entgegenscholl.

Kastor produzierte sich eben als unüberwindlicher Ringkämpfer, kam aber einmal übel an. Ein kleiner Kerl bückte sich schnell, als der Riese nachlässig zugreifen wollte, und zog ihm die Beine unter dem Leibe weg.

Unter dem schallenden Gelächter der Zuschauer schlug der Neger rücklings zu Boden und schmetterte dabei mit dem Kopfe an ein Faß, so wuchtig, daß er, zudem stark berauscht, eine Weile das Aufstehn vergaß.

In diesem Augenblick erschien die Spanierin, die Hand mit der Peitsche auf dem Rücken. Nicht nur, daß sie jedenfalls hier überhaupt zu befehlen hatte, sie war an sich schon eine königliche Erscheinung.

Im Nu wich der Lärm einer Todesstille.

»Was geht hier vor?«

»O, nichts doch, wir waren etwas fröhlich - -«

Diese Antwort wurde demütig und doch zugleich trotzig gegeben. Alle diese Männer hatten einen gar steifen Nacken.

Die Frau deutete ganz gebieterisch auf den noch immer daliegenden Neger.

»Bindet diesen!«

Niemand rührte sich.

»Kastor? Binden? Warum denn?«

»Bindet ihn!« herrschte sie. »Er ist ein Verräter.«

»Kastor ein Verräter?!«

»Er ist es, sage ich. Bindet ihn! Wer wagt mir zu trotzen?«

»Senora, ist es wirklich wahr?« erklang es in namenlosem Erstaunen.

Sie stampfte mit dem zierlichen Schuh die Erde.

»Wollt Ihr den Verräter binden?«

Kastor stand taumelnd auf. Einige Männer traten mit Stricken auf ihn zu. Jetzt bemerkte er das Weib, er sah, was man mit ihm vorhatte, das setzte ihn in Wut, er wehrte sich, und das veranlaßte die Männer, nun Ernst zu machen.

Auch sie waren stark; es gelang ihnen, den herkulischen Neger zu überwältigen und zu fesseln.

»Hütet euch vor dem Kapitän!« heulte Kastor, als er an Händen und Füßen gebunden war.

»Hinaus mit ihm ins Freie, bindet ihn an einen Baumstamm, mit dem Gesicht demselben zugekehrt, so, daß er aufrecht stehn kann und nicht zusammenbricht. Gehorcht mir, ich stehe hier im Namen eures Hauptmannes. Tod jedem Verräter!«

»Tod jedem Verräter!« erscholl es im Chor. Auch Nobody rief es mit.

Kastor mochte Feinde haben. Man schleifte ihn hinaus und band ihn in der vorgeschriebenen Weise an einen Baumstamm, die Hände hoch, daß er sich nicht beugen konnte, das Gesicht dem Stamme zu.

Andre blickten finster auf die Szene.

»Macht Licht!«

Fackeln wurden aus der Hütte ins Freie gebracht, auch ein großes Feuer angezündet.

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