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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15396 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Der Steuerer meines Bootes war offenbar der Anführer der Bande. Er kletterte an Bord. Einige Piraten folgten, und gleich darauf flogen erst acht Köpfe und dann acht Rümpfe ins Wasser.

Die Dschonke wurde von den Piraten ins Schlepptau genommen und nach der Bucht bugsiert. Sie enthielt nur Steinkohlen, vielleicht 100 Tonnen, also etwa 2000 Mark an Wert, aber die Piraten schienen doch recht vergnügt über ihre Beute zu sein. Vielleicht hatten sie auch noch Geld gefunden.

Während, soweit ich beurteilen konnte, sämtliche Männer der Insel heranmußten, um die Dschonke sofort auszuladen, und unter der Last der Kohlensäcke nicht schlecht schwitzten, wurde ich wieder vor meiner Höhle angekettet, erhielt reichlich zu essen, konnte mich auf meinem Lager ausstrecken und zusehen, wie die Arbeiter an mir vorüberkeuchten.

Warum wurde ich so geschont oder doch nur zum Rudern verwandt? Was hatte man mit mir vor?

Ich hatte zwei Tage Zeit, um über dieses Rätsel und meine Zukunft nachzugrübeln, als abermals das Piratenlager in Aufregung kam, weil der Wachtposten von seinem erhöhten Standpunkte aus einen neuen Raub erspäht hatte.

Wieder wurde ich losgelöst und zum Rudern an einen Sitz des führenden Bootes angekettet. Diesmal war es eine bedeutend größere Dschonke, und es war auch eine ganz andre Besatzung darauf, freilich ebenfalls Chinesen, von deren Mut ich niemals eine große Meinung gehabt habe.

Sie wehrten sich und schossen ihre Luntenflinten ab. Manchem Piraten entfiel das Ruder, aber die Prauen kamen heran, sie wollten die Dschonke entern.

Anstatt jedoch nun zu Säbel und Pistole zu greifen, bewaffnete sich die Mannschaft der Dschonke mit langen Bambusstangen, und das hatte seinen guten Grund.

Ich habe schon die Binsenkörbe erwähnt, die die Piraten auch diesmal mitgenommen hatten. Aus diesen kamen kopfgroße, irdene Kugeln zum Vorschein, die man wie Handgranaten an Bord der Dschonke zu schleudern versuchte.

Diese schon in den Händen der Werfenden zu zerschlagen, war der Zweck der langen Bambusstangen; denn die Urnen waren nichts andres als die übelberüchtigten Stinktöpfe.

Auf einer Prau neben mir wurde solch ein Stinktopf glücklich zerbrochen, wir hatten den Wind vor uns und bekamen daher nur ein gelindes Düftchen zu riechen, aber es genügte, um mir den Atem dermaßen zu versetzen, daß ich zu ersticken drohte, ganz abgesehen von der nachfolgenden Üebelkeit. Die in der betreffenden Prau sitzenden Piraten schlugen sofort die Hände vors Gesicht und stürzten sich kopfüber ins Meer.

Der Inhalt dieser Stinktöpfe ist ein streng bewahrtes Geheimnis der chinesischen Piraten - der Piraten, nicht etwa aller Chinesen - und hieraus ersieht man auch, wie diese chinesischen Seeräuber eine besondre Kaste bilden müssen. Unsre heutige Chemie weiß, daß der wirksame Bestandteil dieses Stinktopfes Kakodyl ist, übrigens auch ein sehr giftiges Gas, aber unaufgeklärt ist noch, wie diese barbarischen Menschen scheinbar ohne alle Hilfsmittel diese chemische Verbindung in beliebiger Menge erzeugen, und zwar erst innerhalb der schon geschlossenen Tonkugeln.

Ein wohlgezielter Stinktopf zerplatzte endlich an Deck der Dschonke, und da war der merkwürdige Kampf beendet. Nur wenigen gelang es noch, die Bordwand zu erreichen und sich ins Meer zu stürzen. Sie wollten lieber eine Beute der Haifische werden, als diesen gräßlichen Gestank einatmen müssen - - die meisten kamen gar nicht so weit, sie stürzten hin und blieben betäubt liegen.

Die Piraten warteten einige Zeit, dann erkletterten sie das Deck, und wieder wanderten Köpfe und Rümpfe über Bord, wie man auch den schon ins Wasser Gesprungnen den Garaus gemacht hatte.

Die große Dschonke war voll mit Opium beladen, und dieses ist ein gar kostbarer Artikel. Anstatt aber nun hierüber Freude zu zeigen, schienen die Piraten über diese Art Beute äußerst ärgerlich zu sein, sie machten ihrem Unmut noch einmal an den Leichen in schändlicher Weise Luft, indem sie nach ihnen stachen und schlugen.

Wie kam das? Konnten sie denn das kostbare Opium nicht wieder verkaufen? Sie mußten doch eine Absatzquelle für ihre Beute haben! Merkwürdig war es schon, daß diese Chinesen, doch sicher der Abschaum ihrer Heimat, gar nicht dem Opiumgenuß frönten. Ueberhaupt, es herrschte eine Manneszucht unter ihnen, die ich nimmermehr zwischen solchen Seeräubern erwartet hätte. Ich hatte schon genug Erzählungen gelesen, welche von chinesischen Piraten handelten, und zwar nicht nur Phantasien, sondern sachliche Berichte, so z. B. den des Engländers Oliver Harrow, der neun Jahre von chinesischen Seeräubern gefangen gehalten wurde, und bei denen war es ganz anders zugegangen, das war eben ein rohes, wüstes Gesindel gewesen, vor allen Dingen auch dem Opiumgenusse ergeben.

Ich wurde wieder vor meiner Hundehütte angekettet. Die Piraten luden die schweren Opiumkisten aus und bargen sie in einer geräumigen Höhle, die dicht neben der meinen lag. So sah ich, wie jede Kiste plombiert war und wie ein Chinese gewissenhaft jede einzelne notierte.

Wieder einige Tage später - die Zeitrechnung hatte ich schon verloren - wurde das Piratenlager abermals sehr aufgeregt, ich blickte ebenfalls auf das Meer hinaus, wohin sie alle schauten, und sah erst eine Rauchwolke aufsteigen und dann ein Fahrzeug auftauchen, das ich beim Näherkommen als einen jener kleinen, aus starken Eisenplatten gebauten Dampfer erkannte, die man >Norweger< nennt. Denn die Norweger haben von allen seefahrenden Nationen die kleinsten Ueberseedampfer, weshalb diese außerordentlich stark gebaut sein müssen, um jeden Seegang bestehen zu können. Es ist dies durchaus nicht zweckmäßig, denn je kleiner die Schiffsverhältnisse, desto kostspieliger - aber die Norweger bevorzugen nun einmal solche kleine Dampfer.

Das Fahrzeug hielt auf die Insel zu. Schon dachte ich, es könnte ein chinesisches Kriegsschiff sein, das auf Piraten jagte; aber als ich das Betragen der letzteren beobachtete, und als der Dampfer nun gar Flaggensignale zeigte, welche auf der Insel jedenfalls erwidert wurden, konnte ich nicht mehr im unklaren sein, und ich wunderte mich nur, wie geregelt die Geschäftsverbindungen dieser chinesischen Seeräuber waren.

Das war einfach ein Handelsdampfer, der jetzt von Insel zu Insel fuhr und den Piraten ihre Beute abkaufte, und es hätte mich gar nicht gewundert, wenn auf dem Handelsdampfer, mochte er unter irgend einer Flagge segeln, englische Besatzung und ein englischer Kaufmann gewesen wären.

Ich sollte mich aber doch sehr getäuscht haben. Meine schon sehr merkwürdigen Vermutungen wurden noch weit übertroffen.

Die Piraten machten offenbar alles zu einem feierlichen Empfange bereit, und der Dampfer, dessen Rauch bei der völligen Windstille kerzengerade in die Luft stieg, verschwand hinter jenem Felsen, hinter welchem die Bucht lag, und dorthin strömten auch die Inselbewohner, aber nur Männer.

Bald kamen sie zurück. Meine >Freunde< kannte ich nun schon so ziemlich alle, jetzt waren Fremde bei ihnen, und zwar meist Japaner, wie ich sofort feststellte.

Das allgemeine Interesse galt zuerst meiner Person, und ich fand bald heraus, daß ich hier nicht bloße Handelsleute vor mir haben konnte, welche den Piraten die Beute abkaufen wollten.

Ein untersetzter Japaner, welcher sich von den andern zwar nicht durch seine Kleidung unterschied, wohl aber durch sein ganzes Auftreten und nicht zum mindesten durch seine intelligenten, sogar Geist verratenden Züge - ich will ihn den Kapitän nennen, und er war auch der von dem kleinen Dampfer - ließ sich von einem alten Chinesen, den ich schon gewissermaßen als Geschäftsführer der Insel kennen gelernt hatte, Bericht über mich erstatten.

Aufmerksam hörte der Kapitän zu, die klugen Augen immer forschend auf mich geheftet.

Dann sprach er zu dem Chinesen, hierauf wandte er sich an mich. Nachdem er mich in seiner Sprache angeredet hatte, worauf ich nur ein Kopfschütteln hatte, fragte er mich in reinstem Englisch: »Was für ein Landsmann bist du?«

»Ein Deutscher.«

»Wie bist du hierher auf diese Insel gekommen?« begann da der Japaner plötzlich im geläufigsten Deutsch.

Ich war nicht wenig überrascht; doch ich dachte daran, daß sich jetzt mein Schicksal entscheiden würde, denn dieser Japaner hatte hier offenbar zu befehlen, man hatte nur seine Ankunft erwartet, um über mich zu Gericht zu sitzen. Bis dahin hatte man mich gut gepflegt und nur zum Rudern verwandt, aber mein Leben schonte man nicht; denn konnte ich nicht bereits von einer feindlichen Kugel getroffen worden sein?

Ich sagte kurz, daß ich über Bord gestürzt sei und von einer Dschonke aufgenommen wurde.

»Bist du hier gut behandelt worden?«

»Ja.«

»Hast du immer reichlich zu essen bekommen?«

»Ja.«

»Du hast rudern müssen. Hast du dich sonst über etwas zu beklagen?«

»Nein.«

»Dieser Mann hat dich doch mit dem Tode bedroht.«

Er deutete dabei auf jenen Chinesen, welcher Lust gezeigt hatte, mir mit seinem Schwerte den Kopf zu spalten.

Der Betreffende stand jetzt wie ein armer Sünder da; überhaupt herrschte unter den Piraten eine rechte Niedergeschlagenheit.

Ich bejahte die Frage.

»Dann bist du gebunden worden.«

»Ja.«

»Aber sonst ist dir nichts weiter widerfahren?«

»Man hat mich geschlagen.«

»Geschlagen? Wer?«

Ich kannte den Mann noch recht gut. »Der dort!«

Der Japaner wandte sich an den Bezeichneten, und stellte ihn jedenfalls zur Rede. Der Mann verteidigte sich, mochte sagen, es sei nicht wahr, andre ergriffen jedoch das Wort, und der Betreffende wurde überführt.

»Dieser Mann hat dich so geschlagen, daß dir das Blut aus Mund und Nase sprang?« wandte sich der Japaner auf deutsch wieder an mich.

»Ja.«

»Gut. Weißt du, wo du hier bist?«

»Auf einer Pirateninsel.«

»Hast du schon vom gelben Drachen gehört?«

»Nein.«

»Wir sind keine Seeräuber, sondern gehören zum Bunde des gelben Drachen, welcher gegen das jetzige China Krieg führt, und du sollst Zeuge werden, wie der gelbe Drache seine Gesetze handhabt. Der Mann, welcher dein Leben bedrohte, und der Mann, welcher dich schlug - sie sind beide des Todes!«

Mit diesen Worten zog er aus seinem Gürtel einen sehr langen, zweischneidigen Dolch und reichte ihn jenem zuerst genannten Chinesen, aber ohne zu ihm sonst noch etwas zu sagen.

Ich wurde nun Zeuge einer ebenso gräßlichen wie merkwürdigen Szene, ja, es lag sogar etwas furchtbar Gewaltiges darin.

Nur zögernd nahm der Chinese den gereichten Dolch; sein gelbes Gesicht wurde fahl wie Wachs, er begann zu zittern.

»Sieh den Feigling, wie er zittert!« sagte der Kapitän mit grenzenloser Verachtung, und zwar auf deutsch, also für mich bestimmt. »Er braucht erst ein Beispiel, um zu sehen, wie gehorsam ein Sohn des gelben Drachen stirbt.«

Er nahm jenem den Dolch wieder ab und winkte mit dem Finger nach rückwärts.

»Kanimo, Harakiri!«

Ein blutjunger, zierlicher, bildhübscher Japaner trat vor, legte seine rechte Hand auf den Kopf, was ich bei Chinesen und Japanern schon wiederholt als Zeichen des Gehorsams gesehen hatte, nahm aus des Kapitäns Hand den langen Dolch, ein funkelnder Blitz ... und er hatte sich den zweischneidigen Stahl in den Unterleib gestoßen. Ich sah ganz deutlich, wie er mit Absicht das jedenfalls haarscharfe Messer auch noch so weit als möglich nach oben zog, bis er sich den Leib ganz geöffnet hatte.

Einen Augenblick stand er so da - die zerschnittenen Eingeweide quollen ihm aus der fürchterlichen Wunde - dann stürzte er steif, wie er gestanden, rücklings zu Boden und blieb so liegen. Er war sofort tot.

Die Chinesen werden von uns verlacht, weil sie behaupten, der Mensch habe sein Herz im Unterleib, aber sie sagen überhaupt gar nicht >Herz<, sondern >Seele< und damit meinen sie das Leben. Ja, vielleicht haben sie gar nicht so unrecht. Erst unsre neueren Anatomen haben entdeckt, daß der Unterleib der Sitz eines Zentralsystems von den feinsten Nerven ist, und davon kann jeder erzählen, der schon einmal einen Stoß in den Magen bekommen hat. Solch ein Stoß an die richtige Stelle des Unterleibs lähmt sofort alle Herz- und Lungentätigkeit, was durchaus nicht der Fall ist, wenn ein weit stärkerer Stoß den Kopf, oder die Herzgegend trifft.

Daher ist es auch erklärlich, wie den vornehmen Japaner das Harakiri, das Bauchaufschlitzen, gelehrt werden kann, falls er zur Wiederherstellung seiner Ehre diese Manipulation einmal ausführen muß. In Praxis kann ihm das wohl schwerlich beigebracht werden. Nein, es wird ihm nur anatomisch erläutert, wo er den Sitz des Lebens hat, und wie er das Messer führen muß, um jene Nervenzentrale zu durchschneiden.

Geschieht dies, so tritt der Tod jedenfalls augenblicklich ein.

Mir aber ging die furchtbare Gewißheit auf, daß ich soeben Zeuge eines Gehorsams geworden war, von dem wir Europäer gar keine Ahnung haben. Der japanische Jüngling war sicher ganz unschuldig gewesen, hatte nichts durch seinen Tod zu sühnen gehabt - sein Kapitän brauchte nur ein Beispiel, um zu zeigen, wie ein mutiger Mann stirbt, und er winkte dem ersten besten aus seinem Gefolge - >Kanimo, Harakiri!< - und der gerufene Kanimo trat vor und schlitzte sich den Leib auf, ohne ein Wort verloren zu haben!

Ich war entsetzt. Weniger durch das blutige Schauspiel als durch jenen Gedanken, wie ein Mensch für nichts und wieder nichts so gehorsam in den Tod gehen kann! Das, was dann folgte, berührte mich gar nicht mehr.

Mit einem gellenden Schrei sprang der Chinese, der mich unrechtmäßig hatte köpfen wollen, auf den Toten zu, riß ihm das Harakiri-Messer aus den rauchenden Eingeweiden und stieß es sich in die eignen.

Weiter kam er nicht. Brüllend wälzte er sich in seinem Blute am Boden. Der japanische Kapitän erwies ihm den Liebesdienst, bückte sich kaltblütig, packte den aus dem Leibe hervorstehenden Griff des Messers und vollendete das Geschäft des Bauchaufschlitzens. Sofort lag der Mann mit entglasten Augen regungslos da.

»Nun du!«

Etwas andres mochte der Japaner wohl nicht zu dem Chinesen gesagt haben, der mich ins Gesicht geschlagen hatte, als er jetzt diesem das Messer gab, und der hatte den Kunstgriff besser abgesehen, er brauchte keine fremde Hilfe - drei Menschen lagen mit aufgeschlitzten Leibern da.

Eben wollte sich der Kapitän wieder an mich wenden, als ein Signal ertönte, welches ich nun bereits zweimal gehört hatte: eine Beute war in Sicht. Das war hier die Hauptsache, und soviel ich noch sehen konnte, trieb der japanische Kapitän die chinesischen Piraten zur Eile an und erklomm dann einen Hügel.

Seine Anwesenheit und alles das, was ich soeben erlebt hatte, schien an meiner Bestimmung nichts zu ändern. Ich wurde losgekettet und nach dem Hafen getrieben, wo man die Prauen ins Wasser schob. Wie immer mußte ich in das größte und führende Boot steigen - aber diesmal nicht um zu rudern, sondern der Bootssteurer und zugleich der Piratenführer forderte mich durch eine Handbewegung auf, mich neben ihn zu setzen, und schloß mich an diesem Sitze an.

Etwas hatte das Kommen des japanischen Dampfers an meinem Schicksale also doch geändert: ich brauchte nicht mehr zu rudern.

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