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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15443 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»Das ist ganz dasselbe.«

»Es ist nicht dasselbe. Als Sheriff würde ich die Gastfreundschaft nicht schänden.«

»So können Sie sich zerteilen?«

»Ich kann es!« entgegnete Patterson mit Nachdruck. »Genug davon - jetzt wenigstens. Sie werden mir Rede und Antwort stehn, sonst ist es Ihr Tod!«

»Ich habe keinen Grund, zu schweigen!«

»Ich verlange die Wahrheit zu hören.«

»Sie sollen sie zu hören bekommen.«

»Bei der ersten Unwahrheit, die Sie sprechen, zerschmettre ich Ihnen den Kopf.«

»Ich hoffe, Sie überzeugen sich erst, ob ich auch wirklich gelogen habe.«

Der Kapitän lächelte flüchtig.

»Wenn es nicht eben Sie wären, würde ich Sie Ihren Antworten nach für einen Prahlhans oder für einen Tollhäusler halten. Wie sind Sie auf die Insel gekommen?«

»Im Boote,« entgegnete Cutting Knife. »Ich saß als Jimmy vorhin mit drüben am Lagerfeuer.«

»Als Jimmy?« wiederholte Patterson in maßlosem Erstaunen. »Herr, wo ist Jimmy?«

»Er liegt gefesselt und geknebelt am Ufer.«

Des Kapitäns Augen funkelten drohend.

»Herr, Sie sind nicht der, für den Sie sich ausgeben! Sie sind nicht Cutting Knife!«

»Ich bin's! Sie sehen es!«

»Wie konnten Sie als -«

»Genug! Ich will Sie nicht länger täuschen. Das Schicksal führte mich mit Ihnen zusammen. Es wollte, daß ich Ihrem Treiben ein Ende bereitete, und dieses ist gekommen.«

Eine gebietende Handbewegung hinderte den Piratenkapitän am Reden.

»Still! Jetzt spreche ich. Sehen Sie her!«

Der Westmann Cutting Knife wendete sich halb zur Seite, strich sich mit den Händen über das Gesicht, nahm die wassertriefende Schiffermütze vom Haupte und wendete sich Patterson wieder zu.

Leichenblaß taumelte derselbe zurück.

»Nobody! Der berühmte Nobody!« kam es ächzend aus seiner Brust.

Das Bild des Detektivs war in den ganzen Vereinigten Staaten bekannt. Er trat ja nur ganz selten in seiner wahren Gestalt auf. Jetzt zeigte er sie.

»Ich bin's,« sagte er einfach, und dann setzte er hinzu:

»Glauben Sie nun, daß Ihr Ende gekommen ist, Mister Patterson?«

Dieser hatte sich bereits wieder gefaßt. Ein schneller Blick überzeugte ihn, daß Nobody waffenlos war.

»Sie sind allein auf die Insel gekommen?«

»Ja.«

»Sie wissen, daß Sie damit Ihr Todesurteil sprechen?«

Nobody lächelte.

Patterson stutzte, sann nach und fragte dann:

»Sie waren früher auch jener Cutting Knife, als der Sie mir auf dem Dampfer entgegentraten?«

»Der war ich.«

»Eine Art von Lederstrumpf, der Held von Jugendgeschichten?«

»Ganz richtig.«

»Von Ihnen ging die Sage, daß Sie unüberwindlich wären. Niemand könne Sie lebendig fangen.«

»Das war keine Sage, das war so.«

»Jetzt sind Sie aber mein Gefangener.«

Wieder lächelte Nobody. Es wäre ihm ein leichtes gewesen, einen Revolver von der Wand zu reißen. Er tat es nicht. Er war auch so seines Sieges sicher.

»Patterson,« sagte er langsam, jedes Wort betonend, »Patterson, versuchen Sie nicht, gegen das Schicksal anzukämpfen! Sie entgehn ihm nicht!«

»Ich töte Sie!«

»Das tun Sie nicht! Die nächste Kugel, die Ihren Revolver verläßt, ist für Sie selbst bestimmt.

»Denken Sie an Ihre Frau, Mann!« fuhr Nobody eindringlich fort. »Retten Sie dieselbe vor der drohenden Schmach. Lohnen Sie so viel Liebe nicht mit Undank! Patterson, hören Sie mich! Ich gebe Ihnen drei Tage Zeit, Ihre Angelegenheiten zu ordnen - mehr nicht - dann machen Sie ein Ende oder ich vernichte Sie!«

So sprach der Mann, der waffenlos dem Piratenkapitän gegenüberstand, auf dessen Wink die Räuber herbeieilen mußten!

Schweigend starrte Patterson zu Boden. Da - der Revolver entfiel seinen Fingern! Aufstöhnend schlug der Unselige die Hände vors Gesicht.

»Sie verachten mich?« fragte er schluchzend.

»Ich bemitleide Sie!«

»Und Sie gönnen mir drei Tage Frist?«

»Ich sagte es!«

Wieder trat eine Pause ein, dann stieß der Piratenkapitän hervor:

»Gut! Es sei! Ich füge mich dem Schicksal. Nur eine Bitte habe ich noch: Hören Sie meine Beichte.«

»Gern! Setzen wir uns!«

Nobody sagte es ohne jede Genugtuung. Dieser Sieg bereitete ihm wenig Freude. Fast verwünschte er die Stunde, da er den Vorsatz gefaßt hatte, dem Manne, der so gebrochen auf dem Stuhle saß, die Maske vom Gesicht zu reißen.

»Sprechen Sie, Patterson! Erleichtern Sie Ihr Herz!«

Noch einmal zögerte der Sheriff, dann begann er:

»Ich bin der Sohn von wohlhabenden Eltern und habe eine sehr gute Erziehung genossen. So weit ich jedoch zurückdenken kann, hat sich stets in mir eine Doppelnatur offenbart, in mir waren zwei Wesen vereinigt, ein Engel und ein Teufel, die nie miteinander kämpften, ganz gut nebeneinander lebten, nur, daß sich der Engel immer öffentlich zeigte, während der Teufel verborgen blieb und nur im geheimen sich bemerkbar machte.

»Ich war ein Musterkind: artig, fleißig, ein guter Kamerad, kein Spielverderber und mit großen Talenten ausgestattet. Nie habe ich meinen Eltern Aerger bereitet, nur Freude, meine Lehrer lobten mich bis in den Himmel wegen meiner Fortschritte und Sittsamkeit. Dennoch aber war ich eigentlich ein wilder Knabe. In meiner Freizeit war ich einer der tollsten; das liebt man ja aber eben an einem Jungen. Böse Streiche dagegen habe ich nie gemacht, das heißt, es ward nichts davon bekannt; denn im Grunde genommen war ich schon als Kind ein ganz verdorbener Bösewicht, der log, stahl und kein größeres Vergnügen kannte, als Tiere zu quälen, überhaupt Schaden anzustiften. Nur machte ich es so geschickt und so heimlich, daß mich niemals jemand dabei erwischte.

»Das wäre ja nun nichts weiter, ich wäre eben ein durchtriebener Schlingel gewesen, das war ich jedoch keineswegs. Lügen zum Beispiel war mir etwas Entsetzliches. Ich konnte nicht lügen, brachte es nicht fertig, ich mußte es gestehn, wenn ich etwas wirklich getan hatte, und ein Mensch, der als Lügner überführt würde, war mir ein Abscheu. Dennoch log ich. Das ist ein Widerspruch, aber nur ein scheinbarer. Ich log niemals zu meinem Vorteil, sondern ich log, um zu lügen, zu meinem Vergnügen. Zum Beispiel fiel es mir mit einem Male ein, zu behaupten, gestern da oder dort gewesen zu sein, dies und jenes gesehen zu haben, ohne jeden Grund, ich mußte es tun und benahm mich dabei so geschickt, daß mich niemals jemand der Lüge hätte überführen können. Das war dann ein Triumph für mich, den ich nicht beschreiben kann. Aber zu lügen, wenn ich etwas verbrochen hatte, das fiel mir nicht ein, obgleich mich Strafe erwartete. Mit einem Wort, ich gefiel mir schon als Kind darin, die Leute zu mystifizieren, und das wurde zu meiner zweiten Natur, wenn ich nicht schon von allem Anfang an so veranlagt war.

»Ebenso besaß ich alle andern schlechten Leidenschaften. So zum Beispiel stahl ich etwas, nicht zu meinem Nutzen, sondern um es wegzuwerfen; ich betrog, um mich an der Dummheit der andern zu ergötzen, daß sie es nicht merkten, und wie gesagt, quälte ich mit Vorliebe Tiere. Ich wußte wohl, ich tat unrecht, aber ich konnte nicht anders, mein Dämon war mächtiger als ich.

»Sie verstehn mich recht, Sir. Was ich tat, das waren keine Vergehen, welche dem Egoismus entsprangen, sondern das beruhte alles auf Manie.

»Nebenbei bemerkt, las ich mit Vorliebe Räubergeschichten, verschlang sie, immer heimlich, und was ich gelesen, darüber dachte ich nach, malte die Geschichte weiter aus: das hättest du noch geschickter angefangen als dieser Spitzbube, dich hätten sie nicht erwischt, das hätte er so und so machen müssen, und das und jenes hätte er doch auch noch gleich mitnehmen können.

»Ich war im Geiste schon ein abgefeimter Einbrecher und Raubmörder, der es in Wirklichkeit hätte mit jedem aufnehmen können. Das offenbarte sich auch einmal bei einer Gelegenheit. Mein Vater unterhielt sich mit einigen Herren über finanzielle Spekulationen auf dem Weltmarkte. Ich, ein zwölfjähriger Junge, hörte zu, hatte sonst noch nie von so etwas vernommen. Plötzlich kam ich eifrig zu meinem Vater gelaufen und sagte: >Aber das braucht man doch nur so und so zu machen, man telegraphiert an die Londoner Bank, dann müssen sie hier in New-York das Geld doch auch ohne Vorzeigen des Wechsels auszahlen.<

»Die Herren waren zuerst sprachlos vor Staunen. Ich hatte nämlich einen Schwindlerkniff entdeckt, der bisher nur noch nicht benutzt worden war. Man hätte die New-Yorker oder die Londoner Bank um jede Summe prellen können.

»Da nahm mich ein alter Herr zwischen die Knie - ich vergesse das nicht - sah mir lange und forschend in die Augen und sagte dann zu meinem Vater: >Ihr Sohn wird entweder einmal ein berühmter Mann oder ein großer Bösewicht!< Man lachte über den Scherz. Der Mann hatte aber recht und doch wiederum unrecht.

»Wurde ich schließlich kein berühmter Mann, so lag das daran, weil ich in Jefferson Sheriff bleiben wollte, aus guten Gründen, und hier überhaupt nicht entbehrt werden konnte. Das Zeug hatte ich in mir; wenn ich gewollt hätte, ich wäre schon längst Präsident. Zugleich aber war ich auch ein Verbrecher.

»Mein Vater hielt es für selbstverständlich, daß ich Advokat wurde, ich hatte die besten Anlagen dazu. Ich kam als Jüngling nach New-York, war fleißig, gewissenhaft, kurz, wiederum ein Muster für meine Mitstudierenden, und ergab mich dennoch den sinnlosesten Ausschweifungen, aber niemand erfuhr etwas davon. Dann schickte mich mein Vater mit gefülltem Geldbeutel auf Reisen. Ich besuchte ganz Europa, lernte viel Nützliches und noch mehr Schlechtes.

»Jefferson ist meine Heimat. Hier kannte mich jeder Stromschiffer, alle hatten den Knaben lieb, der zum Vergnügen durch den Mississippi schwamm, und als er als geprüfter Mann zurückkehrte und die Stelle des Sheriffs gerade frei war, wurde er einstimmig dazu gewählt. Ich hatte ein Mädchen kennen gelernt, schön und reich, es wurde mein Weib, Ellen, und ich war sehr glücklich.

»Am ersten Juni jedes Jahres mußte ich die Freundschaftsinsel kontrollieren.

»Schon beim ersten Besuch fiel mir mancherlei auf, beim zweiten wußte ich, daß die Bewohner mehr vom Stromraub lebten als vom Fischfang.

»Das heißt, sie waren noch keine Piraten. Sie erbeuteten nur schwimmendes Gut, das sie eigentlich hätten ausliefern sollen, und taten nichts, die vielen, gefährlichen Snaks auszurotten, die um die Insel herum lagen, und auf denen so viele Boote scheiterten, erstatteten auch davon keine Meldung.

»Schurken waren sie also doch schon - Gelegenheitsdiebe.

»Ich dachte ebenso, wie Sie mir gestern sagten: eine Insel, kein Fremder darf sie betreten außer mir, die Bewohner gelten für harmlos, ich, ein Ehrenmann und Bösewicht zugleich, den Kopf angefüllt mit Räubergeschichten - da lag die Versuchung sehr nahe. Ich organisierte eine richtige Räuberbande, wurde ihr Hauptmann, und von nun an begann mein Doppelleben erst recht.

»Bald war ich in Jefferson der hochangesehene, ehrenhafte Sheriff, bald auf der Freundschaftsinsel der Räuberhauptmann, vor dessen Blick der Mutigste zitterte. Ich machte die Leute zu vollkommenen Piraten, zu Bluthunden. Den Gescheiterten schnitten wir die Kehle durch und versenkten sie mit Ketten im Strome. Unsre Beute war unermeßlich. Die Verbindung gewann immer größere Dimensionen. Wir nahmen Verbrecher auf. Die Insel ward ein Asyl für Mörder und freigelassene Sträflinge. Wenn sie auch nicht direkt darauf wohnten, so gehörten sie doch zu meiner Bande, arbeiteten uns in die Hände, verdingten sich als Lotsen und ließen die Boote an unsrer Insel scheitern.

»Doch ich will nicht von meinen Erfolgen sprechen. Was mich anbetrifft, so kann ich mich noch jetzt nicht verstehn. Ich war eben ein Mensch, der sich zerteilen konnte. In Jefferson war ich wirklich ein braver Mann, wußte fast selbst nicht, daß ich ein Räuber sei, und auf der Insel war ich der größte Wüterich. Seit ich aber einmal einen Menschen getötet hatte, konnte ich nicht oft genug Blut fließen sehen, auch das Morden wurde bei mir zur Manie, es war mir eine Lust, den Stahl meinem Nächsten in die Brust zu bohren. Auf einer Ferienreise, die ich ohne meine Frau unternahm, war ich in Spanien und sah dort Carmen.«

»Sie war verlobt mit einem gewissen Diego?« fragte Nobody.

»Ja,« nickte Patterson, ohne daß er über diese sonderbare Frage stutzte.

»Sie folgte Ihnen freiwillig und verließ jenen, trotzdem Sie ihr offen bekannten, daß Sie das Haupt einer Räuberbande seien?«

Jetzt blickte der gebeugte Mann doch auf. Er staunte über diese scharfsinnige Vermutung, und Nobody wußte nun genug. Er fragte weiter:

»Sie ließen sich zum Schein mit ihr trauen, nachdem Sie ihr verschwiegen hatten, daß Sie bereits verheiratet seien, und das war ein großer Fehler in Ihren Berechnungen, Sheriff, denn einem wahrhaft liebenden Weibe kann nicht auf die Dauer verborgen bleiben, daß es sich mit einer andern in das Herz des Geliebten teilen muß. Patterson, denken Sie an den Straßenprediger, der gestern in Jefferson auftauchte!«

»Mos jumoth!« stöhnte der Sheriff. »Sie sollen des Todes sein!«

Er stützte das Haupt auf beide Hände und brütete vor sich hin.

Nobody ließ ihn eine Zeitlang ungestört, aber er mußte noch verschiedenes erfahren, was ihm für den schlimmsten Fall von Wichtigkeit war. Er wollte wenigstens aus dem Munde des Piratenkapitäns bestätigt hören, daß er richtig kombiniert hatte.

»Patterson,« begann Nobody, »ich muß noch einige Aufklärungen von Ihnen erbitten. Ich werde Sie nicht groß belästigen. Sie brauchen nicht zu antworten, wenn meine Vermutungen richtig sind, nur wenn ich irre. Die Insel ist befestigt, mit Bastionen versehen und mit Kanonen armiert. Dieselben stammen aus einem an Ihrer Insel gescheiterten Boote, das die Geschütze während eines der letzten Kriege in Südamerika dorthinschmuggeln wollte?«

Patterson nickte.

»Proviant und Munition haben Sie genügend hier, um auch eine längere Belagerung aushalten zu können - das läßt sich ja denken, denn Sie mußten mit allen Möglichkeiten rechnen. Nun noch eins! Missis Tanner - Jenny Tanner -«

»Wie? Die kennen Sie auch bereits?«

Nobody lächelte, aber ohne jede Selbstüberhebung.

»Sie nahm, sozusagen als Probierdame, die von Carmen bestellten Kleider an,« fuhr er dann fort. »Sie kannte die Geheimnisse der Insel. Ja? Gut! Jener Pedro, den Sie durch den Neger Kastor ermorden ließen, war das Kind eines Schiffbrüchigen. Es ward hier angetrieben und sollte getötet werden, wie alle andern Unglücklichen, denen dies widerfuhr; Carmen aber bat für ihn, und so blieb er am Leben, ward ihr Liebling.«

Der Sheriff nickte.

»Das andre weiß ich,« sagte Nobody, »ebenso, daß Sie den Mörder noch gestern abend niederschossen. Wir sind fertig, Patterson - halten Sie Ihr Wort! Ich verlasse jetzt die Insel.«

Er wandte sich zum Gehn, da sprang der Piratenkapitän auf.

»Herr,« rief er, »Sie scheiden, ohne mir die Hand zu reichen?« Und furchtbar drohend, ganz so, wie er zu seinen verbrecherischen Genossen zu reden gewöhnt war, fuhr er fort: »Hüten Sie sich! Wenn Sie mich verachten, halte ich mein Wort nicht. Ein Lump fragt nicht danach, ob er ein gegebenes Versprechen bricht.«

Nobody drehte sich schweigend um. Ein langer, ernster Blick traf den Erregten.

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