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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15423 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Wer vermöchte die Widersprüche zu lösen, die in der Seele Nobodys lebten!

Das Urteil Diegos war schon so gut wie gesprochen.

»Mister Diego,« fragte der Sheriff eben, »gestehn Sie, an dem Knaben Pedro einen Lustmord begangen zu haben?«

Da geschah etwas, was niemand erwartet hatte - es war ein Donnerschlag aus heiterm Himmel.

»Er ist unschuldig!« schrie eine gellende Stimme. »Bürger der Vereinigten Staaten, dort, der Sheriff ist der Hauptmann einer Piratenbande, die auf der Freundschaftsinsel haust - und ich bin sein Weib! Charles, hahaha!!«

Eine Totenstille folgte dem gellenden Gelächter. Alles blickte auf den kleinen Mann, der auf den Sheriff deutete.

Diesem quollen die Augen aus den Höhlen. »Carmen!«

Es war nur gehaucht worden, dieses Wort, und doch hatte jeder es vernommen.

»Ja, Carmen! Tod dem Verräter!«

»Tod dem Verräter!« schrie auch der Sheriff plötzlich.

Was sich jetzt entspann, ist nicht so schnell zu erzählen, wie es sich zutrug.

»Carmen!« schrie in diesem Augenblick Diego.

»Verrat!« donnerte der Sheriff. »Her zu mir, Piraten, zu eurem Kapitän! Alles ist verloren, Tod über sie alle, besetzt die Boote!«

Alles dies geschah gleichzeitig, in einem Moment.

In des Sheriffs Hand blitzten zwei Revolver, er schoß in die Menge.

Als erstes Opfer fiel Carmen.

Eine unbeschreibliche Verwirrung entstand.

Die einen standen in lähmendem Entsetzen da, die andern zogen Revolver, eilten zum Kapitän und schossen die, welche zurückblieben, wie Schlachtvieh nieder.

Undurchdringlicher Pulverrauch füllte im Nu den Saal. Pfiffe, Wehrufe, Wutgebrüll klangen durcheinander.

Nobody stand noch an der Wand. Da - eine Kugel riß ihm den Hut vom Kopfe, eine zweite streifte seinen Arm - der Sheriff feuerte auf ihn.

Nobody war unbewaffnet.

»Schuft!« murmelte er. »Du willst es nicht anders!«

Im Nu war er im Freien.

»Nach dem Hafen,« schrie er und sprang vor. »Verlegt den Piraten den Weg nach den Booten!«

Noch wußte niemand, was denn das bedeute.

Dem Verwegensten sträubte sich das Haar vor Entsetzen. Man glaubte einen bösen Traum zu haben.

Die Flußräuber drängten durch die Hintertür, die nach dem Hafen führte. Sie stürzten durch die Straße, an der Spitze der Sheriff. Alles wurde niedergeschossen, was ihnen in den Weg kam; sie drehten sich im Laufen um und feuerten zurück, obgleich ihnen niemand folgte. Es war eine furchtbare Menschenschlächterei. Wer war Freund? Wer war Feind? Nur die Schießenden kannten sich untereinander. Piraten? Wo waren Piraten? Was schossen die denn? War denn der Sheriff plötzlich toll geworden?

Vier große Boote stießen ab, voll besetzt mit Männern, welche sich mit Macht in die Riemen legten. Wie Pfeile schossen die Fahrzeuge über das Wasser. Es waren mindestens achtzig Mann.

Nobody war in eine Menge eingekeilt, er konnte sich nicht rühren. Er wußte, daß er die Fliehenden nicht aufhalten konnte.

Da stürzte ein alter Trapper mit flatternden weißen Haaren vor, stieß einen Wutschrei aus.

»Er hat meinen Jungen ermordet!«

Der Mann hob die einläufige Büchse hoch, zielte einen Augenblick und schoß.

Hohnlachend winkte Patterson mit der Hand.

»Ihr oder wir! Wir sind Piraten, ich bin der Hauptmann. Meine Kriegserklärung habe ich gegeben. Cutting Knife, jetzt wollen wir sehen, wer Sieger bleibt, du oder ich!«

Nobody antwortete nicht. Er achtete nicht darauf, daß die Menge fast ehrfurchtsvoll den Namen des berühmten Westmannes, wiederholte.

Die Boote verschwanden hinter der Insel.

Was nun?

Die ganze Stadt, das heißt, was darin zurückgeblieben war, befand sich in einer Art Betäubung.

Jene Männer dort gehörten doch gar nicht zur Freundschaftsinsel? Sie hatten in der Stadt Frauen und Kinder.

Da ertönte Nobodys Stimme, jedem hörbar.

»Zurück! Räumt den Platz! Die Piraten haben Kanonen auf der Insel. Sie werden unter Euch feuern!«

Ungläubig starrte man ihn an.

Woher wollte er das wissen? War er denn auf der Insel gewesen?

Da stieg auf dieser ein Wölkchen auf, ein donnernder Schall, eine Kugel tanzte über das Wasser. Gleichzeitig wurde an einem hohen Maste eine rote Flagge gehißt - die Piratenflagge.

Wieder lähmendes Entsetzen!

Das zweite Wölkchen, der zweite Donner, die Verwirrung war unbeschreiblich.

»Zurück in die Stadt!« rief Nobody, und jetzt gehorchte man ihm.

Der alte Trapper bildete den Anlaß dazu.

»Tut, was der Fremde will. Es ist Cutting Knife! Ich kenne ihn!«

Zum zweiten Male ward der Name des berühmten Westmannes genannt, und abermals wiederholten ihn tausend Stimmen.

»Er soll uns gegen die Schufte führen! Wir müssen das Räubernest vernichten!« Unter diesen Rufen wälzte sich die Menge in die Stadt zurück.

Nobody berief mehrere der erfahrensten Männer zu sich ins Building. Dort schilderte er ihnen kurz, wie die Verhältnisse auf der Insel lagen, und dann entwickelte er seinen Plan.

Die staunende Bewunderung, die man dem verwegenen Manne dafür zollte, daß er die Insel allein betreten hatte, ward noch überboten durch die, die dem von ihm entworfenen Plan gebührte.

»Führe uns, Cutting Knife! Wir folgen dir!« schrien die Männer, und die Menge draußen stimmte in den Ruf ein. Dann zerstreute sie sich. Alles in der Stadt und auf der Insel blieb still bis zum Abend.

Als die Finsternis tief genug war, bewegte sich eine Schar kühner Männer unter der Führung Nobodys am Ufer des Mississippi stromaufwärts.

Auf ein Zeichen machten alle Halt. Die Bowiemesser wurden gezogen. Man hieb Strauchwerk ab und verband es derart, daß es jenen Büschen glich, die fast ununterbrochen auf dem mächtigen Strome dahintreiben.

Nach kurzer Zeit war alles bereit.

Mit flüsternder Stimme gab Nobody noch einmal seine Anweisungen, dann glitt er als erster ins Wasser, verborgen hinter dem grünen Blätterwerk, an dem er eine Doppelbüchse befestigt hatte, sowie den Patronengürtel.

Die Strömung war reißend. Sie führte den kühnen Mann sofort mit sich hinweg; aber Nobody war nicht umsonst als Cutting Knife der berühmteste Westmann. Er ward bald Herr über die Flut und konnte seine ganze Aufmerksamkeit der Gegend vor ihm zuwenden.

Lautlos folgten ihm in gleicher Weise die andern Männer.

Es war eine ganz gefährliche Schwimmtour.

Verbarg das Wasser einen Baumstamm, der im Boden wurzelte, die Spitze nach oben, also einen Snak, so wurde der Leib des Schwimmers aufgeschlitzt, und an den Küsten der Insel sollten künstliche Snaks gelegt worden sein. Da hieß es ganz flach schwimmen.

Außerdem kam eine Menge Treibholz, das mit Quetschungen drohte, und schließlich die Landung - das allergefährlichste.

Etwas Großes, Dunkles tauchte auf - die Freundschaftsinsel! Nobody hatte richtig gesteuert. Mit rasender Geschwindigkeit sauste er darauf zu; jetzt passierte er Treibholz; er wand sich hindurch, geriet zwischen schon angetriebenes Dickicht und saß fest. Eine Zeitlang blieb er still liegen. Nichts war zu hören als das Rauschen der Strömung. Da faßte er mit der einen Hand die Büchse und den Patronengürtel am Riemen und zog sich mit der andern Hand vorwärts. So kam er aus dem Wasser und auf schwimmende Baumstämme zu liegen.

Ein Glück, daß es so dunkel war, sonst hätte ihn ein hier aufgestellter Posten schon aus weiter Ferne bemerken können! Er setzte, immer liegend und rutschend, seinen Weg fort und erreichte das feste Land.

Hier war kein Busch, kein Unterholz, kein Baum mehr, alles nur Grasboden.

Nobody hatte eben mit der dunklen Nacht gerechnet. Nur heute war es möglich gewesen, solch ein Unternehmen zu wagen. Er mußte liegen bleiben, mindestens noch eine halbe Stunde, bis die andern kamen. Wer dann noch nicht da war, kam überhaupt nicht.

»Still, hörst du nichts?« flüsterte eine Stimme.

»Ein Busch ist wieder angetrieben,« entgegnete eine andre, »oben hat's neulich Sturm gegeben, daher kommen jetzt so viele Büsche an.«

Es war natürlich, daß hier Posten aufgestellt worden waren.

Der Lauscher lag am Ufer, aber ganz dicht am Wasser.

»Wenn sich die aus Jefferson nun in solchen Büschen versteckten und sich so heranschmuggelten?« fragte die erste Stimme wieder.

»Unsinn, bei der Strömung! Die würden nicht schlecht Wasser zu schlucken bekommen.«

»Nun, ich hab's einmal gesehen, wie sich Indianer so an eine Insel treiben ließen, auf der ihre Feinde versteckt lagen.«

»Ja, aber hier geht das nicht. Lehre mich doch den Mississippi nicht kennen.«

Jetzt hätten die andern schon hier sein können, aber kein Busch trieb an.

Eine Zeitlang schwiegen die beiden.

»Wir sitzen hier wirklich wie in einer Mausefalle,« begann dann der eine wieder.

»So schlimm ist es nicht. Wir haben draußen unsre Spione, und wenn wir merken, daß man ernstlich gegen uns vorgeht, dann rücken wir aus. Halten kann uns niemand. Aber so eilig haben wir es nicht; ehe die zur Besinnung kommen, kann noch lange Zeit vergehn, und Proviant haben wir für mindestens ein Jahr.«

»Ich möchte doch, ich wäre erst fort von hier.«

»Du, sage das - nicht so laut! Du hast auch dem Kapitän beigestimmt, hierzubleiben und erst zuzusehen, was die drüben anfangen, und wie sie Mund und Nase aufsperren, wenn wir sie mit Granaten bombardieren.«

»Du willst mich gar anzeigen?«

»Das nicht, aber der Kapitän hat feine Ohren.«

»Teufel, was ist das? Da kriecht etwas!«

Auch Nobody bemerkte, teils zu seinem Schrecken, teils zu seiner Freude, daß sich neben ihm ein dunkler Gegenstand bewegte.

Das war ein Mensch, ein Trapper, der gelandet war!

»Faß ihn, faß ihn - ein Spion!«

Zwei Gestalten stürzten aus der Nacht hervor. Der am Boden liegende Körper sprang auf, ebenso schnell war Nobody, er schnellte vor, nur ein einziger Schrei, zwei Menschen lagen bewußtlos am Boden - die beiden Wachen.

»Diego!« flüsterte Nobody, namenlos überrascht.

»Ich bin's.«

»Wie seid Ihr hierhergekommen? Wo sind die Trapper?«

»Ich weiß nicht.«

So hastig wie das Gespräch auch geführt würde, es war keine Zeit, es fortzusetzen. Die Rufe und der Schrei waren gehört worden. Schritte und Stimmen kamen näher.

Im Nu hatte Nobody seinen Plan gefaßt.

»Auseinander!« schrie er und sprang davon.

Auf der Insel wurde es lebendig; ein furchtbarer Tumult entstand, Nobody hörte Kommandos, ja, er glaubte sogar, Pattersons Stimme unterscheiden zu können. Da kam es auch hinter ihm heran. Es krachte in den Büschen.

Die Trapper aus Jefferson waren da.

»Her zu mir!« schrie Nobody. »Hier ist die Pulverkammer. Wir müssen sie besetzen.«

Er kannte dieselbe von seinem ersten Besuche auf der Insel her, und sofort sprang er auf die Erdböschung, hinter der die Munition der Piraten verborgen war. In demselben Moment leuchtete es grell auf. Im Scheine von Fackeln erkannte Nobody den Piratenkapitän. Dieser aber achtete zunächst nicht auf ihn.

Wie entgeistert starrte Patterson den Mann an, der mit erhobenem Revolver ihm gegenüberstand.

»Diego!« tönte ein Schrei durch die Nacht.

»Ich bin's! Stirb, Frauenräuber, Mädchenverführer!«

Zwei Schüsse krachten zu gleicher Zeit. Dann war es, als wenn die Erde zusammenstürzte. Ein furchtbares Dröhnen erscholl.

Nobody ward rückwärts zu Boden geschleudert und fühlte einen brennenden Schmerz an der Schulter. Das Bewußtsein verlor er keine Sekunde. Sofort war er wieder aufgesprungen und spähte umher.

Er konnte nichts erkennen, denn dichter Pulverdampf wogte über der Insel, und dazu kam die Finsternis der Nacht.

»Es ist zu Ende!« murmelte Nobody. »Die Explosion, die ich verhindern wollte, ist doch erfolgt. Der wahnwitzige Spanier hat direkt in die Pulverkammer geschossen. Meine Tätigkeit hier ist zu Ende. Die Ueberlebenden werden sich in Jefferson zusammenfinden!«

Ohne zu zögern, stürzte Nobody sich in den Strom und ließ sich der Stadt zutreiben. -

Es ist hier kein Raum, die Ereignisse zu schildern, die dem nächtlichen Kampfe folgten. Nur das sei erwähnt, daß die wenigen unverwundeten Piraten, ihres Führers beraubt, noch in der Nacht entflohen, um ihr Treiben anderwärts fortzusetzen. Die Gattin Pattersons erfuhr nie, daß sie schmählich betrogen worden war, daß sie einen Verbrecher geliebt hatte, sie war wahnsinnig geworden. Mary aber, des Sheriffs Schwester, endete ihr Dasein durch Gift, als sie die fürchterliche Klarheit erlangte. Jenny Tanner endlich war seit der Verhaftung Diegos spurlos aus der Gegend verschwunden.

Nobody selbst entzog sich den Dankesbezeugungen der Bürgerschaft von Jefferson. Er wollte den Ort noch am folgenden Tage verlassen, um Jean Matelas nach San Francisco zu folgen. Vorher aber sollte er noch eine unerwartete Begegnung haben.

Er betrat das Krankenhaus, um zu sehen, wieviel seiner Begleiter nach der Freundschaftsinsel dort lägen. Seine eigne Verwundung, eine Quetschung, war ganz unbedeutend. Von einem Krankenzimmer trat er ins andre. Die Augen der Verwundeten leuchteten, wenn Cutting Knife ihnen Worte der Anerkennung für ihre Tapferkeit fagte. Sie galten diesen Männern mehr, als einem europäischen Krieger ein Orden.

Nobody betrat die letzte Stube. Hier lag ein Mann auf einem Lager, das derart eingerichtet war, daß er ganz mit Riemen festgeschnallt werden konnte.

Ein kleiner, dicker Kerl war's. Er war wirklich vollständig gefesselt. Nur die Hände waren noch beweglich. Sie hielten ein Zeitungsblatt. Der Mund stand offen und ward nur von Zeit zu Zeit mit hörbarem Knall geschlossen.

Der sonderbare Kranke schaute auf.

Sein Gesicht verklärte sich, als er den Eintretenden erkannte.

»Guten Tag, Mister Nobody!« rief er freudestrahlend.

»Ich bin Cutting Knife!«

»Jawohl, weiß schon. Sind hinter dem Matelas her, sind trotzdem der Nobody,« erwiderte der Dicke. »Schade, daß ich festgebunden bin! Ich kann schon wieder mehr, trainiere mich eben - werden mich bald einweihen können.«

Nobody mußte innerlich lachen über den komischen Kauz, den er zuletzt ganz unerwartet an Bord des >Stag< getroffen hatte, der ihn selber in der Maske des Barons Kata Nogi an Bord nahm.

Die Manie dieses Cerberus Mojan, von Nobody den spiritistischen Apport zu lernen und den berühmten Detektiv überall, an allen möglichen und unmöglichen Orten zu suchen, schien jedoch seit der letzten Begegnung noch viel schlimmer geworden zu sein.

Was bedeuteten aber die gepolsterten Riemen, mittels deren der kleine Dicke an das Lager festgebunden war?

»Sie sind doch Mister Nobody,« beharrte Cerberus Mojan, »wenn Sie jetzt auch als Cutting Knife auftreten. Warten Sie nur eine Minute, bis mein Wärter kommt oder, bitte, klingeln Sie selbst einmal nach ihm. Dort an der Wand ist die Klingel! Der Mann soll mich losbinden, dann werde ich Ihnen zeigen, daß ich schon bedeutende Fortschritte gemacht habe!«

»Bedaure, Sir,« entgegnete Nobody höflich, »ich bin leider wirklich kein andrer als Cutting Knife.«

»Wahrhaftig?«

»Ganz sicher!«

»Schade!« seufzte der gefesselte Cerberus. »Ich freute mich schon so, daß Sie mich nun endlich in die Geheimnisse des spiritistischen Abtritts einweihen würden.«

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