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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15394 字 更新时间:2026-6-22 20:41

»Ich?« fragte der angebliche Cutting Knife.

»Ja, Sie, das heißt, wenn Sie der Teufelskerl, der Nobody wären.«

»Nun, vielleicht treffen Sie ihn noch.«

»Hoffentlich! Werde aber wieder tüchtig aufpassen müssen, damit er mir nicht entgeht.«

»Und vor allem gesund werden!« meinte Nobody. »Denn Sie sind anscheinend schwer erkrankt - verwundet - wie?«

»Verwundet?« wiederholte Cerberus. »Wissen Sie denn nicht, daß hier das Zimmer für Hundswütige ist?«

»Für Tollwutkranke?«

»Na und ob! Ich habe eben einen Anfall überstanden - brauchen keine Angst zu haben, daß ich beiße, ich warne allemal erst meine Umgebung, und außerdem bin ich hier festgeschnallt -«

»Aber, Mister -«

»Cerberus Mojan, Schmieröl, Schwefel, Schokolade,« schnarrte der Dicke. »Kennen doch die Firma? Wollen Sie mir nicht eine Tonne Schwefel abkaufen oder ein Fäßchen Schmieröl?« Er machte eine Bewegung, als wollte er sein Notizbuch hervorziehen, konnte aber die Arme nicht bewegen. »Ach so - ich bin ja festgeschnallt!«

Nobody lachte herzlich. Er durfte das ja, er mußte es sogar, um seiner Rolle als Cutting Knife treu zu bleiben.

»Erlauben Sie, was soll ich denn mit dem Zeuge anfangen?«

»Na, wenn Sie keinen Schwefel und kein Schmieröl brauchen können, dann kaufen Sie einen Zentner Schokolade!«

»Wozu?«

»Zum Essen!« schnaubte Cerberus. »Zum Kochen! Zum Trinken! Wenn Sie mal von Indianern überfallen werden, und Sie werfen den Kerls Schokoladentafeln an die Schädel, da tut man Ihnen sicher nichts!«

»So, so! Das muß ich mir merken und werde es gelegentlich probieren.«

»Also einen Zentner Schokolade?« schmunzelte der Dicke.

»Warten Sie noch! Erzählen Sie mir lieber erst, wie Sie von der Tollwut erfaßt wurden.«

»Ja, das ist allerdings hochinteressant. Das hängt aber mit dem Nobody zusammen -«

»Da bin ich wirklich gespannt!«

»Na, da müssen Sie wissen, daß ich ihn beinahe erwischt hätte - auf einem Dampfer - drüben bei den japanischen Inseln - da kam ein Schiffbrüchiger an Bord - Baron Kata Nogi - der konnte doch der Nobody sein - ich glaube, er war es auch - aber weil ich noch nicht alle Kunststücke konnte, da gab er sich nicht zu erkennen.«

»Es ist aber auch verteufelt schwer, was er alles verlangt.«

»Sagen Sie mal, Mister Cutting Knife, können Sie auf dem Kopfe stehn? Können Sie Ihr Taschentuch fressen? Nicht? Ich kann's! Nur das andre kann ich noch nicht. Das Taschentuch an die Fersen legen und mich rückwärts so weit niederbeugen, daß ich es mit den Zähnen fassen kann!«

»Das muß allerdings sehr schwierig sein,« sagte Nobody.

Cerberus seufzte betrübt.

»Aber lernen werde ich's doch. Ich habe mich nämlich an einen japanischen Zauberdoktor gewandt, die können alles, und der sagte mir, nachdem er mich eingehend untersucht hatte, daß ich erst gesund werden müßte, ehe ich die Rückenbeuge fertig brächte -«

»Von der Tollwut?« lachte Nobody. »Wie sind Sie denn zu der gekommen? Haben Sie sie schon lange?«

»Das ist's ja eben. Beinahe dreißig Jahre.«

»Was? Sie sind seit dreißig Jahren wutkrank?«

»Jawohl!«

»Und das haben Sie jetzt erst gemerkt?«

»Freilich. Der Japaner hat mich daran erinnert. Hören Sie nur zu! Denken Sie, vor etwa dreißig Jahren habe ich einmal einen kleinen Köter von einem Strolch gekauft, der die merkwürdige Eigenschaft besaß, Bier zu saufen ...«

»Der Strolch?«

»Unsinn, den Hund meine ich. Zuerst soff er Wasser, dann aber plötzlich nicht mehr, er rührte Wasser nicht mehr an und trank keinen Tropfen mehr. Ich paßte, auf und erwischte ihn eines Tages, wie er hinüber in die Brauerei läuft - mein Bruder besitzt in San Francisco eine Brauerei - und aus einem Holznapfe, in den aus einem lecken Faß Bier läuft, dasselbe säuft. Da erzählen mir die Brauburschen, daß der Köter jeden Tag hinüberkommt und alles ihm zugängliche Bier säuft; die Brauer machen es sich natürlich zum Jux und geben ihm noch extra welches. Ich hatte nun auch meinen Spaß daran, gab ihm Bier, soviel er wollte, und da kam es denn oft genug vor, daß das Vieh besoffen wie eine Radehacke war. Dann stand ihm allemal der Schaum vorm Maule, es torkelte, schnappte, heulte, kollerte herum, rollte mit den Augen und so weiter.«

»Das Tier war eben betrunken.«

»Jawohl, das dachte ich mir damals auch, weiter nichts ...«

»Deutsche Studenten halten sich oft genug Hunde, die Bier saufen.«

»Mein Köter soff aber überhaupt kein Wasser.«

»Weil er genug Bier bekam.«

»Herr, trauen Sie der Erfahrung eines alten Mannes, der am Rande des Grabes steht: hundstoll war das Vieh, darum wollte es kein Wasser saufen, so steht die Sache. Das aber wußte ich damals eben nicht. Da beißt mich das Tier eines Tages, als es wieder so herumtorkelt und Schaum vor der Schnauze hat, in die Hand, nicht derb, nur ein bißchen, daß ich es gar nicht beachte. Ich lache darüber. Gut, die Sache geht ihren Gang. Die kleine Wunde heilt, mein Hund fällt eines schönen Tages in seiner vermeintlichen Besoffenheit in einen Braubottich und wird zu Mus zerkocht. Nur die Knöchelchen hat man wiedergefunden; da war aber das Bier schon längst getrunken.«

»Es muß gut geschmeckt haben.«

»Warum nicht? Hundebouillon soll sehr gesund sein. Beschwerden sind nicht eingelaufen, im Gegenteil, der Porter wurde sehr gelobt. Im Laufe der Zeit wurde ich sehr krank. Ich bin überhaupt ein geplagter Mann. Zuerst bekam ich Kopfschmerzen, daraus wurde Ohrensausen, das ging in die Knie und wurde Rheumatismus, der zog sich in die Nase und bildete sich zu einem Polypen aus, der auf die Wanderung ging, sich im Leibe herumfraß, wobei er natürlich täglich an Gewicht zunahm, bis er sich zuletzt nahe dem Herzen festgesetzt hatte, wo er jetzt noch sitzt und gemütlich weiterfrißt. Dazu gesellten sich erst ein, dann zwei Bandwürmer, die sich ganz unglaublich vermehrten; ein Schweinebraten brachte mir eine Legion Trichinen in den Leib - kurz, mein ganzes Leben bestand und besteht noch jetzt in einem unaufhörlichen Kampfe gegen Polypen, Bandwürmer, Trichinen und andre Tiere, die sich in meinem Leibe ein Stelldichein geben.«

»Das alles haben Sie aber erst von dem japanischen Arzte erfahren?« lachte Nobody.

»Freilich! Was ich sonst noch durchgemacht habe, damit will ich Sie verschonen. Erwähnen will ich nur noch Hühneraugen, Eingeweideverschlingung, Nasenbluten, Tuberkulose, Hexenschuß, Lungenschwindsucht, Darmbrüche, Haarausfall, Rippenfellentzündung, Pusteln auf dem Rücken, Diphtheritis - es ist einfach schrecklich, was ich leiden muß, und jeden Morgen staune ich, daß ich die Sonne noch sehe. Wenn man so mit Krankheiten behaftet ist, wundert man sich nicht, wenn sich gewisse Symptome zeigen, als da sind: heftiger Durst, Arbeitsunlust, langer Schlaf, Heißhunger, unmäßiges Gähnen, Einschlafen der Beine, Husten, Niesen und so weiter. Jetzt auf einmal fängt der Japaner auch noch an und redet von der Hundswut! Besondere Kennzeichen: Heftiger Durst, aber Abscheu vor Wasser, Gestalt und Gesichtszüge verfallen, Müdigkeit, Husten, sogar Erbrechen, Speichelfluß und vor allen Dingen öftere Wutanfälle. Herr, du meine Güte, ich denke, mich rührt der Schlag! Das paßte ja alles auf mich! Ich habe nämlich einen furchtbaren Widerwillen gegen Wasser, nicht beim Waschen oder Baden, sondern nur beim Trinken. Wein, Bier, Schnaps, alles, alles kann ich trinken, literweise, eimerweise, ohne abzusetzen. Aber Wasser? Bring' ich nicht hinunter, wenn nicht mindestens zur Hälfte Kognak oder so etwas Aehnliches darin ist. Und das treibe ich nun schon seit bald dreißig Jahren.«

»Es ist entsetzlich!«

»Nicht wahr? Und merke nichts davon, reise in der ganzen Welt herum und halte mich für kerngesund!«

»Schrecklich!«

»Mein Durst war und ist auch jetzt manchmal so groß, daß ich meine zwanzig halbe Liter vom stärksten Porter trinke, ohne aufzustehn, und stehe ich dann endlich auf, so habe ich immer noch Durst, ich trinke also noch ein paar Maß Ale, das ist leichter - ist nichts, der Durst wird nur noch größer, zwei, drei Flaschen Wein tun's auch nicht. Gewöhnlich verläßt mich dann die Besinnung - früher dachte ich, ich hätte einen kleinen Rausch gefangen - aber es ist eben ein Ohnmachtsanfall, ein Symptom der Hundswut. Erwache ich dann am Morgen, so plagt mich stets Kopfweh und schon wieder der schreckliche Durst. Neben meinem Bett steht die Wasserflasche. Glauben Sie, ich brächte es fertig, einzuschenken und Wasser zu trinken?«

»Wirklich nicht?«

»Gott bewahre, Pale-Ale muß es sein, das hat am meisten Kohlensäure, danach stößt es einen so hübsch auf. Das ist aber noch lange nicht alles. Da ist nun der Speichelfluß. An dem leide ich nämlich auch schrecklich, ohne daß ich es bisher sonderlich beachtete. Gehe ich da zum Beispiel einmal an einem Hotel vorbei, sitzt hinter der großen Fensterscheibe ein Herr und ißt gebratene Wachteln. Ich sage Ihnen, Sir, ob Sie es glauben oder nicht, das Wasser schoß mir gleich eimerweise im Munde zusammen. Und solche gefährliche Symptome übersieht man nun in seiner Leichtfertigkeit! Das beste Zeichen aber, daß ich von einem tollen Hunde gebissen worden bin, sind meine Anfälle von Wut und Tobsucht. Bin ich nicht ein ganz anständiger Mensch?«

»Gewiß doch, Mister Mojan!«

»Habe ich Sie schon einmal beleidigt?«

»Wie sollten Sie?«

»Habe ich Sie jetzt schon einmal einen Büffel, ein Rabenaas, einen Ochsenfrosch genannt oder so etwas Aehnliches?«

»Mit keiner Andeutung.«

»Auch nicht ein vorsündflutliches Riesenschwein?«

»Auch das nicht.«

»Nun sollten Sie sehen und hören, wenn ich meinen Wutanfall bekomme. Da werfe ich mit Titulaturen um mich, die mir sonst gar nicht in den Sinn kommen, fluche, tobe und möchte alles kurz und klein schlagen. Sie werden's schon noch an mir erleben. Erst hielt ich es nur für Jähzorn - jawohl, Tobsucht ist es, der Ausbruch der Hundswut, die mir vor dreißig Jahren eingeimpft worden ist. Da hörte ich von dem berühmten Cutting Knife -«

»Also von mir?«

»Ja, und daß Sie hinter einem Diebe her seien, der die Pläne von Goldfeldern gestohlen hat. Aha, dachte ich, das ist der Nobody, und wenn du auch noch schwerkrank bist, hin mußt du doch. Ich also schleunigst von Tokio nach San Francisco, von dort hierher - natürlich mit meinem Neffen Leckebald zusammen -«

»Mit wem reisten Sie?«

»Mit meinem Neffen.«

»Wie heißt der?«

»Leckebald.«

»Merkwürdiger Name!« dachte Nobody.

»Sehen Sie, Sie sind schwerhörig. Leckebald könnte nun bald kommen, mich abzuschnallen. Mein Wutanfall wiederholt sich nicht so bald. Das merke ich nämlich allemal zuvor und warne. Ich könnte beißen, wissen Sie, und mein Biß steckt natürlich an.«

»Sie beißen?«

»Na und wie! Ich habe mich schon immer gewundert, warum ich stets meine Zigarrenspitzen durchbeiße. Nun weiß ich, woher das kommt.«

Ein hübscher Junge von etwa fünf Jahren trat ein, rund wie eine Tonne, mit Backen wie ein Posaunenengel; wenn der sich bückte, mußten die Höschen platzen.

»Soll ich dich losschnallen, Lecke-Onkel?«

»Jawohl, Leckebald, schnalle mich sorglos ab, ich tue keinem Menschen mehr etwas.«

Bald waren die Riemen und Bänder von den kleinen, fetten Gliedern gelöst.

Mister Mojan legte seine Hand auf den lockigen Kopf des Kindes. Stolz leuchtete aus seinen Augen.

»Jawohl, das ist mein Neffe - und mein Erbe, Erbe der Weltfirma Cerberus Mojan. Ich bin nämlich unverheiratet. Gott soll mich bewahren, daß ich heirate! Eine Frau ist die schlimmste Krankheit, die man sich auf den Hals laden kann - die ist chronisch. Sage dem Herrn, wie du heißt!«

»Leckebald.«

»Deinen richtigen Namen.«

»Lecke-Balduin.«

»Weiter.«

»Lecke-Mojan.«

»Aus welcher Stadt bist du?«

»Aus Lecke-San Francisco.«

»Hören Sie, wie klug mein Neffe schon ist! Wie alt bist du?«

»Fünf Lecke-Jahre.«

»Wo warst du denn jetzt?«

»Bei der Lecke-Schwester!«

»Erlauben Sie,« sagte Nobody, unter Tränen lachend, »warum setzt der Junge denn vor jedes Wort >Lecke

»Nicht vor jedes Wort, nur vor die Hauptwörter. Wissen Sie, der Junge stottert ein bißchen; bei jedem groß geschriebenen Wort stolpert die Zunge, wenn er aber das Wort >Lecke< davorsetzt, dann bringt er's gleich heraus. Das ist nur so eine Angewohnheit.«

»Der arme Junge!« bedauerte Nobody.

»Arm? Was? Arm? Der ist mein Erbe.«

»Ich meine, das tut mir sehr leid.«

»Ich verstehe Sie nicht. Wenn er so einen Onkel hat, wie ich, da kann er sich sein Stottern leisten. Nicht wahr, mein Leckebald, lecke du nur ruhig weiter. Andre sagen vor jedem Wort äh, äh, oder goddam oder bloody, und du setzt deine Lecke davor. Passen Sie auf, wie gescheit der Junge schon ist. Leckebald, wer ist der reichste Mann?«

»Mein Lecke-Onkel.«

»Wie heißt der?«

»Lecke-Cerberus Lecke-Mojan.«

»Womit handelt der?«

»Mit Lecke-Schmieröl, Lecke-Schwefel, Lecke-Schokolade.«

»Der Junge weiß einfach alles. Wie hoch wird das jährliche Einkommen deines Onkels geschätzt?«

»Auf hu - hu - hu ...«

»Hundert kannst du klein schreiben, tausend meinetwegen groß.«

»Auf hundert Lecke-Tausend Dollar,« platzte der Junge heraus.

»Wieviel in bar wirst du erben?«

»Vier Lecke-Millionen.«

»Was sonst noch?«

»Eine Lecke-Papiermühle.«

»Weiter.«

»Eine Lecke-Seifenfabrik.«

»Ich will ihn nicht alles herbeten lassen, sonst könnten Sie glauben, ich wollte protzen. Ich will Ihnen nur zeigen, wie enorm gescheit der Junge ist.«

»Kolossal!«

»Nicht wahr? Eigentlich sieht er etwas dumm aus, aber er ist es nicht im geringsten. Blicken Sie ihm einmal ins Auge!«

Nobody tat es.

»Merken Sie nichts?«

»Nein.«

»Gar nichts?«

»Er hat schöne, blaue Augen.«

»Den Hundewurm hat er im Auge.«

»Was?«

»Leckebald, was hast du im Kopfe?«

»Einen Lecke-Hundewurm.«

»Ja, so ist's. Er hat einmal einen Hund geküßt, da ist ihm ein Hundewurm durchs Auge in den Kopf gekrochen.«

»Woher wissen Sie das?«

»Woher? Woher? Aus meiner Erfahrung. Ich hatte nämlich auch schon einmal einen Hundewurm, habe ihn aber mit Rizinusöl wieder herausbekommen. Die Zuckerkrankheit hat er auch.«

»Wer?«

»Hier, der hier.«

»Ich habe die Lecke-Zuckerkrankheit,« bestätigte der Kleine.

»Daher wird er auch so dick. Ob er die Schwindsucht hat, weiß ich noch nicht recht, zur Vorsicht lasse ich ihn täglich zwei Stunden heiße, trockene Luft inhalieren.«

Nobody staunte. Dieser Cerberus Mojan hatte seit seinem Aufenthalte in Aegypten und den Abenteuern mit Jochen Puttfarken entschieden Fortschritte in der Verrücktheit gemacht. Es sollte noch besser kommen.

»Wie kamen Sie denn aber in das Krankenhaus?« fragte er.

»Wie? Nun, darf denn ein Hundswütiger draußen herumlaufen? Seit ich weiß, wie schwer krank ich bin, gehe ich in jeder Stadt ins Krankenhaus!«

Eine Glocke ertönte.

»Schon wieder essen,« seufzte Mojan, »und ich habe so gar keinen Appetit. Sie erlauben doch, Mister, daß wir unsre Mahlzeit in Ihrer Gegenwart einnehmen, wenn Sie uns noch mit derselben beehren wollen?«

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