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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15375 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Die dafür empfängliche Person trägt die Wünschelrute, am besten eine grüne Rute, schräg gesenkt, ohne mit ihr den Boden zu berühren. Wenn die Spitze zu zittern anfängt, sich hebt und senkt, sogar auf den Boden aufschlägt, so befindet sich unter den Füßen in der Erde etwas, das positive oder negative Elektrizität ausstrahlt: entgegengesetzte Elektrizität strömt aus dem menschlichen Körper und sucht sich mit der andern zu vereinigen. Ein Betrug kann leicht ausgeschlossen werden. Die Person trägt ein Thermometer in der Hand, und sobald die Rute anschlägt, muß das Quecksilber infolge größerer Wärmeentwicklung um einige Grad steigen. Bekommt der Betreffende einen Kompaß in die Hand, so muß die Nadel ganz bedeutend abweichen.

Nun gilt es zu untersuchen, was der Gegenstand unter den Füßen ist. Aus der Gegend, der Beschaffenheit des Erdbodens und so weiter vermutet man Kohle, Eisen oder Wasser. Man gibt dem Elektrometer ein Stück Kohle in die Hand - die Rute schlägt weniger, bei Eisen auch. Kohle und Eisen werden dem Menschen in die Hand gegeben - die Rute zittert nur noch. Kohle und Eisen enthält der Boden also nicht. Jetzt taucht man ein Leinwandläppchen - keine Baumwolle - ins Wasser und gibt dies dem Elektrometer in die Hand. Die Rute wird sich heftiger denn je bewegen, den Boden vielleicht sogar peitschen, und man wird Wasser finden.

Man sieht, die Vorsuche müssen sehr sorgsam angestellt werden, viele Erfahrung und Ehrlichkeit des Elektrometers ist nötig, und schließlich - wo ist das Gold, welches etwa angezeigt wird? Es kann viele Kilometer unter der Erde liegen, es kann in einer Verbindung auftreten, nur ein einzelnes Goldstückchen sein, zufällig dorthin geraten, statt der mächtigen Goldader findet man einen unter dem Staube liegenden Goldring, auf den die Rute heftig schlug.

Uebrigens ist der Erfolg der sogenannten Wünschelrute in neuester Zeit glänzend bestätigt worden. Algier besitzt große Wüsteneien. Im Volke ging die Sage, darunter flössen Wasserströme. Ingenieure ließen es sich angelegen sein, danach zu forschen, obgleich die ganze Gegend gar nicht dafür sprach, gruben und bohrten und fanden nichts und verwünschten den Volksaberglauben. Ein junger, französischer Ingenieur aber machte den Versuch mit dem Elektrometer, die Rute schlug an, er bestimmte schon im voraus die Wasserläufe, ließ sich durch die Tiefe, nicht abschrecken und fand unterirdische Ströme. Da diese jetzt ausgenutzt werden, dürften sich die meisten Gegenden des südlichen Algiers bald in blühende Gefilde umwandeln. -

Nobody kannte das alles seit langem, und überzeugt von dem Vorhandensein geheimnisvoller, noch nicht erklärter Naturkräfte, glaubte er auch an die Wünschelrute.

Seine Meinung über Jean Matelas änderte sich.

Der Mann fing es ganz gescheit an, Aufnahme in die Expedition zu finden. Er schien sogar die Gedanken Nobodys in gewissem Sinne erraten zu haben; denn dieser war bereits entschlossen gewesen, sich der Wünschelrute beim Aufsuchen der Goldfelder mit zu bedienen.

>Na, warte, Freundchen,< dachte er, >mich fängst du doch nicht, aber mitkommen sollst du!<

»Wie nennt Ihr Euch?« fragte er.

»Joe Bertram!«

»Ihr könnt also kochen?«

»Vorzüglich!«

»Seit wann wißt Ihr, daß die Wünschelrute in Eurer Hand sich bewegt?«

»Schon seit langer Zeit!«

»Ihr seid mit einer Prüfung Eurer Fähigkeit einverstanden?«

»Jawohl. Prüft mich!«

»So geht hinaus, laßt Euch zu essen geben und haltet Euch bereit, auf meinen Ruf zu erscheinen!«

Der Mann, Jean Matelas also, entfernte sich. Er hatte durch keine Miene verraten, daß er den vor ihm Stehenden kannte. Er spielte seine angenommene Rolle gut, und seine List wäre ihm sicher geglückt, wenn er es eben nicht mit Nobody zu tun gehabt hätte.

Dieser schritt schweigend mehrmals durch das Zimmer - dann hatte er seinen Plan gefaßt. Er rief Sam, befahl ihm, den Fremden daran zu hindern, daß er ins Freie blicken könne, begab sich hinaus und machte sich an verschiedenen Stellen der Umgegend kurze Zeit zu schaffen.

Bald kehrte er zurück und rief Joe Bertram zu sich. Sam mußte sie begleiten.

Die Augen geradeaus gerichtet, die Spitze des Fischbeinstabes etwas über dem Boden in vorgestreckter Hand, folgte Bertram dem vorausgehenden Nobody.

Plötzlich blieb der Mann stehn.

»Die Rute schlägt.«

Allerdings bewegte sich das Stöckchen heftig, berührte auch manchmal den Boden.

Nobody gab dem Manne nacheinander ein Goldstück, eine Silbermünze und einen Eisennagel in die Hand.

Die Rute bewegte sich nicht mehr; kaum aber hatte Nobody ihm eine Bleikugel in die Hand gegeben, als die Rute den Boden förmlich peitschte.

»Es stimmt! Bravo! Ich habe ein Stück Blei hier vergraben.«

So glückten sämtliche Versuche bis auf einen.

Nobody führte Bertram mehrmals über einen Platz, wo er etwas vergraben hatte - die Rute schlug nicht an.

»Fühlt Ihr denn gar nichts?«

»Gar nichts.«

Er gab ihm ein Goldstück in die Hand.

»Aber jetzt?«

»Auch nichts.«

Da Nobody an dieser Stelle eine gleiche Münze vergraben hatte, warf er selbst die Erde auf - er fand nichts - das Goldstück war mittlerweile von unbekannter Hand gestohlen worden.

Die Wünschelrute hatte die Probe glänzend bestanden. Joe Bertram ward in die Gesellschaft aufgenommen. Er triumphierte insgeheim, und Nobody hütete sich wohlweislich, ihn darin zu stören.

Die Expedition brach auf, und Joe Bertram erwies sich als vortrefflicher Koch. Er bereitete aus den mitgenommenen Konserven schmackhafte Speisen, und zwar mit Hilfe von Kräutern, die er selbst suchte, sobald die Gesellschaft sich irgendwo gelagert hatte.

Am fünften Tage nach dem Aufbruch erreichte der Zug die Gegend, in der Indian Bill damals mit dem alten Trapper geweilt hatte.

Nobody erkannte sie sofort an verschiedenen Merkmalen, von denen kein andrer Mensch außer dem Colonel etwas wissen konnte und schärfer als zuvor beobachtete er den angeblichen Joe Bertram.

Derselbe war jedoch auf seiner Hut. Er tat seine Pflicht als Koch, und willig nahm er die Wünschelrute zur Hand, wenn sein Herr ihm das befahl.

Indian Bill war von hier aus nur etwa eine Stunde weit durch den alten Trapper geführt worden. Die Goldfelder mußten also in unmittelbarer Nähe liegen.

»Ich muß sie entdecken, auch ohne daß ich mich nach dem Plane orientieren kann. Das scheint ja sowieso nicht leicht zu sein, denn sonst hätte Matelas schon längst den größten Teil der Schätze in Sicherheit gebracht. Freilich, was ihm nicht möglich war, würde mir sofort mit Hilfe der Zeichnung gelingen, doch wozu bin ich denn Nobody? Es wird bedeutend besser klingen, wenn in >Worlds Magazine< steht, ich fand das Gold ohne Plan, nahm den Dieb erst nachträglich gefangen, als wenn es heißt, ich fing den Dieb, nahm ihm den Plan ab und entdeckte nach seiner Anweisung die verschwundenen Goldschätze! Also los, Nobody! Zeige, was du kannst!«

Vergebens durchstreifte er jedoch mit Joe Bertram und Sam die ganze Gegend. Man fand keine Goldfelder. Niemand aus der Gesellschaft ahnte, daß der vermeintliche Cutting Knife, Nobody, den Dieb dadurch nur vollständig sicher machen wollte.

In Wahrheit hatte Nobody schon die wichtigste Entdeckung gemacht - er hatte den herrlichen Wald gefunden, den der alte Trapper so geliebt!

Oftmals entfernte Nobody sich allein aus dem Lager. Einen Vorwand fand er immer, selbst Bertram, Matelas, konnte keinen Argwohn deswegen fassen. Er fühlte sich übrigens ja immer noch schon im voraus als Sieger über Cutting Knife.

Einmal, als man sich zeitig in einer gebirgigen Gegend gelagert hatte, sah Nobody in der Ferne eine wilde, kalifornische Ziege weiden, eines jener prächtigen Exemplare mit langen, weißen Haaren und gewaltigen Hörnern, dem Steinbock ähnlich.

Sofort beschloß Nobody die Jagd auf das Tier, um eine neue Durchforschung der Gegend vornehmen zu können.

Der Bock witterte ihn zwar, doch war er sich über die Anwesenheit des Feindes noch im unklaren, er floh nicht, sondern zog sich nur langsam zurück, so daß ihm Nobody kriechend folgen konnte, ohne aber zum Schuß zu kommen.

Es ging über Felsabhänge und grasige Plateaus hinweg, und auf einem solchen sah das scheue Tier den Gewehrlauf in der Sonne blitzen - in mächtigen Sätzen floh es davon.

Nobody glaubte, ihm nochmals den Weg abschneiden zu können; in rasender Geschwindigkeit sauste er rutschend einen Abhang hinunter, er erblickte das Tier wieder, wie es über eine Spalte setzte, dann war es verschwunden.

Sofort eilte Nobody hin und bemerkte, daß der Bock seine Flucht in eine Kluft genommen hatte, die gar nicht aussah, als hätte sie eine Fortsetzung, denn im Hintergrund erhob sich die Wand. Trotzdem mußte ein Ausgang vorhanden sein, denn das Tier war nirgends mehr zu erblicken.

Nachdem Nobody daher die Spalte übersprungen hatte, drang er in die Kluft ein und entdeckte bald einen schmalen Paß, so eng, daß ein Mann sich eben noch hindurchzwängen konnte.

Das war die Gegend, in der allein die Goldfelder liegen konnten. Sollte er ihre Entdeckung nur dem Zufall verdanken, der das flüchtende Wild gerade hierher geführt hatte? Dann wäre das Weitere keine Arbeit mehr gewesen, würdig eines Nobody.

Doch nein! Gerade hier begann ja erst die eigentliche Aufgabe für ihn, denn weiter hatte ja Indian Bill auch nichts anzugeben vermocht, als daß der Trapper ihn in eine derartige Gegend geführt habe. Dann waren ihm die Augen verbunden worden.

Nobody drang vorwärts. Bald erweiterte sich die Schlucht, andre Pässe zweigten nach links und rechts ab, es war ein förmliches Labyrinth. Da breitete sich plötzlich vor Nobody, umgeben von himmelhohen Felswänden, ein liebliches Tal aus, in dessen Mitte sich ein herrlicher Wald erhob.

Wie hatte der alte Trapper gesagt? Er wolle nicht, daß die Axt der habgierigen Goldsucher seinen Lieblingswald zerstöre. Die Felsmauern ringsum waren nicht die Abhänge eines Plateaus, sondern schlossen nur das Tal ein. Hier mußte die Höhle mit den goldnen Schätzen liegen.

Nobody kehrte in das Lager zurück, ohne von seiner Entdeckung zu sprechen.

Am nächsten Morgen aber führte er selbst seine Begleiter durch die Schlucht hinab in den Wald.

Ja, war es denn nicht gewagt, daß er den Männern den Ort zeigte? Konnten die Leute nicht, von Habgier getrieben, daran denken, ihren Führer aus dem Wege zu räumen, um das Gold für sich behalten zu können? Sie dachten nicht daran; denn wenn ihre Expedition erfolgreich war, dann mußte auf jeden von ihnen ein derartiger Gewinnanteil fallen, daß sie reiche Leute wurden.

Um den Schein zu wahren, mußte Joe Bertram mit der Wünschelrute voranschreiten. Sie zuckte nicht, bewegte sich nicht. Es ging hin und her, kreuz und quer, im Bogen, viele, viele Stunden lang - die Rute gab kein Zeichen von sich.

»Hier ist nichts, Herr,« sagte Joe, »kein Gold, kein Eisen, keine Kohle, kein Wasser, gar nichts!«

Die Versuche wurden wiederholt, indem Bertram ein Goldstück in die Hand nahm, so daß die Rute direkt auf Gold, aber nur auf dieses, anschlagen mußte, doch der Elektrometer sagte nichts.

Die Leute murrten bereits.

Nobody nahm das Goldstück wieder an sich.

Sofort schlug die Rute heftig gegen den Boden.

Man grub nach und fand eine starke Wasserader, die dem Boden als förmlicher Sprudel entsprang. Sie mußte demnach unter starkem Druck stehn.

Das Lager ward daneben aufgeschlagen.

Niemand ahnte ja, daß Joe Bertram ein Betrüger war, der die Rute nur in Tätigkeit treten ließ, wenn es ihm beliebte.

Die zwei Zelte, eins für die Goldgräber, ein kleineres für Nobody, waren aufgeschlagen und Feuer angezündet worden.

Joe Bertram wollte sich wieder einmal aus dem Lager entfernen.

Nobody rief ihn an:

»He, Joe, wohin geht Ihr?«

»Wie immer, Kräuter holen.«

»Hier wächst ja nichts!«

»Ich habe dort oben welche stehn sehen.«

»Es ist ja stockfinster. Ihr brecht den Hals!«

»Ich habe mir die Stelle genau gemerkt, in fünf Minuten bin ich wieder da.«

Er verschwand in der Nacht. Erst nach einer Viertelstunde kam er wieder, Kräuter und Wurzeln mitbringend.

Die Kessel hatten schon gekocht. Joe tat das Pflanzenwerk hinzu, ließ es noch einmal kochen und hatte bald, wie immer, ein schmackhaftes Gericht bereitet, für Nobody ein besonderes.

Das hatte dieser zuerst gar nicht gewollt; aber Joe ließ es sich nun einmal nicht nehmen, für den Führer der Expedition besonders und etwas Besseres zu kochen. Die Vorräte erlaubten es schließlich auch, und so hatte Nobody dem Eigensinn des Kochs nachgegeben.

Die Goldgräber schöpften also aus dem gemeinsamen Kessel ihre Näpfe voll und aßen. Es wurde noch eine Pfeife geraucht, dann legte man sich schlafen. Nur Sam saß eine Weile stumm da, ging oder schleppte sich darauf zu Nobody und gestand ihm, daß er krank sei.

Was sollte man hier mit einem Kranken anfangen?

Sam begann sofort nach dieser Erklärung zu wimmern, warf sich hin und krümmte sich.

»Hast du Fieber? Wo tut es dir weh?«

»Im Leib!«

Nobody ließ sich die Zunge zeigen, sich anhauchen, fühlte den Puls, der trocken und langsam schlug.

Sam heulte vor Schmerzen.

Noch einmal blickte ihm Nobody lange ins Auge. Die Pupille war merkwürdig groß.

»Fast möchte ich glauben, es wäre eine Vergiftung - etwa mit Belladonna.«

Unterdrückte Schreie erschollen, fast ebensoviel, wie es Goldgräber gab, so viel Revolver blitzten in den Händen, auf Joe gerichtet.

»Hund, du hast uns vergiftet!«

Ueber Goldgräber, die sich, nachdem sie den Schatz gefunden, gegenseitig töten, um nicht teilen zu müssen, gibt es zahllose Geschichten, und ob sie nun wahr oder erfunden sind - es wäre nichts Neues.

Jedenfalls hat Gift unter den Goldsuchern schon eine große Rolle gespielt.

Nobody war unvorsichtig gewesen, als er das Wort ausgesprochen hatte.

Der Koch stürzte auf ihn zu.

»Herr, schützt mich, sie wollen mich morden!«

»Unsinn,« donnerte Nobody, »wie kann Joe daran schuld sein! Er hat doch von dem Gericht mitgegessen. Fühlt sich etwa einer von Euch unwohl?«

Beschämt wurden die Waffen gesenkt.

Sam begann zu röcheln, sein Gesicht war verzerrt.

»Heißes Wasser!« gebot Nobody, öffnete die von San Francisco mitgenommene Reiseapotheke und flößte ihm Brechweinstein ein.

Heftiges Erbrechen stellte sich ein, und das half schon allein. Sam kam wieder zur Besinnung, wenn auch noch über heftige Schmerzen im Leib klagend.

»Ihr werdet von jetzt ab Eure Kräuterzutaten unterlassen, Joe,« gebot Nobody.

»Glaubt Ihr, ich wäre fähig, jemanden zu vergiften?«

»Davon ist keine Rede. Ich will es einfach nicht mehr haben.«

»Oder denkt Ihr, ich kenne nicht alle giftigen Kräuter?«

»Seid Ihr Kalifornier?«

»Geborener Kalifornier,« entgegnete Joe schnell.

»Woher?«

»Aus Santa Michaele.«

»Ach was, da bin ich ja auch her!« rief ein Goldgräber.

»Ich kam schon als kleines Kind fort - weiß nichts mehr davon,« meinte Bertram.

»Genug, ich wünsche nicht mehr, daß Ihr Kräuter und Wurzeln in das Essen tut. Es schmeckt uns auch so.«

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