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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15520 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Der Koch brummte etwas vor sich hin.

Joe Bertram hatte den ersten Versuch gemacht, die Gesellschaft aus dem Wege zu räumen. Nobody zweifelte keine Minute daran, daß Sam Gift bekommen hatte. Er stellte sich nur so, als wenn er an einen tückischen Zufall glaubte. Schärfer als je beobachtete er den Koch.

Am nächsten Tage machte Nobody einen Versuch mit dem Magneten.

Das Taschenmesser, das er bei sich führte, hatte er magnetisiert - durch Streichen mit demselben verwandelte er eine Nähnadel in eine Magnetnadel, hing sie an einem Faden auf, nahm diesen in die Hand, ein Goldstück dazu - sofort wies die Nadel nach Osten.

Das Experiment war geglückt. Nobody steckte die Nadel in das Rockfutter, das Messer in die Tasche.

Er hatte sich in geraumer Entfernung von dem Lager befunden, anscheinend ganz allein, aber er hatte sofort den hinter einem Gebüsch versteckten Joe Bertram bemerkt.

Als Nobody am nächsten Morgen erwachte, waren Taschenmesser und Nähnadel verschwunden. Er lächelte. Jetzt brauchte er die Schlinge nur noch zuzuziehen, und der Dieb, Jean Matelas, war gefangen.

Am Abend wollte der Koch sich abermals, trotz des Verbotes, aus dem Lager entfernen.

»Joe, wohin?« rief Nobody ihn an.

»Kräuter holen!«

»Ihr bleibt!«

»Ah, Euch wird das Essen nicht schmecken,« entgegnete Joe und wollte weitergehn.

Sofort war Nobody neben ihm. »Zurück, Mann! Ihr bleibt!«

»Ihr habt mich in Verdacht!« stellte Joe sich gekränkt.

»Schweigt und gehorcht! Gegen meine Befehle gibt es keine Auflehnung.«

Da legte der Koch sich neben dem Lagerfeuer nieder.

Der Marsch ward am nächsten Tage in der Richtung nach Osten fortgesetzt. Die Wünschelrute kam diesmal nicht zur Anwendung.

Da, als die Männer um eine Felswand bogen, trafen sie mit einem großen Trupp Indianer zusammen.

Alle waren zu Fuß und bewaffnet, aber nur wenige mit Gewehren, mit alten Feuersteinflinten, alle mit Federn geschmückt und bemalt, woraus Nobody erkannte, daß sie sich auf dem Kriegspfade befanden.

Die Indianer Kaliforniens, jetzt etwa noch 8000, stehn von allen Stämmen Nordamerikas auf der niedrigsten Stufe.

Nicht, daß sie ihnen an scharfen Sinnen, Kampfeslust und so weiter nachständen, aber man vermißt an ihnen alle ritterlichen Eigenschaften und Tugenden, welche jene doch wenigstens zum Teil besitzen, wie zum Beispiel Gastfreundschaft, Halten des gegebenen Wortes. Sie sind feig, hinterlistig, treulos, verräterisch und dem Trunke über alles ergeben.

Eine Feindseligkeit der Indianer war jetzt allerdings ganz ausgeschlossen, sie kannten die Wirkung der Hinterlader.

Ein mit Federn überladener Krieger trat vor, Nobody ging ihm entgegen, Zeichen des Friedens machend.

Der Häuptling redete ihn an, aber in einem Dialekte, den selbst der sprachengewandte Detektiv nicht sofort verstand. Der Indianer hatte das kaum gemerkt, als er fortfuhr:

»Die Comanchen sind Freunde des fliegenden Pfeiles.«

»Und die Comanchen sind auch meine Freunde,« erwiderte Nobody sofort in deren Sprache, »so bin ich also auch dein Freund.«

»Der fliegende Pfeil freut sich darüber.«

»Mein Bruder ist Häuptling?«

»Häuptling der Moquis,« war die stolze Antwort. »Seine Macht reicht so weit, wie die Sonne scheint.«

»Ich weiß es. Kennst du mich?«

»Wie heißt mein Bruder?«

»Cutting Knife!«

»Das schneidende Messer? Die Comanchen erzählen, Cutting Knife sei versammelt in die ewigen Jagdgründe,« sagte der Häuptling ungläubig.

»Cutting Knife steht vor dir!«

»Wo hat mein Bruder das tötende Rohr?«

Diese Frage hatte Nobody erwartet, denn für die Indianer mußten die Begriffe >schneidendes Messer< und >tötendes Rohr< unzertrennlich bleiben.

>Schneidendes Messer< nannte man den berühmten Westmann, weil die Sage von ihm ging, daß er die Gegner, die einen Kampf mit ihm wagten, zwar stets besiege, aber niemals töte. Er schnitt ihnen nur mit dem Messer ein Zeichen ins Gesicht.

Das >tötende Rohr< aber war die nie ihr Ziel fehlende Winchesterbüchse Cutting Knifes. Wer sich für diesen ausgab, mußte sie besitzen.

»Hier!« antwortete also Nobody und zeigte das Gewehr.

»Beweise, daß es das tötende Rohr ist!«

Nobody blickte nach oben und sah in der Luft über sich einen Raubvogel schweben, nicht größer als ein Bussard, das heißt, von der Erde aus gesehen.

Er riß die Winchesterbüchse hoch, zielte einen Moment und drückte ab.

Sofort klappten die Flügel des Vogels in die Höhe; mit wachsender Geschwindigkeit sauste er herab, sich ungeheuer vergrößernd.

»Wah!« schrie der Häuptling und prallte zurück, desgleichen seine Krieger.

Der Vogel stürzte zwischen die Felsen; einige Indianer kletterten über die Steine und brachten einen riesigen Adler geschleppt, von wenigstens drei Meter Flügelspannweite, dem die Kugel den Kopf abgerissen hatte.

Wie hoch mußte das Tier geschwebt haben, um wie ein Bussard auszusehen!

Wie alle wilden Völker, so zollen die Indianer nicht dem Schützen, sondern dem Gewehre Bewunderung.

Der Häuptling streichelte es.

»Ha, mein Bruder hat das tötende Rohr in der Hand.«

»Und dies sind meine Krieger, sie haben ebensolche Rohre wie ich, die stets treffen.«

Nobody schoß zehnmal hintereinander aus dem Gewehr, ohne zu laden. Er hatte noch immer fünf Patronen im Magazin.

»Wir brauchen nie zu laden. Auch nicht diese Pistolen.«

Er feuerte drei Kugeln aus einem Revolver nach einem aus einer Spalte wachsenden Baum, so daß sie nebeneinander saßen.

Das Erstaunen der Indianer wuchs, nicht über den Revolver, den sie kannten, sondern über diese Treffsicherheit.

»Und so wie ich, entsenden alle meine Krieger ihre Blitze. Wir fehlen nie das Ziel. Was meint der fliegende Pfeil, könnten wir es nicht mit 1000 Indianern aufnehmen?«

Der Häuptling streichelte wieder liebevoll das Gewehr und betrachtete dann seine alte Donnerbüchse.

»Wenn der fliegende Pfeil das hätte, wäre er der Häuptling aller Häuptlinge. Der fliegende Pfeil möchte auch so ein Gewehr haben.«

»Ich bin der Häuptling der Stämme, die dort jenseits der Berge bis ans Meer wohnen,« versetzte Nobody.

»Meines Bruders Zunge ist gespalten,« erwiderte der fliegende Pfeil. »Er redet nicht die Wahrheit!«

»Der fliegende Pfeil mag sich hüten vor dem Zorn des Cutting Knife.«

»Wir sind arm und haben Hunger,« lenkte der Häuptling, in dessen Reiche die Sonne nicht unterging, ein. »Wenn mein Bruder der Häuptling aller Häuptlinge ist, wird er seine Krieger nicht verhungern lassen.«

Nobody ließ ihnen Hartbrot und Pemmikan geben, über das die Rothäute sich sofort hermachten.

»Der fliegende Pfeil hat Durst,« meinte dann der mit vollen Backen kauende Häuptling.

»Dort fließt Wasser.«

»Der fliegende Pfeil ist krank, Gin besser.«

Gin ist Wachholderschnaps, den der Häuptling wahrscheinlich sehr liebte.

»Ich habe keinen Gin.«

Der Häuptling kniete nieder, nahm einen Schluck Wasser und spuckte es wieder aus.

»Puh, schlecht. Der fliegende Pfeil und seine starken Krieger werden davon schwach und krank.«

»Ich habe keinen Gin.«

»Rum?«

»Nein.«

»Brandy?«

»Auch nicht!«

»Whisky?«

»Ueberhaupt gar nichts, wir führen kein Feuerwasser mit uns.«

»Schade!«

Wieder streichelte der fliegende Pfeil das Gewehr Nobodys und betrachtete dann das seine.

»Meins ist besser.«

»Ich glaube auch.«

»Ich schenke es dir, wenn du mir deins dafür gibst, dann sind der fliegende Pfeil und Cutting Knife Freunde.«

Da legte Nobody ihm die Hand auf die nackte Schulter, so fest, daß der Häuptling eine Grimasse schnitt.

»Nun will ich dir etwas sagen, fliegender Pfeil. Jetzt marschierst du geradeaus und wir geradeaus, und wenn du andre Gedanken hegst, so fahren unsre Blitze zwischen euch! Good bye!«

Nobody gab Befehl, den Weg fortzusetzen, ohne nur einmal den Kopf zu wenden, ließ seine Leute an sich vorbei und bildete den Schluß.

Auch er blickte sich nicht um, zog aber einen kleinen Spiegel aus der Tasche und beobachtete in diesem die Zurückbleibenden.

Erst sahen die Indianer den Fortziehenden nach, dann steckten sie die Köpfe zusammen, bis der Zug hinter einer Ecke verschwand.

Nobody blieb hinten. Er kannte die Rothäute Kaliforniens genau und war auf einen Ueberfall gefaßt.

Stundenlang ereignete sich nichts.

Da aber prasselte es plötzlich von oben herab. Steine und sogar Felsblöcke.

Die vordersten prallten entsetzt zurück; nur dadurch, daß die Blöcke zu zeitig herabgestürzt waren, entgingen sie dem Tode. Eine Sekunde später, und der ganze Zug wäre unter den Steinen begraben gewesen.

»An die Wand, mir nach!« schrie Nobody.

Gleichzeitig krachten von hintenher Schüsse; Pfeile zischten durch die Luft; dann auch von vorn. Ein überhängendes Felsstück, eine Art Grotte bildend, bot den Angegriffenen vor von oben herabgeschleuderten Steinen Schutz.

Vorläufig aber hatte nur Nobody Gelegenheit, zweimal zu schießen, nach roten Körpern, die sich hinter Felsvorsprüngen zeigten.

Schmerzensrufe verrieten, daß er getroffen hatte.

Dann war alles wieder totenstill, nur der Bach murmelte.

»Diese Canaillen, ich dachte es mir doch,« sagte Nobody. »Sie wollen uns aus dem Hinterhalt niederschießen, ehe wir sie zu sehen bekommen. Gebt acht nach beiden Seiten! Ist jemand verwundet?«

Einer der Männer hatte eine Kugel im Arm, ein andrer einen Pfeil durch den Hals. Zuerst entfernte Nobody den Pfeil und verband die Wunde. Er gab den röchelnden Mann von vornherein auf. Die Kugel entfernte er auf der Stelle. Nobody war jetzt ganz Cutting Knife, der Westmann. Auch Pferde und Maulesel zeigten Verwundungen.

Es wurde bald Abend; Nobody gedachte hier zu übernachten. Gefährlich war die Lage durchaus nicht. Von oben waren sie durch den Felsen geschützt, die beiden Seiten konnten sie mit Kugeln bestreichen.

Das Herauskommen mußte bei Nacht versucht werden, doch war vorläufig nicht daran zu denken, denn der Verwundete ging seinem Ende entgegen und war auch nicht transportfähig, selbst wenn man ihn auf ein Pferd gebunden hätte. Liegen lassen wollte Nobody den Unglücklichen selbstverständlich ebensowenig. Feuer wurden angezündet und die Wachen verteilt.

Joe Bertram, der Dieb, verhielt sich vollständig schweigsam. Nobody aber wußte, daß der Schurke gelegentlich einer seiner Streifereien auf die Moquis getroffen war und sie bewogen hatte, die Gesellschaft anzugreifen.

Es war Zeit, daß die Abrechnung erfolgte, dem Elenden die Maske vom Gesicht gerissen wurde. Nobody aber wollte einen Teil der Strafe, die er demselben zugedacht hatte, darin bestehn lassen, daß er ihm die Goldfelder zeigte, die er nicht zu finden vermocht hatte. Welche Qualen mußte dem Verbrecher der Anblick der unermeßlichen Schätze bereiten, die er vergebens zu heben gehofft hatte, während er sie nun als Gefangener zu sehen bekam.

Die Nacht verging ohne Behelligung durch die Indianer.

Gegen Morgen starb der Schwerverwundete und wurde an Ort und Stelle so feierlich begraben, wie die Verhältnisse es zuließen.

Eben war man damit fertig, als ein Indianer um die Ecke kam, ohne Waffen, einen grünen Zweig schwingend - ein Unterhändler.

Zögernd näherte er sich, manchmal zurückblickend, dann ein paar Schritte gehend, den Zweig schwingend, wieder ängstlich sich umsehend - kurz, ein Bild der Hasenherzigkeit.

»Zehntausend Augen sehen auf mich!« rief er schon von weitem. »Wenn ihr der Biberratte etwas zu leide tut, treffen euch zehntausend Pfeile und zehntausend Kugeln! Kann die Biberratte mit dem schneidenden Messer reden?«

»Die Biberratte ist sicher,« erwiderte Nobody, »das schneidende Messer tötet keinen Wehrlosen.«

Er stellte die Büchse hin, schnallte den Gürtel ab, zur Vorsicht einen Revolver einsteckend, brach ebenfalls einen grünen Zweig ab und ging dem Indianer entgegen.

Der Inhalt der zehn Minuten währenden Unterhaltung war, daß der Häuptling zehn Schießwaffen forderte, um mit einem benachbarten Stamme Krieg zu führen, denn die Bleichgesichter hätten ja die dreifache Anzahl derselben, dafür sei der fliegende Pfeil ewiger Freund des schneidenden Messers; wenn ihm aber das Geschenk, das er auch als Tribut betrachten dürfe, abgeschlagen würde, so wolle er die Blaßgesichter vernichten. Die Macht habe er dazu, weil er sich mit mehreren Stämmen verbünden habe, so daß jetzt dort hinter der Felsenecke mehr als fünftausend tapfere Krieger ständen.

Nobody wies die freche Forderung zurück.

Sie trennten sich, und es war gut, daß Nobody schnell in sein schützendes Versteck sprang, denn kaum war die Biberratte aus der Schußlinie, als von allen Seiten Pfeile schwirrten und Kugeln pfiffen, die jedoch unschädlich an die Felsenwand prallten.

Selbstverständlich hätte Nobody sich durch die Indianer nicht einen Augenblick abhalten lassen, seinen Weg fortzusetzen, wenn er allein gewesen wäre. So aber fühlte er sich verantwortlich für das Leben seiner Begleiter, und vor allem wollte er Jean Matelas nicht entschlüpfen lassen.

Früher oder später mußte dieser sich offen als Bundesgenosse der Rothäute bekennen und gemeinsame Sache mit ihnen gegen die Goldsucher machen.

Niemand außer Nobody wußte natürlich darum, daß der Verräter mitten im Lager weilte, und niemand außer Nobody ward daher gewahr, wie Joe Bertram sich in der folgenden Nacht heimlich fortschlich - zu den Indianern. Mit ihrer Hilfe wollte er den vermeintlichen Cutting Knife und dessen Begleiter vernichten. Hatte er dies erreicht, dann war es für den Schuft eine Kleinigkeit, die Moquis mitsamt dem fliegenden Pfeil durch vergifteten Branntwein in die ewigen Jagdgründe zu befördern.

Die Nacht verging ohne Zwischenfall. Die Goldsucher hatten genügend Proviant. An Wasser fehlte es ihnen auch nicht, denn die Quelle, die man erbohrt hatte, floß durch das Tal, und vor den Geschossen der Indianer schützten die Felswände

Da erscholl plötzlich von einer Seite des Engpasses her ein gellendes Geheul.

Alle griffen zu den Waffen, doch kein Angriff erfolgte.

Nobody ahnte, was das Triumphgeschrei zu bedeuten hatte.

Jean Matelas, wie wir den Dieb der Pläne nun wieder nennen wollen, hatte seine Arbeit begonnen. Er hatte den Indianern den ersten Ratschlag erteilt, wie sie die Weißen vernichten könnten, ohne sich selbst einer Gefahr auszusetzen.

Der Bach, der der erbohrten Quelle entströmte, versiegte auf einmal - zum größten Schrecken der Goldsucher.

Nobody lächelte nur, der kräftige Sprudel mußte sich, wenn man ihn verstopfen wollte, rasch wieder Bahn brechen.

Bald strömte denn auch das Wasser wieder durch die Schlucht.

Einer der Männer schöpfte sich ein Gefäß voll und wollte trinken.

»Gebt erst einem Tiere davon!« warnte Nobody. »Das Wasser könnte vergiftet sein!«

Die Probe ward gemacht. Das Wasser war nicht vergiftet.

Die Nacht brach an, ohne daß sich ein Indianer hätte sehen oder hören lassen.

Als der Mondschein nicht mehr in den Engpaß fiel, ordnete Nobody den Abmarsch an. Ohne einmal gestört zu werden, bewegte sich der Zug bis zum Morgen zwischen den schmalen Felswänden hin, und als die Sonne aufging, befand sich die Expedition wieder in dem Tale mit dem Wäldchen.

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