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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15415 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Offenbar hatten die Indianer den Versuch aufgegeben, die >tötenden Rohre<, die Waffen der Bleichgesichter zu erbeuten.

Jetzt machte Nobody kein Hehl mehr daraus, daß er die Goldfelder bereits gefunden hatte. Er bediente sich der Wünschelrute, nahm ein Goldstück in die Hand, und sofort schlug die Spitze heftig gegen den Boden.

»Ich habe die Goldfelder, welche Indian Bill nicht wiederzufinden vermochte, von neuem entdeckt,« sagte Nobody feierlich, »und ergreife im Namen der Vereinigten Staaten Besitz von dem Goldfelde, auf dem ich stehe.«

Wenn man auch noch kein Goldkörnchen blitzen sah, so war das doch so überzeugend gesprochen, daß die Leute von einem wahren Freudentaumel erfaßt wurden. Sie tanzten, umarmten sich, schrien hip hip Hurra und begannen planlos in der Erde herumzuhacken.

Dennoch hatte es Erfolg.

Als man etwa einen Meter tief in die Erde gedrungen war, stieß die Hacke auf etwas Hartes, noch einige Hiebe, und ein faustgroßes Stück Gold flog vor die Füße des Gräbers, einige Spatenstiche, und die glänzende Fläche einer Ader von gediegenem Gold lag vor den Augen der Leute.

Die Gemütserschütterung bei diesem Anblick war eine so heftige, daß zuerst minutenlang eine Totenstille eintrat. Dann war das Benehmen der Leute ein derartiges, wie es nur der übermäßige Genuß von Alkohol hervorruft. Wie Trunkene taumelten sie umher, vermochten die Hacken kaum noch in den zitternden Händen zu halten und führten nur schwache, unsichere Hiebe.

»Dort sind die Rothäute wieder - Vorsicht!« rief Nobody.

Auf den hohen Felswänden, an verschiedenen Stellen, sich gegen den blauen Himmel scharf markierend, standen halbnackte Gestalten und spähten ins Tal hinab.

Nobodys Ruf war gar nicht gehört worden. Und wenn die Indianer jetzt gekommen wären und die Leute beschossen hätten, diese wären schwerlich zur Besinnung gekommen. Hier befand sich ja Gold, Gold, Gold! Wenn es auch nicht direkt ihnen gehörte, so kam doch immerhin ein Anteil auf sie, der sie in einem Tage zu steinreichen Männern machen konnte.

Ein Beschießen von diesen himmelhohen Felswänden, die das Tal von allen Seiten wie einen Kessel einschlossen, war jedoch überhaupt unmöglich. Ebensowenig trug Nobodys Gewehr trotz seiner enormen Durchschlagskraft hinauf.

Die Felsen waren steil wie künstliche Mauern, ein Erklimmen war ganz unmöglich, kein Pfad führte hinauf, kein zweiter Engpaß hindurch.

Wie aber, wenn die Indianer den Zugang besetzt hielten, der so schmal war, daß nur eben ein Mann hindurch konnte, so daß man sogar die Maultiere hatte entlasten müssen, um sie hindurchzubringen?

Ein einziger Mann hätte diesen Paß gegen ein ganzes Regiment verteidigen können, bald wäre die Spalte durch Leichen verstopft gewesen.

Nun, das würde sich finden, überhaupt war es jetzt nicht möglich, mit den Leuten darüber zu sprechen.

Sie wollten Gold, Gold sehen, ihre Taschen damit füllen, ganz nutzlos, hackten immer weiter, und Nobody kam so wenigstens zur Ueberzeugung, daß durch das ganze Tal eine einzige Goldader lief. Wo die Hacke auch einschlug, etwa einen Meter unter der Erde, traf sie auf das gediegenste Gold. Wie dick die Schicht war, konnte man noch nicht bestimmen. Aber Indian Bill hatte ja von einer schräg hinabführenden Höhle gesprochen, deren Wände und Fußboden auch golden gewesen waren.

Nobody schickte die Leute einzeln aus, Grabversuche an den verschiedensten Stellen zu machen, behielt aber einen Haupttrupp immer zusammen. Er selbst kontrollierte die Grabversuche. Ueberall und überall stieß man auf Gold, und wenn dies im Tale selbst der Fall war, so mußten die dasselbe umschließenden Felsen mindestens goldhaltig sein.

Der alte Trapper hatte ganz recht gehabt; bald würde der schöne Wald dort unter den Aexten der Beutelustigen gefallen sein, und wie lange würde es noch dauern, so wurden auch diese gewaltigen Felsmassen auseinandergesprengt - das romantische Tal verwandelte sich in einen Trümmerhaufen.

Wohlan, sei es, dachte Nobody, in den Händen kunstsinniger Menschen wird dieses Gold aus Wüsteneien neue Paradiese hervorzaubern und sie mit Denkmälern unsrer Zeit schmücken.

Nobody selbst suchte nach der geheimnisvollen Höhle, und - er fand sie.

An einer Stelle der Schlucht lagen in wildem Durcheinander mächtige Steinblöcke. Es war, als habe vor langer Zeit ein Felssturz hier stattgefunden.

»Na,« sagte Nobody zu sich selber, »ich habe nun schon eine Menge Höhlen entdeckt, meist ohne viel Nutzen davon zu haben, da müßte es doch mit dem Teufel zugehn, wollte ich diese hier nicht finden!«

Prüfend ließ er seine Blicke über das steinerne Meer schweifen, stutzte eine Sekunde und trat dann auf einen mächtigen Block zu.

Nur das scharfe Auge des Detektivs hatte zu sehen vermocht, daß dieses Felsstück nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle lag. Es war einmal von seinem Platze gerückt worden.

Sofort stemmte Nobody die Schulter gegen den Koloß. Eine furchtbare Kraftanstrengung - die gewaltige Masse rollte zur Seite - der Eingang zur Höhle oder besser zum unterirdischen Gange war entdeckt!

Nobody rief die Leute herbei.

»Zündet trockne Aeste an,« gebot er.

Der schräg hinabführende Gang, dessen Decke hier mächtige Steinplatten bildeten, in denen es auch schon von Gold flimmerte, erweiterte sich schnell, und bald standen die Männer in der geräumigen Höhle und mußten die Augen schließen vor dem Glanze, den die Fackeln von den Wänden zurückwarfen. Indian Bill hatte nicht übertrieben, im Gegenteil, er hatte bescheiden geschildert. Die Leute konnten die Goldklumpen auflesen, mit dem Meißel Tafeln und Quader nach Belieben losbrechen - hier eine Dynamitpatrone zur Explosion gebracht, und die Schätze mußten offen zutage liegen.

Auch Nobody hob solch einen Goldklumpen auf, betrachtete ihn und musterte die Wände. Dieser Goldklumpen war schon von Menschenhänden mittels eines Instrumentes losgesprengt worden, aber wann?

Zwei Möglichkeiten waren vorhanden.

Entweder betrieben einst, vor vielen Jahrhunderten, ja, vielleicht vor Jahrtausenden, die damals hochkultivierten Ureinwohner dieser Gegend den Goldbau im kleinen, den Zugang zum Bergwerk immer wieder sorgfältig versteckend, um nicht die Habgier ihrer Nachbarn zu wecken. Oder es existierte bis vor kurzer Zeit oder noch jetzt eine Person, die ab und zu hierherkam, sich damit begnügte, sich die Taschen mit Gold zu füllen und den Zugang bis zum nächsten Besuch wieder zu verschließen.

Nobody war geneigt, ersteres anzunehmen, denn frische Bruchstellen zeigten sich nicht, und Gold verliert seinen Glanz so leicht nicht. Wie dem auch sei - das Goldfeld und selbst die Höhle waren durch Nobodys Bemühungen gefunden worden.

Welche Gedanken der Anblick dieser unermeßlichen Schätze sonst in Nobody erzeugte? Wer konnte in der Seele dieses rätselhaften Mannes lesen?

»That's a business!« hatte er zu Lord Roger gesagt, nachdem er die Depesche gelesen hatte, die ihn von St. Petersburg nach Kalifornien führte, und tatsächlich hatte wohl noch nie ein Mensch ein glänzenderes Geschäft gemacht als dieses hier.

Das brachte Millionen ein!

Reichtum aber ist Macht, und mächtig mußte Nobody sein.

Schon begannen die Leute ihre Arbeit, sie schlugen Stücke ab und häuften sie auf, mit fieberhafter Gier. Nobody ließ sie einstweilen arbeiten und überlegte.

Das beste war, die Maultiere mit Gold zu beladen und nach der nächsten Stadt aufzubrechen, von wo die Regierung in Kenntnis gesetzt wurde.

Dieser Expedition eilte wieder ein Bote voraus, der die Nachricht verkündete und den Leuten Regierungsbeamte entgegenschickte. Mochten sich diese inzwischen auf eigne Rechnung bereichern, was schadete das? Es war genug Gold vorhanden.

Nobody selbst wollte dieser Bote sein und nur den Neger Sam mitnehmen. Es zog ihn mit Gewalt zurück zu der Aufgabe, die er noch in Rußland lösen wollte. Daß er noch heute Jean Matelas gefangennehmen mußte, stand fest. War dieser Schuft unschädlich gemacht, dann war es für die zurückbleibenden Goldgräber nicht schwer, sich der Angriffe durch die Indianer zu erwehren.

Schon während des Marsches hatte Nobody seine Begleiter übrigens genügend kennen gelernt, um zu wissen, daß kein einziger von ihnen, wenn er das Tal einmal verlassen hatte, sich wieder zurückfand. Als die Goldgräber sich einmal ausruhten, setzte er ihnen seinen Plan auseinander, und sie waren damit sofort einverstanden. Wenn sie nur nicht wieder von hier fort mußten!

Nobody beschloß sofort aufzubrechen, verproviantierte sich, nahm einige Goldproben mit und schlug mit Sam den Weg nach dem Ausgang des Tales ein.

Sie waren nicht weit gekommen, da riß Nobody sein Tier herum, sprang ab und warf sich hinter einen Baumstamm.

»Achtung, Sam, Indianer!« hatte er dabei gerufen.

Durch seine Schnelligkeit war er dem Pfeile entgangen, der auf ihn losgeschwirrt war. Einen zweiten fing er mit der Hand. Sein nächster Griff war nach dem Gewehr, und im Feuer brach eine Rothaut zusammen, die sich unvorsichtig da gezeigt hatte, wo der Engpaß ins Tal mündete.

Auch Sam war hinter einen Baumstamm gesprungen, das Gewehr an der Wange.

Auf dem Antlitz Nobodys erschien jenes Lächeln, das stets ein Zeichen seiner Zufriedenheit war. Es kam alles, wie er es berechnet hatte. Jean Matelas würde sich binnen kurzer Zeit in der Gewalt seines Verfolgers befinden.

»Geh zurück, Sam, und hole die Leute!« befahl Nobody. »Ich decke dich gegen etwaige Angriffe!«

Ungehindert entfernte sich der Neger und kehrte bald zurück - allein.

»Die Kerls hören auf nichts als auf den Klang des Goldes,« sagte er, sich hinter einem Ohre kratzend.

Nobody nickte. Er hatte es nicht anders erwartet.

Noch einmal prüfte er die Büchse. Sie war in Ordnung.

»Mir nach!« hörte Sam ihn rufen, dann sah er den verwegenen Mann mitten im Engpaß.

Das Winchestergewehr krachte.

Wohl ein Dutzend Indianer tauchten vor Nobody auf, aber dem fürchterlichen Schnellfeuer hielten sie nicht stand. Sie feuerten ihre Donnerbüchsen aufs Geratewohl ab, dann stoben sie in wilder Flucht davon.

Zu den Füßen Nobodys lag Jean Matelas. Eine der ersten Kugeln hatte ihn getroffen.

Die Goldgräber kamen herbeigestürzt und sahen mit Staunen den Boden des Engpasses mit toten und verwundeten Indianern bedeckt.

Auch der Neger Sam, der seinen Herrn nicht im Stiche gelassen hatte, war verwundet - das Blut floß reichlich aus einer klaffenden Kopfwunde. Er war ohnmächtig.

Nobody selbst trug ihn zum Bache, wusch die Wunde und verband sie. Dann trat er zu Jean Matelas, der ihm finster entgegenblickte, in der Hand einen Revolver.

»Revolver weg - eins, zwei -« kommandierte Nobody.

Die Waffe wurde zur Seite geschleudert.

»Ich habe verspielt, Cutting Knife,« sagte er mit einem Anflug von Galgenhumor. »Sie hatten mehr Trümpfe in der Karte als ich!«

»Sie mußten sich das vorher sagen,« entgegnete Nobody ruhig, »es wäre besser für Sie gewesen. Sie konnten sich dann auch das Bad im Mississippi ersparen!«

»Erkannten Sie mich denn sofort, als ich Ihnen als Joe Bertram meine Dienste anbot?« fragte Matelas zähneknirschend, während die Goldgräber erstaunt dieser sonderbaren Unterredung zuhörten.

Nobody lächelte.

»Hätte ich Sie sonst angenommen?«

»Zum Teufel, Sie hatten aber doch kein Interesse an meiner Person! Was kümmert Sie das, was ich mit Indian Bill zu tun hatte, wenngleich Sie sein Freund sind?«

»Was es mich kümmert?« entgegnete der Detektiv ruhig. »Sehr viel! >Worlds Magazine< wollte sich das Geschäft nicht entgehn lassen, den Dieb des Planes der geheimnisvollen Goldfelder aufzufinden, und so beauftragte Mr. World mich damit!«

»Sie?« kam es tonlos über die Lippen des Verwundeten. »Wer sind Sie? Sind Sie nicht Cutting Knife?«

»Doch! Sie sehen es ja, mein Freund. Aber ich bin es nur nebenbei. Im gewöhnlichen Leben nenne ich mich - Nobody!!«

»Nobody!«

Jean Matelas rief es, und die Goldgräber wiederholten den Namen.

Jetzt wußten sie, warum sie die Goldfelder gefunden hatten, nach denen selbst ein Indian Bill jahrelang vergeblich gesucht hatte. Jetzt war es ihnen klar, wer der Verwundete war.

Ohne sich um das Erstaunen der Männer zu kümmern, kniete Nobody neben Jean Matelas nieder, zog ein Besteck hervor, entblößte die Wunde, die der Dieb an der Hüfte hatte, zog die Kugel heraus und legte einen Verband an.

Der Hüftknochen war vollkommen zerschmettert. Jean Matelas mußte für den Rest seines Lebens ein Krüppel werden. Er sagte nichts mehr, hatte auch während der schmerzvollen Operation nicht gestöhnt. Die Zähne fest aufeinandergebissen, lag er da.

»Wo haben Sie den Plan, den Sie Indian Bill stahlen?« fragte Noboby.

»Hier,« erwiderte der Verwundete und gab die gestohlene Zeichnung heraus, die ja nun keinen Wert mehr für ihn hatte.

Noboby betrachtete sie und steckte sie dann ein. Weiter hatte er nichts zu fragen. Er wußte alles andre.

Der Gefangene ward auf ein Pferd gebunden. Nobody und Sam brachten ihn nach San Francisco.

Eine lange Chiffredepesche ging nach New-York an >Worlds Magazine< ab.

Am selben Tage noch erfuhr ganz Amerika die neueste Tat Nobodys. Ungeheures Aufsehen entstand.

Niemand hatte mehr an die Goldfelder gedacht, nach denen Indian Bill vor Jahren vergebens gesucht hatte - jetzt waren sie wiedergefunden.

Nobody hatte wieder einmal die Augen der ganzen zivilisierten Menschheit auf sich gelenkt. Ueberall war man voll von Bewunderung.

Nur eins billigte man nicht. Daß er Jean Matelas nicht an die Regierung der Vereinigten Staaten ausliefern, sondern mit nach Deutschland nehmen wollte, um ihn dort Indian Bill zu übergeben, der ebenfalls durch ein Telegramm benachrichtigt worden war.

9. Der Schmugglerkapitän

Noch einmal, ehe wir unsern Nobody nach St. Petersburg begleiten und nach seinen eignen Aufzeichnungen schildern, wie er von der bereits erwähnten Gräfin Anita Urlewsky, der Geliebten des Fürsten Petrof, den russischen Kriegsplan gegen Japan erhält, müssen wir unsre Erzählung unterbrechen und eine Episode einschalten, die den Lesern eine lange gewünschte Erklärung bringen soll. Sie beantwortet die Frage:

»Wie kam es, daß Nobody sich mit dem Kapitän Flederwisch verband?«

Wie sich diese Ereignisse aneinanderreihten, und wie Nobody schließlich den verzweifelten Kapitän Flederwisch rettete, das soll in nachstehendem erzählt werden; dann erst wird auch manches erklärlich werden, was sich später in Petersburg ereignete.

Bekannt ist zwar, wie die beiden in New-York zusammentrafen, und wie sie nach dem lustigen Kampfe in der Mühle sich für immer zu gemeinsamem Tun verbündeten; aber damals kannte Nobody den Kapitän Flederwisch längst schon - ganz genau - ohne daß dieser es ahnte.

Der berühmte Detektiv hatte unerkannt an Bord des >Frithjof<, der Flederwisch gehörte, eine abenteuerliche Reise mitgemacht, deren Hauptzweck allerdings eine verwegene, ins große getriebene Schmuggelei war, die aber insgeheim mit deswegen unternommen wurde, um nach den unermeßlichen Goldschätzen zu forschen, die mit einem kleinen Dampfer in der Gegend der Gallopagosinseln versunken sein sollten.

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