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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15691 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Flederwisch kam gar nicht darüber hinweg, er wühlte sich noch immer im Haar.

»Na, wenn ich das wüßte, und sie wären für mich erreichbar, ich würde mich nicht mit zwei Prozent begnügen,« sagte Davis offenherzig.

Der Kapitän stand wieder auf und reckte sich.

»Davis, haben Sie wohl eine Ahnung, was so eine kleine Insel von ein paar Quadratmeilen kostet? So etwa in der Südsee oder sonstwo, vielleicht spanisch oder holländisch - nur so ungefähr den Preis. Solche Käufe sind ja oft genug abgeschlossen worden, habe mich aber nie darum gekümmert, und da kann man sich gleich um das Hundertfache verrechnen.«

»Was davon die Elle kostet? Nein, weiß ich nicht, ich handle nicht mit Inseln. Sie wollen wohl eine Kohlenstation darauf anlegen? Das ist riskant.«

»Kohlenstation!« höhnte Flederwisch. »Eine - - Insel für verhungerte Geizhälse will ich anlegen. Nein, es ist nur ein Streit mit einem Bekannten, der alles besser wissen will. - Mister Davis, in sechs Wochen liegen die Revolver und Türschlösser in vorschriftsmäßiger Verpackung im Katharinendock, oder Gottes Tod über Sie! Wenn mir noch etwas einfallen sollte oder ich habe Ihnen sonst etwas mitzuteilen, so schicke ich Ihnen dort meinen Bootsmann. Sehen Sie sich ihn an! Gute Nacht, Davis! Komm, Manuel!«

In die regungslose Statue kam Leben, sie folgte ihrem Meister.

Einsam lag die Straße da. Nach einigen Schritten blieb Flederwisch stehn und wandte sich um, sein Auge suchte das schwach erleuchtete Fenster im zweiten Stock. Ein Seufzer entstieg seiner Brust, als er die Hand wie beschwörend gegen das Haus erhob.

»Wenn doch die Baracke in Flammen aufginge, und du mit, verfluchter Wucherer!«

»Amen!« erklang es hinter ihm. »Heute nacht noch, Kapitän?«

Wie vom Blitz getroffen drehte Flederwisch sich um und blickte in das grinsende Gesicht des Mulatten.

»Um Gottes willen,« sagte er tödlich erschrocken, »Mensch, da würden ja meine fünfundzwanzigtausend Pfund mit verbrennen, für nichts und wieder nichts! Aber wahrhaftig,« setzte er gezwungen lachend hinzu, »das war ein frommer Wunsch von mir!«

Er setzte seinen Weg fort, sein lebender Schatten folgte ihm lautlos.

Der Morgen brach an. Das auch während der Nacht nie ersterbende Leben in den Straßen der Riesenstadt setzte wieder mit voller Wucht ein. Aber alle die Tausende, die geschäftig ihren Bureaus und Werkstätten zueilten, gönnten sich unterwegs eine kurze Rast, um den schreienden Zeitungsjungen ein Extrablatt abzukaufen.

»Ein Raubmord in der Fleetstreet!«

Ganz London sprach davon, nicht weil ein Raubmord verübt worden war und der Raubmörder nach vollbrachter Tat das Haus in Brand gesteckt hatte - das ist ja in der Riesenstadt etwas sehr Gewöhnliches - sondern weil der >Morning Leader<, infolge seiner dreisten Sprache eine der gelesensten Zeitungen Londons, polizeilich konfisziert worden war. Das war in dem freien England, wo man selbst den König beliebig titulieren darf, in der Tat ein bedeutendes Ereignis, und es sollte wegen eines Berichtes über diesen Mord geschehen sein. Viele Hunderte von Nummern waren aber doch herausgekommen. Diese wurden jetzt von den glücklichen Besitzern auf der Straße verauktioniert, wie in England die Zeitungen ja überhaupt nur auf der Straße verkauft werden. Wer das Blatt erstanden, las den betreffenden Bericht, erzählte natürlich seinem Nachbar nichts davon, sondern verkaufte ihm das schon in Stücke zerfallende Papier einige Pence oder auch gleich einige Shilling teuer. Daneben stand der Policeman, der heute morgen vielleicht die Stereotypplatten mit Beschlag belegt hatte. Diesen nachträglichen Verkauf aber hinderte er nicht, das war erlaubt - weil man in der Eile das Verbot dagegen vergessen hatte.

Selbstverständlich beschäftigten sich auch die andern Zeitungen mit dem Fall, aber abgesehen von einigen Widersprüchen war es immer dasselbe: Nach Mitternacht wurde die Feuerbrigade von St. Georges durch Großfeuer alarmiert. In einer der Dockstraßen brannte es. Die Dampfspritzen vom Katharinendock rückten auch mit aus. Es gelang schnell, den brennenden Dachstuhl zu löschen - niedergebrannt war das Haus demnach gar nicht - die Eindringenden fanden den Eigentümer des Hauses, den alten Davis, tot in seiner ausgebrannten Kammer liegen, den Schädel mit einem beilartigen Instrument gespalten; alle Gelder und Wertsachen waren verschwunden.

Also ein Raubmord lag vor, und der Täter hatte, um sein Verbrechen zu verdecken, Feuer angelegt. Sein Plan war ihm jedoch nicht gelungen. Jede Spur des Mörders fehlte freilich noch.

Der >Morning Leader< aber begnügte sich nicht mit diesen Feststellungen. Er führte des weitern folgendes aus:

Nein, hier lag kein Raubmord vor. Er war nur fingiert worden, um dem Verdachte eine falsche Richtung zu geben. Die Kammer war ausgebrannt; was hieß das? Ein Stuhlbein hatte Feuer gefangen, der Tisch war etwas angekohlt, der Schreibsekretär noch weniger, und dazwischen lag die Leiche des alten Mannes. Das Feuer war nach oben geschlagen, der Dachstuhl brannte und rief die Feuerwehr herbei. Aber der Sekretär war vollkommen ausgeräumt worden, das war der Schwerpunkt der Sache!

Wie der mit seinem Scharfsinn prunkende Zeitungsschreiber weiter erörterte, mußte der frühere Schiffsmakler, wegen Unreellität disqualifiziert, der aber, wie bewiesen werden konnte, doch noch mit Reedereien Geschäfte machte, welche das Licht des Tages scheuten, unbedingt Bücher geführt haben, er mußte doch irgendwelche Papiere besitzen! Man fand jedoch in dem Schreibsekretär und in dem ganzen Raume nicht ein einziges Zettelchen Papier, dagegen war bemerkt, leider nicht beachtet worden, daß in dem offnen Kamin, neben dem die Lampe mit zerbrochenem Ballon stand, ein großer Haufen von verbranntem Papier gelegen hatte.

Nicht ein Dieb, dem es um Geld und Wertsachen zu tun war, sondern ein Schuldner von Davis hatte die Tat begangen oder ein andrer in dessen Auftrag, was dasselbe war. Er hatte den Alten ermordet, die Papiere, die ihm von Wert waren oder ihn belasteten, sich angeeignet, dann wollte er das Haus in Brand setzen. Falls das Feuer aber gelöscht wurde, ehe er das Werk der Vernichtung vollbracht hatte, gab er dem ganzen das Aussehen eines Raubes, nahm also auch Geld und Wertsachen mit, und schließlich verbrannte er auch noch sämtliche Bücher und Schriftstücke, die er vorfand, sie im Ofen mit Petroleum tränkend, falls diese etwas ihn Belastendes enthielten.

Dann kam noch ein Nachtrag: Henry Davis, ein sehr reicher Mann, war als schmutziger Geizhals bekannt. Das Haus, in dem er wohnte, war übel beleumdet. Die Mieterin desselben hat bereits Aussagen gemacht, die bestätigten, daß Davis im großartigsten Maßstabe Schiffs- und Frachtenschieberei und unerlaubte Geldgeschäfte betrieb. In einem seiner Geschäftsklienten oder verzweifelten Opfer hatte man also den Täter zu suchen. Sonst fehlte noch jede Spur. Die Untersuchung des Schreibsekretärs nach einem Geheimfach oder nach einem Papier hatte noch nichts ergeben. -

Die Londoner Polizei tappte im Dunkeln. Sie konnte den geschäftlichen Beziehungen, die der Ermordete gepflegt hatte, nicht nachforschen, eben weil jeder Anhaltspunkt dafür fehlte.

Wie die Kunde von dem furchtbaren Ende des alten Schiffsmaklers, mit dem er noch wenige Stunden zuvor zusammengewesen war, auf den Kapitän Flederwisch wirkte, soll sofort beschrieben werden.

Hier sei nur noch betont, daß das Geheimnis, das über dem Raubmorde lag, wohl nie aufgeklärt worden wäre, wenn nicht Nobody gerade in London geweilt hätte, um den Kapitän Flederwisch zu beobachten.

Nobody ward Zeuge der blutigen Tat. Er hatte sie vorausgeahnt. Er kannte auch den Mörder, den er keinen Augenblick aus den Augen gelassen hatte.

Das entsetzliche Drama selbst aber hatte sich so schnell abgespielt, daß der alte Davis nicht mehr gerettet werden konnte.

Nobody allein hätte also den Mordbuben der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern vermocht. Er tat es nicht, und er hatte seine guten Gründe dafür.

Erst viel später, aber gerade zur rechten Zeit, enthüllte Nobody in >Worlds Magazine<, das er selbst begründete, wie unsre Leser wissen, das Geheimnis, und da freilich staunten die Londoner nicht wenig - da klang der Name Noboby abermals bewundernd von Mund zu Mund - und auch unsre Leser werden dem berühmten Detektiven ihre Bewunderung nicht versagen, wenn sie erfahren, wie er noch monatelang täglich mit dem Mörder des alten Schiffsmaklers verkehrte, wie Nobody selbst mehrfach durch diesen Verbrecher in größte Lebensgefahr geriet, und in welcher dramatischen Weise er der rächenden Justiz endlich ihr Opfer überlieferte.

Das Spitzentuch, mit dem die blonde Imma ihm die Wunde an der Hand verbunden hatte, in der Tasche, fein säuberlich verwahrt in zartem Seidenpapier, wie jeder Seemann es mit derartigen Andenken tun würde, war der junge Held von der Frieseninsel nach London gekommen. Er wollte, nachdem er den berüchtigten Schmugglerkapitän Flederwisch bisher nur von fern beobachtet hatte, nunmehr in unmittelbare Beziehungen zu demselben treten, und wie schon angedeutet, gelang es ihm bereits am ersten Abend, nicht nur jenes heimliche Geschäft zu belauschen, das Flederwisch mit dem alten Davis abschloß, sondern auch die Katastrophe, der letzterer zum Opfer fiel.

Wie vom Donner gerührt saß Kapitän Flederwisch da, als er am gemeinschaftlichen Frühstückstisch beim ersten Blick in eine Zeitung die fettgedruckten Worte sah. Der ehemalige Schiffsmakler Henry Davis ermordet, seine Wohnung vollständig ausgeraubt, sein Haus niedergebrannt - mehr las Flederwisch nicht, es war zuviel für ihn, er hatte nur noch so viel Geistesgegenwart, sein Taschentuch herauszureißen und es vor das Gesicht zu halten, um mit der Entschuldigung des Nasenblutens schnell in sein Zimmer fliehen zu können.

Davis tot, alles verbrannt! Da war es ja, was er gewünscht hatte. Der starke Mann aber zitterte wie Espenlaub und warf sich stöhnend auf das Sofa.

Hatte Davis noch Zeit gefunden, das Geld für die Schmuggelware an den Lieferanten abzuführen? Wenn nicht, dann hatte Flederwisch die 25.000 Pfund Sterling unwiderruflich verloren.

Denn an wen sollte er sich halten? Etwa die Sache dem Gericht übergeben? Da wäre es vielleicht noch besser gewesen, sich an den Raubmörder zu wenden. Welche Firma war es, die die Revolver geliefert hatte? Denn selbst wenn sie schon bezahlt worden war, so wußte sie vielleicht und sehr wahrscheinlich nicht, an wen sie zu liefern waren. Alles ging durch Davis' Hände. Durch Rundfragen diese Firma ausfindig zu machen, das durfte der Kapitän gar nicht wagen, aus einem Grunde nicht, der gleich erwähnt werden soll. Sonst brauchte ja auch das Geschäft mit Davis nicht ein so heimliches gewesen zu sein.

Der Verlust der halben Million bedeutete Flederwischs pekuniären Ruin. Denn jetzt half ihm niemand mehr. Nun, dann hätte er sich, wenn es gar keinen Ausweg mehr gab, einfach eine Kugel vor den Kopf geschossen.

Wie ganz anders aber, wenn Davis vor seinem Tode die Lieferung bezahlt hatte, diese richtig ankam und alle Schuldscheine und sonstigen Papiere verbrannt waren!

Dann hatte Flederwisch mit einer halben Million eine Fracht erworben, die er schon hier in London sofort für sechs Millionen losschlagen konnte, die ihm in Südamerika, ehrlich verzollt, noch mehr einbrachte - und dann das andre! Wenn das geplante Schmuggelgeschäft ging! Doch daran wollte er jetzt gar nicht denken! Der Kopf wirbelte ihm.

Nicht also vor Angst, sondern vor Erwartung, vor furchtbarer Ungewißheit zitterte und stöhnte der Kapitän. Dabei schalt er sich einen Narren, den Bericht nicht zu Ende gelesen zu haben. Jetzt wagte er nicht mehr, in das Frühstückszimmer zurückzugehn, nach der Zeitung zu greifen, schon fürchtend, man könne ihn gleich mit dem Ermordeten - oder womöglich gar mit dem Morde selbst - in Verbindung bringen.

Als es an seine Tür klopfte, wußte er sich indes zu bezwingen.

Ein Dienstmädchen brachte die Post, darunter Zeitungen. Sie enthielten seine Erlösung wenigstens von einer Qual.

»Der >Morning Leader< ist konfisziert worden,« konnte sich das Mädchen nicht enthalten, die große Neuigkeit mitzuteilen.

»Warum?«

»Weil der Schiffsmakler Davis ermordet worden ist, es hat etwas Verbotenes darin gestanden, der Milchmann hat es mir ...«

»Manuel!«

Vor dem gerufenen finstern dienstbaren Geiste entwich das Mädchen schnell ans dem Zimmer. Herr und Knecht schauten sich eine Zeitlang schweigend an, des Mulatten dicke Lippen begannen sich nach und nach zu einem Grinsen zu verziehen.

»Davis ist ermordet, sein Haus ist niedergebrannt,« brach Flederwisch endlich das Schweigen.

»Weiß es, freut mich, Ihr habt es ja gewollt,« grinste Manuel, und lauernd ruhten seine Augen auf dem erregten Kapitän.

»Schweig!« herrschte dieser ihn erregt an. »Hältst du mich etwa für solch einen Schurken, daß ich jemanden ermorden lasse? Wenn ich einmal einen Menschen ermorden wollte, dann führte ich es wenigstens selbst mit eigner Hand aus. Entweder oder! - Der >Morning Leader< ist wegen eines Berichtes konfisziert worden, suche mir eine Nummer zu verschaffen, koste sie, was sie wolle. Hast du Geld? Hier, meine Börse!«

Der lauernde Ausdruck in des Mulatten Gesicht hatte sich bei den ersten Worten in ein leises Staunen verwandelt. Doch diese Veränderung war dem aufgeregten Flederwisch entgangen.

Als Manuel aus dem Zimmer ging, ließ er hinter seines Herrn Rücken verächtlich die Unterlippe hängen.

In höchster Spannung wartete Kapitän Flederwisch die Rückkehr des Mulatten ab. Die Zeit erschien ihm unerträglich lang; aber schon dämmerte eine neue Hoffnung in ihm auf, und sie ward immer kräftiger, je mehr er darüber nachdachte.

Der neue Steuermann, den Flederwisch tags zuvor für das Schiff geheuert hatte, was er erst noch kaufen wollte, hatte ihm erklärt, daß er geneigt sei, sich mit einem erheblichen Kapital, das ihm vor kurzem als Erbschaft zugefallen sei, an dem Unternehmen zu beteiligen, welches der Kapitän plante. Anfangs hatte dieser das Anerbieten schroff abgewiesen, denn er wollte niemanden außer dem Mulatten zum Mitwisser haben. Dann hatte er seine definitive Entscheidung bis heute aufgeschoben.

Das war ein großes Glück gewesen, wie Flederwisch sich jetzt sagte. Er war bereits entschlossen, das Geld seines neuen Steuermannes anzunehmen. Er konnte es brauchen, und sein Geschäftsgeheimnis wollte er trotzdem wahren.

Endlich erschien Manuel wieder. Er brachte den >Morning Leader< und reichte das Blatt schweigend seinem Herrn.

Dieser deutete nach der Tür. Der Mulatte verschwand, und nun erst überflog Flederwisch hastig den Bericht, der bereits im Auszug wiedergegeben wurde.

Aus leichtbegreiflichen Gründen hatte die Kriminalpolizei diese Zeitungsnummer konfiszieren lassen. Es konnte ihr nicht gelegen kommen, daß das, was sie über den Fall erfahren hatte und dachte, in die breite Oeffentlichkeit gelangte.

Flederwisch sank auf das Sofa und gab sich einem dumpfen Brüten hin.

Jetzt kamen alle, die mit Davis in geschäftlicher Beziehung gestanden hatten, in den Verdacht der Täterschaft, auch er - wenn man es herausfand! Würde dies aber noch geschehen? Von dem Verdachte des Mordes wollte er sich wohl bald reinigen; aber kam es jetzt auch nur heraus, daß er mit Davis Geschäfte gemacht, so war es mit semer Karriere als Seemann für immer aus, er hatte sich auch als Kapitän unmöglich gemacht - hatte sich pekuniär und moralisch ruiniert.

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