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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15534 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Um zu verstehn, was das bedeutet, dazu muß man ein Seemann sein, und was dies für das see- und sportliebende England heißt, einen Engländer, der einem guten Kricketspieler eine fürstliche Leibrente aussetzt und ihm ein Denkmal errichtet. Kurz, Paul wurde plötzlich mit Aufträgen überschwemmt, die >Imma< wurde in den Zeitungen besprochen wie das Rennpferd, das im Derby gesiegt hat, und da dem Kapitän das fabelhafte Glück treu blieb, da es schien, als habe er dem Wind und Wetter zu befehlen, wurde sein Name weit über die Seemannskreise hinaus berühmt, so berühmt wie der eines englischen Jockeis, der nicht unter tausend Pfund in den Sattel steigt. Damals kam auch der Name Kapitän Flederwisch für ihn auf.

Bald konnte er, von Kredit unterstützt, Ladungen auf eigne Rechnung nehmen; er wurde also zugleich Handelsherr; auch hierin zeigte er wahres Genie, und noch waren nicht fünf Jahre vergangen, als Kapitän Flederwisch für einen schwerreichen Mann galt, welcher einerseits Kredit über Millionen besaß, während ihm andre Firmen nicht einen Shilling anvertraut hätten.

Wie es möglich ist, als handeltreibender Seemann so schnell in die Höhe zu kommen, und was überhaupt bei der Seefahrt verdient wird, kann hier mit kurzen Worten erläutert werden, und es ist um so interessanter, als in nicht beteiligten Kreisen darüber noch eine völlige Unkenntnis herrscht.

Nehmen wir ein Schiff von 1000 Tonnen an, das ist für einen Segler ziemlich groß, für einen Dampfer noch sehr klein. Es nimmt von Amerika nach Europa volle Fracht Kaffee, also 1000 Tonnen, die Tonne hat 20 Zentner, das sind 2 Millionen Pfund Kaffee, und wenn pro Pfund nur 1 Pfennig Fracht gerechnet wird, so erhält der Schiffseigentümer schon 20.000 Mark. In Wirklichkeit ist es aber noch mehr. Die Beköstigung der Besatzung pro Woche und Kopf kostet 5 Mark - die Schiffe haben ja alles zollfrei, sie verproviantieren sich da, wo es am billigsten ist, in Amerika kostet z. B. ein Pfund Fleisch 10 bis 15 Pfennig - die Heuer pro Monat ist durchschnittlich, die Offiziere mit eingerechnet, 80 Mark, das sind so kleine Zahlen, daß sie bei einem Dampfer gar nicht in Betracht kommen. Ein Dampfer von 1000 Tonnen braucht bei einer mittleren Geschwindigkeit von 10 Knoten, 25 deutsche Meilen die Stunde, pro Tag à 24 Stunden 15 Tonnen Kohlen, à 20 Mark, das sind bei einer zehntägigen Fahrt von England nach New-York 3000 Mark, so daß also solch ein kleiner Dampfer jedesmal innerhalb von 10 Tagen 15.000 Mark rein verdient, dabei noch ganz bescheiden gerechnet, selbst wenn er nach jeder Fahrt in Dock geht.

Die Segelschiffahrt dagegen ist mehr ein Hasardspiel. Ein Segler kann bedeutend mehr einbringen als ein Dampfer, denn bei ihm fallen täglich die 300 Mark Kohlenkosten fort; er kann dies aber wieder zusetzen, wenn sich die Fahrt durch ungünstigen Wind verzögert.

Ein eisernes oder stählernes Schiff kostet pro Tonne zu bauen 300-400 Mark, der Prozentsatz des Verdienstes wäre demnach ein ungeheuerlicher, wenn nicht eins unerwähnt gelassen worden wäre: die Versicherung von Schiff und Ladung. Die frißt alles wieder auf und sorgt dafür, daß das Kapital höchstens zehn Prozent Zinsen abwirft.

Keine Gesellschaft wird es wagen, Schiff und Fracht unversichert zu lassen, schon ein kleiner Dampfer mit Kaffee repräsentiert einen Wert von 2 Millionen Mark, welche in jeder Minute für immer verschwinden können; das könnte höchstens ein einzelner Geschäftsabenteurer tun, der va banque spielt. Und Kapitän Flederwisch tat es. Daher mußte er enorme Einnahmen haben, um so mehr, als er nur eigne Fahrten machte, d. h. nie einen kostspieligen Lotsen an Bord nahm, auf Reede ankerte und so das Ankergeld, in einigen Häfen pro Stunde 100 Mark, ersparte; er nahm Fracht auf eigne Rechnung und bezahlte bar, seine Gewinne mußten kolossal sein - aber bei einem Unglück konnte er sich ruiniert haben und andre vielleicht auch.

Denn wie es mit ihm stand, ob er eignes Geld besaß oder mit fremdem arbeitete, das wußte niemand. An Land trat er auf, als hätte er über unermeßliche Schätze zu gebieten, hatte viele noble Passionen, doch dies bedeutete alles nichts. Es handelte sich nur darum, wie dieses Hasardspiel zur See noch einmal enden würde. Jedenfalls galt der Kapitän, bereits als Engländer nationalisiert, für den besten Seemann, und der ritterliche Abenteurer hatte einen Nimbus um sich verbreitet, der ihn bald zum Volkshelden machte. Bei seiner letzten Reise mit der >Imma< hatte er das Schiff einem Freunde gegenüber aus Gefälligkeit nun aber doch einmal versichert, nur für diese eine Fahrt mit 50.000 Pfund, und wieder wurde er vom Glücke verfolgt.

Er erlitt den Schiffbruch bei den westfriesischen Inseln, und die Versicherungssumme mußte ihm ausgezahlt werden.

Jetzt erst konnte und wollte Kapitän Flederwisch ins große arbeiten, und ein scheinbarer Zufall, der ihn mit dem Steuermann Alfred Werner zusammenführte, half ihm abermals zu 50.000 Pfund Sterling, da konnte er den besten Segler kaufen und auch noch die Ladung bar bezahlen.

Daß Flederwisch wenigstens zum Teil anders rechnete, ist bereits erzählt worden.

Im Privatkontor der Firma Gebrüder Higgins, der größten Schiffsbauer Londons, saßen einige Herren um einen mit Schriftstücken und Zeichnungen bedeckten Tisch. Nach lebhaftem Gespräch war jetzt eine tiefe Stille eingetreten; alle diese ältern Männer, außer den beiden Brüdern Higgins der Geschäftsführer, ein Buchhalter und einige Ingenieure, blickten mit gespanntem Schweigen, das sich unverkennbar mit Ehrfurcht paarte, auf den jungen Mann, welcher, an dem Federhalter kauend, unverwandt auf das vor ihm liegende Papier stierte, wohl ohne die Zeilen zu lesen.

Es war der Kapitän Flederwisch, aber hier trat er ganz als >Seegigerl< auf.

Alles an seinem Aeußern war mit geckenhafter Eitelkeit berechnet. An den Anzug aus feinstem, seidenartigen Stoffe hatte ein erster Schneider seine ganze Kunst verschwenden müssen. Unter der blendend weißen Manschette sah man ein Brillantarmband blitzen. Die Finger der kräftigen braunen, aber sorgsam gepflegten Hand waren mit kostbaren Ringen förmlich bepanzert. In dem rotseidenen Schlips stak das Meisterwerk eines Juweliers, und an den Füßen saßen zierliche Lackschuhe - kurz, Kapitän Flederwisch machte hier den Eindruck eines eitlen Gecken.

»Die Zahlungsbedingungen sind doch äußerst leichte,« ließ sich da der ältere Higgins vernehmen, »und wie gesagt, Kapitän, es ist ein Segler, wie Sie ihn noch nicht unter Ihrem Kommando gehabt haben.«

Fürwahr, wer den berühmten Kapitän Flederwisch nicht kannte, der hätte sich diesen jungen Herrn mit Lackschuhen und Armband schwerlich als wetterfesten Kapitän an Bord eines Segelschiffes vorstellen können.

Die Worte hatten ihn aus seinem Brüten geweckt. Ein geringschätziges Zischen kam über seine Lippen. Mit einer hastigen Bewegung tauchte er die Feder in die Tinte und setzte mit kräftigen Zügen seinen Namen unter den Kontrakt.

Das von der Firma Higgins auf Risikoverkauf neuerbaute Segelschiff aus Stahl, auf netto 2000 Tonnen registriert, 2600 Tonnen Kargo tragend, das die Probefahrt glänzend bestanden hatte, war durch diese Unterschrift in den Besitz des Kapitäns Flederwisch übergegangen. Der volle Preis betrug 40.000 Pfund Sterling, und nach einem zweiten Schriftstück, welches jetzt dem Käufer vorgelegt wurde, war der vierte Teil der Summe bar auszuzahlen, der Rest in gewissen Terminen zu begleichen.

Doch der junge Kapitän griff nicht wieder zur Feder, verpflichtete sich nicht wieder durch Unterschrift. Er tastete mit der Hand nach der Brusttasche und blickte zerstreut um sich. Man erwartete, daß er nunmehr sein Scheckbuch ziehen würde.

Kapitän Flederwisch aber wiederholte nur mit staunenswertem schauspielerischen Talent den imponierenden Trick, den er von seinem Steuermanne Alfred Werner gelernt hatte.

»Wo habe ich denn -«

Sein Blick fiel auf das in keinem englischen Kontor fehlende Büfett, mit den zu einem englischen Geschäftsabschluß ebenso unumgänglichen Whiskyflaschen und Gläsern besetzt.

»Bitte, Mister Long, geben Sie mir doch dort das Päckchen herüber.«

Der Genannte reichte ihm das kleine, in Zeitungspapier gewickelte Paket, welches Flederwisch bei seinem Eintritt vor zwei Stunden achtlos auf den Nebentisch gelegt, sich auch nicht wieder darum gekümmert hatte. Er löste die Umhüllung, grüne Banknoten kamen zum Vorschein, er ließ den Rand flüchtig durch die Finger schnellen und warf sie dem Chef der Firma hin.

»Vierzig Tausendpfundnoten! Der Kasten gehört mir! Zählen Sie nach!« sagte er mit affektierter Gleichgültigkeit. Dann, als ihn noch alle wieder mit jener unsichern Ehrfurcht anblickten, sprang er plötzlich auf und schlug mit der flachen Hand so auf den Tisch, daß das Tintenfaß ausspritzte. »Frithjof soll sie heißen - die Frithjof!« rief er mit kräftiger, sonorer Stimme; es klang wie hervorbrechender Jubel; so blitzte es auch in seinen Augen auf, und er mußte mehrere Gänge durch das Zimmer machen, um seiner für die englischen Geschäftsleute unbegreiflichen Erregung Herr zu werden.

Es war eine mittelgroße, schlanke, elegante Gestalt, auch der stolze, elastische Schritt war gar nicht der eines an schwankende Bretter gewöhnten Seemannes, aber wiederum verriet schon der muskulöse Hals, daß man sich in diesem Manne vollkommen täuschte, wenn man ihn allein nach seinem Aeußern beurteilte.

Ruhiger kehrte er auf seinen Sitz zurück. In einer Minute war das Geschäft beendet, ein Geschäft, wie es der Schiffsbauer so kurz und glatt noch nicht abgeschlossen hatte. Denn es handelte sich dabei um fast eine Million, und dieser Mann, nachdem er einmal gesonnen war, das Schiff zu nehmen, tat jetzt, als hätte er eben eine Kleinigkeit im Laden gekauft, als wäre das Barbezahlen etwas ganz Selbstverständliches, ja, wickelte die 800.000 Shilling aus einem alten Zeitungspapier heraus!

Wie konnten die Herren auch ahnen, daß sich eine ähnliche Szene erst vor kurzem in der Wohnung Flederwischs abgespielt hatte, und daß da dieser der Erstaunte gewesen war?

»Ja, Frithjof soll sie heißen,« wiederholte der Kapitän. »Die Taufe findet erst statt, wenn das Schiff fix und fertig ausgerüstet ist. Zehntausend Pfund werde ich an seine Einrichtung nach meinem Geschmack wenden - ja, zehntausend Pfund - ich denke, in zwei Monaten, die Herren sind natürlich dazu eingeladen.«

»Frithjof?« fragte der jüngere Higgins, einige Gläser auf den Tisch setzend. »Merkwürdiger Name, habe ihn noch nie gehört! Lieben Sie Whisky, Kapitän?«

Alle diese Herren machten nicht nur auf Bildung Anspruch, sondern waren als Engländer auch wirklich gebildet, doch der stolze Engländer will von ausländischer Literatur kaum etwas wissen, und so hatte von den Anwesenden niemand auch nur etwas von der Frithjofssage gehört. Der deutsche Kapitän schien sich nicht verpflichtet zu fühlen, sie darüber zu belehren, auch war ein andres Thema angeregt worden. Fragen wurden laut, er mußte ausführlich erzählen, wie er vor einigen Wochen sein letztes Schiff, eine Bark, verloren hatte. Nur der Schiffsjunge hatte dabei seinen Tod in den Wellen gefunden.

Der Kapitän bediente sich beim Erzählen eines Tones und Ausdruckes, der ganz seinem Aeußern entsprach: hochtrabend, renommierend, jedes Wort beleidigend, nämlich dadurch, daß die Zuhörer meistenteils selbst ehemalige erfahrene Seeleute waren, gegenüber dem jungen Fant überhaupt ernste, alte Männer, und ein Wunder war es nur, daß sie so andächtig bewundernd zuhörten und, wenn sie doch einmal ein Wort wagten, sich - um einen deutlichen Ausdruck zu gebrauchen - über den Mund fahren ließen. Nur Er war ein Seemann, nur Er wußte und konnte alles, die andern waren für ihn gar nichts. Und daß sich dies sogar der alte, reiche Schiffsbauer bieten ließ, daran konnte sicher nicht nur der gute Geschäftsabschluß schuld sein, noch weniger imponierten dem die Diamanten und die Lackschuhe; hier mußte etwas ganz andres vorliegen, was den englischen Herren solchen Respekt einflößte.

Der Erzähler wurde unterbrochen.

Nach kurzem Anklopfen trat ein Mann ins Zimmer, ein dunkelfarbiger Mulatte in Seemannsanzug, zwar weit über Mittelgröße, aber durch seine gedrungene Bauart, die mächtigen Schultern und den ungeheuren Stierkopf kleiner erscheinend, als er wirklich war. Er war nicht mehr jung, sein bartloses Gesicht mit der breiten Nase und den wulstigen Lippen zeigte tiefe Falten, aber dabei alles von einem steinharten Ausdruck. Wie der Mann bewegungslos an der Tür stand, die Anrede erwartend, das Auge, dessen Weißes von unzähligen blutigen Aederchen durchlaufen war, unverwandt auf den jungen Kapitän geheftet, glich er einer Statue aus Erz.

»Was gibt es, Manuel?« fragte dieser.

Mit dröhnendem Schritt seiner schweren Schuhe ging der Mulatte auf Flederwisch zu und überreichte ihm ein Kuvert. Der Kapitän erbrach es, las das Billett und lachte.

»Meine Schwester ist zu liebenswürdig, mehr noch vorsichtig,« sagte er leichthin, »sie teilt mir mit, daß meine Tante, bei der auch ich wohne, leider wohnen muß, heute mittag Tischgäste hat, und zwar auch Damen, das >Damen< unterstrichen. Das heißt nämlich mit andern Worten: erscheine anständig, betrink dich nicht! Hahaha, diese Weiber!«

Er mußte gar nicht wissen, wie frivol und seiner Schwester gegenüber geringschätzend diese Worte klangen, doppelt frivol für die Ohren von englischen Gentlemen, und welchen schlechten Charakterzug er dadurch offenbarte.

Immer noch lachend, füllte er ein großes Wasserglas mit Jamaika-Rum.

»Hier, Kerl, zeige, was du verträgst!«.

Selbst die ehemaligen Seeleute, an Spirituosen gewöhnt, sahen fast mit Entsetzen, wie der Mulatte den halben Liter des furchtbar starken Getränkes, flüssiges Feuer, mit einem Zuge hintergoß, ohne eine Miene zu verziehen. Ebensowenig hatte er das Glas erhoben, etwa den Herren Gesundheit wünschend, wortlos setzte er es wieder hin; schweigend und finster stand er da.

»Ist das nicht Ihr Bootsmann, Kapitän?« fragte ein Ingenieur mit leisem Befremden.

»Mein Bootsmann! Und was für ein Kerl, was? Eine Bulldogge in Menschengestalt! Ja, ich füttere die Bestie aber auch gut, daß der Wutstoff in den Blutzellen zur Entwicklung kommt. Dorthin an die Tür stelle dich!«

Manuel gehorchte.

Sein Herr nahm vom Büfett eine große Scheibe Roastbeef und warf sie ihm mit einem »Fang!« geschickt zu; noch geschickter aber fing sie der Mulatte, nur mit den Zähnen, ohne die Hände zu benutzen, und so verschlang er das halbblutige Fleischstück hinter seinem glänzenden Wolfsgebiß.

Es war etwas dabei, was die Anwesenden äußerst unangenehm berührte. Ein Bootsmann bildet die Uebergangsstufe zum Offizier, er will mit Respekt behandelt sein, der Kapitän aber behandelte den seinen wie einen Hund, und so benahm sich der Mulatte auch. Das war gar kein Mensch mehr, er erniedrigte sich selbst zum Tier. Es schien ihm sogar zu gefallen; sein Bulldoggengesicht verzerrte sich zu einem freundlichen Grinsen, und das wollte wiederum zu dem Trotz nicht passen, der sich sonst darin ausprägte. Es war eine ebenso beleidigende und abscheuliche, wie unheimliche Szene.

»Verschwinde, Kerl!« befahl jetzt Flederwisch.

Der Mulatte machte kehrt und verließ das Zimmer ohne Gruß, ohne ein Wort gesprochen zu haben. Dort, wo er gestanden, bedeckten den Boden Blutstropfen, die von seinen Lippen geflossen waren.

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