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作者:德-Robert Kraft 当前章节:15430 字 更新时间:2026-6-22 20:41

Die Vermutung lag also nahe, daß die Dschonke von einer starken Strömung getrieben wurde. Dann aber mußten doch auch die Schwimmer ...

Ich hatte nicht lange Zeit, über das Rätsel nachzugrübeln.

»Ein Dampfer - ein Norweger!« erscholl ein Ruf.

Ich sah ihn hinter der Insel hervorkommen; ich hörte den Kapitän, den sie hier den Master nannten, zu dem Steuermann seine Verwunderung darüber äußern, wie ein solcher Dampfer hierher käme, und da schien es mir an der Zeit, als ehemaliger Gefangener der Piraten handelnd aufzutreten.

»Der gehört mit zu den Seeräubern!« rief ich. »Er ist erst heute im Hafen der Insel angekommen; es sind auch viele Japaner an Bord, und die chinesischen Inselbewohner scheinen unter ihrem Befehle zu stehen.«

Meine Erklärung brachte bei der Mannschaft offenbar eine große Erregung hervor, bei dem Kapitän freilich am allerwenigsten. Er warf mir einen Blick zu, nickte, zog dann gelassen aus einem Futteral an seinem seidenen Gürtel ein Fernrohr, schraubte es lang und richtete es auf den Dampfer.

»Stimmt! Kapitän, Offiziere und viele der Matrosen sind Japaner. Aber ich kenne keinen. Haben Sie den Namen des Kapitäns gehört?«

Die Frage war offenbar an mich gerichtet.

»Den Namen des Kapitäns nicht, aber einen andern. Er befand sich mit im Gefolge des erstern und schien kein gewöhnlicher Mann zu sein. Kanimo wurde er gerufen, fast noch ein Knabe; es wurde ihm befohlen, sich freiwillig den Leib aufzuschlitzen, und er tat es sofort.«

»Kanimo! Den kenne ich, wenigstens dem Namen nach. Dann ist das der >Drachenkopf<, welcher die Inseln revidiert. Das können wir ja überhaupt gleich erfahren.«

Bisher war noch keiner der aufgefischten Piraten verhört worden, doch dem Chinesen, der jetzt befragt wurde, brauchte nicht erst die Pistole auf die Brust gesetzt zu werden, er beantwortete alle Fragen.

Es war nur ein sehr kurzes Verhör, und auch ich brauchte keine nähern Erklärungen abzugeben, es war jetzt keine Zeit dazu.

Länger währte die Beratung, welche zwischen dem Kapitän, einem andern Chinesen, dem Steuermanne und einem Japaner stattfand, wobei immer durch Fernrohre nach dem näherkommenden Dampfer gespäht wurde.

Die Unterredung wurde in chinesischer oder japanischer Sprache geführt, deshalb verstand ich nichts davon. Da streifte mich des Kapitäns Blick, er machte eine Handbewegung, und die andern verstummten sofort.

»Hätte ich doch die Hauptsache bald vergessen!« rief er. »Bitte, Herr Organist, wollen Sie sich hierher bemühen und an unsrer Beratung teilnehmen?«

Diese Anrede kam mir natürlich sehr spanisch vor, aber ich mußte der Aufforderung wohl Folge leisten.

»Haben Sie schon von dem gelben Drachen gehört?« begann der schwarzbärtige Kapitän, der ein so gutes Deutsch sprach und ja auch gar kein Chinese sein sollte, obgleich er genau wie ein solcher aussah. Im übrigen kann ich nur sagen, daß er mir ganz gewaltig imponierte, wenn ich auch gar nicht wußte, weswegen. Es lag eben in seinem ganzen Auftreten.

»Ich habe diesen Namen zum ersten Male von dem Japaner gehört, welcher der Kapitän jenes Dampfers ist,« entgegnete ich. »Auch er fragte mich, ob ich schon den gelben Drachen kenne. Als ich verneinte, erklärte er mir, die Piraten gehörten zum Bunde des gelben Drachen, welcher gegen China Krieg führe ...«

»Genug!« fiel mir der Chinese ins Wort, aber durchaus nicht unhöflich, wie er überhaupt von vollendeter Liebenswürdigkeit war. »Der gelbe Drache ist eben eine geheime Vereinigung, welche gegen die chinesische Regierung agitiert. Sie haben auch Seeräuber in ihren Diensten, welche Dschonken plündern müssen. Das ist ihre unerschöpfliche Geldquelle. An ihrer Spitze stehen meistens Japaner, auch solche in hoher Staatsstellung. Auf jenem Dampfer nun befinden sich solche japanische Führer des Bundes, deren wir gern habhaft werden möchten, weil wir vielleicht wichtige Geheimnisse von ihnen erfahren können. Wie machen wir nun das?«

Was sollte diese Frage bei mir, dem unerfahrnen, in Lumpen gehüllten Jüngling? Gut, ich wollte ihnen eine Antwort geben.

»Wenn Sie ihrer habhaft werden wollen, dann müssen Sie sie einfach fangen.«

»Bravo, das war die einzig richtige Antwort!« lachte der Kapitän. »Nun ist die Sache aber die, daß sich die Japaner nicht lebendig werden fangen lassen. Wir können den Dampfer entern, wir werden siegen, wir werden Chinesen und Japaner zu Gefangenen machen - aber die Männer, auf welche es uns gerade ankommt, weil sie uns etwas zu verraten haben, werden wir nicht lebendig bekommen, die werden noch im letzten Augenblicke Harakiri machen - Sie wissen, kchchch.« Er machte die Bewegung des Bauchaufschlitzens, während er mich mit seinen blitzenden Augen anlachte.

Ich war um die Antwort nicht verlegen.

»Dann muß ihnen die Möglichkeit genommen werden, sich vorher zu töten.«

»Ja, das ist leicht gesagt, aber das Wie! Wie ihrer erst habhaft werden!«

»Der Dampfer muß in den Grund gebohrt werben, daß er auf der Stelle sinkt. Sie müssen plötzlich im Wasser liegen und so mit dem Lasso herausgefischt werden wie diese Piraten hier,« entgegnete ich aufs Geratewohl, nur um nicht die Antwort schuldig zu bleiben.

Lebhaft wandte sich der chinesische Kapitän den andern wieder zu.

»Sehen Sie, mein junger Freund hier ist ganz derselben Ansicht wie ich,« rief er triumphierend, »und das soll den Ausschlag geben! Der Dampfer ist überhaupt sowieso für uns verloren. Sehen die Japaner, daß wir ihn kapern, sprengen sie ihn doch in die Luft und sich selbst mit. So aber verlieren wir nur das Schiff. Was tut's? So eins ist überall zu kaufen. Und was die wertvolle Fracht betrifft ... Steuermann, was für Meerestiefen sind hier?«

»Alles seichtes Gewässer, habe mich schon orientiert, nirgends tiefer als fünfzehn Meter,« entgegnete der Gefragte.

»Na also! Dann schicken wir Taucher hinab, und wenn wir nur die Papiere bekommen, so genügt das schon. Laßt die letzten Piraten an Land schwimmen, sie entkommen uns doch nicht. - Ruder ein!!! Klar zum Ramm!!!«

Was für ein Kommando war das? Klar zum Ramm? Diese elende, hölzerne Dschonke wollte den aus starken Eisenplatten zusammengefügten Dampfer rammen, um ihn in den Grund zu bohren?

Ich blickte mich um. Wohl sah ich an Deck und an der Bordwand Einrichtungen, welche man sonst nicht auf chinesischen Dschonken findet - übrigens war von keinen Apparaten und dergleichen die Rede, höchstens, daß in die Deckplanken feste Eisenboller und Eisenstäbe eingelassen waren - aber sonst war das Ganze doch auch nur so ein gebrechliches Balkengerippe, zusammengenagelt und mit Klammern zusammengehalten; ich prüfte die Ballen und Bretter mit meiner Hand - wurmstichiges Holz, nichts weiter.

Und diese Dschonke wollte dort den eisernen Dampfer in den Grund rammen? Ja, woher wollte sie denn überhaupt die dazu nötige Geschwindigkeit nehmen? Vielleicht daraufzurudern?

Ich hatte wiederum nicht viel Zeit zum Grübeln.

»Klar zum Ramm!!!« wiederholten die Matrosen, zogen die langen Ruder ein und befestigten sie sowie alles, was nicht niet- und nagelfest war, mit fieberhafter Eile an Deck. Dann legten sie sich alle platt hin, stemmten sich mit den Füßen fest und klammerten sich an die im Deck eingelassenen Eisenstangen, welche zu diesem Zwecke wie geschaffen waren.

Auf einen Wink des Kapitäns sprang der großnasige Matrose, übrigens ein sehr kleiner Wicht, der auch über ein Paar wunderbar krummer Beine verfügte, zu mir hin und leitete mich an, die gleichen Vorbereitungen zu treffen, um einen Stoß aushalten zu können.

Auch der chinesische Kapitän legte sich so hin, weit vorn im Schiff, entfernte vor sich ein Brett, und ich bemerkte, daß dort in das Deck ein kleines horizontales Steuerrad eingelassen war, dessen Speichen er erfaßte, während sonst die Dschonke nur eins der primitiven Hebelsteuer besaß.

Außerdem ragte aus dem Deck noch ein kurzes Rohr hervor, an welches der Kapitän seinen Mund brachte, während er durch eins der Löcher unten an der Bordwand die Meeresfläche vor sich überblicken konnte.

Durch ein solches Loch konnte auch ich den Dampfer beobachten. Er hatte sich uns schon so weit genähert, daß jeder Mann an Deck und die Offiziere auf der Kommandobrücke zu unterscheiden waren.

Sie hatten von der Insel ausgesehen, wie die Prauen von der Dschonke in den Grund geschossen worden waren, wie die Schwimmenden aufgefischt wurden, wie die Dschonke mit langen Riemen gerudert wurde - sie kamen nun, sich diese merkwürdige Dschonke näher anzusehen. Sie betrachteten sie natürlich als Feind, und wenn sie auch nicht wußten, wie das elende Holzding dem eisernen Dampfer etwas anhaben konnte, ließen sie doch keine Vorsicht außer acht.

An Deck waren zwei Geschütze postiert worden, welche zuvor sicher noch nicht dort gestanden hatten. Wohl die Hälfte der Matrosen war mit Gewehren bewaffnet, und ich konnte deutlich unterscheiden, daß es moderne Hinterlader waren. Jetzt wurden an sämtliche Leute auch noch schwere Entersäbel verteilt.

Als der Dampfer höchstens noch hundert Meter von uns entfernt war, griff der japanische Kapitän zum Sprachrohr und donnerte zu uns herüber. Bei uns aber kam kein Kopf über der Bordwand zum Vorschein.

»Oho, sie wollen ihr Revolvergeschütz an uns probieren!« meinte der Nasenkönig neben mir. »Na, gnade ihnen Gott, das dürfte ihnen schlecht bekommen, wir sind von Eisenholz gebaut.«

»Klar zum Ramm!!« kommandierte der Kapitän nochmals aber mit leiser Stimme und mehr in fragendem Tone.

»Klar zum Ramm!« bestätigten die Matrosen unisono.

Jetzt legte der Kapitän den Mund an das hinabführende Sprachrohr. »Volle Kraft voraus!!!«

Da ging ein Zittern durch die Planken, immer mehr und mehr, das Wasser schäumte durch die Ausgußlöcher, und ... ich kann es nicht beschreiben, mir schnürte etwas Entsetzliches, die Ahnung des Rätselhaften, das Herz zusammen.

Plötzlich sah ich einen Koloß vor mir - »Festgehalten!!!« erscholl der donnernde Ruf - dann ein furchtbarer Ruck, ein gellender Schrei, ein Krachen und Bersten und Gurgeln - - und alles war wieder still, auch das Zittern der Planken hatte aufgehört.

Ich sprang wie die andern auf. Ruhig schaukelte sich unsre Dschonke auf der nur leicht bewegten, aber stark schäumenden See, in der es von schwimmenden Menschen wimmelte. Aber der eiserne Dampfer war verschwunden.

Die hölzerne Dschonke hatte ihn glatt durchschnitten und war selbst vollkommen unbeschädigt geblieben!

Ich schildere zuerst, was ich zu sehen bekam.

Die Schwimmenden, von denen nur einige Verletzungen davongetragen hatten, obgleich es auch einige Tote gegeben haben sollte, die aber vorläufig von den Wellen verschlungen worden waren, wurden aufgefischt und an Bord gezogen, wieder arbeitete der Lasso fleißig, und bei dieser Art von Rettung hatte man es ganz besonders auf die kurzgeschorenen Kopfe von Japanern abgesehen.

Wieder hatte ein solcher die Wurfleine unter den Armen zugezogen bekommen, da machte er eine eigentümliche Bewegung, und als man ihn heraufzog, hatte er seinen Dolch im Herzen.

So sah ich noch mehrere Selbstmord begehen; selbst im Wasser schlitzten sie sich die Leiber auf, nicht nur Japaner, auch Chinesen. Es war die greulichste Szene, die ich je gesehen habe, und war mir damals ganz unverständlich, weshalb sich diese Männer auf solche Weise selbst abschlachteten.

Es kamen jedoch noch genug lebendig an Bord. Sie wurden gebunden und hinabbefördert. Unter ihnen erkannte ich auch den japanischen Kapitän, den man bewußtlos aufgefischt hatte.

Unterdessen hatte die Dschonke zwei Anker ausgeworfen, welche Grund fanden, eine Handpumpe wurde an Deck gebracht, und ein Mann zog schon den Taucheranzug an. Zugleich wurden auf der andern Seite gebogene Planken von Eisenblech zusammengeschraubt, und im Nu entstand unter den Händen der Matrosen ein seetüchtiges Boot.

Auch hierbei ging alles wieder mit einer geradezu fabelhaften Geschwindigkeit vor sich. Eine Disziplin herrschte an Bord dieser Dschonke, wie ich sie noch auf keinem Kriegsschiff beobachtet hatte, und dabei war kaum ein Kommando nötig, jeder Matrose schien ein Muster von Intelligenz zu sein, wußte genau, was er zu tun hatte, und arbeitete dem andern in die Hand.

Ich hatte an Bord dieser merkwürdigen Dschonke nun schon so viel Seltsames erlebt, daß es mich gar nicht mehr wunderte, daß in dem Taucherhelm ein kleines Telephon angebracht und durch grünumsponnene Drähte mit einem an Deck befindlichen Sprechapparate verbunden war, und daß in dem Blechboote, ehe man es in das Wasser hinabließ, ein kleines Revolvergeschütz montiert wurde.

»Herr Hammer, Sie möchten mir zum Kapitän folgen.«

So wurde ich von einem deutschen Matrosen in chinesischer Kleidung angeredet. Ich folgte ihm die steile Treppe hinab, mit der Ahnung, daß jetzt die Lösung aller Rätsel kommen würde, und infolgedessen schaute ich meine Umgebung unter Deck nicht besonders an, wunderte mich auch nicht sehr, als ich in eine zwar winzig kleine, aber höchst komfortable Kajüte eintrat, welche man in einer Dschonke nimmermehr vermutet hätte.

Erstaunter schon betrachtete ich den Mann, der mich hier stehend empfing. Auch er trug chinesische Kleidung, aber an Deck hatte ich ihn noch nicht gesehen; denn der blonde Lockenkopf mit den schönen, edlen, aristokratischen Zügen wäre jedem sofort aufgefallen.

Lächelnd blickte er mich an, als er auf das kleine Sofa deutete, welches neben dem Miniaturschreibtisch stand.

»Bitte, Herr Organist, wollen Sie Platz nehmen!«

Ich tat es, er ließ sich vor dem Schreibtisch nieder, noch immer mich lächelnd anblickend, und ich wiederum konnte mich nicht sattsehen an diesem Urbild eines jugendkräftigen Germanen in voller Mannesschönheit, wobei ich seine chinesische Kleidung ganz vergaß.

»Nun, Herr Organist, wie geht es Ihnen?« begann er das Gespräch.

»Ich kann nur staunen.«

»Sie kennen mich nicht?«

»Nicht im geringsten.«

»Ich bin der Kapitän dieser Dschonke.«

»Ich glaubte, der Kapitän wäre der Chinese mit dem langen Barte, der von den Matrosen der Master genannt wird.«

»Dieser Chinese und Master bin ich selbst.«

Er griff in ein Schubfach des Schreibtisches, brachte ein Bündel Haare zum Vorschein, wendete das Gesicht zur Seite, machte sich an seinem Kopfe zu schaffen, nur wenige Augenblicke - - und als er sich mir wieder zuwandte, sah ich wieder den langbezopften Kapitän mit dem herabhängenden Schnurrbart und den hervorstehenden Backenknochen.

Ohne ein Wort zu verlieren, nahm er die Perücke und den falschen Bart wieder ab und legte beides gleichgültig in das Schubfach zurück, und dabei sah ich, wie sich sein Gesicht plötzlich total veränderte, vor mir saß wieder der, den ich beim Eintritt hier gefunden hatte.

Ich hatte ihm selbst gesagt, daß ich nur staunen konnte.

»Das genügte wohl, um die Wahrheit meiner Behauptung zu beweisen. Haben Sie schon von einem gewissen Nobody gehört, Privatdetektiv und Berichterstatter von >Worlds Magazine

Ich verneinte.

»Wenn Sie drei Jahre lang auf See gewesen sind, so ist das begreiflich. Sie haben doch in Hongkong mit einem schwarzbärtigen Herrn gesprochen, welcher Sie als Matrose für seine Jacht engagieren wollte.«

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