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作者:德- John Keats 当前章节:15396 字 更新时间:2026-6-22 20:40

Stand auf, mit trocknen Locken, und begann

In schweren Lauten, die wie Brandung brausten:

»O ihr, die Wut verzehrt, die Leid zermartert!

Die ihr Vernichtung fürchtend Kummer pflegt!

Verschließt die Sinne, schließet eure Ohren,

Mein Wort ist nicht wie Blasebalg für Zorn.

Doch die ihr wollt, hört zu, wie ich beweise,

Daß ihr zu beugen euch gezwungen seid.

Und viel an Tröstung bietet mein Beweis,

Wenn wir des Trostes Wahrheit ganz erfassen.

Naturgesetz ist Ursach unsres Sturzes,

Nicht Jupiter und auch nicht Donnerkraft.

Saturn, erhabner Gott, wohl forschtest du

In jede Einzelheit dem Weltall nach,

Doch weil du König bist, warst du auch blind

Aus Überlegenheit, und eine Straße

War deinem Blick verborgen, eine Straße,

Auf der ich selbst zur ewigen Wahrheit kam.

Und höre erstens: wie du nicht die erste

Der Mächte warst, bist du auch nicht die letzte;

Du bist der Anfang nicht und nicht das Ende.

Aus Dunkelheit und Chaos kam das Licht,

Aus jenen Früchten innerlichen Aufruhrs,

Der finstern Gärung, die zu fernen Zielen

Hinreifte. Und die reife Stunde kam,

Und mit ihr Licht und Licht, das mit dem eignen

Erzeuger weiter zeugte und fortan

Ins Leben rief unendliche Materie.

Seit jener Stunde ward es offenbar,

Daß Erd und Himmel nah Verwandte sind.

Denn du der Erstgeborene, und wir, die Riesen,

Regierten neue schöne Reiche nun.

Jetzt kommt der Wahrheit Schmerz – wenn's Schmerz bedeutet.

O Narrheit! Denn die nackte Wahrheit tragen

Und dem Ereignis still ins Antlitz sehn,

Das ist die höchste Hoheit. Merket wohl!

Wie Erd und Himmel viel, viel schöner sind,

Als Dunkelheit und Chaos, und wie wir

Dem Himmel und der Erde weit entragen,

In Wuchs und in Gestaltung fest und schön,

In Willen, Tun und Kameradschaft frei,

Und tausend andern Zeichen reinen Lebens,

So folgt Vollkommneres uns auf dem Fuße,

In Schönheit stärker und von uns geboren,

Bestimmt, emporzuwachsen über uns,

Wie wir das alte Dunkel überragen.

Und mehr nicht sind von ihnen wir besiegt,

Als einst durch uns das formenlose Chaos.

Sagt, streitet denn die träge Erde mit

Den stolzen Wäldern, die sie großgefüttert

Und heut noch füttert – besser als sich selbst?

Kann sie die Hoheit grüner Haine leugnen?

Und soll der Baum die Taube wohl beneiden,

Weil sie mit weißen Schwingen wandern kann,

Wohin sie will, und gurren kann in Lust?

Wir sind so Waldesbäume. Unsre Knospen,

Sie sprangen auf; doch keine bleichen Tauben,

Nein, goldne Adler brachten sie zur Welt,

Die über uns in heller Schönheit schweben

Und darum herrschen müssen; denn Gesetz

Ist dieses: Schönstem sei die Macht! Wahrhaftig!

Durch dies Gesetz mag späteres Geschlecht

Die Sieger über uns in Nöte bringen.

Habt ihr den jungen Meeresgott gesehn?

Ihn, der mich stürzte? Saht ihr sein Gesicht?

Den Wagen, den durch Schaum und Wogen zogen

Beschwingte Wesen, die er selbst sich schuf?

Ich sah ihn durch die sanften Wasser gleiten,

Mit solchem Schönheitsglanz in seinen Augen,

Daß ich von meinem Reiche Abschied nahm,

In Trauer schied und hierher kam, zu sehen,

Wie Schmerzgeschick euch drückte und wie Trost

Ich fände für dies furchtbar große Weh.

Nehmt hin die Wahrheit, laßt sie Balsam sein.«

Ob sie, als nun Oceanus geendet,

Das Schweigen wahrten aus Ergriffenheit,

Aus Hochmut, kann kein tiefstes Denken wissen.

Doch war es so: nicht einer schenkte Antwort;

Nur sie, die Unbeachtetste, Clymene.

Doch kein Entgegnen war's, nur sanfte Klage

Mit Fiebermund und tränenmildem Blick,

Die schüchtern in der andern Grimm sich wagte:

»O Vater, ich bin hier die schwächste Stimme,

Und all mein Wissen ist, daß Lust entfloh

Und dieses Leid in unsre Herzen kroch,

Für immer dort zu bleiben, wie ich fürchte.

Ich würde nicht von Unglück prophezeihn,

Dächt' ich, ein arm Geschöpf wie ich vermöchte

Die Hilfe abzuwenden, die nach Recht

Uns kommen sollte von den höchsten Göttern.

Doch laß mich meinen Kummer sagen, – sagen,

Wovon ich hörte, was mich weinen machte,

Mir Wissen gab, daß alle Hoffnung fern.

Ich stand an einem anmutvollen Ufer,

Wo süßer Atem einer Gegend wehte,

Die Duft und Ruhe, Baum und Blumen hatte,

Voll stiller Freude war, wie ich voll Leid, –

Zu voll von Lust und selig sanfter Wärme,

Sodaß mein Herz Verlangen trug zu schelten

Und jene Einsamkeit mit Klageliedern,

Mit Sang von unsren Schmerzen tief zu schmähn.«

Ich setzte mich und nahm geklaffte Muschel

Und sprach hinein und machte Melodie –

O Melodie nie mehr! Denn als ich sang

Und wenig kunstvoll in die Lüfte blies

Der dumpfen Muschel Echo, kam von drüben,

Von grünbebuschtem Inselland im Meer,

Ein Zauber mit den Winden hergetrieben,

Der mich betäubte und doch wach erhielt.

Ich warf die Muschel fort in Sand, und Flut

Verschlang sie, wie mein Sinn verschlungen ward

Von jener neuen goldnen Melodie.

Lebendiger Tod erfüllte diese Klänge

Und jeden Ton und wonnigen Akkord,

Der eilig lief, in neuen Klang verschmolz,

Wie Perlentropfen, die von Fäden fallen.

Und immer wieder folgten andre Töne –

Wie Tauben, die den Ölbaumzweig verlassen,

Musik statt Federn in den leichten Schwingen –

Mich zu umflattern und mich krank zu machen

Mit Lust und Leid in einem Atemzug!

Leid überwog. Ich hielt die Ohren zu,

Doch trotz des Schutzes angstverwirrter Hände

Kam ach wie süße Stimme zu mir her,

Viel süßer noch als Sang erklang's: »Apollo!

Apollo, jung und morgenhell und jung!«

»O Vater und o Brüder, hättet ihr

Gefühlt, was ich da litt, hätt'st du's, Saturn,

Gefühlt, ihr würdet den demütigen Mund

Nicht schelten, daß er sucht, gehört zu werden.«

So floß ihr Wort dahin wie schüchtern Bächlein,

Das sachte sich durch Kieselufer schlängelt

Und die Begegnung mit dem Meere fürchtet.

Doch Meer-Begegnung kam und ließ es schaudern:

Gewaltig hob Enceladus die Stimme

Und schlang es ein in Wut. Die Silben rollten

Gleich dumpfen Wogen in durchspülten Höhlen

Der Klippenfelsen tosend ihm vom Mund,

Indes er lässig aufgestützt in Trotz

Noch immer lang auf Felsenplatte lag:

»Wem schenken wir Gehör – dem überweisen,

Dem überdummen dieser Riesen, Götter?

Nicht Donnerschlag auf Donnerschlag, bis jener

Rebell sein Waffenzeug verschleudert hätte,

Nicht Welt um Welt auf meinen Schultern könnte

Mich bittrer peinigen als Kinderworte

In Not und Jammer dieses Schreckensturzes.

So sprecht doch, brüllt, ihr schläfrigen Titanen!

Vergaßt die Schläge ihr, den frechen Stoß?

Hat nicht ein Jünglingsarm euch umgeworfen?

Vergißt du, Herr der Wogen, deinen Sturm? –

Ha! Hab ich mit so wenig schlichten Worten

Schon euern Groll geweckt? O Freude, Freude!

Jetzt seh ich, daß ihr nicht verloren seid.

Jetzt seh ich tausend Augen Rache glühen!«

Als er das sagte, stand er ragend auf,

Und ungehindert fuhr er also fort:

»Jetzt, da ihr Flamme seid, will ich euch lehren,

Der Feinde Äther gründlich durchzuläutern,

Des Feuers Zackenstachel recht zu lenken

Und Jupiters Gewölke wegzusengen,

Den Schwachen in sein Zelt zurückzuscheuchen.

O laßt ihn fühlen, was er Übles tat!

Veracht' ich gleich Oceanus' Gerede,

Trag ich doch Leid um mehr als nur Verlust

Von Reichen. Fort ist Friede, fort die Ruhe

Stillsanfter Tage, denen Kämpfe fremd,

Da jede schöne Wesenheit des Himmels

Mit offnen Augen nahte, um zu lauschen,

Das war, eh unsre Stirn das Runzeln lernte,

Eh unsre Lippen andre Laute kannten

Als feierlichen Klang; war, eh wir wußten,

Daß Sieg, dies Flügelding, verloren gehn,

Gewonnen werden könne. Und bedenkt,

Hyperion, strahlendster von unsern Brüdern,

Er ist noch ungekränkt – Hyperion, oh!

Sein Strahl, sein Glanz und Strahl ist hier bei uns!«

Sie blickten alle auf Enceladus

Und sahn, indes von seinen Lippen noch

Hyperions Name an die Felsen hallte,

Ein blasses Leuchten auf den strengen Zügen,

Die nicht mehr wild; sah er doch manchen Gott

Gleich ihm in Glut. Er blickte auf sie alle

Und fand in jedem Antlitz hell ein Licht;

Und leuchtender als alle stand Saturn,

Die greisen Locken schimmerten wie Schaum

Um blanken Kiel, der nachts den Hafen sucht.

In silberblassem Schweigen harrten sie,

Bis morgenhellster Glanz die steilen Hänge.

Die dunklen Klüfte der Vergessenheit

Und jede Schlucht und jede Felsenspalte

Und jede Höhe und erschreckte Tiefe,

Durch die mit heiserm Schrei sich Ströme quälten,

Und all die ewigwilden Katarakte

Und nah und fern die kopflos hastigen Bäche,

Zuvor in schweren Schatten eingedunkelt,

Mit grauenhafter Helligkeit durchdrang.

Es war Hyperion. – Ein granitner Gipfel

Bot seinen heilen Füßen Platz zur Ruhe.

Da stand er und beschaute Not und Jammer

Und Graun und Schauder, die sein Glanz enthüllt, –

Sein Haar wie Gold, numidisch kurze Locken,

Von königlicher Hoheit die Gestalt,

Die, riesiger Schatten, stand im eignen Licht

Wie Memnons Leib bei Sonnenuntergang,

Wenn ihm aus dunklem Ost ein Wandrer naht.

Auch Seufzer, trauervoll wie Memnons Klage,

Entflogen ihm; er preßte beide Hände

In Leid zusammen, mitten in dem Schweigen.

Verzagtheit faßte wiederum die Götter,

Als sie den Herrn des Tags so mutlos sahn,

Und viele wandten ihren Blick vom Licht.

Enceladus, der Feurige, doch sandte

Das glühe Auge zu den Brüdern hin.

Auf stand Iäpetus und Creus auch

Und Phorcus, und zusammen schritten sie

Zum Felsen hin, wo jener turmgleich ragte.

Dort riefen laut die vier Saturn bei Namen:

Hyperion rief vom Gipfel hell: »Saturn!«

Saturn saß nahe bei der Göttermutter,

In deren Antlitz keine Freude war,

Obgleich die Götter all aus dumpfen Kehlen

»Saturn!« und wieder diesen Namen riefen.

Drittes Buch

So tobten die Titanen bald in Aufruhr,

Bald sanken sie in stiller Trauer hin.

O laß sie, Muse! Laß sie ihrem Leid.

Zu zart bist du, solch Toben zu besingen.

Ein einsam Weh liegt deinen Lippen besser

Und schöner singst du Gram des Einzelnen.

O laß sie, Muse! Oft noch wirst an Ufern,

In Wildnis du gefallne Götter finden,

Die rastlos die verlornen Reiche suchen.

Doch rühre sanft die delphisch süße Harfe,

Und Himmelshauch nur darf das liebe Zwitschern

Dorischer Flöte lieblich unterstützen,

Denn sieh, dem Herrn der Dichtung gilt dein Lied.

Erröte alles, was die Röte kennt!

Du Rose, glühe Wärme in die Luft,

Du Abendrot, ihr morgenroten Wolken,

Umfließt in wonnigem Gelock die Höhn!

Der rote Wein im kühlen Silberbecher

Er brause auf, wie junger Sprudelquell;

Zartlippige Muscheln tief in Meereswogen

Und hoch am Strand, sie mögen Röte fühlen

Durch alle Gänge ihres Labyrinths,

Und Mädchen mögen glühen, wie geküßt!

O Delos, erste Insel der Cycladen,

O Freude deinen grünenden Oliven

Und Pappeln, Palmen über Wiesengründen

Und Buchen, deren Lied der Zephir wiegt,

Und Haselstauden, die in Schatten stehen!

Apoll ist wieder unser goldnes Thema!

Wo war er, als der Sonnenriese leuchtend

Das Leid der andern Götter überstrahlte?

Die schöne Mutter und die Zwillingsschwester

Ließ er in Schlaf im Laubengrund zurück

Und schritt im Morgenzwielicht durch die Weiden.

Maiglöckchen blühten hell um seinen Fuß

Am Bache hin. Die Nachtigall war stille,

Und letzte Sterne zögerten am Himmel.

Die Drossel sang gelassen. Weit und breit

Trug diese Insel Dickicht nicht noch Grotte,

Durch die nicht Murmellaut von Wasser rauschte.

Er lauschte, weinte, und die hellen Tränen

Durchtropften blitzend seine goldne Leier.

Er stand, die feuchten Augen halb geschlossen,

Da nahte unter niedern Zweigen her

Mit feierlichen Schritten eine Göttin,

Und sinnvoll lag auf ihm ihr tiefer Blick,

Den er befangen zu enträtseln suchte,

Indem er sanft und klingend zu ihr sprach:

»Wie kamst du über unwegbare Meere;

Doch wär es möglich, daß in diesen Hainen

Du seltsam Wesen unsichtbar gehaust?

Ja sicherlich, ich hörte diese Kleider,

Wenn ich allein in kühlen Wäldern lag,

Durch welke Blätter rauschen. Ja, ich fühlte

Der faltigen Gewänder sanfte Bogen

Durch Wiesen gleiten, sah die Blumen alle

Die Köpfe heben, als ihr Flüstern kam.

O Göttin! Dieser Augen ewige Ruhe,

Ich sah sie schon, sah dieses Antlitz schon –

Es sei denn, daß ich träumte.« »Ja,« sprach sie,

Die Himmlische, »du hast von mir geträumt

Und wachtest auf und sahst an deiner Seite

Die Leier ruhn, die ganz aus Golde war,

Mit Saiten, denen, wenn du sie berührtest,

Das ungeheure nimmermüde Ohr

Des ganzen Weltalls schmerzbeseligt lauschte,

Daß solch ein Tönewunder möglich war.

Wie sonderbar, daß du nun weinen solltest,

Der so begnadet ist! Erzähle, Jüngling,

Welch Sorgen fühlst du? Denn ich bin in Trauer

Um jede Träne, die du weinst: enthülle

Den Kummer einer, die auf dieser Insel

Die Stunden deines Schlafs und deiner Freude

Bewachte, von dem jungen Tage an,

Da deine Kinderhand gedankenlos

Die zarten Blumen pflückte, bis dein Arm

Für alle Zeit den Bogen spannen konnte.

Zeig einer altehrwürdigen Macht dein Herz,

Die heiligen Thronen nur um dich entsagte,

Der neugebornen Lieblichkeit zum Heil.«

Apollo dann, mit klaren Augen forschend,

Gab Antwort, und die liederreiche Kehle

Erbebte, als er sprach: »O Mnemosyne!

Dein Name kommt mir, weiß ich auch nicht wie.

Muß ich dir sagen, was so gut du siehst?

Muß ich zu zeigen suchen, was dein Mund

Enträtseln kann? Vergessenheit drückt dunkel

Und leidvoll auf mein Auge ihre Siegel.

Ich forsche nach, weshalb ich traurig bin,

Bis Schwermut alle meine Glieder lähmt.

Im Grase lieg ich dann und seufze tief.

Wie einer, der einst Schwingen trug. – Warum

Fühl ich mich so erniedrigt, da die Luft

Doch meinen Schritten fügsam ist. Warum

Ist meinem Fuß verhaßt der grüne Rasen?

O selige Göttin! Zeige Unbekanntes:

Gibt's keinen andern Ort als diese Insel?

Was sind die Sterne? Und da ist die Sonne,

Die Sonne! Und des Monds geduldiger Glanz!

Und Tausende von Sternen! Zeig den Weg

Zu irgend einem einzig schönen Stern,

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