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作者:德- John Keats 当前章节:15392 字 更新时间:2026-6-22 20:40

Wenn die Glut zu Glanz entfacht

Geistert durch die Winternacht.

Wenn die Erde stumm und kalt

Und der Schnee sich klebrig ballt

Um des Bauern plumpen Schuh,

Nacht sich dehnt der Mittnacht zu

Und aus ihrem Dunkelland

Alles Wirkliche verbannt,

Ruhe dann und laß von hinnen –

Ehrfurcht leite dies Beginnen –

Phantasie zu hohem Flug!

Genien dienen ihr genug.

Winter weiß nur Frost zu weben –

Sie wird Schönheit wiedergeben,

Alles bringt sie wieder dar:

Sommer, der dir glühend war,

All des Maimonds Blütenlast,

Tauigen Stiel und dornigen Ast;

All des Herbstes reifen Segen,

Frucht und Duft und sanften Regen,

Mischt sie dir zu seligem Trank –

Schlürfe ihn und sag ihr Dank.

Schlürfe ihn – und zu dir zieht,

Ferneher ein Erntelied;

Reife Halme hörst du fallen,

Hörst den Sang der Nachtigallen,

Lerchenlust, die im April

Nie den Jubel enden will;

Hörst den rauhen Ruf der Krähen,

Die nach Halm und Reisig spähen,

Und du siehst im ersten Grün

Enzian und Primeln blühn,

Lilien in weißer Pracht,

Rose, die zur Sonne lacht,

Und das mailiche Frohlocken

Blauer Hyazinthenglocken,

Zweige, Blätter, Blütentaschen,

Die der Regen blank gewaschen.

Siehst die Feldmaus, die erwacht

Lugt aus ihrem Winterschacht,

Schlange, die vom Schlafen mager,

Lauert im durchsonnten Lager;

Siehst den Dornbusch Nestchen wiegen,

Drin gefleckte Eier liegen,

Und im moosigen Bett versteckt

Feldhuhn, das die Flügel streckt.

Hörst die Bienen, die im Grün

Summend hin und wieder ziehn,

Eicheln, die zu Boden schlagen,

Und des Herbstwinds Sang und Klagen.

Süße Phantasie, laß frei!

Alles wird zum Einerlei,

Selbst der Liebsten rosige Wangen

Scheinen nicht wie einst zu prangen.

Wo ist wohl der reife Mund,

Der dir neu zu jeder Stund?

Wo ein Antlitz, noch so hold,

Dem man stets begegnen wollt?

Wo die Stimme, noch so lieb,

Die uns stets ein Wohlklang blieb?

Denk dein kleines Glück zerfließt:

Regen, der aufs Pflaster gießt.

Drum laß Phantasie sich schwingen,

Sie wird dir ein Traumbild bringen,

Süß, wie einst Proserpina,

Eh der Gott der Qual sie sah,

Weiß von Leib und weiß von Lenden,

So wie Hebe, als in Händen

Sie den Becher hob und klirrend,

Jupiter den Sinn verwirrend,

Daß sein Blick sich Sehnsucht trank,

Gürtel ihr und Kleid entsank.

Auf das Netz! Gib frei die Zügel!

Schon hebt Phantasie die Flügel.

Tore auf! Sie will entschweben,

Um dir all dies Glück zu geben. – –

Laß die Phantasie nur schweifen,

Freude will zuhaus nicht reifen.

Schlaf und Poesie

Was ist noch sanfter als ein Sommerwind?

Als Bienensummen, das so still gelind

Von Kelch zu Kelch die Blütenstraße schwingt

Und milden Frieden in die Seele bringt?

Was ist geruhiger als im Inselgrün

Der Moschusrose unbemerktes Blühn?

Heilsamer als des Talwalds Blätterschwall?

Geheimer als das Nest der Nachtigall?

Stillheitrer als Cordelias Angesicht?

Traumvoller als erhabenstes Gedicht? –

Nur du, o Schlaf, der zart die Augen schließt,

Ein zärtlich Lied in müde Seelen gießt,

Der unser frohes Lager leicht umschreitet,

Um Trauerweiden Mohngewinde breitet,

Der Mädchenlocken schweigend wirrt und wendet,

Nur du, dem jeder Morgen Hymnen sendet,

Weil deine Kräfte hell und froh beglücken

Die Augen, die zum Sonnenaufgang blicken.

Doch was ist höher noch als alles Träumen?

Was frischer noch als Frucht von Höhenbäumen?

Was wundervoller, sanfter, königlicher

Als Schwanenschwingen oder feierlicher

Als ferner Adlerflug? – Mit nichts vergleichen

Läßt sich dies eine und von nichts erreichen!

Daran zu denken, heißt sich zu versenken,

Sich heiliger Andacht liebend hinzuschenken.

Es überschauert uns mit Ungewittern,

Es rüttelt uns wie unterirdisches Zittern,

Und manchmal weht's wie Flüstern von den vielen

Geheimnissen, die in den Lüften spielen –

Von irgend einem Wunder um uns her.

Da blicken wir entzückt und spähen sehr

Nach fernem Glanz, nach fremden Luftgebilden,

Nach einem Ton aus himmlischen Gefilden

Und nach dem Lorbeer, der das Haupt uns schmückt.

Wenn unser Fuß die Erde nicht mehr drückt:

Und manchmal kommt es voller Glanz und Glocken,

Und aus dem Herzen brausen, oh Frohlocken!

Erhabne Worte, die sich gottwärts schwingen,

Bis Traum und Glut in Flüstern still verklingen.

Ein jeder, der die lichte Sonne sah

Und alle Wolken, und der rein und nah

Des ewigen Schöpfers Gegenwart empfand,

Muß fühlen, was ich meine, und in Brand

Muß jetzt sein Innres lohn, da ich ihm bringe

So lief empfundne heimatliche Dinge.

O Poesie! Dir beten meine Worte,

Daß einmal du mir auftun magst die Pforte

Zu deinen Himmeln – oder sollt ich knien

Auf Bergeshöhen und die Harmonien,

Die deinem Mund entfliehn und mich umschweben,

Als dein getreues Echo wiedergeben?

O Poesie! Dir klagen meine Worte,

Daß einmal du mir auftun magst die Pforte

Zu deinen Himmeln! Möge meinem Flehen

Ein Lüftchen nur aus diesen Himmeln wehen,

Das – Lorbeerblüten eine luftige Wiege –

Mir trunkne Wollust bringt, der ich erliege.

Dann steigt vielleicht mein Geist am Sonnenlicht

Empor und schaut Apoll ins Angesicht;

Und kann ich höchste Seligkeit ertragen,

So werd ich bis ins Heiligste mich wagen.

Da wird dann moosige laubverborgne Stelle

Mir zum Elysium – zur ewigen Quelle,

Zum Buch, drin viel Entzückendes zu lesen

Von Blatt und Blume und von Spiel und Wesen

Der Wald- und Wassernymphen und von Zweigen,

Die eines Mädchens Schlummer kühl umschweigen,

Und mancher Vers von seltsam fremder Art,

Der wie aus andrer Welt sich offenbart.

Auch Phantasien werden mich umschweben,

Mir feierschöne Traumvisionen geben;

In frohem Schweigen will ich sie durchziehn,

So wie durch Schluchteneinsamkeit und Grün

Der Fluß Mäander seine Schleifen zieht.

Und komm ich in verwunschenes Gebiet,

In Zaubergrotte, in erhabnen Schatten,

Auf himmelferne grüne Bergesmatten,

Die strahlend stehn im bunten Blumenkleid,

Verschämt in ihrer eignen Lieblichkeit –

Dann schreib ich das, was Menschensinn versteht,

Auf meine Tafeln, daß es nicht vergeht,

Und werde dieser Welten Vielgestalten

Mit Riesenkräften greifen, fühlen, halten

Und meinen Geist mit Sporn und Ehrgeiz plagen,

Bis an den Schultern ihm die Schwingen ragen,

Die jedes Hemmnis freudig überwinden,

Ihn aufwärts ziehn, Unsterblichkeit zu finden!

Doch halt, bedenk! Ein einziger Tag ist Leben –

Tautropfen, der aus Wipfellaub soeben

Herniederrinnt – des Wilden Schlaf im Kahn,

Den Wirbelstrudel riß in Todesbahn.

Warum so schmerzliche Vergleiche geben?

Blühsehnsucht einer Rose ist das Leben,

Ein Buch, darin viel Abenteuer sind,

Ein übermütiges Mädchentuch im Wind,

Ein Vogel, der durch Sommersonne gleitet,

Ein Knabe, der auf Ulmenästen reitet

Und himmelfern von Sorge, Gram und Denken.

O nur zehn Jahre, tief mich zu versenken

In Poesie! daß ich das Ziel erfülle,

Das von mir selbst verlangt mein eigner Wille;

Daß ich durch diese Lande, die ich sehe,

Mit unermüdlich wachen Augen gehe!

Des alten Pan und Floras üppiges Reich

Durchstreife ich zunächst; im Gras am Teich

Geh ich zur Ruh und pflücke reife Beeren

Und darf, was Phantasie nur sieht, begehren:

Im Waldversteck die weißen Nymphen fangen,

Der Sträubenden viel Küsse abverlangen,

Auf zarte Schultern liebevoll vermessen

Inbrünstig diese kleine Wunde pressen,

Die sie erschauern macht, bis voll Erbarmen

Die Spröde mich umfängt mit Weibesarmen.

Und andre ruft mit anmutvollem Lächeln

Ein Taubenpaar, mir Kühlung zuzufächeln.

Und andre tanzt und schwingt mit flüchtiger Hand

Rund um den Kopf ihr grünendes Gewand –

Und tanzt und tanzt mit wohlgefälligem Fuß

Und lächelt Baum und Blumen ihren Gruß.

Und andre lockt und winkt und lockt und winkt

Mich durch den Hain, der hell in Blüten blinkt,

Bis tief in seine Blättereinsamkeit;

Dort liegen wir in solcher Traulichkeit

Verkettet und verschlungen, wie beisammen

Im stillen Muschelhaus zwei Perlen flammen.

Und kann ich diese Freuden je verlassen?

Ich muß es wohl, um Edleres zu fassen,

Ein Leben, das mich alle Leiden lehrt:

Was Menschenherz erkämpft, erträgt, begehrt.

Denn oh: von dort, wo Bergesklüfte blauen,

Gleitet ein Wagen her aus Wolkenauen,

Den Mähnenrosse ziehn; der Lenker blickt

Aus in den Wind, ehrfürchtig und beglückt.

Und jetzt erschauert leise das Gespann

Am Wolkenrand; doch munter kommt sodann,

Vom Sonnenauge rings umstrahlt mit Gold,

In Fröhlichkeit das Rad herabgerollt.

Und immer tiefer wirbeln seine Speichen,

Bis sie den grünen Hügelhang erreichen;

Dort bleibt der Wagen zwischen Gräsern stehn.

Der Lenker spricht – wie seltsam anzusehn –

Zu Berg und Bäumen, und alsbald erscheinen

Gestalten, die da jubeln, staunen, weinen;

Sie wandern her auf grausig düstern Wegen,

Wo mächtige Eichen dräun – und rastlos regen

Sie müden Fuß, als wollten sie ein Lied

Erjagen, das mit flüchtigen Winden flieht.

Horch! wie sie murmeln, lächeln, lachen, weinen,

Mit herbem Mund, erhobner Hand die einen,

Und andre haben tief in ihren Armen

Den Kopf begraben; manche gehn im warmen

Und hellen Glanz der Jugend durch das Grau,

Zurück sehn diese, jene hoch ins Blau.

Von tausenden hat jeder seine Weise,

Und tausend ziehn vorbei. Im Schwesterkreise

Kommt tanzend eine Mädchenschar geschwirrt,

Das lange Haar in Locken aufgewirrt.

Nun breite Schwingen. Jener dort im Wagen

Beugt weit sich vor, und seine Blicke fragen,

Er scheint zu lauschen, seine Wangen brennen,

Er schreibt – oh dürft ich dies Geschriebne kennen!

Die Bilder sind entflohn – Gespann und Wagen

Entflohn ins Himmellicht; mich aber plagen

Nun doppelt schwer die ganz realen Dinge

Es ist, als ob die Seele unterginge

In trübem Strom, im Nichts. Doch ich will sehr

Mich gegen Zweifel wehren: wach und hehr

Sei mir der Wagen und die seltne Fahrt,

Die er gemacht.

Hat denn die Gegenwart

Nicht Raum genug, daß Phantasie sich hebe

Und wie in alten Zeiten hoch entschwebe,

Die Rosse schirre, lichtwärts sie zu tragen,

Um sonderbare Taten dort zu wagen

In Wolkenfernen? Zeigte sie uns nicht

Das Atemhauchen des Vergißmeinnicht

So gut wie hoch des Äthers reines Wehen?

Läßt sie uns nicht den tiefen Sinn verstehen

Von Jupiters weitschweifigen Augenbrauen –

Und läßt uns doch die kleinen Wiesen schauen

Im zarten Frühlingsgrün? Ihr Altar ragte

Auch hier auf dieser Insel; wer wohl wagte

Den Chor zu übertönen, der ihr scholl,

In Harmonien brausend aufwärts schwoll,

Bis er im Weltenraum sich selbst verdichtet

Und machtvoll kreisend Klang auf Klang geschichtet

Zu riesigem Planet, der ewig rollt

Und ewig tönend durch Äonen tollt?

Ach, damals waren sie noch sehr geehrt,

Die edlen Musen, und man hielt sie wert,

Und keine Sorge konnte sie bedrücken,

Als nur zu singen, singend zu beglücken.

Konnt all dies der Vergessenheit verfallen?

Ja, Streit und Trug und Barbarei vor allen

War schuld, daß sich Apoll errötend wandte.

Der galt bei Menschen weise, der nicht kannte

Apollos Herrlichkeit; ach, sie regierten

Ein hölzern Schaukelpferd und triumphierten

Und hießen's Pegasus. O Geistesnacht!

Das Weltmeer rollte seine Wogenpracht,

Die Himmelswinde bliesen, und das Blau

Entblößte seine ewige Brust; der Tau

Beperlte hell das Kleid des Schmetterlings

Und schmückte alles: Schönheit wachte rings!

Was waret ihr nicht wach? Doch ihr wart blind

Für das, was fremd euch war – ein Labyrinth

Kleinlicher Regeln, elender Gesetze

Hielt euch gefangen, und in diesem Netze

Lieft ihr einher und fingt euch Verse ein –

Die wußtet ihr in Ordnung aufzureihn

Und zuzustutzen. Leicht war das Geschäft,

Handwerker ihr, die lüstern nachgeäfft

Der Poesie! O, wie ihr gottlos wart!

Ihr lästertet des Gottes Gegenwart

Und wußtet's nicht – o nein! Ihr gingt einher

Und schwenktet eure arme Fahne sehr,

Die schales Motto trug, darunter groß

Ein Wort: Boileau!

O die ihr körperlos

Und ewig unsre grünen Höhn umschwebt,

O ihr, vor denen meine Seele bebt

In so viel Ehrfurcht, daß sie wahrlich nicht

Die heiligen, verehrten Namen spricht

Vor so unheiligem Volk. – Hat euch die Schande

All derer nicht entsetzt? Hat euch am Strande

Der Themse das Gejammer wohl ergötzt?

Hat euer Weinen nie das Land genetzt

Am schönen Avon, niemals dort geklagt?

O nein, ihr habt wohl ganz lebwohl gesagt

Der Gegend, die den Lorbeer nicht mehr kannte,

Und nur gezögert noch, um euch verwandte

Einsame Seelen liebend zu umfangen,

Die schon in Jugend sich zu Tode sangen? –

Doch ich will nicht der schweren Zeiten denken,

Es brachen schönre an, denn mit Geschenken,

Mit frischen Kränzen habt ihr uns beglückt,

Und an so manchem Ort hört man entzückt

Viel süßeste Musik: bald ist's ein Schwan,

Des schwarzer Schnabel auf krystallner Bahn

Das Wasser weckte – und des Wassers Singen;

Bald tropft ein melancholisch Flötenklingen

Aus Dornendickicht, traut im Tal verschlossen;

Die Erde ist von zartem Laut umflossen:

Beglückt seid ihr und froh!

Gewiß! Doch dröhnte

Oft donnergrollend der Gesang und höhnte

Die edle süße Majestät der Kunst:

Das Plumpe, Bärenhafte kam in Gunst,

Und Polypheme, die sich Dichter nannten

Und als Zerstörer gegen Throne rannten,

Begannen roh durchs große Meer zu wühlen.

Doch Poesie ist anders, ist zu fühlen

Als breiter ewiger Strom des Lichts, – ist Macht,

Die niemals schläft, doch stets nur milde wacht:

Sie ruht, und mit dem Schwung der Augenlider

Zwingt sie sich Tausende gehorsam nieder,

Und Güte ist ihr Szepter; Kraft allein,

Auch Musenkraft, kann nur ein Engel sein,

Der fiel und Freude hat an Nacht und Dornen,

An Grab und Leichentuch und an verworrnen

Und aufgewühlten Dingen und vergißt,

Daß aller Dichtung Ziel die Liebe ist,

Die freundlich tröstet und den Sinn erhebt.

Doch ich frohlocke, denn aus bittrem Kraut

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