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作者:德- Friedrich Gerstacker 当前章节:15457 字 更新时间:2026-6-22 23:51

»Das sind vortreffliche Aussichten, Mr. Bush«, sagte der Melbourner Kaufmann, als er neben diesem dem Wagen zuschritt. »Dagegen wird Euch wohl keine Versicherung helfen, wie?«

»Die Kerle fahren wie der Teufel«, beruhigte ihn aber dieser, »und haben ihre Tiere sicher in der Hand. Solange der Karren hält, haben wir schwerlich etwas zu fürchten.«

»Desto besser dann«, sagte der Kaufmann, sich, so gut es gehen wollte, wieder auf seinem schmalen Sitz zurechtrückend. »Und nun, Kutscher, fahrt zu; Wetter noch einmal, ist das eine unbequeme Bank. Man hat wirklich alle Hände voll zu tun, sich nur festzuhalten. Sucht Ihr denn Eure Passagiere wieder zusammen, wenn Ihr einige davon einmal verliert?«

»Manchmal«, erwiderte der Mann trocken. - »He da - alle an Bord?«

»Alle - so gut es eben geht.«

»Gut denn - laß gehn da vorn, Tom - halt fest da hinten - komm Jerry, komm Bock - hu - pih!« Und mit kräftigem Peitschenschlag auf die sich bäumenden Tiere einhauend, trieb er diese zu raschem Ansprung, daß sie den unbeholfenen Karren mit einem Ruck nach vorn rissen.

»Um Gottes willen, mein Hut!« rief Mr. Warrel, der sich beinahe den Arm an der eisernen Lehne ausgerenkt hatte, während ihm der Hut vom Kopfe flog.

»Macht nichts, Bill!« rief aber Tom, der Hausknecht, an derartige kleine Folgen wahrscheinlich schon gewöhnt, indem er den Hut in der Luft fing und seinem Besitzer mit außerordentlicher Geschicklichkeit wieder zuschleuderte. »Alles in Ordnung - go on!«

Der Kutscher, der von dem Zuruf auch nicht die mindeste Notiz genommen hatte, bedurfte dieser Beruhigung gar nicht, denn ohne sich nach dem Passagier oder dessen Hut auch nur umzusehen, gab er seinen Tieren nur wiederholt die Peitsche, und der fest auf seinen Achsen ruhende Karren rasselte rücksichtslos und wild über die rauhe, holprige Straße hin, seine Bahn entlang.

An eine Unterhaltung zwischen den Passagieren war unter solchen Umständen gar nicht zu denken. Jeder hatte vollauf zu tun, sich auf seinem Sitz und, wie ein australisches Sprichwort ganz passend sagt, die Zunge im Munde festzuhalten, bis der Weg wieder ebner und weicher wurde und der Karren, von den Flüchen der mißhandelten Passagiere begleitet, wenigstens verhältnismäßig ruhig auf seiner Bahn dahinfuhr.

Der Weg zog sich hier, wo er schon das Murraytal berührte, durch einen Wald der mächtigsten Gumbäume hin, und die Bahn hindurch war dabei keineswegs in einer geraden Linie gehauen worden, sondern wich den stärksten Stämmen aus und wählte die lichtesten Stellen. Hier und da stand auch wohl noch ein tüchtiger Stumpf mitten im Weg, und es bedurfte der ganzen Geschicklichkeit des Kutschers, das allerdings mit seinen zwei Rädern leicht zu wendende Fuhrwerk zwischen all den Hindernissen mit solcher Schnelligkeit hinzuführen.

Dem Siedler, der neben dem Kutscher auf dem Bock saß und dabei Zeuge war, wie die Achsen oft nur um Haaresbreite an einem der alten Waldriesen vorübergerissen wurden, war gar nicht wohl bei der Fahrt, und er hatte seine ganze Kaltblütigkeit nötig, dem tollen Rennen so ruhig zuzusehen. Einmal aber, als der Wagen wieder an einem alten Gumbaum so dicht vorbeischnellte, daß er noch ein Stück von der dicken weichen Rinde mit abriß, und dann gleich darauf mit dem einen Rad über einen umgestürzten Klotz fuhr, wonach der Karren wohl fünfzehn Schritt weit auf dem anderen eben noch balancierte, konnte er es doch nicht mehr so ruhig mit ansehen und sagte, sich zu dem Kutscher wendend:

»Heda, Freund - von unseren Hälsen gar nicht zu reden, scheint Ihr auch mit Eurem eigenen verwünscht rücksichtslos umzugehen. Wenn wir hier umgeschlagen wären, hätten wir leicht die Härte unserer Schädel an jenen Gumbäumen versuchen können.«

»Könnt recht haben, Mate«, erwiderte ziemlich ungeniert Bill, der Rosselenker, »aber immer noch besser, als daß wir den gesegneten Buschkleppern in den Rachen laufen.«

»Und hätten wir hier wirklich etwas von ihnen zu fürchten?« fragte der Siedler rasch.

»Hier? - Habt Ihr den Kerl nicht gesehen, der etwa fünfhundert Schritt zurück links vom Weg in den Busch hineinsprang?«

»Den Kerl? - Habt Ihr jemanden gesehen?«

»Glaubt ihr, ich treibe meine Tiere hier umsonst zuschanden?« brummte der Mann mürrisch in den Bart. »Hol die Post auch ein solches Leben, und das soll die letzte Fahrt sein, die meiner Mutter Sohn auf dieser vermaledeiten Straße hin und wider fährt.«

Der Siedler erwiderte kein Wort weiter, griff aber nach seinen Pistolen, ob sie ihm der Hand bequem im Gürtel stäken, und sah nach den Hütchen auf seiner Doppelflinte.

Der Kutscher warf seitwärts einen halb neugierigen, halb unzufriedenen Blick auf die Waffen und sagte:

»Schießen die Dinger sicher?«

»Das wollt ich meinen«, erwiderte der Siedler.

»Und geh'n sie auch los?«

»Ich möchte Euch nicht auf fünfzig Schritt im Wege stehn«, lautete die beruhigende Antwort.

»Hm«, brummte aber der Mann, noch keineswegs damit zufriedengestellt, »ich weiß doch nicht, ob Ihr nicht besser tätet, die Dinger in den Kasten zu packen.«

»Damit uns die Schufte ungehindert plündern, wie?«

»Ist eben nur noch die Frage, ob Ihr sie damit hindern werdet«, lautete die mißtrauische Antwort. »Die Schufte wählen sich eben Ort und Zeit nach eigenem Gefallen, und wenig Gutes hab ich bis jetzt von solchen Schießdingern gesehen, die nie losgehen, wenn sie eigentlich sollen. Alle, die ich bis jetzt auf dem Karren gehabt, haben sich die Buschranger mitgenommen und noch nicht einmal ›Danke‹ dafür gesagt.«

»Und seid Ihr hier schon einmal von den Räubern überfallen worden?« mischte sich der kleine Zwischenpassagier in das Gespräch, der demselben bis dahin in fieberhafter Angst gelauscht hatte.

»Einmal?« sagte der Kutscher, indem er einen halb erstaunten, halb verächtlichen Blick zu dem an seine Seite geklemmten Passagier hinunterwarf, »viermal haben mich schon die ›Herren von der Straße‹, wie sie sich nach echt englischer Art zu nennen belieben, unter den Fäusten gehabt, und ich will froh sein, wenn ich die Bekanntschaft dieser verdammten Kanaillen nicht heute zum fünftenmal zu machen habe.«

»Hallo, Kamerad«, rief da Mr. Bush, der sich zu dem Kutscher umdrehte, »haben sie Dich so schlecht behandelt, daß Du ihnen solche Ehrentitel gibst?«

»Hol sie der Böse!« zischte Bill zwischen den Zähnen durch, »wenn sie mir auch noch nichts zuleide getan haben, ist es doch nur eine blutige Bande von Sträflingen und dem Galgen abgestohlenes Gelichter, und je weniger man mit den Schuften zusammenkommt, desto besser.«

»Das ist ein gefährliches Urteil für eine gemischte australische Gesellschaft«, sagte der junge Mann lachend, »aber Ihr seid wohl noch nicht lange im Lande und wohl gar einer der sogenannten freien Einwanderer?«

Bill warf einen zornigen Blick zu dem Sprecher zurück und sagte finster:

»Bin ich auch, Mate, wenn's Euch etwa kümmert, und für mein eigen Geld in die Kolonie gekommen, und das ist mehr, als mancher Gentleman von sich sagen kann.«

Mr. Bush lachte gutmütig vor sich hin und warf nur einen Seitenblick auf seinen Nachbar. Dieser schien aber weder den »Gentleman« noch die andere Anspielung auf sich zu beziehen und kaute ruhig an einem riesigen Priem weiter, den er fortwährend aus der linken in die rechte Backe und wieder zurück wechselte.

Das Gespräch wurde hier durch einen gotteslästerlichen Fluch des Kutschers unterbrochen, der vor sich in dem schmalen Weg ein paar von einem Gumbaum niedergebrochene sehr starke Äste liegen sah, die sich auf keine Weise umgehen ließen und erst fortgeräumt werden mußten. Unfern davon, unter einem anderen Baum, saß ein Fußreisender, ein sogenannter Bündelmann, der sein Bündel und seinen Stock neben sich gelegt hatte, sein Frühstück vor sich auf den Knien, ganz ruhig und unbekümmert in freier Luft tafelte und den dicht neben ihm haltenden Postkarren kaum eines Blickes würdigte.

»Hallo, Mate!« rief ihm da der Kutscher zu, wie er nun seiner ansichtig wurde, »macht's Euch was aus, wenn Ihr einmal einen Augenblick aufständet und das verdammte Holz da aus dem Wege räumtet? Ich kann die Zügel hier nicht loslassen!«

»Hm«, sagte der Bursche, ohne sich besonders außer Fassung bringen zu lassen, »Eure ganze Gesellschaft da oben hält wohl die Zügel mit oder hat sich festgebunden, daß sie nicht abgeschüttelt wird? - Na meinetwegen; das nächstemal, wenn ich fahre, könnt Ihr mir vielleicht das Holz aus dem Wege räumen.« Und sein Frühstück neben sich niederlegend, stand er langsam auf und stieg zu dem nächsten Ast hinüber, dicht vor dem die schäumenden Pferde hielten.

»Donnerwetter, Mate, das Holz ist schwer«, rief er, als er vergebens den einen Ast zu lüften versuchte. »Na, Eure Pferde beißen doch nicht?«

»Bewahre - laßt sie nur los - he da, Kamerad, Ihr drückt sie mir ja ganz in den Busch hinein. Die Pest über Euch, Ihr werdet mir den Karren umwerfen.«

»O bewahre!« sagte der Bündelmann, der das Handpferd beim Zügel genommen und seitwärts zwischen die Bäume gedrückt hatte, »kommt gleich alles in Ordnung, Mate. Da sind auch noch ein paar Kameraden, die mir helfen können.«

»Hallo, Bush!« rief da plötzlich der Siedler, der von rechts und links unter den Bäumen ein paar zerlumpte und drohende Gestalten auftauchen sah, indem er sein Gewehr in die Höhe riß, »jetzt gibt's Arbeit - nehmt Ihr die rechts, ich will mit denen da links -.«

»Vorsichtig, Kamerad«, sagte aber Mr. Bush, der schon, als der Bündelmann zu den Pferden ging, ein Doppelpistol aus der Tasche gezogen und die Hähne gespannt hatte und mit der linken Hand nach der Schulter des Siedlers griff und diese drückte. »Ich möchte Euch etwas sagen.«

»Da kommen sie, bei George - Wetter, Mate, Ihr drückt mir die Schulter ein - was ist - he - was -.«

»Pst! - Nicht einen Laut!« sagte Mr. Bush ruhig, und der Siedler sah zu seinem Entsetzen das gespannte Pistol seines Reisegefährten mit der Mündung dicht an seinem Ohr. »Der geringste Griff nach Euren Waffen - eine weitere Bewegung nur, und ich schicke Euch, größerer Bequemlichkeit wegen, ein Lot Blei durchs Hirn. - Ihr anderen haltet euch ruhig, und es soll euch nichts zuleide geschehen. - Wenn sich allerdings jemand widersetzt, mag er sich die Folgen dann auch selbst zuschreiben.«

Von allen Seiten sprangen indessen wild genug aussehende Kerle, die meisten von ihnen Gewehre in der Hand haltend, aus den Büschen und hinter Bäumen, hinter denen sie bis jetzt versteckt gelegen hatten, hervor, während der Bündelmann, ohne sich weiter um die Passagiere zu kümmern, die Stränge der Pferde durchschnitt und die Flucht unmöglich machte.

Der Siedler knirschte mit den Zähnen, aber er wußte sich auch so vollständig in der Gewalt seines jetzt hinter ihm stehenden bewaffneten Feindes, daß ein Widerstand völlig nutzlos gewesen wäre und im nächsten Augenblick sein Leben gekostet haben würde.

Die übrigen, unbewaffneten Passagiere hielten sich ruhig und ließen das Unvermeidliche über sich ergehen. Nur Bill, der Kutscher, konnte nicht so geduldig mit ansehen, wie die Stränge seiner Kutsche zerschnitten wurden.

»Höll' und Teufel, Mate!« schrie er, die Pferde an den Zügeln zurückreißend, »was ruiniert Ihr mir denn das Geschirr? Seht Ihr denn nicht, daß ich bis über die Ohren in dem vermaledeiten Holz sitze und weder vor- noch rückwärts kann?«

»Ruhig, mein Herz!« rief ihm der vermeintliche Bündelmann entgegen, der indessen auch eine bisher versteckt gehaltene Muskete aufgegriffen hatte, »bleib du nur ganz still und geduldig auf deinem alten Klapperkasten sitzen, bis man dich ruft. Mit deinen Pferden wirst du wohl keine Sorge weiter haben.«

»Meine Herrschaften!« sagte in diesem Augenblick der sogenannte Mr. Bush, ohne jedoch seine drohende Stellung auch nur im mindesten zu verändern, »ich muß euch ersuchen, einzeln und langsam vom Wagen abzusteigen. Ihr habt für euer Leben nichts zu fürchten - nur wer sich widersetzt, ist ein Kind des Todes. Mr. Warrel, Ihr habt wohl die Güte, den Anfang zu machen.«

»Mit Vergnügen«, sagte der würdige Herr, der mit einiger Verlegenheit an das selbstverratene Geheimnis seiner unechten Uhr und Kette dachte, dem Befehl jedoch Folge leistete. Zugleich sah er sich unter der Aufsicht eines der Buschranger, der mit gespannter Muskete neben ihm stehenblieb.

»Nun, Ihr da, Freund, ich weiß Euren Namen nicht, wenn's gefällig wäre.«

»Dank Euch, John«, sagte der Mann, der bei dem ganzen Überfall auch nicht eine Miene verzogen oder sich anders benommen hätte, als ob ihnen auch nur das Allergewöhnlichste begegnete.

»Ihr kennt mich?« rief Mr. Bush überrascht aus.

»Sollt es denken«, meinte der andere, ohne auch nur die Hände aus seinen Taschen zu nehmen, als er von seinem Sitz hinunterstieg und langsam zu dem Kaufmann hinüberging, »habe schon früher einmal das Vergnügen gehabt.«

»So?« sagte Gentleman John, der Anführer der Schar, lachend, »nun, davon nachher. - Jetzt Ihr da, Kamerad, mit dem traurigen Aussehen und dem geflickten Kittel. Herunter mit Euch, habt Ihr mich verstanden?«

»Ach, gnädigster Herr Buschranger«, winselte der arme Teufel, indem er wie eine Schlange zwischen dem Kutscher und dem Siedler hindurch über den Rücksitz des Bocks hinweg hinten hinunterglitt: »Ich habe ja nichts als mein elendes erbärmliches Leben, und wenn Ihr nur so äußerst gnädig sein wolltet und mir -«

»Stopf dem Burschen einmal das Maul, Bob, wenn er nicht von selbst ruhig ist«, rief Gentleman John ruhig vom Bock nieder, und der Kleine sah kaum die furchtbare Muskete auf sich gerichtet, als er auch winselnd und erschrocken in die Knie sank und keinen Laut weiter über die Lippen brachte.

»Jetzt hierher, zwei von euch!« rief da der Befehl des Anführers wieder einige der Schar zu dem Wagen, auf dem Gentleman John noch immer neben dem Kutscher den bewaffneten Siedler mit der gespannten Pistole bedrohte. »Nehmt dem Herrn hier doch einmal die schweren Waffen ab und bringt sie in Sicherheit. - Laßt geschehen, Freund, was Ihr nicht hindern könnt, denn der geringste Widerstand - halt - bemüht Euch nicht selbst - so, Rotkopf, wenn du genötigt sein solltest, auf den Herrn zu schießen, so tritt ein wenig beiseite, daß ich nicht auch einen Teil der Ladung bekomme. Nehmt das Gewehr herunter, und nun die Pistolen. Auch den Gürtel schnallt ab, an dem das Messer sitzt, eine vortreffliche Waffe, wie es scheint, die ich als Andenken behalten werde. So, meine wertgeschätzten Herren, und nun, Mates, bindet ihm doch einmal die Hände auf den Rücken, daß wir vorläufig keine weiteren Umstände mit ihm haben.«

»Was wollt Ihr noch mehr von mir?« rief der Siedler bei diesen Worten entrüstet, »ich habe alle meine Waffen abgegeben.«

»Nur ruhig, Kamerad, nur ruhig. Das andere wird sich weiter finden«, sagte Gentleman John mit freundlichem Kopfnicken. »Euch vor allen Dingen müssen wir sicher haben. Die anderen Herren sind klug genug, sich auch ohne das geduldig unseren Wünschen zu fügen.«

Der Siedler, von mehreren Seiten dabei durch die auf ihn gerichteten Gewehre bedroht, mußte vom Wagen herunter, wo ihn einige von der Bande im Empfang nahmen und ihm die Ellbogen auf dem Rücken zusammenschnürten, und Bill, dem Kutscher, wurde dann ebenfalls bedeutet, seinen Bock zu verlassen.

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